Dear diary...

2. Teil

Kapitel 6

Chakotay lag neben Kathryn im Bett und hatte seinen Arm um ihre Taille geschlungen. Sanft zog er sie zu sich heran und gab ihr einen Kuß.
"Wofür war der?" fragte sie überrascht.
"Für die schöne Nacht mit Dir." kam seine Antwort.
"Hm... wenn Du Dich so bei mir bedankst, werden wir so eine Nacht wiederholen."
"Das hoffe ich doch!" Chakotay machte nun Anstalten, aufzustehen.
"Du willst mich doch nicht etwa jetzt hier alleine lassen?" fragte Kathryn entrüstet. "Doch, denn der erste Offizier muß zum Dienst." sagte er und stand auf. Kathryn sah ihm belustigt beim Anziehen zu.
"Du weißt, daß Du in einer halben Stunde auf der Brücke sein mußt?" fragte Chakotay nebenbei. Kathryn schreckte hoch. "Was? Warum sagst Du mir das nicht früher!" wie von der Tarantel gestochen war Kathryn aus ihrem Bett und im Bad verschwunden. Chakotay mußte lachen. Eine Bemerkung war jetzt einfach überfällig und deshalb stellte er sich an die Badtür: "Erster Offizier verwarnt Captain wegen zu spät Kommens..." "Wage es nicht!" erklang von drinnen eine säuerliche Stimme und gleich darauf ging die Tür auf und ein Handtuch flog Chakotay entgegen.
Doch er hatte schnelle Reflexe und fing es auf, bevor es sein Gesicht traf. "Aber aber, wer wird denn gleich mit Handtüchern werfen?" sagte er überlegen und warf es auf den nächsten Sessel.
"Chakotay, gib mir mein Handtuch wieder!" rief Kathryn.
"Was bekomm ich dafür?" fragte Chakotay.
"Ich werde Dich nicht in die Arrestzelle sperren." sagte Kathryn scharf.
"Nicht genug." erwiderte Chakotay und schnappte sich das Handtuch wieder. Genüßlich ging er ins Badezimmer und brachte Kathryn das Handtuch wieder...

=/\=

Als Kathryn und Chakotay mit einer dreiviertel Stunde Verspätung auf der Brücke eintrafen, ernteten sie fragende Blicke der gesamten Brückenbesatzung. "Ist alles in Ordnung?" fragte Tuvok schließlich.
"Verzeihen Sie die Verspätung meine Herren, aber der Commander und ich hatten noch etwas sehr wichtiges zu besprechen."
Tom hustete gekonnt und überdeckte somit seinen aufsteigenden Lachanfall. Er wußte natürlich, was diese "wichtige Besprechung" gewesen war und fragte sich nur, ob es die Crew von alleine merkte, oder ob der Captain und der Commander etwas sagen würden. Kathryn und Chakotay blickten Tom mit einem warnenden Blick an, so daß dieser sich schnellstens zu seiner Konsole wieder umdrehte und auf einige unwichtige Buttons drückte, damit es den Anschein hatte, er hätte etwas zu tun.
Kathryn und Chakotay sahen sich an. Offenbar würde ihre Beziehung nicht mehr lange ein Geheimnis bleiben.
"Krankenstation an Captain Janeway."
*Naomi.* fuhr es Kathryn sofort durch den Sinn. "Ja Doctor?"
"Könnten Sie wohl auf die Krankenstation kommen? Es geht um Naomi."
"Ich bin unterwegs." Besorgt machte sich Kathryn auf den Weg. "Sie haben die Brücke, Commander." und dann verschwand sie auch schon im Turbolift. "Deck 5." wies sie den Computer an, der der Aufforderung auch sofort nachkam.
Samantha Wildman saß bereits im Büro des EMH und wartete. Als der Captain eintraf stand sie auf.
"Ah, Captain, da sind Sie ja!" wurde sie vom EMH begrüßt.
"Wie geht es Naomi?" fragte sie sofort.
"Besser, viel besser. Captain, Samantha wollte, daß Sie dabei sind, wenn wir über die weitere Behandlung Naomis sprechen."
"Natürlich, gerne." sagte Kathryn und folgte dem Beispiel Ensign Wildmans und des EMH und nahm ebenfalls Platz.
"Also, es ist tatsächlich so, daß Naomi unglücklich verliebt ist, daher auch die Eßstörungen. Ich habe mich inzwischen mit Mr. Paris beraten und wir sind beide der Ansicht, daß Mr. Paris versuchen wird, mit Naomi über die ganze Angelegenheit zu sprechen. Sam, bitte seien Sie nicht zu sehr gekränkt, doch manchmal kann man mit einem Freund besser über solche Dinge sprechen, als mit seinen Eltern." Das EMH blickte Sam etwas schuldbewußt an doch Sam sagte: "Ist schon gut, Doctor, als ich das erste mal verliebt war, habe ich es auch nicht meiner Mutter erzählen wollen." und über Sams Gesicht huschte ein Lächeln, als sie an frühere Zeiten dachte. "Außerdem weiß ich, daß Naomi Tom sehr gerne hat und ihn als einer ihren besten Freunde ansieht."
"Gut, dann werde ich Mr. Paris Bescheid geben. Naomi kann dann morgen die Krankenstation verlassen." fuhr der Doctor fort.
"Das ist schön zu hören. Ich werde Mr. Paris vom Dienst befreien damit er für Naomi viel Zeit hat. Wenn das alles ist, dann kehre ich jetzt auf die Brücke zurück." sagte Kathryn und stand auf. Sam und der Doctor erhoben sich ebenfalls von ihren Sesseln, Sam lächelte den Captain dankbar an und das EMH sagte: "Natürlich Captain. Mr. Paris kann jederzeit kommen."
"Gut, ich werde es ihm gleich mitteilen." antwortete Kathryn und wollte gerade gehen, als ihr noch etwas einfiel: "Sagen Sie Doctor, in wen ist Naomi eigentlich verliebt?" fragte Kathryn.
"In einen äußerst netten jungen Mann und ich kann nur sagen, sie hat guten Geschmack." erwiderte das Hologramm grinsend. Als Kathryn ihn stirnrunzelnd ansah meinte er: "Es ist Icheb."
Kathryn zog eine Augenbraue hoch. *Icheb also.* dachte sie und war glücklich, daß es nicht Chakotay oder Tom war. "Und wie geht es Icheb?" fragte sie weiter.
"Er macht sich natürlich große Vorwürfe und denkt, er sei an Naomis Zustand Schuld." antwortete das EMH.
"Die beiden würden nicht mal ein schlechtes Paar abgeben." murmelte Kathryn vor sich hin. "Hoffentlich bleiben die beiden trotzdem noch gute Freunde."
"Bestimmt Captain, Naomi wird darüber hinweg kommen, ebenso Icheb. Und außerdem: Noch ist nicht aller Tage Abend."
Kathryn lächelte. "Sie haben recht, Doctor. Dann werde ich mal wieder auf die Brücke gehen." Damit verabschiedete sie sich und ging hinaus.
Der Doctor versank in tiefes Grübeln. *Ja, noch ist nicht aller Tage Abend. Aber es wäre langsam an der Zeit.* dachte er und überlegte, ob er Seven einfach zum Diner einladen sollte.

=/\=

Zurück auf der Brücke wurde Kathryn sofort nach Naomis Befinden gefragt. Alle machten sich große Sorgen um das jüngste Mitglied.
"Es geht ihr soweit gut." sagte Kathryn kurz und knapp. "Wir hoffen, daß sie in den nächsten Tagen wieder fit ist. Mr. Paris, kommen Sie bitte in meinen Raum." sagte Kathryn und ging auf ihren Bereitschaftsraum zu. Tom folgte ihr.
Als sich die Tür hinter ihm schloß bedeutete Kathryn ihm, sich zu setzen. Tom kam der Aufforderung nach und wartete, was sein Captain wohl mit ihm zu besprechen hätte. "Tom, der Doctor erzählte mir, was Sie und er für Naomi weiteres geplant haben." Tom nickte.
"Sie dürfen sich ab sofort jederzeit von der Brücke entfernen und zu Naomi gehen. Sollte das Schiff aber gerade in Gefahr sein, was ich natürlich nicht hoffe, brauche ich Sie natürlich an der Conn."
"Natürlich Captain. Danke, ich hoffe, Naomi vertraut sich mir an." sagte er und machte Anstalten, aufzustehen. "Erlaubnis auf die Krankenstation zu gehen?" fragte er.
"Gewährt, aber einen Moment noch, Tom!" hielt ihn Kathryns Stimme zurück.
Fragend blickte er sie an.
"Hören Sie, ich weiß, daß sie mitbekommen haben, daß Chakotay und ich... nun ja... sagen wir, in nächster Zeit öfters mal verspäten werden. Ich wäre Ihnen dankbar, wenn das Geheimnis noch etwas unter uns bleiben könnte, wir möchten es der Crew selber sagen, in Ordnung?"
Tom sah seinen Captain entgeistert an. Dieses Geständnis hatte er nun nicht erwartet. Ein typisches "Tom Paris" Grinsen legte sich auf seine Lippen und er sagte nur: "Yes Ma'am." und ging auf die Tür zu. Doch kurz bevor sie sich öffnete, drehte er sich noch einmal um und sagte: "Das wurde aber auch langsam Zeit. Ich freue mich sehr für sie beide." und bevor Kathryn noch etwas antworten konnte, war er schon draußen.
Kathryn lachte leise. Wenn jetzt noch die restliche Crew so reagieren würde, gäbe es keine Probleme. Irgend etwas in Kathryn sagte ihr, daß sie sich darüber wohl keine Sorgen machen müsse.
"Janeway an Chakotay, bitte kommen Sie in meinen Raum."
Einige Sekunden später glitt die Tür auf und ihr erster Offizier kam herein. Sie erzählte ihm von dem Gespräch mit dem Doctor und auch von dem Gespräch mit Tom. "Ich habe Tom gebeten, unsere Beziehung noch nicht bekannt zu geben, aber wir sollten es trotzdem schnell der Crew sagen, die Gerüchteküche wird sonst überbrodeln." "Das denke ich auch." erwiderte Chakotay. "Was wollen wir machen? Ein Auftritt in Neelix' Show oder eine Party?"
"Ich glaube, wir sollten einfach kein Geheimnis aus uns machen."
"Du bist also wirklich bereit, Dich mit mir in der Öffentlichkeit zu präsentieren? Und nicht nur als Captain und erster Offizier?"
"Ich glaube, genau das wollte ich damit ausdrücken. So, und jetzt muß ich noch einige Berichte durchsehen."
"Du willst jetzt aber nicht, daß ich Dich so wieder verlasse, oder?" fragte Chakotay. "Hm, da fällt mir ein, ich muß Dir noch etwas wichtiges zeigen." und Kathryns Lippen näherten sich Chakotays.

=/\=

Tom war auf dem Weg zur Krankenstation. Vorher hatte er einen kleinen Umweg zum Holodeck gemacht und ein Programm vorbereitet.
Naomi saß auf dem Bett, als Tom die Krankenstation betrat. *Sie sieht immer noch furchtbar blaß aus.* stellte Tom fest doch er schob seine Sorgen beiseite und ging lächelnd auf Naomi zu.
"Hallo Naomi! Hättest Du Lust mit mir aufs Holodeck zu kommen? Etwas frische Bergluft würde Dir guttun."
"Ich weiß nicht, eigentlich habe ich keine große Lust, Tom." sagte Naomi matt und schlang ihre Arme um ihre angewinkelten Beine. Der Doctor, der in seinem Büro alles gehört hatte, kam Tom nun zu Hilfe. "Das ist eine gute Idee Naomi, Du kannst mir gleich einen Liter frische Milch mitbringen, falls ihr einer Kuh begegnet." Er fand seinen kleinen Witz zwar selber nicht witzig, aber bei Naomi bewirkte er ein kleines Lächeln. Das spornte den Doctor an und er fügte hinzu: "Wenn Du etwas frische Bergluft inhalierst, verspreche ich Dir, daß Du nachher auch kein Hypospray mehr bekommst. Die Bergluft wirkt auch sehr beruhigend..."
Das war scheinbar ein Argument, das Naomi nicht widerlegen wollte. "Okay, gehen wir." sagte sie und rutschte langsam vom Bett. Zuerst war sie etwas wackelig auf den Beinen, da sie so lange gelegen hatte, doch ihr Kreislauf kam schnell wieder in Schwung und sie folgte Tom.
Als die beiden aus der Türe waren, seufzte der Doctor. *Hoffentlich vertraut sie sich Tom an.* hoffte er und fing an, seine Instrumente zu sortieren.
Tom und Naomi waren unterdessen auf dem Holodeck angekommen und saßen auf einer blühenden Bergwiese mit einem herrlichen Blick ins Tal. Die Sonne schien warm vom blauen Himmel herab und ein leichter Windhauch sorgte für eine immer wiederkehrende Wellenbewegung in der Wiese.
"Es ist wirklich schön hier, Tom." sagte Naomi auf einmal und strich mit der Hand sanft über einige Blumen.
"Das freut mich, ich komme gerne hierher, wenn ich über etwas nachdenken will oder um einfach mal abzuschalten. Du bist die erste, die diesen Platz hier sieht, nicht einmal B'Elanna weiß davon.
Naomi lächelte. "Vielen Dank, ich werde es auch keinem weiter sagen."
Tom schloß die Augen und atmete tief ein. Er fühlte, daß jedes Wort jetzt fehl am Platze war und beschloß, einfach schweigend abzuwarten.
"Tom?" sagte Naomi nach einigen Minuten.
Tom öffnete die Augen und sah Naomi an. "Ja?"
"Weißt Du, es ist genau wie Du es mir gesagt hast, ich liebe ihn wirklich sehr." Naomi wandte ihr Gesicht von Tom ab, pflückte ein größere Blume, mit der sie unbewußt zu spielen anfing und blickte auf das gegenüberliegende Bergmassiv. Sie war nun bereit, zu reden, ihren Kummer jemandem anzuvertrauen und sie war froh, daß Tom Zeit für sie hatte. Er würde ihr einfach nur zuhören und ihr Trost spenden, wenn sie es brauchte. Ihre Stimme zitterte etwas, als sie anfing zu erzählen.
"Ich habe schon seit etwas längerer Zeit gemerkt, daß ich sehr gerne mit Icheb zusammen bin und ständig an ihn denken muß. An diesem einen Abend war ich ja auch dann bei Dir und da wußte ich, daß ich ihn liebe. Jedes Mal, wenn ich ihn sehe, werden meine Knie weich und in meinem Magen flattern 1000 Schmetterlinge herum, es stimmte! Und dann..." Naomi schluckte nun und brauchte einen Moment, um weiter zu reden. "Und dann wollte ich ihm sagen, was ich für ihn empfinde, doch er... er meinte, ich bin für ihn nur...eine kleine Schwester."
*Oh man, typisch Mann!* dachte Tom und legte seinen Arm tröstend um Naomis Schultern und zog sie sanft zu sich heran.
Naomi schmiegt sich an Tom und erzählte weiter: "Ich wollte in dem Moment am liebsten sterben. Das Leben hatte einfach keinen Sinn mehr. Und als ob das nicht genug gewesen wäre, der Captain ist mit dem Commander zusammen, Du mit B'Elanna und ich... ich habe niemanden."
"Ich weiß, wie man sich in einer solchen Situation fühlt, Naomi, aber glaube, mir, das müssen wir alle einmal durchmachen. Weißt Du noch, was ich Dir auf der Krankenstation erzählt habe? Damals wollte ich auch am liebsten sterben, aber wie Du siehst, das Leben geht weiter. Es ist schwer, aber Du wirst später auch jemanden finden der Dich liebt, da bin ich mir sicher." Tom schwieg einen Augenblick und rang mit sich selbst. Sollte er ihr es jetzt erzählen oder nicht? Diese Geschichte machte ihm auch nach Jahren noch zu schaffen, aber für Naomi war es jetzt vielleicht genau das Richtige. Er holte noch einmal tief Luft und begann dann zu erzählen: "Vor vielen Jahren war ich sehr in Odile verliebt. Wir hatten uns in Marseille kennengelernt und ich verbrachte viele Wochen dort um in ihrer Nähe sein zu können. Eines Tages fragte ich sie, ob sie nicht Lust hätte auf bei einem Trainingsflug mitzumachen. Da sie eine gute Pilotin war, war sie von der Idee begeistert und am nächsten Morgen brachen wir mit zwei Freunden von mir auf. Ich hatte die Gruppe angeführt und alles lief super, bis zu dem Moment, an dem ich mich um eine Zehntelsekunde verkalkuliert habe." Tom schwieg, es fiel ihm schwer weiterzureden. Plötzlich fühlte er Naomis Hand auf seinem Arm. "Was ist passiert?" fragte sie leise.
Langsam sprach Tom weiter: "Als Anführer hatte ich noch rechtzeitig die Gelegenheit um das Shuttle herumzureißen, den anderen hatte ich die Sicht verdeckt und..." er schluckte "...und sie kollidierten. Ich habe sie alle umgebracht."
Naomi sagte nicht. Sie konnte nichts sagen und hätte auch nicht gewußt, was sie sagen sollte. Stumm musterte sie Tom und konnte sein Leid in seinen Augen sehen.
"Ich konnte Odile nicht einmal mehr sagen, wie sehr ich sie geliebt habe." fügte er noch hinzu.
Eine ganze Weile blieb er sitzen und sein Blick war starr auf einen Punkt weit in der Ferne gerichtet.
"Es tut mir schrecklich leid, Tom." sagte Naomi schließlich.
"Danke. Ich brauchte viele Jahre um mit Schuld leben zu können aber manchmal, wenn ich mit B'Elanna zusammen bin und sie in meinem Armen habe sage ich mir immer wieder: Die anderen hatten nie die Chance, sich einen Partner zu suchen, zu heiraten und glücklich zu leben. Warum ich?"
Plötzlich stand Tom auf und sah auf Naomi herab. "Denk mal darüber nach, Naomi." sagte er und verließ dann das Holodeck.
Naomi blieb allein zurück. Stumm saß sie im Gras, betrachtete die herrliche Umgebung und kam sich auf einmal lächerlich vor. *Mein Gott, was ist bloß los mit mir? Ich sollte froh sein, daß ich überhaupt lebe und mich verlieben kann! Ich sitze hier auf einer wunderschönen Wiese, lebe auf einem tollen Raumschiff, habe meine Mutter und meine Freunde um mich herum und versinke fast vor Selbstmitleid, weil mich Icheb nicht liebt?*
Nach dieser Geschichte kam sich Naomi richtig schuldig vor. *Ich habe mich zu sehr gehen lassen. Ich muß halt akzeptieren, daß Icheb mich nicht liebt und damit umgehen lernen.*
Naomi blieb noch eine ganze Weile auf dem Holodeck und dachte gründlich nach. Viel später kam sie zurück auf die Krankenstation, wo der Doctor schon ungeduldig wartete.
"Naomi, endlich! Ich habe mir schon langsam Sorgen gemacht! Ist alles in Ordnung mit Dir?" fragte er.
"Oh ja, mit mir ist alles in Ordnung, vielen Dank. Es tut mir leid, daß ich Euch allen so großen Kummer bereitet habe, das habe ich nicht gewollt." sagte Naomi.
Der Doctor war überrascht. "Schon gut Naomi, ich kann Dich schon verstehen."
*Anscheinend war der Ausflug mit Tom genau das Richtige.* dachte das EMH glücklich.
"Wenn Du willst, kannst Du schon heute in Dein Quartier zurückkehren, wenn Du mir versprichst, daß Du wenigstens einmal am Tag etwas anständiges in den Magen bekommst."
"Versprochen." sagte Naomi und ging zur Tür. Kurz bevor sie den Ausgang erreichte drehte sie sich noch einmal um: "Vielen Dank, Doctor."
"Nichts zu danken." verabschiedete dieser das Mädchen und blickte ihr lächelnd nach. Bevor jedoch Naomi in ihr Quartier ging, machte sie einen Abstecher zum Frachtraum. Sie mußte mit Icheb reden. Sie konnte ihre Gefühle für ihn natürlich nicht einfach abstellen, aber sie war fest entschlossen, Ichebs Gefühle so zu akzeptieren, wie sie nun mal waren. Mit klopfendem Herzen betrat sie den Frachtraum. Icheb arbeitete gerade an einer Konsole und stand mit dem Rücken zu Naomi. Als er hörte, wie sich die Türen öffneten, drehte er sich nicht um denn er war sicher, es war Seven, die ihre Schicht in der Astrometrie beendet hatte.
"Hallo Icheb." hörte er auf einmal eine Stimme.
Auf diese Stimme war er nicht vorbereitet. Er hörte sofort auf zu tippen und drehte sich um. Dort stand Naomi und sah ihn an. "Naomi!" rief er. "Geht es Dir wieder gut?" "Ja, danke, mit mir ist alles okay. Störe ich Dich gerade oder hast Du kurz Zeit?" fragte sie.
"Nein, Du störst nicht." zögernd blickte er Naomi an, er wußte nicht so recht, was er von dieser Situation halten sollte.
Naomi spürte Ichebs Unsicherheit und beschloß daher, schnell zum Thema zu kommen. "Icheb, bitte entschuldige mein kindisches Verhalten, es ist nur... ich mag Dich wirklich unheimlich gerne und ... und... ach ich weiß auch nicht, was mit mir los war, bitte verzeih mir. Sind wir trotzdem noch Freunde?"
Icheb müßte angesichts der letzten Frage lächeln. "Natürlich sind wir noch Freunde. Naomi, es tut mir schrecklich leid, daß ich Dir so viel Kummer bereitet habe, das wollte ich nicht. Ich dachte bloß, ich sage Dir lieber früher, was ich für Dich empfinde, als daß Du Dir falsche Hoffnungen machst."
"Schon gut, es war mir nur wichtig, daß Du weißt, daß es mit leid tut."
Icheb nickte knapp und lächelte dabei.
"Ja äh, ich geh dann wohl mal besser. Bis demnächst!" rief sie und ging zur Tür.
"Naomi!" rief Icheb hinter ihr her und Naomi blieb stehen und drehte sich um. "Ja?"
"Wenn Du willst, komm doch wieder in die Astrometrie, mit Dir ist es dort lustiger zu arbeiten." sagte Icheb zögerlich und hoffte, er tat das Richtige.
Auf Naomis Lippen formte sich ein Lächeln. "Wenn der Captain und Seven mich dort noch hinein lassen, gerne. Bis dann also!" erleichtert verließ Naomi den Frachtraum und erreichte wenig später das Quartier ihrer Mutter. Der Doctor hatte Samantha schon angekündigt, daß Naomi auf dem Weg war und Sam saß bereits ungeduldig am Tisch und wartete. Als ihre Tochter endlich kam, lief sie ihr entgegen und nahm sie fest in ihre Arme. "Naomi, willkommen zu Hause!"
"Danke Mom." sagte Naomi und umarmte ihre Mutter.
"Mom!" sagte Naomi schließlich. "Mom, es tut mir leid, daß ich Dich auf der Krankenstation so angeschrieen habe, kannst Du mir verzeihen?" fragte Naomi. Sam nahm ihre Tochter als Antwort gleich noch mal in den Arm. "Aber natürlich Honey, ich verzeihe Dir doch alles!"
An diesem Abend saßen Sam und Naomi noch lange beisammen und Samantha erzählte ihrer Tochter von ihrer ersten großen Liebe.

=/\=

"Ich freue mich, daß mit Naomi soweit wieder alles in Ordnung ist." sagte Chakotay und brachte Kathryn die zweite Kugel Kaffeesahneeis.
Glücklich nahm sie ihm den Eisbecher aus den Händen und meinte: "Ja, sie hat ihre erste Enttäuschung wirklich gut verkraftet. Sie arbeitet sogar wieder in der Astrometrie. Seven ist sehr zufrieden mit ihr."
"Und wie sieht's mit Dir aus?" fragte Chakotay.
"Ich natürlich auch, ich kann Naomi schon bald als Ensign auf der Voyager arbeiten lassen, wenn sie so weiter macht." sagte Kathryn und leckte genüßlich das Eis vom Löffel.
Chakotay lachte. "Ich glaube, sie wäre dann der jüngste Ensign in der Geschichte der Sternenflotte."
"Da hast Du wohl Recht. Also gut, ein paar Jahre muß sie noch warten."
Einen Moment saßen sie schweigend auf Chakotays Couch nebeneinander bis Chakotay dann sagte: "Wie wäre es mit Abendessen?"
"Gerne, ich sterbe fast vor Hunger wie Du siehst, soviel Eis esse ich normalerweise nicht." antwortete Kathryn.
"Dann laß uns ins Casino gehen." schlug Chakotay vor.
"Ah, Du willst zur Tat schreiten und unser Geheimnis lüften." neckte ihn Kathryn. "Ich glaube, es wäre langsam an der Zeit." sagte Chakotay und stand auf. "Kommst Du mit?"
"Natürlich!" rief Kathryn und stand auf. "Nachher fällt es Dir noch ein, mit einem anderen weiblichen Besatzungsmitglied zu Abend zu essen!"
"Na ja, ich hatte ja mal gehofft mit Samantha essen gehen zu dürfen und den Delaney Schwestern und Ensign... aua!" rief er und rieb sich die schmerzende Stelle am Oberarm, wo Kathryn ihm gerade reingeboxt hatte.
"Chakotay!" rief Kathryn und schmollte gekonnt.
Chakotay küßte sie zärtlich und sagte dann: "Aber lieben werde ich immer nur eine Frau." Er legte seinen Arm um ihre Schultern und beide gingen zum Casino. Die Crewmitglieder, die ihnen unterwegs begegneten, rissen erstaunt die Augen auf, als sie den Captain der Voyager in den Arm des Commanders gekuschelt sahen, sagten jedoch nichts weiter. Auf halbem Weg meinte Kathryn: "Ich glaube, das reicht schon, Chakotay, laß uns wieder umkehren, bis morgen weiß es eh das ganze Schiff."
"Da könntest Du Recht haben, aber ich wollte eigentlich etwas essen!"
"Dann komm mit in mein Quartier, ich repliziere uns etwas leckeres und der Nachtisch wird ein Überraschung." sagte Kathryn schmunzelnd.
"Überredet." sagte Chakotay sofort und dachte begierig an den Nachtisch...

Kapitel 8

Kathryn und Chakotay hatten den gesamten Nachmittag und frühen Abend damit zugebracht, die Landurlaubspläne für die Crew zu erstellen.
"Uff." stöhnte Kathryn und ließ sich an die Sessellehne fallen. "Haben wir wirklich so viele Leute an Bord?"
"Ich fürchte ja." antwortete Chakotay, der langsam auch die Nase voll hatte und zufrieden war, daß sie nun endlich fertig waren. Er musterte Kathryn. Sie hatte Ringe unter den Augen und sah ungewöhnlich blaß aus.
"Willst Du noch einen Kaffee?" fragte er und stand schon auf da er keine Ablehnung erwartete. Um so größer war sein Erstaunen als Kathryn meinte: "Nein, jetzt möchte ich bitte einen Tee haben."
Chakotay drehte sich um und sein Gesichtsausdruck sprach Bände. "Wie bitte? Captain Kathryn Janeway, die noch nie einen Kaffee abgelehnt hat, trinkt freiwillig einen Tee? Ich fasse es nicht." Kopfschüttelnd ging er zum Replikator und orderte zwei Tassen Tee.
"Geht es Dir nicht gut? Und wolltest Du mir noch sowieso etwas sagen?" hakte Chakotay nach.
"Danke." sagte Kathryn vorerst und nahm die dampfende Tasse entgegen. Langsam trank sie einen Schluck. *Himmel, wie fang ich bloß an?* überlegte sie fieberhaft. Chakotay sah sie geduldig mit seinen wundervollen, braunen Augen an und wartete.
"Chakotay," fing sie an, "heute vormittag im Konferenzraum hattest Du Recht, es ging mir nicht besonders gut, irgend etwas stimmte mit meinem Magen nicht." Chakotays Gesichtsausdruck wechselte schlagartig von einem entspannten Lächeln zu einem besorgten Ausdruck, doch er übte sich weiter in Geduld.
"Deshalb war ich heute Morgen beim Doctor. Ich dachte, ich hätte nur etwas falsches gegessen und es wäre eine Magenverstimmung aber der Doctor stellte etwas anderes fest. Ich... ähm..." Kathryn stockte.
"Was ist los Kathryn?" drängte nun Chakotay. *Mein Gott, es wird doch nichts schlimmes sein?*
"Nun... ich bin schwanger." bisher hatte sie ihren Blick etwas gesenkt, doch bei diesen Worten sah sie ihn an. Fast mußte sie lachen, als sie Chakotays Reaktion sah. Seine Kinnlade klappte nach unten und die Tasse fiel ihm fast aus der Hand. Für einen Moment verschlug es ihm die Sprache. *Und jetzt? Entweder er freut sich, oder er freut sich nicht.* überlegte Kathryn. Sie hatte bereits einige Zeit gehabt, um über ihren Zustand nachzudenken und sie hatte festgestellt, daß sie sich sehr auf das Kind freute. Ein großer Teil von ihr war sich eigentlich sicher, daß auch Chakotay sich freuen würde, doch der andere Teil hatte Zweifel und deshalb wartete sie nun hoffnungsvoll und ängstlich zugleich auf eine Antwort von ihm.
Chakotay brauchte einige Momente, um den Inhalt und vor allem die Tragweite dieses kleinen Satzes zu begreifen. In seinem Kopf herrschte ein wildes Durcheinander doch nicht in seinem Herzen. Dort spürte er nur Freude. Er entschloß sich, seinen Kopf zu ignorieren und sein Herz sprechen zu lassen. Er lächelte.
In diesem Augenblick verflog auch der letzte Zweifel in Kathryn und sie strahlte übers ganze Gesicht. Chakotay sprang auf, zog sie vom Stuhl und wirbelte sie einmal in der Luft herum um sie sofort danach heftig zu umarmen und zu küssen.
"Wirklich?" fragte Chakotay, als er sich einigermaßen wieder unter Kontrolle hatte. "Wirklich." bestätigte sie.
"Oh Kathryn, das ist die schönste Nachricht meines Lebens! Wir werden Eltern!"
Plötzlich hielt er inne. "Denkst Du genauso darüber wie ich oder...?" fragte er stockend. Kathryn lächelte sanft. "Ich freue mich wirklich sehr auf unsere Tochter... oder unseren Sohn." sagte sie und küßte Chakotay noch einmal.
"Natürlich wird es eine Tochter." legte Chakotay fest.
"Woher weißt Du das?" fragte Kathryn.
"Das sagt mir mein Gefühl, es wird ein wunderschönes Mädchen, das später einmal genauso aussehen wird wie Du."
"Nun ja, wir werden sehen. Wollen wir uns überraschen lassen oder soll ich den Doctor fragen, was es wird?"
Chakotay dachte einen Augenblick nach. "Lassen wir uns überraschen, okay?"
Kathryn grinste. "Na gut, ich werde meine Neugierde im Zaum halten."
Sie wollten sich gerade küssen, als Tuvoks Stimme über Intercom erklang: "Captain bitte auf die Brücke. Wir empfangen einen Notruf."
"Wir kommen." antwortete sie, warf Chakotay einen kurzen, entschuldigenden Blick zu und beide traten kurz darauf auf die Brücke.
"Auf die Lautsprecher." sagte sie, als sich gerade die Türen vom Bereitschaftsraum geöffnet hatten.
Tuvok tippte auf einige Buttons und kurz darauf war eine verzerrte Stimme zu hören: "...an alle Schiffe, wir werden angegriffen, bitte helfen sie uns! Notruf an alle Schiffe, wir werden angegriffen.."
Kathryn zeigte Tuvok die "kill" Geste, indem sie ihren Finger kurz am Hals vorbeifahren ließ. Tuvok unterbrach sofort den Kontakt.
"Kurs auf den Frachter setzen, Mr. Kim, wie lange bis zum Rendezvous?"
"Bei Warp 9 einen Tag." sagte er.
"Steuermann, gehen sie auf Warp 9, Energie. Mr. Kim, rufen sie das Schiff. Tuvok, sobald sie etwas mit den Sensoren orten möchte ich Bescheid wissen."
"Kanal offen."
"Hier spricht Captain Kathryn Janeway vom Föderationsraumschiff Voyager, wir haben ihren Notruf empfangen und befinden uns auf dem Weg. Von wem werden sie angegriffen?"
Aus den Lautsprechern knisterte es nur. Doch dann kam plötzlich wieder die Stimme von vorhin: "Danke Captain, bitte beeilen sie sich, die Raumpiraten haben es auf unsere Fracht abgesehen, wir wissen nicht, wie lange wir noch durchhalten können! Unsere Außenhülle ist schon an mehreren Stellen gebrochen und wir haben nur..." Abrupt war die Stimme weg und nur das Rauschen und Knistern war noch zu hören.
"Die Verbindung ist abgebrochen." stellte Harry fest.
"Harry, informieren sie unser Außenteam über die Situation. Steuermann, setzen Sie einen Kurs zu den Koordinaten. Energie."
Die Voyager verschwand im Warpkanal.
"Mr. Tuvok, sobald wir in Sensorenreichweite sind, möchte ich, daß Sie mir Bescheid geben."
"Aye Captain." antwortete Tuvok und arbeitete weiter.

Die Stunden vergingen unendlich langsam. Kathryn kam es vor, als ob sie nun schon eine Woche unterwegs wären. *Wir werden zu spät kommen.* dachte sie immer wieder, um so größer war ihre Überraschung, als Tuvok meldete: "Captain, wir kommen jetzt in Sensorreichweite. Ich orte zwei Schiffe, auf beiden werden noch Lebensformen angezeigt."
"Roter Alarm, Schilde hoch. Tuvok, zielen sie mit den Phasern vor den Bug des Angreifers, vielleicht reicht das schon. Mr. Kim, kann uns der Angreifer gefährlich werden?"
Harry tippte auf seiner Konsole herum und sagte dann: "Ich glaube nicht, ihre Waffen können uns nur minimalen Schaden zufügen, aber sie sind wendiger und kleiner als die Voyager, das erschwert eine Zielerfassung."
"Öffnen Sie einen Kanal."
"Kanal ist offen."
"Hier spricht Captain Kathryn Janeway, hören Sie auf zu feuern!"
Für einen Moment passierte gar nichts. Dann sagte Harry: "Wir werden gerufen."
"Auf den Schirm." Auf dem Wandschirm erschien ein Humanoide, der einige Verletzungen erlitten hatte.
"Captain, bitte helfen Sie uns, das Schiff kann jeden Moment explodieren!" Janeway erkannte die Stimme sofort wieder.
"Mr. Tuvok!" rief Janeway und Tuvok feuerte die Phaser ab. Das kleine Schiff der Raumpiraten wandte sich nun seinem Angreifer zu und feuerte. Die Voyager bebte, aber alle blieben auf den Beinen.
"Schilde bei 67%." rief Harry.
Das kleine Schiff feuerte noch mal, dieses mal jedoch einen Torpedo. Diesmal fanden sich einige Besatzungsmitglieder auf dem Boden wieder.
"Schilde bei 45%!" rief Harry.
"Feuer erwidern, Tuvok." rief Chakotay. Tuvok feuerte die Phaser ab. Das kleine Schiff konnte einem Strahl noch ausweiche, der andere aber traf.
"Das Schiff ist kampfunfähig." sagte Harry erleichtert. Kathryn stand auf. "Mr. Kim, öffnen Sie einen Kanal."
Man hörte ein kleines Geräusch und Kathryn sagte: "Hier spricht Captain Janeway, ergeben Sie sich und bereiten Sie sich darauf vor, an Bord gebeamt zu werden."
Doch eine verbale Antwort blieb aus. Statt dessen wendetet das Schiff und verschwand in einen Warpkanal.
"Ich nehme das als ein nein." murmelte Kathryn verärgert vor sich hin und setzte sich wieder. "Schadensbericht."
"Hüllenbruch auf Deck 12, ein Reparaturteam ist schon unterwegs. Eine Plasmaleitung im Maschinenraum ist explodiert. Keine Verletzten." beendete Kim den Bericht.
"Wir werden gerufen."
"Auf den Schirm."
"Captain Janeway, wir möchten Ihnen herzlich danken, daß Sie uns gerettet haben. Ich bin Nemo Faljo, erster Offizier dieses..." er schaute sich kurz um und sagte dann "...Schrotthaufens."
Harry mußte sich ein Grinsen verkneifen. Faljo fuhr fort: "Unser Captain ist tot, ebenso 3 andere meiner Crew. Captain, Sie waren so freundlich und kamen uns zu Hilfe, würden Sie uns ein weiteres Mal helfen? Unser Schiff ist ein Schrotthaufen und meine Ingenieure bräuchten vermutlich Wochen um die notwendigsten Reparaturen durchzuführen..."
"Natürlich helfen wir Ihnen bei den Reparaturen. Ich werde ein Ingenieurstrupp hinüberbeamen." antwortete Kathryn.
"Vielen Dank Captain, Sie sind wirklich großzügig." sagte Faljo dankbar und dann beendete er die Verbindung.
"Janeway an Lt. Carey, stellen Sie einen Außenteam zusammen und lassen Sie sich dann auf das andere Schiff beamen. Je mehr, desto besser."
"Verstanden." antwortete Carey und nach ein paar Minuten war das erste Team schon dabei, Nemo Faljo und seiner Crew zu helfen.

=/\=

Nach einer Stunde trafen sich die Brückencrew, Nemo Faljo und Lt. Carey im Konferenzraum. Faljo bedankte sich noch einmal bei Janeway und als alle Platz genommen hatten, gab Carey eine Einschätzung des Schadens: "Die Reparatur des Antriebs wird noch mindestens 2-3 Tage dauern, die Außenhülle ist an unzähligen Stellen gebrochen und die Waffen und Schilde sind momentan nicht existent. Wir brauchen noch mindestens eine knappe Woche um die Schäden soweit zu reparieren, daß die lebensnotwendigen Systeme arbeiten und die Crew es alleine schaffen kann." "Dann werden wir uns die Zeit nehmen." antwortete Janeway.
"Vielen Dank, Captain. Ich muß Sie aber dennoch warnen, denn ich fürchte, die Raumpiraten werden mit Verstärkung zurückkommen. So einfach haben die noch nie aufgegeben. Ich habe aber auch schon mit unserer Basis Kontakt aufgenommen, in 4 Tagen werden wir auch Unterstützung bekommen."
"Was ist mit unseren Leuten, die sich noch auf Serena befinden? Wir können sie nicht einfach eine Woche auf dem Planeten lassen." warf Harry ein.
"Außerdem wäre es eine unglaubliche Hilfe, Lt. Torres auch helfen könnte. Sie könnte die Arbeitszeit bestimmt verkürzen mit ihren genialen Einfällen." sagte Carey.
Kathryn dachte einen Moment nach, schließlich sagte sie: "Gut. Mr. Kim, Sie nehmen den Delta Flyer und holen das Außenteam ab. Überbringen sie Marena meine besten Grüße und erklären Sie ihr so kurz wie möglich die Situation."
"Yes, Ma'am."
"Mr. Tuvok, Sie analysieren die taktischen Logbücher, falls unsere "Freunde" wiederkommen sollten, möchte ich, daß sie uns nicht noch einmal entwischen können!" Tuvok nickte kurz.
"Dann an die Arbeit." sagte Janeway zum Schluß und begleitete den Gast noch zum Transporterraum.
Als sie nach ein paar Minuten wieder auf die Brücke kam, sah sie gerade noch den Delta Flyer abfliegen. *Beeilen Sie sich, Harry.* dachte sie und widmete sich dann wieder den Berichten.

=/\=

Als Harry in Comreichweite kam, rief er Tom: "Tom, kannst Du mich hören?" Aus dem Lautsprecher drang erst ein knistern und dann Toms Stimme: " Harry! Schön, Deine Stimme zu hören."
"Macht Euch bereit, hochgebeamt zu werden, ich denke mal, in zwei Stunden bin ich in Transporterreichweite. Kim Ende."
Als nächstes nahm er Kontakt zu Marena auf und erklärte ihr die Situation. Marena bedauerte den kurzen Besuch, hatte aber vollstes Verständnis, bat Kim, Kathryn und alle anderen herzlich zu grüßen und wünschte Ihnen viel Glück.

Gute zwei Stunden später befanden sich Tom, B'Elanna, Ayala und Samantha an Bord des Delta Flyers und Tom nahm Kurs auf die Voyager. Unterwegs berichtete Harry, was genau passiert war. B'Elanna konnte es gar nicht schnell genug gehen, bis der Flyer endlich die Voyager erreichen würde.

Einige Lichtjahre entfernt passierte genau das, wovor Faljo gewarnt hatte: Die Raumpiraten kehrten mit Verstärkung zurück und die Voyager mußte sich nun gegen zwei große Schiffe und das Kleine behaupten.
"Zielen Sie auf die Waffen!" rief Janeway, die sich gerade wieder in ihren Sessel zog. Drei Schiffe hatten der Voyager erheblich mehr zusetzen können, als das keine alleine und die Brücke wurde nur noch mit der roten Notbeleuchtung erhellt. Aus einer geplatzten Leitung kam Dampf heraus und einige Streben hingen von der Decke. "Keine Wirkung." sagte Tuvok gelassen, der an seiner Station festgeklebt zu sein schien. "Steuermann, Ausweichmanöver Beta Vier!" rief Janeway, als ein Torpedo auf sie zuraste. Die Voyager machte einen regelrechten Satz zur Seite und der Torpedo verfehlte nur knapp sein Ziel.
"Tuvok, wo ist das Schutzschild am schwächsten?" fragte Chakotay und trat neben die Konsole des taktischen Offiziers. Tuvoks Finger flogen über die Buttons.
"Unter dem Schiff. Mit einem Phaserstrahl könnten wir die Schilde dort durchdringen."
Janeway stand auf und wandte sich ihren beiden Offizieren zu. "Wir könnten einen Torpedo direkt ins Schiff beamen und ihn detonieren lassen." überlegte sie.
"Janeway an Transporterraum, erfassen sie einen Torpedo und halten Sie sich bereit. Tuvok, Phaser klarmachen. Steuermann, bringen Sie uns unter das erste Schiff. Ensign Lang, geben sie dem Transporterraum die Zielkoordinaten durch."
Ensign Culhane steuerte die Voyager nun unter das feindliche Schiff. Phaserstrahlen leckten über die Schilde, die nun drohten auszufallen doch die Voyager hatte sich schon immer als zäh erwiesen. Als sie sich der Position näherten mußte alles sehr schnell gehen. Tuvok feuerte die Phaser ab, die Schilde hielten dem Beschuß an dieser Stelle tatsächlich nicht stand und kurz darauf wurde der Photonentorpedo rübergebeamt. Ensign Culhane flog das Schiff so schnell wie möglich aus der Gefahrenzone und dann explodierte hinter ihnen auch schon das große Schiff.
"Da waren's nur noch zwei." murmelte Chakotay.
"Tuvok, wo ist das andere Schiff?" fragte Kathryn.
Als Antwort wurde sie zu Boden geschleudert. Das andere Schiff war hinter ihnen und feuerte nun wie wild auf die Voyager. Da nütze es auch wenig, daß Faljo versuchte, Ihnen zu Hilfe zu kommen, denn außer den Phasern, die die Ingenieure nun zuerst repariert hatten, funktionierte nichts.
"Schilde bei 13%!" rief Lang. "Noch zwei direkte Treffer und die Schilde werden versagen!"
"Mr. Culhane!" rief Chakotay. Culhane zog sich sofort an der Conn wieder hoch, nachdem er aus seinem Stuhl geworfen worden war und flog hastig mehrere Ausweichmanöver. Doch dann kam das kleine Schiff der Raumpiraten auch noch von vorne.
"Bericht!" rief Kathryn.
"Schilde sind unten!" rief Lang. "Das kleine Schiff zielt auf die Brücke!"
*Das war's dann.* ging es Kathryn durch den Kopf. Das Verfolgerschiff war nur wenige Kilometer hinter der Voyager und bereitete gerade den Einsatz mehrerer Torpedos vor. Sie hatten die Voyager in die Zange genommen. Doch im letzten Moment passierte das unfaßbare: Von rechtes rasten drei gelbe Lichtpunkte auf das kleine Schiff zu und im nächsten Moment zerplatzte es. Culhane riß die Voyager hoch und flog knapp über das Trümmerfeld hinweg während das Verfolgerschiff nicht rechtzeitig reagieren konnte und direkt in den glühenden Ball raste. Und auch dieses Schiff wurde von drei Photonentorpedos getroffen doch es wurde nur beschädigt. Der Delta Flyer flog schon fast triumphierend über das Schiff hinweg.
"Delta Flyer an Voyager! Da kamen wir ja gerade noch rechtzeitig." tönte Toms Stimme aus den Brückenlautsprechern.
"Mr. Paris, ich glaube ich war nie so froh, sie zu sehen." sagte Kathryn lächelnd.
"Mrs. Lang, rufen Sie das letzte Schiff." sagte Janeway grimmig und wartete.
"Keine Antwort, Captain." meldete Lang. Statt dessen eröffnete das Schiff wieder das Feuer und der Delta Flyer wurde schwer getroffen.
Doch diesmal taten die Photonentorpedos der Voyager ihre Wirkung und das letzte Schiff zerbarst.
"Paris an Voyager!" ertönte auf einmal Toms aufgeregte Stimme. Beamen Sie Ensign Wildman sofort auf die Krankenstation!"

Als der Flyer getroffen wurde explodierte die Konsole, an der Samantha arbeitete. Sie wurde nach hinten an die Wand geschleudert und blieb regungslos liegen. Ayala holte sofort den Feuerlöscher um die brennende Konsole zu löschen, damit nicht noch mehr explodieren konnte und holte dann ein Med Kit aus einem Fach. Er holte den Scanner aus dem Tricorder und begann Samantha zu untersuchen. Die eine Gesichtshälfte war nur noch eine blutige Masse und unter ihrem Schädel bildetet sich eine kleine Blutlache. "Ayala!" tief Tom, der den Flyer zu stabilisieren versuchte. "Wie geht es ihr?" Ayala klappte den Tricorder zu, stand auf, drehte sich zu Tom und B'Elanna und sagte dann leise: "Sie ist tot."
Tom und B'Elanna trafen diese Worte wie ein Dolchstoß. Tom wollte nicht an die Worte glauben, die da gerade über Ayalas Lippen kamen und tippte energisch auf seinen Communicator.
"Paris an Voyager! Beamen sie Ensign Wildman sofort auf die Krankenstation!"
Kurz darauf löste sich Sams Körper in dem blauen Schimmern des Transporterstrahls auf und war dann verschwunden.

"MHN an Captain Janeway. Bitte kommen Sie umgehend auf die Krankenstation." Die Stimme des Doctors klang zwar normal aber Kathryn wurde sehr unruhig. Irgend etwas stimmte nicht. "Ich bin unterwegs, Doctor." sagte sie nur und in dem Moment wußte sie einfach, daß der Doctor keine guten Nachrichten zu überbringen hatte. Sie überließ Chakotay die Brücke und kam nur wenige Minuten später auf der Krankenstation an. "Wie geht es Samantha, Doctor?" fragte sie zögernd.
Der Doctor sah sie bestürzt an und sagte dann mit gesenktem Blick: "Es tut mir leid, ich konnte nichts mehr für sie tun."
Kathryn hatte nie gedacht, daß der Tod eines Besatzungsmitglieds ihr so zu schaffen machen könnte. Sie taumelte und mußte sich hinsetzen. Der Doctor sah, wie ihr eine Träne die Wange herunterlief. Doch Kathryn riß sich zusammen und fragte mit leiser Stimme: "Wie bringe ich das nur Naomi bei?" Sie stützte ihre Stirn auf ihre Hand und schüttelte den Kopf.
Der Doctor trat hinter sie und legte ihr eine Hand auf ihre Schulter. "Soll ich Sie begleiten?" fragte er und wußte schon jetzt, daß sie ablehnen würde.
Kathryn hob den Kopf wieder und starrte auf das Biobett, auf dem die zugedeckte Leiche ihres Ensings lag, der Mutter von Naomi. "Nein." flüsterte sie, "nein." Für einen Moment saß sie einfach nur da, doch dann erhob sie sich und atmete einmal tief durch bevor sie sich zum Doctor umdrehte und ihn ansah. "Wie ist es passiert?" fragte sie. Der Doctor antwortete nicht sofort. Er legte erst den Tricorder zur Seite und sagte dann: "Die Konsole, an der sie arbeitete, ist explodiert. Sie war sofort tot."
Kathryn drehte sich wortlos um und verließ dann die Krankenstation. Der Doctor beneidete sie nicht um ihre nächste Aufgabe.

Kaum hatte Kathryn die Krankenstation verlassen, stürmte Tom hinein. "Doctor!" rief er. "Sagen Sie mir, daß Ayala sich geirrt hat! Sagen Sie mir, daß sie Sam noch retten konnten!" Toms Augen funkelten und der Doctor las in ihnen, daß Tom eine negative Antwort nicht akzeptieren würde.
"Tom, ich konnte ihr nicht mehr helfen." versuchte das MHN es trotzdem. "Als die Konsole explodierte war sie sofort tot."
"Nein! Ich kann das nicht glauben!" rief er empört, ging mit drei Schritten an das Bio Bett, auf dem Sam lag und zog die Decke weg. Es kümmerte ihn nicht, wie Sam aussah, er nahm einen Tricorder und scannte sie. "Verdammt Sam, kommen Sie!" rief er und schüttelte sie. Der Doctor ging zu Tom hinüber und legte seine Hand auf seine Schulter. "Tom!" sagte er sanft. "Sie können nichts mehr für sie tun, sie ist tot!" Er betonte das letzte Wort extra, damit es Tom begreifen würde.
Tom hörte ihn nicht. Er wollte ihn nicht hören. Er wollte schon einen Corticalstimulator anwenden, als er plötzlich herumgerissen wurde und den wütenden Ausdruck des Doctors sah, der ihm dann eine Ohrfeige verpaßte.
"Mr. Paris! Reißen Sie sich zusammen!" schrie er und hielt Tom fest.
Die Ohrfeige hatte Tom endlich zur Vernunft gebracht und er resignierte. Der Doctor entspannte den Griff etwas und als Tom langsam von Sams Bett wegging, ließ er ihn los. Tom ging auf das Büro des Doktors zu und ließ sich in den gleichen Stuhl fallen, in dem Kathryn vor einigen Minuten gesessen hatte.
"Es ist meine Schuld." sagte er auf einmal leise. Der Doctor, der ihm nachgegangen war, hob überrascht eine Augenbraue. "Wie bitte?" fragte er nach.
Tom guckte ich bestürzt an. "Wäre ich den Torpedos schneller ausgewichen, wäre Sam noch am Leben."
Der Doctor seufzte. Er war sich sicher, daß Tom hätte nichts tun können. "Tom, Sie sind nicht Schuld an Samanthas Tod, niemand ist es. Die Konsole ist explodiert und unglücklicherweise saß nun gerade Samantha daran. Es hätte genausogut Ayala, B'Elanna oder Sie treffen können."
"Aber wenn ich schneller reagiert hätte, wären wir nicht getroffen worden..." "Tom! Sie können nicht wissen was passiert wäre. Vielleicht hätten Sie gar nicht ausweichen können, vielleicht hat auch ihr Manöver den anderen das Leben gerettet. Vielleicht wäre auch die Konsole nicht explodiert und vielleicht wäre statt dessen der ganze Flyer zerstört worden. Es ist nun mal so passiert und niemand wird Ihnen Vorwürfe machen, niemand beschuldigt Sie!" der Doctor machte eine kurze Pause und sagte dann eindringlich: "Sie sollten für eine Weile in ihr Quartier gehen. Ich gebe Ihnen ein leichtes Beruhigungsmittel mit, dann können Sie besser schlafen."
Das MHN ging in den hinteren Teil des Raumes und kam mit einem Hypospray wieder. "Hier." sagte er und hielt Tom das Spray vor die Nase. Wie in Trance nahm es Tom an sich und verließ langsam ohne ein weiteres Wort die Krankenstation. Der Doctor blickte ihm nach und wünschte sich in dem Moment nichts sehnlicher als einen Schiffscounselor, denn Tom würde nicht der Einzigste sein, der unter Ensign Wildmans Verlust so zu leiden hatte. *Das wird eine schwere Zeit für uns alle.* dachte er und bereitete eine Stasiseinheit für Samanthas Leiche vor.

Kathryn war schlichtweg ratlos, wie sie Naomi diese Schreckensnachricht überbringen konnte. Obwohl sie regelrecht durch die Gänge der Voyager schlich, stand sie viel zu schnell vor Samanthas Quartier. *Naomis Quartier.* schoß ihr durch den Kopf. Sie sammelte ein letztes mal ihre Gedanken und betätigte dann den Türmelder.
"Herein." kam Naomis arglose Stimme. Die Türen glitten auf und Kathryn kostete es einige Überwindung, in das Quartier zu treten. Hinter ihr schlossen sich die Türen. Naomi kam gerade aus dem Nachbarzimmer um zu sehen, wer sie jetzt besuchen würde. "Captain!" sagte sie verblüfft. Etwas an Janeway machte ihr Angst. Sie sah zu ernst aus und Naomi fühlte, daß dies kein Höflichkeitsbesuch war. "Bin... bin ich in Schwierigkeiten?" fragte sie stotternd.
Kathryn wußte nicht, wie sie auf diese Frage antworten sollte. *Nein, Du hast nichts angestellt und ja, Deine größten Schwierigkeiten fangen jetzt an.* dachte sie, laut sagte sie aber: "Nein Naomi, mit Dir hat es nichts zu tun. Es... es geht um Deine Mutter." Naomi wurde blaß. "Ist... ist etwas passiert? Ist sie verletzt?" Ihre blauen Augen waren voller Angst.
Kathryn ging zur Couch und setzte sich. Naomi setzte sich neben sie und sah sie an. "Naomi, ich... es tut mir leid aber, es gab einen Unfall. Deine Mutter ist..." Kathryn konnte das letzte Wort einfach nicht aussprechen, es wollte ihr nicht über die Lippen kommen.
"Tot?" beendete Naomi den Satz, doch in ihren Augen lag noch ein Hoffnungsfunke. Kathryn nickte langsam. Naomi starrte sie entsetzt an und in ihren Augen glänzten Tränen. Kathryn nahm sie in die Arme und Naomi begann zu weinen.
So verging bestimmt ein halbe Stunde, Kathryn hatte sie die ganze Zeit über gestreichelt doch Naomis Tränenvorrat war nun erschöpft. Sie wimmerte nur noch leise. Schließlich hob sie den Kopf und sah mit rotverquollenen Augen Kathryn an. Dieser brach es fast das Herz, Naomi in diesem Zustand zu sehen, es schien ihr fast wie ein böser Traum aus dem sie liebend gerne erwachen wollte.
"Wie ist sie gestorben?" brachte Naomi mit tränenerstickter Stimme hervor.
Kathryn sagte langsam: "Die Konsole, an der sie saß, ist explodiert. Sie war sofort tot." "Warum ist die Konsole explodiert?" wollte Naomi wissen.
"Der Flyer wurde von Photonentorpedos getroffen, ich vermute, da ist es passiert."
Naomi schwieg eine Weile, dann sagte sie: "Captain, ich möchte jetzt bitte alleine sein."
"Natürlich Naomi. Wenn Du jemanden brauchst - wir sind alle für Dich da." damit ließ sie Naomi allein und war sich nicht sicher, ob sie damit das Richtige tat.
Schweren Herzens verließ sie Naomi und tippte auf ihren Communicator: "Janeway an Chakotay."
"Kathryn! Ist alles in Ordnung?" fragte er, da er natürlich auch mitbekommen hatte, daß Kathryn in die Krankenstation beordert wurde und nun seit einer dreiviertel Stunde nichts mehr von sich hatte hören lassen.
"Nichts ist in Ordnung, Chakotay, gar nichts. Kommst Du bitte in unser Quartier?" sagte Kathryn müde.
"Natürlich, ich bin sofort da."

Als Kathryn eintrat, wartete Chakotay bereits nervös. "Kathryn, was ist passiert? Geht es um Samantha?"
Kathryn konnte nur nicken und in ihren Augen glänzte Feuchtigkeit.
"Nein." sagte Chakotay nur als er ihre Augen sah. "Nein, sie ist doch nicht...?" auch er wollte das letzt Wort nicht aussprechen. Kathryn nickte und er legte seine starken Arme um sie. Sie schmiegte sich an ihn und begann dann ihrem Kummer freien Lauf zu lassen.
Chakotay war zutiefst bestürzt über diese Nachricht und konnte nur fassungslos den Kopf schütteln. Als Kathryn sich nach einer Weile beruhigt hatte, setzten sie sich auch die Couch und sie erzählte ihm alles.
Die ganze Zeit über hatte er sie tröstend im Arm gehalten. "Und wie geht es Naomi jetzt?" fragte er.
"Ich weiß nicht, sie wollte allein sein. Ich hoffe nur, sie verschließt sich nicht. Chakotay, wir müssen uns um sie kümmern. Sie darf jetzt nicht zu oft alleine sein, es müßte wenigstens jemand in ihrer Nähe sein." sagte Kathryn beunruhigt.
"Du hast Recht, wir sollten das mit der Brückencrew besprechen. Wir müssen sowieso alle über den tragischen Verlust von Samantha informieren. Ich bin sicher, keiner wird Naomi hängen lassen." antwortete Chakotay.
"Dann machen wir's am besten gleich, alle haben ein Recht darauf, es zu erfahren." sagte Kathryn und stand auf. Chakotay folgte ihr. Bevor sie die Tür erreichte, blieb sie noch einmal stehen und wandte sich Chakotay zu: "Chakotay - bitte bleib bei mir." Und dann umarmte sie ihn noch einmal. Chakotay drückte sie fest an sich und war etwas verwirrt über diesen Satz, denn er wußte nicht genau, wie sie ihn gemeint hatte.
"Natürlich." sagte er nur und küßte sie. Dann verließen sie das Quartier.

=/\=

Nachdem Tom die Krankenstation verlassen hatte, irrte er durch die Gänge der Voyager. Er achtete nicht darauf, wohin er lief, seine Gedanken waren nur bei dem Angriff, bei dem Sam ums Leben gekommen war.
"Alle Senior - Offiziere melden sich umgehend im Konferenzraum." unterbrach Janeways Stimme seine Gedankengänge. Tom blieb stehen und schloß die Augen. Er wußte genau, was jetzt kommen würde und er hatte absolut keine Lust darauf. Doch was sollte er schon machen? Davonlaufen? Sich in seinem Quartier verbarrikadieren? Er mußte wohl oder übel zu dieser Besprechung hingehen. Also ging er zum nächsten Turbolift und knappe drei Minuten später betrat er den Konferenzraum, in dem schon alle anderen Offiziere versammelt waren. Tom musterte ihre Gesichter der Reihe nach. Seven schien, wie üblich, ihre Emotionen vollkommen ausgeschaltet zu haben, Neelix sah fragend in die Runde, er wußte also noch nichts, Tuvok hatte seinen typisch vulkanischen Gesichtsausdruck aus dem man nicht schlau werden konnte, Harry, der Doctor und B'Elanna saßen mit gesenkten Köpfen am Tisch, Chakotay sah bedrückt aus und Janeway.... Tom sah, daß ihre Augen ganz leicht gerötet waren, was aber sonst nicht auffiel wenn man nicht direkt hinsah. Sie schien geweint zu haben.
Für diese Beobachtungen hatte er nur einige Sekunden gebraucht, schweigend setzte er sich nun an den Tisch und wartete, daß Janeway anfing.
Als Tom saß guckte Kathryn noch einmal zu Chakotay, der ihr unter dem Tisch tröstend die Hand streichelte. Schließlich begann sie mit leiser Stimme: "Ich war gerade auf der Krankenstation. Ein Crewmitglied ist bei dem Angriff ums Leben gekommen." Die Offiziere, die noch nicht von der Nachricht gehört hatten, blickten Janeway erstaunt an. Normalerweise gab es eine Durchsage für alle, wenn es Verluste zu beklagen gab und kein extra Meeting des Senior stuff. Janeway ahnte ihre Gedanken, denn sie kam sofort zum Thema: "Es handelt sich um..." sie sah Neelix mitleidig an "...Samantha Wildman." Sie machte eine lange Pause. Neelix starrte sie entsetzt an und konnte nicht glauben, was er gehört hatte. In seinem Kopf hatte in dem Moment nur noch ein Gedanke Platz - Naomi. Tuvok hob eine Augenbraue und Janeway, die Tuvok am längsten kannte, sah eine Spur Trauer in seiner Mine. Sogar bei Seven spielte sich eine emotionale Reaktion ab. Ihre Lippen öffneten sich leicht und auch in ihren Augen konnte Kathryn Fassungslosigkeit lesen.
"Wir müssen uns nun überlegen, was mit Naomi passieren wird." fuhr sie fort und sah ein weiteres Mal zu Neelix. Dem Talaxianer standen Tränen in den Augen aber er riß sich zusammen und beschloß, seiner Trauer später nachzugeben. Jetzt galt es zu überlegen, was mit Naomi passierte.
"Captain, ich werde ich natürlich um sie kümmern." sagte Neelix sofort.
Kathryn lächelte zaghaft. "Das weiß ich, Mr. Neelix. Doch sie hat auch noch eine andere Familie, die sich um sie kümmern wird - die Crew. Ich bin sicher, jeder will Naomi helfen wollen und auch wenn Sie ihr Pate sind, gehören wir doch alle zu ihrer Familie." Neelix lächelte etwas getröstet.
"Haben Sie schon mit Naomi gesprochen?" fragte Tom auf einmal. Kathryn sah in nachdenklich an, sie fand, daß Tom sehr mitgenommen aussah - schon zu mitgenommen. Natürlich war sie sich im Klaren darüber, daß es ihn mit am härtesten treffen mußte, da Sam gestorben war, während er am Steuer des Flyers saß. Sie beschloß, später mit Tom unter Vier Augen zu reden. Auf seine Frage antwortete sie: "Ja, ich war schon bei ihr. Sie wollte etwas alleine sein, der Doctor wird nachher nach ihr sehen."
"Wir sollten Naomi vorerst nicht zu sehr mit unserer Hilfe bedrängen. Ich denke es wird das Beste sein, wenn sich in erster Linie Mr. Neelix und der Doctor um Naomi kümmern. Geben wir Ihr etwas Zeit." sagte Chakotay. Ein allgemeines Nicken war die Antwort.
"Mr. Neelix, wenn Sie meinen, Naomi brauche Sie gerade, dann dürfen Sie jederzeit zu ihr gehen." sagte Kathryn und gab Neelix damit explizit die Erlaubnis, sich jederzeit vom seinen normalen Aufgaben entfernen zu dürfen. Neelix nickte dankbar. "Doctor, sie sollten vielleicht jetzt einmal nach Naomi sehen." schlug Janeway vor. "Ja nachdem wie sich die Situation entwickelt, werden wir dann weiter sehen. Wegtreten." Alle standen auf und verließen den Konferenzraum.

Kapitel 9

Als Seven nach Schichtende in den Frachtraum zurückkehrte, wartete Icheb auf sie. "Seven, was ist passiert? Wer hat uns angegriffen?" fragte er.
Seven seufzte tief. "Ich weiß nicht, wer uns angegriffen hat, jedoch konnten wir die Angreifer erfolgreich eliminieren."
"Aber...?" hakte Icheb nach. Seven zog erstaunt eine Augenbraue hoch. Wie konnte der Junge wissen, daß etwas anderes noch passiert war? "Aber... ein Besatzungsmitglied fand dabei den Tod." sagte sie zögernd.
"Wer?" fragte Icheb.
Seven sah keinen Grund es ihm zu verheimlichen, da der Captain sowieso eine schiffsweite Durchsage machen würde. "Samantha Wildman."
"Naomis Mutter?" fragte Icheb.
"Ja."
"Mein Gott, wie geht es Naomi?"
"Ich weiß es nicht. Mr. Neelix und der Doctor kümmern sich vorerst um ihr Wohlbefinden."
Icheb starrte sie nachdenklich an. Seven sagte schließlich: "Es wird Zeit zur Regeneration." und bedeutete Icheb, sich in einen Alkoven zu stellen. Nach einem kurzen Zögern kam Icheb der Aufforderung nach. "Computer," sagte Seven, als sie sich selbst in ihren Alkoven gestellt hatte, "Regenerationszyklus einleiten."
Das Licht wird dunkler und Icheb und Seven schließen die Augen.

=/\=

Gleich nach dem Gespräch im Konferenzraum gingen Neelix und der Doctor zu Ensign Wildmans Quartier.
Neelix betätigte den Türmelder, doch zuerst passierte nichts. Erst nach dem dritten Mal, als der Doctor schon fast seinen Überbrückungscode eingeben wollte, öffnete sich die Tür.
Die beiden Männer traten ein. Das Quartier lag im Dunkeln und wurde nur von den vorbeiziehenden Sternen erleuchtet. Naomi war nirgends zu sehen.
"Naomi?" rief Neelix. Er erhielt keine Antwort. Er ging zur Tür, die zu Naomis Zimmer führte und sah die Umrisse einer kleinen Gestalt auf dem Bett sitzen und hinaus zum Fenster starren.
"Naomi..." fing Neelix an und wußte nicht so recht, was er jetzt sagen sollte. Er ging behutsam zu ihr und setzte sich auf die Bettkante neben sie. Naomi schien ihn gar nicht zu bemerken, sie starrte auch weiterhin aus dem Fenster. Inzwischen war auch der Doctor an der Türschwelle aufgetaucht und holte seinen Tricorder hervor. Neelix legte seinen Arm um Naomi und zog sie zu sich heran. "Es tut mir so unendlich leid." sagte er. Naomi reagiert noch immer nicht. Wie eine Puppe saß sie da und ließ alles mit sich geschehen. Neelix sah hilflos zum Doctor, der sie gerade scannte. Schließlich packte er den Tricorder wieder weg und mit einer Kopfbewegung bedeutete er Neelix, zu ihm zu kommen.
"Was ist mit ihr?" fragte Neelix.
Das MHN seufzte. "Das, was die normale Reaktion auf so einen Schock ist. Wir sollten sie vielleicht einfach etwas in Ruhe lassen. Ich werde ihr ein leichtes Sedativum geben, damit sie leichter schlafen kann. Aber sonst können wir nur abwarten." Er nahm aus einem Med Kit ein Hypospray, lud es und ging zu Naomi. "Naomi, ich werde Dir jetzt etwas geben, das Dich besser schlafen läßt. Du wirst keinen Träume haben vorerst." sagte er und preßte Naomi den Injektor an ihre Halsschlagader, in die sich das Mittel zischend entlud.
Der Doctor hob Naomi hoch und Neelix zog die Decke zurück. Naomi hatte bereits die Augen geschlossen und das Hologramm legte sie sanft in ihr Bett.
"Mr. Neelix, macht es Ihnen etwas aus, die Nacht hier zu verbringen?"
"Natürlich nicht, ich werde mich auf die Couch im Wohnzimmer legen."
"Gut, ich komme morgen früh noch einmal vorbei, falls was ist, komme ich natürlich sofort."
"Danke Doctor." sagte Neelix und als das MHN das Zimmer verlasse hatte, ging er noch einmal zur Tür zu Naomis Zimmer und schaute hinein. Sie lag wie tot auf dem Bett. Ihre Wangen waren eingefallen und sie sah erschöpft aus. Neelix begab sich nach nebenan und jetzt erst, nachdem er allein war und seine Gedanken ordnen konnte, fühlte er den Kummer richtig in sich aufsteigen.

=/\=

Kathryn und Chakotay saßen nachdenklich und schweigend im Bereitschaftsraum. Kathryn wollte nicht mal eine Tasse ihren geliebten Getränks haben und hin und wieder faßte sie sich an ihren Bauch und verzog dabei etwas die Mundwinkel. Schließlich stand sie auf, ging zum Fenster und starrte die vorbeiziehenden Sterne an. Chakotay beobachtete sie unbemerkt. Diese extreme emotionale Belastung war nicht nur für Kathryn belastend, noch weniger gut war es für ihr Ungeborenes und Chakotay machte sich um beide Sorgen. Doch noch mehr mußte er an Naomi denken.
"Ich muß mit Tom reden." sagte Kathryn überraschend. Sie drehte sich zu Chakotay um und sagte: "Hast Du Tom gesehen? Ich mache mir um ihn Sorgen. Bestimmt überlegt er, wie er es hätte verhindern können, genauso wie ich." Kathryn massierte sich die Stirn, wie sie es sooft tat, wenn sie nicht weiter wußte. "Am besten werde ich mit Tom einmal reden. Er hat sich nichts vorzuwerfen."
Chakotay nickte zustimmend. "Kathryn, bevor Du aber mit Tom redest, bitte versprich mir etwas, okay?" Chakotay sah sie bittend an. "Bitte gönne Dir vorher etwas Schlaf und laß Dich einmal vom Doctor untersuchen. Versprichst Du mir das? Ich mache mir auch um Dich und unser Kind Sorgen."
Kathryn wollte erst ablehnen, erkannte aber rasch, daß Chakotay Recht hatte. Sie war nun seit über 24 Stunden auf den Beinen und ihr Körper hatte auch schon angefangen, auf verschiedene Weise gegen den Schlafmangel zu protestieren, aber Kathryn hatte keine Zeit dafür gehabt. Doch sie trug nun nicht mehr die Verantwortung für sich allein und so versprach sie es Chakotay. Gemeinsam gingen sie in ihr Quartier und es dauerte nicht lange und Kathryn fiel in einen unruhigen Schlaf. Chakotay blieb noch eine Weile an ihrer Seite sitzen und beobachtete sie.
Dann ging er ins Nebenzimmer und rief den Doctor. "Chakotay an den Doctor."
"Sprechen Sie."
"Doc, wenn Sie vielleicht etwas Zeit hätten, könnten sie bitte kurz nach dem Captain sehen? Sie schläft jetzt gerade aber ich möchte einfach sicher gehen, daß mit ihr alles okay ist."
"Selbstverständlich, Commander. Am besten ich komme gleich mal vorbei." antwortete der Doctor und machte sich auch schon auf den Weg.
Kathryn merkte nicht, daß sie gescannt wurde. Sie stand gerade auf einer dunklen, zerstörten Brücke. Admiral Paris stand ihr gegenüber. Er sagte nichts, doch sein Blick schien in ihre Seele zu reichen und ihr zu sagen, daß sie als Captain auf der ganzen Linie versagt hätte. Kathryn blickte sich um. Auf einmal erschienen nacheinander ihre Offiziere, die sie stumm umringten und sie mindestens genauso mißbilligend ansahen, wie der Admiral. Kathryn ging zu Chakotay um bei ihm Trost zu finden, doch der blickte sie nur kalt an und rührte sich nicht. "Wenn ich den liebsten Menschen verliere, sollst Du ihn auch nicht haben!" durchschnitt eine scharfe Stimme die Stille.
Kathryn fuhr herum und sah in Naomis kalte Augen. "Naomi... ich... es tut mir so unendlich leid..." versuchte sich Kathryn noch zu entschuldigen, doch Naomi hob nur langsam eine Hand. Rings um sie herum explodierte auf einmal die Brücke und die Offiziere um sie herum schrieen in Todesangst. Kathryn blickte sich entsetzt um, als Chakotay mit voller Wucht gegen das Brückengelänger geschleudert wurde und regungslos liegen blieb. Alle waren tot. Naomi war verschwunden und Kathryn rannte zu Chakotays Körper, schrie wie wild seinen Namen und schüttelte ihn. Plötzlich wurde sie von einer Hand auf ihrer Schulter hochgerissen und sah in Chakotays Gesicht. Als Kathryn angefangen hatte, wie wild im Schlaf seinen Namen zu rufen, hatte Chakotay versucht, sie zu wecken, doch sie schlug um sich und schrie immer weiter. Schließlich packte er sie an den Schultern und riß sie zu sich ran und rief laut ihren Namen: "Kathryn! Wach auf!" endlich hörte sie mit den hektischen Bewegungen auf und öffnete langsam die Augen.
"Sssht, es ist alles in Ordnung Kath..." zärtlich nahm er sie nun in die Arme und wiegte sie langsam hin und her. Kathryn klammerte sich fest an ihn.
"Kath, was war denn los?" fragte Chakotay beruhigend.
"Ich... ich war auf der Brücke, alle waren dort, Du, Admiral Paris, Tom, einfach alle. Und dann ist alles explodiert und ihr wart alle tot."
"Ein böser Alptraum." stellte Chakotay hilflos fest.
"Ja, das war es..." antwortete Kathryn nachdenklich. Dann stand sie auf und zog sich an. "Was machst Du jetzt?" wollte Chakotay wissen.
"Ich muß mit Tom reden." antwortete sie knapp und war dann auch schon aus dem Quartier gelaufen. Chakotay beschloß, wieder auf die Brücke zu gehen. Er hatte zwar keinen Dienst aber es war allemal besser als mehr oder weniger untätig im Quartier zu sitzen. Vielleicht konnte er Kathryn etwas Arbeit abnehmen.

=/\=

Kathryn kam bei Tom und B'Elannas Quartier an. Als sie auf den Türmelder drückte, öffnete B'Elanna die Tür.
"Captain!" sagte sie überrascht. "Kommen Sie doch rein."
Kathryn folgte B'Elannas Einladung, das Quartier zu betreten und stand als nächstes vor Tom. *Gut, bringen wir es hinter uns.* dachte er. "Captain." grüßte er höflich.
"Kathryn. Ich bin nur gekommen um zu sehen, wie es Ihnen geht."
B'Elanna räusperte sich. "Ähm, ich fürchte, ich muß noch mal in den Maschinenraum, ich habe noch etwas wichtiges zu erledigen." Und damit war sie auch schon verschwunden. Kathryn hätte zwar nichts dagegen gehabt, wenn B'Elanna geblieben wäre, aber sie dankte ihr in dem Moment für ihr gutes Einfühlungsvermögen.
Sie setzte sich in einen Sessel. "Tom, ich kann mir vorstellen, was Sie jetzt durchmachen. Sie denken, sie hätten etwas schneller reagieren können und so den Unfall verhindern können, stimmt's?"
Tom setzte sich ebenfalls. Sein Blick klebte regelrecht am Fußboden und er nickte. Schließlich sah er seinen Captain an. "Es hätte vielleicht nicht passieren müssen." sagte er.
Kathryn hakte sofort ein. "Vielleicht. Das ist es, vielleicht. Tom, Sie sind der beste Pilot, den ich jemals hatte. Ich kenne auch keinen besseren als Sie. Wenn es möglich gewesen wäre hätten sie ausweichen können, aber das konnten Sie nicht. Daß ausgerechnet Samanthas Konsole explodierte ist ein tragischer Zufall. Sie trifft keine Schuld!" sagte Kathryn eindringlich. "Bitte hören Sie auf damit sich die Schuld an dem Unfall zu geben. Wenn es einen Schuldigen gibt, bin ich es. Hätte ich nicht befohlen, diesem Notruf zu folgen, wäre alles nie passiert. Aber ich würde auch jetzt nicht anders handeln. Das Leben auf einem Raumschiff ist nun mal mit gewissen Risiken verbunden, die wir alle kennen. Auch Samantha kannte sie." Kathryn machte ein Pause. "Tom, keiner wird Ihnen einen Vorwurf machen weil es dafür keinen Grund gibt. Bitte denken Sie daran! Sie trifft keine Schuld."
Tom nickte leicht, doch in seinem Gesicht konnte Kathryn sehen, daß er noch nicht ganz von ihren Worten überzeugt war. Trotzdem stand sie nun auf. "Denken Sie darüber nach."
Dann verließ sie das Quartier.

=/\=

Als Ichebs Regenerationszyklus abgeschlossen war, trat er aus seinem Alkoven. Seven war bereits in der Astrometrie und Icheb beschloß auf sein Frühstück zu verzichten und statt dessen Neelix aufzusuchen und sich nach Naomi zu erkundigen. Er machte sich wirklich große Sorgen um sie.
Wenige Minuten später kam er im Casino an, doch von Neelix war nichts zu sehen. Statt dessen stand Crewman Chell hinter der Theke und versuchte sich im Kochen. Icheb hatte keine Zweifel, daß seine Kochergebnisse der Crew allemal besser mundeten als Neelix'. Er trat an Chell heran und sagte: "Guten Morgen, wo ist denn Neelix?" Ohne seine Arbeit zu unterbrechen antwortete Chell: "Ich weiß es nicht, der Captain hat mich gebeten für Neelix einzuspringen."
Icheb runzelte die Stirn. *Wahrscheinlich ist er bei Naomi.* dachte er, bedankte sich bei Crewman Chell und verließ das Casino wieder.
"Computer, wo befindet sich Neelix?" fragte er auf dem Gang den Computer.
"Neelix befindet sich im Quartier von Ensign Wildman." kam die Antwort.
Erneut tippte Icheb auf seinen Communicator: "Icheb an Neelix." Es dauerte einen Moment, bis Neelix antwortete: "Icheb? Was gibt es?"
Offenbar hatte Neelix geschlafen, denn seine Stimme klang sehr träge.
"Verzeihen Sie, wenn ich Sie geweckt habe," entschuldigte sich Icheb bei dem Talaxianer, "ich wollte nur wissen, wie es Naomi geht."
Das war eine gute Frage. Neelix stand von der Couch auf, auf der er die nacht verbracht hatte und schaute vorsichtig in Naomis Zimmer. Es war leer. Neelix durchzuckte es wie ein blitz und er ärgerte sich maßlos, daß er nicht aufgepaßt hatte, ob Naomi das Zimmer verließ. Wer weiß, was sie tun würde im Moment.
"Sie ist nicht da!" rief Neelix und verfiel leicht in Panik. Sofort schossen ihm die schrecklichsten Gedanken durch den Kopf und unmittelbar darauf wies er den Computer an, ihm Naomis Standort durchzugeben.
"Naomi Wildman befindet sich auf der Krankenstation." erteilte der Computer die gewünschte Auskunft. Neelix machte sich sofort auf den Weg, ebenso Icheb, der alles mitgehört hatte. Er erreichte die Krankenstation lange vor Neelix. Als er eintrat empfing ihn Stille. "Naomi?" fragte er und trat einige Schritte herein. Naomi stand mit dem Rücken zu ihm an der geöffneten Stasiskammer, in der ihre Mutter lag. Icheb trat an sie heran und berührte ihre Schulter. "Naomi?" sagte er leise.
Es dauerte einen Moment, bis Naomi flüsterte: "Warum? Warum sie?"
Icheb wußte keine Antworte darauf und beschloß abzuwarten.
"Es ist einfach nicht fair." sprach Naomi weiter und begann dann, wieder zu weinen. Aus einem Reflex heraus drehte sie sich zu Icheb um und klammerte sich an ihn. Er war zuerst überrascht doch dann legte er seien Arme um ihre schmalen Schultern und streichelte ihr beruhigend übers Haar. "Es war ein unglücklicher Zufall. Bei dem Angriff hätte es auch jemand anderen treffen können." Icheb wußte, daß diese Worte nicht viel Trost spenden würden, aber er wußte überhaupt nicht, was er sonst sagen sollte. In dem Moment betrat Neelix die Krankenstation.
"Naomi!" rief er sofort. "Was machst Du denn hier?" entsetzt blieb er stehen, als er Samanthas Körper da liegen sah. Schnell trat er an die Kammer heran und verschloß sie wieder.
"Naomi, warum...?" begann Neelix, doch er wurde schon von der schluchzenden Naomi unterbrochen.
"Ich wollte sie noch einmal sehen und mich von ihr verabschieden." preßte sie hervor. Dann rannte sie aus der Krankenstation.
"Naomi!" rief Icheb ihr hinterher und wollte ihr nachlaufen, doch Neelix stoppte ihn. "Warte Icheb, laß sie ein bißchen allein."

Naomi lief in den hydroponischen Garten. Als sie eintrat, stand Tom vor ihr.
Tom drehte sich um, als er hörte, daß sich die Türen öffneten. Er wollte nach dem Gespräch mit dem Captain eigentlich etwas alleine sein und nachdenken. Als er sah, wer durch die Türen kam, wurde er blaß. Auch Naomi blieb stehen und starrte Tom an. Doch dann ging sie auf ihn zu. Tom schluckte und begann: "Naomi, ich... ich... oh, es tut mir so leid!"
Naomi, die sich inzwischen beruhigt hatte, blickte ihn warmherzig an. "Danke." sagte sie. Sie musterte Toms Gesichtsausdruck und las darin unendlich viel Trauer und auch Schuld. Der Captain hatte Naomi gesagt, daß es ein Unfall war und sie wußte selber, daß das Leben und Arbeiten im All immer Risiken barg. Sie spürte, daß Tom fast genauso unter Samanthas Tod litt wie sie selbst, doch er hatte sich nichts vorzuwerfen. Daher umarmte sie ihn einfach und drückte ihn fest an sich. "Ich weiß, daß es nicht Deine Schuld ist. Bitte hör auf Dich zu quälen."
Tom erwiderte die Umarmung und in dem Moment spürte er eine Erleichterung. Seine größte Sorge war bis dahin Naomis Reaktion auf ihn gewesen. Sie hätte ihn auch genausogut hassen können und das hätte er nicht ertragen. Er liebte Naomi, als ob sie seine Tochter wäre. Als sie ihn umarmte flüsterte er nur: "Ich danke Dir."
Naomi klammerte sich nun regelrecht an ihm fest. Plötzlich sagte sie leise: "Tom? Ich will nicht allein sein."
Tom war überrascht über diesen Satz und wußte erst keine Antwort. Doch dann fragte er: "Willst Du vorerst bei uns bleiben?"
Naomi ließ ihn nun los, sah in an und nickte zaghaft. "Wenn... wenn B'Elanna damit einverstanden wäre... in meinem Quartier erinnert mich alles nur an sie."
"Ich bin mir sicher, daß B'Elanna damit einverstanden ist. Paß auf, Du holst schon mal Deine Sachen und ich sage B'Ela und dem Captain Bescheid, okay? Komm dann einfach zu uns." sagte Tom.
"Okay. Danke." antwortet Naomi und ging dann.
Tom kümmerte sich sofort um Naomis Wunsch und sowohl B'Elanna als auch er Captain waren mit der Bitte mehr als einverstanden.

=/\=

Kathryn befand sich gerade mit Chakotay in ihrem Quartier als sie das Gespräch mit Tom beendete. Chakotay stand dicht hinter ihr und hatte seine Hand auf ihre Schulter gelegt.
Kathryn griff nach seiner Hand und seufzte erleichtert: "Es scheint, als müßte ich mir um Tom nicht mehr zu große Sorgen machen müssen. Und Naomi.... bei ihr wird es noch lange dauern, aber sie scheint beschlossen zu haben, ihr Leben weiter führen zu wollen." "Das hoffe ich." sagte Chakotay. "Und das ist vielleicht jetzt ein Moment, der den Captain der Voyager etwas entlasten dürfte." Er trat vor sie und küßte sie sanft. "Wie geht es Dir?" fragte er dann.
"Gut." kam die etwas zu schnelle Standart-Antwort.
Chakotay runzelte die Stirn. "Kath?" hakte er nach.
Kathryn seufzte. "Um ehrlich zu sein: Etwas Schlaf wäre nicht schlecht, eine Tasse Kaffee und ich wäre heilfroh, wenn die Trauerfeier schon vorüber wäre. Zufrieden?" "Ja." Er gab ihr noch einen Kuß. "Wann findet die Zeremonie übrigens statt?" "Ich dachte an übermorgen. Was meinst Du?"
"Klingt gut. Soll ich mich darum kümmern?"
"Nein, das ist meine Sache." sagte sie. "Ich muß es bis ans Ende durchstehen." murmelte sie dann.

=/\=

Zwei Tage später....

Obwohl fast die halbe Besatzung im Casino versammelt war, war es totenstill. Kathryns Worte wurden auf dem ganzen Schiff übertragen.
"...und wir erinnern uns an ihre Stärken. Sie war eine tapfere Frau, eine hervorragende Wissenschaftlerin und eine liebende Mutter." Kathryn macht eine kurze Pause bevor sie zum Schuß kam: "Und so übergeben wir den Körper von Ensign Wildman der Unendlichkeit. Wir werden sie nie vergessen. Möge sie in Frieden ruhen."
Die Augen aller Anwesenden richteten sich auf das große Fenster, wo nun ein kleiner Lichtpunkt erschien, der schnell von der Voyager wegdriftete. Es folgte noch eine Gedenkminute und dann sagte Kathryn: "Mr. Neelix hat einige Kleinigkeiten zubereitet. Lassen Sie uns den Abend in Gedenken an Ensign Wildman verbringen."
Im Casino wurde es nun lebhafter, wobei die Lautstärke auf einem unteren Level blieb. Naomi stand noch immer am Fenster und starrte in die Leere. Plötzlich fühlte sie einen Hand auf ihrer Schulter. Naomi drehte sich herum und sah in ein paar blau-graue Augen. Icheb sagte nichts weiter, stand einfach nur bei ihr. Naomi legte ihre Hand auf seine, drückte sie und hielt sie fest. Dann starrte sie weiter hinaus.

....to be continued....