Author: Brianna
Inhalt: Ein Country-Song verwirrt das Holodeckprogramm und die beiden Führungsoffiziere
Autor's note: Ich liebe Garth Brooks und seine Lieder. Einer seiner Songs inspirierte mich, diese Story zu schreiben. Kategorie: Romantik
Disclaimer: Wie jeder schon weiß, Paramount usw., für den Song: Garth Brooks
Feedback: Wer mir gerne Feedback dazu schicken möchte, immer willkommen!
Wasser hat eine beruhigende Wirkung. Ich mag es, an einem Strand zu sitzen und den Wellen zuzuhören. Es ist wie Meditation. Man sitzt einfach da, läßt seine Gedanken ziehen. Das Meer, der Sand, man wird eins mit ihnen. Ich mag den warmen Sand unter meinen Füßen. Er fühlt sich weich an, wenn er beim Laufen durch meine Zehen rinnt. Ich mag das warme Wasser, wenn es sanft über meine Füße läuft.
Alles ist ruhig und friedlich. Alles ist beruhigend...

Nun, dies war nicht meine Heimat. Ich war weit von ihr entfernt. Und mit weit meinte ich wirklich eine große Distanz und nicht nur mehrere 100 Kilometer. Ich vermißte meine Heimat. Ich vermißte die Möglichkeit, an einem Strand spazieren zu gehen und meine Seele baumeln zu lassen. Aber ich konnte zur Zeit nichts an dieser Tatsache ändern. Ich mußte mit dem Vorlieb nehmen, was ich bekommen konnte. Und wenn es nur eine Holodeck Simulation war.

Eine einfache Landschaft. Ein Strand. Kein Meer, sondern ein Fluß. Aber ein Strand. Ein Strand mit weichem Sand und warmen Wasser. Genauso, wie ich es mochte.
Ich zog meine Stiefel aus und wanderte am Strand entlang. Ich ließ meine Seele baumeln. Ich versuchte, die Gedanken des Alltags abzustreifen, mich ganz auf mich selbst zu konzentrieren. Wieder zu mir selbst zu finden.

Ich ging für eine geraume Weile. Es schien zu wirken, ich fühlte wirklich entspannter, als bevor ich das Holodeck betreten hatte. Ich setzte mich auf einen Stein in der Nähe des Flusses. Meine Zehenspitzen tauchten in das Wasser. Ich schaute auf die andere Uferseite vor mir. Aber ich konzentrierte mich nicht auf einen bestimmten Punkt. Das hätte bedeutet, daß ich mir Gedanken über diesen Punkt hätte machen müssen. Ich wollte mir aber keine Gedanken machen. Es reichte, wenn ich das tagein und tagaus machte. Aber nicht jetzt, nicht in meiner kostbaren Freizeit.

Plötzlich nahm ich aus dem Augenwinkel heraus eine Bewegung wahr. War jemand auf das Holodeck gekommen? Wie konnte das sein? Ich hatte doch einen bestimmten Zugangscode eingegeben, so daß nur ich dieses Programm betreten konnte. Gut, bei Notfällen würde dieser Code überbrückbar sein, aber jetzt herrschte doch kein Notfall. Das hätte mir der Computer doch mitgeteilt.

"Hallo?", rief ich und drehte mich in die Richtung, von der ich die Bewegung wahrgenommen hatte. Ich sah die Gestalt einer Frau, welche den Strand entlang in Richtung Süden von mir wegging. Die Frau trug ein langes weißes Kleid, welches bis zum Boden reichte und leicht im Wind hin und her wehte. Sie hatte lange blonde Haare, locker zu einem Zopf gebunden. Sie schien nicht sehr groß zu sein, vielleicht gerade mal so groß wie ich.

Woher kam diese Frau? Ich hatte sie zuvor nie bemerkt, und ich konnte mich auch nicht daran erinnern, sie programmiert zu haben. Neugierig geworden, beschloß ich, hinter der Frau her zu gehen. Ich könnte sie ansprechen und das Rätsel ihres Auftauchens lösen.

Sie ging recht langsam, so daß ich keine Mühe hatte, sie einzuholen. Ich überlegte mir, wie ich am besten auf mich aufmerksam machen könnte. Ich wollte die Frau ja nicht erschrecken. Andererseits mußte sie an mir vorbeigegangen sein und mich bemerkt haben. Also würde ich für sie nicht plötzlich auftauchen.

Ich wollte gerade meine Hand zu ihr ausstrecken, als die Frau plötzlich ihre Laufrichtung änderte. Sie ging nun direkt auf den Fluß zu. Verwundert hielt ich an, um zu beobachten, was sie vor hatte. Vielleicht war sie durstig und wollte ein paar Schlucke Wasser trinken. Vielleicht wollte sie aber auch nur ihre Füße etwas abkühlen. Immerhin war es recht warm heute, und ich hatte das zuvor auch schon des öfteren getan.

Doch die Frau hatte andere Absichten. Eh ich mich versah, war sie bis zur Hüfte im Wasser verschwunden, und es sah nicht so aus, als ob sie eine Runde schwimmen wollte. Außerdem war die Strömung viel zu stark. Sie würde schnell abgetrieben. Ich mußte zu ihr hin, ihr helfen!

"Warten Sie!", rief ich ihr zu. "Tun Sie das nicht." Ich rannte so schnell ich konnte und war schon bald bis zu meinen Knien im Wasser. Aber die Frau reagierte überhaupt nicht auf meine Rufe.
"Bleiben Sie stehen, tun Sie sich das nicht an. Wir können über alles reden!"
Aber meine Worte verhallten ungehört. Die Frau ging immer weiter. Irgendwann war sie mit ihrem gesamten Körper unter Wasser. Ich kam nicht schnell genug an sie heran, denn die Strömung trieb mich immer wieder von ihr weg.

Erschöpft und verzweifelt blieb ich stehen. Ich war nicht in der Lage, ihr zu helfen. Ich suchte den Fluß ab, ob ich ihren Körper irgendwo leblos treiben sah. Aber nach einer langen Weile tauchte er immer noch nicht auf.

"Computer, Programm beenden", befahl ich. Ich fühlte mich elend und mir war kalt. Das hatte ich nun wirklich nicht in dieses Programm integriert. Es sollte ein ausschließliches Entspannungsprogramm sein. Der Sand, der Fluß, ein paar Bäume und ein paar Tiere, mehr sollte nicht vorkommen. Woher diese Frau aufgetaucht war, war mir schleierhaft. Ich mußte eine Analyse des Programms und des Holodecks durchführen, damit ich herausfinden konnte, was passiert war. Aber zunächst mußte ich erst mal in mein Quartier, mich abtrocknen und etwas anderes anziehen.

"Kathryn!" Chakotay musterte mich von der Seite. "Was um Himmels willen ist denn mit Ihnen passiert?"
"Ach, fragen Sie mich nicht. Heute läuft nicht alles, so wie ich es möchte. Mehr möchte ich nicht dazu sagen."
Und dann waren wir auch schon am Turbolift angekommen. Wie erwartet, ging Chakotay zur Brücke, und ich kam ungesehen endlich zu meinem Quartier.

Ich hatte leider keine Gelegenheit, mich sofort um das Programm zu kümmern. Wir waren auf einen Gasriesen gestoßen, der einige für uns wichtige Bestandteile enthielt. B'Elanna und Harry sollten sich sofort um die weitere Erforschung kümmern. Meine Anwesenheit auf der Brücke war auch notwendig. Trotzdem blieb mir noch eine gewisse Zeit, zumindest kurz über die zuvor erlebten Geschehnisse nachzudenken.

Ich hatte definitiv keine Personen einprogrammiert. Und es hatte außer mir auch niemand anderes die Möglichkeit, auf dieses Programm zuzugreifen. Die Notfallabschaltung war die einzige Möglichkeit, mich aus dem Programm herauszuholen. Und darüber konnte man nicht zusätzliche Subroutinen hinzufügen.
Aber trotzdem war diese Frau dort gewesen. Ich hatte mir das Ganze nicht einfach nur eingebildet. Dessen war ich mir vollkommen sicher.

Als wir endlich mit der Erforschung des Gasriesen fertig waren, und Harry und B'Elanna festgestellt hatten, daß wir nichts von seinen Bestandteilen an Board der Voyager beamen konnten, hatte ich endlich die Gelegenheit, mich um mein Holodeckprogramm zu kümmern. Ich beschloß, mich zunächst alleine an die Überprüfung zu machen. Vielleicht war es nur ein einfacher Fehler, den ich selber beheben konnte.

"Computer, Programm Janeway-Alpha-1 öffnen!"
Die Türen zum Holodeck öffneten sich und ich stand wieder an meinem Strand. Es sah dort nicht viel anders als beim letzten Mal aus. Ich machte mich sofort auf den Weg, die Zugangskonsole zu suchen, mit der ich direkten Zugriff auf sämtliche Routinen haben würde. Die Konsole war schnell gefunden. Ich überprüfte alles, war aber nicht in der Lage, irgendeinen Fehler zu finden.

Dann bemerkte ich plötzlich wieder die Anwesenheit einer weiteren Person. Ich drehte mich in Richtung Fluß und sah wieder die Frau. Schnell zog ich den Tricorder aus der Tasche und scannte die Umgebung. Aber der Tricorder zeigte mir nichts Ungewöhnliches an. Die Frau war also Teil des Programms. Wäre sie eine Lebensform gewesen, hätte der Tricorder es mir ja angezeigt.

"Computer, welche Personen befinden sich auf Holodeck 2?", fragte ich den Computer instinktiv.
"Auf Holodeck 2 befindet sich Captain Janeway", kam die Antwort.
"Befinden sich noch weitere Personen auf dem Holodeck?"
"Es befinden sich keine weiteren Personen auf dem Holodeck."
Damit war mir auch nicht weiter geholfen. Ich überprüfte nochmals die Konsole, aber in den Programmen war diese Frau nicht zu finden. Trotzdem war sie deutlich zu sehen. Sie ging, wie beim letzten Mal auch, auf den Fluß zu. Als nächstes würde sie langsam in das Wasser hineingehen und dann irgendwann in den Fluten verschwinden.

Ich kam hier alleine nicht weiter. "Computer, Ausgang!"
Die Tür öffnete sich und ich ging hinaus. Ich wollte das Programm laufen lassen und über die Tafel außen im Korridor noch mal alles überprüfen. Ich trat hinaus und die Türen schlossen sich wieder.
Aber auch hier wurde ich nicht fündig. Alles blieb irgendwie mysteriös. Jetzt brauchte ich doch Hilfe.

Aber auf diese Hilfe mußte ich nicht lange warten. Chakotay kam um die Ecke.
"Kathryn", rief er mir zu. "Heute treffen wir uns aber recht häufig auf diesem Gang!"
Dabei lächelte er mich liebevoll von der Seite an. Ich hatte aber keine Zeit, mir Gedanken über dieses Lächeln zu machen. Die fremde Frau und das nicht ordnungsgemäße Funktionieren meines Holodeckprogramms beschäftigten mich viel mehr.

"Sie könnten mir vielleicht helfen", sprach ich ihn an. "Ich habe dieses Programm installiert, aber irgendwie scheint es nicht richtig zu funktionieren. Ich hatte gar keine Personen einprogrammiert, aber jetzt taucht immer wieder eine Frau auf, die sich im Fluß das Leben nimmt. Ich habe schon sämtliche Subroutinen überprüft, kann aber keinen Fehler feststellen."
Chakotay schaute auf die Tafel. "Und sie sagen, daß sie schon alles überprüft haben?"
"Ja", antwortete ich ihm etwas irritiert. Das hatte ich doch gerade gesagt. Glaubte er mir etwa nicht.

"Haben Sie denn das Programm zwischenzeitlich schon mal beendet?"
"Ja, hatte ich. Das war kurz bevor wir uns heute Vormittag begegnet waren. Deswegen war ich ja auch klitschnaß gewesen. Die Frau war sehr real. Sie ging ins Wasser, um sich das Leben zu nehmen, und ich habe versucht, sie zu retten."
"Das erklärt einiges!" Und wieder dieses Lächeln! Konnte er nicht mal damit aufhören?
"Und eben haben Sie das Programm erneut gestartet?"
"Ja, ich wollte das Programm überprüfen. Die Frau ist wieder aufgetaucht. Aber der Computer erkennt sie nicht. Und auch auf meinem Tricorder kann ich ihre Anwesenheit nicht erkennen."
"Das ist in der Tat äußerst merkwürdig. Ich habe hier noch mal auf die Tafel geschaut und kann auch nichts Verdächtiges erkennen. Lassen Sie mich mal das Programm betreten. Vielleicht kann ich noch etwas finden, was Sie bislang übersehen haben."

Chakotay und ich betraten das Holodeck. Ich sah, wie die Frau bereits wieder bis zum Oberkörper im Wasser stand. Chakotay lief hinüber zu ihr, während ich mich mehr im Hintergrund hielt.
"Halt, warten Sie", rief er der Frau zu. Ich wollte ihm gerade sagen, daß die Frau auch nicht auf mein Zurufen reagiert hatte, als sie sich plötzlich zu Chakotay umdrehte. Das hatte ich nun wirklich nicht erwartet.

"Du bist da...", sagte sie zu Chakotay und kam langsam wieder aus dem Wasser heraus. Chakotay drehte sich zu mir um. Er war überrascht und verwirrt. Er zuckte mit den Schultern, um mir zu signalisieren, daß er nicht wußte, was er jetzt tun sollte. Aber auch ich wußte hier nicht weiter.
"Computer, Programm anhalten", befahl ich, damit Chakotay und ich uns erst mal besprechen konnten. Doch nichts tat sich.
Ich wiederholte meinen Befehl, doch der Computer reagierte immer noch nicht.
"Computer, Programm beenden!"
Nichts.
"Computer, Ausgang!"
Wieder nichts. Wir waren in diesem Programm gefangen. In diesem Programm, welches ich nicht in dieser Art erschaffen hatte, und wo wir nicht wußten, wie es weitergehen würde, geschweige denn, wie wir es wieder beenden konnten.

Die Frau hatte Chakotay fast erreicht. Er sah mich immer noch hilflos an. Jetzt mehr denn je, denn er hatte meine ergebnislosen Versuche bemerkt.
"Du bist da...", sagte sie jetzt wieder zu ihm. Sie stand vor ihm, ein gutes Stück kleiner als er, und schaute ihn an.
"Ja, ich bin da", antwortete er ihr. "Was wolltest du in dem Wasser?"
Das war eine gute Frage. Vielleicht konnten wir so hinter das Geheimnis dieser Frau gelangen.

"Du bist nicht wieder zurückgekommen. Man hat mich angerufen, du wärst ... du wärst ..." Die Frau konnte nicht mehr weiter sprechen. Tränen liefen ihre Wangen herunter. Sie sah so klein und hilflos aus. Welches Schicksal hatte diese Frau ereilt, daß sie so verzweifelt war?

"Ich...". Chakotay wußte immer noch nicht so recht, was er sagen sollte. Er schaute zu mir herüber, aber alles was ich tun konnte, war nur mit den Schultern zu zucken. Ich war genauso ratlos wie er. Was ich mir aus dem kurzen Gespräch zusammenreimen konnte war, daß diese Frau Chakotay als jemanden wiedererkannte, der angeblich tot sein sollte. Vermutlich jemand, den sie sehr liebte, denn das würde ihre starken Emotionen erklären.
Aber damit löste sich immer noch nicht das Rätsel, warum sie in meinem Programm aufgetaucht war, und warum ich jetzt dieses Programm nicht mehr beenden konnte.

Und dann kam mir auf einmal eine Idee. Ich erinnerte mich an einen Song aus dem 20. Jahrhundert, den Tom erst kürzlich auf einer Party auf dem Holodeck gespielt hatte. Es war ein Country-Song und handelte von einer Frau, deren Ehemann nicht zurückgekehrt ist und die deshalb verschwunden ist. Man glaubte, daß sie sich ertränkt hatte, ihr Körper war aber nie gefunden worden.

Das würde hier genau passen, denn ich hatte die Frau jetzt schon mehrmals dabei beobachtet, wie sie im Fluß untergegangen war. Und jedes Mal hatte ich auch nicht ihren Körper wieder auftauchen gesehen. Trotzdem blieb eine Frage nicht geklärt: Wie konnten wir dieses Szenario beenden und somit wieder das Holodeck verlassen?

Mit meiner plötzlichen Erkenntnis auf den Lippen ging ich auf Chakotay zu. Die Frau nahm mich sofort wahr, und irgend etwas in ihrem Blick ließ mich innehalten. Sie sah mich äußerst feindselig an. Dann drehte sie sich von Chakotay weg und kam auf mich zu. "Du bist schuld!", griff sie mich an. Aus der zuvor noch klein und hilflos wirkenden Frau war nun eine zornige Furie geworden. "Du hast ihn mir weggenommen! Wegen dir ist er dageblieben und dieses waghalsige Unternehmen versucht zu beenden, obwohl er wußte, wie gefährlich es war. Er wollte dich beeindrucken und deshalb mußte er sterben! Du mußt dafür büßen!"

Chakotay versuchte sich zwischen uns zu stellen. "Halt mal", sagte er. "Das stimmt überhaupt nicht. Ich habe Sie noch nie zuvor gesehen. Wer sind Sie? Und warum greifen Sie den Captain auf einmal an?"
Verwirrt blickte die Frau zu Chakotay und dann wieder zu mir.
"Aber", stammelte sie. "Ich verstehe das nicht. Warum spielst du mir auf einmal vor, daß du mich nicht kennst?" Dann wandelte sich ihre Verwirrtheit wieder in Zorn.
"Du brauchst es nicht zu leugnen", warf sie ihm an den Kopf. "Du hast mit der da ein Verhältnis und wolltest nicht mehr zu mir zurückkommen."

"Chakotay", rief ich ihm zu. Ich mußte ihm sagen, was ich vermutete. Die Situation wurde langsam aber sicher zu brenzlig. Chakotay sah noch einmal die Frau an, dann kam er zu mir herüber.
"Chakotay, ich glaube zu wissen, was hinter dieser ganzen Geschichte steckt."
"Wirklich?" Er runzelte die Stirn und sah mich fragend an.
"Erinnern Sie dich an Toms Party letzte Woche auf dem Holodeck?"
"Klar erinnere ich mich daran!" Er mußte leicht schmunzeln. Während dieser Party war er Kathryn wieder etwas näher gekommen, zumindest hatten sie ein paar Tänze gewagt, bei denen Kathryn sich enger an ihn geschmiegt hatte, als er erwartet hatte.

"Da gab es doch wieder diese Lieder aus dem 20. Jahrhundert, welche Tom so gerne hört."
Ich wunderte mich, warum Chakotay auf einmal so schmunzeln mußte, aber jetzt war nicht die Zeit, darüber nachzudenken. "Ein Song handelte von genau dieser Situation hier.."
"Und wie endet dieser Song?", wollte Chakotay jetzt missen.
"Genau weiß ich das auch nicht. Nur so viel, daß die Frau vermißt wird. Man glaubt, daß sie sich das Leben genommen hat, aber ihr Leichnam wurde nie gefunden."
"Das würde diese Situation in der Tat erklären. Aber wie beenden wir das Programm?"
"Ich weiß es auch nicht, Chakotay", mußte ich zugeben. Aber wir hatten auch keine Zeit mehr, darüber nachzudenken, denn die Frau stellte sich zwischen uns.

"Gib es doch endlich zu", schrie sie Chakotay an. "Du hast ein Verhältnis mit ihr. Du hast mich verlassen. Aber das ändert nichts mehr. Ich werde mir das Leben nehmen. Und du...", dabei zeigte sie auf Chakotay, "Du kannst mich nicht davon abhalten."
Damit drehte sie sich um und ging wieder zum Fluß zurück.
Chakotay und ich schauten uns hilflos an. Sollte dies immer so weitergehen? Die Frau würde sich in den Fluß stürzen und verschwinden. Irgendwann würde sie wieder auftauchen und alles würde wieder von vorne beginnen. Eine endlose Zeitschleife, in der wir gefangen waren.

Aber Moment, dachte ich. Ich hatte das Programm beendet, als die Frau sich das Leben genommen hatte. Dann hatte ich es neu gestartet und die Frau war wieder aufgetaucht. Ich hatte bis lang nicht erlebt, was nach ihrem Untertauchen passieren würde. Vielleicht würde das Programm beendet sein, wenn sie untergegangen war.
Aber irgendwie erschien mir diese Lösung viel zu einfach. Irgend etwas mußte geschehen, mit der Frau geschehen.

Und dann hatte ich eine plausible Idee. Ich zog Chakotay noch mal beiseite und erklärte ihm kurz meinen Plan. Er sah nicht gerade begeistert aus, aber das konnte man nicht ändern. Schließlich wollten wir ja auch mal wieder vom Holodeck herunter.
"Dafür schulden Sie mir aber etwas", entgegnete er mir grinsend, dann folgte er der Frau.

Ich begab mich zu dem nahe gelegenen Wald, um mich hinter den Bäumen zu verstecken. Die Frau sollte glauben, ich wäre gegangen und würde nicht zurückkehren.
Chakotay erreichte sie kurz bevor sie ins Wasser gehen konnte. Er hielt sie am Arm und versuchte, sie sanft zu sich herum zudrehen.
"Was kann ich tun, damit du dir nicht das Leben nimmst?"
"Du kannst nichts tun", antwortete sie harsch.
"Gibt es keine Chance?"
"Chance", schrie sie ihn an. "Ich hatte doch nie eine Chance. Du hast immer das getan, was du wolltest. Was ich dabei dachte, war dir doch vollkommen egal. Und jetzt willst du eine Chance von mir? Nein mein Lieber, da hast du kein Glück. Und nun laß mich los, du kannst mich nicht aufhalten."
Sie wollte sich weg drehen, doch Chakotays Griff war zu stark. Sie versuchte, sich herauszuwinden, aber es brachte ihr nichts. Dann gab sie einfach aus. Kraftlos sank sie zusammen. Chakotay ging mit ihr in die Knie und nahm sie in seine Arme.

Es brach mir fast das Herz, ihn so nahe mit einer Frau zu sehen. Ich hatte schon lange nicht mehr so intensiv für ihn gefühlt! Um so mehr erstaunte mich jetzt dieses Gefühl.
Aber es mußte so sein. Es war die einzige Möglichkeit, wie Chakotay an diese Frau herankommen konnte. Und außerdem war sie nur eine Illusion, ein Hologramm. Sobald das Rätsel gelöst war, würde sie verschwinden.

"Ich liebe dich", sagte er jetzt zu ihr. "Ich habe nie etwas mit dieser Frau gehabt. Das mußt du mir glauben. Der einzige Grund, warum ich dageblieben bin, war dieser Bulle. Du weißt, wie fasziniert ich von den Rodeos bin. Es ist wie eine Droge. Ich komme nicht davon los. Aber du kannst mir helfen. Wir können noch mal von vorne anfangen. Ein völlig neues Leben. Ohne Rodeos. Ohne Gefahr. Ich verspreche es dir."

Ich konnte ein leises Schluchzen hören, als sie endlich zu Chakotay auf sah. Sie mußte über seine Worte nachgedacht haben. Sie blickte ihn, aber sie schien immer noch nicht vollkommen überzeugt zu sein.
"Das sagst du jetzt nur so. Du könntest es nicht ertragen zu verlieren. Du mußt immer gewinnen."
"Ich könnte es nicht ertragen, dich zu verlieren", antwortete Chakotay sanft.
"Wirklich?"
Chakotay nickte nur stumm.

Dann sagte die Frau für eine Weile nichts. Sie hockte im Sand und sah Chakotay einfach nur an. Dieser erwiderte den Blick liebevoll. Schon lange nicht mehr hatte ich diesen liebevollen Blick an ihm gesehen. Im Grunde genommen nicht mehr seit New Earth. Und auf einmal vermißte ich ihn. Ich vermißte seine Nähe, seine selbstverständliche Art, Liebe und Geborgenheit zu geben. Und auf einmal wußte ich, was ich zu tun hatte, sobald dieses Programm beendet war.
Aber noch tat sich nichts in dieser Richtung.

"Was ist mit dieser Frau", fragte sie plötzlich.
"Ich habe sie nur zufällig hier am Strand getroffen", erwiderte Chakotay. "Sie hatte dich gesehen, wie du ins Wasser gehen wolltest. Sie hat dir sozusagen das Leben gerettet."
"Und du hast sie noch nie zuvor in deinem Leben gesehen?"
"Nein. Ich schwöre es."
Die Frau schien auf einmal wieder zufrieden zu sein. Sie wirkte ruhig und besonnen. Sie fing sogar an, ein wenig zu lächeln.

Und dann plötzlich geschah etwas mit ihr. Sie entmaterialisierte sich. Ich dachte sofort an ein fremdes Schiff, aber dann fiel mir wieder ein, daß sowohl der Tricorder, als auch der Computer, keine Lebensform registriert hatten. Es blieb ein Rätsel, aber wie es schien, ein gelöstes Rätsel.

Nachdem die Frau vollkommen verschwunden war, trat ich aus meinem Versteck hinter den Bäumen hervor und ging zu Chakotay. Er hockte noch immer im Sand. Wahrscheinlich konnte er so wenig wie ich das Ganze verstehen.
"Es ist vorbei", sagte ich zu ihm. Er sah zu mir hoch, dann stand er auf.
"Ja, es ist vorbei", antwortete er mir. "Computer..."
"Warte", ließ ich ihn nicht ausreden. Sanft legte ich meine Hand an seine Brust.
"Ich ... ich weiß nicht, wie ich es dir sagen soll, aber ..."
Chakotay schaute mir in die Augen. Er sah mich so verständnisvoll an, daß es mir immer schwerer fiel, meine Gedanken in Worte zu fassen. Aber ich mußte es ihm jetzt sagen.
Ich holte tief Luft und begann: "Als du eben mit dieser Frau gesprochen hast, ist mir etwas klar geworden. Ich habe mich seit New Earth wie ein Esel benommen."

Bei den Worten 'New Earth' zuckte Chakotay sichtlich zusammen. Also schien auch er sich immer noch daran zurück zu erinnern. "Ich kann dir nicht versprechen, mich schlagartig zu verändern", fuhr ich fort. "Aber würdest du deinem Captain noch eine Chance geben?"
Chakotay sah mich an. Er lächelte leicht.
"Ich weiß nicht, ob ich meinem Captain eine Chance geben kann", antwortete er mir und jetzt war ich diejenige, die zusammen zuckte. Aber bevor ich über diese Worte nachdenken konnte, erlöste er mich von meiner Qual.
"Aber ich kann Kathryn eine Chance geben." Damit schloß er mich in seine Arme und drückte mich eng an sich. Ich fühlte mich so wohl, wie schon lange nicht mehr. Ich legte meinen Kopf an seine Schulter und seufzte. Alles würde jetzt viel besser werden.

Nach einer Weile löste sich Chakotay von mir.
"Aber eine Sache geht mir noch nicht aus dem Kopf. Du hast gesagt, daß du dich an dieses Lied von Toms Party erinnert hast und daß es irgendwie mit dieser Frau zu tun haben könnte. Das erklärt aber noch nicht, wie diese Frau letztendlich in deinem Holoprogramm aufgetaucht ist."
"Nun, die einzige Erklärung, die ich dafür habe, ist daß Toms Party gerade hier auf Holodeck 2 stattgefunden hat. Vielleicht hatte es in dem Moment, in dem er dieses Lied gespielt hat, einen Fehler im Programm gegeben, so daß der Computer das Lied irgendwie aufgenommen hat. Vielleicht gab es bei meinem Programm einen ähnlichen Fehler, so daß dieses Lied letztendlich in mein Programm eingespeist wurde."

"Aber warum haben wir es dann nicht gefunden?", wollte Chakotay jetzt wissen.
"Vielleicht haben wir nicht richtig danach gesucht",antwortete ich ihm. "Wir haben versucht, Personen zu finden. Die tauchten nicht auf. Ich wette, wenn wir nach dem Lied suchen, werden wir es finden." Ich drehte mich um, um die Konsole erneut zu überprüfen, doch Chakotay hielt mich zurück.
"Nicht jetzt", sagte er, dann zog er mich an sich und küßte mich. Er hat recht, dachte ich, das könnten wir auch noch später machen.

The Beaches Of Cheyenne (by Garth Brooks)

They packet up all his buckles
and shipped his saddle to his dad
and by the way the house looked
she must have took it bad
the workers come on monday
to fix the door and patch the wall
they say she just went crazy
the night she got the call

He was up in Wyoming
and drew a bull no man could ride
he promised her he'd turn out
well it turned out that he lied
and their dreams that they'd been livin'
in the California sand
died right there beside him
in Cheyenne

They say she just went crazy
screamin' out his name
she ran out into the ocean
and to this day they claim
that if you go down by the water
you'll see her footprints in the sand
'cause every night she walks
the beaches of Cheyenne

They never found her body
just her diary by the bed
it told about the fight they had
and the words that she had said
when he told her he was ridin'
she said then I don't give a damn
if you never come back from Cheyenne

They say she just went crazy
screamin' out his name
she ran out into the ocean
and to this day they claim
that if you go down by the water
you'll see her footprints in the sand
'cause every night she walks
the beaches of Cheyenne

Nobody can explain it
some say she's still alive
they even claim they've seen her
on the shoreline late at night
so if you go down by the water
you'll see her footprints in the sand
'cause every night she walks
the beaches of Cheyenne

*E N D E*