blau=Christine, schwarz=Kath
Nachdem die Voyager sich erneut erfolgreich gegen die Borg geschlagen hatte, war die Crew noch immer sehr angespannt und man scannte den Raum verstärkt nach Borgaktivität. Doch waren diese wie vom Erdboden verschwunden. Die gesammelten Daten wurden alle in die Datenbank übertragen und analysiert. Etwas war seltsam an diesen Daten, fand Tuvok und beschäftigte sich näher mit einer bestimmten Spezifikation. Es ging darum, in die Vergangenheit zu reisen, jedoch nicht als Kollektiv, man plante nur einen Borg in die Vergangenheit zu schicken. Leider war die Datei beschädigt und er konnte die fehlenden Daten nicht herstellen, also suchte er in anderen Dateien nach Querverweisen. "Captain, uns nähert sich eine Borgsphäre!", verkündete Paris und legte das Bild auf den Schirm. Tuvok scannte die Sphäre und stellte nur eine Person darin fest. Die Schilde waren noch auf Maximum, ebenso bestand noch Alarmstufe Rot. Tuvok hielt die Sphäre mit den Phasern erfasst, doch raste die Sphäre an ihnen vorbei. Er scannte Chronotonpartikel. "Captain, die Sphäre öffnet ein temporales Wurmloch. An Bord befindet sich nur ein Lebenszeichen, dieser Borg wurde von seinem Kollektiv in die Vergangenheit geschickt", berichtete Tuvok knapp seine Erkenntnisse. "Mister Paris, hinterher", wies Janeway an und die Voyager folgte der Sphäre in das Wurmloch. Der Passagier an Bord der Sphäre hatte sie bemerkt und versuchte, sie abzuschießen, wodurch das Wurmloch zu kollabieren drohte. Die Voyager folgte weiterhin, bis das Wurmloch kollabierte und die Borgsphäre explodierte. "Er hat sich auf die Oberfläche gebeamt", sagte Tuvok und sah auf den Schirm, vor sich sah er die Erde. "Meinen Berechnungen zufolge befinden wir uns im Jahre 1896, Captain", verkündete Tuvok.
Janeway seufzte. Richtiger Ort, falsche Zeit... mal wieder, dachte sie. "Wenigstens brauchen wir uns keine Sorgen zu machen, dass wir von Satelliten entdeckt werden könnten", meinte Tom.
"Tom, schwenken Sie in den Standartorbit ein. Tuvok, wo hat sich der Borg hingebeamt?"
Tuvok analysierte die Daten. "Er befindet sich in der nördlichen Hemisphäre, seine Koordinaten sind: 48° 51? N, 2° 21? O." Er blendete die Koordinaten ein. "Er befindet sich in Paris, Frankreich, genauer gesagt im neunten Arrondissement dieser Stadt, in einem Gebäude namens Opéra Garnier." Auf dem Bildschirm erschien genau dieses Gebäude. "Was will ein Borg in einer Oper?", fragte sich Paris laut.
"Nun, vielleicht strebt er eine Gesangsausbildung an Mr. Paris", erwiderte Janeway, ohne dabei jedoch zu lachen. Trotzdem mußte Tom schmunzeln, ebenso der Rest der Brückencrew, außer Tuvok natürlich. Der hob lediglich eine Augenbraue und meinte: "Der Borg wird zweifelsfrei den Auftrag haben hier etwas wichtiges zu tun. Die einzige logische Erklärung ist, dass dieser Borg die Erde assimilieren soll. Die Menschheit ist schwach, hat keine Technologie entgegenzusetzen und somit ist sie eine sehr leichte Beute."
"So etwas ähnliches dachte ich mir auch Tuvok. Tom, sehen Sie zu, dass sie etwas über diese Zeit herausfinden. Wir brauchen Hintergrundwissen und vor allem passende Kleidung. Chakotay, Tom, Ayala, wir werden uns auf die Oberfläche beamen und Borg jagen." Janeway hatte bewusst nur drei Leute ausgewählt, die keine außerirdischen Merkmale aufwiesen.
"Tom, wie lange brauchen Sie ungefähr?"
"Geben Sie mir eine Stunde Captain. Wenn Chakotay vielleicht den Kleiderpart übernimmt habe ich mehr Zeit um über die Sitten und Gepflogenheit dieser Zeit zu lesen."
"Einverstanden. Chakotay, suchen Sie uns was nettes raus."
Die vier verließen die Brücke, um sich auf ihre Außenmission vorzubereiten. Tom beschäftigte sich mit den Gepflogenheiten in einer Oper zu dieser Zeit und Chakotay replizierte für sich, Paris und Ayala Kleidung, die sie nach Bühnenmitarbeitern aussehen ließ, für den Captain erstellte er ein Kleid, welches einem der Kleider, die er auf einem Scan der Oper entdeckt hatte, ähnlich sah, so dass sie nicht, so hoffte er, auffielen.
In ihren Verkleidungen trafen sie sich wieder und ließen sich von Tom einige kurze Erklärungen über diese Zeit auf der Erde geben. Während die Männer recht leger gekleidet waren und Chakotay mit seinen hochgekrempelten Ärmeln doch sehr verwegen aussah, wie Kathryn feststellen mußte, hasste sie ihre Verkleidung. Es saß eng und man konnte nicht so recht in diesem Korsett atmen. Sie biss die Zähne zusammen und ignorierte einfach beides, ihr schreckliches Kleid und Chakotays gutes Aussehen. Sie ließen sich nach unten in eine der Versenkungen der Oper beamen und begannen ihre Scans nach dem Borg.

"Tom, Ayala, Sie gehen nach Norden, Chakotay und ich werden uns Richtung Süden orientieren. Benutzen Sie ihre Combadges nur wenn es unbedingt nötig ist und vermeiden sie den Kontakt zu den Bewohnern hier. Es fehlt uns gerade noch, dass wir für eine Veränderung in der Geschichte der Erde verantwortlich sind."
"Aye Captain", erwiderte Tom und er machte sich mit Ayala auf den Weg. Kathryn und Chakotay bewegten sich in die andere Richtung.
"Hier scheint ein Aufgang zu sein", bemerkte Chakotay als er um eine Ecke trat.
Kathryn hielt ihren Tricorder vor sich und machte einen Radiusscan. Doch ohne Ergebnis. "Hier geht es auch nicht mehr weiter, wir müssen wohl hoch", sagte sie, klappte den Tricorder zu und sah dann etwas missmutig zu der Bühnenleiter, die in dem Kleid, das sie anhatte aussah wie ein unüberwindbares Hindernis.
"Chakotay", sagte Kathryn etwas verlegen, "ich denke, ich werde ihre Hilfe brauchen um dort hochzukommen."
Chakotay mußte lachen. "Auch wenn Sie nicht das bezaubernde, enge Kleid anhätten, Kathryn, hätte ich Ihnen eine Hand gereicht." Damit stieg Chakotay die paar Sprossen hoch und reichte dann Kathryn von oben eine Hand. Sie gab ihm erst den Tricorder hoch, dann raffte sie das Kleid zusammen und versuchte nicht zu ungeschickt zu sein um dort hochzukommen. Doch Chakotay hatte sie einfach hochgezogen und jetzt standen beide hinter einer Bühnendekoration.
Kathryn korrigierte ihre Kleidung und trat dann einige Schritte zurück. "Das nächste Mal übernehme ich den Kleiderpart...", murmelte sie und scannte ihre Umgebung. Sie befanden sich nun direkt hinter der großen Bühne, der Borg jedoch war nicht hier. Er befand sich einige Stockwerke unter ihnen, er war geschwächt und nicht in der Zeit, in die er hatte kommen sollen, das Wurmloch war zu früh kollabiert. Außerdem war seine Verbindung zum Hive getrennt worden, doch war er keine normale Drohne, die auf das Bewusstsein des Kollektives angewiesen war. Die Borgkönigin hatte ihn für Höheres auserkoren. Er fand sich an einem unterirdischen See wieder, mit einem Unterschlupf, den er nutzen konnte, um wieder Kontakt zu den Borg aufnehmen zu können, zu den Borg in dieser Zeit. Ob er sein Verfolgerschiff hatte zerstören können, konnte er nicht mehr erkennen, da sein Schiff zu früh explodiert war. Seine Sensoren waren teilweise zerstört, doch sein Hauptaugenmerk lag nun darauf, einen Transponder zu erschaffen, um die Borg kontakten zu können. Er erkundete seine Umgebung, wagte sich ein wenig weiter nach oben in die Oper, doch er blieb im Schatten, so dass man ihn nicht sah. Er näherte sich der großen Bühne, unbemerkt von Janeway und Chakotay. "Komm schon Christine, sing, es ist doch niemand hier", vernahmen plötzlich alle die aufgeregte Stimme eines jungen Mädchens. Janeway und Chakotay, auch der Borg, versteckten sich im Dunkel.
"Meg, ich möchte nicht", erwiderte das Mädchen, welches mit dem Namen Christine angesprochen wurde, doch ließ das andere Mädchen nicht locker. Irgendwie tat Janeway das junge Mädchen leid, sie schien sich nicht gegen ihre Freundin wehren zu können. Schließlich begann das junge Mädchen zu singen.

Chakotay horchte auf. "Wow", entfuhr es ihm. "Sie singt einfach wundervoll", meinte er verträumt und lugte vorsichtig um die Requisite um einen Blick auf das Mädchen zu erhaschen. Kathryn fand ihre Stimme sicher nicht schlecht, aber aus unerfindlichen Gründen spürte sie einen Stich der Eifersucht, als Chakotay anfing, von ihr zu schwärmen.
Nicht nur Chakotay schien von ihrer Stimme gefangen, sondern auch der Borg lauschte. Musik war immer das Instrument gewesen, welches er zur Kommunikation genutzt hatte. Doch die Musik dieses Mädchens war das komplette Gegenteil seiner Musik. Seine Musik war düster und zerstörerisch, ihre Musik war rein und schien nicht von dieser Welt zu sein. Er versuchte einen Blick auf die Sängerin zu werfen, doch konnte er nicht aus seinem Versteck, ohne sich zu verraten.
In ihm wuchs ein Wunsch, er wollte diese Musik spüren, ihre Reinheit. Seine Musik erschien ihm plötzlich so falsch. Er mußte einen Weg finden, dieser Sängerin nahe zu kommen, jedoch ohne dass sie ihn sah. Er verschwand langsam tiefer in den Schatten. "Hier ist noch jemand", flüsterte Janeway zu Chakotay, als sie ein Geräusch hörte. Beide wandten sich in die Richtung, aus der das Geräusch kam.

"Was tut ihr hier?" ertönte hinter Chakotay eine unwirsche und recht laute Stimme. Gleichzeitig verstummte der Gesang abrupt und Chakotay hörte noch zwei paar eilige Schritte davonrennen.
"Wir... haben den Auftrag bekommen die Requisiten zu überprüfen", improvisierte Kathryn und versuchte unauffällig den Tricorder verschwinden zu lassen.
Der grobschlächtige Kerl sah zwischen den beiden umher, dann lachte er laut auf. "Requisiten, soso, ich verstehe schon...", meinte er wissend und zwinkerte dann Chakotay zu. "Na dann überprüf mal ihre Requisiten und dann komm zu mir, ich brauche einige starke Männer für die Requisiten in der dritten Versenkung", meinte er und zog noch immer lachend ab. Der Borg war derweil wieder nach unten verschwunden, um sich einen Plan zu überlegen, wie er an die Musik dieses Mädchens kommen könne.
"Was sollen wir machen?" flüsterte Chakotay. "Wenn ich nicht bei dem Typen auftauche wird er sicher misstrauisch werden."
"Ja, das befürchte ich auch. Und das letzte, das wir brauchen könnten ist eine Suche nach uns. Gehen Sie runter und schauen Sie zu, dass Sie sich möglichst bald loseisen können. Ich suche derweil weiter nach unserem Freund."
"Aye Captain", sagte Chakotay und machte sie dann auf den Weg. Kathryn holte ihren Tricorder wieder hervor und scannte weiter. Als sie ein paar Meter in die Richtung gegangen war, in die auch Chakotay verschwunden war, registrierte ihr Tricorder ein schwaches Signal. "Janeway an Voyager", sagte sie leise in ihr Combadge, "ich glaube, ich habe den Borg gefunden, er befindet sich in den Gewölben unter der Oper. Ich versuch da hinunter zu kommen. Halten Sie mein Signal erfasst."
"Verstanden Captain. Viel Glück", kam Tuvoks Stimme. Kathryn machte sie auf den Weg um nach unten zu kommen und betrat damit eine Welt, in der ihr Signal nicht mehr von der Voyager geortet werden konnte weil es von elektomagnetischen Störungen beeinflusst wurde.
"Madame Giry!?", ertönte hinter Janeway eine männliche Stimme. Sie reagierte zunächst nicht, doch dann packte sie derjenige am Arm und hielt sie fest. Janeway wollte sich losreißen. "Wo wollen Sie denn hin?", fragte sie der Mann. "Ihr Platz ist oben bei den Logen und nicht hier unten, also gehen Sie nach oben!", wurde sie rüde angewiesen. Sie nickte, besser man fiel hier nicht auf. Der Mann verschwand wieder, über das unglaublich eigensinnige Personal schimpfend.
Chakotay hatte mittlerweile den Weg in die dritte Versenkung gefunden und schuftete mit den anderen Bühnenarbeitern, um die Requisiten für die neue Oper an die richtige Stelle zu schaffen. Immer wieder ließ der oberste Bühnenarbeiter, der Mann, der ihn und Janeway so angeschnauzt hatte, unflätige Kommentare von sich. Chakotay fand nicht wirklich eine Möglichkeit, sich loszureißen.
Kathryn hatte sich nach oben, zu den Logen aufgemacht, doch hatte sie keine Ahnung, was sie dort tun sollte, also betrat sie eine der Logen und sah hinunter auf die Bühne, auf der unruhiges Getümmel herrschte. Die Proben waren im vollen Gange.

Vielleicht war es ja ihre Aufgabe hier Staub zu wischen? überlegte Kathryn. Unsicher ging sie wieder raus und wog ab, was wichtiger war: Putzen oder den Borg finden und die Zukunft retten? Der Borg gewann mit eindeutigem Vorsprung. Von oben hatte Kathryn gesehen, wo der Mensch war, der sie mit dem merkwürdigen Namen angeredet hatte und sie wählte die hintere Treppe um wieder hinunter zu kommen. Eigentlich musste sie Chakotay benachrichtigen, dass sie den Borg geortet hatte, aber sie traute sich nicht da sie Chakotay in unmittelbarer Nähe einiger Menschen wähnte.
Der Borg hatte sich mittlerweile im Kostümfundus der Oper bedient, um sein recht auffälliges Äußeres zu verstecken. Er kleidete sich in eine dunkle Hose mit Frack, dazu ein weißes Hemd, sein Gesicht versteckte er hinter einer schwarzen Maske. Zwar war er nun immer noch auffällig, doch bei ungenauer Betrachtung konnte man ihn für ein Mitglied der Oper halten. Noch immer mußte er aufpassen, er wusste, dass seine Verfolger hier und ihm auf den Fersen waren. Doch sein primäres Ziel war nun das junge Mädchen. Er näherte sich wieder der Bühne.
Kathryn hatte sich unterdessen erfolgreich aus dem Staub machen können und hatte ebenso einen Weg unter die Gewölbe gefunden. Nur leider war ihr Borg scheinbar auch nicht untätig gewesen und war wieder irgendwo verschwunden. Als sie ein paar Meter die Treppe runtergestiegen war, zeigte ihr Tricorder die ersten Fehlfunktionen. Stirnrunzelnd suchte Kathryn nach der Quelle der Störungen und konnte gerade noch eine elekromagnetische Störung als Ursache ausmachen bevor ihr Tricorder versagte. Ärgerlich klappte sie ihren Tricorder zu und ging weiter. Der Borg war hier gewesen, vielleicht konnte sie etwas finden das ihr verriet, was er hier wollte.
Der Borg hatte noch einige Fallen aufgestellt, damit es seine Verfolger nicht allzu leicht haben sollten, ihn zu finden. Mittlerweile war er jedoch fündig geworden und hatte das junge Mädchen gefunden, sie saß mit ihrer Freundin hinter der Oper und sie unterhielten sich.
Das Objekt seines Interesses erzählte ihrer Freundin gerade die Geschichte von einem Engel, der die Musiker besuchte. Er war amüsiert über die Naivität dieses Mädchens, Menschen waren schon immer sehr leicht zu beeindrucken und zu beeinflussen. Doch konnte er diese Geschichte auch für sich nutzen... er zog sich wieder nach unten zurück, um das Störfeld weiter aufzubauen und seine Fallen zu perfektionieren. Bald schon würde er das Mädchen zu sich holen und dann würde ihre Musik ihm gehören. Auf seinem Weg nach unten wurde er einem seiner Verfolger gewahr und folgte nun seinem Verfolger, einer Frau.

Kathryn hatte ihren Phaser zur Sicherheit gezogen und stieg vorsichtig weiter die vielen Stufen herab. Das Kleid behinderte sie enorm und mehr als einmal wäre sie fast gefallen. Als sie endlich das Ende der Treppe erreichte, stand sie vor einer Gabelung mit einigen Gängen. Welchen sollte sie nehmen? Sie versuchte es kurzerhand mit dem rechten Gang. Als sie nur wenige Meter hineingegangen war prallte sie auf einmal gegen ein Kraftfeld. "Scheinbar der falsche Gang", murmelte sie ärgerlich und wollte umkehren, doch auch hier stieß sie an ein Kraftfeld. "Was zum..." fluchte sie. Sie saß in der Falle und hatte keine Möglichkeit ihr Außenteam oder die Voyager zu kontaktieren. Und zu allem Übel hörte sie hinter sich ein Geräusch.
"Wir sind die Borg, Widerstand ist zwecklos", hörte sie die Stimme des Borg, während er sich ihrem Gefängnis näherte.
"Captain Janeway", begrüßte sie der Borg.

Kathryns Herz verkrampfte sich. So war das eigentlich nicht geplant gewesen. "Was wollen Sie in dieser Zeit?" fragte sie. "Sind sie hier um die Erde zu assimilieren?"
"Ich bin hier, weil sie mich hier gestoppt haben", erwiderte der Borg, seine Stimme klang nicht so metallisch wie die Borgstimmen normalerweise klangen, sie klang beinahe schon melodisch, böse melodisch. Er kam nahe zu ihr an das Kraftfeld. "Hätten Sie nicht das Wurmloch zum Kollabieren gebracht, wären wir jetzt nicht hier und Sie wären nicht hinter dem Kraftfeld. Oh Captain, wie ich höre, naht dort jemand für Sie", meinte der Borg und deutete in die Richtung, aus der Chakotay heraneilte. "Keine Sorge, ich tue ihm nichts, ich habe wichtigeres zu tun", meinte er. "Hören Sie das?", fragte er Kathryn. Ganz leise erklang Christines Stimme durch die Mauern. "Ich werde mich nun ihr widmen..." Mit diesem Worten verschwand der Borg und Chakotay eilte zu Kathryn.
"Chakotay, ich weiß zwar nicht wie sie mich hier gefunden haben aber, das war perfektes timing", begrüßte ihn Kathryn.
"Ich konnte mich endlich von diesem Typen loseisen. Und da der Borg oben nicht zu orten war, Sie übrigens auch nicht, dachte ich, es bleibt nur der Keller. Tom meinte, hier gibt es Störquellen die die Tricodermessungen beeinflussen und die Ortung von Lebenszeichen verhindern." Chakotay untersuchte währenddessen die Wände, ebenfalls Kathryn. Von irgendwas mußte das Kraftfeld schließlich aktiviert sein.
"Tom und Ayala bleiben weiterhin oben und erstatten der Voyager Bericht", sagte Chakotay weiter. Dann entdeckte er in der Spalte zwischen Wand und Decke eine kleine Vorrichtung, die das Kraftfeld aktiviert hatte. Es schaltete es ab und augenblicklich war Kathryn wieder frei.
"Danke Chakotay. Ich fürchte, ich konnte nicht herausfinden was der Borg hier will, nur, dass er scheinbar nicht geplant hatte hierher zu kommen. Und er hat wohl etwas mit der Sängerin vor, die wir vorhin gesehen haben."
Chakotay und Kathryn eilten bereits wieder nach oben. "Wir müssen sie beobachten", schlug Chakotay vor. "Wenn der Borg mit ihr was vorhat, dann wird er sich früher oder später in ihrer Nähe zeigen."
"Einverstanden. Sagen Sie Tom und Ayala Bescheid, ich unterrichte derweil Tuvok."
Der Borg hatte sich in der Zwischenzeit der Sängerin genähert. Er war während der Probe in den Schatten geblieben, nun, nachdem die Proben vorbei waren, folgte er ihr unauffällig. Sie war in ihrer Garderobe. Die Pläne des Opernhauses hatten einen Gang hinter den Garderoben freigelegt, und er hatte den Spiegel des Mädchens präpariert, so dass er sie nach unten in seinen geschützten Bereich holen konnte.
Hier oben konnte man ihn noch orten, und auch das Mädchen konnte man noch orten. Doch wenn sie dort unten waren, dann konnten die Sensoren der Voyager sie nicht mehr finden. Er höre, dass das Mädchen ihre Garderobe betrat.

Kathryn und Chakotay hatten sich nicht weit entfernt von der Zielperson aufgehalten und verbargen sich in einem der vielen unbenutzten kleinen Garderobenräume in der Nähe der Bühne. Seit einiger Zeit schien sie allerdings in einem Zimmer zu sein, Kathryn schickte Tom los um mal nachzusehen. Wenig später berichtete Tom, dass die junge Frau in ihrer Garderobe sei.
"Alles klar Tom, wir sind in der Nähe. Falls der Borg auftaucht sichern Sie uns ab, wir haben die Tür im Auge."
"Verstanden Captain."
"Captain!" sagte Chakotay plötzlich. "Ich kann den Borg orten! Er ist dicht bei ihr in der Garderobe!"
"Wie ist er ... egal", sagte Kathryn und rannte los. Chakotay folgte ihr dichtauf. Als sie sich der Tür näherten hörten sie eine männliche Stimme, die, sehr zu Kathryns Leidwesen, verdammt verlockend klang. Das Mädchen würde sicher wie magisch davon angezogen werden. Kathryn erreichte die Tür und hämmerte dagegen.
"Aufmachen!" rief sie. Chakotay trat neben sie und mit einem gezielten Phaserschuß öffnete er die Tür. Doch alles was sie noch sahen war ein Schatten der Sängerin hinter einem großen Spiegel. Kathryn und Chakotay traten an den Spiegel heran und während Kathryn hinter dem Mädchen her rief "Warten Sie!" versuchte Chakotay den Spiegel zu öffnen. Doch er fand keinen Mechanismus. Er schnappte sich eine Messingvase, die auf einer Anrichte stand und schlug sie gegen das Spiegelglas. Doch zu seinem maßlosen Erstaunen hatte der Spiegel nicht mal einen Kratzer abbekommen. Kathryn holte den Tricorder hervor und scannte den Spiegel.
"Er hat die Struktur verändert, nicht mal unsere Phaser könnten uns hier helfen", sagte Janeway missmutig.
"Können Sie herausfinden wo der Gang hinführt?" fragte Chakotay und war sicher, die Antwort schon zu kennen. Er wurde nicht enttäuscht als Kathryn sagte: "Der Tricorder kann nur bis auf 5 Meter in den Gang scannen, daher gehe ich mal davon aus, er führt in den Keller. Kommen Sie." Kathryn machte Kehrt und steuerte wieder in Richtung Gang, den sie gefunden hatte.
Chakotay folgte ihr und sie machten sich wieder auf den Weg in den Keller. Der Borg hatte Christine mittlerweile bis an den See gebracht und hielt sie mit seiner Stimme gefangen. Der Gang, der direkt zum See führte, war durch ein Kraftfeld geschützt, die anderen Gängen, die in andere Richtungen führten, hatte er zum Teil auch mit Kraftfeldern versehen, damit seine Verfolger es nicht allzu einfach haben würden, ihn zu finden. Er brachte sich und das Mädchen über den See in sein Versteck. Es wäre ihm ein leichtes gewesen, sie zu assimilieren, doch würde er dann nicht ihre Stimme und ihre Musik erhalten. Er ließ seine Musik ausklingen und wartete auf die Reaktion des Mädchens.
Chakotay und Kathryn hatten sich derweil wieder für den rechten Gang entschieden. Einer ging ein Stück voraus und sobald ein weiteres Kraftfeld auftauchte, deaktivierte es der andere. Das kostete zwar Zeit, aber die Mühe wurde belohnt. Auch die beiden Offiziere erreichten den unterirdischen See.
"Was machen wir jetzt Chakotay?" fragte Kathryn als sie auf das Wasser blickte. Das Problem war nämlich, dass es kein Boot gab, mit dem sie hinüberfahren konnten. Chakotay sah sich Kathryns Kleid an und fragte dann: "Darf ich mal?"
Kathryn folgte seinem Blick und sah, dass er auf eine Kordel an ihrem Kleid deutete. Sie war nur Verzierung und Kathryn riss sie kurzerhand von ihrem Kleid. Chakotay band einen kleinen Stein an ein Ende und lotete dann den See aus.
"Ich könnte durchlaufen, er ist nur hüfthoch", schlug er vor. "Vielleicht finde ich auf der anderen Seite ein Boot, dann hole ich Sie ab."
Kathryn gefiel die Idee nicht sonderlich, aber etwas anderes fiel ihr auch nicht ein.
"Na schön Commander, aber ich komme mit. Es ist zu riskant wenn wir uns trennen."
"Captain, darf ich Sie daran erinnern dass Sie ein Kleid tragen? Oder haben Sie einen Bikini drunter? Ich dagegen habe nur eine Hose an und die trocknet garantiert schneller als etliche Lagen Stoff."
"Das geht schon", sagte Kathryn, und ließ sich vorsichtig ins Wasser gleiten. Chakotay schüttelte den Kopf. Diese Kathryn, unvernünftig und dickköpfig bis zum geht nicht mehr..., dachte er, und genau das mag ich an ihr. Er sprang neben sie ins Wasser und beide machten sich auf den Weg.
Der Borg hatte den See präpariert, so dass er genau wusste, wann und wie die beiden sich näherten. Das Mädchen starrte ihn einfach nur an, sie reagierte nicht weiter auf ihn. Als er sich ihr näherte, spürte er eine Fehlfunktion in seinen Implantaten und sank zu Boden. Plötzlich war er beinahe unfähig sich zu bewegen, dafür konnte sich das Mädchen nun bewegen und eilte an seine Seite.
Sie sah ihn besorgt an, ohne Angst, in ihrem Blick lag Sorge um ihn. Er versuchte, sich zu bewegen, von ihr wegzukommen, doch es gelang ihm nicht. Vorsichtig nahm das Mädchen eine seiner behandschuhten Hände und strich sie vorsichtig. Sie sagte, dass sie Hilfe holen werde, doch er verneinte. Sie wollte sich erheben, und er zog sie zu sich herunter, grober als er es in diesem Moment wollte. Sie erschrak, durch seine Bewegungen waren noch mehr Fehlfunktionen aufgetreten.
Er begann zu zucken, seine Hand hielt Christines fest, er tat ihr unbeabsichtigt damit weh. Sie versuchte, sich loszureißen, doch gelang es ihr nicht. Mit der anderen Hand fasste der Borg nach der Maske, sie schien auf seinem Gesicht zu brennen, er wollte sie sich vom Gesicht reißen, doch irgendetwas in Christines Blick und ein Wort ließen ihn stoppen: "Engel...", flüsterte sie leise und besorgt.
Plötzlich rührte dieses Mädchen ihn und sein Plan erschien ihm falsch. Mitten in seinem Gedanken spürte er, wie ihm die Maske entfernt wurde. Christines besorgtes Gesicht verwandelte sich in Horror und Entsetzen und sie floh vor ihm, zum See.

Kathryn und Chakotay hatten derweil fast komplett den See durchquert und staunten nicht schlecht, als sie das andere Ufer erkennen konnten und dort eine Gestalt stehen sahen. Sie zogen ihre Phaser doch als sie ein Stück näher waren bedeutete Kathryn Chakotay, dass er ihn wegstecken sollte. Sie konnte sie Sängerin vor sich ausmachen, die ziemlich panisch umherschaute. Kathryn hatte sie fast erreicht, als das Mädchen sie sah. Ihre Augen weiteten sich doch Kathryn hob beide Hände und sagte: "Keine Angst, wir tun Ihnen nichts." Ganz langsam kam sie aus dem Wasser und ging auf sie zu. "Was ist passiert?" fragte sie leise.
Christine war vor Panik ganz bleich im Gesicht und sah sich unstet um. Die beiden vor ihr auftauchenden Gestalten machten ihr Angst, doch als sie näherkamen und sie bemerkte, dass es ganz normale Menschen waren, begann sie zu weinen. "Ich.. ich wollte das nicht...", flüsterte sie leise.
Kathryn ging zu ihr und Christine sah sie mit leeren Augen an, dann sank sie auf ihre Knie und schlug die Hände vor ihr Gesicht. Kathryn ließ sich neben ihr auf die Knie fallen, was in dem Kleid eine kleine Kunst war.
In Gedanken fragte sie sich, wie sich das junge Mädchen so ungezwungen in diesem engen Kleid bewegen konnte, sie bekam kaum Luft darin. Vorsichtig legte sie dem Mädchen die Hand auf die Schulter, um sie zu beruhigen und wies Chakotay mit einer Kopfbewegung an, nach dem Borg zu sehen.
Kaum setzte sich der Commander in Bewegung, erschrak das junge Mädchen. "Nein, gehen Sie da nicht rein, bitte!", flehte sie verzweifelt. "Er... er... sieht.. nicht aus... wie ein Mensch..", flüsterte sie. "Ich weiß", erwiderte Chakotay und lächelte Christine aufmunternd zu. "Ich weiß, was ich tue", fügte er noch hinzu und ging nach drinnen, zu dem Borg, der noch immer am Boden lag.

Chakotay kniete sich neben den zuckenden Borg und schaltete ihn ab. Sofort erschlaffte er und Chakotay ließ ihn vorerst liegen. Später würde ein Team der Voyager den Borg an Bord schaffen. Dann ging er zu den beiden Frauen zurück.
"Ich habe ihn deaktiviert", sagte er und Kathryn nickte ihm zu.
"Sehr gut, dann bringen wir am besten die junge Dame nach oben und werden dann hier verschwinden."
Christine sah verwundert zwischen den beiden umher. Sie klangen in ihren Ohren so kalt und herzlos, dass es ihr schauderte. Sie ging ein wenig von den beiden weg. "Wie geht es ihm?", fragte sie in Chakotays Richtung.
Chakotay sah Kathryn hilfesuchend an und meinte dann: "Er ist keine Gefahr mehr für Sie, er schläft. Wir werden ihn später wecken."
Christine legte den Kopf ein wenig schief. "Ich möchte zu ihm", meinte sie zu den beiden. "Bitte."
Kathryn und Chakotay tauschten besorgte Blicke aus. Auf keinen Fall durften sie zulassen, dass ein Bewohner des 19. Jahrhunderts einen Borg aus dem 24. Jahrhundert zu nahe kam. Daher sagte Kathryn beruhigend zu der Frau: "Das geht leider nicht. Dieser Mann ist immer noch eine Gefahr. Er könnte aufwachen und Ihnen weh tun." Gleichzeitig schob sie sie langsam wieder zum See und in das Boot.
"Aber er hat mir nicht weh getan", widersprach Christine und trat einen Schritt zur Seite und hielt an. "Bitte, ich möchte zu ihm", wiederholte sie und sah die Frau ihr gegenüber mit festem Blick an.
"Ich weiß, dass er mir nicht weh tun wird", versicherte sie ihr.

"Tut mir leid, das ist nicht möglich", sagte Kathryn. "Sie sollten ihn lieber vergessen. Er gehört hier nicht her."
Christine sah die Frau verwundert an. "Das verstehe ich nicht", erwiderte sie ihr. "Wo gehört er denn dann hin?", fragte sie sie, doch sie bewegte sich nicht von der Stelle.
Kathryn sah Chakotay an und nickte unmerklich. Dieser zog seinen Phaser hervor, stellte ihn auf niedrigste Betäubung und wenig später lag das Mädchen im Boot. Chakotay trug sie aus dem Labyrinth und legte sie in der Oper in einer Kammer auf eine Couch. Dann nahm er Kontakt mit der Voyager auf und ließ ein Team herunterbeamen, dass sich um den Borg kümmern sollte. An das MHN wandte er sich auch: "Doc, wir beamen gleich eine junge Frau zu Ihnen herauf, schauen sie, dass Sie ihr Gedächtnis etwas modifizieren. Sie hatte näheren Kontakt zu dem Borg."
"Aye Commander, ich bereite alles vor."
Christine verschwand im Licht des Transporters und erschien wieder auf der Krankenstation, wo sich der Doktor um sie kümmerte. Das Team von der Voyager holte den Borg aus den Katakomben und brachte ihn ebenso auf die Voyager, in Sicherheitsverwahrung. Dann beamten sich alle wieder zurück.
Janeway machte sich, wieder in ihre Uniform gekleidet, auf den Weg zur Krankenstation, um den Bericht des Doktors zu erhalten. "Wie geht es unserer Patientin?", fragte sie, als sie die Krankenstation betrat.
"Ich werde gleich mit den Scans fertig sein, danach kann ich anfangen ihr Gedächtnis zu löschen. Sie wird keine Erinnerung mehr an die letzten 4 Stunden haben", sagte das MHN zufrieden. Er ging in sein Büro, als sich Tuvok über das Comsystem meldete: "Tuvok an den Captain und das MHN, bitte begeben sie sich unverzüglich zur Arrestzelle. Mit unserem Gast geschieht etwas ungewöhnliches, das sie sich ansehen sollten."
"Wir sind unterwegs. Falls es Probleme gibt zögern Sie nicht zu schießen Tuvok."
"Ich habe verstanden Captain."
Das MHN verließ zusammen mit dem Captain die Krankenstation.
Nachdem die Tür sich geschlossen hatte, flatterten Christines Lider und sie erwachte langsam. Vorsichtig öffnete die ihre Augen und sah sich in dem fremden Raum um. Als es ihrem Kopf ein wenig besser ging, erhob sie sich langsam und rutschte von dem Bett herunter.
Verwundert blickte sie sich um und versuchte herauszufinden, in welchem Teil der Oper sie sich wohl befinden möge. Sie dachte, dass es vielleicht das Versteck des Engels der Musik ist.

Naomi Wildman betrat in diesem Moment die Krankenstation um dem MHN ihre Hausarbeiten von der letzten Unterrichtsstunde abzugeben. Als sie die Frau sah bekam sie große Augen und fragte: "Kann ich Ihnen helfen?"
Christine drehte sich erschrocken um und sah das fremde Mädchen an. Sie schüttelte den Kopf und wich ein wenig von ihr. Verwirrt sah sie auf die Stirn des Mädchens. "Was.. was ist mit dem Engel?", fragte sie sie nach einer Weile ganz leise.
Jetzt war es an Naomi verwirrt zu gucken. "Engel? Meinen Sie unser MHN?" fragte sie und trat einige Schritte näher. Das MHN war nirgends zu sehen und auch sonst keiner. Das war merkwürdig. Naomi überlegte, ob sie dem MHN bescheid sagen sollte, dass hier jemand einen Engel suchte. Für sie klang das etwas verrückt.
"Den Engel der Musik.", erwiderte Christine. "Nennen Sie ihn MHN?", fragte sie das Mädchen. "Hat er Sie auch hierhergebracht?" Sie sah sich verwundert um. Hier war ihr alles so fremd und unheimlich.
"Nein, als Engel hat ihn noch nie jemand bezeichnet. Aber singen kann er wundervoll. Er hat mich nicht hergebracht, ich lebe hier. Sind Sie von der Erde?"
Naomi tippte auf ihr Combadge und sagte: "Naomi Wildman an das MHN."
"Naomi", ertönte die Stimme des Doktors, "ist was passiert? Falls es um Deine Hausarbeiten geht, leg sie einfach auf meinen Schreibtisch.."
"Nein, aber hier ist eine Frau, die fragt nach dem Engel der Musik. Sind Sie das?"
Christine blickte verwirrt umher, als sie die Stimme des Doktors hörte. Es war nicht die Stimme des Engels, doch klang die Stimme aus den Wänden, so wie die Stimme des Engels. Sie legte den Kopf ein wenig schief. "Sind Sie auch ein Engel?", fragte sie die Stimme.
"Ist sie etwa wach?" fragte das MHN scharf.
"Ja", antwortete Naomi. "Ich kam gerade auf die Krankenstation, da saß sie da."
"Halte sie auf jeden Fall auf der Krankenstation fest, ich habe noch etwas mit dem Captain zu erledigen, aber dann kommen wir gleich."
"Aye, Sir", sagte Naomi und meinte dann zu der Frau: "Mögen Sie Kadiskot?"
Christine blickte sich verwirrt um und verstand nun gar nichts mehr. Woher kam diese Stimme? Dieses Mädchen schien wie ein Handlanger der Stimme zu sein und es gefiel Christine nicht, was die Stimme und vor allem, wie sie es gesagt hatte. Sie wich ein wenig von dem Mädchen und sah sie an. "Was geschieht hier?", fragte sie und versuchte, ihre Stimme nicht zittern zu lassen, was ihr nicht gelang.
"Sie sind auf der Krankenstation, der Captain und der Doktor kommen aber sicher gleich. Bleiben Sie einfach sitzen. Sie können mir auch etwas von Ihnen erzählen", schlug Naomi vor.
"Wo bin ich?", fragte Christine nach, sie kannte diesen Raum nicht, und auch die Namen nicht. "Wo sind die Herren Direktoren?"
Naomi schaute sie skeptisch an. "Direktoren? Wir haben einen Captain."
"Wo bin ich?", wiederholte Christine ihre Frage.
"Auf der Krankenstation", wiederholte Naomi betont langsam.
Christine wich wieder auf die Liege zurück, sie hatte Angst, hier war es unheimlich. Sie sah sich um, sie wollte hier weg. "Ich möchte in meine Garderobe zurück."
Naomi tippte erneut auf ihr Combadge und sagte: "Doktor, Sie sollten sich lieber beeilen." - "Ich bin in 5 Minuten da Naomi, beschäftige sie noch irgendwie", antwortete das MHN. Naomi seufzte. "Der Doktor kommt in 5 Minuten, dann wird er sie sicher in ihre Garderobe bringen", improvisierte sie.
"Ich finde den Weg allein", erwiderte Christine und erhob sich. Ihre Augen sahen sich suchend im Zimmer um, ob sie irgendetwas finden konnte, damit dieses Kind sie in Ruhe ließ, doch es war alles so fremd und sonderbar. Sie sah etwas, was wie ein Skalpell oder Messer aussah und ging in diese Richtung auf dem Weg zu der Tür, durch die das Kind gekommen war.
Naomi stellte sich ihr in den Weg und meinte: "Sie können nicht einfach gehen, sie... müssen noch auf den Captain warten."
Christine griff nach dem Skalpell. "Lass mich hier raus!", schrie sie das Kind wütend an, ihre Nerven lagen blank, sie wollte nur noch hier weg.
Naomi schaute sie mit weit aufgerissenen Augen an und wusste nur, dass sie die Frau nicht einfach so in eine völlig fremde Welt rauslassen konnte, denn dass sie von der Erde aus der aktuellen Zeitlinie stammte, hatte sie schnell begriffen. So unauffällig wie möglich ging sie rückwärts mit der Absicht, an der Konsole die Türen zu versiegeln. "Sie müssen hierbleiben", sagte sie ruhig und mit Nachdruck.
Christine blickte auf das Skalpell in ihrer Hand und warf es auf den Boden. Sie blickte das Mädchen an und schüttelte den Kopf. "Ich kann nicht... ich muß zu ihm...", sagte sie ernst und eilte zu der Tür, durch die das Mädchen zuvor gekommen war. Beim hydraulischen Zischen zuckte sie kurz zusammen, doch eilte sie weiter. Sie wich um eine der Ecken und lehnte sich dann gegen die Wand. "Engel, wo bist du...?", flüsterte sie und schloß die Augen. In ihrem Geist hörte sie die Stimme des Borg, der sie zu sich rief. Seine Stimme beruhigte sie und sie ließ sich von ihm führen.
Eine Hand schloß sich um ihr Handgelenk und holte Christine in die Wirklichkeit zurück. Das blonde Mädchen hatte sie vor sie gestellt, hielt sie fest und sagte: "Bitte, Sie müssen wieder mit mir kommen, es wird sich gleich jemand um Sie kümmern." Ihr Griff war sanft, aber bestimmt und ihre blauen Augen blickten sie durchdringend an. Die andere Hand des Mädchens tippte auf ein goldenes Symbol oberhalb ihrer linken Brust und dann sprach sie wieder mit der Luft, so leise, dass es Christine kaum verstand: "Dok, wir sind im Kreuzgang hinter der Krankenstation, ich weiß nicht ob ich sie festhalten kann, beeilen Sie sich bitte." Die Antwort, die wieder von dieser schönen Stimme gesprochen wurde, hörte sie dafür laut und deutlich. "Wir sind schon unterwegs, halte sie noch fest." Naomi seufzte und wünschte sich, dass wenigstens ein Sicherheitsmann hier wäre. "Kommen Sie bitte mit, ich bringe Sie an einen sicheren Ort", versuchte es Naomi erneut und zog vorsichtig an Christines Hand um sie zum Mitkommen zu bewegen.
Christine schüttelte ihren Kopf. Die Stimme in ihrem Kopf war stärker als die Stimme des Mädchens und sie wandte sich ab, langsam ging sie die Gänge entlang, in die Richtung, aus der sich Janeway, der Doktor und Chakotay ihr näherten.
Das MHN, besorgt, dass seine Patientin aufgewacht war und allein durch die Voyager lief, hatte kurzerhand Tuvok und Seven bei dem Borg zurückgelassen und war mit dem Captain und Commander Chakotay wieder Richtung Krankenstation geeilt. "Haben Sie schon eine Vermutung was mit dem Borg los war, Doktor?" fragte ihn der Captain im Laufen und ließ damit wieder die Gedanken des MHN auf den Borg zurück gleiten. Als sie dem eiligen Ruf Tuvoks gefolgt waren und die Arrestzellen betreten hatten, war der Borg keineswegs deaktiviert gewesen, wie es Chakotay vorher getan hatte, stattdessen war er in eine Art ja, was eigentlich? überlegte das MHN, Wachtraum trifft es vielleicht, beschloss er es zu nennen, in eine Art Wachtraum gefallen, seine Glieder bewegten sich nicht, die Augen waren geöffnet und das MHN hatte festgestellt, dass seine höheren Gehirnfunktionen auf Hochtouren liefen. "Doktor?" hörte er wieder Kathryns Stimme und er stellte fest, dass er ihr die Antwort noch schuldig geblieben war. "Nein Captain, tut mir leid, so etwas habe ich auch noch nie erlebt. Aber obwohl er sich nicht bewegt ist er eindeutig bei Bewusstsein."
"Wenigstens war der Interplex Sender außer Funktion, sonst hätten wir hier wirklich ein Problem", warf Chakotay ein. Das MHN nickte, hätte der Borg alle Funktionen wieder aufgenommen hätte er unter Umständen die Borg im Delta Quadranten erreichen können, die es mit Sicherheit auch im 19. Jahrhundert dort auch schon gegeben hatte und auf einen erneuten Kampf hatte er keine Lust. Als die Drei um die nächste Ecke liefen sah das MHN die Frau, die der Captain von der Erde mit auf das Schiff gebeamt hatte. "Warten Sie", rief er ihr hinterher und fing an zu Laufen. Aus dem linken Korridor war ebenfalls Naomi erschienen, die ihm einen hilfesuchenden Blick nun zuwarf. Sie versuchte immer noch die Frau aufzuhalten, doch diese schien sie zu ignorieren.
Christine war wie in Trance und versuchte immer wieder, sich dem Griff des Mädchens zu entziehen, welches jedoch hartnäckig an ihr dran blieb. Die Ankunft der Dreiergruppe lenkte Naomi ab und Christine entkam ihrem Griff und setzte ihren Weg zu ihrem Engel der Musik fort.
"Es scheint als ob sie zu dem Borg will", meinte Kathryn. Sie gab Naomi einen Wink Christine allein zu lassen und das MHN, Kathryn und Chakotay folgten ihr.
Naomi wich zurück und Christine setzte ihren Weg fort. Fast so als würde sie sich in der Voyager auskennen, fand sie ihren Weg zu den Arrestzellen. Janeway, Chakotay und das MHN folgten ihr leise. Tuvok und Seven sahen fragend zum Captain, als die seltsam gekleidete Frau erschien, doch Janeway schüttelte den Kopf, sie sollten nicht eingreifen.
Vor dem Kraftfeld blieb Christine stehe und begann zu singen. Nach kurzer Zeit reagierte der Borg auf ihren Gesang und erwachte.

Tuvok zielte mit dem Phaser ein Stück höher, alarmiert dass die Borgsysteme wieder voll aktiv waren. Chakotay bedeutete ihm nicht zu schießen, er wollte abwarten was jetzt passieren würde. Dieser Borg hier schien komplett anders zu sein. Nur einen Augenblick später hörte er ein leises klicken und das letzte, das er wahrnahm war eine kleine Kugel, die, kaum dass sie aus dem einen Arm des Borg herausgekullert war, kurz aufleuchtete und einen Impuls aussendete.
Christine war die erste, die zu Boden sank. Ihr folgten alle weiteren Anwesenden. Der Impuls durchzog die gesamte Voyager. Der Borg stieg als ob es nichts wäre durch das Kraftfeld und hob die ohnmächtige Christine in seine Arme.
Vorsichtig trug er sie durch die Voyager, um mit ihr wieder zurück auf die Erde zu flüchten.

Tom erwachte auf der Brücke halb über der Konsole liegend und mit ziemlichen Kopfschmerzen. Um ihn herum begann auch die Crew wieder zu erwachen und er tippte sofort auf sein Combadge: "Paris an Janeway." Er bekam keine Antwort. "Paris an Krankenstation", startete er einen neuen Versuch, doch auch dieser war erfolglos. "Verdammt", murmelte er und wandte sich schließlich an den Computer: "Computer, lokalisiere Captain Janeway und das MHN."
"Captain Janeway befindet sich in der Arrestzelle. Das MHN ist offline."
"Aktiviere das MHN."
"Befehl nicht ausführbar, das Programm wurde beschädigt."
"Großartig! Computer, wie ist der Zustand des Captains?"
"Der Captain ist bewusstlos, Kreislauf stabil."
Tom hatte unterdessen Harry auf die Beine geholfen und öffnete einen Kanal zu B'Elanna: "Paris an Torres, B'Elanna, bist Du in Ordnung?" Gespannt wartete er und stieß einen leisen Laut der Erleichterung aus, als B'Elanna antwortete: "Etwas Kopfschmerzen, was ist passiert? Alle im Maschinenraum haben das Bewusstsein verloren..."
"Ich weiß es noch nicht, kannst Du Dich um das MHN kümmern? Sein Programm wurde beschädigt."
"Sicher, ich melde mich dann. Torres Ende."
Tom war gerade im Begriff sich ein Medkit zu schnappen und in Richtung Arrestzellen zu verschwinden als die Stimme des Captains ertönte: "Janeway an Brücke, Bericht."
Erleichtert dass sein Captain wohlauf war antwortete er: "Paris hier, es scheint dass irgendetwas die gesamte Crew betäubt hat, der Transporter wurde aktiviert und ich kann den Borg nicht mehr an Bord der Voyager orten."
"Und das Mädchen?", fragte Janeway. "Sie ist auch nicht mehr an Bord.", erwiderte Tom und Janeway fluchte lautlos. "Orten Sie die beiden auf der Oberfläche und sagen Sie mir dann, wo sie sich befinden," wies Janeway an, doch konnte sie sich schon denken, wohin die beiden unterwegs waren.

Währenddessen auf der Erde trug der Borg Christine wieder zu seinem Versteck unter der Oper, doch kaum war er wieder auf der Oberfläche der Erde, begann die erneute Zersetzung seiner Implantate.
Sie befanden sich im zweiten Untergeschoß der Oper, als plötzlich eine männliche Stimme nach Christine rief. Auch in der Ohnmacht erkannte Christine wohl die Stimme und begann, sich zu bewegen.
Der Borg eilte weiter, um sie von der Stimme des Mannes wegzubringen und seinen Plan fortzusetzen, doch schien der Mann ihnen zu folgen. "Raoul..". flüsterte Christine leise, als sie erwachte. Sie schlug die Augen auf und blickte in das Gesicht des Borg. Angst erfüllte sie, als sie seinen entschlossenen Gesichtsausdruck sah und sie begann zu schreien.

Raoul hörte Christine schreien und rannte in die Richtung, aus der die Schreie zu kommen schienen. Er erhaschte gerade noch einen Blick auf eine Gestalt, die durch eine Tür verschwand und rannte hinterher. "Christine", schrie er und ohne über die Konsequenzen seines Tuns nachzudenken machte er einen Satz und sprang einen Treppensatz herunter so dass er direkt im Weg des Mannes landete der Christine hinter sich herzog. Seine Augen weiteten sich als er in das Gesicht des Mannes sah und sämtliches Blut schien aus seinem Gesicht zu weichen. "Oh", machte er nur und starrte weiter auf die Gesichtsruine. Der Borg dagegen handelte. Er hob einen Arm in Höhe des Halses von Raoul, zwei biegsame Röhren schossen heraus und trafen Raoul im Hals. Sofort knickte er ein und sein Gesicht begann sich zu verändern. Grün-graue Linien schlängelten sich unter seiner Haut empor und Raoul versuchte die Röhrchen zu lösen aus seinem Hals. Er spürte wie er sich veränderte und dann sah er den entsetzten Gesichtsausdruck von Christine.
Zwar hatte Christine versucht, dazwischenzugehen, doch konnte sie nichts mehr ausrichten. Entsetzt starrte sie auf die Verwandlung ihres Kindheitsfreundes. Tränen liefen ihre Wangen hinab, doch Raoul wandte sich ab.
Mittlerweile hatte Tom den Borg und Christine lokalisiert und Janeway, Chakotay und ein Sicherheitsteam zu ihnen hinuntergebeamt. Die Tricorder verrieten ihnen, daß sich der Borg vor ihnen befand, bis sie plötzlich eine zweite Borgsignatur bemerkten, die sich ihnen näherte.
Mit gezückten Phasern warteten sie die Ankunft des neuen Borg ab.

Raoul fühlte sich besser. Stärker. Wie konnte er nur in diesem schwachen Körper gelebt haben? Sein Erschaffer würde ihn perfekt machen. Er wusste, was er zu tun hatte. Wortlos wandte er sich von dem Borg und Christine ab und lief den Gang voraus. Als er um die Ecke bog, versperrten ihm 4 Leute den Weg. "Stehenbleiben", sagte ein dunkelhäutiger Mann doch Raoul ignorierte ihn. Ein roter Strahl traf ihn mitten auf seine Brust und Raoul fiel.
Christine wollte noch folgen, doch hielt der Borg sie fest und zog sie weiter. Er war zu stark und sie konnte sich nicht gegen ihn wehren. Schluchzend ließ sie sich weiterziehen.
Raoul wurde nur betäubt, doch ließ ihn Tuvok auf die Voyager beamen und in den Arrest bringen. Dann folgten sie dem ersten Borg hinunter in die 5. Versenkung.

Tuvok und Ayala gingen vorsichtig voraus, gefolgt von Janeway und Chakotay. Als sie den Fuß der Treppe erreichten und um eine Ecke bogen hörten sie ein Sirren und im nächsten Moment wurden Tuvok und Ayala nach hinten geschleudert. Ein riesiges, massives Pendel hatte die beiden voll getroffen und schwang vor dem Durchgang aus. Chakotay kümmerte sich um Tuvok, den das Pendel zuerst erwischt hatte. "Wir müssen ihn auf die Voyager bringen, sofort."
"Ayala auch, es hat ihn übel erwischt. Und gerade hier können wir die Voyager nicht erreichen", meinte Kathryn besorgt.
"Gehen Sie am besten zurück und rufen das Schiff, ich bleibe hier", schlug Chakotay vor. Kathryn nickte und machte sich so schnell wie möglich auf den Weg nach oben um die tote Zone zu verlassen.
Während sich Janeway daran machte, die beiden Verletzten bergen zu lassen und sich aus der toten Zone entfernte, ging Chakotay weiter und folgte dem Borg und der Sängerin. Diese waren mittlerweile fast in der Behausung des Borg angekommen, als Christine sich losreißen konnte und durch die Dunkelheit stolperte.
Der Borg, der im Gegensatz zu ihr sich in der Dunkelheit zurechtfand, holte sie jedoch schnell wieder ein und packte sie - Christines Schrei hallte durch die dunklen Katakomben. Chakotay eilte durch die Gänge, bis er die beiden erreichte. "Lassen Sie das Mädchen los", wies er den Borg mit gezücktem Phaser an. Anstelle einer Antwort hob der Borg seinen Arm an Christines Hals, um sie zu assimilieren.

Chakotay zögerte nicht und schoss. Der Phaser traf den Borg an der linken Schulter doch er taumelte nur kurz. Dies reichte allerdings für Christine sich zu befreien und sie lief auf Chakotay zu. Der Borg war bereits wieder auf den Beinen und kam drohend auf Chakotay zu, der jetzt kein freies Schussfeld mehr hatte. "Gehen Sie zur Seite", rief er, doch Christine lief ihm direkt in die Arme und klammerte sich zitternd an ihn. Chakotay zog sie zur Seite, hob seinen Phaser und feuerte. Der Strahl traf den Borg mitten auf der Brust, doch er hatte sich bereits angepasst und das Schild hatte den Strahl absorbiert.
"Verdammt", fluchte Chakotay und versuchte noch den Phaser auf eine rotierende Frequenz zu schalten. Der Borg war inzwischen heran und traf Chakotay mit dem Arm mitten auf die Brust. Chakotay flog einige Meter zurück und dabei löste sich ein Schuss. Dieser traf jedoch Christine, die nur ein "oh" herausbrachte, bevor sie zu Boden sank. Auf ihrem Kleid bildete sich schnell ein Blutfleck, der beständig größer wurde.
Chakotay rollte sich ab und versuchte, so schnell wie möglich wieder zu Christine zu gelangen, da sich auch der Borg bereits näherte.
Janeway hatte die beiden Verletzten wieder auf die Voyager beamen lassen und kehrte nun leise zurück. Sie schlich sich an, da sie den Kampf hörte. Sie nickte Chakotay zu, der sie sah. Der Borg stand mit dem Rücken zu ihr.

Janeway zielte auf den Borg und ein roter Strahl trat aus dem Phaser, der, wie zuvor Chakotays, unwirksam an dem Schild abprallte. Chakotay hatte Kathryn nicht warnen können. Der Borg drehte sich um, schlug Kathryn den Phaser aus der Hand und schlug mit seiner Armprothese gegen ihren Kehlkopf. Benommen sank Kathryn zu Boden und versuchte mühsam zu atmen. Der Borg stand nun über ihr und wollte sie jetzt endgültig ausschalten, als hinter ihm Chakotays scharfe Stimme erklang: "Keine Bewegung, sonst ist sie tot." Sein Phaser zielte auf den Kopf von Christine. Verwirrt hielt der Borg inne. Chakotay hatte sicher nicht vor Christine zu töten, aber er hatte wohl gemerkt dass dieser Borg eine besondere Verbindung zu ihr hatte. Es war ein kalkulierter Bluff und gleichzeitig seine einzige Chance.
Christine hing mehr leblos als lebend in Chakotays Armen. Der Borg legte seinen Kopf schief und sah Chakotay an, er senkte die Arme, als Geste, dass er nichts tun würde.
Janeway hoffte, dass sie Christine so schnell wie möglich wieder auf die Voyager bringen konnte, um sie medizinisch versorgen zu lassen. Ihr Atem ging noch immer rasselnd, während sie gezwungen war, zu beobachten.

"Kathryn, können Sie aufstehen?" fragte Chakotay besorgt, hielt aber weiterhin den Borg in Schach.
Kathryn nickte. Ihre Kehle tat furchtbar weh und ihre Atemwege waren gequetscht. Ein Hustenanfall überkam sie, als sie aufrecht stand. Chakotay hätte ihr liebend gern geholfen, aber er hielt die Waffe weiterhin auf Christine gerichtet. "Bringen Sie Christine an Bord der Voyager und versorgen Sie sie", wies der Borg Chakotay an. Seine Stimme klang leise, fast schon einsam und sie hatte einen seltsamen Unterton - Sorge. Als Zeichen seiner Kooperation deaktivierte er seinen Schild. Chakotay atmete unmerklich auf, senkte seinen Phaser und nickte. Er schaute zu Kathryn, diese hob ihren Phaser auf und schoss auf den Borg. Kleine Funken wie nach einer Überladung tanzten über den ganzen Borgkörper, dann erloschen die Maschinenteile, er kippte vornüber und regte sich nicht mehr. Chakotay brachte Christine nach oben und Kathryn folgte ihm kurz darauf, als sie schnell den Zustand des Borg überprüft hatte. Er war noch am Leben, hatte aber großen Schaden genommen. An Bord würden sie entscheiden wie sie mit ihm weiter verfahren würden.
Christine spürte, dass der Borg getroffen war und murmelte "Mörder", bevor man sie zurück auf die Voyager brachte. Sofort wurde sie in die Krankenstation gebracht, während sich Janeway und Chakotay mit einigen weiteren Offizieren in das Besprechungszimmer zurückzogen.
"Der Borg ist unter ständiger Bewachung im Maschinenraum untergebracht", sagte B'Elanna und nahm auf ihrem Stuhl Platz. "Was sollen wir mit ihm machen? Es würde einige Zeit dauern, aber wir wären vermutlich in der Lage seine Schäden zu reparieren, zumindest was den technischen Aspekt angeht. Was den biologischen Part angeht müssten wir auf den Bericht des Doktors warten."
"Ist das Programm des Doktors repariert worden?", fragte Janeway in die Runde.
"Ja, das haben wir in der Zwischenzeit geschafft, sah schlimmer aus als es tatsächlich war", meinte Tom.
Kathryn nickte. "Janeway an den Doktor." "Sprechen Sie", ertönte die bekannte Stimme des Doktors. "Halten Sie mich über den Status des Borg und des Mädchens auf dem Laufenden", wies Janeway an.
"Mache ich", erwiderte der Doktor und schloß den Comkanal. "B'Elanna, wie ist der Status des Schiffs?", fragte Janeway die Klingonin.

"Das Schiff ist wieder voll funktionsfähig, und wenn wir den Borg auseinandernehmen können, dann sollten wir auch in der Lage sein mit Hilfe seiner Speicher und Technologie einen Zeitkanal zu öffnen um in unsere Zeit zu kommen. Sollen wir damit anfangen?" antwortete B'Elanna.
Janeway überlegte einen Augenblick. Eigentlich sprach nichts dagegen den Borg zu zerlegen, doch dies war kein normaler Borg. Sollte man ihn weiter erforschen? Vielleicht könnte er sich als Waffe gegen die Borg verwenden lassen wenn es ihnen gelingen sollte, ihn umzuprogrammieren.
"Captain?" fragte Chakotay, als sie nach einer Weile immer noch nicht geantwortet hatte.
Noch bevor Janeway antworten konnte, ertönte die bekannte Stimme des Doktors aus dem Äther. "MHN an Commander Chakotay. Sie sollten bitte auf die Krankenstation kommen, unser.. äh.. Gast fragt nach Ihnen."
Chakotay blickte erst Janeway fragend an, dann tippte er auf sein Combadge: "Nach mir?" hakte er noch einmal nach. "Ja Commander, nach Ihnen. Aber sie können den Captain vielleicht gleich mitbringen", schlug das MHN vor.
"Wir sind unterwegs", antwortete Kathryn und meinte dann zu den übrigen Offizieren: "Warten Sie noch mit dem Zerlegen, B'Elanna. Aber fangen Sie schon an die Speicherdaten auszuwerten. Ich komme später im Maschinenraum vorbei. Wegtreten." Die Offiziere standen auf und Kathryn und Chakotay begaben sich zur Krankenstation.
Als sie wenige Minuten später dort eintrafen sahen sie die junge Frau auf einem Bett liegen, die Augen geöffnet und das MHN neben ihr stehen. Der Doktor sah den Commander schulterzuckend an und trat dann einen Schritt zur Seite.
Christine wandte sich an den Commander. Sie spürte, dass sie ihm vertrauen konnte. "Wo ist er?" fragte sie ihn mit leiser Stimme. "Ist er.. tot?"
Chakotay blickte Kathryn an und diese nickte fast unmerklich. "Er schläft", erklärte Chakotay einfach.
Wie sollte er auch einem Mädchen aus dem 19. Jahrhundert erklären, was ein Borg ist. "Hören Sie, er ist gefährlich", fügte er hinzu. "Wir werden ihn schlafen lassen."
"Er ist nicht gefährlich, nicht zu mir", erwiderte Christine, beinahe klang es trotzig. "Bitte mein Herr, ich möchte mit ihm reden." Christine machte Anstalten, die Liege verlassen zu wollen.
Das MHN hielt sie zurück und Kathryn meinte: "Das geht leider nicht. Vielleicht ist er Ihnen wohlgesonnen, dem Rest der Menschheit aber sicher nicht. Wir können das Risiko nicht eingehen und ihn... wecken", übernahm sie Chakotays Wortwahl. Zum MHN gerichtete fragte sie: "Ist ihre Verletzung schon verheilt?" Das MHN wiegte den Kopf und meinte dann: "So weit ja, aber ich würde es lieber sehen, wenn ich sie noch einen Tag unter Beobachtung halte." Kathryn nickte. "Sedieren Sie sie wenn nötig und bereiten sie alles vor ihr Gedächtnis zu modifizieren." Sie blickte noch einmal zu Christine herunter und sagte mit echtem Bedauern in der Stimme: "Es tut mir sehr leid was Sie durchmachen mussten, aber morgen werden Sie schon wieder zu Hause sein und an all das keine Erinnerung mehr haben, das verspreche ich Ihnen." Kathryn nickte dem MHN zu und ging dann, gefolgt von Chakotay, zur Tür.
"Madame?", fragte Christine als sich Janeway abwandte. Sie hatte verstanden, dass sie wohl hier der Direktor, oder wie sagte das Mädchen, der Captain war, also hatte sie wohl das Sagen hier.
Janeway drehte sich wieder zu ihr zurück und kam zu ihr. Chakotay nickte und machte sich auf den Weg in den Maschinenraum, der Doktor zog sich zurück, um das Löschen von Christines Erinnerungen vorzubereiten.
"Er ist mein Freund, Madame.", meinte Christine leise. "Ich.. es wäre unfair von mir, wenn ich nicht noch einmal mit ihm reden würde. Bitte, Sie können auch dabei sein", schlug sie vor und ergriff Janeways Hand.
Kathryn seufzte. "Sie verstehen das nicht, wenn wir ihn wecken bringe ich die gesamte Crew in Gefahr. Sie haben keine Vorstellung, zu was ihr 'Freund' fähig ist."
"Dann gehen wir in die Oper, in meine Garderobe", schlug Christine aufgeregt vor.
Kathryn schmunzelte angesichts des Vorschlags. "Leider ändern Räumlichkeiten nicht die Gefahr die ihr Freund darstellt. Es tut mir wirklich leid. Morgen werden Sie alles vergessen haben." In dem Moment meldete sich B'Elanna. "Captain, bitte kommen Sie umgehend in den Maschinenraum."
Janeway fragte: "Was ist los B'Elanna?"
"Der Borg verlangt mit Ihnen zu sprechen Captain", kam die knappe Antwort der Chefingenieurin. Kathryns Augen weiteten sich und sie sagte nur: "Ich bin sofort da." Warum der Borg wieder die Funktion aufgenommen hatte würde sie im Maschinenraum klären müssen und sie hoffte, dass er bis dahin ruhig blieb. Ihr Blick fiel auf Christine, die sie jetzt gespannt ansah. Kathryn wusste, dass sie immerhin so viel verstanden hatte, dass ihr Freund wach war. Sie überlegte noch einen Moment, dann sagte sie: "Also schön, Sie dürfen mitkommen. Aber halten sie sich hinter mir, ist das klar?"
Christine nickte aufgeregt und rutschte von der Liege. Ihr Herz schlug schon fast bis zum Hals. "Kommen Sie", meinte sie und zog Kathryn an der Hand zur Tür.
Wenig später erreichten die beiden Frauen den Maschinenraum. Als Kathryn eintrat bot sich ihr ein sehr ungewöhnliches Bild. Der Borg stand stocksteif ein paar Meter vor dem Warpkern und starrte einfach nur zu Tür. Tuvok hielt einen Phaser auf ihn gerichtet, B'Elanna und Chakotay standen nebeneinander und beobachteten den Borg gespannt. Kathryn blieb ein paar Meter vom Borg entfernt stehen und die erste Reaktion seinerseits folgte, als auch Christine eintrat. Wie versprochen blieb sie hinter dem Captain stehen. Der Borg bewegte den Kopf und - Kathryn konnte es nicht glauben - ein Lächeln stahl sich auf seine Lippen. "Christine..." sagte er sanft und Kathryn war so verblüfft, dass sie sich kurz zu Christine umdrehte. Diese wiederum hatte nur Augen für den Borg und erst als die anfing auf ihn zuzugehen wandte sich Kathryn an den Borg: "Sie wollten mich sprechen?"
Christine blieb stehen und der Blick des Borg wanderte zum Captain.
"Ja Captain Janeway", erwiderte er. Er beließ Christine in seiner Art von Trance, so dass diese zwar anwesend war, aber dem Gespräch nicht folgen konnte. "Was planen sie mit mir und ihr zu machen?" fragte er sie geradeheraus.
Kathryn sah Chakotay verblüfft an. Ihr erster Offizier trat zu ihr und raunte ihr leise zu: "Captain, ich weiß dass Borg eine Bedrohung sind, vor allem dieser, aber... wenn ich es nicht besser wüsste würde ich sagen, er ist verliebt in die Kleine. Vielleicht sollten wir seine Motive erst einmal in Erfahrung bringen." Chakotay trat wieder etwas von Kathryn zurück und der Captain dachte über seine Worte nach. Ihr Instinkt sagte ihr, dass Chakotay vermutlich das erkannt hatte, was hier wirklich passiert war, obwohl Kathryn selber es nicht so recht glauben konnte. Aber allein dass dieser Borg nichts unternahm und um ein Gespräch gebeten hatte war definitiv etwas, das kein normaler Borg tun würde. Sie beschloss, Chakotays Rat zu folgen und sagte: "Das kommt darauf an, was Sie vorhaben."
Der Borg neigte den Kopf. "Meine Aufgabe war es, die Erde in dieser Zeitperiode auszukundschaften und herauszufinden, ob sich eine Assimilation der Erde in diesem Zeitstadium lohnen würde", gab der Borg zu. "Doch nun ist mein Plan ein anderer."
Kathryn trat einen Schritt näher und fragte misstrauisch: "Und wie sieht dieser jetzt aus?"
Es erschien fast als würde der Borg zögern. "Ich möchte Christine helfen ihre Stimme zu entwickeln. Sie hat Potential. Sie kann es wirklich zur Primadonna schaffen."
Kathryn konnte nicht anders als den Borg anstarren. Sie hatte mit allem möglichen gerechnet, nur nicht damit! Ihre Augen wanderten zu Chakotay, doch dieser war genauso perplex wie sie. Kathryn konnte einfach nicht glaube, dass er es ernst meinte. Daher fragte sie: "Verzeihung, habe ich Sie richtig verstanden? Sie wollen ihre Stimme ausbilden?" und deutete mit dem Kopf Richtung Christine. "Ein Borg?"
"Ja Captain", erwiderte der Borg. Er sah von ihr zu Chakotay, dann zu Christine. "Ich möchte hier bleiben", gab er zu. "Bei ihr."
Kathryn sagte eine Weile nichts. Der Borg blieb ruhig und wartete, bis sie zu einer Entscheidung gekommen war. Schließlich sagte der Captain: "Selbst wenn ich von Ihren Motiven überzeugt wäre und offen gesagt, das bin ich nicht, wie stellen Sie sich das vor? Glauben Sie allen ernstes ich kann einen Borg aus dem 24. Jahrhundert einfach auf der Erde im 19. Jahrhundert lassen? Was ist wenn Sie sich es wieder anders überlegen, was ist wenn es von vornherein Ihr Plan ist zu warten bis wir weg sind und dann die Erde assimilieren?"
Ein wenig hilflos erschien der Borg, als er die Arme hob. "Mein Name ist Erik", sagte er als wäre das die Antwort auf Janeways Frage.
"Captain", ertönte unerwartet die Stimme von Seven. Aller Augen wandten sich der Ex-Borg zu und sie sagte: "Ich glaube, er sagt die Wahrheit. Seine Verbindung zum Kollektiv ist definitiv getrennt und kein Borg, der noch unter dem Einfluss der Königin steht würde seinen Namen nennen und solch eine eigentümliche Entscheidung hervorbringen, dass er... Gesangsunterricht geben will." Kathryn sah Seven immer noch zweifelnd an. "Gut, nehmen wir einmal, es stimmt wirklich. Aber was passiert, wenn er aus irgendwelchen Gründen doch wieder eine Verbindung zum Kollektiv aufnimmt? Was, wenn die Borg hierherkommen um ihn zu suchen?"
"Ich schlage vor," mischte sich Chakotay hinter den beiden Frauen ein, "bevor wir überhaupt in irgendeiner Form beschließen ihn doch hierzulassen erst einmal Christine fragen, was sie davon hält?"
Während des Gespräches hatte sich Christine unbemerkt von den Starfleet Offizieren dem Borg genähert. Sie ergriff seine Hand und hielt sie fest. Selbst der Borg war erstaunt darüber. "Ich vertraue ihm", sagte sie mit klarer und fester Stimme.
"Das mag ja alles schön und gut sein, dennoch ist mir das Risiko zu groß einen Borg hier zu lassen", sagte der Captain. Seven trat einen Schritt vor. "Vielleicht könnten wir mit Hilfe des Doktors einfach ein paar seiner Implantate entfernen, sämtliche Transmitter beispielsweise, sowie einige Datenspeicher die nötig sind um die Borg zu erreichen. Ebenfalls können wir die Assimilierungstechnik so weit entfernen, dass er keinem Menschen mehr schaden könnte", schlug die Ex-Borg vor. Kathryn schaute zu Chakotay und Tuvok. Chakotay nickte leicht, und Tuvok sagte: "Unter diesen Umständen wäre es möglich." Das war für Kathryn Grund genug ihr Einverständnis zu geben, wenn selbst der Vulkanier damit einverstanden war. Sie schaute den Borg und Christine an und meinte mit einem Seufzen: "Also gut, vorausgesetzt wir werden Sevens Vorschlag so durchführen gebe ich mein Einverständnis." Sie sah die beiden wartend an.
Zwar hatte Christine von der Unterhaltung nur einen Bruchteil verstanden, doch dass man wohl den Plan fasste, Eriks Wunsch nachzukommen, erfüllte sie mit großer Freude. Doch plötzlich stieß Erik sie weg. Gerade noch rechtzeitig, denn plötzlich zuckte er zusammen und elektrische Stromstöße peinigten seinen Körper.
Chakotay reagierte am schnellsten und zog Christine weiter weg von Erik. Seven holte einen Tricorder hervor und versuchte herauszufinden, was mit der Drohne passierte. Kathryn hatte ebenfalls einen Tricorder in der Hand und rief zu Torres: "B'Elanna, errichten Sie ein Eindämmungsfeld um ihn herum!" Torres eilte sofort an eine Konsole und Sekunden später hatte sie um den Borg ein Energiefeld gelegt.
"Was passiert mit ihm?" rief Chakotay, der immer noch die verängstigte Christine in den Armen hielt.
"Ein Implantat in seinem Nervensystem ist defekt, vermutlich eine Folge von einer früheren Beschädigung", sagte Seven und klappte den Tricorder zu. "Soll ich den Schaden beheben Captain?"
"Was haben Sie vor Seven?" entgegnete Janeway statt einer Antwort. "Ich kann mich mit dieser Drohne verbinden und versuchen das Implantat zu reparieren."
"Entstehen für Sie dadurch irgendwelche Risiken?" hakte Janeway nach.
"Nur geringfügige. Die Verbindung wird nicht tiefreichend sein, der Doktor kann sie schnell wieder trennen falls es notwendig werden sollte."
Kathryn nickte. "Also gut, holen Sie das MHN her. Chakotay, bringen sie unseren Gast bitte derweil in einem Quartier unter."
"Ja Captain", erwiderte Chakotay und brachte Christine nach draußen.
Christine wollte sich wehren, und zurück zu der Drohne laufen, doch hielt Chakotay sie fest, der Doktor gab ihr ein Sedativum. Chakotay fing sie auf und brachte sie in eines der Gästequartiere. Dort legte er sie auf das Bett. Christine war nur leicht sediert worden, also würde sie bald wieder erwachen. Chakotay replizierte für sie ein leichtes Frühstück und setzte sich an den Tisch und wartete, bis sie erwachte.
Das MHN war derweil im Maschinenraum eingetroffen und B'Elanna hatte mit Hilfe von Seven eine Verbindung zwischen ihr und der Drohne geschaffen, in dem Seven ihre Assimilationsröhrchen mit einem Außenimplantat des Borg verbunden hatte. Das MHN wachte mit Argusaugen über Seven. "Ich bin jetzt mit ihm verbunden und suche das defekte Implantat", sagte Seven, während sie starr geradeaus schaute. Nach ein paar Minuten sagte sie: "Ich habe das defekte Implantat gefunden, ich schicke die Nanosonden hin." Die Entladungen um den Borg hörten auf und er lag wieder ruhig da. Seven zog die Assimilationsröhrchen zurück, richtete sich wieder auf und sagte zum Captain: "Der Defekt ist behoben, er sollte wieder funktionieren." Alle Anwesenden schauten zum Borg hinunter, der sich allerdings nicht rührte und die Augen geschlossen hatte. Seven runzelte die Stirn und meinte: "Er sollte wach sein." Sie schickte sich an die Verbindung noch einmal herzustellen, doch Janeway hielt sie zurück. "Vielleicht ist es besser wenn er nicht mehr aufwacht", meinte sie und nickte B'Elanna zu, die auch ohne verbale Aufforderung anfing den Borg zu untersuchen und versuchte herauszufinden, warum er nicht aufwachte.
Währenddessen im Gästequartier: Gerade als Seven die Verbindung zur Drohne erneut herstellen wollte, wacht Christine auf. Sie schreckte vielmehr hoch von dem Bett, wodurch sich auch Chakotay erschrak. "Was ist mit Ihnen?", fragte er Christine, während er zu ihr eilte.
Christine sah fast schon durch ihn hindurch, als sie sich vom Bett erhob und zur Tür eilte. Chakotay hielt ihren Arm fest. "Wo wollen Sie hin?", fragte er sie und hielt sie fest. "Ich muß zu ihm, es geht ihm nicht gut", erwiderte Christine. "Das geht jetzt nicht, sobald es ihm besser geht, können Sie wieder zu ihm."

"Commander Chakotay", ertönte Kathryns Stimme, "kommen Sie bitte in den Maschinenraum und bringen Sie unseren Gast mit, wenn es geht."
"Aye Captain", erwiderte er und mit einem Blick zu Christine: "Sehen Sie, schneller als Sie dachten." Er bedeutet ihr zu folgen und beide trafen kurz darauf wieder im Maschinenraum ein.
"Was ist passiert Captain?" fragte Chakotay als er den Borg regungslos auf dem Boden liegen sah.
Während Kathryn Chakotay berichtete, was vorgefallen war, war Christine zu dem Borg geeilt, der noch immer starr am Boden lag. Niemand hinderte sie daran, im Gegenteil, man beobachtete sie dabei. Alle waren auf dem Sprung, einzugreifen sollte etwas, was auch nur einen Hauch noch seltsamer war, als die Situation an sich, geschehen. Christine weinte, da Erik ihr wie tot erschien. Sanft berührten ihre Finger seine Wange, sie war kalt. Sie strich über sein Gesicht, egal ob es Haut oder ein Implantat war. Sie beugte sich über ihn, eine ihrer Tränen lief über ihr Gesicht und tropfte auf seine Wange. Sanft küsste sie erst die Wange des Borg, dann küsste sie ihn zärtlich auf die Lippen.
B'Elanna verzog leicht die Miene angesichts der Tatsache dass jemand einen Borg küsste! Zu ihrer völligen Verwunderung hatte dieser Kuss allerdings Folgen.
Auch Seven verzog das Gesicht, während Janeway und Chakotay zumindest nach außen hin nicht reagierten. Jedoch durchzogen beide ähnliche Gedanken.
Christine legte ihr Haupt auf den Oberkörper des Borg und hatte die Augen mittlerweile geschlossen. Plötzlich hob der Borg einen seiner Arme. Für die anwesenden Sternenflottenoffiziere sah es für einen Bruchteil so aus, als wolle er Christine assimilieren und sie zückten die Phaser.
Doch der Borg legte lediglich seinen Arm um das Mädchen und flüstere ganz leise ihren Name. Christine lächelte nur und flüsterte: "Ich liebe Dich."

Den meisten Starfleet Offizieren blieb der Mund offen stehen. So unglaublich war es an einen Borg einen Liebesbeweis zu hören dass einige dachten, sie hätten sich verhört. Seven schaute interessiert dagegen und hob nur eine Augenbraue.
"Alles wird gut", flüsterte der Borg und machte Anstalten, sich aufzusetzen. Mit Christines Hilfe gelang es ihm schließlich. Er sah sie mit einer Mischung aus Verwunderung und Liebe an. "Ich liebe Dich auch", erwiderte er leise. Christine umarmte ihn glücklich.
Kathryn schaute Chakotay an und dieser konnte sich ein verträumtes Schmunzeln nicht verkneifen. Vor Chakotays innerem Auge wechselten gerade der Borg und Kathryn die Position, während er sich an der Stelle des Mädchens sah. Wenn schon ein Borg einen Liebesbeweis erbringen konnte, dann mußte es doch auch möglich sein, dass ein Captain das tat. Doch die Vorstellung verflog augenblicklich wieder und Chakotay schalt sich stumm. Das hier war etwas anderes.
"Nun, scheinbar sollen Sie wohl doch hier bleiben", stellte Kathryn fest und wandte sich an das MHN. "Doktor, bitte entfernen Sie so viel Borgtechnologie wie möglich, Seven wird sie über das informieren, was wir vorhin besprochen haben. Halten Sie mich auf dem Laufenden."
Das MHN schaute etwas skeptisch, sagte aber nur: "Aye Captain", und gemeinsam mit Seven brachten sie den Borg mit Christine im Anhang zur Krankenstation. Tuvok begleitete sie ebenfalls.
"Ich weiß gar nicht wie ich das in einem Bericht verfassen soll", meinte Kathryn kopfschüttelnd. "Ein Borg mit Liebesschwüren..." trotzdem allem mußte sie leise lachen. Chakotay trat dicht an sie heran und raunte ihr leise ins Ohr, dass nur sie es hören konnte: "Ob Sie's glauben oder nicht, aber der Borg hat mir Hoffnung geschenkt." Während Kathryn ihn verwirrt anstarrte schmunzelte Chakotay und verließ dann den Maschinenraum.
Kathryn stand noch kurz wie verloren da, doch dann fing sie sich und begab sich in ihr Quartier, um den Bericht zu schreiben. Doch irgendwie wollten ihr Chakotays Worte nicht aus dem Kopf gehen. Nach einer Weile gab sie den Bericht auf und gönnte sich eine Tasse dampfenden Kaffees.
Zwei Stunden später, Kathryn hatte es doch noch geschafft sich ihren Berichten zu widmen, meldete sich das MHN: "Krankenstation an Captain Janeway, bitte kommen Sie auf die Krankenstation, unser... Freund... ist so weit." Janeway bestätigte und traf nur wenige Minuten später auf der Krankenstation ein, wo sie eine fahrig wirkende Christine, ein etwas genervtes MHN sowie eine ausdruckslos guckende Seven und eine noch schlafende Borgdrohne erwarteten.
Die Gesichtszüge des MHN hellten sich in dem Moment auf, als er den Captain bemerkte. "Captain, trotz einiger kleiner Störungen", sein Blick glitt dabei kurz zu Christine, "konnte ich alle genannten Implantate entfernen." Er nutzte eine kleine Sprechpause um ganz nahe an den Captain heranzutreten, so dass nur sie ihn hören würde und sagte leise: "Sind Sie sicher dass Sie den Borg hierlassen wollen?"
Janeway zog das MHN ein wenig zur Seite und sah ihn an. "Vertrauen Sie Seven?", antwortete sie mit einer Gegenfrage.
Das MHN runzelte die Stirn, sagte aber ohne zu zögern: "Natürlich, Sie etwa nicht?"
"Ich auch", erwiderte sie. "Also bin ich mir auch sicher mit dem Borg." Sie sah ihn an und nickte dann zu dem deaktivierten Borg hinüber. "Aktivieren Sie ihn."
Das MHN seufzte, es war offensichtlich, dass er von der Idee nicht viel hielt, dennoch trat er an das Biobett heran und nickte Seven zu. Seven zog eine Augenbraue hoch, injizierte dem Borg noch eine Dosis Nanosonden und trat dann zurück. Das MHN benutzte ein Hypospray um den Borg zu wecken.
"Wenn Sie etwas zu sagen haben, dann sagen Sie es laut", meinte Janeway und beobachtete dann den Borg.
"Captain?" fragte Seven verwirrt nach. Die Aufmerksamkeit schwenkte jedoch vom Captain auf den Borg als dieser die Augen aufschlug und sich abrupt aufsetzte.
"Wie fühlen Sie sich?" fragte das MHN pflichtbewusst.
"Seltsam..", erwiderte der Borg und sah sich nach Christine um. Sie lächelte ihn erfreut an und konnte sich kaum noch zurück halten, zu ihm zu laufen.
"Abgesehen von einigen Implantaten in seinem Gesicht, die ich nicht entfernen konnte, sieht er eigentlich aus wie ein normaler Mensch", meinte das MHN. "Ich fürchte jedoch", wandte er sich nun direkt an den Borg, "müssen Sie den Kontakt zu anderen Personen meiden. Kein Mensch aus dem 19. Jahrhundert hat Ahnung von Implantaten. Vielleicht besorgen Sie sich besser etwas, womit Sie sie verbergen können. Es wird sich nicht vermeiden lassen, dass Sie ab und zu mal anderen Menschen begegnen."
Der Borg nickte. "Danke sehr", sagte er sichtlich gerührt und bewegt. "Vermutlich werde ich dort bleiben, wo Sie mich fanden", sagte er und Christine nickte.
Janeway nickte. "Gut, ich denke, dann hätten wir alles geklärt. Dann folgen sie mir bitte in den Transporterraum. Seven", meinte Janeway zur Borg und diese folgte den beiden Gästen ebenfalls zum Transporterraum.
Dort angekommen dirigierte der Captain die beiden auf die Plattform und sagte: "Alles Gute." Dann nickte sie Seven zu und der Borg und Christine lösten sich in einem Funkeln auf.
"Sie sind angekommen", informierte Seven ihren Captain.
Kathryn nickte. "Hoffen wir, dass wir nichts übersehen haben."
"Da kann ich Sie beruhigen", sagte Seven und fügte auf einen fragenden Blick von Janeway als Erklärung hinzu: "Ich habe mir erlaubt eine kleine Sicherheitsmaßnahme einzubauen. Sollte der Borg irgendeine Art von Borgfrequenz aktivieren um mit dem Kollektiv in Verbindung zu treten, werden speziell programmierte Nanosonden ihn sofort ausschalten."
Kathryn's Augenbraue kletterte noch höher: "Ausgezeichnet Seven. Aber das nächste Mal informieren Sie mich über so einen Schritt vorher, ist das klar?"
"Ja Captain. Es war eine kurzfristige Entscheidung und ich hatte keine Zeit sie mit Ihnen zu diskutieren."
"Vielleicht sollten wir uns jetzt lieber darauf konzentrieren, wie wir wieder nach Hause kommen", wechselte Janeway das Thema und Seven sagte nur: "Aye Captain."
Die beiden Damen verließen den Transporterraum. Auf dem Weg zur Brücke rief Janeway alle ihre Offiziere in den Bereitschaftsraum. Nachdem sich alle dort eingefunden hatten, stellte Janeway die entscheidende Frage: "Ladies und Gentlemen, wie kommen wir nun wieder in unsere Zeit?"
Bevor einer der Offiziere etwas sagen konnte, meldete sich Ensign Culhane: "Captain, Sie sollte umgehend auf die Brücke kommen."
Janeway warf Chakotay einen kurzen Blick zu, woraufhin dieser sich ebenfalls erhob und dem Captain auf die Brücke folgte.
"Bericht", sagte sie beim Eintreten. Culhane brauchte gar nicht zu erklären was los war, als Janeway auf den großen Wandschirm blickte, blieb sie überrascht stehen. Ein Föderationsraumschiff füllte das Blickfeld aus und in diesem Moment sagte McKenzie, der an Tuvoks Konsole stand: "Wir werden gerufen."
"Auf den Schirm", sagte Janeway und trat in die Mitte der Brücke.
"Captain Janeway", wurde sie von einem jungen Mann begrüßt. "Allmählich frage ich mich, ob Sie diese Zeitreisen mit Absicht machen damit wir mehr Arbeit bekommen", sagte er und zwinkerte ihr dabei zu. Janeways Miene erhellte sich, als sie den ehemaligen Lieutenant der USS Relativity erkannte." "Captain Ducane, dann haben Sie also Captain Braxton abgelöst", grüßte sie zurück.
"In der Tat. Ich vermute mal, Sie haben nichts dagegen einzuwenden, wenn wir Sie wieder in Ihre Zeit bringen da der Borg jetzt da ist, wo er eigentlich nicht hingehört aber trotzdem sein muss?"
Janeway lächelte und nickte. "Auch wenn Sie die Frage, ob Sie uns zur Erde bringen können, wieder verneinen werden, richtig?" Captain Ducane nickte. "Das muß ich leider", erwiderte er und Janeway nickte erneut. "Bitte bringen Sie uns in unsere Zeit", meinte sie und nahm in ihrem Kommandosessel Platz.
"Folgen Sie in unserem Kielwasser. Ducane Ende."
Janeway schmunzelte und wandte sich an Tom, der inzwischen wieder seinen Platz an der Conn eingenommen hatte: "Mr. Paris, Sie haben den Mann gehört."
"Aye Captain."
Vor der Relativity öffnete sich ein bläulicher Strudel und das Schiff verschwand darinnen, dicht gefolgt von der Voyager. Nach wenigen Sekunden meldete Harry: "Wir sind wieder da, wo wir vorher waren - im Delta Quadranten, unsere Zeit."
Janeway nickte. "Danke Mister Kim." Sie blickte auf den Bildschirm und verkniff sich ein Seufzen. "Danke Captain Ducane", meinte sie zu dem Mann auf dem Bildschirm, der nickte. "Auf Wiedersehen, Captain Janeway", erwiderte er und schloß den Comkanal.
Chakotay und Kathryn sahen sich an, ihm war ihr trauriger Blick nicht entgangen. Er beugte sich näher zu ihr und raunte ihr zu: "Wir werden nach Hause kommen Kathryn. Wenn nicht heut, dann später."
Dankbar drückte sie kurz seine Hand und lächelte. Dann sagte sie laut: "Tom, setzten Sie einen Kurs - zur Erde."
"Aye Captain."
"Beschleunigen."
Die Warpgondeln der Voyager fuhren hoch und dann war sie in einem Lichtblitz verschwunden.
Janeway erhob sich von ihrem Platz und ging in ihren Bereitschaftsraum. Kopfschmerzen wollten sich mit aller Macht in ihrem Kopf breitmachen und sie beschloss, sie mit einem Kaffee zu bekämpfen.
Mit der Tasse in der Hand starrte sie nach draußen auf die vorbeigleitenden Sterne und fragte sich, ob und wann sie es jemals schaffen würden, die Erde zu erreichen und auch dort bleiben zu dürfen. Das Geräusch der Klingel an der Tür holte sie rasch aus ihren Gedanken und sie straffte ihre Gestalt wieder. Innerlich fragte sie sich zwar, wer denn nun schon wieder nerven mußte, doch das behielt sie für sich. "Herein", erwiderte sie und blickte zur Tür.
Ihr ersten Offizier trat ein. "Ist mit Ihnen alles in Ordnung?", fragte er besorgt. Janeway winkte nur ab und er verstand. Mit einem leichten Grinsen deutete er auf das Pad was er in der Hand hielt. "Haben Sie Lust auf ein wenig Lektüre?" Janeway wollte schon abwinken, doch sein Grinsen hatte sie neugierig gemacht. Also nickte sie und Chakotay deutete zum Sofa. "Dafür sollten Sie schon Platz nehmen...", meinte er bedeutungsschwanger. Janeway konnte sich ein Grinsen nicht so ganz verkneifen und nahm Platz. "Sind Sie bereit?", fragte Chakotay und nahm neben ihr Platz. Sie nickte und er begann: "Das Phantom der Oper hat wirklich existiert. Es handelte sich nicht, wie man lange Zeit annahm, um eine Erfindung der Sänger und Sängerinnen, nicht um einen Aberglauben der Direktoren, auch nicht um ein Hirngespinst der überspannten Dämchen vom Corps de ballet oder ihrer Mütter, der Logenschließerinnen, der Garderobefrauen und der Concierge.
Ja, es hat leibhaftig existiert, wenn es auch wie ein echtes Phantom auftrat, das heißt als Schemen..."

ENDE