6 Jahre liegt die letzte Co-Produktion von Christine und Kathryn her. 6 Jahre haben wir uns aus den Augen verloren... doch im September 2010 kam die Reunion! Und VIELE, VIELE Ideen!!! Hier die erste story nach unserem Wiedersehen :) enjoy.
P.S.: Oh, wie gehabt: blau = Christine, schwarz = Kathryn :)
Nach einem langen, ermüdenden, wenn auch ereignislosen Tag an Bord der Voyager beschloss dessen Captain, sich vor dem Schlafengehen noch einer kleinen Geschichte auf dem Holodeck zu widmen. Vor kurzem war Kathryns Interesse für die alten Vampirgeschichten entbrannt und so beschloss sie, sich auf das Schloß des ehrwürdigen Grafen Dracula zu begeben. Chakotay war bereits auf seinem Weg zum Quartier, noch etwas essen und dann wollte der erste Offizier endlich schlafen. Die Brücke war für die Nacht besetzt.
Kathryn betrat das Holodeck 2 auf Deck 6 und startete das Programm. Als Kleidung für diese Geschichte hatte sie klischeehaft ein langes, weißes Kleid gewählt, ihre Haare hochgesteckt und in einer Hand trug sie eine altmodische Stall-Laterne.
Chakotay genoss noch eine Kleinigkeit zu essen, dann legte er sich in sein Bett und las noch ein wenig, bevor er müde seine Augen schloß.
Kathryn trat mutig aus dem kleinen Bauernhaus, in dem die Geschichte begonnen hatte und sah sich um. "Sei vorsichtig...", raunte ihr die Stimme einer alten Bäuerin zu. "Es wird dunkel, dann werden sie aktiv... Hier.. nimm das..", raunte sie und sah sich ängstlich um, dann drückte sie Kathryn eine silberne Kette mit einem Kreuz in die Hand. "Trag das.. dann ist Dein Hals sicher", wurde sie angewiesen und legte sich die kühle Kette um. Sie schauderte als das kalte Edelmetall ihre Haus berührte. Als sie sich wieder umsah, war die Alte verschwunden.

Ein gutes Stück Fußweg entfernt erhoben sich die dunklen Türme des alten Schlosses gegen den nächtlichen Himmel. Ein Wind kam auf und bald prasselten die ersten Regentropfen auf Kathryn nieder und in der Ferne zuckten Blitze. Ein dumpfes Grollen drang aus der Wolkendecke und Kathryn raffte ihr Kleid zusammen und eilte auf das Schloss zu. Als sie nach einer Weile dort angekommen war, hatte sich der unstete Regen in einen regelrechten Wolkenbruch verwandelt und Kathryn war bis auf die Haut durchnässt. Zitternd vor Kälte pochte sie mit dem großen, eisernen Ring an das große Portal.
Wie von Geisterhand öffnete sich das Portal und bot einen Einblick in das düstere Innere. Da der Regen immer intensiver wurde und das Gewitter nun direkt über ihr war, beschloss Kathryn, einzutreten. Nachdem sie eingetreten war, fiel die große, schwere Tür hinter ihr laut ins Schloß und ließ sich auch nicht wieder öffnen.
"Na prima", dachte sich Kathryn und hielt ihre Laterne höher um den Eingangsbereich besser zu beleuchten. Eine breite Marmortreppe erstreckte sich mitten im Foyer und Blitze erhellten den Raum. Als Kathryn ans obere Ende der Treppe hochblickte konnte sie die Umriss von einem Mann erkennen. Erschrocken trat sie einen Schritt zurück und prallte gegen die Tür.
"Verzeihen Sie, dass ich hier einfach hereingeplatzt bin, aber der Regen war so heftig und die Tür wurde geöffnet, da dachte ich..."
"Sorge dich nicht, mein bezauberndes Kind", ertönte die wohlklingende Stimme des Grafen, welcher sich elegant auf Kathryn zu bewegte. "Folge mir, Du kannst Dich bei mir vor dem Regen schützen und deine nasse Kleidung wechseln, wenn Du es wünscht." Auf einen Fingerzeig des Grafen hin erhellte sich die Vorhalle mit Kerzenlicht und wies Kathryn den Weg zu einem der vielen Zimmer. "Geh nur.. Dir wird hier nichts geschehen...", hauchte der Graf in Kathryns Ohr.
Die Stimme des Grafen schlug Kathryn fast in einen Bann. "Danke Mylord", hauchte sie nur und ging auf die Tür zu, auf die der Graf gewiesen hatte. Das Zimmer wurde dominiert von einem riesigen Himmelbett und einem Kleiderschrank. Als Kathryn den Schrank öffnete fand sie dort eine Auswahl von Kleidern. Sie entschied sich für ein dunkelblaues, langes, weit schwingendes Kleid, das auf dem Rücken noch eine lange Schleppe hatte. Sie legte es auf das Bett und zog sich dann ihr nasses Kleid aus, und das Blaue an.
Grinsend wartete der Graf, bis er wusste, dass sich sein nächstes Opfer, das hübsche Fräulein umgezogen hatte und klopfte dann mit seinen langen, eleganten Fingern an die Tür. "Mademoiselle?", hauchte er gegen die Tür, wohl wissend, dass sie ihn hören würde.
Die Tür öffnete sich und der Graf konnte nicht verhindern, dass sein Blick an ihrem Körper entlang glitt und an ihrem Dekollete hängenblieb. Doch er hatte sich schnell wieder im Griff und zwang sich dann, ihr in die Augen zu gucken. Kathryn erwiderte sein Lächeln und sah ihm in seine faszinierenden dunklen Augen. "Mein Kind, möchtest Du zusammen mit mir speisen?", hauchte der Graf und Kathryn nickte. Wie als Zustimmung grummelte es nun auch in ihrem Magen und der Graf lächelte, während er sich von ihr fast schon losriss. "Darf ich bitten?", fragte er sie und bot ihr ihren Arm an, welchen Kathryn dankend annahm.

Währenddessen auf der Brücke sah sich die Nachtschicht mit einem seltsamen Phänomen konfrontiert: Ein ihnen unbekanntes Schiff scannte sie und ließ sich nicht rufen, seltsamerweise konnten sie auch niemanden von der Crew verständigen, geschweige denn den Captain oder den Commander. Alle Versuche, den Strahl zu blocken, waren bisher gescheitert.
"Mr. Dell, polarisieren Sie unsere Deflektorschüssel und bereiten Sie eine EM Entladung vor."
Lt. Ayala, der im Captainsessel saß und die Voyager für die Schicht kommandierte, wollte mit dem Vorgehen versuchen die gegnerischen Sensoren zu stören damit der Strahl deaktiviert wurde.
"Ich bin bereit, Sir", meldete Mr. Dell nach kurzer Zeit.
"Mr. Culhane, halten sie sich bereit um im Notfall auf Warp zu gehen", orderte Ayala. "Mr. Dell, tun Sie's."
Während alle auf der Brücke krampfhaft, wenn auch leider erfolglos versuchten, den Strahl abzuwehren, bemerkte niemand, dass sich kurz die Energie auf dem Holodeck erhöhte, als sich eines der fremden Wesen auf die Voyager transportierte, direkt in den Grafen hinein. Dieser wandte sich seiner bezaubernden Begleitung wieder zu, als sie den großen Speisesaal erreichten und rückte ihr den Stuhl zurecht, damit sie sich hinsetzen konnte.
Kathryn konnte derweil ihren Blick gar nicht mehr von den Augen des Grafen abwenden. Etwas in seiner Stimme und seinen Augen hielt sie gefangen und ihr Blick glitt auf sein Lächeln. Sie sah die Lippen näherkommen und bevor seine auf ihre trafen schloß sie die Augen. Sie fühlte, wie sein Mund an ihrer Wange entlang glitt, dann hinunter an ihrem Hals.
Sanft glitten die Lippen des Grafen über Kathryns Hals, die ihn ihm willig entgegenreckte. Seine Lippen liebkosten ihre weiche Haut, während sie zu zittern begann. Ihre Hände klammerten sich an seine starken Oberarme, als seine Zähne begannen, sich in ihre weiche Haut zu bohren. Ein leiser Schrei entrang sich ihren Lippen, während der Graf begann, sich an ihrem Blut zu laben...

Währenddessen auf der Brücke gelang es endlich der Nachtschicht, den feindlichen Strahl zu unterbrechen und das fremde Schiff entfernte sich.
"Wie haben Sie das gemacht, Mr. Dell?", fragte Ayala, doch der Angesprochene zuckte nur mit den Schultern.
"Die haben plötzlich aufgehört", erwiderte er verwundert.
"Mr. Culhane, gehen Sie auf Warp 1", wies Ayala an und sie gingen auf Warp.

Der Graf taumelte kurz, dann wandte er sich von Kathryn ab, welche ohnmächtig zu Boden sank.
An ihrem Hals waren zwei kleine Löcher zu sehen, aus denen noch das Blut herausquoll. Der Graf ließ sich auf einen Stuhl fallen und war noch ganz berauscht von Kathryns Blut. So eine Delikatesse hatte er lange nicht mehr gehabt. Er wollte sie auf jeden Fall behalten. Als er sich wieder einigermaßen gefangen hatte, hob er sie auf und legte sie in ihrem Gemach auf das Bett. Sie würde noch eine ganze Weile schlafen. Er ließ sie allein zurück und verriegelte von außen die Tür.
"Ayala an Captain Janeway", ertönte es aus Kathryns Combadge, doch diese reagierte nicht. Die Sicherheitsprotokolle des Holodecks waren offline und als der Captain nicht auf Ayalas Ruf reagierte, mußte er annehmen, dass ihr etwas zugestoßen war.
"Ayala an Krankenstation."
"Sprechen Sie."
"Doctor, der Captain ist auf Holodeck 2, die Sicherheitsprotokolle sind offline und sie antwortet nicht. Würden Sie bitte einmal nachsehen ob alles in Ordnung ist?"
"Natürlich, transferieren Sie meine Programm am besten gleich auf das Holodeck."
"Geht leider nicht Doc, die Transporter sind ebenfalls offline. Sie müssen so hingehen."
"Ich bin unterwegs, aber sehen Sie zu, dass Sie die Transporter wieder online bekommen Lieutenant", sagte das MHN, heftete sich den mobilen Emitter an, schnappte sich ein Medkit und machte sich auf den Weg. Ayala beschloss unterdessen auch Commander Chakotay von den Vorfällen zu unterrichten.
Unsanft wurde der Commander aus seinem Schlaf geweckt und lauschte dem Bericht des Lieutenant. Sorge breitete sich in ihm aus und er machte sich auf den Weg zum Holodeck, um dort zeitgleich mit dem MHN einzutreffen. Sie öffneten die Tür und fanden sich in der Dunkelheit des Bauernhauses wieder, um von dort mit der Suche zu beginnen.
Sie begannen, die Dorfleute zu fragen, die jedoch nichts wussten, bis auf die alte Bäuerin, die sie warnte zum Schloß zu gehen. Also machten sich der Erste Offizier und das MHN auf den Weg genau dorthin und wie auch zuvor wollte es anfangen zu regnen. Entnervt befahl das MHN das Programm zu beenden, doch weigerte sich der Computer, da aufgrund der abgeschalteten Sicherheitsprotokolle es zu unsicher sei, das Programm zu beenden. Seufzend beschlossen sie dann, doch der Geschichte zu folgen und nun im Regen zum Schloß zu gehen. Triefnass kamen beide am Schloß an und die Tür öffnete sich wieder von Geisterhand.

"Captain?" rief das MHN in die Dunkelheit. Er holten seinen Tricorder hervor und scannte nach menschlichen Lebenszeichen.
"Ich glaube, ich habe sie gefunden Commander", sagte er dann aufgeregt.
"Gehen Sie vor, Doctor."
"Wir sollten uns beeilen, die Lebenszeichen sind nur noch ganz schwach."
Chakotay hatte das Gefühl einen Eisklumpen in seinem Magen zu haben. Er betete, dass sie nicht zu spät kamen. Nach ein paar Minuten standen sie vor der verschlossenen Tür und Chakotay öffnete erst den Riegel, dann die Tür.
Kathryn lag noch immer auf dem Bett, ihre Haut war weiß wie Marmor und sie war kalt. Das MHN scannte sie und lud dann ein Hypospray mit einer Dosis Inaprovalin. Gleichzeitig erklärte er: "Sie hat viel Blut verloren, wir müssen sie auf die Krankenstation bringen!"
"Chakotay an Ayala, funktionieren die Transporter wieder?"
"Es tut mir leid, aber nein", erwiderte der Lieutenant.
"Verdammt!", entfuhr es Chakotay genervt und er hob Kathryn in seine starken Arme. "Commander...?" flüsterte das MHN.
"Nicht jetzt", erwiderte der Commander genervt und drehte sich um, nur um in das wütende Gesicht des Grafen zu blicken. "Warum haben sie mich nicht gewarnt?!", fuhr er das MHN an.
"Habe ich ja versucht", erwiderte dieser beleidigt. "Aber Sie sagten ja 'nicht jetzt' ", imitierte das MHN den Commander.
"Computer, Programm beenden", wies der Commander an und sie fanden sich auf dem blanken Holodeck wieder. So schnell sie konnten eilten sich zur Krankenstation, wo sich das MHN um Kathryns Wunden kümmerte.

Als er die Löcher mit dem Dermalregenerator geschlossen hatte überprüfte er noch einmal den Blutdruck. Die Werte gefielen ihm zwar jetzt schon besser, aber sein Captain war noch weit von diensttauglich entfernt. Er würde sie auf jeden Fall über Nacht hierbehalten. Er verabreichte ihr noch eine Dosis Vasokin damit die Blutbildung angeregt wurde und sagte dann zu Chakotay: "Sie wird wieder gesund werden Commander, der Blutverlust war heftig, aber wir kamen noch rechtzeitig. Sie können Sie morgen besuchen kommen, bis dahin bleibt sie auf der Krankenstation."
Chakotay drückte noch einmal Kathryns Hand, dann meinte er: "Ich komme morgen wieder. Falls noch was sein sollte Doc, ich bin auf der Brücke."
"Commander!" rief das MHN ihm hinterher.
"Ja?"
"Vielleicht sollten Sie vorher noch einmal in ihrem Quartier vorbeischauen..." das MHN schaute an Chakotay herunter, dieser folgte seinem Blick.
"Oh. Natürlich." Er hatte immer noch seine Nachtwäsche an.
Das MHN konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen, als Chakotay ging. Noch einmal scannte er Kathryns Werte, dann wandte er sich seinem Logbuch zu. Chakotay zog sich um und eilte auf die Brücke, um den Bericht einzufordern.
Janeway währenddessen öffnete auf der Krankenstation langsam ihre Augen und stöhnte leise auf. Ihr Kopf schmerzte und ihr war unglaublich übel.
"Sie sollten liegenbleiben", vernahm sie die Stimme des MHN und rollte genervt mit den Augen. Seufzend ergab sie sich jedoch der Situation, da ihr einfach zu übel im Magen war.
Als es ihr jedoch wieder besser ging, erhob sie sich langsam und sah sich ein wenig um, sie ließ ihre Füße kreisen und rieb sich mit der Hand das schmerzende Genick. "Was ist eigentlich passiert?" fragte sie den Doktor und er berichtete ihr, dass man sie blutend auf dem Holodeck gefunden habe, in der Hand eines Grafen. Lachend erhob sie sich von der Pritsche. "Mich hat wohl ein Vampir gebissen", meinte sie grinsend und machte Anstalten, die Krankenstation zu verlassen.

"Captain, Sie bleiben noch schön hier, sie haben viel Blut verloren und sind noch weit von aufstehen entfernt." Um jeglichen Protest schon im Keim zu ersticken drückte ihr das MHN ein Hypospray an den Hals und Kathryn sank in einen erholsamen Schlaf.
"Mistk....", wollte Kathryn noch sagen, doch kam sie nicht weit. Der Doktor legte Kathryn wieder auf die Pritsche und packte den Injektor wieder ein. Seufzend widmete er sich wieder seinen Aufzeichnungen. Seine Patienten waren fast immer ungern hier, aber den Captain dazu zu bringen, sich auszuruhen, war nahe zu unmöglich ohne Medikamente.
Das MHN hatte über Nacht Kathryns Blutwerte immer wieder kontrolliert und als er am nächsten Morgen auf sein Combadge tippe, um Commander Chakotay über den Zustand des Captains zu informieren, hatte er nur positives zu berichten. "Krankenstation an Chakotay."
"Sprechen Sie Doctor."
"Dem Captain geht es wieder gut, ihre Werte haben sich normalisiert und ich kann sie jetzt aufwecken. Möchten Sie dabei sein?"
Nachdem Chakotay den Bericht gelesen hatte und sich wieder in sein Quartier zurückgezogen hatte, versuchte er, ein wenig zu schlafen, doch dies gelang ihm nicht. Zu groß war seine Sorge über Kathryns Zustand. Als er den Bericht des MHN vernahm spürte er, wie sein Herz einen Freudensprung machte. Gott sei Dank war ihr nichts passiert.
"Ich mache mich auf den Weg", erwiderte er dem MHN und eilte auf die Krankenstation, wo das MHN ihn schon erwartete.

Der Doctor stand schon mit einem Hypospray bereit und als Chakotay die Krankenstation betrat drückte er es gegen Kathryns Hals. Einen Moment später schlug sie die Augen auf. "Chakotay?" fragte sie.
"Captain, ich bin froh dass es Ihnen besser geht. Wie fühlen Sie sich?"
"Noch etwas benommen", antwortete sie. Das MHN sagte: "Das gibt sich gleich, sie hatten zuviel Blut verloren und Ihr Kreislauf war im Keller. Aber inzwischen hat sich ihr Haushalt normalisiert."
Weder Kathryn noch Chakotay hörten genau zu, was das MHN ihnen da sagte. Kathryn setzte sich langsam auf und schwang ihre Beine elegant von der Pritsche. Irgendwie kam es Chakotay so vor, als wäre sie verändert, doch er verwarf den Gedanken gleich wieder. "Möchten Sie in Ihr Quartier gehen?", fragte er Kathryn und sie nickte. "Ich sollte mich wohl umkleiden für meinen Dienst", meinte sie und erhob sich von der Pritsche. Elegant verließ die die Krankenstation, drehte sich aber kurz vor der Tür noch einmal um. "Commander, ich erwarte einen kompletten Bericht über die Ereignisse der vergangenen Nacht. Kommen Sie bitte in einer halben Stunde in den Bereitschaftsraum", wies sie ihn lächelnd an, dann ging sie in ihr Quartier um sich frisch zu machen.

Eine halbe Stunde später betrat Chakotay den Bereitschaftsraum. Automatisch wandte er den Blick nach links als er bemerkte, dass der Sessel vor ihm leer war. Kathryn saß auf der Couch im hinteren Bereich, hatte die Beine übereinandergeschlagen und, Chakotay traute seinen Augen nicht, ihre Uniformjacke hatte sie ein Stück geöffnet. Fragend blickte er sie an. "Kathryn? Seit wann sind Sie denn so... leger gekleidet?"
Kathryn schaute ihm tief in die Augen. "Nur für Sie Chakotay", sagte sie mit einem koketten Augenaufschlag. Chakotay klappte der Kiefer herunter, doch dann lachte Kathryn. "Es ist mir etwas zu warm Chakotay."
Sie grinste ihn an und erhob sich um zum Replikator zu gehen. "Möchten Sie auch etwas zum Trinken?", fragte sie ihn, doch er verneinte. "Nun, dann nicht", meinte sie und bestellte sich ihren geliebten Kaffee. Mit der Tasse in der Hand kehrte sie zum Sofa zurück und nahm dort wieder Platz. "Nun, Commander, ich lausche."
"Laut Lt. Ayalas Bericht wurde die Voyager während der Nacht von einem fremden Schiff gescannt, es antwortete nicht auf unsere Rufe. Lt. Ayala befahl darauf hin den Deflektor zu polarisieren und eine EM Entladung vorzubereiten. Unsere Transporter fielen aus, ebenso die Deflektorschüssel und die Kommunikation. Als Lt. Ayala Sie benachrichtigen wollte stellte er ebenfalls fest, dass die Sicherheitsprotokolle offline waren, daraufhin verständigte er das MHN und mich. Das fremde Schiff hatte derweil den Scan deaktiviert und Lt. Ayala befahl auf Warp zu gehen. Den Rest kennen Sie."
Irgendwo fand Kathryn den Bericht minder interessant, Chakotay dafür interessanter. Sie lehnte sich lasziv zurück und musterte ihn, bis sie sich wieder unter Kontrolle hatte. Chakotay reagierte etwas verwundert über das seltsame Verhalten Kathryns, doch genoss er ihre Aufmerksamkeit auch. "Ist das Schiff noch in Scannerreichweite?", fragte sie, einerseits schlug nun der Captain bei ihr durch und andererseits wollte sie nicht, dass Chakotay irgendetwas merkte.
"Nein, als wir auf Warp gingen, hat es uns nicht verfolgt. Die Langstreckensensoren können es auch nicht mehr orten", antwortete Chakotay.
Kathryn nickte und lehnte sich näher zu Chakotay, auch er kam ein wenig näher zu ihr. "Dann ist es ja gut", meinte Kathryn und erhob sich abrupt, den Kaffee hatte sie nicht angerührt. Sie sah aus dem Fenster. "Was haben Sie auf dem Holodeck gesehen?", fragte sie ihren ersten Offizier.
Chakotay blickte etwas verwirrt drein. "Captain?" fragte er.
Janeway seufzte. "Auf dem Holodeck, was haben Sie dort gesehen, in meiner Geschichte?", wiederholte sie die Frage.
Chakotay überlegte kurz. Dann meinte er: "Das MHN und ich sind zum Schloß gelaufen und der Doctor hat dann ihre Lebenszeichen in einem Zimmer registriert, es war verschlossen, wir haben geöffnet und als der Doctor Sie stabilisiert hatte, erschien hinter uns ein Mann und ich beendete daraufhin das Programm."
Kathryn lächelte, irgendwie fand sie es anregend, wie er die Sache analysierte. "Möchten Sie mit mir an einer Vampirgeschichte spielen?", fragte sie ihn.
Chakotay zögerte. Kathryn kam ihm seit sie auf dem Holodeck scheinbar diese Story gespielt hatte schon sehr merkwürdig vor.
"Sehr gerne Captain", antwortete er. Diese Einladung würde ihn hoffentlich einen Grund liefern, weshalb sich sein Captain so sonderbar benahm.
Kathryn nickte erfreut. "Doch sollten wir nun wieder an unsere Arbeit gehen, die Crew wartet sicherlich schon auf uns", meinte sie lächelnd und ließ die Tasse Kaffee unberührt auf dem Tisch stehen. Chakotay folgte, strich sich kurz mit dem Daumen über seine Lippen und nahm dann in seinem Sessel Platz, neben Kathryn.
Nach Schichtende trafen sich beide vor dem Holodeck. Chakotay hatte sich in der Schiffsbibliothek noch über die Kleiderordnung in Vampirgeschichten kundig gemacht und hatte sich ein dunkles Hemd, eine schwarze feste Stoffhose, ein Halstuch und einen langen, schwarzen Ledermantel beschafft. Außerdem hatte er einen schwarzen Hut auf und sogar eine Armbrust an der Hüfte hängen. Als er Kathryn dann sah, riss er überrascht die Augen auf.
Kathryn hatte sich natürlich ebenso umgekleidet, doch trug sie nicht mehr ein unschuldiges weißes Kleid, sondern ein hautenges schwarz-rotes Ensemble, den Rock eng anliegend, am rechten Bein weit nach oben geschlitzt, darüber eine enge dunkelrote Jacke, darunter ein Korsett, welches ihre Kurven mehr als nur betonte. Ein Hauch von hellem Make-up lag auf ihrem Gesicht, die Augen waren dunkel umrandet, und mit lila Lidschatten versehen, ihre Lippen waren dunkelrot. In ihrem Dekollete blitzte eine kleine goldene Kette mit einem Amethyst in Tränenform als Anhänger. Lasziv hob sie eine Augenbraue, als sie Chakotay sah. "Bereit, Commander?", sie hauchte das letzte Wort verführerisch in seine Richtung.
Ihre Haare hatte sie hochgesteckt, sie erschienen Chakotay dunkler als zuvor.

"Wow", stammelte er erst einmal und blickte Kathryn von oben bis unten an. Dann entsann er sich, seinen Mund zu schließen. Kathryn lächelte tiefgründig und nahm dann Chakotays dargebotenen Arm. "Sie müssen mir aber erklären, was ich zu tun habe", sagte er dann und beide betraten das Holodeck.
Hinter ihnen schloß sich zischend die Tür und sie fanden sich nicht wieder in dem kleinen Bauernhaus wieder, sondern gleich im Schloß. "Tun Sie, was Sie möchten", erwiderte sie ihm mit einem verführerischen Lächeln und drehte sich einmal um ihre eigene Achse, dann wandte sie sich wieder ihrem Begleiter zu. Sie konnte nicht verneinen, dass er verdammt anregend aussah.
Chakotay runzelte die Stirn und beschloss, seinem Captain erst einmal zu folgen. Er kannte sich hier gar nicht aus und wusste auch nicht im entferntesten, was auf ihn zukommen würde. Kathryn strich mit einem ihrer unüblichen langen Fingernägel langsam über Chakotays Arm. Dabei sah sie ihm tief in die Augen. Chakotay wurde etwas flau im Magen, entweder, sein Captain ließ sich komplett auf das Spiel und ihre Rolle ein, oder sie gehörte definitiv auf die Krankenstation. Er beschloss sie noch weiter zu beobachten. Plötzlich hörte er hinter sich ein knarrendes Geräusch. Er wirbelte herum, die Armbrust im Anschlag und zielte auf eine offene Tür, die eine dunkle Treppe offenbarte.
Kathryn stand nun hinter Chakotay und beide sahen gespannt auf die sich öffnende Tür. Janeways Hände strichen über Chakotays Oberkörper und spürten das wilde Schlagen seines Herzens. Dein Herz wird bald noch viel wilder schlagen, dachte sich der Captain grinsend. "Unser Dinner ist serviert", stellte sie fest und ließ ihn einfach stehen. Mit schwingenden Hüften bewegte sie sich in Richtung der Tür. "Folgen Sie mir", wies sie ihn an.
Chakotay war zu perplex über Kathryns Gebaren und folgte ihr einfach. Sie stiegen die Treppe zum Erdgeschoß hinunter und kamen kurz darauf an denselben Tisch, an den der Graf Kathryn schon gebeten hatte. Kathryn stellte sich neben einen Stuhl und blickte Chakotay erwartungsvoll an. Dieser schob ihr sofort ganz Gentlemanlike den Stuhl zurecht so dass sie Platz nehmen konnte. Dann setze er sich gegenüber und stellte seine Armbrust griffbereit neben sich an den Stuhl.
Kathryn verschränkte die Finger vor ihrem Gesicht und lächelte Chakotay verführerisch an. Ein buckliger Diener erschien und servierte ihnen die Vorspeise: Tomatensuppe.
"Guten Appetit... Chakotay", flüsterte Kathryn und wandte sich ihrer Suppe zu. Ihre Suppe war natürlich nicht präpariert, Chakotays schon. Nur ein kleiner Tropfen Dopamin, um ihren Spaß noch zu erhöhen.

Chakotay sah auf seine Suppe herunter. Er hasste Tomatensuppe, das hatte er Kathryn bisher aber nicht erzählt. Daher füllte er erst einmal die Gläser mit dem Wein, den der Bucklige ebenfalls serviert hatte und reichte Kathryn ihr Glas hinüber. Mit einer gekonnten und recht unauffälligen Armbewegung stieß er an den Teller und die Tomatensuppe breitete sich über dem Fußboden aus. Normalerweise würde Chakotay nicht zu solch drastischen Maßnahmen greifen, aber Tomatensuppe hasste er wirklich.
Innerlich stöhnte Janeway auf, äußerlich blieb sie aber cool. Das Geräusch des klirrenden Tellers ließ Igor wieder erscheinen. "Wischen Sie das auf und servieren Sie uns dann das Hauptgericht", wies Janeway den Diener an, dieser kam ihren Anweisungen nach. Zum Hauptgericht servierte er ihnen Chateaubriand, natürlich blutig, und dazu Spargel mit Sauce Hollandaise. Genüsslich machte sich Kathryn daran, das blutige Fleisch zu verspeisen und aß den Spargel auf eine höchst erotische Weise.
Chakotay hatte nicht wirklich Hunger, aber um Kathryn Gesellschaft zu leisten nahm er auch ein paar Bissen zu sich. Als er sah wie Kathryn ihren Spargel aß hob er verwundert die Augenbrauen. Seit nunmehr 6 Jahren trafen sie sich jeden Freitagabend zu einem gemeinsamen Abendessen, doch über fehlende Tischmanieren bei ihr hatte er sich bisher noch nicht beschweren können.
"Kathryn, ist alles in Ordnung mit Ihnen"? fragte er besorgt.
Langsam aß Kathryn ihren Spargel zu Ende wischte sich über die Lippen. "Aber natürlich, Chakotay", erwiderte sie lächelnd. "Und mit Ihnen? Sie haben ja gar nichts gegessen", stellte sie fest. "Schmeckt es Ihnen nicht?"
"Doch, allerdings hatte ich nicht so einen großen Hunger", bemerkte er. "Erzählen Sie mir doch, was auf dem Holodeck passiert ist bevor wir sie fanden. Woher kam Ihre Halsverletzung?"
Als Kathryn zu einer Erklärung ansetzte, öffnete sich die Tür und der Graf trat herein. "Mein Kind, wie ich sehe, hast Du Dich prächtig entwickelt...", raunte er seiner Schülerin zu und sah zu Chakotay. "Eine gute Wahl...", kommentierte er, dann ging er elegant aus dem Zimmer und ward nicht mehr gesehen.
Chakotay klappte die Kinnlade herunter und er starrte den Grafen an. Als er wieder das Zimmer verlassen hatte sagte er zu Kathryn: "Erklären Sie mir bitte was das zu bedeuten hatte?"
Kathryn lachte leise auf. "Er ist passiert, bevor Sie mich auf dem Holodeck fanden", erwiderte sie ihm als sie sich erhob. Langsam ging sie auf ihn zu, bis sie vor ihm stand.
"Hat er Ihnen diese Wunder zugefügt?" hakte Chakotay nach und trat aus instinktiven Gründen einen Schritt zurück als er ebenfalls aufstand.
"Welche Wunden?", fragte Kathryn und folgte ihm einfach, ihren Zeigefinger legte sie auf seinen Oberkörper.
"Die... am Hals", raunte Chakotay, der nicht mehr zurückweichen konnte und bei Kathryns Köperkontakt schlucken mußte. Irgendetwas stimmte mit seinem Captain definitiv nicht. "Vielleicht... sollten wir noch einmal auf der Krankenstation vorbeischauen?" machte er einen Versuch diese Situation zu ändern. Doch Kathryn hauchte nur: "Und warum?" "Weil.... Sie sich sehr merkwürdig verhalten, Captain", sagte Chakotay wahrheitsgemäß, fasste sie an den Schultern und schob sie ein Stück weg von sich. "Vielleicht sollten wie das für heute beenden Captain. Es ist schon spät und wir haben beide morgen Frühschicht."
"Schade...", raunte Janeway. "Aber sie haben recht, Commander. Wir sollten beide zu Bett", stimmte sie ihm zu. "Es war sehr schön mit Ihnen", meinte sie lächelnd, plötzlich wieder fast die alte Janeway, beendete das Programm und sie fanden sich auf dem nackten Holodeck wieder.
Chakotay war nun vollends durcheinander. Er hätte es wissen müssen. Allein als Diplomatin mußte sie ein enormes Maß an Gewandtheit und Schauspielkunst an den Tag legen. Warum sollte sie es nicht auch auf dem Holodeck tun?
"Kathryn..." machte er einen Anfang, "es tut mir leid. Aber... scheinbar bin ich nicht für eine Vampirgeschichte geschaffen. Ich dachte wirklich, Sie wären...."
"Was, Chakotay?" fragte sie lächelnd.
"Nichts. Soll ich Sie noch zu ihrem Quartier begleiten?" bot er sich an.
"Das ist sehr nett Commander, danke." Chakotay bot ihr seinen Arm an und Janeway hakte sich dezent unter. Später in seinem Quartier kam sich Chakotay recht töricht vor und er beschloss, sich nächstes Mal auf eine Vampirgeschichte richtig vorzubereiten. Falls Kathryn ihn noch einmal mitnehmen würde."
Janeway indessen in ihrem Quartier grinste. Genauso sollte es laufen. Zufrieden legte sie sich schlafen und schlief bis zum nächsten Morgen durch.
Chakotay betrat pünktlich zum Beginn seiner Schicht die Brücke. "Guten Morgen", begrüßte er alle, setzte sich auf seinen Sessel und begann mit seiner üblichen Morgenroutine.
Auch Kathryn erschien auf der Brücke und nach einem ereignislosen Tag verabredete sie sich erneut mit Chakotay auf dem Holodeck. Diesmal trug sie ein einfaches, enganliegendes schwarzes, hinten geschlitztes Kleid und ihre Harre offen, dazu wieder das helle Make-up und die dunklen Augen. Und wieder diese Kette.
Chakotay hatte seine freie Zeit nach Schichtende genutzt und sich diesmal genauer über Vampire und Graf Dracula informiert. Soweit er das Spiel verstanden hatte, brachte besagter Graf schöne Frauen in sein Schloß um ihm dann als Mahlzeit zu gereichen. Als er an die Halswunde bei Kathryn dachte ergänzte sich ein weiteres Puzzleteil - mit den Sicherheitsprotokollen off hatte Dracula Kathryn scheinbar gebissen aber eine echte Wunde war entstanden. Sie konnte von Glück reden, dass sie noch rechtzeitig gefunden worden war. Chakotay hatte sich ebenfalls eine Rolle überlegt - er würde Kathryn vor Graf Dracula schützen. Die Armbrust war nicht verkehrt gewesen, er hatte sich noch Bolzen besorgt und außerdem eine Pistole mit Silberkugeln. Wer weiß ob er nicht auch einem Werwolf begegnen würde.
Janeway lächelte und begann das Programm. Diesmal fanden sie sich nicht im Schloß wieder, sondern auf einem alten Friedhof bei Mondschein, Vollmond wohlgemerkt. "Haben Sie Lust auf einen romantischen Spaziergang im Mondschein?", fragte sie ihn verführerisch.
Chakotay schulterte seine Armbrust, hielt ihr seinen Arm hin und meinte: "Mylady, bei mir sind Sie sicher." Dann gingen sie los.
Kathryn grinste und hakte sich bei ihm unter. "Mein starker Held...", raunte sie und kuschelte sich an ihn. Aus dem Nebel der Nacht drangen immer wieder seltsame Geräusche.
Als sie ein paar Minuten gelaufen waren, Chakotay fühlte sich wunderbar mit Kathryn in seinem Arm, hörten sie auf einmal leise a capella Musik: "An dem Brunnen vor dem Too-oore... " erklang es vierstimmig. Kathryn sah Chakotay verwundert an, sie waren jetzt dem Gesang schon sehr nahe. Als sie um eine Mauer bogen standen vor ihnen 4 Steinköpfe mit Zylindern, die die Besucher nun erwartungsvoll an.
"Ehm..." konnte Chakotay nur sagen und starrte sie Steinköpfe an. Steine konnten nicht singen, oder?
"Meine Herren", sagte Kathryn schlagfertiger, "was machen Sie denn hier?"
Die Antwort kam in perfekter, vierstimmiger Harmonie: "Unser tägliches Brot ist Musik..."
Kathryn sah Chakotay an, dieser meinte dann: "Können Sie uns den Weg zum Schloß vielleicht zeigen?"
Wieder ertönte als Musik: "Da hat da rote Pferd sich einfach umgekehrt..."
"Wenigstens die Richtung?" versuchte es Chakotay. Als Antwort bekam er: "Rollt er nach links, ist alles in Ordnung, rollt er nach rechts, ist auch nicht schli-imm... nur wenn er ganz ruhig liegen bleibt..."
Chakotay zuckte mit den Achseln und zog Kathryn weiter. Langsam verklang die Musik: "La Paloma...."
Kathryn sah diese Köpfe mit Verwunderung an, sie wusste nicht, dass sie in dieser Geschichte vorkamen, doch sie zuckte mit den Schultern, als sie weitergingen. "Die waren ja sehr hilfreich...", stellte sie fest und sah sich nun ihrerseits um. Komm zu mir, mein Kind, hörte sie die Stimme des Grafen in ihrem Kopf.
"Wir müssen hier entlang", meinte sie zu Chakotay und führte ihn nach links, an den Grüften der Altehrwürdigen vorbei.

Chakotay folgte Kathryn durch enge Gänge zwischen Grabsteinen hindurch und mehr als einmal legte er die Armbrust an und zielte auf vermeintliche Kreaturen in der Nacht. Schließlich erreichten sie eine baufällige Hütte am Rand des Friedhofs. Die Tür hing schief in den Angeln und durch die Ritzen kroch die Kälte. Zerlumpte Decken lagen auf einer einzigen Pritsche im Raum und auf einem morschen Tisch stand eine zerbrochene Laterne.
Verwundert stellte Kathryn fest, dass sie nicht, wie erwartet, zum Schloß kamen, sondern in diese kleine baufällig Hütte. Warum hat mich der Meister hierhergeführt?, fragte sie sich verwundert in Gedanken und sah sich um.
"Willkommen, mein Kind", ertönte hinter beiden die wohlklingende Stimme des Grafen.
"Vielen Dank, dass Du ihn mir als Opfer gebracht hast...",hauchte er zu Kathryn und besah sich Chakotay ganz genau.

Chakotay zielte mit der Armbrust auf das Herz des Grafen. "Keinen Schritt weiter."
Der Graf lachte und Kathryn stellte sich vor Chakotay. "Er gehört mir!", fauchte sie den Grafen an, welcher dadurch nur noch mehr lachte. Wie schön es doch immer wieder ist, wenn die Kinder sich widersetzen, dachte er sich amüsiert und wandte sich ab. "Dann wünsche ich Dir viel Spaß mit ihm, Kathryn", fügte er hinzu und ehe es sich Janeway oder Chakotay versahen, war er dicht bei ihr und drückte sie mit seinem Körper gegen den von Chakotay. "Ihr passt ausgesprochen gut zusammen, eine ausgezeichnete Wahl mein Kind", raunte er und wandte sich mit wehendem Mantel ab und verließ die Hütte wieder. Janeway fauchte ihm wie eine Katze hinterher.
Chakotay drängte Kathryn zur Seite und wollte hinter dem Grafen her, doch als er aus der Tür trat, war er verschwunden.
Ärgerlich drehte sich Chakotay um nur um Kathryn vor sich zu sehen, ihr Blick starr auf seinen Hals gerichtet.
"Kathryn?", fragte Chakotay verwundert, als er ihren starren Blick bemerkte. "Ist alles on Ordnung?" Verwundert wandte er sich ab, um noch einmal nach draußen zu sehen, ob der Graf doch wiedergekommen wäre. Tu es.. du willst es..., hörte sie den Grafen und folgte Chakotay, bis sie hinter ihm stand. Mit ihren Fingernägeln strich sie über seinen Rücken, so dass er sie bemerken mußte. Verwundert drehte er sich zu ihr um und fand sich plötzlich sehr nahe bei ihr, und ihr Gesicht kam seinem immer näher.
Chakotays Blick war in ihren Augen gefangen und ihre Lippen berührten sich ganz leicht. Ihre Lippen wanderten weiter über sein Kinn, denn Hals hinab. Als ob er einen elektrischen Schlag bekommen hatte, zuckte er plötzlich zurück, wirbelte herum und brachte die Armbrust zwischen sie. Ein Lächeln erschien auf seinem Gesicht. "Ich weiß, was Sie vorhaben, aber so einfach werden Sie mein Blut nicht bekommen."
Kathryn sah ihn verführerisch an, viel zu genau hatte sie seine Erregung während dieser flüchtigen Berührung ihrer Lippen gespürt. Sie leckte sich über ihre Lippen und ließ kurz ihre verlängerten Beißzähne blitzen, bevor diese wieder verschwanden. "Oh.. ich liebe Spiele..", meinte sie lachend.
"Torres an Janeway", ertönte B'Elannas Stimme aus dem Combadge. Chakotay und Kathryn schauten sich verblüfft an, die Stimmung zerplatze wie eine Seifenblase und Janeway tippte auf ihr Combadge. "Janeway hier, was gibt es B'Elanna?"
"Captain, es tut mir wirklich leid Sie zu stören, aber wir haben ein Problem mit den Trägheitsdämpfern und müssen eine Zeit lang den Flug unterbrechen."
"In Ordnung, ich komme gleich zu Ihnen." Mit einem bedauernden Blick zu Chakotay sagte sie: "Ich schätze, wir müssen das hier ein anderes mal weiterführen."
Chakotay nickte. "Treffen wir uns gleich im Maschinenraum, wir sollten uns vorher definitiv noch umziehen."
Kathryn grinste. "Eigentlich ist unser Outfit doch gar nicht so schlecht."
Chakotay sah sie mit großen Augen an.
"Chakotay, das war ein Scherz", meinte Kathryn und sagte dann: "Computer, Programm beenden. Ausgang."
Beide verließen das Holodeck und eilten zu ihren Quartieren, auf dem Weg kamen beiden einige Crewmitglieder entgegen, welche ihnen verwundert hinterher sahen. Nach dem Umkleiden, wobei Janeway kurzzeitig überlegte, das Korsett anzubehalten, sich dann jedoch dagegen entschied. In ihrer Uniform und mit wieder aufgesteckten Haaren eilte sie zum Maschinenraum um dort zeitgleich mit Chakotay anzukommen. "B'Elanna Bericht", wies sie an.
"Wir haben bei der Wartung der Trägheitsdämpfer einen Defekt festgestellt. Aber ich schätze, in 4-5 Stunden haben wir das auch wieder repariert."
Janeway nickt. "Haben Sie eine Ahnung was der Grund dafür ist?", fragte Chakotay.
"Die Plasmaflußregeneratoren sind durchgebrannt, zumindest zwei auf Deck 14. Warum das passiert ist müssen wir noch herausfinden."
Janeway nickte, ebenso Chakotay, B'Elanna entfernte sich wieder. "Darf ich Sie noch auf einen kleinen Absacker einladen?", fragte Janeway leise.
"Vielen Dank, gern", sagte er und folgte Janeway in ihr Quartier. Auf dem Weg zum Quartier fühlte sie ein seltsames, unbekanntes Gefühl in sich aufsteigen, doch sie ignorierte es.
"Was möchten Sie trinken?", fragte sie Chakotay, als sie in ihrem Quartier ankamen. Chakotay entschied sich für einen Tee und Kathryn wollte erst einen Kaffee nehmen, doch sie entschied sich dagegen und nahm einen Saft, was Chakotay mit einem seltsamen Blick quittierte.
"Kein Kaffee?", fragte er sie ein wenig herausfordernd, ein Lächeln umspielte seine Lippen dabei.
"Heute nicht ausnahmsweise, schließlich wollte ich heute doch noch irgendwann schlafen gehen."
"Das hat Sie doch bisher nicht von ihrem Kaffee abgehalten", wunderte sich Chakotay.
Kathryn lächelte nur, doch insgeheim wunderte sie sich über sich selbst ebenso. Sie nahm einen Schluck von ihrem Saft und sah dann zu Chakotay. "Wie gefällt Ihnen unsere Geschichte?", fragte sie ihn neugierig und drehte das Glas dabei ein wenig in ihren Händen.
"Hm..." meinte Chakotay und trank einen Schluck Tee. "Um ehrlich zu sein, die Geschichte ist mir schon etwas unheimlich. Nicht etwa, weil ich Angst vor einem Holo-Vampir hätte, aber..." er machte eine kleine Pause und überlegte, ob er das sagen sollte, was er sagen wollte. Doch er wollte bei der Wahrheit bleiben. "Ich habe Sie schon öfters auf Holodecks erlebt Captain, aber egal welcher Roman es war, sie waren immer noch Sie selbst. Doch hier..." Er nahm noch einen Schluck Tee. "Sie sind so derart verändert, dass ich manchmal nicht weiß, ob seit ihrer Verletzung nicht doch noch etwas anderes mit Ihnen passiert ist."
Sie rutschte ein wenig näher zu ihm. "Deswegen wissen ja auch nur Sie davon, Chakotay", flüsterte sie. "Ich ...", sie unterbrach sich und sah ihn wie ein kleines Kind an. "Ich.. möchte einfach in dieser Geschichte jemand ganz anderes sein, jemand der sich von mir völlig unterscheidet, ist das schlimm?", flüsterte sie und rückte noch ein wenig näher.
Chakotay sah sie prüfend an, dann lächelte er. "Nein, nicht schlimm. Nur etwas... gewöhnungsbedürftig."
Kathryn atmete erleichtert aus. "Gut", erwiderte sie. "Ich war etwas besorgt, wie Sie reagieren würden", meinte sie dann lachend und Chakotay meinte für einen kurzen Moment die Fangzähne wieder zu sehen.
Er blinzelte, das konnte nicht sein. Vermutlich war er einfach zu müde.
"Chakotay?" fragte Kathryn nach einer Weile. "Darf ich Sie etwas persönliches fragen?"
"Natürlich."
"Fanden Sie mein Kleid... aufregend?" bei der Frage rutschte sie ihm schon halb auf den Schoß und klimperte mit ihren Augen.
Chakotay wurde es ganz heiß. "Ehm... es steht Ihnen ausgesprochen gut", brachte er dann heraus. Was ist denn mit ihr los? wunderte er sich in Gedanken. Er mußte wirklich einmal mit dem Doctor über den Captain reden.
"Danke sehr, ich fand Ihr Kostüm auch sehr ... gut gewählt", erwiderte sie und nahm noch einen Schluck von ihrem Saft.
"Ich freue mich schon darauf, mit Ihnen weiterzuspielen", sagte sie und erhob sich, um zum Fenster zu gehen. Nachdenklich sah sie nach draußen, während ihr Magen zu knurren begann.
"Haben Sie heute schon etwas gegessen?", fragte Chakotay besorgt. Nach kurzen Überlegten verneinte Janeway dann.

"Captain", sagte Chakotay streng. "Gerade wenn Sie so viel Blut verloren haben müssen Sie auf sich achten." Er stand auf und ging zum Replikator. "Was möchten Sie?"
Kathryn war wirklich berührt ob seiner Fürsorge und fühlte kurz ein warmes, angenehmes Gefühl in sich aufsteigen. Es fühlt sich schön an, wenn sich jemand um einen sorgt, dachte sie kurz., dann drehte sich lächelnd um. "Möchten Sie mir beim Essen Gesellschaft leisten?", fragte sie ihn, irgendwie war sie nicht in der Stimmung, allein zu essen.
"Gerne", erwiderte Chakotay. "Computer, einen kleinen Salat und...." fragend blickte er zu Kathryn.
Sie überlegte kurz. "Möhren-Kartoffel-Eintopf ohne Zwiebel und Baguette", entschied sie dann.
Chakotay bestellte das Gewünschte und setzte sich dann mit Kathryn an den Tisch. Nach einer Weile fragte er: "Wie soll die Geschichte eigentlich ausgehen? Soviel ich gelesen habe, kann man Dracula eigentlich gar nicht töten. Er kommt immer wieder."
Kathryn sah minder begeistert in den Eintopf, doch ließ sie der Hunger ein paar Bissen nehmen, auch wenn ihr irgendwie nach Fleisch war, so wie auf dem Holodeck. Lächelnd sah sie ihr Gegenüber an. "Wissen Sie, darüber habe ich mir keine Gedanken gemacht. Ich möchte einfach für die Zeit auf dem Holodeck aus meiner Haut schlüpfen", erwiderte sie ihm. Gut, mein Kind, hört sie plötzlich die Stimme des Grafen im Kopf und sprang erschrocken auf. Schwer atmend sah sie sich um.
"Kathryn, was ist?", fragte Chakotay erschrocken und eilte zu ihr.

"Ich... da war..." nein, das war sicher nur Einbildung, dachte sie. "Es war nichts Chakotay", damit setzte sie sich wieder hin. Chakotay betrachtete sie mit zusammengekniffenen Augen. Das nahm er ihr nicht ab. Ihre Hände zitterten leicht und sie schien aufgewühlt zu sein.
"Kathryn...", flüsterte er sanft und streckte seine Hand nach ihrer aus. Erst nach einigen Zögern legte sie ihre Hand in seine. Seine warme Berührung beruhigte sie ein wenig. Sie lächelte ein wenig, und er erwiderte das Lächeln kurz. Er war noch immer besorgt um sie, irgendwie erschien sie ihm verändert, seit der Sache auf dem Holodeck. "Sie sollten sich ausruhen", meinte er sanft, Besorgnis schwang in seiner Stimme mit. "Sie.. haben vielleicht Recht", mußte Kathryn kleinlaut beipflichten.
"Ich würde Sie ja noch ins Bett bringen, allerdings ziemt sich das nicht für einen ersten Offizier", meinte er schmunzelnd. "Daher werde ich Ihnen nur eine gute Nacht wünschen und Sie jetzt allein lassen. Versuchen Sie ein wenig zu schlafen Kathryn. Gute Nacht." Dann war er im Begriff das Quartier zu verlassen.
Sein Kommentar hob ihre Stimmung wieder ein wenig und sie lachte leise auf. "Gute Nacht Chakotay und danke sehr", erwiderte sie ihm und sah noch für einen kurzen Moment die Tür an, durch die er eben gegangen war. Lass ihn nicht gehen, war da wieder die Stimme des Grafen in ihrem Kopf, so laut und dröhnend, dass es weh tat und sie sie an die Schläfen fasste, doch der Schmerz wurde immer schlimmer, so dass sie mit einem Schrei zu Boden sank.
"Kathryn!!" rief Chakotay und lief zu ihr. "Chakotay an Krankenstation, medizinischer Notfall im Quartier des Captains", sagte er in sein Combadge. "Verstanden, ich bin gleich da", kam sofort die Stimme des MHN.
Ein paar Minuten später glitten die Türen auf und das MHN trat herein. Chakotay hatte Kathryns Kopf auf seinen Schoß gebettet, sie schien Schmerzen zu haben denn sie wand sich stöhnend hin und her. Das MHN holte seinen Tricorder hervor.
"Nein..", flüsterte Kathryn doch war sie zu schwach und die Stimme des Grafen war noch immer in ihrem Kopf und hämmerte und lachen. Eine Träne rann aus ihrem Auge. Zitternd wischte sie die Träne weg. Geh weg!!!, schrie sie in Gedanken und kämpfte gegen die Stimme an. Eine alte Meditationstechnik von Tuvok half ihr, sich wieder einigermaßen unter Kontrolle zu bringen und den Grafen zurückzudrängen. "Sie sollten zur Beobachtung auf die Krankenstation", meinte das MHN, doch Kathryn widersprach ihm vehement und sah Chakotay flehend an.
"Captain, es ist offensichtlich, dass mit Ihnen ganz und gar nicht etwas stimmt", sagte Chakotay. Dann tippte er auf sein Combadge. "Chakotay an Transporterraum, beamen sie den Captain und das MHN direkt auf die Krankenstation."
"Aye Sir", antwortete Ensign Lang und Sekunden später lösten sich Kathryn und das MHN in Partikel auf.
Chakotay traf wenig später auf der Krankenstation ein, das MHN war mit einem Neuralscanner bereits damit beschäftigt, das Gehirn des Captains zu untersuchen.
"Haben Sie schon etwas finden können, Doctor?" fragte Chakotay.
"Die Neuronen im auditorischen Cortex, bzw. im Temporallappen sind beim Captain stark erhöht. Allerdings weiß ich nicht, warum das so ist. Aber das erklärt die Kopfschmerzen und vermutlich auch akustische Halluzinationen. Ich werde ihr eine Dosis Tricordrazin verabreichen und für mindestens 24 Stunden sollte sie einen Kortikalmonitor tragen. Es wäre für eine Diagnose hilfreich, wenn wir sie dazu bringen könnten, den Temporallappen aktiv zu halten."
"Das heißt?" fragte Chakotay.
"Stressen Sie sie wenn möglich. Die Hyperaktivität scheint in emotionalen Stresssituationen aufzutreten."
Chakotay schaute das MHN kritisch an. "Ist das wirklich nötig?" fragte er.
"Es würde helfen", erwiderte das MHN.
"Also gut", meinte Chakotay. Ich werde mit ihr aufs Holodeck gehen. Sagen Sie Doc, konnten Sie sonst irgendetwas... ungewöhnliches bei ihr feststellen?"
"Können Sie das etwas näher erläutern?"
"Nun, seit dem Unfall auf dem Holodeck habe ich das Gefühl, der Captain ist nicht mehr ganz sie selbst."
Das MHN runzelte die Stirn. "Vielleicht hängt es mit ihrem jetzigen Zustand zusammen. Aber ich werde das im Kopf behalten Commander. Ich wecke Sie jetzt auf, dann können Sie anfangen." Das MHN verabreichte Kathryn eine Dosis Andomorphin gegen die Schmerzen und weckte sie dann mit einer weitern Dosis Stokalin auf."
Flatternd öffneten sich Janeways Augen und sie sah sich verwundert um. "Warum bin ich hier?", fragte sie im Kommandantenton in die Runde. Sie schwang die Beine von der Pritsche und sah zwischen beiden umher. "Es wäre sehr schön, wenn man meine Wünsche berücksichtigen würde", fauchte sie aufgebracht und fasste sich an den Hals. "Und machen Sie das Ding wieder ab!"
"Captain", sagte das MHN warnend, "wenn Sie sich weiterhin so unkooperativ verhalten bin ich ernsthaft gewillt Sie vorläufig des Kommandos zu entheben. Sie reagieren momentan sehr untypisch, was mich zu dem Resultat kommen lässt, dass Sie entweder ein größeres Problem haben als ich bereits nachweisen konnte oder Sie von einer fremden Präsenz übernommen worden sind!" Ich befehle Ihnen, den Kortikalmonitor so lange anzulassen bis ICH Ihnen sage, dass Sie ihn wieder abnehmen können."
Chakotay blickte Kathryn ebenfalls misstrauisch an. Er warf dem MHN einen Blick zu der eindeutig sagte: Sehen Sie, was ich meinte?
Gezwungenermaßen ließ Janeway die Tirade über sich ergehen und nickte dann.
"Ja Doctor", erwiderte sie nur. "Darf ich wieder in mein Quartier?", fragte sie und das MHN nickte.
"Commander, begleiten Sie mich?" Chakotay nickte und führte Janeway aus der Krankenstation. Im Turbolift sah sie ihn an. "Ich weiß, dass Sie sich Sorgen machen und weiß das auch zu schätzen, Chakotay, doch ich wollte nicht auf die Krankenstation", meinte sie leise zu ihm.

"Kommen Sie Captain, so schlimm ist es da nun auch nicht und das MHN beißt nicht. Sie können aber auch nicht verlangen Sie in Ihrem Quartier zu lassen wenn Sie gerade auf dem Boden liegen weil sie vor Schmerzen nicht mehr stehen können!" meinte Chakotay mit einem etwas schimpfenden Unterton. Kathryn senkte getroffen den Kopf. Chakotay seufzte leise. "Hey, ich mache mir WIRKLICH Sorgen um Sie", sagte er dann versöhnend. Dann fiel ihm das MHN wieder ein und er fragte: "Wollen wir noch einmal auf das Holodeck"?
Janeway schmollte noch eine kurze Weile, dann nickte sie. "Gern, Commander", erwiderte sie ihm lächelnd. Treffen wir uns in einer halben Stunde vor Holodeck 2?" Chakotay nickte und sie gingen in ihre Quartiere und kleideten sich um. Kathryn kleidete sich in ein helllila Kleid und ließ die Haare offen, um den Kortikalmonitor zu verdecken. Wieder wählte sie das blasse Make-up und die betonten Augen und Lippen. Chakotay entschied sich für eine dunkle Hose, ein weißes Hemd, welches er oben ein wenig offen ließ und einen Ledermantel, die Armbrust und Pistole nahm er wieder mit. Die Armbrust trug er auf dem Rücken, die Pistole im Gürtel. Mit wehendem Mantel bog er um die Ecke zum Holodeck.
Als er Kathryn sah durchfuhr ihn wieder einmal ein Prickeln. Diese Frau war so hinreißend... doch er mußte jetzt an seinen Auftrag denken. Versuchen Sie, sie emotional zu stressen, kamen die Worte des MHN in sein Gedächtnis. Nun, genau das hatte er vor. Die beiden betraten das Holodeck.
Als sie das Holodeck betraten, fanden sie sich im Schloß des Grafen wieder, in einem abgedunkelten Raum, an dessen Ende der Graf auf seinem Thron saß, neben ihm drei leicht bekleidete Vampirinnen, die ihn offensichtlich anhimmelten. Chakotay hob vorsichtshalber die Armbrust, doch lachten die Vampire nur darüber.
"Ich bin enttäuscht von Dir, mein Kind", sagte der Graf donnernd und war nach einem Wimperschlag schon neben ihr und fixierte sie mit blutroten Augen. Ein schnipp mit dem Finger und Kathryn verfiel in eine Art Trance, in der der Graf sie einfach mit sich nehmen konnte. Chakotay wollte eingreifen, doch konnte er sich plötzlich nicht mehr bewegen, er schien wie am Boden festgemauert zu sein und die drei Vampirinnen waren plötzlich neben ihm und nahmen ihm die Armbrust und die Pistole ab. Sie begannen, mit ihren kalten Fingern über seine Haut zu streicheln, er bekam Gänsehaut, nahm aber seinen Blick nicht von Kathryn. Er wusste nicht, ob dies noch zum Programm gehörte oder nicht, doch seine Sorge wuchs immer mehr, da sie auf sein Rufen nicht reagierte. Die Vampirinnen hatten mittlerweile seinen Mantel abgenommen und sich einen Spaß daraus gemacht, sein Hemd mit ihren Fingernägeln zu zerreißen.
Der Graf hielt Kathryn so, dass sie all dies nicht sehen konnte, doch dann drehte er sie herum und stellte sich hinter sie, um ihr den Todesbiß zu geben, zu enttäuscht war er von seinem neuen Kind. In Kathryn wuchs ein seltsames Gefühl, als sie Chakotay mit den Vampirinnen sah, sie wurde eifersüchtig, hochgradig eifersüchtig, als sie sah, dass die Berührungen der Frauen immer intimer wurde.
"Er gehört mir...", flüsterte sie und trat mit ihrem hochhackigen Stiefel auf die Zehen des Grafen, welcher für einen Bruchteil von ihr ablassen mußte. Sie nutzte die Chance und zog zwei der Vampirinnen von Chakotay weg, während dieser nur seinerseits die dritte bekämpfte, er war aus seiner Starre wieder erwacht. Schnell holte er sie die Armbrust und die Pistole wieder und entledigte sich der Dame durch einen Schuss in das tote Herz. Auch die zweite Vampirin tötete er recht schnell, dann sah er zu Kathryn.
Ihr konnte er nicht helfen, da sie zu nah an der Vampirin war, und er sie hätte treffen können, außerdem konnte ihn der Graf durch diese kurze Unaufmerksamkeit am Hals packen und an die Wand pressen. Kathryn sah dies und stieß die Vampirin von sich. "Er gehört mir!", schrie sie den Grafen an und stürzte sich auf ihn, so dass er Chakotay losließ. Dieser glaubte seinen Ohren nicht zu trauen.
Er erschoss die letzte Vampirin, während der Graf Kathryn unsanft packte und durch den Raum schleuderte. "Böses Kind!!", fauchte er sie an und sie fauchte wie eine Katze zurück, stellte sich dann blitzschnell zwischen ihn und Chakotay. "Ich lasse dir dein kleines Spielzeug", meinte der Graf gütig und verschwand aus dem Zimmer. Janeway fauchte ihm hinterher, ihre Fangzähne waren nun auf voller Länge und ihr Blutdurst war erwacht.

Als der Graf verschwunden war wirbelte sie zu Chakotay herum, sah ihn einen Moment lang begierig an, dann stürzte sie sich auf ihn und schlug ihre Fangzähne in seinen Hals. Chakotay schrie auf und stürzte rückwärts auf den Boden.
Er versuchte, sie von sich zu drücken, doch es gelang ihm nicht, irgendwie erschien sie ihm übermenschlich stark zu sein. "Kathryn..", versuchte er zu sagen.
"Computer.. Programm beenden!!", rief er fast schon panisch aus und das Holodeck war wieder leer.

Doch Kathryn lag noch immer auf ihm, die Zähne fest in seinen Hals verkeilt und er merkte, wie sie ihm das Blut aus seinen Adern saugte. Langsam wurde ihm schwindlig, er mußte etwas unternehmen. In seiner Reichweite lag ein Bolzen seiner Armbrust. Er griff danach, dann brachte er ein: "Computer... Sicherheitsprotokolle deaktivieren!"
"Warnung, das Deaktivieren der Sicherheitsprotokolle birgt ein extremes Verletzungsrisiko."
"Überbrücken!" rief Chakotay. Dann nahm er alle Kraft zusammen und stieß den Armbrustbolzen von hinten in Janeways Schulter. Diese schrie auf und löste den Kontakt zu Chakotay.
Sie fiel neben ihn, ihr hübsches Gesicht war schmerzverzerrt. Chakotay krabbelte ein Stück weg von ihr. Irgendetwas stimmte hier aber ganz gewaltig nicht! "Chakotay an das MHN, ich lasse den Captain und mich zu ihnen beamen. Chakotay an Transporterraum 1, beamen Sie den Captain und mich auf die Krankenstation."
Das MHN eilte sofort zu den beiden. "Kümmern Sie sich um den Captain, mit ihr stimmt etwas nicht", wies Chakotay an und in dem Moment wollte sich Janeway wieder auf ihn stürzen, die Fangzähne weit ausgefahren.
"Computer Kraftfeld!", wies das MHN an und Janeway knallte gegen das Kraftfeld.
"Commander, was ist auf dem Holodeck passiert?", fragte er Chakotay, während er durch das Kraftfeld zu der fauchenden Janeway ging.

"Der Captain hat eine Vampirgeschichte ablaufen lassen, bei dieser wurde Sie auch verletzt. Es scheint allerdings, dass vorher doch mehr passiert ist, denn ob Sie es glauben oder nicht Doc, ich denke, der Captain ist wirklich zu einem Vampir geworden!"
"Wie bitte?" fragte das MHN nach.
Chakotay deutete auf die zwei Bisswunden in seinem Hals. "Sie hat mir das Blut ausgesaugt! Und ich mußte sogar die Sicherheitsprotokolle deaktivieren, bevor ich sie von mir runter bekommen hab. Und sehen Sie sie doch an, Sie hat immer noch ihre Reißzähne!"
"Das können aber auch holografische sein, immerhin sind hier Holoemitter installiert", meinte das MHN nachdenklich.
Chakotay reichte dem MHN seinen mobilen Emitter. Das MHN trat wieder durch das Kraftfeld und nahm ihn entgegen.
"Das werden wir gleich herausfinden." Chakotay wartete bis er sein Programm transferiert hatte, dann ging er zu einer Konsole und deaktivierte die Holoemitter auf der Krankenstation.
Janeways Reißzähne wurden kleiner, doch sie verschwanden nicht.
"Sehen Sie", meinte Chakotay zum MHN.
"So etwas habe ich noch nie gesehen", mußte das MHN zugeben. Dennoch wurde Janeway insgesamt nun ruhiger und besann sich wieder ein wenig. "Wo.. bin ich?", fragte sie verwundert und lief wieder gegen das Kraftfeld. "Und warum bin ich hinter einem Kraftfeld?"
"Zu Ihrem eigenen Schutz", erwiderten das MHN und Chakotay fast gemeinsam.

"Captain, an was können Sie sich als letztes erinnern?" fragte das MHN, trat wieder durch das Kraftfeld und nahm einen Tricorder zur Hand.
Janeway legte die Hand an die Stirn und runzelte sie ein wenig, als sie nachdachte. "Wir kämpften gegen den Grafen und die weiblichen Vampire", erwiderte sie und zuckte kurz zusammen, da ihre Schulter schmerzte. Fragend sah sie zu Chakotay.
"Sie waren auf einmal wie weggetreten", half er weiter. "Der Graf hatte Sie irgendwie kontrolliert und auf einmal haben Sie mir ganz Vampirlike in den Hals gebissen. Das Problem war nur, dass Sie mich fast umgebracht hätten, denn Sie haben nicht aufgehört. Ich mußte leider zu solche drastischen Maßnahmen greifen, tut mir leid. Die Schulterverletzung haben Sie mir zu verdanken."
"Oh", entfuhr es Janeway und sie biss sich auf die Unterlippe. Jedoch durch die Vampirzähne biss sie sich doller und blutete ein wenig. "Au..", schimpfte sie leise und wischte sich das Blut mit der Hand von den Lippen. "Haben Sie etwas gefunden?", fragte sie das MHN, auch Chakotay schaute ihn fragend an.
"Noch nicht, aber ich konnte bisher auch noch keine ausführlichen Scans vornehmen. Captain, würden Sie sich bitte hinlegen?" Janeway tat wie geheißen und während das MHN Daten sammelte kümmerte er sich parallel um ihre Schulterverletzung. Sie war nicht tief, bestimmt aber schmerzhaft und er hatte lediglich auf den Dermalregenerator zurückgreifen müssen. Nach einer Weile begann auf seiner Konsole vor dem Kraftfeld eine Kontrollleuchte zu piepen.
"Hm", machte das MHN und trat zu der Anzeige hin. "Es scheint als hätte ich mit meiner früheren Vermutung gar nicht so unrecht", sagte es erstaunt. Der Kortikalmonitor hat fremde Gehirnwellen registriert."
"Können Sie etwas dagegen unternehmen?", fragte Chakotay ihn. Janeway trat nah an das Kraftfeld heran und beobachtete die beiden, wobei ihr Blick immer wieder an Chakotay und seinem zerrissenen Hemd hängenblieb. Sein Blut auf seinem Oberkörper war mittlerweile getrocknet und plötzlich spürte sie den Geschmack seines Blutes zwischen ihren Lippen. Ihre Fangzähne wuchsen wieder.
"Das wird sich zeigen, aber zuerst sollten wir uns mal um Sie kümmern, Commander."
Das MHN deutete auf ein Biobett und Chakotay nahm Platz. Das Blut rann immer noch aus seiner Schlagader und er merkte jetzt erst wieder die Schwäche, die der Blutverlust verursacht hatte. Das MHN drückte Chakotay ebenfalls ein Hypospray mit Vasokin an den Hals und schloß die Wunde mit dem Dermalregenerator.
"Danke", sagte Chakotay und bemerkte jetzt erst, dass sein Hemd völlig zerrissen und blutig war. Seine Brust brannte auch etwas und das MHN warf ebenfalls bereits einen Blick auf sein zerfetztes Hemd. "Commander, würde Sie bitte ihr Hemd ausziehen? Sie haben noch einige böse Kratzer abbekommen die ich behandeln muß."
Chakotay kam der Aufforderung nach und warf einen verlegen Blick zu seinem Captain.
Obwohl sich der Captain in Janeway zusammenreißen wollte und wegsehen wollte, konnte die Frau in ihr ihre Augen nicht von ihm lassen. Fasziniert beobachtete sie ihn und ging dabei wie ein Tiger im Käfig auf und ab.
Als das MHN alle Wunden geschlossen hatte, reichte er Chakotay blaues OP-T-Shirt, das er dankbar entgegen nahm. Der Doctor war derweil wieder in sein Büro gegangen und mit den Scans des Captains beschäftigt. Chakotay trat nahe an das Kraftfeld heran und sah Kathryn an.
Sie erwiderte seinen Blick und entblößte ihre Fangzähne mit einem Lächeln. "Commander?", fragte sie ihn verführerisch.
Er trat einen Schritt zurück und meinte dann: "Der Doctor bekommt Sie schon wieder hin, keine Sorge."
"Mir geht es blendend", erwiderte sie ihm. "Wann darf ich in mein Quartier gehen?"
"Sobald wir die fremden Gehirnwellenmuster von Ihnen entfernt haben", schaltete sich das MHN von hinten ein. "Sicher nicht früher. Wer weiß, wann Sie sich nicht mehr unter Kontrolle haben und noch einmal jemandem das Blut aussaugen wollen."
Sie stöhnte entnervt auf. "Ich habe Hunger", stellte sie dann fest.
"Und auf was genau?" fragte das MHN.
Sie sah Chakotay an, der sich sichtlich unwohl fühlte. "Auf Fleisch."
Das MHN sah Chakotay an. Dann tippte er auf sein Combadge und sagte: "Krankenstation an Mr. Neelix, bitte bringen sie ein Stück Fleisch und etwas Salat auf die Krankenstation."
"Ich bin gleich da", antwortete der Talaxianer.
Janeway ging wie ein Tiger auf und ab und fixierte Chakotay, immer wieder starrte sie auf seinen Hals.
Die Tür öffnete sich und Neelix kam mit dem Essen herein. "Wie bestellt Doctor... oh, Captain, geht es Ihnen nicht gut?"
Janeway sah Neelix von oben bis unten an. "Mir geht es blendend, Mister Neelix", erwiderte sie ihm mit einem Lächeln. Neelix stellte das Tablett verwirrt ab und verließ fast schon panisch die Krankenstation.
"Computer, Kraftfeld deaktivieren", sagte das MHN und war im Begriff das Tablett zu Janeway zu bringen. Doch Kathryn war schneller: "Computer, das MHN deaktivieren und Zugriff zum MHN verweigern, Genehmigung Janeway Pi Alpha."
Das MHN verschwand und Janeway trat dem völlig verblüfften Commander direkt gegenüber. "Computer", sagte sie gedehnt, "Tür zur Krankenstation versiegeln."
Chakotay brachte ein wenig Raum zwischen sich und Janeway und ging in eine Abwehrstellung. Grinsend wandte sich Janeway ihrem Opfer zu. "Möchten Sie auch etwas essen?", fragte sie ihn mit einer einladenden Geste, doch der Commander lehnte dankend ab. Mit verführerischem Hüftschwung näherte sie sich ihm, bis er mit dem Rücken an der Wand stand. Mit ihren langen Fingernägeln zerriss sie sein OP-Shirt und weidete sich an seinem Anblick. In ihrem Magen kribbelte es vor Aufregung, doch war das nicht der Vampir in ihr, sondern die Frau in ihr, die sich nach diesem Mann sehnte. Kurz gewann der Captain die Überhand über sie. "Helfen Sie mir", flüsterte sie leise zu ihm, bevor wieder der Vampir siegte.
Chakotay überlegte. Die Situation war definitiv verfahren. Er konnte das MHN nicht reaktivieren, eine Deaktivierung von Janeways Kommandocodes hätte einige Stunden gedauert, so viel Zeit hatte er nicht. Geschweige denn, dass jemand auf dem Schiff wusste, was hier vor sich ging. Dann fiel ihm wieder die Vampirgeschichte ein. Wenn Kathryn wirklich ein Vampir geworden war, dann gab es nur einen Weg sie zu heilen, er mußte den Grafen töten. Mit ihm würde alles sterben, was er erschaffen hatte, ebenfalls, so hoffte Chakotay wenigstens, die fremden Gehirnmuster.
"Kathryn, begleiten Sie mich auf das Holodeck. Wir werden die Geschichte beenden", sagte er.
Verwirrt blicke Janeway ihn an. "Warum denn beenden? Es ist doch grade so schön", flüsterte sie und ließ ihre Lippen kurz über seine streichen. Chakotay schauderte, so lange hat er sich nach dieser Berührung gesehnt und nun erschien sie ihm kalt und falsch. Fast schon panisch schob er Kathryn von sich und eilte zur Konsole, um Janeway und ihn auf das Holodeck zu beamen. Bevor die fauchende Janeway ihn erreichte, initiierte er einen Ort-zu-Ort-Transport auf das Holodeck. Auf dem Holodeck angekommen, startete er das Vampir-Programm und sie fanden sich im Schloß des Grafen wieder, in einem Schlafgemach.
"Computer, eine Armbrust mit Bolzen und eine Pistole mit Silberkugeln generieren", sagte er und kurz darauf erschien das Gewünschte auf dem Bett. Chakotay wollte gerade nach der Armbrust greifen als er einen kräftigen Stoß in den Rücken bekam und geradewegs auf das Bett fiel.
Als Chakotay sich umdrehte, kniete eine triumphierende Janeway über ihm und sah zu ihm hinab. "Meinen Sie, dass Sie das brauchen, Commander?", fragte sie ihn hauchend und strich mit ihren Fingernägeln über seine Brust. Hier auf dem Holodeck war der Vampir in Janeway viel stärker als der Captain.
"Ja, das denke ich", meinte Chakotay und mit einem gekonnten Manöver landete Janeway neben ihm und Chakotay stand rasch auf. Die Pistole steckte er an seinen Gürtel und die Armbrust schulterte er. Dann sah er Janeway herausfordernd an und griff nach ihrer Hand. "Kommen Sie Kathryn, gehen wir jagen", sagte er grimmig und zog sie mit sich auf der Suche nach dem Grafen.
Eigentlich wäre der Vampir Janeway stärker als der Commander, dennoch ließ sie sich von ihm ziehen und genoss es, sich in seine starken Arme und in seiner Führung zu ergeben. Der Graf beobachtete die beiden amüsiert und ließ sich ein wenig Zeit, bevor er sich ihnen zeigte. Draußen vor seinem Schloß, auf seinem eigenen Friedhof. Chakotay zog Janeway mit sich dorthin und sah dem Grafen in die blutroten Augen.
"Wie, Sie möchten auf einem Friedhof sterben?" fragte Chakotay den Grafen. Dieser schaute ihn für einen Moment verblüfft an, dann lachte er. "Ganz schön gewagt für ein Spielzeug." Das Lachen war verschwunden und er funkelte Chakotay wütend an.
Chakotay grinste. "Ich gebe Ihnen 10 Sekunden Vorsprung..." meinte Chakotay und fing an zu zählen.
"Ein Spiel, ausgezeichnet. Ich werde die Trophäe besonders genießen." Der Graf verschwand in einer Nebelwolke und Chakotay blickte zum obersten Turmfenster des Schlosses. Dort stand seine Silhouette und wartete auf ihn. Nun, lange würde er nicht warten müssen. Er ließ Kathryn los und rannte zum Schloß zurück.
Folge mir, mein Kind, hörte Kathryn seine Stimme. Du kannst es, flüsterte er. Der Vampir in Kathryn konzentrierte sich und schaffte es, sich zu dematerialisieren und sich auf der Treppe zum Turmzimmer wieder zu materialisieren, kurz bevor Chakotay dort ankam.
Chakotay war nur etwas überrascht, als er Kathryn vor ihm stehen sah. Mit so etwas hatte er gerechnet. "Warten Sie hier", befahl er ihr und drängte sich an ihr vorbei. Er öffnete die Tür, die Armbrust im Anschlag. Schnell inspizierte er den Raum und hatte bald den Grafen auf einer Galerie über ihm entdeckt. Er schoss den ersten Bolzen ab, doch der Graf verpuffte wieder in einer Wolke eher das Geschoss ihn erreichte.
Janeway beobachtete die Szene mit einer Mischung aus Grauen, Freude und Erregung.
Chakotay wirbelte herum, er hatte richtig vermutet dass der Graf hinter ihm erscheinen würde und schoss einen weitern Bolzen auf ihn ab. Im gleichen Moment zog er die Pistole und hielt sie feuerbereit in der linken Hand. Die Waffen bildeten ein perfektes V in seinen Händen und Chakotay bemerkte ein Flimmern links von ihm. Die Kugel aus der Pistole traf diesmal. Sie streifte den rechten Arm des Grafen und flog dann in Steinmauer weiter, wo sie eine ungeplante Schwierigkeit hervorrief - die Kugel zerstörte ein verdecktes Computerpaneel und die Computerstimme verkündete: "Achtung, die Sicherheitsprotokolle sind offline."
Uh -oh, dachte Chakotay, das war so nicht geplant. Jetzt hatte er ein ernstes Problem. Er suchte weiter den Raum nach dem Grafen ab.
Fauchend erschien der Graf vor Chakotay, dann verschwand er wieder in seiner Nebelwolke. Kurz darauf erschien er neben Janeway and hielt sie fest, dann verschwanden beide in der Nebelwolke. Mit einem diabolischen Lachen ließ der Graf Janeway von der Decke des Zimmers hinunterfallen.
"Nein! Kathryn!" schrie Chakotay und rannte durch den Raum um sie aufzufangen. Doch das war nicht nötig. Kathryn verschwand im Fallen um kurz darauf wieder hinter dem Grafen aufzutauchen.
Der Graf lachte. "Dein kleines Spielzeug ist ja ganz schön schreckhaft...", lachte er höhnisch und wandte sich Kathryn zu. Diese sah ihren Meister zwar an, doch war in ihrem Blick Leere. Der Captain in ihr hatte das Abschalten der Sicherheitsprotokolle registriert und die Frau in ihr machte sich Sorgen um Chakotay und hasste es, ein Spielball zu sein. Wütend stieß sie den Grafen von sich.
"Kathryn!" rief Chakotay von unten. Er zielte auf den Grafen, doch Kathryn war in seinem Schussfeld. "Gehen Sie weg von ihm!"
Kathryn hatte genau dies vor, doch hinderte sie der Graf daran. "Du bleibst schön bei mir", hauchte er in ihr Ohr und hielt sie gegen sich gepresst.
"Schießen Sie, Commander!", wies der Captain an.

Chakotay zielte noch immer auf die beiden, doch dieser Aufforderung würde er unmöglich nachkommen können. Er senkte die Armbrust und rief: "Und ich dachte, Sie wären ein Ehrenmann und verstecken sich nicht hinter anderen. Sie Feigling!"
Der Graf lachte und stieß Kathryn von sich, zuvor versetzte er sie in eine tiefere Trance, damit sie ihm nicht in die Quere kommen konnte. Sie sank an der Wand zu Boden und blieb dort wie angewurzelt stehen. Wie ein wildes Tier brüllend stürzte der Graf sich auf Chakotay, wann immer er feuerte, verwandelte er sich in die Nebelwolke, so dass die Schüsse ins Leere gingen. Das Lachen des Grafen erfüllte den ganzen Raum. Chakotay hatte nur noch eine Kugel in seiner Pistole und die Armbrust war leer. Kurz materialisierte der Graf vor ihm. Janeway, die in ihrer Trance gegen den Vampir in sich ankämpfte, siegte kurz und bewegte sich kurz, diese Bewegung ließ den Grafen zu ihr schauen, so konnte Chakotay feuern und ihn verwunden. Janeway verfiel wieder in die Trance, während der Graf sich wie eine Bestie auf Chakotay stürzte. Seine Fingernägel zerrissen seine Haut, seine Zähne bissen ihn und saugten ihm das Blut aus. Er fühlte, wie er immer schwächer wurde. Kathryn mußte diese Szene hilflos mit ansehen und kämpfte innerlich gegen den Vampir. Sie schrie auf, als kurz der Captain in ihr siegte und eilte durch den Raum zum Grafen und Chakotay. Mit übermenschlicher Kraft, die nicht von der Vampirin in ihr kam, sondern von der Frau, die Chakotay liebte, riss sie den Grafen von Chakotay herunter. Dieser war bewusstlos und blutete stark.
"Janeway an....", wollte sie den Transporterraum rufen, doch fiel der Graf nun über sie her. Während des Kampfes wurden einige Möbelstücke zerstört und sie griff nach einem abgebrochenen Stuhlbein und rammte es dem Grafen in sein kaltes Herz.
"Leg dich nicht mit mir an!", fauchte sie ihn an, während der Graf sich in Staub auflöste. Da nun die Macht des Grafen gebrochen war, verschwand auch die Vampirin in Kathryn.
"Janeway an Transporterraum 2, beamen sie Commander Chakotay und mich sofort auf die Krankenstation", wies sie an und sie wurden in die Krankenstation gebeamt.

"Computer, Zugangsbeschränkung zum MHN deaktivieren. Das MHN aktivieren", rief Janeway.
"Bitte nennen Sie die Art des medizinischen Notfalls", erklang der Standartsatz des MHN als er erschien.
"Commander Chakotay ist schwer verletzt!", rief sie dem MHN zu. Dieser nickte und begann sofort, Chakotay zu untersuchen und seine Wunden zu heilen. Janeway wandte sich ab.
"Sie bleiben hier", wies das MHN sie an und sie nickte nur. Sie war wie unter Schock. "Helfen Sie Chakotay...", meinte sie leise und nahm auf einer der Pritschen Platz, legte den Kopf in die Hände und ließ alles Revue passieren. Was habe ich da nur angerichtet, dachte sie sich verzweifelt. Das MHN überlegte kurz, wieder das Kraftfeld um Janeway zu errichten, doch er entschied sich für den Moment dagegen.

Der Doctor arbeitete verbissen daran, dass Chakotay ihm nicht unter den Händen wegsterben würde. Sein Stoffwechselhaushalt war zusammengebrochen, er hatte zu viel Blut verloren. Das MHN behandelte ihn zuerst wieder mit Vasokin, doch das gab ihm nur ein paar Minuten Atempause. Wenig später waren die chirurgischen Rahmen hochgefahren und das MHN führte ihm künstliches Blut zu. Als er Chakotay erst einmal soweit stabilisiert hatte, kümmerte er sich nun um den Captain.
"Captain, würden Sie sich bitte hinlegen?"
Erst jetzt erwachte Janeway aus ihrer Starre und eilte zu Chakotays Bett. "Wie geht es ihm, Doktor?", fragte sie ihn panisch.
Das MHN seufzte. "Captain, bitte, würden Sie sich bitte jetzt hinlegen? Ich habe für den Commander alles getan, was ich tun konnte, jetzt müssen wir abwarten."
Janeway ließ ihre Augen nicht von Chakotay als sie sich hinlegte. "Er darf nicht sterben...", flüsterte sie leise und verzweifelt.
"Ich habe nicht vor ihn sterben zu lassen, aber im Moment kann ich nichts weiter für ihn tun. Und Sie brauchen ebenfalls dringend meine Aufmerksamkeit." Das MHN drückte Janeway auf die Liege runter und holte seinen Neuralscanner.
"Hm..." brummte er nach einer Weile zufrieden. "Die fremden Gehirnwellenmuster werden nicht mehr registriert. Ich schätze, ihr Gehirn ist wieder ihres." Prüfend schaute er auf Kathryns Gebiss, die Zähne waren alle normal. Er behandelte mit dem Dermalregenerator einige kleine Abschürfungen, dann sagte er: "Ich möchte, dass Sie sich jetzt ausruhen. Morgen dürfen Sie dann wieder die Krankenstation verlassen und in den aktiven Dienst zurückkehren."
Janeway nickte nur. "Wie geht es Chakotay?", fragte sie ihn kleinlaut und erhob sich von der Pritsche wieder.
Das MHN rollte sichtlich genervt mit den Augen, drückte ihr eine Dosis Morphazin gegen den Hals und bevor sie einschlief sagte er: "Genauso, wie vor einer Minute Captain. Und jetzt müssen Sie sich ausruhen." Janeways Bewusstsein versank in Dunkelheit.
Das MHN wandte sich seinen Aufzeichnungen zu und so verging die Nacht ereignislos.

Am nächsten Morgen erwachte Janeway und setzte sich verwundert auf, bis ihr die Ereignisse der vergangenen Nacht wieder in das Gedächtnis kamen. "Chakotay!", entfuhr es ihr und sie verließ die Pritsche. Kurz versagte ihre Beine ihr den Dienst doch sie fing sich und eilte zum Commander hinüber.
Entsetzt sah sie, wie bleich und verletzlich Chakotay auf der Pritsche lang und es gab ihr einen Stich in das Herz. Dies ist alles meine Schuld, dachte sie traurig. Vorsichtig legte sie ihre Hand auf seine Schulter und sah ihn besorgt an als das MHN ihre trüben Gedanken unterbrach.

"Captain, wie fühlen Sie sich?" fragte er und holte einen Tricorder hervor.
Sie schüttelte nur den Kopf und ließ den Scan über sich ergehen. "Wie geht es ihm?" fragte sie ihn eindringlich.
"Sein Stoffwechselhaushalt ist fast wieder normal, allerdings ist er in ein Koma gefallen", sagte das MHN vorsichtig. "Ich glaube aber, es ist nur temporär und wenn er den Schock überwunden hat, wird er wieder aufwachen."
Kathryn sank ein wenig in sich zusammen und mußte sich an der Pritsche festhalten. Doch schnell gewann sie ihre Fassung wieder und sah zum MHN. "Benachrichtigen Sie mich, sobald sich sein Zustand ändert", wies sie ihn an und machte Anstalten, die Krankenstation zu verlassen. Sie mußte jetzt für einige Momente allein sein.
"Natürlich Captain", sagte das MHN. "Aber gehen Sie es noch langsam an!" rief er ihr hinterher.
Sie eilte in ihr Quartier und sank an der geschlossenen Tür zu Boden. Mit der Faust schlug sie auf den Boden, eine Träne rann ihr über die Wange. Wie konnte ich nur so dumm sein und ihn in Gefahr bringen, schimpfte sie sich selbst in Gedanken. Wenn sie ihn jetzt verlieren würde, durch eine solche Dummheit, sie würde es sich nie verzeihen. Wütend über sich selbst wischte sie die Tränen weg und ging in das Badezimmer. Sie duschte sich und kleidete sich neu an, dann sah sie in den Spiegel. Sie war blass, die Wangen eingefallen, dunkle Ringe unter ihren Augen. Entnervt schloß sie die Augen für einen Moment. Dann machte sie sich fertig für den Dienst und begab sich auf die Brücke.

"Krankenstation an Captain Janeway", ertönte es gegen Ende ihrer Schicht aus ihrem Combadge.
"Janeway hier", erwiderte sie prompt.
"Bitte melden Sie sich nach Dienstschluss auf der Krankenstation, ich möchte noch eine Nachuntersuchung bei Ihnen durchführen."
"Ja Doctor." Wie bestellt erschien der Captain einige Stunden später in der Krankenstation.
Sie atmete erleichtert aus und nahm auf dem Bett Platz.
Das MHN fing mit der Untersuchung an. Nach ein paar Minuten klappte er den Tricorder wieder zu und sagte mit einem Grinsen: "Alles in Ordnung Captain, Sie haben keine Nachwirkungen oder bleibenden Schäden erlitten. Sie sind wieder ganz die Alte. Wenn Sie möchten, dürfen Sie die Krankenstation jetzt verlassen."
"Ich würde gern hierbleiben, bei Commander Chakotay", erwiderte sie ihm. "Wenn ich darf", fügte sie noch hinzu und sah zu ihm hinüber.
"Natürlich dürfen Sie", sagte das MHN und holte für den Captain einen Stuhl. "Machen Sie sich nicht allzu große Sorgen Captain", sagte das MHN mitfühlend, "ich rechne damit, dass er in den nächsten Stunden das Bewusstsein wiedererlangt." Damit zog sich das MHN in sein Büro zurück und ließ die beiden allein.

Janeways Herz machte einen Sprung, doch sie riss sich zusammen.
"Danke Doctor", meinte sie knapp und nahm neben dem Bett Platz. Als der Doctor außer Sichtweite war, bröckelte die Fassade des Captains und sie stützte den Kopf in die Hände. "Wachen Sie bitte wieder auf, ich brauche Sie doch so sehr..", flüsterte sie.
Chakotays Lider zuckten leicht, aber sonst reagierte er nicht. Als das MHN nach einer Stunde wieder zu Chakotays Bett schaute, sah er, dass der Captain immer noch in ihrem Sessel saß und eingenickt war.
"Captain", sagte er sanft und schüttelte vorsichtig ihre Schulter.
Janeway schreckte hoch. "Oh, Sie sind es..", entfuhr es ihr erleichtert, da sie vom Grafen geträumt hatte.
"Kathryn?" klang plötzlich ein Flüstern neben ihr. Das MHN schaute überrascht zu Chakotay, der die Augen geöffnet hatte und holte einen Tricorder hervor.
"Chakotay!" Janeway wandte sich ihm zu und berührte seine Schulter. "Ich bin hier", flüsterte sie in sein Ohr.
"Sind Sie okay? Hat es funktioniert? Ist die fremde Präsenz weg?" fragte er leise. Das MHN hatte unterdessen seine Scans beendet und nickte zufrieden. "Sie werden wieder völlig genesen, Commander. Mindestens noch einen Tag Ruhe und Sie dürfen wieder auf die Brücke."
"Ja", erwiderte sie ihm sanft. "Bitte werden Sie auch wieder gesund."
Sanft strich sie dabei über seine Schulter.

Chakotay legte seine Hand auf ihre und hielt sie fest. Dann sah er ihr in die Augen und meinte mit einem Lächeln: "Jetzt wo ich weiß, dass Sie wieder Sie selbst sind bin ich beruhigt."
Noch immer hielt seine Hand ihre fest, so blieb sie dort sitzen und bewachte seinen Schlaf, bis sie selbst irgendwann einschlief. Der Doctor beobachtete die Szene eine Weile, dann holte er eine Decke und legte sie um Janeway. Grinsend verschwand er wieder in seinem Büro.

Zwei Stunden vor Beginn der Frühschicht trat das MHN mit einem Muskelentspannungsmittel an seinen Captain heran, injizierte es ihr und weckte sie mit einem fröhlichen: "Guten Morgen Captain!"
Janeway zuckte hoch. "Was? Wo?", fragte sie und sah sich um. "Ja, guten Morgen, Doctor", meinte sie und strich sich mit der freien Hand über den Nacken. "Wie spät ist es?"
"4 Uhr, ihre Schicht beginnt in zwei Stunden. Ich denke, Sie sollten langsam in ihr Quartier gehen, sie können nach Dienstende wieder herkommen wenn Sie möchten."
Janeway nickte und erhob sich langsam. Irgendwie wollte sie Chakotay nicht verlassen, doch rief sie die Pflicht. Langsam löste sie ihre Hand aus seiner, was Chakotay mit einem Stirnrunzeln kommentierte, jedoch aber weiterschlief. In ihrem Quartier angekommen, nahm sie eine warme Dusche und setzte sich dann im Morgenmantel auf das Sofa, einen Kaffee in den Händen. Immer wieder nahm sie einen Schluck und sah nachdenklich nach draußen. Um kurz vor sechs erschien sie auf der Brücke.
"Guten Morgen Captain", wurde sie auf der Brücke begrüßt.
"Captain, dürfte ich Sie in Ihrem Bereitschaftsraum sprechen?" fragte Tuvok.
Janeway hob fragend eine Augenbraue, dann nickte sie und ging voran in ihren Besprechungsraum. Sie nahm Platz und bot Tuvok ebenso einen Platz an. "Nun Mister Tuvok, ich höre."
"Captain", sagte der Vulkanier langsam, "geht es Ihnen gut?"
Janeway wollte schon tief Luft holen und erwidern, dass es ihr natürlich gut ginge und dass sie sonst nicht auf der Brücke wäre, doch besann sie sich und sah zu ihrem Vertrauten. "Es geht mir gut genug, um meinen Dienst auf der Brücke zu verrichten, Tuvok", meinte sie zu ihm.
"Vielleicht sollten Sie sich ein paar Tage freinehmen?" schlug Tuvok vor. "Als Freund mache ich mir Gedanken um Sie, mit Verlaub gesagt, Sie sehen nicht sehr gut aus."
Janeway lächelte kurz, nur war Urlaub jetzt das Letzte, was sie wollte. "Tuvok mein Freund, ich verspreche Ihnen, dass ich Urlaub nehme, wenn es mir schlechter gehen sollte", wich sie aus.
Tuvok hob eine Augenbraue und meinte nur noch: "Sigmund Freud sagte einmal: Die Stimme der Vernunft ist leise." Er verzog vulkanierlike den Mund. "Vielleicht sollten Sie ab und zu in Erwägung ziehen, wieder etwas zu meditieren und das Wesentliche wieder in den Fokus rücken."
Mit diesen Worten verließ der Vulkanier den Bereitschaftsraum.
Janeway blieb im Bereitschaftsraum sitzen und dachte über Tuvoks Worte nach. Sie fuhr sich durch die Haare und legte den Kopf in die Hände. Seufzend versuchte sie, ihre Gedanken zu ordnen. Sie hatte sich fest vorgenommen, diesen Tag als Captain zu verbringen und sich ihren Pflichten zu widmen, doch gelang ihr dies einfach nicht. Sie tippte auf ihr Combadge: "Janeway an Tuvok, bitte kommen Sie in meinen Bereitschaftsraum."
"Ich bin auf dem Weg", erwiderte Tuvok.
Janeway erhob sich und sah aus dem Fenster, die Hand in den Rücken gestützt sie war fest entschlossen, oder anders gesagt, sehr verzweifelt und beschloss, sich ihrem Vertrauten anzuvertrauen.
"Sie wollten mich sprechen, Captain?"
Obwohl es unhöflich war, drehte sich Janeway nicht um, als Tuvok eintrat.
"Tuvok", flüsterte sie leise. "Ich brauche Ihren Rat, als Freund."
"Den bekommen Sie wenn es mir möglich ist, Captain."
Sie drehte sich langsam zu ihm herum, in ihrem hübschen Gesicht lag Verzweiflung. Langsam ging sie zu ihrem Schreibtisch und nahm Platz, wie hinter einem Schutzschild. Sie stützte die Arme auf den Tisch und legte den Kopf darauf. Sie sah Tuvok in die Augen. Tu es, jetzt oder nie, machte sie sich selbst in Gedanken Mut, doch sie begann zu zittern wie Espenlaub.
"Tuvok, was ich Ihnen jetzt sage, muß in diesem Raum bleiben, das müssen Sie mir versprechen."

"Natürlich Captain. Ich nehme an, es geht um Commander Chakotay?"
Kathryn zuckte merklich zusammen. "Was.. was meinen Sie?", fragte sie verwirrt und ängstlich.
Tuvok verschränkte die Hände hinter dem Rücken und sagte dann mit einer hochgezogenen Augenbraue: "Was Ihre Gefühle für Commander Chakotay angeht, ich denke Sie unterschätzen sowohl einen Teil der Crew als auch vor allem Mr. Paris. Vielleicht wird es Zeit, dass Sie ihre Verbindung zu Commander Chakotay legalisieren."
Kathryn fiel buchstäblich die Kinnlade nach unten, sie war unfähig zu reagieren, außer einer kleinen Träne, die aus ihrem linken Augen rann, war sie fast völlig erstarrt.
"Ich hoffe der Grund Ihres emotionalen Aufruhrs ist glücklicher Natur", sagte der Vulkanier. "Andernfalls möchte ich mich entschuldigen, sollte ich Sie gekränkt haben mit meiner Aussage."
Janeway mußte alle Kraft aufbringen, sich zu erheben, sie hatte das Gefühl, als würde ihr der Boden unter den Füßen weggezogen werden. Ungläubig sah sie Tuvok an. "Ist... es.. so.. offensichtlich...?", fragte sie verzweifelt und verwundert.
Tuvok überlegt einen Moment. "Seit Sie beide auf dem Planeten zurückgelassen werden mussten, haben Sie beide sich verändert. Es war logisch anzunehmen, dass in einer solchen Situation in Hinblick auf eine lebenslange Isolation eine intime Atmosphäre geschaffen wird."
"Oh...", erwiderte Janeway perplex. Irgendwie fühlte sie sich gerade wie ein dummes Kind.
Tuvok sagte nichts und wartet ab.
Janeway wankte zu ihrem Sofa und ließ sich dort einfach fallen. Sie zog die Beine an und legte das Kinn auf die Knie. Sie sah zu Tuvok hinüber. "Ich liebe ihn", gab sie leise zu, zum ersten Mal sagte sie es und es fühlte sich richtig an, so richtig, dass ihr Herz schneller schlug.
Tuvok ging näher an seinen Captain heran und meinte dann: "Vielleicht sollten Sie das nicht mir, sondern Commander Chakotay sagen."
Janeway sah zu Tuvok auf. "Er braucht Ruhe", meinte sie ausweichend.
"Sicher haben Sie recht und der Commander braucht noch Ruhe, aber diese seit 8 Jahren? Lassen Sie mich an dieser Stelle ein weiteres Zitat anbringen: Am glaubwürdigsten klingen unsere Ausreden dann, wenn wir sie uns vorher eingeredet haben." Mit diesen Worten verließ Tuvok den Bereitschaftsraum.
Janeway sah ihm seufzend nach und legte den Kopf in den Nacken. Ihr schmerzte alles und sie stöhnte leise auf. Tuvok hatte Recht und tief drin wusste sie das. Sie stand auf und sah aus dem Fenster. Dann ballte sie die Fäuste und atmete mehrmals tief durch. Mit ihren Händen strich sie sich über die Haare und verließ dann den Bereitschaftsraum.
"Mister Tuvok, Sie haben die Brücke", meinte sie und stieg in den Turbolift. "Krankenstation", wies sie an.
Auf dem Deck angekommen, machte sie sich auf den Weg zur Krankenstation, doch je näher sie kam, umso langsamer wurden ihre Schritte. Vor der Tür verharrte sie kurz, dann trat sie energisch ein.

"Captain", wurde sie vom MHN begrüßt. "Kann ich Ihnen helfen?"
Ich... wie geht es Commander Chakotay?", fragte sie ihn. Irgendwie hatte sie völlig verdrängt, dass er ja da sein würde.
"Ich denke, der Commander kann die Krankenstation wieder verlassen. Ich wollte ihn eigentlich erst in zwei Stunden aufwecken, aber seine Scans sehen sehr gut aus und alles ist normal." Das MHN grinste den Captain dabei wissend an, holte dann ein Hypospray und drückte es Chakotay gegen den Hals. Dieser schlug Sekunden später die Augen auf.
"Wie fühlen Sie sich, Commander?" fragte das MHN vergnügt.
Chakotay setzte sich langsam auf und meinte dann: "Wieder wie neu. Danke Doctor."
"Verbringen Sie den Rest des Tages noch in ihrem Quartier, morgen dürfen Sie wieder auf die Brücke. Und halten Sie sich in nächster Zeit von Vampiren fern."
Chakotay rutschte von der Liege und sah dann Kathryn.
"Wie... fühlen Sie sich, Commander?", fragte Janeway ihn. Der Doctor blieb noch eine Weile bei ihnen stehen, doch dann ging er grinsend in sein Büro und widmete sich seinem Bericht.
"Wie neu, wie geht es Ihnen?" fragte er lächelnd. "Hätten Sie Lust auf einen Kaffee? Ich würde gern in mein Quartier gehen, von der Krankenstation habe ich erst einmal genug." Chakotay wollte gerade gehen, doch dann stockte er. "Oh, ich habe ganz vergessen, dass Sie ja noch Dienst haben Captain. Möchten Sie vielleicht nach Dienstschluss vorbeikommen? Ich weiß immer noch nicht genau, was auf dem Holodeck passiert ist, nachdem mich der Graf überwältigt hatte. Ich schätze, Sie haben mir das Leben gerettet."
"Ich... Tuvok hat die Brücke..", meinte sie und nickte dann. "Kaffee klingt gut." Sie lächelte ein wenig gezwungen. "Lassen Sie uns gehen, Commander", meinte sie und verließ die Krankenstation.
In Chakotays Quartier bot er ihr einen Platz an und holte dann den Kaffee.
"Vielen Dank, dass Sie mir wieder einmal das Leben gerettet haben Kathryn", sagte er lächelnd.
Kathryn nahm den Kaffee und hielt die Tasse wie schützend vor sich. "Nachdem ich Sie erst in Gefahr gebracht habe", meinte sie kleinlaut und sah in die Tasse mit dem schwarzen Getränk.
"Haben Sie?" fragte Chakotay zurück. "Laut Bericht des MHN waren Sie von einem fremden Gehirnmuster übernommen. Oder haben Sie mir ihr Vampirdasein 9 Jahre lang verschwiegen?" Er hatte sehr wohl gemerkt dass Kathryn bedrückt war und versuchte die Stimmung etwas aufzuheitern.
Kathryn lag ihr bevorstehendes Geständnis viel zu sehr im Magen, der mittlerweile zu schmerzen begann, als dass sie hätte darauf eingehen können. "Chakotay..", begann sie leise, doch verließ sie der Mut. Die Fassade des Captains bröckelte immer mehr und sie hielt sich krampfhaft an ihrer Tasse fest.
Chakotays Gesichtsausdruck wurde ernst und er sagte: "Wagen Sie es ja nicht sich für die Vorfälle die Schuld zu geben Kathryn Janeway. Sie sind nicht für die Existenz aller fremden Wesen und deren Handlungen im Universum verantwortlich. Sie trifft keine Schuld. Und tief in ihrem Inneren wissen Sie das auch."
Ihre Fassade bröckelte immer mehr, ihre Hände, die die Tasse umklammerten, zitterten und wurden weiß. Sie konnte nicht mehr. "Chakotay, ich.. ich lie....." Nun verließ sie der Mut und sie schüttelte verzweifelt den Kopf.
Chakotay war perplex und unsicher, ob er sich nicht doch verhört hatte. Er stand auf, ging um den Tisch herum und setzte sich neben Kathryn auf die Couch. Sanft nahm er ihr Kinn in seine Hand und zwang sie, ihm in die Augen zu blicken. "Was haben Sie gesagt?" fragte er atemlos und hoffnungsvoll zugleich.
Kathryn sah in seine faszinierenden Augen und ihre Fassade zerbrach. Nun war sie nur noch Frau. "Ich liebe Dich", flüsterte sie und krampfte ihre Hände zu sehr um die Tasse, dass diese zerbrach und in ihre Hände schnitt.
Chakotay sah auf ihre Hand und holte eine Dermalregenerator. Während er die Schnittwunde verschloss meinte er lächelnd: "Die Tasse hatte jetzt aber wirklich keine Schuld." Dann sah er ihr wieder in die Augen und küsste sie hingebungsvoll.
Während er ihre Hände behandelte, fühlte sie Tränen in ihren Augen. Als seine Lippen ihre berührten, seufzte sie leise auf und die Tränen begannen, ihre blassen Wangen hinabzurinnen.
Chakotay strich ihr übers Haar und sagte nur: "Ich liebe Dich auch Kathryn."

ENDE