Kate im Hilton Metropol Hotel in London

Bericht von Claudia Roos
4.– 5. Januar 2003

Es war das erste Mal, dass ich Kate Mulgrew sowohl auf der Bühne bei einer Convention als auch ganz persönlich erleben durfte.
Niemand von den werten Lesern sollte nun durch langatmige Anreiseprotokolle gelangweilt werden – daher beginne ich gleich mit dem Wesentlichen:

Kates Panel auf der Creation Convention in London am 4. Januar 2003.

Sie betrat gegen 17.00 Uhr die Bühne unter dem lebhaften Applaus des Publikums, sehr elegant gekleidet mit einem schwarzen Hosenanzug, passenden schwarzen Pumps, einer Perlenkette und ebensolchen Ohrringen.
Kates trug eine lockere Hochsteckfrisur, die von einer großen, schwarzen Klemmspange gehalten wurde.
Zuerst wünschte Kate den Gästen ein frohes neues Jahr und gab dann eine kurze Zusammenfassung vom Ablauf des letzten Jahres mit den Dingen, die sie für besonders erwähnenswert hielt.
Sie bedauerte, dass ihr Mann Tim Hagan die Wahl zum Gouverneur von Ohio verloren hat und erzählte aber begeistert vom Extravaganza Event, das im August mit der Unterstützung einiger ehemaliger Voyager-Kollegen in Cleveland zugunsten der Wahlkampagne für Tim stattfand.
Kate sagte, wie sehr sie sich über diese Unterstützung freute und betonte auch, wie sehr sie die meisten von ihnen vermissen würde.

Weiterhin sprach sie über ihr Theaterstück „Tea at Five“, welches einige Monate in Hartfort und Cleveland mit sehr großem Erfolg aufgeführt wurde und vom Leben der legendären Katherine Hepburn handelt.
Sie stellte dem Publikum die „junge“ als auch die „alte“ K.H. stimmlich vor und erzählte, dass es sich um ein Ein-Frau-Stück bestehend aus 2 Akten handelt.
Mit einem Augenzwinkern kommentierte Kate die Tatsache, dass die echte K.H. aus Altersgründen das Stück bisher nicht sehen konnte und fügte ein „may be better so“ grinsend hinzu...

Ein bewegender Moment in Kates Leben stellte der allerletzte Tag am Voyager-Set dar, wo sie seit einer Woche völlig allein die restlichen „Endgame“ Szenen drehte, in welchen nur sie zu sehen war.
Als sie die letzten Worte in ihrer Rolle als Captain Janeway sprach, war bereits ein Bühnenarbeiter dabei, ihren Captains´ Sessel zu demontieren, auf dem sie noch saß. Sie verglich diesen Mann mit etwas Schlimmeren als der Species 8472, was das Publikum laut auflachen ließ.
Es war sehr bewegend zu erfahren, dass einzig und allein Bob Picardo zum Set zurückgekehrt war, um an diesem Tag gemeinsam mit Kate Abschied zu nehmen.
Sie war sehr berührt und man konnte deutlich fühlen, dass sie Bob diese Geste sehr hoch anrechnet.

Anschließend forderte Kate das Publikum auf, Fragen zu stellen und sie bat darum, dass die Leute sich ans Mikrofon stellten, „da sie altersbedingt nicht mehr ganz so gut hören könne“.
Kate fragte im Publikum nach, ob wir auch schon diese Probleme hätten und meinte, dass sie unangenehm fände, immer mehrmals nachzufragen, weil sie nicht alles verstanden habe.
Ob das nun ernst gemeint war oder nur just kidding ?!??

Nun prasselten die unterschiedlichsten Fragen auf Kate nieder, aber sie verstand es perfekt, sich für jede Frage und auch besonders für den oder die Fragesteller(in) individuell Zeit zu nehmen.
Namen und Alter wurden (meist) von ihr erfragt und sie interagierte so intensiv mit ihrem Publikum, dass sogar ein junges Mädchen zwischendurch meinte, dass es doch nicht um sie, sondern um Kate ginge.
Da konnte sie Kate aber kennen lernen!
Des weiteren machte sich Kate z.B. die Mühe (und den Spaß dazu), die Mutter eines 12-jährigen Mädchens ans Mikro zu „bitten“ , um in einem persönlichen Dialog mit ihr für den Berufswunsch des Kindes, Schauspielerin zu werden, zu intervenieren.
Was ihr auch gelang .... danach machte sie noch den Gag, zu imitieren, wie die Mutter wohl später mit ihrer Tochter schimpfen würde, sie in ein solche Situation gebracht zu haben . *LOL*

Die Frage, ob „Tea at Five“ auch in Großbritannien gespielt werden würde, beantwortete Kate mit echter Begeisterung und sie versprach, in USA mit ihrem Produzenten zu sprechen.
Der Saal tobte ...

Lieblings-Episoden bei Voyager?
Endgame, Counterpoint, Deathwish, Deadlock.

Ihr favorisiertes technisches Teil bei Star Trek?
Tricorder wurde nach längerem Überlegen von Kate genannt, wobei sie dann gemeinsam mit dem kleinen Jungen, der diese Frage stellte, erarbeitete, warum das das wichtigste Teil für sie sei...

Ob Kate ins Weltall fliegen würde, wenn es möglich sei?
Als das Publikum von ihr dazu befragt wurde und fast einhellig mit ja stimmte, schloss sie sich spontan dieser Meinung an, obwohl sie vorher zögerte und eher abgeneigt war *g*.

Ob Kate wirklich im Oktober zu einer deutschen Con nach Hagen käme?
Ja, sie wird dort sein!!!

Und dort ihre deutsche Stimme kennen lernen möchte?
Ja, sie freut sich schon sehr darauf.

Ein Mädchen fragte nach, ob es wahr sei, dass Kate noch Wettschulden bei Robbie McNeill habe, da er vor längerer Zeit am Set mit ihr gewettet hatte, dass er Garrett Wangs Stimme für die Dauer einer kompletten Filmszene imitieren könne und Kate verloren habe. Sie antwortete, dass er froh sein solle, dass er noch atmen könne u. bedankte sich freundlich dafür, dass ihr Nachrichten von anderen Kollegen übermittelt würden *g* .

Vergleich zwischen Janeway und Kirk?
Kates Antwort lautete (lachend) „nur körperlich“ und sie betonte, dass sie gerne mit diesem Captain verglichen werde, da William Shatner ein großartiger Mann sei, denn sie sehr schätzt. Sie versuchte, ihre Rolle als Janeway mit Kirks Art von Respektlosigkeit zu beleben.

Janeway-Chakotay-Beziehung?
Wäre wohl keine gute Idee gewesen, da sie z.B. bei *Red Alert* schlecht beide aus dem gemeinsamen Bett springen könnten, um sich in Janeway´s Bereitschaftsraum zu treffen...
In diesem Zusammenhang machte Kate ihrem Herzen Luft, indem sie förmlich herausprustete, dass ihrer Meinung nach die Sache mit diesem Hologramm (Fair Haven) wohl die schlechteste Idee überhaupt gewesen sei.
„Wie verzweifelt muss Kathryn wohl gewesen sein, wenn sie schon ein Hologramm nehmen musste...“
Sie fügte noch hinzu, dass es doch diesen prächtigen Kerl in „Counterpoint“ gegeben habe, nicht zu vergessen ihr 1. Offizier ....

Thema: Haare
Sie beklagte sich über die Unvernunft der Leute bei Paramount, die ihr innerhalb der Serie über 30 verschiedene Frisuren verpasst haben und dass sie das überhaupt nicht leiden konnte. Sie beklagte sich empört darüber, dass niemals jemand ein Wort über die Frisur von Captain Picard verloren habe und warum dies wohl so sei.
Die Lacher waren natürlich auf ihrer Seite .

Lieblingskollegen bei Voyager?
An erster Stelle wurde Bob Picardo hoch gelobt, dicht gefolgt von ihrem Trailer-Nachbarn Robbie, dessen lustige Art und Lebendigkeit sie sehr schätzt.
Garrett, Tim, Ethan und Roxann wurden ebenfalls genannt.
Auf Nachfrage des Publikums gab sie über Jeri auch einen Kommentar ab und zwar, dass diese jetzt in einer neuen Serie mitspielt als Lehrerin, was Kate gut gefällt.
Zitat: „Es waren keine schlechten Äpfel im Korb, aber ein paar Orangen.“

Frage an ihren Mann Tim, ob er vorhabe, wieder zu kandidieren.
Er wollte zunächst Kate´s Meinung dazu wissen, was Lachstürme im Publikum hervorrief.
Als sie ihm dann noch während seiner Antwort (er war auf die Bühne gekommen, um ins Mikro zu sprechen) einen imaginären Flusen von seinem Anzug zupfte, tobte der Saal...
Und am Ende wusste keiner, ob er nun wieder kandidieren wird oder nicht...

Ob es innerhalb Star Trek etwas gibt, dass noch nicht „abgedeckt“ wäre?
Kate bedauerte, dass bisher noch nicht das Thema Homosexualität aufgegriffen wurde. Sie würde gerne einen schwulen Senior-Offizier dabei haben, vielleicht in „Enterprise“ ?

Nemesis?
Kate bedauerte, den Film bisher noch nicht gesehen zu haben und war gerührt zu hören, dass auch sie im Trailer als Admiral Janeway zu sehen war.
Als sie (spaßeshalber) im Publikum nachfragte, ob noch jemand von der Voyager Crew dort mitspiele, und dies von allen verneint wurde, erklärte sie, dass sie sich nun geehrt fühle, was aber niemand so richtig glauben wollte.
Sie sagte, dass es ein guter Film sei und das der derjenige, der für den Veröffentlichungstermin 5 Tage vor „Herr der Ringe 2“ verantwortlich sei, sicher bald seinen Job los sei, weil die Quoten deshalb bisher nicht besonders erfolgreich waren in den USA.

Beherrscht Kate den irischer Akzent, weil sie dort ihre familiären Wurzeln hat?
Aus dem Publikum kam die Bitte danach, die Kate für einige Sätze lang wundervoll erfüllte und bemerkte, dass just vor ein paar Tagen einer ihrer Söhne die gleiche Bitte geäußert hatte, als sie in einer Bar waren.
Den „Ort“, wo dieses Mutter-Sohn-Gespräch stattgefunden hatte, hätte sie im gleichen Moment am liebsten „ungesagt“ gemacht *g*.

Leider war es dann nach einer guten Stunde soweit – der Veranstalter gab das Zeichen, dass Kate zum Ende kommen müsse, da anschließend noch ihre Autogramm-Session anstand und danach der Raum für die abendliche Cocktailparty umgeräumt werden müsse.

„Eile mit Weile“....
Kate ließ dennoch alle Leute, die sich schon für weitere Fragen an den beiden Mikros angestellt hatten, zu Wort kommen.
Sie war immer sehr darauf bedacht, den Sprecher anzuschauen, sich in die Person hineinzuversetzen und eine ehrliche Antwort zu geben.
Ihre warmherzige und freundliche Art war eine Wohltat für alle im Saal und es gab Standing Ovations bei Kate´ s Abgang von der Bühne .

Sie hatte alle in ihren Bann gezogen durch ihr sehr freundliches Verhalten, natürlichen Charme und einem unglaublichen Charisma.

Bei der Autogrammstunde bekam sie genau das gleiche Foto von mir zum Unterschreiben hingelegt, das auch schon Robert Beltran vor ein paar Wochen in Frankfurt unterzeichnet hatte:
Eine Aufnahme von beiden zusammen in ziviler Kleidung, die bei einer Veranstaltung in L.A. entstanden ist.
Kate schaute ähnlich überrascht (wie auch schon Robert) auf dieses Bild, das sie nun unterschreiben sollte, war aber viel zu sehr Profi, um sich irgend etwas anmerken zu lassen *g*, außerdem drängte die Zeit sehr und es standen noch mindestens einige 100 andere Leute hinter mir, die auch ihr Autogramm haben wollten... also: no comment.

Da sich keinerlei Security blicken ließ, konnten wir während Kates kompletter Autogrammsession in ihrer direkten Nähe stehen bzw. am Bühnenrand sitzen bleiben und sie ganz fleißig fotografieren.
Es kam dann noch Kates Mann dazu. Er war sehr nett, als wir nach einem gemeinsamen Foto mit ihm fragten und ermöglichte uns dies tatsächlich.
Wir haben uns dann noch recht angeregt unterhalten und u.a. erfahren, dass er in den Sechzigern für ein Jahr bei der Army in Deutschland stationiert war.

Es gab dann noch ein paar Dinge, über die wir sprachen und schließlich musste Kate gehen, nachdem sie noch auf der Bühne auf einen Stuhl gestiegen war, um das Convention-Banner unterhalb ihres dortigen Fotos zu unterschreiben, so wie alle Gaststars der Con es taten.

Wir freuten uns schon sehr auf den kommenden Tag ... und dass, obwohl da offiziell gar nichts mehr mit Kate anstand ... aber was ist schon offiziell?

Kate sollte mir am Sonntag noch zweimal über den Weg laufen und bei zweiten Mal haben wir uns nett miteinander in der Lobby des Hotels unterhalten.
Zum Schluss nahm sie sogar meine Hand und drückte sie ganz lieb zum Abschied.

Dass ich sie am gleichen Tag, nur wenige Stunden vorher, fast über den Haufen gerannt habe *g* ... das hat sie mir bestimmt verziehen.
Und außerdem gab es dann ja auch noch eine mehr oder weniger bleibende Erinnerung an uns alle .... auch wir Ladies können schweigen und genießen.