Das Tor der Welten

Nur ein Traum?

Janni schreckte aus ihrem Schlaf hoch. Ein Blick aus dem Fenster verriet ihr, daß es noch mitten in der Nacht war. Links von ihr schlief Tim immer noch tief und fest und auch aus dem Kinderzimmer drang kein Laut. Dann kam ihr der Traum wieder zu Bewußtsein. Seit einer Woche schon hatte sie jetzt jede Nacht denselben Traum. Eine Gestalt umgeben in dichtem Nebel rief ihr etwas zu und immer wenn die Stimme lauter wurde, so daß sie sie verstehen konnte, wachte sie auf. Sie versuchte sich an den Traum zu erinnern, die Gestalt kam ihr merkwürdig vertraut vor.
Wenn doch bloß der Nebel nicht gewesen wäre, dachte sie seufzend.
Ein Blick auf ihr Handy verriet ihr, daß sie lieber weiterschlafen sollte anstatt Nebelgestalten nachzujagen. Es war gerade 3 Uhr morgens und Johanna würde ihr bestimmt heute keine Ausnahme bescheren, in dem sie einmal länger schlief. Janni kuschelte sich wieder in ihr Kissen, rutschte vorsichtig an Tim heran um ihn nicht zu wecken und war kurz darauf schon wieder eingeschlafen.

Als Janni einige Stunden später wieder erwachte blickte sie direkt in einen sehr nachdenklich aussehenden Tim.
"Guten Morgen", sagte sie lächelnd und gab ihm einen Kuß.
"Morgen", antwortete Tim. "Hattest Du einen Albtraum?" fragte er.
Janni zog die Augenbrauen zusammen. "Wie kommst Du da drauf?"
"Du hast ganz unruhig geschlafen", erwiderte Tim. "Und das war nicht das erste mal. Das geht schon seit ein paar Tagen so."
Janni seufzte. "Tut mir leid, wenn ich Dich geweckt hab, ich weiß auch nicht... seit einer Woche habe ich jede Nacht immer und immer wieder denselben Traum."
Tim musterte sie. "Das ist aber schon ungewöhnlich", meinte er. "Kannst Du Dich an den Traum erinnern?"
"Das schon, aber ich erkenne die Gestalt nicht und die Worte höre ich auch nicht. Irgendwas versucht er mir zu sagen."
Janni fröstelte auf einmal. "Das ist langsam schon unheimlich."
In dem Moment drang aus dem Kinderzimmer ein Geräusch. Tim und Janni sahen sich an und mußten beide lachen.
"Eins muß man ihr lassen, auf die Minute pünktlich", sagte Tim und schielte auf das Handy, das gerade 06:03 Uhr anzeigte.
"Na komm, ich werde sie heute mal anziehen und waschen und Du machst uns Frühstück?" fragte er schmunzelnd. "Geht klar", antwortete Janni und beide standen auf.

Den Tag über hatte Janni nicht mehr an ihren Traum gedacht, aber als Johanna abends dann im Bettchen lag und eingeschlafen war hatte sie ein paar ruhige Minuten für sich und dabei schweiften ihre Gedanken immer wieder zu dem merkwürdigen Nachtgespinst ab. Sie war davon überzeugt, daß es mehr als nur ein Traum war, sie mußte es einfach in der kommenden Nacht einmal schaffen nicht aufzuwachen wenn die Worte deutlicher wurden.
Leichter gedacht als getan, seufzte sie lautlos. Sie dachte noch einige Zeit über das Problem nach, und dann fiel ihr auf einmal das Hypospray ein, daß ihr das MHN damals mitgegeben hatte, als Johanna noch ein Baby war und Janni dringend eine Nacht mal durchschlafen mußte. Wenn sie sich nicht ganz irrte, dann mußte noch eine Dosis übrig sein...
Sie lief ins Schlafzimmer und schob den Nachttisch etwas vor. Tim hatte hinter den Holzbrettern in der Wand ein kleines Geheimversteck eingebaut, seitdem sie aus dem 24. Jahrhundert ein Hypospray und ein Padd mitgebracht hatten, auf dem der kopierte Bericht des MHN von ihrem letzten Abenteuer zu lesen war.
Sie hatte ihn lange Zeit nicht lesen können, denn die Erinnerungen an Thomas' Tod setzten ihr auch Monate später noch zu, aber eines Tages hatte sie es zusammen mit Tim gelesen. Nicht nur, daß die beiden Männer sich wie Zwillinge glichen, Tim hatte auch einige Wesenszüge, die sie an Thomas so geliebt hatte. Doch sie machte nie den Fehler Tim für Thomas zu halten und Tim machte nie den Fehler, auf Thomas eifersüchtig zu sein. Er wußte genau, daß ein Teil von Jannis Liebe immer Thomas gelten würde.
Was Johanna anging konnte Janni nicht glücklicher sein, Tim liebte die Kleine, als ob es sein eigen Fleisch und Blut wäre und kümmerte sich rührend um sie und für Janni war er immer eine Stütze, egal wie verrückt ihm manche Dinge auch vorkommen würden.
Ihre Gedanken kehrten wieder in die Gegenwart zurück. Sie legte das Padd auf den Nachttisch und angelte dann nach dem Hypospray. Tatsächlich waren sogar noch zwei Dosen Schlafmittel im Versteck.
Perfekt, dachte sie, jetzt muß meine Rechnung nur noch aufgehen.
Kurze Zeit später kam auch Tim wieder nach Hause und nachdem sie zu Abend gegessen hatten und sich bettfertig gemacht hatten, rückte Janni mit der Sprache raus.
"Tim?", fragte Janni zögernd. Sofort blickte er von seinem Buch auf, das er gerade las.
Wieder eine Seite die ich an ihm so liebe, dachte Janni, als sie sofort Tims ungeteilte Aufmerksamkeit hatte.
"Ich würde gerne herausfinden, was es mit dem Traum auf sich hat", fing sie an. "Das MHN hat mir damals das Hypospray mitgegeben, als Johanna noch ein Baby war und ich dringend mal Schlaf brauchte, weißt Du noch?"
Tim nickte. "Ja, das war ein leichtes Schlafmittel wenn ich mich recht erinnere. Und Du willst das jetzt noch einmal benutzen damit Du nicht mehr mitten in der Nacht aufwachst, habe ich Recht?"
"Ja, ist das okay? Ich werd sonst noch verrückt."
Tim drückte ihr einen Kuß auf die Nasenspitze.
"Natürlich Schatz, versuch das ruhig herauszufinden und schlaf Dich einmal aus."
Janni lächelte Tim verliebt an. In Momenten wie diesen dachte sie mal wieder, daß sie so einen Mann gar nicht verdient hatte.
"Danke Dir", antwortete sie und reichte Tim das Hypospray herüber. "Wärst Du so lieb?"
Dann legte sich Janni bequem hin, während Tim sie noch mit einem langen Gute-Nacht-Kuß verwöhnte, bevor er ihr das Hypospray an den Hals drückte und sie sofort einschlief.

Irgendwann umfingen sie wieder dichte Nebelschwaden und wieder hörte sie ganz entfernt eine Stimme, die sie aber noch nicht verstehen konnte. Sie folgte erneut der Stimme und nach einer Weile schälte sich eine Gestalt aus dem Nebel.
"Hallo?" rief Janni in Richtung der Gestalt. Es fiel ihr schwer durch die Nebelwand zu kommen, es war so, als versuche sie sich durch eine zähe Masse zu bewegen. Sie wußte, daß das der Moment war, in dem sie immer aufwachte, daher verdoppelte sie ihre Bemühungen die Gestalt zu erreichen. Das Wispern wurde lauter und Janni meinte, einzelne Worte verstehen zu können.
"...du mußt.... verschließen.... nicht viel Zeit..."
Janni blieb auf einmal wie versteinert stehen. Die Erkenntnis durchzuckte sie wie ein Blitz, jetzt, da sie einzelne Worte hören konnte. Das war eindeutig die Stimme von Thomas.
"Thomas!" schrie sie in den Nebel hinein und plötzlich verschwand der Nebel und sie konnte die Gestalt erkennen, die in ein paar Metern Entfernung stand. Es war wirklich Thomas. Janni stockte der Atem, doch dann rannte sie los. Thomas lächelte für einen Moment, doch dann wurde sein Blick wieder sorgenvoll. Sie hatte ihn fast erreicht doch als sie nur noch 3 Schritte von ihm entfernt war, konnte sie nicht weiterkommen.
Warum kann ich ihn nicht erreichen, dachte sie verzweifelt. Sie sehnte sich danach noch einmal in Thomas Armen gehalten zu werden, doch es war wie in ihrer Komaphase auf der Voyager, sie schien die Grenze zwischen Leben und Tod nicht überwinden zu können.
Dabei ist es nur ein Traum, dachte sie verärgert und blieb notgedrungen stehen. Liebevoll musterte sie ihn und sie merkte, wie ihre Augen feucht wurden.
"Sie ist groß geworden", stellte Thomas schmunzelnd fest. "Und Tim ist ein feiner Mensch, ich bin sehr glücklich Janni, wirklich."
"Ich vermisse Dich trotzdem", sagte sie.
Thomas lächelte wieder. "Ich weiß, aber ich wache über Euch. Aber jetzt mußt Du mir zuhören Janni, ich muß bald wieder gehen."
Bevor Thomas weiterreden konnte, rief sie: "Warum, warum können wir uns nicht wenigstens hier treffen? Bitte geh nicht."
"Du weißt genau, daß das auf Dauer nicht geht Liebste und das ist gut so. Später werden wir vielleicht wieder zusammen sein, aber bis dahin wird es noch viele Jahre dauern. Und jetzt hör mir bitte zu, Du mußt in das Buch reinschauen, verstehst Du? Das Buch, mit Alpha und Omega."
Janni schaute ihn stirnrunzelnd an. "Warum? Ich habe es vor ein paar Monaten noch einmal durchgeblättert, es steht immer noch dasselbe drinnen."
Thomas Gestalt verschwamm. "Ich muß gehen, schau in das Buch Janni, es ist wichtig, schon bald wird..." Thomas hatte sich aufgelöst.
"Nein!" schrie Janni und streckte eine Hand vor in der Hoffnung ihn noch aufhalten zu können, doch da war nichts.
"Thomas!" Janni saß in ihrem Bett, neben sich Tim, der schon wach war und sie gerade in die Arme nehmen wollte und schnappte nach Luft.
"Alles ist gut Schatz, was ist mit Thomas?" fragte Tim verständnisvoll, denn Janni hatte seinen Namen gerufen als sie aus dem Schlaf gefahren war. Sie brauchte ein paar Sekunden, bevor sie antworten konnte, dann sagte sie: "Er war die Nebelgestalt, er sagte..." Janni schloß kurz die Augen um die Unterhaltung noch einmal ins Gedächtnis zu holen.
"Das Buch!" schoß sie dann heraus. "Er sagte, ich solle in das Buch sehen!"
Sie sprang aus dem Bett, lief ins Wohnzimmer zur Glasvitrine und nahm das Buch heraus. Das Symbol leuchtete wieder leicht auf, als sie es berührte und dann eilte sie damit zurück ins Schlafzimmer, wo Tim zwar etwas fragend blickte, aber nichts weiter sagte. Etwas hektisch öffnete sie den Buchdeckel und blätterte auf die erste Seite. Schnell las sie die Einleitung über die Entstehung der Universen.

Zwei Welten nähern sich

Die letzte Unendlichkeit

Seit undenklichen Zeiten schon sind die Wächter des Kosmos damit beschäftigt, die Materie- Antimaterieverhältnisse der Genesis zu überwachen. Das Nichts gebar Milliarden von Universum, die nur im Bruchteil einer Sekunde wieder zerstört wurden, um wieder perfekt zu sein. Doch mitunter kann es passieren, dass ein gerade geborenes Universum, das für den Augenblick perfekt und symmetrisch ist, einen Fehler aufweist. Virtuelle Partikel werden real, die Quarks, Antiquarks, Materie und Antimaterie schießen in verschiedene Richtungen um sich sofort wieder aufzulösen. Es hätte die gleiche Anzahl sein sollen, sie hätten miteinander kollidieren und die perfekte Leere wiederherstellen müssen. Doch das war nicht geschehen. In diesem Universum passierte das, was auch schon bei vielen anderen passierte: Die Anzahl der Quarks überstieg leicht die der Antiquarks und ein Überschuss an Materie entstand. Das war der Stoff, aus dem die Sterne und Planeten entstanden sind. Ein neu erschaffenes Universum würde eine Blase um die Partikel formen und die Lebewesen des Universums würden niemals andere Blasen sehen können. Viele Universen könnten auf diese Weise entstanden sein, man könnte sich das so vorstellen, wie hunderte von Glaskugeln, die im dunklen Raum der Leere schweben, jede beinhaltet ein Universum. Doch sollten sich jemals zwei Blasen nähern und sich treffen, so hätte das die Auslöschung beider Universen zur Folge. Und um so etwas zu verhindern, gibt es die Wächter.
Doch es wird eine Zeit kommen, in der auch die Wächter auf die Hilfe eines der Wesen der Universen zurückgreifen müssen, denn sie können in deren Welt nicht lange existieren. Und wenn die Zeit da ist, wird die Hoffnung auf Rettung vor der Vernichtung auf den Schultern einer Einzelnen liegen, die in der Vergangenheit lebt...

Janni schaute verwirrt Tim an. "Aber... das ist dieselbe Einleitung, es hat sich nichts geändert."
Tim machte einen Schlenker mit dem Kopf. "Blätter mal weiter, vielleicht kommt's noch", schlug er vor.
Janni tat wie geheißen und stutzte. "Das Gedicht..." sagte sie stammelnd, "es... ist weg."
"Da haben wir's schon", meinte Tim und schaute mit in das Buch.

Auf der Brücke der Voyager passierte das, was jetzt schon seit zwei Wochen immer wieder mal vorkam, Harry Kim meldete schon wieder, daß die Langsteckensensoren eine Raumanomalie entdeckt hatten.
"Wie groß ist sie diesmal Harry?" fragte Janeway und bedeutete ihm, die Anomalie auf den Hauptschirm zu legen.
"Diesmal nur eine kleine, Captain, ca. 50m im Durchmesser. Es werden wieder die selben Werte gemessen wir bei den anderen Rissen."
Janeway seufzte. "Mr. Tuvok, Sie wissen ja, was Sie zu tun haben."
Tuvok zog eine Augenbraue hoch. "Aye, Captain." Damit bereitete er die Deflektorschüssel vor um auch diesen Riß mit Antiprotonen zu versiegeln. Nach ein paar Minuten sagte er: "Der Deflektor ist einsatzbereit."
"Sehr gut, Mr. Tuvok. Tom, fliegen sie uns zu diesem Spalt, Sie kennen das ja inzwischen."
Tom seufzte. "Ja, Ma'am." Die Voyager beschleunigte auf den Riß zu und nach einer Stunde war auch dieser Riß erfolgreich versiegelt.
Als sie sich wieder auf normalem Kurs zur Erde befanden, beugte sich Kathryn zu Chakotay herüber und meinte leise: "Findest Du das nicht auch langsam merkwürdig? Es kommt mir eher vor, als ob der Weltraum ein alter Teppich ist, der schon die ersten Löcher aufweist."
Chakotay schmunzelte. "Eine sonderbare Umschreibung, aber auf jeden Fall treffend." Seine Miene wurde wieder ernst. "Hier stimmt etwas nicht, Kathryn. Jede Faser in mir scheint mir das zu sagen. Hast Du schon mit Seven gesprochen?"
Kathryn nickte. "Ja, aber sie hat auch keine Erklärung für die vielen Risse. Wenigstens können wir sie noch stopfen, aber ich hatte nicht gedacht, daß wir uns mal als Teppichflicker unseren Lebensunterhalt im Delta-Quadranten verdienen müßten."
Chakotay mußte lachen. "Laß nur, wir finden schon noch heraus was es damit auf sich hat", meinte er wieder leise zu ihr.
"Und zwar eher, als sie sich vorstellen können, Captain", ertönte auf einmal eine Stimme, die Kathryn noch sehr gut in Erinnerung hatte. Direkt vor ihr war der Wächter der Universen erschienen, der damals versehentlich den Riß im Raum-Zeit-Kontinuum verursacht hatte, was fast die Vernichtung zweier Universen zur Folge gehabt hatte. Kathryn sprang auf und auch Chakotay erhob sich.
"Eli!" rief sie erstaunt aus. "Was machen Sie hier?"

Janni hatte, ohne daß sie es bemerkte, eine Hand in Tims Arm verkrallt. Just in dem Moment verlangte Johanna nach Aufmerksamkeit, in dem sie anfing im Kinderzimmer zu weinen. Tim löste behutsam Jannis Hand von seinem Arm und meinte nur: "Ich geh schon, lies Du weiter."
Janni konnte nur nicken und vertiefte sich wieder in das Buch. Thomas hatte also Recht gehabt, das Buch hatte sich verändert. Aber was kam jetzt? Der Riß war geschlossen. Oder hatte ihre Magie nicht ausgereicht?
Janni lief ein Schauer über den Rücken, sie wollte sich gar nicht ausmalen was passieren würde, wenn sie den Riß damals nicht richtig geschlossen hatte.

"Ich bin gekommen um erneut die Hilfe der Einen zu erbitten", sagte Eli etwas zu feierlich für Kathryns Geschmack. Kathryn deutete mit der Hand in Richtung des Konferenzraumes.
"Vielleicht sollten wir das gleich mit den Offizieren besprechen?" schlug sie vor.
"Eine ausgezeichnete Idee Captain, bitte, nach Ihnen."
Kathryn tippte auf ihr Combadge: "Janeway an die Führungsoffiziere, melden Sie sich unverzüglich im Konferenzraum."

Ein paar Minuten später saßen alle am Tisch und musterten Eli neugierig und teilweise auch ein wenig sorgenvoll. Alle konnten sich noch gut an seinen letzten Besuch erinnern, der mit dem Untergang des Universums zu tun hatte. Stand ihnen jetzt wieder so etwas bevor?
Chakotay brachte es mehr oder weniger auf den Punkt was allen im Kopf herumschwirrte, in dem er Eli fragte: "Wurde der Riß nicht richtig verschlossen?" Eli riß überrascht die Augen auf. "Oh doch, doch, die Auserwählte hat ihn geschlossen, aber leider hat es eine unvorhergesehen Komplikation gegeben."
Er schaute Kathryn an und fuhr dann fort: "Zwei Universen nähern sich."
Die Offiziere schauten Eli ungläubig an bis Tuvok nach ein paar Sekunden fragte: "Sollten die Wächter dies nicht verhindern?" Elis Augen leuchteten. "Exakt. Allerdings wurde mit dem Riß im Universum auch eine Verbindung zur Parallelwelt geschaffen, die Risse traten auch in dem anderen Universum aus. Als die Auserwählte den Riß hier schloß, versiegelte sie auch gleichzeitig die Risse im anderen Universum. Aber die Verbindung wurde nicht getrennt. Die Universen wurden kurzzeitig voneinander angezogen und die beiden Welten haben eine so starke Anziehungskraft untereinander, daß sie nun auf Kollisionskurs sind."
Harry sog scharf die Luft ein. "Wie viel Zeit haben wir noch?"
Eli schaute nun Harry an und meinte: "Er muß so schnell wie möglich geschlossen werden, dann werden die Universen sich nur knapp verfehlen. Warten wir zu lange, werden sie ausgelöscht."

Janni starrte auf die Buchstaben, doch sie blieben in der Konstellation stehen, die diese unheilvollen Wörter ergaben.
Tim kam mit Johanna auf dem Arm wieder ins Schlafzimmer und fragte: "Hast Du schon etwas herausgefunden?"
Janni drehte in Zeitlupe den Kopf zu Tim und sah ihn starr vor Schreck an. Die Worte wollten ihr nicht über die Lippen kommen. Tim setzte Johanna auf dem elterlichen Bett ab und faßte Janni bei den Schultern.
"Schatz, was ist los?" fragte er höchst alarmiert.
"Die Universen..." stammelte sie, "sie... sind auf Kollisionskurs."
Tims Augen weiteten sich. "Was sollen wir tun?" fragte er spontan und schaute auf das Buch.
Janni schüttelte den Kopf. "Ich weiß es noch nicht, aber ich hoffe, Eli wird es gleich sagen. Ich muß weiterlesen."
Tim nickte verständnisvoll, setzte sich dicht neben Janni, zog Johanna auf seinen Schoß und schaute mit in das Buch hinein.

"Sie meinen, wir brauchen wieder Janni", stellte das MHN in den Raum.
Eli nickte. "Sie muß die Verbindung der Universen trennen."
Das MHN zog die Stirn in Falten. "Wie soll sie das machen?"
"Nun, zuerst einmal muß sie herkommen." Eli wandte sich wieder an den Captain. "Dann müssen Sie die Voyager zum Zentrum des Universums bringen und eine interphasische Spalte öffnen, durch die wiederum die Auserwählte einen Tunnel öffnen kann mit dessen Hilfe man die Verbindung trennen kann."
B'Elanna meldete sich recht ungestüm zu Wort als sie sagte: "Eine interphasische Spalte ist instabil, wir können das Risiko nicht eingehen dort jemanden reinzuschicken."
Eli zauberte ein Padd aus seiner Tasche. "Nach ihren Maßstäben", wandte er ein, "nicht nach meinen."
Er reichte B'Elanna das Padd und die Augen der Halbklingonin weiteten sich. Kathryn sah sie fragend an und B'Elanna meinte kopfschüttelnd: "Warum sind wir da noch nicht selber drauf gekommen..."
Trotz der ernsten Umstände huschte ein Schmunzeln über Kathryns Gesicht und sie fragte: "Das klingt nach einer stabilen Lösung?"
Torres schaute von Padd hoch und meinte: "Ja Captain. Hiermit", sie schwenkte das Padd hin und her, "können wir eine stabile Spalte öffnen."
"Und wie geht es dann weiter?" fragte Chakotay.
Eli blickte ihn tiefgründig an. "Das", meinte er nachdrücklich, "hängt von der Auserwählten ab."

Janni seufzte. Schon wieder mußte sie auf Glück hoffen und beten, daß sie das Richtige tun würde.
Tim drückte sie kurz an sich.

"Sie sollte den Stein nicht vergessen", fügte Eli noch hinzu.
Neelix meldete sich jetzt zu Wort: "Das klingt alles einfach... aber Herr Eli, wie soll Janni zu uns kommen?"
Kathryn antwortete ohne groß zu überlegen: "Am besten so, wie sie sonst auch herkommen würde. Q."
Doch Eli schüttelte den Kopf. "Ein weiteres Problem fürchte ich. Die Anomalien, die sich überall im Weltraum gebildet haben, waren nicht ohne Einfluß auf die Grenzen zum Q-Kontinuum. Selbst allmächtige Wesen unterliegen dem Gesetz der Existenzbildung. Auch wenn es den Q nicht passen wird, gegen den Tunnel und die daraus entstandene Isolierung ihres Kontinuums können sie im Moment nicht viel tun. Der Zugang zum normalen Raum ist ihnen zur Zeit versperrt."
Kathryn starrte Eli entgeistert an. So etwas hatte sie nicht erwartet. Das stellte ein ernstes Problem dar.
"Können Sie Janni nicht herholen?" fragte das MHN. "Mittels eines Portals, wie es damals bei uns durch den Transponder aktiviert wurde?"
Eli schüttelte erneut den Kopf. "Das ist leider nicht mehr so einfach, Doktor. Ich kann nur noch Portale auf die Parallelwelten erstellen, jedoch keins innerhalb dieses Universums. Dazu sind die Anomalien zu zahlreich. Aber Sie können sie beamen."
B'Elanna war diesmal schneller als Kathryn und fragte völlig entgeistert: "Beamen durch Raum und Zeit? Einen holografischen Datenstrom vielleicht, der baut sich nicht so schnell ab", sie warf dem MHN einen entschuldigenden Seiteblick zu, "aber menschliche Moleküle..." B'Elanna beendete den Satz nicht, aber die Aussage war deutlich.
"Sie hat den Stein immer noch, er wird sie schützen und das Muster zusammenhalten bis sie sicher hier angekommen ist."
B'Elanna hob verzweifelt die Hände und ließ sie dann wieder sinken. Tom mußte schmunzeln, B'Elanna war nur selten sprachlos. Kathryn dagegen versuchte erst gar nicht Eli zu verstehen, sie verließ sich wie damals auf ihren Instinkt der ihr auch dieses Mal wieder sagte, daß dieses Wesen einfach mehr wußte als sie alle zusammen. Daher sagte sie: "Also schön, aber wir brauchen trotzdem Koordinaten, und hier sogar temporale Koordinaten, nicht nur räumliche."
Gespannt blickte sie Eli an und dieser holte ein weiteres Padd hervor.
"Benutzen Sie diese Koordinaten", sagte er und überreichte Janeway das Padd. "Die Transportstelle liegt diesmal ganz in ihrer Nähe. Südlich der Stadt gibt es ein riesiges Waldgebiet mit einigen Felsformationen. Eine kleine Höhle dort wird den Zugang erleichtern. Der Schlüssel wird wieder das Alpha-Omega Symbol sein."

"Ja sehr schön, der Wald ist nicht gerade klein, wie soll ich da eine Höhle finden?" murmelte Janni etwas ärgerlich vor sich hin.

"Hoffentlich findet sie die auch", warf Tom ein.
"Sie wird eine Karte haben. Wir sollten ihr ein Zeitfenster einräumen, sagen wir von drei Tagen. Aktivieren Sie den Transporter zu jeder vollen Stunde. Ich muß jetzt gehen, mein Aufenthalt hat hier schon zu lange gedauert."
Damit war Eli verschwunden und zurück blieben einige ratlos schauende Offiziere.

Die Reise zur Voyager

Janni schaute nicht minder ratlos. "Karte? Wo denn?"
Sie blätterte auf die nächste Seite, doch diese war leer. Ebenso die darauffolgenden Seiten. Als sie beim Ende des Buches ankam hatte sie dann die Karte gefunden, sie war wie ein Klappdeckel an der letzten Buchseite befestigt. Janni entfaltete sie gerade als Tim wieder hereinkam, diesmal ohne Johanna.
"Was ist das?" fragte er und setzte sich neugierig neben Janni.
"Mein neues Reiseziel scheinbar", antwortete sie und studierte die Karte genauer.
"Hm, den Wald erkenne ich, aber so tief drinnen war ich noch nie", meinte er. Janni tippte auf die Markierung, die die Lage der Höhle anzeigte und faßte für Tim noch einmal zusammen, was sie zu tun hatte.
"Wann müssen wir aufbrechen?"
Janni schaute Tim warm an als er das fragte. Sie hätte es wissen müssen.
"Ich werde aufbrechen, Du mußt bei Johanna bleiben", sagte sie dann mit fester Stimme.
"Kommt gar nicht in Frage, oder denkst Du, ich lasse Dich im Stich?" entrüstete er sich.
"Nein, das denke ich nicht, aber Du wirst mir leider gar nicht helfen können und ich wäre noch unruhiger, wenn ich ständig daran denken müßte, daß Euch beiden etwas passieren könnte wenn ihr mitkämt. Bitte", sagte Janni eindringlich und tastete nach Tims Hand, "bitte bleib bei Johanna. Sorge dafür, daß es Euch gut geht... bis ich zurückkomme."
Sie sah Tim bittend an und dieser zog eine Grimasse. Es schmeckte ihm gar nicht, daß er Janni allein gehen lassen sollte, aber er sah auch ein, daß die Recht hatte. Er konnte keine Magie wirken, er konnte den Stein nicht berühren und wäre eher eine Belastung. Also nickte er langsam und meinte: "Also gut, aber das heißt nicht, daß es mir Recht wäre."
Janni lächelte.
"Ich weiß Liebling, aber mir geht es wirklich besser wenn ich Euch in Sicherheit weiß."
Dann küßte sie Tim hingebungsvoll und er erwiderte die Zärtlichkeiten nur zu gerne.
Als sie sich voneinander gelöst hatten fragte Tim seufzend: "Wann wirst du losgehen?"
Janni brauchte nicht lange zum überlegen.
"Ich werde die nötigen Sachen einpacken und mich dann so schnell wie möglich auf den Weg machen müssen, du hast gehört - es ist dringend. Und je eher ich weg bin, desto schneller bin ich wieder zurück."
Tim küßte sie noch einmal und sagte dann: "Also gut. Ich helfe dir beim Packen, sag mir nur, was du alles brauchst."

Zwei Stunden später war Janni aufbruchbereit. Ihre Tochter hatte sie noch mit einer Geschichte verwöhnt und sie dann zum Mittagsschlaf hingelegt.
"Hast Du auch wirklich alles dabei was Du brauchst?" fragte Tim zum wiederholten Male.
"Ich hoffe es, Stein und Buch, das sind die wichtigsten Sachen."
Da Tim nichts mehr einfiel um den Abschied noch hinauszuzögern, nahm er Janni noch einmal fest in die Arme und gab ihr einen langen Kuß.
"Paß gut auf Dich auf, versprochen?" sagte er mit einer Spur Angst in der Stimme.
"Ich verspreche es Dir, im Wald wird wohl nichts passieren und auf der Voyager bin ich gut aufgehoben. Ich liebe Dich."
"Wir warten auf Dich."
Janni gab ihm noch einen Kuß, dann schulterte sie ihren kleinen Rucksack und machte sich auf den Weg. Mit der U-Bahn fuhr sie an den Stadtrand, dann hieß es laufen. Bis es Abend wurde hatte sie schon eine schöne Strecke hinter sich gebracht, sie war jetzt so tief im Wald, daß sie seit Stunden keiner Menschenseele mehr begegnet war und keine Wege mehr zu erkennen waren. Sie befand sich praktisch in unberührter Natur.
Zum übernachten suchte sie sich eine kleine freie Stelle unter einem Baum und entrollte dort ihren Schlafsack. Als sie sich wenig später gemütlich gemacht hatte mußte sie an ihre erste Reise mit dem MHN durch die Wüste und später die Parallelwelt denken. Ein Lächeln huschte über ihre Lippen als sie an den Moment am Lagerfeuer dachte, als der Doktor und sie gesungen hatten und dabei die Magie auf der anderen Welt entdeckten. Das Lächeln verblaßte wieder, als sie überlegte, was jetzt auf sie zukommen würde.
Sie betrachtete noch eine Weile einen Fleck vom Sternenhimmel, der durch die Baumkronen hindurchschimmerte und bald war sie eingeschlafen.

Am nächsten Morgen zog sie weiter, von einem Weg konnte spätestens jetzt schon keine Rede mehr sein und Janni wünschte sich für einige Abschnitte schon fast ein Buschmesser.
Am frühen Abend erreichte sie dann die Felsformation, von der Eli gesprochen hatte. Jetzt begann die Suche nach dem Eingang. Janni streifte an den Felswänden entlang um nach einem Eingang zu suchen. Nach kurzer Zeit bereits wurde sie hinter einem Vorhang aus Efeu fündig.
"Gut getarnt", murmelte sie, schob die Ranken beiseite und knipste die Taschenlampe an. Der Eingang war mehr ein schmaler Spalt, der sich aber nach innen hin verbreitete. Eine Weile verlief der Gang geradeaus, dann teilte er sich nach links und rechts.
"Hm... und nu?" Janni sah auf die Uhr. In einer halben Stunde würde sich wieder ein Transportfenster öffnen, hoffentlich genug Zeit um die geheime Kammer zu finden. Sie entschied sich für den rechten Gang.
Nach ungefähr 30 Metern trat sie auf einmal ins Leere. Direkt vor ihr war ein Felsspalt, den sie unmöglich hatte sehen können, denn er war direkt hinter einer Bodenerhebung gewesen. Mit einem Aufschrei schrammte sie ein Stück am Felsen entlang, doch ihre Hände hatten in letzter Sekunde noch die Bodenerhebung zu fassen bekommen, sonst wäre sie gefallen. Einen kurzen Moment hing sie einfach nur über dem Abgrund, dann besann sie sich und versuchte mit den Schuhen Halt an der Felswand zu finden. Mit dem linken Fuß fand sie schließlich Halt und zog sich dann unter Aufbietung aller Kräfte wieder nach oben.
Als sie sicher wieder oben war blieb sie erst einmal einen Moment liegen. Ihr Herz pochte wie wild und sie spürte, wie das Adrenalin durch ihre Adern schoß. Ein brennender Schmerz ließ sie sich dann aufsetzen und sie betrachtete die Schürfwunden an den Armen und ihrem Bauch.
"Aua", gestattete sie sich ein wenig zu jammern, aber sie war froh, daß nicht mehr passiert war.
"Das hätte auch verdammt schief gehen können", murmelte sie und stand dann langsam auf. Mit der Taschenlampe leuchtete sie über den Rand hinweg zur anderen Seite, aber der Spalt war so breit, daß sie ohne Hilfsmittel dort nicht hinüberkommen würde.
Hoffentlich war das nur der falsche Gang, dachte sie besorgt und kehrte dann um, um den linken zu versuchen.
Sorgfältig leuchtete sie jetzt den Boden ab, noch einmal irgendwo fast hinunterfallen wollte sie auch nicht mehr. Diesmal hatte sie mehr Glück, was die Bodenspalten anging, aber plötzlich stand sie dafür vor einer Wand. Hier hörte der Gang auf.
"Na toll", schimpfte sie. Doch dann erinnerte sie sich, daß im Buch gestanden hatte, sie müsse das Symbol benutzen um zu der geheimen Kammer zu kommen. Akribisch suchte sie die Wände ab und dann fand sie tatsächlich eine Vertiefung, die nicht natürlichem Ursprungs war. Als sie einige Steinchen und etwas Sand aus den Ritzen gekratzt hatte, sah sie, daß sie die Tür wohl gefunden hatte.
"Na, dann wollten wir doch mal sehen ob das so klappt." Sie nahm sich die Kette ab und drückte das Alpha-Omega Symbol in die Vertiefung. Ein Rumpeln ertönte und rechts von ihr schob sich eine Wand ein Stück nach hinten und offenbarte einen schmalen Eingang.
Erleichtert, daß sie es gefunden hatte, hängte sie sich das Symbol wieder um und zwängte sich dann durch die Spalt. Als sie durch war schloß sich die Wand wieder und Janni leuchtete mit der Taschenlampe den kleinen Raum aus. In der Mitte markierten einige Steine einen kleinen Kreis und Janni nahm einfach mal an, daß sie sich dort hineinstellen mußte. Ein Blick auf die Uhr verriet ihr, daß sie noch eine viertel Stunde Zeit hatte. Daher setzte sie sich noch einen Moment an die Wand und suchte den Stein aus ihrer Tasche. Wenn das Beamen begann wollte sie ihn lieber in der Hand halten.
Eine Minute vor Ablauf der Frist stellte sie sich dann in den Kreis und wartete gespannt. Den Stein hielt sie fest umklammert und dann hörte sie ein Geräusch. Funken fingen an sie zum umhüllen und sie spürte ein Kribbeln am ganzen Körper. Die Felswand löste sich auf einen Moment später wurde sie durch ihr wohlbekannte Gesichter ersetzt, die sie anstrahlten.
"Janni", begrüßte Captain Janeway sie herzlich, "schön, daß Du wieder da bist."
"Vielen Dank Captain, ich freue mich auch, allerdings wäre ich lieber aus anderen Gründen hergekommen", sagte Janni nicht minder herzlich, dann begrüßte sie noch Chakotay, der neben Kathryn stand und zu Jannis Freude stand auch das MHN da um sie zu begrüßen.
"Es ist gut Dich wiederzusehen", sagte er. "Wie geht es Tim und Johanna?" fragte er interessiert.
"Hervorragend, danke der Nachfrage. Johanna wächst so schnell, daß ich ständig neue Sachen für sie kaufen muß", meinte Janni schmunzelnd. Dann trat sie von der Transporterplattform herunter und steckte den Stein zuerst sorgfältig in eine Schatulle, denn außer ihr durfte ihn ja keiner berühren ohne schwerwiegenden Konsequenzen zu erleiden.
Dann schulterte sie ihren Rucksack wieder und Kathryn schlug vor: "Wenn Du Deine Sachen in Deinem Quartier verstaut hast und Dich ein wenig ausgeruht hast, dann komm doch bitte in meinen Bereitschaftsraum."
Janni nickte und wollte gerade rechts in den Flur einbiegen, als eine Hand sie sacht am Arm festhielt.
"Janni..." meinte das MHN etwas streng und als sie seinem Blick folgte, sah sie einige rote Flecken an ihrer Bluse durchschimmern. Janni schaute beflissen zur Seite und meinte: "Frag nicht, ich bin fast in eine Schlucht gefallen."
Auch Kathryn und Chakotay bemerkten jetzt die Schürfwunden und der Captain meinte mit einem Zwinkern zu Janni: "Du weißt ja wo die Krankenstation ist."
Janni seufzte gespielt, sagte nur: "Ja, Ma'am", und folgte dem MHN.

Auf der Suche nach dem Weg

Etwas später saß Janni zusammen mit den Offizieren im Konferenzraum. Nachdem der Captain sie noch einmal offiziell an Bord der Voyager begrüßt hatte, kam sie sofort auf das Thema zu sprechen: "Da wir Janni nun an Bord haben, ist der erste Schritt abgeschlossen und wir können Kurs auf das Zentrum des Universums setzen. Allerdings gibt es einen Nachteil", Janeway machte eine kleine Pause und fuhr dann fort: "Wir bräuchten Jahre bis dorthin. B'Elanna", wandte sie sich nun an ihre Chefingenieurin, "hat Eli Ihnen dazu noch irgendwas auf dem Padd hinterlassen?"
"Nein Captain", antwortete B'Elanna.
"Das ist in der Tat ein kleines Problem", meinte Chakotay seufzend.
Da dieses Problem dringend einer Lösung gebrauchte fingen vor allem B'Elanna, Seven und Kathryn eine Diskussion über mögliche Optionen an. Janni konnte gleich bei den ersten Sätzen schon nicht mehr folgen und richtete ihre Aufmerksamkeit auf die Aussicht auf den Weltraum. Ein Funkeln zog ihren Blick an, es war nur sehr schwach aber für sie so ungewöhnlich, daß es ihre Aufmerksamkeit verdiente. Die Stimmen verebbten zu einem immer leiser werdenden Flüstern, das Funkeln dagegen schien immer intensiver zu werden. Eine Stimme schob sich in den Vordergrund, eine Stimme, die sie sehr gut kannte.
"Du bist die Antwort", klang Thomas' Stimme in ihrem Kopf. Janni sog hörbar die Luft ein und starrte weiter auf den funkelnden Stern. "Öffne einen Tunnel."
Janni war verwirrt. "Wie soll ich das machen?" fragte sie in Gedanken zurück.
"Benutze den Stein, in dem..." abrupt riß die Stimme ab und sie fühlte eine Hand auf ihrer Schulter. Sie gehörte dem MHN, das sie besorgt ansah, ebenfalls waren sämtliche Augenpaare der übrigen Anwesenden in dem Raum auf sie gerichtet.
"Janni, ist alles in Ordnung?" fragte das MHN und zog seine Hand zurück.
Sie schaute ihn einen Moment verwirrt an und meinte dann: "Entschuldigung, ich war mit meinen Gedanken wohl ganz woanders." Sie wollte nicht sofort von der Stimme erzählen, sondern brauchte einen Moment, um sie die Worte im Gedächtnis zu verankern und darüber nachzudenken, was sie bedeuten sollten.
"Du warst ungewöhnlich tief in Gedanken versunken", stellte das MHN nüchtern fest.
Janni rutschte etwas unruhig in ihrem Sessel hin und her, die ganze Aufmerksamkeit war ihr etwas unangenehm. Doch der kurze Moment hatte genügt, um ihre Gedanken wieder zu fokussieren.
"Ich... hab eine Stimme gehört."
Kathryn blickte sie fragend an und Janni erwiderte ihren Blick.
"Es war Thomas' Stimme, da bin ich mir sicher", fuhr sie fort, "er sagte...daß ich die Antwort wäre und ich solle", Janni brach an der Stelle kurz ab und sortierte noch einmal ihre Gedanken. "Genau, er sagte, ich solle den Stein benutzten und in dem... und an der Stelle hat mich der Doktor berührt."
Kathryn schaute Janni immer noch stirnrunzelnd an.
"Den Stein benutzten? Heißt das, Du könntest uns zum Zentrum bringen?"
Janni schaute den Captain etwas entsetzt an. "Ich wüßte nicht, wie ich das anstellen sollte."
Kathryn lehnte sich in ihrem Sessel zurück und schaute das MHN an.
"Doktor, glauben Sie das könnte eine Art Vision gewesen sein?"
Das MHN zuckte mit den Achseln.
"Für einen normalen Tagtraum war sie zu tief versunken, vielleicht hängt es mit dem Stein zusammen. Wir sollten seine Kräfte nicht außer Acht lassen und daß Janni Magie beherrscht, hat sie uns eindrucksvoll bewiesen."
Kathryn nickte. "Ich stimme dem zu, also wird Janni uns einen Weg zum Zentrum eröffnen", sagte sie.
"Captain, ich weiß wirklich nicht wie ich das machen sollte", warf Janni verzweifelt ein.
"Sag uns noch einmal ganz genau was Du gehört hast", bat Janeway.
Janni seufzte, schloß die Augen und rief sich noch einmal die Worte ins Gedächtnis: "Du bist die Antwort, öffne einen Tunnel. Benutze den Stein, in dem..." wiederholte Janni. Als sie geendet hatte blickte sie Kathryn an. "Mehr war nicht, es tut mir leid." Sie schlug die Augen nieder und starrte auf ihre Hände.
"In dem was?" überlegte Chakotay laut. "Tor? Universum? In dem Du Dich konzentrierst oder in dem Du was? Was könnte er gemeint haben?"
Kathryn schaute Chakotay an: "Chakotay, wäre es möglich Janni wieder in diese Vision zu versetzen? Ich denke da an dieselbe Technik mit der Sie ihren tierischen Begleiter kontaktieren?"
Chakotay überlegte einen Moment, dann sagte er mit einem Seitenblick auf Janni: "Einen Versuch wäre es sicher wert."
"Sehr gut, erstatten Sie mir Bericht wenn Sie fertig sind. B'Elanna und Seven, wir werden inzwischen an einer Lösung arbeiten so zum Zentrum zu kommen. Wegtreten."
Die Offiziere erhoben sich und Janni schaute Chakotay etwas unschlüssig an. Der Indianer lächelte und reichte ihr eine Hand.
"Bist Du bereit?" fragte er sanft.
Janni schüttelte den Kopf, doch sie legte ihre Hand in seine und ließ sich hoch helfen.
"Ich helfe Dir, keine Sorge", meinte Chakotay und gemeinsam gingen sie in Jannis Quartier.

Wenig später saßen der erste Offizier und Janni auf dem Boden in ihrem Quartier. Sie waren noch schnell an Chakotays Quartier vorbeigegangen, damit der Indianer sein eigenes Medizinbündel und das Akoonah holen konnte. Unterwegs hatte Chakotay Janni einen Blick in sein Bündel werfen lassen, neben dem Akoonah enthielt es immer noch den Stein mit den seltsamen Markierungen und den Flügel einer Amsel.
"Und was soll ich benutzen?" hatte Janni ihn unterwegs gefragt. Schließlich waren ihre ganzen persönlichen Sachen einige Jahrhunderte entfernt.
"In erster Linie denke ich an den Stein, wir wollen schließlich auch nicht Deinen geistigen Führer kennenlernen sondern versuchen herauszufinden, wie Du uns ins Zentrum bringen kannst", antwortete Chakotay.
Dann waren sie auch schon am Quartier angekommen, Janni hatte ihren Stein geholt und Chakotay achtete sorgsam darauf, daß er ihn nicht aus Versehen berühren könnte.
"Jetzt nimm den Stein in eine Hand und lege Deine andere Hand auf das Akoonah. Versuche Dich an die Stimme zu erinnern und was sie gesagt hat. A-koo-chee-moya... wir sind weit entfernt von den heiligen Stätten unserer Väter, wir sind weit entfernt von den Gebeinen unseres Volkes, aber vielleicht gibt es hier ein mächtiges Wesen das dieser Frau hilft zu der Stimme zu finden."
Chakotays Worte wurden leiser und als Janni die Augen wieder öffnete war sie im Wald an einem Lagerfeuer. Es war stockfinster um sie herum, die Dunkelheit schien das Licht zu verschlucken.
"Thomas?" fragte sie zögernd. Hinter ihr knackte es laut und sie wirbelte herum. Sie sah die schemenhafte Gestalt eines Mannes auf sich zukommen.
"Thomas? Bist Du das?" fragte sie noch einmal.
Die Gestalt kam näher und als sie nur noch zwei Meter von Janni entfernt war, schlug sie die Kapuze zurück. Ein Mann blickte sie mit leeren, blutigen Augenhöhlen an.
Janni schrie entsetzt auf und stolperte zurück. Der Fremde hob den Arm und zeigte auf sie: "Er wird Dich finden. Hüte Dich!" Dann stolperte der Mann zwei Schritte auf sie zu und fiel direkt auf das Feuer. Sofort fing der Stoff Feuer und die Flammen verzehrten ihn. Janni schrie erneut auf und lief blindlings ins Dunkel. Sie stolperte mehrmals über das Unterholz, doch sie lief immer weiter bis ihr ein Ast in den Weg kam und ihr kurz schwarz vor Augen wurde. Als sie jedoch die Augen wieder öffnete sah sie einen sehr besorgten Chakotay über sich, der sie vorsichtig an der Schulter rüttelte.
"Ist alles in Ordnung?" fragte er.
Sie merkte, daß sie auf dem Rücken lag, in ihrer rechten Hand immer noch den Stein haltend und sie atmete schnell. Sie versuchte langsamer und tiefer zu atmen und setzte sich dann mit etwas Unterstützung von Chakotay wieder auf.
"Soll ich lieber den Doktor holen?" fragte Chakotay, als Janni immer noch nichts gesagt hatte.
Sie war leichenblaß und Chakotay bemerkte, daß sie zitterte. Er wollte gerade auf sein Combadge tippen, doch sie hielt ihn zurück.
"Warten Sie, es geht schon wieder. Was ist passiert?" fragte sie.
Chakotay ließ die Hand wieder sinken und erzählte dann, daß am Anfang alles gut gelaufen sei, bis sie plötzlich geschrien hatte und dann umkippte.
"Ich habe versucht Dich aus der Trance zu holen, aber es klappte nicht. Doch dann bist Du glücklicherweise aufgewacht... was um Himmels Willen ist passiert?"
"Ich... ich war in einem Wald und dachte, daß Thomas da sein würde", erzählte sie, "doch statt ihm kam ein Mann zum Feuer. Chakotay, er hatte keine Augen mehr! Und er sagte, irgendwer wird mich finden und ich solle mich hüten. Aber vor wem? Und wer war dieser Mann? Und dann... dann ist er ins Feuer gefallen. Er ist verbrannt! Und dann bin ich weggerannt."
Chakotay sagte nichts, sonders legte nur seine Hand auf ihre Schulter. Nachdenklich blickte er auf das Mädchen herunter und überlegte, was diese Vision zu bedeuten hatte. Vor allem, warum sie keinen Erfolg hatten, Thomas zu erreichen.
Janni schaute ihn wartend an und schließlich meinte Chakotay: "Ich denke, du solltest jetzt einen heißen Tee trinken und Dich dann etwas ausruhen. Ich werde inzwischen dem Captain Bericht erstatten."
Sie nickte. Das war wohl am besten, obwohl sie stark bezweifelte, daß sie jetzt schlafen konnte. Ihre Gedanken waren noch zu aufgewühlt.
Chakotay replizierte ihr noch einen Tee und ließ sie dann allein.
Sie setzte sich auf die Couch und dachte über die seltsame Vision nach. Warum hatte sie es nicht geschafft mit Thomas in Kontakt zu kommen? Und vor wem sollte sie sich hüten? Sie dachte eine zeitlang über den Mann nach, ob er ihr bekannt vorkommen würde vielleicht, aber das Ganze war ihr ein Rätsel. Als sie den Tee ausgetrunken hatte legte sie sich auf die Couch und versuchte etwas Ruhe zu finden. Die Worte von Thomas kamen ihr wieder in den Sinn, wenn der Doktor nur einen Moment noch gewartet hätte... "benutze den Stein", kam ihr wieder in den Sinn, "in dem..." was hatte Thomas sagen wollen? Wollte er ihr sagen, auf welche Weise sie ihn benutzen musste oder vielleicht eher noch einen Ort beschreiben der wichtig war? Sie versuchte sich ganz genau die Betonung der letzten beiden Worte ins Gedächtnis zu rufen und je länger sie darüber nachdachte war sie mehr davon überzeugt, daß Thomas einen Ort beschreiben wollte.
"Was könnte passen?" überlegte sie. Die Erkenntnis durchfuhr sie wie ein Blitz und sie schoß regelrecht von der Couch wieder hoch.
"Das Buch", murmelte sie vor sich hin, "er meinte bestimmt das Buch, in dem Buch steht, was ich tun muß!"
Zur selben Zeit unterrichtete Chakotay Kathryn gerade über die Vorkommnisse bei Jannis Vision. Die beiden Offiziere saßen im Bereitschaftsraum des Captains, Kathryn hatte eine Tasse Kaffee in der Hand und fragte dann ihren ersten Offizier: "Gibt es noch eine Möglichkeit die Vision etwas... direkter auf ein Ziel zu lenken?"
Chakotay mußte schmunzeln.
"Kathryn, Visionen sind keine Sache, die man mit einem isolinearen Schraubenschlüssel justieren kann und die dann so funktionieren, wie man möchte."
Kathryn seufzte. "Natürlich, Du hast ja Recht, ich meine, gibt es denn keine Methode die uns eine Antwort liefern kann?"
Chakotay schüttelte den Kopf. "Wir können es nur noch einmal versuchen, vielleicht hat sich Janni nicht genug auf die Stimme konzentriert. Ich kann versuchen die Vision mit ihr zusammen zu beschreiten", fügte Chakotay nachdenklich hinzu. "Aber zuerst sollten wir ihr eine Weile etwas Ruhe gönnen, ich habe zwar nicht das gesehen, was sie gesehen hat, aber es muß schlimm gewesen sein."
Kathryn nickte und das nächste Gesprächsthema der beiden Führungskräfte drehte sich um die routinemäßigen Schiffsfunktionen, die trotz der besonderen Situation auch aufrecht erhalten werden mussten, und um bisherige Ideen, die Voyager auch so zum Zentrum des Universums zu bekommen.

Das Zentrum des Universums

Janni hatte derweil das Buch gefunden und ihre Überlegung stimmte. Das Buch hatte sich verändert und war weitergeschrieben worden. Es ergänzte die Worte, die sie vorher von Thomas gehört hatte:

Der Stein kann das Zentrum mit jedem beliebigen Ort verbinden, sprich und das Tor wird sich öffnen.

Janni runzelte die Stirn, als sie die merkwürdigen Zeichen sah.
Wie soll ich das aussprechen, dachte sie ratlos und hielt das Buch etwas dichter, um die Zeichen genauer betrachten zu können.
Als sie einige Minuten angestrengt die Zeichen studiert hatte ohne jedoch daraus schlau zu werden, legte sie das schwere Buch seufzend zur Seite und beschloß, die Sache einfach dem Captain zu zeigen. Vielleicht wußte sie etwas damit anzufangen.
"Computer, wo befindet sich Captain Janeway?"
"Captain Janeway befindet sich im Bereitschaftsraum."
Sie nahm das Buch und machte sich damit auf den Weg zum Captain.

"Herein", sagte Janeway, als der Summer ertönte.
"Captain, Thomas wollte mich auf das Buch hinweisen, es wurde weitergeschrieben, sehen Sie nur", sprudelte Janni hervor und hielt Kathryn das Buch hin. Diese nahm es und runzelte die Stirn als sie die merkwürdigen Zeichen sah.
"Weißt Du was das bedeuten soll?" fragte sie.
Janni schüttelte den Kopf. "Ich hatte gehofft, Sie könnten mir da weiterhelfen", sagte sie enttäuscht. "Kann es der Computer entschlüsseln?"
"Es sind nur 3 Wörter, aber oftmals dasselbe Symbol. Es müßte möglich sein die Zeichen zu übersetzen, was den Inhalt angeht... wir werden es abwarten", meinte Janeway und sagte: "Computer, Symbole in dem Buch entschlüsseln."
"Symbole werden analysiert, Übersetzung nicht möglich, für eine Entschlüsselung werden mehr Symbole benötigt."
Gleichzeitig erschien auf dem Monitor von Janeway die aufgeschlüsselten Symbole in römischen Buchstaben.
"Urath annon ened", las Janeway vor.
Janni konnte mit den Worten genauso wenig anfangen wie der Captain, daher verabschiedete sie sich wieder mit der Absicht, Chakotay aufzusuchen und es noch einmal mit einer Visionssuche zu probieren. Sie mußte unbedingt Thomas finden, er würde ihnen sicher weiterhelfen können.
Auf dem Weg zu ihrem Quartiert blieb sie auf einmal wie angewurzelt stehen, starrte auf das Buch herunter denn der Satz aus dem Buch fiel ihr wieder ein.
"Da stand nicht, daß ich das übersetzen muß, da stand doch nur, ich soll es sagen..." grübelte sie, setzte sich wieder in Bewegung und erreichte wenig später ihr Quartier. Kaum angekommen öffnete sie das Buch, schlug die letzte, bedruckte Seite auf und stieß einen triumphierenden Laut aus.
"Ha! Wenn das nicht klappen soll..."
Sie holte den Stein hervor, setzte sich im Schneidersitz aufs Bett, schloß die Augen und griff mit ihren Gedanken nach dem Stein. Sofort spürte sie die Wärme von ihm ausgehen, sie wurde wie Wasser durch ihren Körper gespült und obwohl sie es noch nicht beabsichtigt hatte, strömten die fremden Wörter aus ihrem Mund: "Urat annon ened!" rief sie und augenblicklich pulsierte der Stein schneller und Janni spürte eine sengende Hitze von ihm ausgehen. Sie wollte den Stein loslassen, doch er klebte an ihrer Haut. Flammen hüllten sie ein, ihre Haut schälte sich von ihrem Fleisch und sie wußte, daß sie in wenigen Momenten zu Asche zerfallen würde. Die Agonie in den Flammen erreichte den Höhepunkt und ihr Bewußtsein wurde ausgelöscht.

Zur selben Zeit im Bereitschaftsraum spürte Kathryn, daß etwas nicht stimmte. Das Schiff fing an merklich zu vibrieren und gerade als sie zur Brücke laufen wollte gab es einen mächtigen Ruck und sie ging zu Boden gefolgt von sämtlichen losen Gegenständen im Raum. Augenblicklich schrillte der rote Alarm los und Tuvoks Stimme kam aus dem Combadge: "Captain auf die Brücke!"
Kathryn, die immer noch mit dem schwankenden Boden zu kämpfen hatte, schaffte es irgendwie auf die Beine zu kommen und tastete sich Halt suchend an der Wand entlang Richtung Tür. Als die Türen beiseite glitten sah sie, daß ihre Offiziere es geschafft hatten in den Sitzen zu bleiben, zumindest machte es den Anschein.
"Bericht", sagte sie und hangelte sich zu ihrem Stuhl durch.
Ensign Kim klammerte sich mit einer Hand an seinem Pult fest, während die Finger der anderen Hand geschwind über die Buttons flogen. "Irgendetwas ist mit dem Schiff geschehen", rief er über das Geschehen hinweg.
Kathryn runzelte die Stirn, drehte sich so gut es ging Richtung Kim und meinte: "Harry, 'irgendetwas' ist verdammt wenig, was sagen die Instrumente?"
"Das ist ja das Problem Captain, sie zeigen nichts an! Laut Schiffscomputer fliegen wir ruhig im Raum herum..."
Just als hätte die Voyager selber herausgefunden, dass ihre Instrumente etwas anderes zeigten, als das Schiff tat, hörte das Rollen auf und sie schwebte wieder sacht im Weltraum als wäre nichts passiert.
"Tuvok, aktivieren sie wieder den Sichtschirm", sagte Chakotay während Kathryn einige Daten ablas. Ein unbekanntes Bild bot sich der Brückencrew, als auf dem Schirm der Weltraum erschien, allerdings versehen mit bunten Schlieren und einem Sternhaufen der irgendwie verzerrt aussah. Kathryn erhob sich aus ihrem Sitz und trat hinter Tom an die Conn.
"Tom, wo sind wir?"
Paris tippte einige Tasten, drehte sich dann langsam, mit einem völlig verwunderten Blick zu seinem Captain um und sagte: "Wir sind im Zentrum des Universums."
Janeway starrte erst ihn, dann den Sichtschirm mit zusammengezogenen Augenbrauen an.
"Wie ist das möglich?" fragte sie mehr sich selber als ihre Crew.
Chakotay lieferte ihr eine mögliche Antwort, als er leise "Vielleicht war es Janni?" fragte.
Janeway tippte auf ihr Combadge: "Janeway an Janni."
Die Sekunden verstrichen, aber eine Antwort blieb aus. "Tuvok, ist das Kommunikationssystem heil geblieben?" fragte sie den Vulkanier.
"Comsystem ist online und funktionsbereit."
Janeway versuchte es erneut: "Janeway an Janni, melde Dich bitte."
Wieder bekam sie keine Antwort.
"Computer, Janni lokalisieren."
"Janni befindet sich in ihrem Quartiert", antwortete der Computer.
Kathryn gab Chakotay einen Wink ihr zu folgen und tippte einmal mehr auf ihr Combadge, während sie und Chakotay im Turbolift verschwanden.
"Janeway an Krankenstation, wie sieht's bei Ihnen aus Doktor?"
Diesmal kam die Antwort sofort: "Alles in Ordnung Captain, nur einige Prellungen und ein verstauchter Knöchel, nichts ernstes."
"Gut, können Sie uns vor dem Quartier von Janni treffen? Sie antwortet nicht. Chakotay und ich sind gleich da."
"Verstanden", sagte das MHN und unterbrach die Verbindung.
Wenig später trafen Kathryn und Chakotay vor Jannis Quartier ein. Chakotay betätigte den Türsummer und als immer noch keine Reaktion kam klopfte er an die Türen.
"Janni?" rief er. Fragend blickte er Kathryn an und diese gab kurzerhand ihren Überbrückungscode ein und die Türen öffneten sich. Janni lag auf dem Boden vor ihrem Bett.
"Janni!" rief Chakotay aus und eilte zu ihr, gefolgt von Kathryn. Er legte ihr zwei Finger an den Hals und drehte sich dann erleichtert zu Kathryn um: "Alles in Ordnung, ich glaube sie ist nur ohnmächtig."
"Vielleicht wurde sie bei dem Geruckel vom Bett geworfen", mutmaßte Kathryn und wollte nach Jannis Hand greifen um den Puls zu tasten. Chakotay hielt sie zurück und deutete auf Jannis Hand: "Nicht anfassen Kathryn, der Stein..."
Kathryn zog ihre Hand zurück, passenderweise kam gerade das MHN herein. Ohne groß etwas zu sagen kniete er sich neben sie und holten den Tricorder heraus.
"Hm, das ist merkwürdig", sagte er und drückte dann ein Hypospray an Jannis Hals.
"Was ist denn Doktor?" fragte Chakotay.
Das MHN drehte den Kopf zu Chakotay und meinte: "Ich glaube nicht, daß sie gefallen ist, es scheint eher, als ob ... eine gewaltige Energiemenge durch sie hindurchgeflossen ist...Janni?" fragte er als er ein Geräusch hörte.
"Meine Haut..." murmelte Janni als sie langsam aufwachte. Das MHN schaute auf ihre Hände und das Gesicht und sagte dann: "Was ist damit? Ich kann nichts sehen."
Janni schlug die Augen auf und starrte auf den Stein in ihrer Hand. Plötzlich ließ sie ihn fallen und tastete ihr Gesicht ab. "Aber... wie ist das möglich? Ich stand in Flammen!"
Die drei Offiziere musterten sie erstaunt.
"Wie meinst du das? Du hast keine Verbrennungen", sagte das MHN und half ihr langsam hoch. Er half ihr sich aufs Bett zu setzen und Janni sagte: "Ich habe den Stein benutzt und die Worte gesprochen, die der Computer übersetzt hatte... auf einmal war es, als ob ich in Flammen stand, die Hitze..."
Sie starrte auf den Stein, der am Boden lag und strich vorsichtig drüber. Er war lauwarm und seine Berührung brachte wieder dieses beruhigende Gefühl.
"Hat es geklappt?" fragte sie dann.
"In der Tat, aber nächstes mal warne uns bitte vor", sagte Janeway mit strenger Stimme. "Vor allem, wenn Du nicht weißt was das für Dich für Auswirkungen hat."
"Es tut mir leid Captain", sagte Janni zerknirscht.
"Doktor, ist soweit wieder alles in Ordnung mit ihr?" wandte sich Kathryn an das Hologramm.
"Laut Tricorder ja", antwortete das MHN vorsichtig, er hatte zwar keine Verbrennungen feststellen können, aber ganz überzeugt war er nicht davon dass sie völlig in Ordnung war. Doch solange er dafür keine physischen Beweise hatte wußte er auch nicht, nach was er suchen sollte.
Janni, die seine Gedanken zu ahnen schien, kam ihm zuvor in dem sie sagte: "Ist schon okay Dok, ich fühle mich normal. Mach Dir keine Sorgen." Sie schenkte ihm ein Lächeln, das er zögernd erwiderte, dann klappte er den Tricorder zu, nahm das Medkit und verließ ihr Quartier mit den Worten: "Falls irgendetwas ist, sagst Du mir Bescheid junge Dame!"
Dann war er um die Ecke verschwunden.
"Fühlst Du Dich gut genug um an einer Besprechung teilzunehmen?" fragte Kathryn.
Janni nickte. "Natürlich. Sind wir wirklich im Zentrum angekommen?"
"Die Computer sagen das zumindest", antwortete Chakotay und gemeinsam gingen sie Richtung Brücke.
Unterwegs beorderte Kathryn die Offiziere schon in den Konferenzraum und bis auf B'Elanna waren bereits alle anwesend, als die drei eintrafen.
"Bericht", sagte Kathryn und setzte sich in ihren Stuhl.
"Die Systeme des Schiffes wurden nicht beschädigt, das Schiff auch nicht", erklärte Tuvok zu Kathryns Erleichterung.
"Den Bericht aus der Krankenstation kennen Sie ja bereits", meinte das MHN und fügte für den Rest der Anwesenden hinzu: "Nur ein paar Prellungen und ein verstauchter Knöchel."
Die Türen glitten auf und B'Elanna trat ein. "Entschuldigen Sie die Verspätung Captain, wir mußten noch Ordnung im Maschinenraum schaffen." Sie ließ sich in ihren Sitz fallen.
"Irgendetwas beschädigt?" fragte Chakotay nach.
Die Halbklingonin winkte ab.
"Nur ein Schraubenschlüssel, der ein bioneurales Gelpack beschädigt hat, Ensign Ashmore war gerade mit Reparaturen an der Stelle beschäftigt als die Voyager kippte, dabei hat sie den Schraubenschlüssel in das Gelpack gespießt."
Wissen Sie schon was passiert ist, Captain? Die Computer haben mir nichts angezeigt..."
Kathryn deutete mit ihrem Kopf Richtung Janni. "Janni hat scheinbar erfolgreich herausgefunden, wie sie uns alle ins Zentrum schicken kann."
Die Offiziere starrten Janni an und wieder nahm ihr Gesicht eine zarte rosa Färbung an und sie wollte am liebsten im Stuhl versinken. Als die Stille nicht abbrach beschloß sie etwas zu sagen: "Es tut mir leid, ich wollte nicht, daß das Schiff so durchgeschaukelt wird."
"Wie hast Du das gemacht?" fragte B'Elanna verblüfft ohne auf ihren Satz einzugehen.
Janni blickte unsicher zum Captain und diese nickte leicht. Dann berichtete sie kurz von dem Buch mit den seltsamen Symbolen und wie sie mit dem Stein in der Hand die fremden Worte gesagt hatte. Das Feuer erwähnte sie jedoch nicht.
"Und dann waren wir einfach hier", beendete sie ihren Bericht.
Tuvok zog eine Augenbraue hoch und sagte: "Faszinierend."
"Und wie geht's jetzt weiter?" fragte Neelix in die Runde.
Janni schaute ihn fragend an. "Ich meine", fuhr der Talaxianer fort, "wir sind jetzt hier, aber was müssen wir hier machen?"
"Eli sagte, wir müssen im Zentrum eine interphasische Spalte öffnen", meldete sich B'Elanna zu Wort. "Ich habe mir erlaubt bereits mit den Vorbereitungen anzufangen, in ein paar Stunden können wir es versuchen."
"Ich weiß aber nicht, was ich dann machen muß", sagte Janni leise und schaute Kathryn leicht verzweifelt an.
Der Captain blickte zu Chakotay und dieser meinte betont heiter: "Bisher haben wir alles irgendwie immer geschafft, warum sollte es diesmal anders sein?"
"Und außerdem haben wir auch noch ein paar Stunden Zeit uns zu überlegen, was wir machen...", sagte Janeway und verbesserte sich dann mit einem Blick zu Janni: "...oder was Du machst vielmehr."
Janni erwiderte nichts.
"Wegtreten, B'Elanna, informieren Sie mich umgehend wenn Sie fertig sind."
"Aye Captain."
Die Offiziere erhoben sich aus ihren Sitzen und verließen den Konferenzraum nach und nach.
"Janni, vielleicht schaust Du einfach noch einmal in das Buch bis B'Elanna fertig ist?" schlug Janeway vor.
"Ja Captain", antwortete diese leise und verließ dann ebenfalls den Konferenzraum.

Wieder in ihrem Quartier angekommen holte sie das Buch hervor und schlug es auf, doch sie wußte schon vorher, daß dort nichts weiter stehen würde. Und sie sollte Recht behalten. Das Buch endete immer noch mit den Runen. Seufzend klappte sie das Buch wieder zu und warf es auf das Bett. In dem Moment ertönte der Türmelder.
"Herein", sagte sie und das MHN betrat ihr Quartier.
"Hi, kann ich Dir helfen?" frage sie überrascht und bot dem Doktor einen Platz an. Er nahm auf der Couch Platz und sie setzte sich ihm gegenüber.
"Ich dachte, Du könntest vielleicht etwas Hilfe brauchen", sagte das MHN und lehnte sich bequem zurück.
Janni runzelte die Stirn. "Was meinst Du?" fragte sie etwas verwirrt.
"Nun, mir ist nicht entgangen was Du zum Captain vorhin gesagt hast."
"Du meinst die Spalte, wenn sie offen ist, nicht wahr? Ich bin für jeden Vorschlag dankbar, das kannst Du mir glauben, aber woher soll ich wissen, ob es das Richtige ist?"
"Das kannst Du natürlich nicht wissen, aber wenn ich mich Recht erinnere hatte Dir Thomas etwas wichtiges über den Gebrauch der Magie gesagt."
Das MHN machte eine kleine Pause, beugte sich leicht vor und meinte dann betont langsam: "In Deinem Willen liegt die Macht, Du mußt nur klar für Dich formulieren, was Du tun möchtest." Mit einem leichten Grinsen lehnte er sich wieder zurück und Jannis Miene hellte sich wieder etwas auf.
"Du meinst, wenn ich ein Portal öffnen soll, dann sollte ich das auch einfach... so machen?"
Das MHN nickte. "Genau das meine ich. Das zu formulieren sollte Dir nicht schwerfallen. Denk einfach nur daran, daß es ein Übergang zwischen den Parallelwelten sein muß."
Damit erhob sich das MHN wieder und schritt Richtung Tür. In der Türschwelle drehte er sich noch einmal um und sagte: "Und denk daran den Durchgang groß genug zu machen, ich kann mir vorstellen, daß wir eventuell mit der Voyager oder zumindest einem Shuttle dort hinein müssen." Damit schlossen sich die Türen hinter ihm und Janni war zumindest ein wenig optimistischer als vorher. Wie hatte sie das nur vergessen können!

Visionen

Im Bereitschaftsraum waren Kathryn und Chakotay gerade darüber am diskutieren, was sie am besten machen sollten wenn B'Elanna es gelang die interphasische Spalte zu öffnen.
"Wenn wir zuviel Druck auf sie ausüben, dann kommen wir womöglich gar nicht weiter", meinte Chakotay gerade, als sie beim Thema Janni angekommen waren.
"Chakotay, irgendwie muß sie es schaffen, sonst werden beide Universen vernichtet, Du hast Eli gehört! Und entschuldige wenn ich das sage - aber allein die Tatsache, daß wir dazu nicht mehr ewig Zeit haben übt so oder so Druck auf sie aus." Kathryn hatte sie Hände hinter ihrem Rücken verschränkt und wanderte auf und ab während sie überlegte.
"Ich meine auch nur, daß wir ihr nicht zusätzlich das immer wieder unter die Nase reiben sollten", entgegnete Chakotay.
Kathryn blieb stehen und blickte ihren ersten Offizier verdutzt an.
"Tun wir das denn?" fragte sie.
Chakotay zuckte mit den Schultern. "Indirekt, Du hast doch gesehen wie sie bei der Besprechung war. Und außerdem hat sie uns gerade zum Zentrum gebracht, wir sollten ihr etwas Ruhe gönnen."
"Ruhe?" hakte Kathryn scharf nach. "Chakotay, wir haben keine Zeit!" sagte sie und betonte jedes Wort einzeln um ihnen Nachdruck zu verleihen.
Der erste Offizier seufzte resigniert. "Du hast ja Recht, aber ich glaube trotzdem, daß wir, gerade weil wir so wenig Zeit noch haben, sie nicht antreiben sollten."
"Dann mach bitte einen Vorschlag wie wir ihr helfen können, darüber zerbreche ich mir schon seit Tagen den Kopf. Wenn wenigstens Eli auftauchen würde, aber scheinbar denkt er, wir bekommen das auch so hin." Kathryn war am Tisch angekommen und nutzte die Gelegenheit um einen Schluck Kaffee zu trinken, der unglaublicherweise noch heiß war.
"Wie wäre es..." fing Chakotay an, "wenn ich mit ihr noch einmal versuchen würde Thomas zu erreichen? Vielleicht klappt es diesmal und er kann uns helfen."
Er glaubte zwar selber nicht so recht an diesen Vorschlag, aber einen anderen hatte er nicht.
Kathryn seufzte leise. "Einen Versuch ist es wert und um ehrlich zu sein: ich selber habe keine besseren Vorschläge in petto."
Sie nahm auf der Couch Platz, stützte ihr Kinn auf ihre Hand und sah nachdenklich aus dem Fenster. Noch immer bot das Farbenspiel einen prachtvollen Anblick, doch sie nahm es nicht wirklich wahr. Wenn Janni es nicht schaffen sollte diese Verbindung herzustellen, dann wäre alles verloren.
Chakotay spürte, daß Kathryn ins Grübeln verfiel und beschloß, sie etwas abzulenken. Er nahm neben ihr Platz und legte seine Hand auf ihre. Kathryn wurde durch die Berührung aus ihren Gedanken gerissen und blickte Chakotay an. Der Indianer lächelte leicht und seine Augen strahlten Wärme aus. Sie spürte ein wohliges Gefühl in sich aufsteigen und bemerkte, wie sich ihre Gedanken etwas klärten. Ein ebenfalls sanftes Lächeln stahl sich auf ihre Lippen und im nächsten Moment beugte sie sich vor um Chakotay zu küssen. Er erwiderte den Kuß und zog sie eng an sich. Kathryn legte ihren Kopf an Chakotays Brust und schloß die Augen.
"Wir werden es schaffen Kathryn", flüsterte Chakotay ihr ins Ohr. "Janni wird es schaffen, ich bin ganz sicher."
Kathryn antwortete nicht sondern schmiegte sich nur enger an Chakotay.

Unterdessen hatte sich Janni auf ihr Bett gelegt um in Ruhe nachdenken zu können, wie sie am besten eine Verbindung herstellen konnte. Ihre Gedanken hatten eine große Röhre erschaffen, die wie ein Tunnel von Punkt A nach Punkt B reichte. Unwillkürlich mußte sie an ein Wurmloch denken und da wurde ihr klar, daß diese Variante sogar am einfachsten war. Ein Wurmloch war ein Phänomen, das ihr bekannt war und tatsächlich existierte. Sie würde einfach nur sagen müssen, daß es hier anfing und im Paralleluniversum enden sollte.
Je länger sie über diese Idee nachdachte, desto sicherer wurde sie, daß sie auf dem richtigen Weg war und sie kam sich schon etwas töricht vor, weil sie sich die ganze Zeit über verrückt gemacht hatte und eigentlich alles so einfach schien.
Wenigstens spürte sie, wie die Anspannung größtenteils von ihr abfiel und sie erlaubte sich, ihre Gedanken für einen Moment etwas wandern zu lassen. Eine angenehme Ruhe und Müdigkeit überkam sie und wenig später war sie eingeschlafen und nach einer Weile fing sie an zu träumen.
Das Wurmloch war, wie sie es sich vorgestellt hatte, im Zentrum erschienen und im Konferenzraum saßen neben den Offizieren auch Eli und Thomas mit am Tisch. Thomas strahlte Janni stolz an und auch Eli hatte lobende Worte für sie übrig: "Eine ausgezeichnete Idee", sagte er mit einem anerkennenden Kopfnicken in Jannis Richtung. Dann wandte er sich an den Captain: "Jetzt müssen Sie nur noch ein Shuttle durch das Wurmloch schicken, hier mit der Voyager in Position gehen und dann anfangen, die Verbindung zwischen den Universen zu lösen. Dazu wird es reichen wenn Sie mit dem Deflektor einen 2-minütigen Energiestoß in die Peripherie schicken. Die dazu nötigen Konfigurationen finden sie hier."
Eli holte ein Padd hervor und reichte es B'Elanna. Die Chefingenieurin schaute es aufmerksam durch und meinte dann: "Hierfür sind nur geringfügige Änderungen notwendig, das sollte kein Problem sein."
"Die Phasenabweichungen müssen nur abgeglichen werden, mehr ist es nicht", erklärte B'Elanna und schaute dabei den Captain an. Ein durchdringendes Geräusch lenkte Janni von Elis weiteren Ausführungen ab. Sie fragte sich, wo das herkam, dann wurde sie sich gewahr, dass sie am Aufwachen war und das durchdringende Geräusch der Türmelder war.
"Herein", murmelte sie noch schläfrig und setzte sich auf. Chakotay kam herein und meinte, als er Janni sah: "Entschuldige, habe ich Dich geweckt?"
"Kein Problem Commander", erwiderte Janni und gähnte einmal hinter vorgehaltener Hand. "Ich hab gerade überlegt, wie ich das Wurmloch am besten öffnen kann, dabei muß ich wohl eingeschlafen sein."
Chakotay runzelte die Stirn. "Das Wurmloch? Hab ich was verpaßt?"
Jannis Augen wurden größer. "Eh.... ja, ich hatte vorhin noch Besuch vom Doktor, er hat mich an etwas wichtiges erinnert."
Und sie erzählte Chakotay von ihrer Überlegung.
Chakotay mußte lachen. "Und ich bin gerade zu Dir gekommen weil ich Dir vorschlagen wollte es noch mal mit einer Vision zu versuchen, aber ich sehe, das ist gar nicht notwendig."
Bei dem Wort "Vision" fühlte Janni auf einmal, daß da etwas wichtiges war, das sie vergessen hatte... konzentriert dachte sie nach bis sich Bruchstücke von ihrem Traum in den Vordergrund schoben. Eli und Thomas waren da und Eli hatte ihr etwas mitgeteilt..." Chakotay merkte, daß Janni gerade nicht geistig anwesend war und fragte: "An was denkst Du?"
Janni schreckte hoch. "Ich hab von Eli und Thomas geträumt, es war aber in Zusammenhang mit dem Wurmloch und dem aktuellen Geschehen, ich glaube, er hat gesagt was wir tun müssen wenn das Wurmloch erst mal da ist, aber... der Traum verschwindet langsam..."
"Schließ die Augen und versuche den Anfang noch einmal zu finden", sagte Chakotay und setzte sich neben sie.
Janni tat wie geheißen und ließ sich von Chakotays Stimme leiten.
"Geh zu dem Punkt zurück, an den Du Dich am klarsten erinnern kannst." Chakotay machte eine kleine Pause um ihr die Möglichkeit zu geben, ihre Gedanken zu ordnen. "Jetzt laß Dich von der Erinnerung völlig ausfüllen und entspann Dich."
Die Worte von Chakotay wurden nur noch ein leises Flüstern, dagegen wurden die Worte in der Erinnerung vordringlich.
"....Phasenabweichungen... angeglichen..." hörte Janni zwei Worte aus dem Äther. Sie riß die Augen auf und wiederholte sie hastig.
Chakotay nickte. "Das macht Sinn", sagte er, "in einer Verbindung zwischen zwei Punkten muß das Schiff dem jeweiligen Einflußverhältnis angeglichen werden. Ich werde es B'Elanna gleich mitteilen. Das hast Du gut gemacht."
"Commander..." begann Janni und wußte erst nicht, wie sie weitermachen sollte. Chakotay blickte sie fragend an und wartete geduldig, bis es schließlich aus Janni heraussprudelte: "Wieso träume ich von solchen Dingen? Ich meine, woher weiß ich sowas? Ich habe keine Ahnung von irgendwelchen Raumphänomenen oder Einstellungen oder Technik, trotzdem ... sind sie irgendwie in meinem Kopf."
Janni schaute zur Seite und schlang ihre Arme um die Knie. "Das ist beängstigend. Was passiert mit mir?" fragte sie leise.
Chakotay nahm sich etwas Zeit bevor er sagte: "Mach Dir keine zu großen Gedanken. Du bist einfach etwas Besonderes, versuche das nicht als Fluch zu sehen, sondern nimm es als Geschenk hin. Ohne Dich wäre das Universum ausgelöscht worden, und Du weißt selber, daß es Milliarden von Welten und Wesen gibt, die alle spezielle Fähigkeiten haben, warum sollte es bei Menschen nicht auch einmal vorkommen?"
Als ob sie noch nicht ganz überzeugt von den Worten wäre, wiegte sie den Kopf hin und her, doch sie sagte nichts. Chakotay schien zu spüren was in ihr vorging und meinte: "Es gibt sogar in der Geschichte der Menschheit immer wieder Hinweise, daß manch einer spezielle Gaben hatte. Und sicher wirst Du auch nicht die Letzte sein."
Er schickte ein Lächeln hinterher und stand auf.
"Ich werde Deine Informationen jetzt an den Captain und B'Elanna weitergeben, das hast Du gut gemacht."
Er zwinkerte ihr noch einmal zu und verließ dann das Quartier.

Ein paar Stunden später hatte B'Elanna die Vorbereitungen abgeschlossen und Janni war vom Captain in den Bereitschaftsraum gerufen worden.
"Wir sind soweit", verkündete der Captain.
"Das haben Sie großartig gemacht", ertönte auf einmal eine Stimme hinter ihnen. Die beiden Frauen wirbelten herum und sahen Eli in einer Ecke stehen. Entschuldigend hob er die Hände, da er die beiden erschreckt hatte.
"Es tut mir leid, ich wollte sie nicht erschrecken", sagte er mit einem Lächeln.
"Warum sind Sie nicht schon früher aufgetaucht?" fragte Janni mit einem ärgerlichen Unterton. "Anstatt uns alles erraten zu lassen kommen Sie immer dann, wenn schon fast alles erledigt ist."
Kathryn zog eine Augenbraue hoch und blickte besorgt zu Eli. Doch dieser lächelte immer noch.
"Schon gut, Captain", sagte er beschwichtigend, dann zu Janni gewandt: "Es ist wichtig, daß Du das Denken nicht verlernst und Deine eigenen Entscheidungen triffst. Und bisher", er machte eine kurze Pause und nickte Janni anerkennend zu, "waren sie immer richtig."
Jannis Mund klappte zu und sie wußte nicht mehr, was sie sagen sollte.
Janeway kam ihr zu Hilfe. "Und was führt Sie dann jetzt zu uns?" fragte sie.
"Die Positionen der Schiffe ist entscheidend um den Riß zu schließen", meinte Eli. "Die Voyager muß sich vor dem Tunnel befinden, ein Shuttle im letzten Drittel. Janni wird sich in dem Shuttle befinden und dann anfangen den Riß gleichmäßig zu schließen. Am besten wäre es, wenn wir an drei Punkten Schiffe hätten, aber da das nicht geht müssen wir es so aufteilen. Ich werde mich mit meinem Schiff außerhalb ihres Raums befinden und verhindern, daß die Universen, wenn der Tunnel einmal geschlossen ist, sich trotzdem weiter aufeinander zubewegen."
Dann blickte er Kathryn und Janni noch einmal an und diesmal meinte Kathryn Trauer in seinen Zügen zu erkennen.
"Wenn alles gut geht, werden wir uns nicht mehr sehen."
An Janni gewandt sagte er: "Vergiß niemals, daß Du die Auserwählte bist, die Magie ist in Dir und kann mit dem Stein verstärkt werden. Denke immer daran."
Dann war er verschwunden. Kathryn runzelte die Stirn und Janni sagte ziemlich verbissen: "So langsam geht er mir auf den Senkel, taucht nur auf wann es ihm paßt und verschwindet dann einfach wieder..."
Insgeheim stimmte Kathryn mit dieser Aussage überein, aber sie sagte nur: "Es ist wohl nicht zu ändern. Komm, gehen wir auf die Brücke und informieren die anderen. Und dann sollten wir beginnen."

Als der Captain die Brücke betrat sahen alle gespannt zu ihr rüber.
"Tom", wandte sie sich zuerst an den Piloten, "nehmen sie Chakotay und Janni mit und begeben Sie sich zum Shuttle. Lassen sie uns diesen Riß schließen und dann wieder von hier verschwinden."
"Captain", warf Tuvok ein, "vielleicht wäre es besser wenn auch das MHN im Shuttle dabei wäre, angesichts der Tatsache, daß wir nicht wissen wie sich der Magiegebrauch auf Jannis Wohlbefinden auswirkt."
Janeway dachte einen Moment darüber nach, doch dann sagte sie: "Ich habe darüber auch schon nachgedacht Tuvok, allerdings wurde sie bisher nie verletzt, höchstens bewußtlos. Ich brauche das MHN auf der Voyager. Wenn dem Schiff etwas passiert haben wir für über 100 Personen keinen Schiffsarzt mehr. Und Tom kann Janni notfalls im Shuttle behandeln."
Der Vulkanier nickte gemächlich und sagte dann: "Eine logische Entscheidung."
Damit war das Thema beendet und Tom, Chakotay und Janni gingen zum Turbolift.
Janeway wandte sich inzwischen per Interkom an ihre Chefingenieurin: "B'Elanna, bereiten Sie die Deflektorschüssel vor."
Die Halbklingonin bestätigte und dann drehte sich Kathryn noch einmal Richtung Turbolift, nickte den Dreien zu und wünschte ihnen viel Glück.

Nicht ganz erfolgreich...

Wärend sich die Voyager in Position begab gingen Chakotay und Tom schon zum Shuttle und bereiteten den Start vor. Janni war noch einmal in ihr Quartier gegangen um den Stein und das Buch zu holen. Als sie dann kurze Zeit später die Shuttlerampe erreichte war das Shuttle schon startklar und kaum war sie an Bord flog Tom los.
"Janeway an Sacajawea, wir sind bereit und warten nur noch auf ihr Signal."
"Verstanden Captain, wir sollten ein paar Minuten unsere Position erreichen", antwortete Chakotay.
"Janni", meinte er und drehte sich zu ihr um, "bist Du bereit?"
"Nein, aber ändert das was an der Lage?" fragte sie mit einem leicht panischen Unterton.
Chakotay mußte unwillkürlich lachen und meinte nur: "Sag einfach was Du vorhast, ganz einfach." Er zwinkerte ihr noch einmal zu und drehte sich wieder zu seinen Instrumenten um.
Janni seufzte, dann nahm sie den Stein vorsichtig in die Hand, setzte sich mitten auf den Boden und konzentrierte sich auf die bevorstehende Aufgabe.
Na schön, wenn alle sagen, ich soll einfach nur klar formulieren was passieren soll, dann mach ich das auch einfach, dachte sie. Ihre Aufgabe war es, die Verbindung zwischen den Welten zu trennen damit die Universen nicht mehr anzogen wurden. Sie überlegte kurz und beschloß dann, den Tunnel so zu benutzen, daß er nicht mehr nur ein Durchgang war sondern an den jeweiligen Enden sämtliche Materie abstoßen würde. Doch dann fiel ihr ein, daß das vermutlich auch die Voyager wegschubsen würde. Fieberhaft überlegte sie nach einer anderen Möglichkeit als sie Chakotays Stimme hörte: "Chakotay an Voyager, wir sind in Position. Stand by, wir sagen ihnen Bescheid, wenn Janni bereit ist anzufangen."
Dankbar nickte Janni dem ersten Offizier zu und sie merkte, wie ihr Herz schneller klopfte. Jetzt war es also soweit und sie hatte immer noch keinen Plan, was sie machen sollte.
Doch dann hatte sie es. Sie mußte den Tunnel einfach nur gleichmäßig von beiden Seiten schließen, dann würde die Verbindung getrennt werden. Um den Rest mußte sich Eli halt kümmern.
Sie nickte Chakotay zu als Zeichen, daß sie jetzt anfangen würde.
"Voyager, wir werden jetzt anfangen. Viel Glück."
Janeway antwortete: "Wir beginnen mit dem Energiestoß. Janeway Ende."
Tom und Chakotay hatten sich inzwischen Janni zugewandt und beobachteten gespannt, was sie vorhatte. Sie hatte die Augen geschlossen und saß völlig ruhig im Schneidersitz auf dem Boden. Der Stein fing an zu schimmern und in Gedanken befahl Janni dem Tunnel, sich zusammenzuziehen. Zuerst war nichts zu merken, doch nach einer guten Minute wurden die Kräfte spürbar - das Shuttle fing an zu vibrieren. Tom und Chakotay wandten sich wieder den Kontrollen zu und Chakotay verstärkte die Steuerbord- und Backbordschilde. Die Vibrationen wurden immer heftiger und bald wurden alle drei heftig durchgeschüttelt.
"Janni!" rief Tom über den Lärm der klappernden Teile hinweg, "kannst Du das vielleicht etwas sanfter machen? Wenn das so weitergeht wird das Shuttle Risse bekommen."
Wie um die Befürchtungen von Tom zu unterstreichen löste sich ein Kabel aus der Deckenverkleidung und Funkten sprühten umher. Chakotay unterbrach die Energiezufuhr doch allmählich lösten sich immer mehr Teile im Shuttle.
Jannis Gesicht war zu einer Grimasse verzerrt, so angestrengt versuchte sie, sowohl den Tunnel zu schließen, als auch die Sacajawea heil zu lassen. Sie spürte bereits, wie ihr die Kräfte ausgingen und versuchte noch mehr Energie aus dem Stein zu holen.
Sie hatte es fast geschafft, der Tunnel war fast geschlossen und damit die Sacajawea noch rauskam, hielt sie einen Spalt offen. Tom bemerkte den Riß und Janni preßte angestrengt hervor: "Tom... Spalt... raus."
Der Pilot zögerte nicht lange, denn Chakotay meldete nun auch: "Wir werden gleich getroffen, die Verbindung ist fast getrennt. Weg hier!"
Tom flog auf den Riß im Tunnel zu doch kurz bevor er durchfliegen konnte, brach das Shuttle auf einmal aus und die Konsole sprühte Funken. Der Alarm ertönte und Tom fluchte: "Wir haben die Navigation verloren, ich kann nicht mehr steuern!"
"Janni!" brüllte Chakotay und leitete sämtliche Energie in die Schilde. Janni hatte die Augen geöffnet, und eine unglaubliche Schwäche überkam sie.
"Kann's nicht mehr aufhalten", murmelte sie und sah Tom und Chakotay hilflos an. Tom war inzwischen im hinteren Teil des Shuttles und rief: "Der Transporter funktioniert noch, aber die Voyager ist zu weit weg."
Seine Finger flogen über die Tasten. Chakotay hockte inzwischen vor Janni und schüttelte sie.
"Janni, Du MUSST das Schiff noch zusammenhalten, hast Du verstanden?"
Mühsam hob sie den Kopf und nickte. Dann schloß sie wieder die Augen und erneut glühte der Stein auf. Sie mußte dafür ihre letzten Reserven ankratzen.
Sie hörte die verzweifelten Versuche von Tom und Chakotay sie irgendwie zu retten. Janni zitterte inzwischen vor Anstrengung, doch sie gab nicht auf. Sie wußte, daß der Tunnel sie gleich zerquetschen würde und verstärkte daher ihren Schutz um das Shuttle. Doch sie kämpfte gegen Windmühlen.
In ihrer Verzweiflung bündelte sie ihre ganze noch verbliebene Kraft, und ließ sie dann frei um damit das Shuttle aus der tödlichen Position zu katapultieren.
Es klappte, die Sacajawea schoß mit unglaublicher Geschwindigkeit durch den Riß in den Raum.
Im selben Moment ertönten überall Geräusche von berstendem Metall und anderen Dingen, die Janni definitiv niemals in einem Shuttle hören wollte. Im nächsten Moment wurde sie über den Boden und Tom und Chakotay aus ihren Sitzen geschleudert.
Janni klammerte ihre Hand um den Stein und auf dem Schirm sah sie etwas, das ihr das Blut in den Adern gefrieren ließ. Ein Planet füllte rasend schnell den Bildschirm aus, in ein paar Sekunden würden sie mit ihm kollidieren.
"Tom!" wollte sie rufen, doch nur ein leises Flüstern kam ihr über die Lippen. Sie drehte den Kopf zu den beiden Offizieren und sah sie leblos am Boden liegen.
"Oh nein", dachte sie und ohne wirklich drüber nachzudenken sandte sie erneut ihre Gedanken zum Stein aus, doch ihre Energie war fast verbraucht.
"Ich muß dieses Shuttle stoppen", ging es ihr nur durch den Kopf. In Gedanken erschuf sie einen Energiering um das Shuttle und zog. Es fühlte sich an, als würde sie selber auseinandergerissen, doch sie gab nicht nach.
Tatsächlich wurde die Sacajawea langsamer, bis sie schließlich kurz vor dem Planeten austrudelte und in einem stabilen Orbit blieb. Janni löste den Energiering auf und Schwärze umfing sie.
Ein durchdringendes Piepen gepaart mit der Computerstimme, die "Warnung, Riß in der Außenhülle, Hüllenbruch in 60 Sekunden" verkündete riß Tom wieder in die Wirklichkeit zurück. Sein Kopf schmerzte und als er seine Schläfe berührte waren seine Finger rot. Stöhnend rappelte er sich auf und sah dann neben ihm Chakotay auf dem Boden liegen.
"Commander", sagte er und rüttelte ihn fest an der Schulter, doch der erste Offizier wurde nicht wach.
"Warnung, Hüllenbruch in 45 Sekunden", machte der Computer weiter. Tom glitt er auf einen Sessel und prüfte die Lage. Es sah schlimm aus, das Shuttle stand kurz davor auseinanderzubrechen und die einzige Möglichkeit, die er noch sah, war auf den Planeten unter ihnen zu beamen, wie auch immer sie hierhergekommen waren.
Er suchte einen Platz auf einer Lichtung nahe eines Baches und suchte dann notdürftig einiges an Ausrüstung zusammen, das sie sicher brauchen würden.
"Warnung, Hüllenbruch in 30 Sekunden."
Tom hastete an die Konsole zurück und tippte die Zielkoordinaten ein.
"Warnung, Hüllenbruch in 10 Sekunden, 9, 8..."
Tom hieb auf den letzten Button und das rettende, blau-weiße Schimmern hüllte ihn, Chakotay und Janni ein. Tom hörte noch wie der Computer bei "3" angekommen war, bevor sein Sichtfeld sich änderte und er in den Himmel blickte, wo er einen kleinen Lichtblitz wahrnahm, als das Shuttle zerstört wurde.
Er sah sich nach Chakotay und Janni um, die nur ein paar Meter entfernt im Gras lagen. Tom holte das Medkit und begann sich um die beiden zu kümmern.

Verschollen

Auf der Voyager nahm man nur einen kleinen Blitz wahr, als der Tunnel verschwand. Zufrieden tippte Janeway auf ihr Combadge, nachdem sie von Kim die Meldung erhalten hatte, daß alles so verlaufen wäre, wie geplant.
"Janeway an Sacajawea."
Eine Antwort blieb jedoch aus.
"Chakotay, melden Sie sich!" versuchte sie es erneut, doch auch dieses mal wieder ohne Erfolg. Ein Eisklumpen schien sich in ihrem Magen zu bilden als sie zu Kim sagte: "Harry, wo ist die Sacajawea?"
Harry tippte auf seinen Buttons herum und sagte dann langsam: "Sie sind weg, ich kann sie nicht orten."
Kathryn stand auf und lief zu Kims Station um sich selber von den Scans zu überzeugen, doch Harry hatte Recht - es war kein Shuttle in Sicht. Janeways Mund wurde trocken und Angst kroch in ihr hoch. War das Shuttle vernichtet worden?
"Harry, scannen Sie nach Trümmern oder ... menschlicher DNA. Steuermann, setzten sie einen Kurs zu den letzten bekannten Koordinaten des Shuttles und bringen sie und in einer Position in der Nähe."
"Aye Captain", kam die Antwort und die Voyager beschleunigte auf Impuls. Ein paar Minuten später erreichten sie die letzte Position des Shuttles. "Harry, irgendwas?"
Der Ensign schüttelte den Kopf. "Weder Metallfragmente noch DNA. Sie sind einfach... weg."
"Nichts löst sich einfach in Luft auf", meinte Janeway relsolut. "Sie müssen irgendwo sein. Harry, suchen sie weiter. Gentlemen, ich möchte dass Sie den Raum scannen, meinetwegen hinter dem Raum und entwickeln Sie Theorien, was mit dem Shuttle und der Besatzung passiert sein könnte. In 20 Minuten treffen wir uns im Konferenzraum."
Damit ging sie forschen Schrittes in ihren Bereitschaftsraum um selber herauszufinden, was mit ihrer Crew passiert war. Sie saß gerade an ihrem Computer als abermals eine Stimme hinter ihr ertönte: "Ich glaube, ich kann Ihnen helfen."
Janeway brauchte sich nicht umzudrehen um zu wissen, wer da gesprochen hatte.
"Was ist mit ihnen passiert, wo sind sie?" fragte sie Eli ungeduldig.
Eli's Gesichtsausdruck nahm einen besorgten Ausdruck an fand Kathryn und er lief im Raum auf und ab bevor er antwortete.
"Captain, ihre Leute wurden - leider wie ich betonen möchte - auf die Parallelwelt geschleudert. Das Shuttle ist im Orbit zerstört worden, nein, keine Sorge, es geht allen gut", warf er schnell ein als Kathryn schon den Mund geöffnet hatte, "aber es wird kompliziert werden sie wieder zurückzuholen. Vor allem ist das Zeitfenster sehr gering, die Welten fangen an sich wieder zu entfernen, zumindest das war ein voller Erfolg."
"Wieviel Zeit haben wir?" fragte Kathryn. "Einen Monat, vielleicht etwas mehr, dann werden sich die Welten zu weit auseinander bewegt haben."
"Und wie können wir sie wieder zurückholen?"
"Gar nicht", sagte Eli.
Kathryn riß überrascht die Augen auf.
"Zumindest können Sie nichts tun, Captain. Es ist eine Parallelwelt, das heißt, sie haben keine Möglichkeit dorthin zu kommen."
"Aber vor 2 Jahren haben Sie Janni und unseren Doktor auf eine Parallelwelt geschickt, können Sie das nicht auch wieder machen mit uns?"
Eli schüttelte den Kopf. "Das Tor befand sich in der Vergangenheit und das Wichtigste: Die Auserwählte hatte einen magischen Schlüssel um das Tor überhaupt benutzbar zu machen. Das Buch ist jedoch auf der Parallelwelt und ich fürchte, keiner von ihnen hier hat die Gabe der Magie. Es tut mir leid."
Kathryn massierte ihre Stirn für einen Moment und fragte dann: "Aber Sie haben gerade gesagt, daß es kompliziert ist. Das heißt, Sie können etwas tun?"
"Ich kann Ihnen nichts versprechen, Captain, ob eine Rückkehr möglich ist, hängt nur von den drei Verschollenen ab."
"Aber wie?" fragte Janeway.
Eli verschränkte die Hände hinter dem Rücken und lief wieder herum.
"Ich kann ein Portal auf der Parallelwelt bereitstellen, wenn sie es finden haben sie gute Chancen zurückzukommen. Ich schlage vor, sie suchen mit den Langstreckensensoren nach dem nächsten bewohnbaren Planeten und warten dort. Ich werde alles so vorbereiten, daß wenn sie es schaffen, dort ankommen werden. Mehr kann ich nicht tun."
Janeway seufzte. "Es gefällt mir gar nicht einfach nur abzuwarten und zu hoffen."
"Captain, sie sind nicht mal mehr in diesem Universum. Sie können nur abwarten... und hoffen."
Und damit war Eli ein weiteres mal verschwunden. Janeway setzte sich auf ihren Sessel und starrte aus dem Fenster. Ihre Gedanken waren bei Chakotay und sie fragte sich verzweifelt, ob sie ihn jemals wiedersehen würde. Sie brauchte noch ein paar Minuten um sich zu sammeln, dann informierte sie die übrigen Offiziere.

Janni hörte leises Gemurmel und spürte einen kühlen Wind über ihr Gesicht streichen. Ein paar Minuten lang hörte sie einfach nur zu und die Stimmen wurden klarer.
Sie schlug die Augen auf und drehte den Kopf zur Seite. Es war dunkel und sie lag unter einer Jacke nahe an einem Lagerfeuer. Überrascht wollte sie sich aufsetzen, doch das war nicht so einfach.
Sie stöhnte gequält auf, jeder Muskel in ihr schien gegen eine Bewegung zu protestieren.
"Ah, Du bist wach, gut", hörte sie die Stimme von Tom und schon kam er zu ihr herüber.
"Wie fühlst Du Dich? Kannst Du Dich schon wieder bewegen?" fragte er.
"Ich will es nicht noch mal versuchen um ehrlich zu sein", antwortet sie.
Tom grinste. "Glaub ich gern, das Shuttle wurde ganz schön durchgeschüttelt und abgesehen davon warst Du völlig erschöpft. Morgen sollte es besser gehen."
Chakotay war inzwischen auch herübergekommen und meinte: "Du hast uns gerettet."
Janni sah ihn an und spürte, daß er etwas verheimlichte.
"Aber...?" hakte sie nach.
Chakotay sah Tom und Tom Chakotay. Nach einem Moment nickte Tom fast unmerklich und Chakotay sprach weiter: "Aber... wir sitzen hier fest."
"Aber der Captain wird sicher nach uns suchen", meinte Janni optimistisch, doch als sie Chakotays und Toms Blick sah, wußte sie, dass etwas nicht stimmte.
"Wir sind nicht mehr in unserem Universum", fuhr Chakotay behutsam fort.
"Vor ein paar Stunden hatten wir Besuch von Eli, obwohl man das eigentlich nicht als Besuch bezeichnen kann", warf Tom ein.
"Was soll das heißen?" fragte Janni.
"Eigentlich war es mehr eine Botschaft, sein Gesicht erschien kurz als eine Art Projektion und er meinte nur, wir sollen in das Buch schauen..." meinte Chakotay.
"... was wir auch getan haben", fügte Tom an, "und darin stand wieder etwas Neues: Wir müssen ein Portal erreichen, wenn wir jemals wieder zurück wollen, aber wir haben nicht viel Zeit."
"Was heißt 'nicht viel Zeit'?" fragte Janni besorgt.
"In einem Punkt warst Du wohl erfolgreich", meinte Chakotay, "der Riß wurde geschlossen und die Welten trennen sich wieder. Aber wenn sie zu weit entfernt sind, dann können wir nicht mehr zurück. Und das wird in ungefähr einem Monat sein."
Janni schaute die beiden Männer an. "Und wohin müssen wir?" fragte sie.
"Tja, das ist das Problem. Wir haben keine Ahnung", meinte Tom betreten.
"Steht nichts im Buch drin?" Janni versuchte sich aufzusetzen, aber ihr Körper wollte ihr noch nicht gehorchen. Kraftlos blieb sie liegen. Tom holte das Buch und schlug es auf.
"Hier steht nur, daß es ein Portal gibt, das die Auserwählte finden kann, aber keine Koordinaten oder Ortsangaben." Er klappte das Buch wieder zu und legte es beiseite.
"Ich kann es finden?" murmelte Janni. Chakotay zuckte mit den Schultern und meinte: "Versuch es mit Deinen Kräften, aber heute wird das nichts werden. Ruh Dich jetzt erst einmal aus, es ist ohnehin Zeit zum Schlafen. Wir werden morgen weiterüberlegen."
Er nickte Tom zu und der holte ein Hypospray. "Ich gebe Dir ausnahmsweise ein leichtes Schlafmittel, Du würdest sonst die ganze Nacht grübeln."
Und ohne eine Antwort abzuwarten preßte er das Gerät an Jannis Hals und sie fiel wieder einen erholsamen Schlaf.
Chakotay hatte sich bereits wieder auf der anderen Seite des Feuers eingerichtete und meinte zu Tom: "Wird sie morgen schon wieder bei Kräften sein?"
Tom schaute auf Janni, deren gleichmäßige Atemzüge ihren Brustkorb hoben und senkten und antwortete: "Ich denke schon, der Doktor hat mir erzählt, daß die Kraft von ihr abhängt und sie hat heute alles verbraucht. Eine gute Nachtruhe sollte eigentlich reichen."
Chakotay nickte zufrieden. "Dann legen Sie sich hin Tom, ich übernehme die erste Wache."
Toms Antwort bestand aus einem Gähnen und kaum hatte er sich hingelegt war er auch schon eingeschlafen.

Die Suche nach dem Portal

Janni wurde von ungewohnten Geräuschen wach, Vögel piepsten überall, der Wind pfiff durch Äste und einige andere Tierstimmen waren auch zu hören. Als sie die Augen aufschlug sah sie, daß Tom noch immer auf der anderen Seite des Feuers fest schlief und Chakotay war gar nicht da. Sie stütze sich auf ihre Ellenbogen, was ihr erheblich besser gelang als am Abend davor und schaute sich suchend um. Dann entdeckte sie den Commander in einiger Entfernung am Bach. Er war gerade dabei Wasser zu schöpfen. Langsam, um ihre Kräfte zu prüfen setzte sie sich auf und als das ohne Probleme gelang beschloß sie aufzustehen. Das Feuer war heruntergebrannt und schwelte nur noch leise vor sich hin. Janni beschloß Tom noch schlafen zu lassen und ging leise zu Chakotay.
"Guten Morgen Commander", begrüßte sie ihn.
"Janni, wie fühlst Du Dich?" entgegnete er.
"Danke, alles wieder in Ordnung. Kann ich beim Wassertragen helfen oder soll ich lieber nach etwas Holz suchen?"
Chakotay schaute auf seine kleine Rindenschale, die er im Wald gefunden hatte und dann auf Janni.
"Ich glaube, das schaffe ich gerade noch allein", meinte er.
"Etwas größeres habe ich leider nicht gefunden, wenn wir Wasser haben wollen, dann müssen wir entweder gleich zum Bach oder ich laufe ein paar mal hin und her."
Janni schaute konzentriert auf die kleine Schale, murmelte ein paar Worte und plötzlich fing sie an zu wachsen.
"Was zum..." rief Chakotay entgeistert und ließ sie vor Schreck fallen. Auf dem Boden lag nun eine genügend große Schale zum Wasserschöpfen.
"Ich dachte, ich erspare Ihnen ein paar Wege", sagte sie lächelnd.
Chakotay seufzte. "Danke", sagte er dann und hob die Schüssel auf.
"Gern geschehen, ich werde derweil etwas Brennholz suchen", bot sie sich an und fing dann an, den Lichtungsrand abzusuchen.
Chakotay war inzwischen wieder beim Lager als Janni mit einem Stapel Holzresten ankam. Tom war derweil auch wach, nahm die Holzscheite ab und schichtete sie fachmännisch auf die Glut.
Kurze Zeit später brannte wieder ein Feuer und nachdem die drei Notrationen gefrühstückt und ausgiebig Wasser getrunken hatten, besprachen sie nun, wie es weitergehen sollte.
Janni hatte das Buch aufgeschlagen und überlegte, wie sie herausfinden sollte, wo sie hin müßten. Seufzend schlug sie nach einer Weile das Buch wieder zu und meinte: "Es hätte wenigstens der Ort drinstehen können..."
"Warum fragst Du Dich nicht einfach, wo wir hinmüssen?" schlug Tom vor.
Janni und auch Chakotay sahen ihn verständnislos an.
"Fragen? Wen denn?" fragte Janni.
"Das Buch zum Beispiel", meinte Tom. "Du besitzt doch magische Fähigkeiten und das Buch ist ein magischer Gegenstand. Also wenn das nicht klappt, dann gar nichts."
Janni zog eine Schnute doch Chakotay meinte: "Ganz unrecht hat er nicht, versuch es doch einfach."
Die beiden Offiziere sahen sie erwartungsvoll an.
Janni schaute erst Chakotay, dann Tom an und meinte nur: "Versuchen kann ich's, aber erwarten sie nicht zu viel."
Da sie nicht recht wußte, wie sie das Buch fragen sollte, legte sie einfach ihre Hand auf den Deckel, schloß die Augen und konzentrierte sich.
"Zeig uns den Weg", sagte sie und wartete einen Moment. Dann öffnete sie wieder die Augen, schlug das Buch auf und seufzte leise. "Nichts", sagte sie.
"Hast Du den Stein benutzt?" fragte Chakotay. "Er scheint ein Teil von Dir zu sein, vielleicht klappt es nur, wenn Du ihn benutzt."
Janni schüttelte den Kopf, holte dann den Stein hervor, klappte das Buch wieder zu und legte ihn auf den Buchdeckel. Dann legte sie ihre Hand auf den Stein, schloß wieder die Augen und wiederholte "zeig uns den Weg."
Fast sofort spürte sie, dass es diesmal anders war. Eine Wärme durchströmte sie und vor ihrem inneren Auge formte sich ein Abbild des Planeten. Er wurde immer größer bis sie schließlich ihre Lichtung erkennen konnte. Ein bläulicher Nebelschimmer markierte einen Weg Richtung Süden und der Planet drehte sich.
Sie konnte einen Ort mitten in einer kahlen Gebirgslandschaft ausmachen. Wieder kam der Planet dichter heran und Janni konnte einen markanten Berg sehen, auf dessen Gipfel der Nebel endete. Dort mußte es wohl sein. Das Bergmassiv konnte man sogar von der Lichtung in weiter Ferne erkennen.
Sie zog ihren Geist wieder zurück und nahm die Hand vom Stein. Augenblicklich wurde es wieder kühler und sie fröstelte. Dann öffnete sie wieder die Augen und blickte in zwei triumphierend schauende Gesichter.
"Es hat geklappt, nicht wahr?" fragte Tom sogleich. "Du warst weggetreten und der Stein pulsierte", fügte er als Erklärung hinzu.
Janni nickte. "Ich weiß jetzt, wo wie hin müssen."
Sie zeigte Richtung Süden auf das Gebirgspanorama.
"Dort irgendwo ist ein bestimmter Berg, ich erkenne ihn, wenn ich ihn sehe, wir müssen auf den Gipfel."
Chakotay sah Tom etwas beunruhigt an. "Wir haben keine Kletterausrüstung dabei. Sag mal Janni, ist das eigentlich dieselbe Welt, auf der Du mit dem MHN warst?"
Sie zog die Stirn kraus und meinte: "Ich weiß es nicht, ich erkenne hier nichts wieder. Aber es wäre eine logische Annahme, schließlich gibt es diese Universenverbindung zwischen den beiden Welten sicher nicht zufällig."
Chakotay nickte. "Ich denke, daß du Recht hast. Und das stellt uns vor einige Schwierigkeiten. Erstens haben wir keine Papiere, zweitens kein Geld, drittens keine angemessene Kleidung und viertens keine ordentliche Kletterausrüstung. Vor allen Dingen brauchen wir wärmere Sachen, das Bergmassiv schaut nicht gerade niedrig aus und dort oben wird es sicher unter dem Gefrierpunkt sein."
"Das ist sicher alles richtig, aber ich würde trotzdem vorschlagen, daß wir uns auf den Weg machen, wir müssen unterwegs eine Lösung finden. Und vielleicht können wir uns irgendwo auf einem Bauernhof oder in einem Dorf einige Sachen... ausleihen", schlug Tom vor.
Da weder Chakotay noch Janni eine bessere Lösung zu bieten hatten und außerdem die Zeit drängte, packten sie alle Sachen ein, löschten das Feuer und machten sich dann auf den Weg Richtung Süden, das Bergmassiv immer im Blick.

Anfangs mußte sich die Gruppe durch dichtes Unterholz einen Weg bahnen, nach gut 2 Stunden aber stießen sie dann auf einen schmalen Waldweg und sie kamen deutlich schneller voran.
Janni ging in der Mitte, die Führung hatte Chakotay übernommen und Tom bildete die Nachhut. Sie hatte alle Mühe sich das Zähneklappern zu verkneifen, denn trotz des zügigen Tempos war ihr sehr kalt. Sie schätzte, daß es hier ungefähr Herbst sein mußte. Die Blätter waren schon ziemlich verfärbt und dunkel, teilweise schon heruntergefallen. Die beiden Herren der Gesellschaft hatten wenigstens ihre Kälteabweisenden Starfleetanzüge an, sie hingegen nur eine dünne Hose und eine Tunika.
Eine weitere Stunde später fiel Chakotay auf, daß der Weg immer breiter zu werden schien. Er hob eine Hand um zu signalisieren, daß er stehen bleiben würde.
"Was ist los?" fragte Tom von hinten. Der Commander drehte sich um und deutete ein Stück nach rechts in den Wald.
"Ich glaube, eine Pause wäre nicht schlecht. Dort drüben ist ein guter Platz."
Tom nickte und Janni sah ebenfalls sehr erleichtert aus. Also bogen sie vom Weg ab und als sie ein paar Meter in den Wald gelaufen waren, sahen sie eine gut geschützte Stelle hinter einem dicken, umgekippten Baumstamm.
"Ich suche Feuerholz", bot sich Janni sofort an. Doch Tom schüttelte den Kopf.
"So nahe am Weg sollten wir das lieber nicht machen. Es ist jetzt fast Mittag und wenn wir Pech haben, werden hier bald Leute vorbeikommen... oder etwas anderes. Bevor wir nicht andere Kleidung haben sollten wie so wenig wie möglich auffallen."
"Ganz ehrlich, ich verstehe das vollkommen", erwiderte Janni, "aber mir ist SO kalt... ich könnte wirklich etwas Wärme gebrauchen."
Tom zog seine Jacke aus, gab sie Janni und meinte nur: "Warum hast Du das denn nicht schon früher gesagt?"
Dankbar zog sie sich das Kleidungsstück über und meinte: "Naja, ich dachte Ihnen könnte vielleicht auch kalt sein..."
Tom schüttelte unmerklich denk Kopf und mußte sich ein Grinsen verkneifen. Chakotay, der natürlich alles mitbekommen hatte fügte noch hinzu: "Ich werde meine Jacke mit Tom teilen."
Jetzt mußte auch Janni lachen, vor allem als sie Toms Gesichtsausdruck sah.
"Vielen Dank, Tom", sagte sie noch. Dann suchten sich alle einen Platz und aßen eine Kleinigkeit.

Nach einer knappen halben Stunde klatschte Chakotay dann in die Hände und sagte: "So, ich denke das reicht, gehen wir weiter. Wir müssen unbedingt Wasser finden und dann einen Platz zum übernachten."
"Und warme Sachen..." fügte Janni murmelnd hinzu.
Der Weg wurde nun von Stunde zu Stunde immer breiter und bald kamen sie an eine Weggabelung. Abermals hob Chakotay die Hand und blieb an der Kreuzung stehen.
"Hier sind Reifenspuren", bemerkte er. "Sieht nach Pferden und Wagen aus", meinte Tom und deutete auf diverse Hufabdrücke, die mittig zu den gerade Linien verliefen.
"Was bedeutet, ab jetzt müssen wir aufpassen, daß wir keinem begegnen. Tom, was sagt der Tricorder?"
Der Steuermann klappte ihn sogleich auf und scannte die Umgebung.
"Sowohl vor als auch hinter uns kann ich innerhalb einer halben Meile entfernt Humanoide orten."
Chakotay nickte. "Also gut, halten Sie den Tricorder griffbereit, wir sollten ab jetzt lieber parallel zur Straße im Wald laufen."
Sie folgten dem Weg weiter, der Richtung Bergmassiv ging und stießen schon bald auf die ersten Bewohner.
"Da hinter, schnell", flüsterte Tom und zog Janni hinter einen Baum.
Chakotay war ein Stück voraus hinter einem Stein in Deckung gegangen und alle drei schauten nun auf den Weg, auf dem sich von Norden her ein Pferdegespann näherte. Zwei ärmlich aussehende Bauern liefen neben dem Pferd her und führten es, auf dem Wagen hatten sie diverse Säcke gestapelt.
"...wird der Rückweg sicher leichter werden", beendete der eine gerade einen Satz.
"Wer weiß ob wir alles verkaufen können, überall stehen die Ähren gut und Korn wird zum Spottpreis angeboten. Wir könnten die Säcke auch gleich verschenken oder am Wegrand abladen, dann sparen wir uns 4 Stunden", kam die Antwort. Der andere antwortet darauf nicht und beide liefen schweigend weiter. Als sie außer Sicht- und Hörweite waren, kamen die drei wieder aus ihrem Versteck.
"Also die nächste Stadt ist 4 Stunden Fußmarsch entfernt und liegt in der entgegengesetzen Richtung", stellte Janni fest.
"Sollten wir nicht lieber den beiden folgen? Wenn ich mich nicht irre ist die Entfernung von einer Stadt oder einem Dorf zum anderen nicht gerade wenig gewesen im Mittelalter."
Tom, der schon wieder den Tricorder in der Hand hatte, schüttelte den Kopf.
"Wenn ich die Daten richtig interpretiere, dann werden wir demnächst auf eine kleine Ansiedlung stoßen. Oder zumindest einen großen Hof, ich registriere Lebensformen, die alle an einem bestimmten Punkt sind."
Er klappte den Tricorder wieder zu und zeigte ein Stück rechts vom Weg in den Wald.
"Falls demnächs eine Abbiegung kommt sollten wir ihr folgen. Der Ort kann höchstens eine Stunde Fußmarsch entfernt sein."
"Gehen wir", meinte Chakotay. "Vielleicht finden wir dort passende Kleidung und etwas zu Essen."

Grundbedürfnisse

Tatsächlich stießen sie nach einer knappen viertel Stunde auf den gesuchten Weg und folgten ihm. Allmählich ging die Sonne unter und es wurde merklich dunkler. Hinter einem kleinen Hügel gingen die drei in Deckung und beobachteten das Treiben.
Vier Häuser waren in einigem Abstand um einen großen Stall angeordnet und Chakotay konnte bisher zwei Männer ausmachen, die noch die letzten Arbeiten vor der Dunkelheit erledigen wollten. Ebenfalls sah er mehrere Frauen, die noch Wäsche aufhingen und das Vieh versorgten.
Chakotay deutete auf die zwei Frauen, die gerade frische Wäsche auf Steinen zum Trocknen auslegten und meinte: "Das würde unser Kleidungsproblem lösen."
"Aber wir können doch nicht einfach die Sachen klauen, die armen Menschen haben doch selber nichts", warf Janni zögerlich ein.
"Wenn es irgendwie geht möchte ich das auch gar nicht", antwortete Chakotay, "aber wenn wir nichts zum Tauschen anbieten können, ist das mit unsere einzige Option an Kleidung zu kommen."
"Aber was können wir anbieten?" fragte nun Tom. "Tricorder, Phaser und das Medkit sicher nicht und unsere Combadges sind zwar aus Gold, aber dann haben keinen Universalübersetzer mehr..."
Alle drei überlegten fieberhaft, bis Janni meinte: "Vielleicht kann ich etwas anbieten, warten Sie hier."
Und noch bevor Chakotay oder Tom etwas sagen oder irgendwie reagieren konnten war Janni aufgesprungen und zum Wegrand gelaufen um sich dem Gehöfft auf dem normalen Weg zu nähern.
Tom und Chakotay sahen, daß sie sich die Hosenbeine noch vorher hochkrempelte und ihre Tunika somit fast wie ein normales, schlichtes Kleid aussah, welches auch die Bauersfrauen trugen. Dann steuerte sie direkt auf die beiden Waschfrauen zu, sprach eine Weile mit ihnen und hielt dann eine Hand auf. Die beiden Frauen machten große Augen.
Während die eine Frau auf die Wäsche deutete und nickte, schüttelte die andere jedoch den Kopf. Janni schaute etwas enttäuscht, kippte dann ihre Hand über der Handfläche der einen Frau um, verbeugte sich leicht und suchte sich dann einige Kleidungsstücke heraus. Dann lief sie damit wieder den Weg zurück und als sie außer Sicht war schlug sie einen Haken und kam zu den beiden Offizieren gelaufen.
"Hier", sagte sie und reichte den beiden jeweils eine Hose und ein Oberteil.
"Was hast Du ihnen gegeben?" fragte Chakotay.
"Meine Halskette", antwortete Janni. "Sie hatte einen kleinen Stein als Anhänger und ich dachte, daß es sowas hier sicher nicht gibt. Zumindest nicht in der Qualität. Und es hat geklappt. Zumindest teilweise", fügte sie hinzu.
"Ich hatte noch um einen Platz zum Schlafen und etwas zu essen gebeten, aber scheinbar sind hier Fremde nicht erwünscht. Die eine Frau hatte eindeutig Angst vor Besuchern."
"Danke aber für die Kleidung", sagte Chakotay und dann zogen er und Tom sich hinter einen Strauch zurück und kurze Zeit später standen sie umgezogen vor Janni. Sie musterte die beiden kritisch, zog hier und da noch eine Falte zurecht und meinte dann: "Sieht perfekt aus. Keiner würde sie für etwas anderes als Einheimische halten."
Dann fiel ihr Blick auf Chakotays Stirn und sie fühte hinzu: "Na gut, außer das Tattoo vielleicht... aber eine Kopfbedeckung finden wir sicher auch. Bis dahin reicht vielleicht etwas Schmutz im Gesicht."
Damit hob sie etwas Erde auf, stellte sich auf die Zehenspitzen und verteilte geschickt den Schmutz im Gesicht des ersten Offiziers. Kritisch betrachtete sie ihr Werk bis Tom meinte: "Also, wenn man nicht direkt vor Ihnen steht, merkt man nichts."
"Gut, dann müssen wir jetzt zusehen, wo wir ein Nachtlager finden, Nahrung und für Dich etwas warmes zum anziehen", meinte Chakotay.
"Nimm solange unsere Jacken", schlug Tom vor und reichte Janni beide Uniformjacken zum anziehen.
Dann gingen sie durch den Wald zurück Richtung Hauptweg und nach einer guten Stunde führte sie Chakotay ein Stück nach rechts tiefer in den Wald. Inzwischen war es so dunkel geworden, daß Janni nur noch die Umrisse von Bäumen und Wurzeln erkennen konnte.
An einer kleinen Lichtung hielt Chakotay und an und die drei schlugen ihr Nachtlager dort auf. Da sie weit genug vom Weg entfernt waren hielten sie es für ungefährlich ein Feuer zu entzünden und schon bald darauf hatten sie genug Holz gefunden und die Flammen tanzten warm und knisternd auf dem Holz.
Janni hatte sie so dicht wie möglich an das Feuer gesetzt und wärmte ihre Hände. Was die Nahrung anging hatten sie allerdings nur zum Teil Glück, zwar floß ganz in der Nähe der Lichtung ein kleiner Bach, aber zu essen hatten sie nichts gefunden. Daher suchten sie sich jeder etwas Laub zusammen, und machten es sich so gut es ging neben dem Feuer auf dem Laublager bequem. Janni übernahm diesmal die erste Wache und Tom und Chakotay waren schnell eingeschlafen.

Am nächsten Morgen wurden Janni und Chakotay von Tom geweckt. Schnell hatten sie den Lagerplatz wieder geräumt und machten sich wieder auf den Weg. Diesmal hielten sie sich näher am Weg und lediglich Janni mußte mitunter zwischen den Bäumen verschwinden wenn Einheimische vorbei kamen, denn mit ihrer Uniformjacke konnte sie sich nicht zeigen. Dafür sprachen Tom und Chakotay mit ein paar Bauern. Als sie wieder mit Janni zusammentrafen erzählten sie, was sie erfahren hatten.
"Die nächste Stadt liegt, wie wir schon vermutet haben, in der entgegengesetzten Richtung und zwar einen halben Tag zu Fuß. Es wäre natürlich am besten, uns dort nach Ausrüstung umzuschauen, aber ich fürchte, wir verlieren nur unnötig Zeit. Ein Einheimischer hat uns gesagt, wenn wir noch einen Tag auf dem Weg weiterlaufen, dann kommen wir an ein kleines Dorf. Dort gibt es einen Gerber und Schmied, dort können wir auch etwas besorgen. Ein Kleid für Dich sollten wir sogar schon schneller finden, zufälligerweise wohnt am nächsten Hof, an dem wir vorbeikommen, eine Schneiderin."
Janni nickte gedankenverloren und meinte dann: "Aber womit sollen wir das alles bezahlen?"
"Diese Welt", sagte Tom, "ist auf dem Stand unseres Mittelalters. Ich bin sicher, wir werden etwas nützliches bieten können, das wir als Tausch anbieten können. Und seien es Pläne für eine Wasserleitung!"
"Mit dem Tricorder können wir Erzadern suchen oder vielleicht Gebrechen heilen", fügte Chakotay hinzu. "Irgendwas wird sich sicher finden."
"Das stimmt wohl", meinte Janni zustimmend. "Also gut, versuchen wir es. Wie weit ist es bis zum nächsten Hof?"
"Keine Ahnung", sagte Tom. "Das werden wir sehen."

Ein hoher Preis

Nach ein paar Stunden Fußmarsch kam der Hof in Sicht. Es handelte sich dabei um ein einziges, windschiefes Bauernhaus, das direkt an dem Hauptweg stand. Chakotay scannte nach Lebensformen, konnte aber nur eine in dem Haus ausmachen. Dann klopte er an die Tür. Eine Weile passierte gar nichts, doch dann wurde die Tür einen Spalt breit geöffnet. Ein Auge musterte Chakotay und schließlich hörte er eine zischende Stimme: "Was wollt ihr?"
"Wir suchen eine Näherin, die hier leben soll, wir möchten gerne ihre Dienste in Anspruch nehmen wenn wir etwas als Tausch bieten können."
Chakotay hatte darauf geachtet respektvoll und sanft zu sprechen, denn er ahnte, daß die Frau Angst vor Fremden hatte. Die Tür ging ein kleines Stück weiter auf und nun musterten zwei Augen die Reisegruppe. Schließlich, als er schon dachte ihnen würde der Einlaß verwehrt werden, ging die Tür ganz auf und eine ziemlich alt aussehende Frau winkte sie herein. Kaum waren sie drinnen schlug sie die Tür hinter ihnen zu und schob einen Holzriegel vor.
Die Alte drängte sich an den dreien vorbei und bedeutete ihnen, ihr zu folgen. In einer kleinen Wohnstube angekommen drehte sie sich schließlich um und musterte alle intensiv. Bei Janni streckte sie eine Hand aus und zupfte an ihrer Jacke. "Die da braucht etwas passendes", stellte sie fest.
"Genau, wir hatten..." doch weiter kam er nicht. Die Alte brachte ihn mit einer Geste ihrer Hand zum verstummen und meinte nur an die beiden Männer gewandt: "Setzt euch und stört mich nicht."
Dann wandte sie ihre Aufmerksamkeit wieder Janni zu.
"Was hast Du zu bieten wenn ich dir ein Kleid nähe?" fragte sie lauernd. Janni blickte unsicher und hilfesuchend zu Chakotay, der wieder im Begriff war aufzustehen, doch wieder brachte die Alte ihn mit einem Blick zum Schweigen, noch bevor er etwas sagen konnte. Janni überlegte fieberhaft, doch ihr fiel nichts ein.
"Du besitzt die Gabe der Zauberei, stimmt das nicht?" fragte die Alte.
"Ja, aber woher wißt ihr das?" entgegnete sie.
"Deine Aura", kam nur die kurze Antwort.
Abschätzend wurde Janni umkreist bis die Alte schließlich sagte: "Das Kleid zu nähen wird einige Tage dauern, Deine Begleiter können sich im Haus und im Stall nützlich machen, was Dich angeht... Du wirst mir etwas Lebenskraft abgeben."
Janni riß die Augen weit auf und Chakotay sagte: "Was soll das heißen?"
Mit einer Schnelligkeit, die keiner ihr zugetraut hätte wirbelte sie zu Chakotay herum und stach mit einem Finger auf seine Brust.
"Schweig. Das ist ein Geschäft zwischen dem Mädchen und mir."
Dann wandte sie sich wieder Janni zu die inzwischen ihre Sprache wiedergefunden hatte und nun fragte: "Aber wie soll ich das machen?"
"Ganz einfach, du wirst mir jeden Tag, so lange bis das Kleid fertig ist, etwas von Deiner Kraft übertragen. Du bist jung und strotzt geradezu nur von magischer Kraft und ich bin alt, ich kann sie gut gebrauchen."
"Aber, was passiert dabei mit mir? Werde ich... altern?" Jetzt lachte die Alte krächzend und meinte: "Deine Kräfte werden wieder erneuert. Mehr passiert nicht. Also, haben wir einen Handel?"
Janni blickte zu Chakotay, doch dieser konnte ihr die Entscheidung nicht abnehmen. Schließlich nickte Janni und meinte: "Einverstanden."
Die Alte legte blitzschnell ihre Hand auf Jannis Schulter und sagte: "Es gilt."
Dann verschwand sie gackernd in einen anderen Raum um Stoffe zusammenzusuchen.
Chakotay und Tom standen auf und Tom meinte: "Wenn das nur kein Fehler war, wie konntest Du so einen Handel abschließen? Wer weiß, was passiert."
Janni, die innsgeheim genau dasselbe wie Tom dachte meinte aber nur: "Wenn ich einen Zauber wirke verliere ich auch Energie, aber Sie wissen selber, daß ich mich bisher auch immer nur kurz erholen mußte. Wird schon schief gehen."
Tom blickte Chakotay hilfesuchend an, doch was geschehen war, ließ sich jetzt nicht mehr rückgängig machen.
In dem Moment kam die Alte auch schon wieder ins Zimmer, auf den Armen einige Stoffe verteilt.
"Was steht ihr noch hier rum? Draußen gibt es genug zu tun", sagte sie an Tom und Chakotay gerichtet.
"Außerdem wollt ihr wohl hier nicht rumstehen wenn sich ein junges Mädchen auszieht, oder?" fügte sie noch spitz hinzu.
Das genügte völlig. Chakotay räusperte sich auffällig und meinte dann, Tom hinter sich herziehend: "Wir sind draußen. Falls Du uns brauchst, ruf einfach."
Damit war Janni mit der Frau allein.
"Stell Dich gerade hin, damit ich Maß nehmen kann", befahl sie und Janni gehorchte. Mit einer Schnur, in der sie an gewissen Stellen Knoten machte, wurde sie abgemessen und als die Alte scheinbar alles hatte piekte sie ihren Zeigefinger auf Jannis Brust und meinte fordernd: "Mein erster Lohn."
Janni nickte zaghaft und meinte dann: "Wie soll ich Euch etwas von meiner Kraft übertragen?"
Ungeduldig bekam sie die Antwort: "Kindchen, hast Du sowas noch nie gemacht? Halt meine Hand und schick mir Energie!"
Als ob damit alles klar wäre für Janni schloß die Alte die Augen und wartete.
Janni seufzte leise, dann nahm sie die ihr dargebotetene Hand und schloß ebenfalls die Augen.
Und nun? dachte sie. Doch dann erinnerte sie sich an das Buch und wie sie den Weg gefunden hatte. Vielleicht funktionierte das hier so ähnlich?
Sie konzentrierte sich auf ihren Arm und stellte sich vor, wie sie Energie dort entlang fließen ließ. Ein plötzlicher, starker Druck auf ihre Hand ließ sie aufkeuchen. Ihr Arm wurde ganz heiß und sie spürte, wie ein starker Energiestrom aus ihr herausfloß, direkt über die Handverbindung.
"Mehr, gib mir mehr", hörte sie eine Stimme und der Druck um ihre Hand verstärkte sich. Plötzlich wurde der Energiefluß schneller und Janni spürte, wie sie schwächer wurde. Sie wußte, daß sie die Verbindung jetzt trennen mußte, sonst würde sie ausgesaugt werden. Doch die Hand hielt sie weiterhin fest. Verzweifelt versuchte sie, ihre Hand loszureißen, doch sie brachte es nicht fertig. Gleich würde nichts mehr in ihr übrig sein und dann spürte sie eine andere Wärme in sich. Sie gab ihr auf eine andere Weise Kraft und Janni stählerte ihren Geist und rief dann so laut sie konnte: "Halt!"
Sofort löste sich die Verbindung und Janni landete unsanft auf dem Boden. Ihr Gegenüber taumelte, doch die Alte hielt sich gerade noch an einem Tisch fest. Völlig kraftlos blieb Janni liegen und atmete schwer. Dann hörte sie, wie Chakotay und Tom hereingestürmt kamen.
"Janni!" rief Tom aus und war mit zwei Schritten neben ihr.
"Was haben Sie gemacht?" fragte Chakotay in scharfem Ton die Alte.
Diese hatte sich inzwischen erholt und wirkte auf eine Art jünger. "Sie hat ihren ersten Teil gezahlt", bekam Chakotay die harsche Antwort. Dann wandte sie sich den Stoffen zu und begann mit der Arbeit.
Chakotay drehte sich zu Janni um, die Tom inzwischen auf ein Sofa gelegt hatte. Leise fragte er: "Was ist passiert?" Dabei sah er Tom an, doch dieser zog nur die Stirn kraus.
Dann sagte Janni leise: "Ich war nicht auf sowas vorbereitet, aber das nächste Mal weiß ich bescheid. Es ist alles in Ordnung."
Weder Chakotay noch Tom mochten ihr so recht glauben, doch sie wußten, daß sie jetzt auch nichts weiter tun konnten als dafür zu sorgen, daß sich Janni ausruhen konnte. Daher legte Tom eine Decke über sie und fragte dann die Alte: "Gibt es irgendwo ein Bett, wo sie sich ausruhen kann?"
"Oben sind Zimmer frei, sucht euch eins aus. Aber dann macht, daß ihr wieder an die Arbeit kommt."
Tom hob Janni hoch und brachte sie in ein Gästezimmer.
"Ruh Dich aus, Chakotay und ich arbeiten derweil draußen weiter."
Janni nickte leicht und war kurz darauf eingeschlafen. Tom schloß leise die Tür und meinte zu Chakotay draußen: "Das gefällt mir nicht Chakotay, ich trau der Alten nicht über den Weg."
Chakotay nickte zustimmend. "Das war das erste und letzte mal, daß Janni allein mit ihr war, das verspreche ich."

Die Trophäe

Janni wurde von Sonnenstrahlen geweckt. Als sie langsam die Augen öffnete sah sie, daß Tom neben ihrem Bett auf einem Stuhl in einer recht unbequemen Lage eingeschlafen war. Von Chakotay war nichts zu sehen.
"Tom", sagte sie leise doch als Antwort bekam sie nur einen Schnarcher.
"Tom!" probierte sie es nun etwas lauter und mußte leise lachen. Der Steuermann hatte den Mund leicht geöffnet, etwas Speichel rann den Mundwinkel entlang und er schnarchte. Janni schlug die Decke beiseite, schwang die Beine über die Bettkante und schüttelte ihn dann sachte an der Schulter.
Sofort zuckte Tom zusammen, stand im nächsten Moment neben dem Stuhl und rang um sein Gleichgewicht. Janni rutschte gerade noch rechtzeitig zur Seite bevor er auf das Bett fiel.
"Bin schon wach", sagte er verschlafen und versuchte sich zu orientieren.
Janni konnte nicht anders als laut lachen. "Entschuldigen Sie, ich wollte Sie nicht erschrecken. Haben Sie etwa die ganze Nacht auf dem Stuhl verbracht?" fragte sie.
Tom fuhr sich mit der Hand einmal über das Gesicht um wach zu werden.
"Nein", antwortete er dann, "Chakotay hat die erste Wache übernommen."
"Meinetwegen etwa?" fragte Janni und wurde leicht rosa im Gesicht.
"Natürlich! Denkst Du etwa, wir lassen Dich unbeaufsichtigt wenn hier eine..." Tom stockte kurz und suchte nach einer passenden Beschreibung, dann hatte er es: "... eine verrückte Hexe haust, die Deine Jugend will?"
Damit stand Tom auf und ging zum Fenster und schaute hinaus.
"Ah, Chakotay hat schon mit der Arbeit angefangen, gut, dann brauch ich nicht mehr so viel zu machen."
Tom war gerade schon auf dem Weg aus dem Zimmer, doch dann besann er sich eines besseren. Mit ernster Miene schaute er Janni an und sagte: "Hör zu, wenn Du noch einmal etwas von Deiner Energie abgeben sollst, dann besteh darauf, daß entweder Chakotay oder ich dabei sind. Von mir aus nimm als Grund, daß wir Dich auffangen müssen falls Du umkippst, hast Du verstanden?"
Janni nickte. "Ja, habe ich. Ich verspreche es, Tom."
Paris lächelte leicht und verließ dann das Zimmer.
Einige Zeit später betrat Janni das große Zimmer im Erdgeschoß, in dem die alte Frau schon an ihrem Kleid nähte.
"Guten Morgen", sagte sie unsicher. Die Alte schaute kurz hoch und machte dann sofort weiter.
"Raus mit Dir, ich kann Dich erst später brauchen."
Das ließ Janni sich nicht zweimal sagen und suchte nach Tom und Chakotay um ihnen zu helfen.

Nach ein paar Stunden, als die Sonne bereits begann langsam unterzugehen, wurde Janni hereingerufen.
"Mädchen, komm her! Es ist Zeit für meinen nächsten Lohn!"
Gehorsam trat Janni näher und hielt der Frau ihre Hand hin. Chakotay stand hinter ihr, doch das schien der Näherin egal zu sein. Diesmal aber war Janni vorbereitet und dem Gesichtsausdruck der Alten nach zu urteilen war diese gar nicht glücklich darüber. Doch sie sagte nichts weiter und scheuchte alle wieder aus dem Zimmer. Als sie die Tür hinter sich geschlossen hatte fragte Chakotay: "Das lief besser als gestern, geht's Dir gut?" Janni lächelte.
"Danke, alles in Ordnung. Ich habe ihr nur sehr wenig Energie gegeben, endlich hab ich den Dreh raus."
Damit gingen beide wieder hinaus zu Tom um ihm noch beim jäten zu helfen. Durch das Fenster wurden sie von zwei schmal zusammengekniffenen Augen beobachtet, die ihnen noch länger unbemerkt hinterherstarrten.
Als es dunkel wurde gingen die drei auf ihre Zimmer und legten sich schlafen.

Sie blieben noch 2 Tage, dann war das Kleid fertig.
Am letzten Abend hatte die Alte versucht, Janni mit einem Trick die Energie abzuziehen, in dem sie ihr eine betäubende Kräutermischung in das Wasser gemischt hatte, aber Tom und Chakotay hatten bemerkt, daß etwas nicht stimmte und die Verbindung gewaltsam getrennt. Die Alte hatte Zeter und Mordio geschrien und während Tom die Furie versuchte in Schach zu halten, hatte sich Chakotay Janni über die Schultern gelegt und war hinaus gelaufen. Tom war geistesgegenwärtig genug noch das Kleid mitzunehmen, bevor er ihnen folgte.
Sie trugen Janni abwechselnd, die kaum gerade stehe konnte, weit genug weg von dem Haus in den Wald und fanden eine Lagerstätte hinter einem umgekippten Baum. Tom zog den Tricorder hervor und scannte Janni.
"Hm, das Zeug hat Ähnlichkeit mit einem leichten Sedativum", sagte er dann.
"Und was machen wir jetzt?" fragte Chakotay mit einem Blick auf das im Halbschlaf sich befindene Mädchen.
"Nichts", meinte der Steuermann. "Ich habe nur noch sehr wenig Ampullen mit Stokalin, daher schlage ich vor, wir warten einfach bis es ihr Körper von selber abbaut. Wer weiß, wofür wir unsere Medikamente noch brauchen werden."
Chakotay nickte. "Also gut, wie lange dauert das ungefähr?"
Tom zuckte mit den Achseln. "3-4 Stunden vielleicht", schätzte er dann.

Tatsächlich waren es nur 2 Stunden, dann war Janni wieder soweit klar im Kopf, daß sie ohne große Probleme wieder selber laufen konnte. Vorher allerdings zog sie das neue Kleid an, das sich schon fast wie eine Trophäe anfühlte.
"Dann gehen wir weiter, wir haben nur noch knapp 3 Wochen Zeit um das Gebirge zu erreichen. Und der Weg dahin ist noch weit." Chakotay lief wieder vorne weg. Ihre ganzen anderen Sachen hatten sie in einer Art Umhängetasche verstaut, die Tom nebst dem Kleid noch mitgegriffen hatte.

Stadtbesuch

Die ganze nächste Woche über kam es zu keinen Zwischenfällen auf ihrem Weg. In der Abenddämmerung fanden sie immer ein gutes Nachtlager, das einzige, das ihnen etwas Probleme bereitete, war die zunehmende Kälte. Zwar waren ihre neuen Kleider angemessen warm, aber in den Nächten fror besonders Janni sehr.
Ihr Kleid war oben herum relativ luftig geschnitten und ohne die Uniformjacke von Tom oder Chakotay hätte sie sich vermutlich eine Unterkühlung zugezogen.
Als es in der Nacht wieder einmal besonders kalt wurde, sprach Tom das Thema erneut an.
"Wir müssen uns dringend Umhänge oder warme Jacken besorgen."
Chakotay holte den Tricorder hervor. "Wenn wir einen kleinen Umweg in Kauf nehmen, könnten wir morgen nachmittag in die Stadt gehen, falls wir reingelassen werden."
"Als ich das letzte mal hier war, hatte die Stadt einen Seitenausgang. Der war zwar verschlossen, aber... naja, ich kenn da einen Trick", sagte Janni und schmunzelte.
Chakotay und Tom sahen sich an. "Versuchen wir es", meinte der erste Offizier dann.
"Und vielleicht erkundigen wir uns auch mal nach dem ominösen Berg, vielleicht gibt es einen Pfad dort hinauf."
Janni hatte ihre Zweifel.
"Bisher hat Eli die Portale immer an Stellen versteckt, an die man nicht so leicht herankommt."
Tom zuckte mit den Achseln. "Wer weiß, im Mittelalter war Bergsteigen noch nicht so populär, die Leute haben weiß Gott etwas anderes zu tun als Gipfel zu erklimmen."
"Hm, könnte sein, fragen wir einfach", stimmte Janni dann zögernd zu.
Damit war das Gespräch beendet und Chakotay und Tom legten sich schlafen während Janni die erste Wache übernahm.

Früh am nächsten Morgen wurden sie von Chakotay geweckt. Schnell packten sie die Sachen zusammen und machten sich dann auf den Weg zur Stadt. Nach ein paar Stunden konnten sie die Stadtmauer schon sehen und ebenso die vielen Leute, die sich durch das Haupttor drängten.
"Das ist so ein Gedränge, vielleicht können wir uns in der Masse durchschmuggeln", schlug Tom vor.
Chakotay hatte ungefähr denselben Gedanken wie Tom, aber er wollte den Plan noch etwas verfeinern.
"Wir sollten auf eine günstige Gelegenheit warten", meinte er und ohne seinen Plan näher zu erläutern, ging er direkt auf das Tor zu, wartete aber ein Stück unterhalb des Portals. Janni und Tom folgten ihm und während sie dort standen und warteten fragte Tom leise: "Und auf was für eine Gelegenheit warten wir?"
Chakotay streckte seinen Finger in eine Richtung und meinte dann: "Auf solch eine."
Seine beiden Begleiter schauten in die angegebene Richtung und Tom grinste.
Gerade kamen ein paar Bauern mit einer relativ großen Rinderherde angelaufen. Die Herde war so groß, daß sie die komplette Breite des Weges einnahmen und mindestens 10 Meter Weglänge.
Die anderen Besucher drängten sich an den Rand um die Tiere vorbeizulassen, nur Chakotay, Tom und Janni schlüpften zwischen die Tiere und hielten sich relativ geduckt. Janni murmelte etwas vor sich hin und plötzlich stiegen Staubwolken auf. Weder die Wächter noch die Bauern bemerkten, daß die drei sich hineinschlichen und als die Herde um eine Ecke zog, huschten sie in eine kleine Nische und warteten, bis das Vieh vorbei war.
"Guter Einfall mit dem Staub", meinte Tom und klopfte seine Sachen sauber.
Janni sagte nichts weiter, etwas war anders. Es hätte eigentlich ein kleiner und sehr einfacher Zauber sein sollen, aber sie hatte sogar den Spruch sogar vor sich hin sagen müssen, damit überhaupt etwas passiert war. Normalerweise reichte es, wenn sie sich nur auf ihr Vorhaben konzentrierte. Als ob die Magie schwächer wird, dachte sie und erschauderte. Doch sie beschloß das später noch näher zu untersuchen und folgte jetzt erst einmal den beiden Männern, die sich durch die vielen Menschen drängten.
Nach einer Weile erreichten sie den Marktplatz. Chakotay verschaffte sich einen Überblick. Es gab einen Haufen Stände und vor allem viele Schausachen. Die Schausteller waren einfach zu sehen - immer dort, wo sich mehr Menschen als üblich drängten und meistens schrien war irgendetwas besonderes. Ziemlich am Rand war eine Art kleiner Ringplatz abgezäunt und Chakotay sagte zu seinen Begleitern: "Ich werde mir das einmal anschauen, vielleicht ist das die Chance, etwas Geld zu verdienen."
Tom wollte protestieren, doch Chakotay kam ihm zuvor: "Ich gucke nur einmal, Tom. Ich bin sofort wieder zurück."
Damit ließ er die beiden stehen und kam nach ungefähr 20 Minuten wieder zurück.
"Wie ich es mir gedacht habe", meinte er und berichtete weiter. "Wer zuletzt stehen bleibt gewinnt die Einsätze. Ich glaube, ich kann eine Runde gewinnen, dann haben wir etwas Geld."
Jetzt hielt sich Tom nicht mehr zurück und auch Janni protestierte: "Was ist wenn Sie verlieren", sagte Tom gleichzeitig mit Janni, die es aber anders formulierte: "Commander, das ist kein Boxkampf, das ist... ein Fight Club! Ohne Regeln."
Chakotay sagte jedoch nur: "Wenn ihr eine bessere Idee habt an Geld zu kommen - ich bin ganz Ohr."
Tom und Janni schauten sich betreten an, eine andere Idee hatten sie nicht.
"Vielleicht sollten wir das in Ruhe überdenken", schlug Janni vor, doch Chakotay hatte bereits seine Weste ausgezogen und reichte sie Tom.
"Lieutenant, Ihre Aufgabe ist es mich rauszuholen sollte ich Probleme bekommen", sagte er und ging dann geradewegs zur Arena. Janni und Tom konnten nichts weiter tun als ihm zu folgen und drängten sich dann bis ganz nach vorne. Chakotay stand noch am Rand und redete auf einen ziemlich schmutzig wirkenden Mann mit verfaulten Zähnen ein, bis dieser schließlich nickte. Der Commander suchte Tom mit seinem Blick und nickte ihm dann zu.
"Er scheint Erfolg gehabt zu haben", meinte Tom kopfschüttelnd. Wohl war ihm überhaupt nicht bei der Sache, aber er wußte auch, daß Chakotay den Vorteil von Sternenflotten-Nahkampf und Boxen auf seiner Seite hatte. Im Ring wurde gerade der Sieger gekürt, der allerdings so aussah, als könne er sich gar nicht mehr auf den Beinen halten. Sein Gegner wurde dagegen aus dem Feld getragen.
Dann wurde die Arena geräumt und fünf Männer, unter ihnen Chakotay, betraten nun das Feld. Sie musterten sich kurz, dann stürzten sie aufeinander los.
Janni schrie erschrocken auf, als Chakotay von zwei Seiten attakiert wurde und er einen heftigen Magentritt kassierte.
Stöhnend sackte er in die Knie, blockte aber mit seinem linken Arm noch einen Schlag ab. Doch er kam schnell wieder auf die Beine und konzentrierte sich auf einen Gegner, achtete aber darauf, daß er sich nahe am Rand hielt, damit er seinen Rücken decken konnte. Obwohl er sehr gut in Verteidigung ausgebildet war, mußte er auch ganz schön einstecken. Denn seine Gegner hatten einen anderen Vorteil - es waren alles sehr kräftige Männer, die ihr ganzes Leben hart gearbeitet hatten und in Punkto Kraft Chakotay eindeutig überlegen waren.
Inzwischen war ein Kämpfer zu Boden geganen und rührte sich nicht mehr. Die vier verbleibenden hatten sich ihren Zweikampfgegner ausgesucht und versuchten auch mit den schmutzigstens Tricks zu gewinnen.
Chakotay merkte schnell, daß er, wenn er das hier gewinnen wollte, nicht auf Fairness setzen, sondern mindestens genauso trickreich sein mußte. Sein Gegner hatte von irgendwo einen Stein herbekommen und ihn damit am Kopf getroffen. Eine Platzwunde zierte Chakotays Stirn und das Blut behinderte seine Sicht, weil es ihm permanent in die Augen lief.
Jetzt griff sein Gegner wieder an, doch diesmal konnte er ausweichen. Er duckte sich unter dem Schlag weg und stellte ihm gleichzeitig ein Bein. Der Mann hatte viel Schwung drauf, konnte sich nicht mehr abfangen und machte einen gekonnten Bauchklatscher. Chakotay zögerte nicht, drückte sein Knie in seinen Rücken und nahm ihn gleichzeitig in den Schwitzkasten.
Natürlich wollte er ihn nicht töten, aber er mußte zusehen, daß er als Gegner ausschied. Daher drückte er so lange zu, bis der Mann ohmächtig wurde. Sofort ließ er ihn los, stand auf und wollte sich den anderen beiden Kontrahenten zudrehen, als er Janni hörte: "Vorsicht!"
Doch er konnte nicht mehr ausweichen. Von den anderen zwei Kämpfern war ebenfalls einer k.o. gegangen und der Sieger hatte Chakotay einen heftigen Kinnhaken verpaßt.
Der erste Offizier sah kurz Funken und merkte dann, daß er am Boden lag. Die Leute jubelten und Chakotays Gegener wähnte sich schon als Sieger. Er hob triumphierend die Arme, doch er hatte nicht damit gerechnet, daß Chakotay wieder auf die Beine kommen würde.
Jemand tippte ihm auf die Schulter und er drehte sich um in der Meinung, der Kampfrichter würde ihm sein Geld geben, doch statt dessen sah er ein blutverschmiertes Gesicht, das jedoch ein Lächeln hatte. Chakotay schickte ihn mit einem ebenso kräftigen Kinnhaken auf den Boden und sein Gegner stand nicht mehr auf.
Diesmal war es wirklich zu Ende. Die Leute klatschten und Chakotay bekam die Einsätze.
Kaum hatte er das Geld erhalten zogen Tom und Janni ihn vorsichtig aus der Menschenmenge heraus und dirigierten ihn durch drei sehr enge, verwinkelte Gassen zu einem Holzfaß, auf das sie ihm drauf halfen.
"Ich sagte doch, daß ich gewinne", meinte Chakotay, doch allmählich ließ sein Adrenalinschub nach und der Schmerz gewann die Oberhand.
Janni mußte sich zusammenreißen um sich ihren Schock nicht anmerken zu lassen, Chakotay sah aus, als hätte man ihn durch einen Fleischwolf gedreht. Überall hatte er blaue Flecken und abgesehen von der Platzwunde an seiner Stirn hatte er noch eine blutende Lippe und diverse Kratzer und Schnitte im Gesicht.
"Janni, sieh bitte zu, daß keiner kommt, ja?" bat Tom sie und das Mädchen nickte. Sie stellte sich an die Ecke und beobachtete die Gasse.
Tom hatte derweil den Tricorder ausgepackt und scannte Chakotay nun.
"Ihre Organe wurden zum Glück nicht verletzt, aber dafür haben Sie reichlich Schnittwunden und eine leichte Gehirnerschütterung."
Tom klappte den Tricorder wieder zu und öffnete dann das Medkit. Mit dem Hautregenerator versorgte er die vielen kleinen Verletzungen und als er fertig war drückte er Chakotay noch ein Hypospray gegen den Hals, das ein Schmerzmittel enthielt. "Danke Tom", sagte Chakotay und fühlte sich gleich besser.
Der Pilot packte das Medkit wieder in die Tasche und meinte dann: "Sie müßten sich eigentlich jetzt hinlegen und ausruhen, aber hier ist das etwas ungünstig."
Er überlegte, was sie jetzt am besten machen konnten.
Chakotay entschied es für ihn. "Ist schon gut, Tom, ich werde mich später ausruhen. Sehen wir zu daß wir alles nötige besorgen und dann gehen wir wieder. Ich hoffe nur, das Geld reicht, sonst muß ich noch eine Runde in den Ring..."
"Nur über meine Leiche!" rief Janni aus.
Chakotay schaute sie an und meinte: "Vozugsweise nicht, das war aber gerade auch eher ein kleiner Witz."
Janni schaute ihn mit zusammengekniffenen Augen an: "Bei Ihnen weiß man das nie, Commander..."
Dann gingen sie wieder auf den Marktplatz und waren später erstaunt, als sie sogar noch Geld über hatten. Tom hatte für sie alle warme Umhänge besorgt, außerdem Proviant und ein paar Hanfseile.
"Hm, ob die klettertauglich sind wage ich zu bezweifeln, aber etwas besseres habe ich leider nicht gefunden."
Chakotay schaute sie sich an und meinte dann: "Irgendwie muß es reichen. Aber wir wollten noch fragen, ob es einen Pfad gibt."
Sie steuerten das Wirtshaus an und bald kamen sie ins Gespräch mit einigen Gästen. Tom brachte das Thema geschickt auf den Berg und es stellte sich heraus, daß es fast bis zum Gipfel tatsächlich einen Weg gab, allerdings wurde der nie benutzt.
"Keiner wagt sich den Pfad empor", flüsterte gerade ein Mann, "die, die es versucht haben, sind nie wieder zurückgekommen. Die Berggnome haben sie gefressen", sagte er voller Überzeugung.
Tom verdrehte die Augen.
Berggnome, ist klar, dachte er bei sich und fragte sich, den wievielten Krug Bier der Mann schon intus haben mußte.
Chakotay jedoch bedankte sich und zahlte dem Mann das letzte Bier. Dann gingen sie wieder hinaus und passierten ohne Probleme das Stadttor.
Sie liefen sofort in den Wald hinein und fanden zu ihrem großen Glück eine kleine Höhle mit sandigem Boden, in der sich gut geschützt die Nacht verbringen konnten.
Tom breitete eine Decke aus, die er ebenfalls noch gekauft hatte und sagte dann: "Sie legen sich jetzt hin Chakotay, das ist eine ärztliche Anordnung."
Da der Commander jetzt doch unter Kopfschmerzen litt, kam er der Aufforderung ohne Gegenwehr nach und seufzte erleichtert, als sein Kopf auf dem Umhang lag. Er schloß die Augen und war kurz darauf eingeschlafen. Tom holte noch einmal den Tricorder heraus und scannte ihn.
"Wie sieht's aus?" fragte Janni, die gerade mit einem Arm voll Feuerholz wieder reinkam.
"Wenn er bis morgen ruhig liegen bleibt kommt er schon wieder in Ordnung", meinte Tom und klappte den Tricorder wieder zu.
"Dann teilen wir zwei uns die Wache am besten", schlug Janni vor und Tom nickte.
"Lassen wir ihn sich ausruhen, das hat er verdient."
Janni schichtete das Holz aufeinander, holte noch ein paar Steine und legte sie um das Holz herum.
Dann holte Tom den Phaser heraus und kurz darauf loderte ein munteres Feuer.
"Haben Sie nicht Käse gekauft, Tom?" fragte Janni und suchte schon zwei lange Stöcke heraus.
Tom kramte ein kleines Käserad aus der Tasche und schnitt es auf. Zwei Stücken gab er Janni, die sie auf die Stöcke spießte und ins Feuer hielt. Derweil schnitt Tom noch zwei Scheiben Brot ab und legte sie auf einen Stein nahe dem Feuer, damit es etwas röstete. Ein paar Minuten später war der Käse schon zu einem Klumpen geschmolzen und zusammen mit dem Brot schmeckte es sogar richtig lecker.
"Chakotay bekommt das zum Frühstück", meinte Tom mit einem seitenblick auf den schlafenden Offizier.
Janni schaute in den Eingang hinaus. Sie schätzte, daß es jetzt langsam später Nachmittag wurde, denn die ersten Schatten zogen auf.
"Ich gehe noch einmal an den Fluß und hole Wasser", meinte sie dann und wollte gerade aufstehen, doch Tom hielt sie zurück.
"Hast Du hier gar nichts gelernt?" fragte er mit hochgezogenen Augenbrauen. "Ich gehe, wenn überhaupt. Ich werde Dich sicher nicht draußen allein rumrennen lassen wenn wir so nahe an einer Stadt sind. Du weißt genau was sich hier alles rumtreiben kann."
"Aber...", fing Janni an, doch Tom unterbrach sie: "Nichts aber, oder weißt Du nicht mehr was Dir passiert ist, als Du mit dem Doktor hier warst und allein am Fluß?"
Janni wurde blaß. Die Erinnerungen kamen wieder hoch von dem schecklichen Moment, als sie von den drei Männern fast vergewaltigt worden war und Thomas sie im letzten Moment gerettet hatte.
Tom schaute Janni an, da diese nichts mehr sagte und bemerkte, daß sie verstört war. Er hockte sich neben sie, legte eine Hand auf ihren Oberarm und meinte leise: "Tut mir leid, ich wollte Dich mit Erinnerungen nicht quälen, aber ich würde es mir nie verzeihen, wenn so etwas noch einmal passieren würde."
Er drückte ihr den Phaser in die Hand. "Hier, sollte jemand anderes außer ich hier reinkommen - er steht auf Betäubung. Achte immer auf den Eingang."
Tom stand wieder auf und machte sich dann auf den Weg zum Bach. "Wenn was ist, erreichst Du mich über den Kommunikator", sagte er noch bevor ihn die Abenddämmerung verschluckte.

Eine beunruhigende Entdeckung

Janni setzte sich neben das Feuer, mit Blick auf den Eingang. Der Phaser lag griffbereit neben ihr und sie versuchte an etwas anderes zu denken. Dann kam ihr der merkwürdige Vorfall mit der schwachen Magie wieder ins Bewußtsein und sie überlegte kurz, was sie ausprobieren konnte. Dann fiel ihr etwas praktisches ein, den Feuerschein sah man sicher nach draußen und wenn es Nacht werden würde, dann könnte die Helligkeit Tiere oder auch Gesindel anziehen. Sie stellte sich vor, die Farbe der Flammen zu ändern. Doch es klappte nicht.
Konzentrier Dich, sagte sie zu sich selbst, atmete einmal tief durch und versuchte ihren Geist von allem anderen außer dem Feuer zu befreien. Sie starrte angestrengt in die Flammen, die jetzt dunkler wurden, aber nicht so dunkel, wie sie es wollte.
Sie verstärkte ihren Willen und flüsterte vor sich hin: "Die Flammen werden schwarz, die Flammen werden schwarz..." Sie zitterte schon fast vor Anstrengung, aber endlich klappte es. Das helle gelb wandelte sich in ein Schwarz, das in der Mitte noch ganz wenig flackerte und in der Höhle wurde es dunkel.
Janni war erschöpft, sie hatte so viel Kraft verbraucht, als hätte sie einen tonnenschweren Stein versucht anzuheben.
Was ist bloß los? fragte sie sich besorgt. Werde ich schwächer oder die Magie?
Sie überlegte, was jetzt anders war als früher. Und dann schob sich ein Gedanke in ihren Kopf, der sie nicht mehr losließ.
Die Welten nähern sich nicht mehr, sie entfernen sich. Wird dann auch die Magie versagen?
Der Gedanke schockierte sie, wenn es wirklich daran lag, daß die Welten sich entfernten und sie jetzt schon so große Schwierigkeiten mit kleinen Zaubern hatte, wie sollte es dann werden, wenn sie wirklich in Schwierigkeiten kamen?
Das Portal, schoß es ihr plötzlich durch den Kopf, das Portal ist auch Magie! Was ist, wenn es sich schließt bevor wir es erreichen?
Janni hatte auf einmal Schmetterlinge im Bauch. Diese Gedanken ängstigten sie regelrecht. Doch dann schalt sie sich: "Beruhig Dich", sagte sie laut vor sich hin. "Tief durchatmen."
Sie holte mehrmals tief Luft und zwang sich zur Ruhe.
Das ist eine Theorie, die nicht stimmen muß, dachte sich relosut, doch tief in ihrem Inneren hatte sie das untrügliche Gefühl, daß sie damit Recht hatte. Sie beschloß, die Flammen wieder leuchten zu lassen und es später noch einmal mit der Schwärzung zu versuchen. Vielleicht war sie auch einfach nur unkonzentriert. Sie fokussierte wieder das Feuer und befahl ihm in Gedanken, das usprüngliche Aussehen wieder anzunehmen. Erleichtert stellte sie fest, daß es diesmal auf Anhieb klappte.
Vielleicht liegt es doch bloß an mir, überlegte sie und versuchte dann, sich abzulenken in dem sie die Tasche einmal ausleerte um zu sehen, was sie jetzt alles an Vorräten und Gegenständen hatten.

Einige Zeit später, es war jetzt schon dunkel geworden, hörte sie Tom's Stimme.
"Janni, ich bin's, ich komme jetzt rein", kündigte er sich an.
Das Mädchen trat ihm entgegen und nahm ihm den Wasserschlauch ab.
"Danke, Tom", sagte sie und half ihm dann noch die Gürteltasche abzunehmen, die er ebenfalls in der Stadt gekauft hatte. Sie war voll mit Nüssen und Beeren.
"Ich hatte Glück, am Ufer waren diese Nußsträucher und kleine Pflanzen an denen die Beeren hingen. Laut Tricorder durchaus eßbar."
Mit einem erleichterten Seufzer ließ er sich neben das Feuer fallen und streckte sich einmal ausgiebig. Janni beobachtete ihn und mußte leise lachen. Doch dann fiel ihr Blick auf seine Arme.
"Tom!" rief sie aus, "was ist passiert?"
Sie nahm seine Hand und untersuchte die vielen kleinen Kratzer auf dem Handrücken und dem Arm. Der Stoff seines Hemdes war zerrissen und blutig. Der Pilot schaute herunter und meinte dann achselzuckend: "Ach das, ich bin in der Dunkelheit gestolpert auf dem Weg und natürlich in den einzigen Dornenbusch weit und breit gefallen. Sieht schlimmer aus als es ist."
Janni war erleichtert. "Ich dachte schon, irgendein Tier hätte Sie angefallen..."
"Bin keinem begegnet", meinte er und schaute zum Eingang. Nachdenklich meinte er dann: "Irgendwie sollten wir den Eingang vielleicht tarnen, meinst Du nicht? Den Feuerschein sieht man auf eine Meile Entfernung, wer weiß, was wir damit anlocken."
"Dasselbe habe ich mir vorhin auch überlegt und deshalb..." Janni konzentrierte sich auf die Flammen, es fiel ihr zwar etwas leichter als im ersten Versuch die Flammen dunkel zu machen, aber sie mußte trotzdem sehr viel Energie einsetzen.
Tom staunte. "Nicht schlecht", sagte er anerkennend und hielt seine Hand näher ans Feuer. "Die Hitze ist unverändert", stellte er zufrieden fest.
Janni gähnte. "Würden Sie so nett sein und die erste Wache übernehmen Lieutenant? Ich bin irgendwie erledigt."
"Kein Problem, der kleine Spaziergang an der frischen Luft hat mich eh wach gemacht. Aber bevor Du schlafen gehst, meinst Du, Du könntest vielleicht noch irgendetwas mit dem Eingang machen? Durch die schwarzen Flammen seh ich fast nichts mehr in der Dunkelheit."
Janni überlegte. Was konnte sie machen? Dann fiel ihr Blick auf den Sand, der den Boden bedeckte und ihr kam eine Idee. Sie konzentrierte sich noch einmal voll auf ihr Vorhaben, doch es war wieder wie beim Feuer am Anfang, die Magie war zu schwach.
Sie fokussierte ihren Willen noch stärker und murmelte die Worte vor sich hin. Kleine Schweißperlen traten ihr auf die Stirn und sie biß die Zähne schon zusammen vor Anstrengung, da endlich flogen die Sandkörner hoch und bildeten vor der Öffnung eine feine Wand. Kaum war sie fertig sackte sie zusammen und legte sich auf ihre Decke.
"Janni, ist alles in Ordnung?" fragte Tom, der bemerkt hatte, daß sie gerade Schwierigkeiten gehabt hatte.
"Ja, ich hab vorhin vermutlich zu viel mit dem Feuer geübt und bin jetzt ziemlich ausgelaugt", wich sie aus. "Ein wenig Schlaf..." sie murmelte die Worte eigentlich nur noch, dann verrieten ihre gleichmäßigen Atemzüge, daß sie auch eingeschlafen war.
Tom suchte sich eine bequeme Position, den Phaser griffbereit, und begann mit der Wache.
Nach einiger Zeit scannte er noch einmal Chakotay und war zufrieden, daß es ihm laut Anzeigen am morgen sicher besser gehen würde. Er selber spürte mit zunehmend verstreichender Zeit eine Müdigkeit in sich aufsteigen, die er gar nicht so gewohnt war. Als er dann meinte, nicht mehr wach bleiben zu können, weckte er Janni (es war jetzt eh Zeit für die Ablösung), legte sich hin und war sofort eingeschlafen.

Chakotay und Tom wurden durch ein lautes Klappern wach. Janni hatte einen Topf herausgekramt um ein wenig Wasser zu erhitzen.
"Guten Morgen", begrüßte sie die beiden.
"Guten Morgen", erwiderte Chakotay und setzte sich auf. Er streckte sich einmal und sagte dann: "Ihr habt mich gar nicht für die Nachtwache geweckt."
"Tom hat Ihnen Bettruhe verschrieben", meinte Janni lachend und sah zum Piloten herüber. Sie stutzte, denn Tom war nicht so munter wie sonst. Er lag noch immer da, die Augen fielen ihm immer wieder zu und er sagte auch nichts. Sie ging zu ihm rüber und kniete sich neben ihn.
"Tom?" fragte sie leise. "Ist alles in Ordnung?"
Chakotay schaute jetzt auch herüber und fragte, als Tom nicht antwortete: "Was ist mit ihm?"
Jetzt schien Tom wach zu werden.
"Zu kurze Nacht gehabt, tut mir leid", nuschelte er und setzte sich langsam auf.
Janni musterte ihn und was sie sah, gefiel ihr gar nicht. Irgendwie sah er merkwürdig aus. Die Augen waren eher wässrig und sein Gesicht wirkte leicht aufgedunsen. Sie fragte noch einmal: "Ist wirklich alles in Ordnung? Sie sehen etwas... " sie suchte nach den passenden Worten... "aufgequollen aus."
Tom zog die Stirn kraus. "Das hat mir ja auch noch keiner gesagt", meinte er scherzhaft, aber das übliche Lächeln, das er normalerweise auf den Lippen hatte, das fehlte. Doch er sagte nichts weiter und Janni schaute hilfesuchend zu Chakotay, der jedoch zog nur kurz die Schultern hoch. Daher ließ sie es dabei bewenden.
Vielleicht hat er einfach wirklich zu wenig geschlafen, überlegt sie.
Die drei saßen am Feuer und aßen ein Frühstück aus Eiern, die Janni fast vor dem Eingang gefunden hatte, Beeren, Nüssen und einem Stück Käse und Brot. Das heiße Wasser wärmte sie auf und dann räumten sie alles ein und machten sich wieder auf den Weg.

Vergiftet

Den Tag über hielten sie sich möglichst abseits des Hauptweges und begegneten keinem. Tom war auffällig abwesend und schweigsam geworden und Janni machte sich Sorgen um ihm. Irgendetwas stimmte nicht, das spürte sie. Daher ließ sie sie etwas zurückfallen und lief ein wenig neben ihm her.
"Tom, irgendetwas ist doch los mit Ihnen", sagte sie dann leise.
Der Pilot antwortete nicht sofort und Janni sah, daß ihm einige Schweißperlen auf der Stirn standen. Sein Gesicht war leicht gerötet und schließlich räumte er ein: "Vielleicht habe ich mir eine Erkältung eingefangen, ich fühle mich etwas schlapp um ehrlich zu sein."
"Sollen wir eine Pause machen?" bot sie ihm an.
Doch er schüttelte den Kopf. "Wenn wir jemals nach Hause wollen, dann dürfen wir uns mit solchen Kleinigkeiten nicht aufhalten, wir wissen nicht mal, ob wie es jetzt noch rechtzeitig schaffen."
Er blickte zum Berg hinüber, der in den letzten Tagen immer näher gekommen war aber auch immer größer wurde.
"Wer weiß, wie lange wir brauchen um dort hochzukommen", sinnierte er.
Janni schaute ebenfalls zum Gipfel und bemerkte, daß sie selber wohl die Ausmaße des Berges betreffend zu unbekümmert gewesen war.
"Wir werden es schon schaffen", sagte sie dann um Tom aber auch sich selber Mut zu machen. "Wenn es wirklich einen Pfad dort hinauf gibt, erspart uns das erschwerte Kletterei."
"Ich hoffe nur, wir finden ihn auch schnell."
Chakotay drehte sich nach den beiden um und fragte: "Sollen wir eine Pause machen?"
"Nein, wir gehen weiter", sagte Tom schnell. Janni griff nach der Tasche, die er umhängen hatte und meinte: "Die trage ich jetzt."
Der Pilot widersprach nicht und reichte sie ihr, noch ein Zeichen für Janni, daß es ihm nicht gut gehen mußte. Dann schloß sie schnell zu Chakotay auf und informierte ihn leise, wie es um Tom stand.
Chakotay blickte seinen Lieutenant an und meinte dann: "Wir werden heute am besten etwas früher einen Unterschlupf suchen."
Janni nickte und bis es Nachmittag wurde, hielt sie sich in der Nähe von Tom um ihn besser im Auge zu haben.
Am frühen Abend fand Chakotay dann wieder eine kleine Höhle und kaum waren sie drinnen holte Janni eine Decke vor und Tom legte sich dankbar hin.
Als Chakotay seinen Piloten dort liegen sah, macht er sich auch Sorgen. Tom's Haut war gerötet und er schwitzte sehr.
"Janni, gibst Du mir bitte den Tricorder?" fragte er.
Sie reichte ihn herüber und Chakotay scannte Tom.
"Hm, wenn ich die Daten richtig interpretiere, dann wurden Sie vergiftet!" stellte er etwas zögerlich fest.
Tom runzelte die Stirn. "Was? Lassen Sie mich mal sehen."
Chakotay gab ihm den Tricorder und Tom scannte sich selber. Zu seinem Entsetzen hatte Chakotay die Daten nicht falsch interpretiert, es war tatsächlich ein Giftstoff in seinem Körper.
"Hat Sie irgendwer angerempelt, etwas zu Trinken angeboten oder sonst irgendetwas gemacht in der Stadt?" fragte Chakotay.
Tom überlegte kurz und schüttelte dann den Kopf. "Nein, absolut nichts."
"Der Strauch!" rief Janni plötzlich. Dann meinte sie zu Chakotay: "Er war gestern Nacht noch Wasser holen und ist auf dem Rückweg in einen Dornenbusch gefallen, vielleicht war es eine Giftpflanze?"
"Könnte möglich sein, ich hab mich gestern Abend schon so müde gefühlt auf einmal", räumte Tom ein.
"Können Sie das Gift analysieren und ein Gegengift herstellen?" fragte Chakotay hoffnungsvoll.
Doch der Pilot schüttelte den Kopf. "Nicht mit den Geräten die wir dabei haben."
"Und wenn wir die Einheimischen danach fragen?" schlug Janni vor. "Die müßten doch die ganzen Pflanzen hier kennen. Vielleicht können sie uns helfen.
Chakotay holte den normalen Tricorder hervor und scannte nach Lebenszeichen.
"In ca. 5km Entfernung wird eine kleine Siedlung angezeigt, ich werde einmal hingehen."
"Wollen wir nicht lieber zusammen morgen früh hingehen?" fragte Tom. "Es liegt doch auf dem Weg und wir wären zu dritt."
"Nein, Sie ruhen sich jetzt aus, mir passiert schon nichts. Und außerdem haben wir noch unsere Kommunikatoren."
"Na gut", lenkte Tom schließlich ein.
Chakotay ging zum Eingang und rief dann Janni noch einmal zu sich. Als beide außer Hörweite von Tom waren sagte der erste Offizier: "Sieh zu daß er viel trinkt, das hilft vielleicht etwas um das Gift aus dem Körper zu kriegen."
"Mach ich, ich hole noch neues Wasser."
Damit ging Janni zurück in die Höhle, sagte Tom kurz, daß sie Wasser holen würde und legte ihm einen Phaser in Reichweite.
Die andere Waffe hatte Chakotay eingesteckt, für alle Fälle.
Janni schnappte sich den Wasserschlauch und ging zur nahen Quelle um ihn zu füllen. Nach nur 10 Minuten war sie wieder da und kniete sich neben Tom.
"Können Sie sich aufsetzen?" fragte sie.
"Ich denke schon", antwortete er und rappelte sich auf. Janni stütze ihn, sie merkte, daß Tom Schwierigkeiten hatte.
"Hier, trinken Sie", sagte sie und hielt ihm den Wasserschlauch hin.
Der Pilot nahm ihn dankbar und trank einige Schlucke.
"Danke", sagte er und gab ihn zurück. Janni half ihm wieder sich hinzulegen und ließ das Wasser bei ihm liegen. Dann ging sie hinaus um Feuerholz zu sammeln und eine halbe Stunde später hatte sie ein kleines Feuer entzündet.

Ein feuriges Transportmittel

Chakotay kehrte nach ungefähr zwei Stunden wieder zurück und als Janni seine Miene sah wußte sie schon, daß er keine guten Neuigkeiten hatte. Doch sie sagte vorerst nichts.
Tom's Zustand hatte sich nicht verbessert aber zum Glück auch nicht verschlechtert, die Ruhe tat ihm gut. Jetzt fragte er: "Und? Haben Sie jemanden gefunden Chakotay?"
Dieser nickte. "Habe ich, eine sehr freundliche alte Frau, ich habe ihr beschrieben was unser Problem ist und sie hat mir das hier gegeben."
Aus seiner Tasche zog er ein Tuch heraus, in dem etwas eingewickelt war. Vorsichtig öffnete er es und zum Vorschein kam ein grünes Pulver.
"Sie müssen jeden Morgen und jeden Abend ein wenig davon in Wasser auflösen und trinken, dann geht es Ihnen bald besser."
Tom wirkte erleichtert, doch Janni kniff die Augen zusammen. Irgendetwas verschwieg Chakotay, da war sie sich sicher.
Chakotay hingegen holte einen Becher hervor und füllte ihn mit Wasser. Dann fügte er etwas von dem Pulver hinzu und half Tom auf, bevor er ihm den Becher reichte.
"Auf Ihr Wohl, Lieutenant", meinte Chakotay mit einem kleinen Lächeln und wartete, bis Tom ausgetrunken hatte. Er nahm ihm den Becher wieder ab, half ihm sich hinzulegen und es dauerte gar nicht lange, bis er eingeschlafen war.
Janni wartete noch ein paar Minuten um sicher zu sein, daß der Pilot nicht gleich wieder aufwachen würde, stand dann auf und setzte sich neben Chakotay.
"Und jetzt erzählen Sie mir was wirklich los ist", sagte sie flüsternd.
Chakotay seufzte, doch dann sagte er, ebenfalls im Flüsterton: "Der Strauch ist höchst selten und sehr giftig. Die Einheimischen kennen kein Gegenmittel und alle, die mit dem Gift jemals in Berührung kamen, sind nach ein paar Tagen unter ziemlichen Schmerzen gestorben. Das Pulver dient lediglich dazu, die Körperfunktionen etwas zu verlangsamen damit sich das Gift nicht so schnell ausbreitet."
Janni wurde kreideweiß. Sie blickte zum schlafenden Tom, dann wieder zu Chakotay.
"Wenn wir ihn rechtzeitig zur Voyager bringen, kann er es schaffen, oder?" fragte sie hoffnungsvoll.
Chakotay zuckte nur die Achseln.
"Ich habe keine Ahnung, aber auf jeden Fall steigen seine Überlebenschancen wenn er in der Obhut des Doktors wäre."
"Dann müssen wir zusehen, daß wir so schnell wie möglich auf diesen Berg und durch das Portal kommen", sagte Janni.
Chakotay nickte. "Es wäre noch besser, wenn wir Pferde hätten. Ich glaube sogar, wir werden gar nicht drum herum kommen wenigstens eins zu besorgen, nach dem was die Frau erzählt hat, wird Tom bald nicht mehr laufen können."
"Aber woher sollen wir hier ein Pferd bekommen?" fragte Janni.
"In dem wir uns eins ausleihen", antwortete der Commander. "Dort wo ich war, gab es ein großes Bauernhaus, das schon ziemlich verfallen wirkte. Die Pferde sind alle über die gesamte Koppel verteilt und es sieht nicht so aus, als ob sich noch jemand um sie kümmert."
Janni schaute unschlüssig zu Tom, dann wieder zu Chakotay. Dieser sagte, weil er ihr Zögern bemerkte: "Wir leihen uns nur eins aus. Außerdem haben wir keine andere Wahl, wenn wir noch rechtzeitig das Portal erreichen wollen."
Janni seufzte. Sie hatte ein ungutes Gefühl dabei, sah aber die Notwengidkeit des Unterfangens.
"Also gut, es bleibt uns ja wirklich nichts anderes übrig. Wann leihen wir eins?"
"Heute Nacht", sagte Chakotay sofort. "Ich gehe eins besorgen. Du bleibst bei Tom."
Janni nickte. "Also gut. Vielleicht legen Sie sich jetzt noch etwas hin, ich wecke Sie später."
"Ist gut." Der erste Offizier machte es sich neben dem Feuer bequem und war kurz darauf eingeschlafen.
Janni überlegte fieberhaft, ob sie Tom irgendwie helfen konnte, aber ihr fiel absolut gar nichts ein, das sie hätte für ihn tun können. Sie versuchte auch noch mal die Flamme abzudunkeln und wieder hatte sie große Schwierigkeiten.
Das kann nicht an mir liegen, dachte sie und war davon überzeugt, daß ihre Theorie mit der Entfernung der Welten richtig sein mußte. Sie überlegte, ob sie ihren beiden Begleitern von diesem Problem berichten sollte, entschied sich dann aber dagegen. Es würde ihnen vermutlich nur unnötig Sorgen bereiten und Tom's Vergiftung reichte als Sorgenfaktor völlig aus.

Als ein paar Stunden vergangen waren weckte Janni Chakotay. Dieser packte eins der Hanfseile ein, das er als Trense benutzen konnte, und machte sich dann auf den Weg.
Janni saß angespannt neben dem Feuer und lauschte nach jedem verdächtigen Geräusch.

Nach ungefähr einer knappen Stunde hörte sie draußen dann etwas. Sie ging zum Höhleneingang und spähte in die Nacht. Dann sah sie einen großen Schemen auf sie zukommen.
"Chakotay!" rief sie erleichtert und lief ihm entgegen. Hinter ihm, geführt an der Trense, erschien ein schwarzes Pferd, das stolz seine Mähne schüttelte und schnaubte.
"Ich hoffe, es ist nicht zu feurig für Tom, aber was das Beste Tier, das ich finden konnte. Und es schien sich zu freuen, daß es da weg konnte", meinte Chakotay.
Janni hielt dem Pferd vorsichtig die Hand vor die Nüstern, damit es sich an ihren Geruch gewöhnen konnte. Das Pferd schnupperte an ihrer Hand und Janni nahm es als Einladung, es zu streicheln. Ganz langsam wanderte ihre Hand etwas höher und dann streichelte sie den Nasenrücken. Das Pferd schnaubte zufrieden und stupste sie einmal an.
"Na, da haben sich ja schon zwei gefunden", stellte Chakotay amüsiert fest.
"Ich liebe Tiere einfach", seufzte Janni und umarmte das Tier.
"Vielleicht sollten wir ihm einen Namen geben solange er mit uns unterwegs ist? Ich finde, 'Pferd' hat er als Rufnamen nicht verdient."
Janni schaute in die großen Pferdeaugen und sagte leise: "Soso, Du bist also ein Hengst, und ein feuriger bestimmt, dann brauchst Du auch einen passenden Namen."
Chakotay lachte. "Ich laß Euch beide dann mal allein, aber sieh zu, daß Du bald schlafen gehst. Ich übernehme den Rest der Nacht die Wache."
"10 Minuten Chakotay, 10 Minuten nur", sagte Janni völlig abwesend.
Der erste Offizier schüttelte lächelnd den Kopf und ging dann nach Tom sehen.
Janni streichelte unterdessen den Hengst weiter und 'unterhielt' sich mit ihm.
"Was meinst Du, würde Dir Blacky gefallen? Ach nein", verwarf sie den Namen sofort wieder, "das paßt überhaupt nicht. Viel zu mädchenhaft... warte mal..." kritisch musterte sie seine Augen und Ohren, die er immer wieder nach vorn stellte und zählte auf: "Tornado? Blitz? King? Nein... "
Plötzlich leuchteten ihre Augen und sie rief: "Hidalgo! Das paßt, ich liebe Hidalgo, weißt Du, das war ein wunderbares Pferd, das ein hartes Rennen durch die Wüste gewonnen hat... er war zwar ein Mustang, aber das sollte nicht weiter stören."
Als ob der Hengst sie genau verstanden hätte wieherte er leise seine Zustimmung.
"Janni!" kam eine relativ leise Stimme von drinnen, "leg Dich jetzt hin, 10 Minuten sind um."
"Aye Commander", sagte sie brav, knuddelte noch einmal Hidalgo und versicherte sich, daß seine Trense sicher an einem Baum festgebunden war.
"Gute Nacht, Hidalgo", sagte sie und ging dann hinein.
Chakotay schmunzelte. "Hidalgo?" fragte er nach. Janni nickte und gähnte.
"War ein klasse Pferd in einem Film und er ist scheinbar damit einverstanden."
Sie rollte sich auf der einen Hälfte ihrer Decke zusammen und zog die andere Hälfte über ihren Körper.
"Gute Nacht, Chakotay."
"Gute Nacht, Janni."

Am Morgen wurden sie nicht von Chakotay, sondern von Hidalgo geweckt, der laut wieherte und ungeduldig mit einem Huf scharrte.
"Was zum..." fing Tom an und versuchte sich aufzurichten.
Das Pulver hatte scheinbar gewirkt, denn sein Zustand war immer noch weitgehend stabil.
"Ein Pferd?" fragte er völlig entgeistert. "Wo zum Teufel habt ihr hier ein Pferd aufgetrieben?"
Janni war sofort auf den Beinen und lief hinaus.
"Er heißt Hidalgo!" rief sie über ihre Schulter zurück und löste das Seil vom Baum. Sie lief mit ihm an die nahe Quelle wo beide ausgiebig tranken. Dann führte sie ihn auf eine kleine Lichtung, wo noch etwas Gras zu finden war und band das Seil wieder an einen Baum.
Hidalgo rupfte selig die Grashalme aus und beobachtete die Menschen mit großen Pferdeaugen.
Janni brachte gleich neues Wasser für Tom und Chakotay mit und füllte für den Piloten noch ein wenig von dem Pulver hinein.
"Hier Tom, trinken Sie."
Sie reichte ihm den Becher und Tom nahm ihn ihr dankbar aus der Hand. Chakotay hatte seine Geschichte über die Beschaffung des Pferdes gerade beendet und war jetzt dabei die Sachen wieder zu packen.
"Ich hoffe, er wirft Sie nicht ab, Tom", meinte er etwas besorgt.
Der Pilot schaute zu dem Hengst und meinte dann süffisant: "Wenn ich die Voyager fliegen kann, kann ich den auch reiten!"
Janni und Chakotay lachten und schließlich half Chakotay Tom auf. Er stellte besorgt fest, wie sehr sich Tom schon auf ihn stützen mußte, sagte aber nichts weiter. Janni hatte Hidalgo an einen umgekippten, dicken Baumstamm geführt, den Tom nun als Aufstiegshilfe benutzte.
Kaum schwang der Pilot ein Bein über den breiten Pferderücken, schnaubte der Hengst verärgert und tänzelte etwas zur Seite.
"Ruhig, mein Großer!" sagte Janni und streichelte ihm wieder über den Nasenrücken. Er beruhigte sich und ließ Tom gewähren.
"Geht es, Tom? Können Sie sich einigermaßen oben halten?" fragte Janni.
Tom hatte seine Hände in die Mähne geklammert und meinte: "Solange er nicht galloppiert sollte es gehen."
Chakotay nahm die Trense und gemeinsam machten sie sich wieder auf den Weg.

Wettlauf gegen die Zeit

Mit Hidalgo kamen sie jetzt schneller voran und Janni atmete erleichtert auf, als sie 4 Tage später an den Ausläufern des Berges angekommen waren. Sie blickte zu Tom, der inzwischen so geschwächt war, daß er mehr schlief als wach war und sie ihn notdürftig auf dem Pferderücken festbinden mußten.
Sein Puls war stark verlangsamt und das Fieber ging nicht mehr runter.
Auf der Suche nach einem Nachtlager entdeckten sie, daß der Berg in ungefähr 100m Höhe von vielen Höhlen durchsetzt war.
"Versuchen wir eine der Höhlen zu erreichen", schlug Chakotay vor und machte sich dann auf die Suche nach dem Pfad, der irgendwo hier anfangen mußte.
Nach einer Stunde Suche hatten sie ihn dann gefunden und da es schon Dunkel wurde, waren sie äußerst vorsichtig beim Hinauflaufen. Zum Glück war der Pfad breit genug für den Hengst und bot Trittfestigkeit.
Sie liefen eine knappe halbe Stunde hoch, bevor Chakotay endlich eine passende Grotte fand, in der sie sogar Hidalgo unterstellen konnten.
Janni hatte auf dem Weg immer wieder Gras gesammelt, das sie nun dem Pferd anbieten konnte. Lediglich Wasser würde jetzt ein Problem werden.
Bevor sie die Ausläufer des Berges erreicht hatten, hatten sie noch einmal so viel Wasser wie möglich aufgefüllt und hofften, daß es wenigstens bis zur Schneegrenze reichen würde.
Chakotay und Janni hoben gemeinsam Tom vom Pferderücken herunter und der Pilot wachte stöhnend auf.
Sie legten ihn vorsichtig auf eine Decke und während Chakotay ihn noch einmal untersuchte legte Janni behutsam ihren Arm unter seinen Kopf, hob ihn etwas an und hielt ihm die Wassertasse an die Lippen.
"Hier Tom, trinken Sie."
Tom schaffte es zwei Schlucke zu trinken, bevor er wieder bewußtlos wurde.
"Wie sieht es aus?" fragte Janni Chakotay, während sie Toms Kopf wieder sanft abesetzte.
"Gar nicht gut", antwortete der Commander. "Sein Herz wird nicht mehr lange mitmachen fürchte ich, es schlägt jetzt schon viel zu langsam."
"Wie lange hat er noch?" fragte sie leise und traute sich nicht, ihm dabei in die Augen zu sehen.
Chakotay schüttelte unmerklich den Kopf und meinte dann: "Einen, höchstens zwei Tage schätze ich."
Janni rieb sich die Stirn. "Dann müssen wir morgen das Portal erreichen", sagte sie und wußte gleichzeitig, daß das unmöglich sein würde. Für den Aufstieg würden sie sicher ein paar Tage benötigen. Das sprach Chakotay auch aus.
"Der Berg ist über 5000 Meter hoch, wir brauchen mindestens zwei Tage und das auch nur, wenn wir zügig vorankommen und die halbe Nacht durchwandern."
Janni überlegte fieberhaft, ob sie vielleicht irgendetwas tun könnte, was ihnen half schnell nach oben zu kommen, aber sie hatte gar keine Idee, was hilfreich sein würde.
Fliegen müßten wir können, dachte sie verbittert.
Chakotay kam zu ihr herüber, setzte sich neben sie und sagte dann: "Wir müssen auf Tom aufpassen und sobald es hell wird gehen wir weiter. Willst Du die erste Wache oder die zweite übernehmen?"
Janni zuckte mit den Schultern.
"Lieber die erste. Legen Sie sich ruhig hin, ich bleibe bei Tom."
"Gut, wie der Tricorder funktioniert weißt Du, sollte irgendetwas sein, dann weckst Du mich aber sofort. Das ist ein Befehl."
"Verstanden, Commander."

Die Nacht verlief zum Glück ohne Komplikationen und mit dem ersten Tageslicht wurde Janni geweckt. Schnell packten sie die Sachen, flößten Tom noch eine Tasse Wasser mit dem Pulver ein und hievten ihn dann auf Hidalgos Rücken.
Den halben Tag lang folgte sie dem Bergpfad, es wurde immer kälter, je höher sie oben kamen und die Luft dünner.
Hidalgo hatte offenbar keinerlei Probleme mit den veränderten Bedingungen, dafür die drei Menschen.
In einer der kurzen Pausen, die sie gemacht hatten, gaben sie Tom noch Wasser zu trinken und wickelten ihn dann in alle verfügbaren Decken ein.
Chakotay kniete gerade neben ihm, als der Pilot plötzlich die Augen aufriß und nach Luft schnappte.
"Janni, den Tricorder, schnell!" rief Chakotay und das Mädchen reichte ihn ihm schnell herüber. Tom hatte Mühe beim Atmen und er versuchte etwas zu sagen während Chakotay in scannte. Der Tricorder piepte alarmierend.
"Sagen... Sie... B'Elanna...daß... ich sie... liebe", stieß Tom gequält hervor, dann verdrehte er die Augen und sein Kopf kippte zur Seite. Er atmete nicht mehr.
"Herzstillstand, Janni, das Medkit, schnell!"
Während der paar Sekunden die Janni benötigte um das Medkit zu holen fing Chakotay mit der Wiederbelebung an.
"Hol den Kortikalstimulator raus", rief er und Janni reichte ihn herüber.
Chakotay befestigte das Gerät an Toms Kopf und Chakotay iniziierte über den Tricorder die Impulse. Der Körper von Tom zuckte bei jedem Impuls zusammen, doch die Nulllinie blieb. Schließlich klappte Chakotay den Tricorder zusammen und sagte leise: "Er ist tot."
Nein, dachte Janni mit schreckgeweiteten Augen.
Sie kniete sich neben Tom, legte eine Hand auf seine Brust und konzentrierte sich. Ihr fiel die alte Frau ein, die von ihr Lebensenergie gefordert hatte. Sie würde zumindest versuchen, bei Tom dasselbe zu tun.
Chakotay fragte: "Was hast Du vor?"
Doch Janni antwortete nicht. Sie versuchte mit aller Kraft Tom von ihrer Lebensenergie abzugeben und sein Herz wieder zum schlagen zu bringen, aber die Magie war scheinbar noch schwächer geworden. So sehr sie sich auch anstrengte, sie konnte nur eine geringe Menge transferieren, die nicht dazu ausreichte, um sein Herzmuskel wieder zum arbeiten zu bringen. Sie spürte, wie ihr eigenes Herz immer schneller schlug, spürte wie ihr Blutdruck anstieg. Sie versuchte es immer noch bis sie plötzlich gewaltsam weggerissen wurde.
"Janni!" Es war Chakotay, der sie an den Schultern gepackt hatte und von Tom weggerissen hatte.
"Hör auf! Du stehst kurz vor einem Schlaganfall!" rief er und blickte besorgt auf den Tricorder, der ihm diese anormalen Werte zeigte.
Sie schnappte nach Luft und sog die kalte Luft dankbar ein, sie spürte immer noch das Blut rauschen und den heftigen Herzschlag, der sich jetzt aber langsam beruhigte.
Und dann war auf einmal ein Gedanke im Vordergrund - der Stein. Er war eine unabhängige Quelle der Macht, zumindest hoffte sie das. Sie stand auf, so schnell es ging, stieß dabei einen völlig überraschten Chakotay fast um und suchte hektisch nach dem kleinen Beutel, in der der Stein verwahrt war.
"Janni, was tust Du?" rief Chakotay und wollte gerade aufstehen, doch Janni hatte den Stein gefunden und meinte in einem scharfen Ton: "Beiseite, Commander, das ist Toms einzige Chance."
Chakotay sah entsetzt, daß sie den Stein direkt auf Toms Brust legte und ihre eigene Hand darüber.
"Der Stein, er bringt ihn um!", rief er und schaute plötzlich in zwei blitzende Augen.
"Chakotay, er ist doch schon tot", erinnerte ihn Janni, drehte sich wieder weg und schloß die Augen.
Der Commander erbleichte als ihn der Sinn der Worte wirklich klar wurde. Ohne noch etwas zu sagen schaute er zu, was Janni machte und betete, daß sie erfolgreich sein würde.
Janni spürte sofort den Unterschied und hätte sich am liebsten geohrfeigt, daß sie darauf nicht früher gekommen war, aber sie schob den Gedanken sofort nach hinten und konzentrierte sich auf die neue Energiequelle.
Wärme durchströmte sie und diesmal sah sie regelrecht die Energie fließen. Sie schickte sie in Toms Körper und stieß sacht das Herz an. Es erzitterte kurz und begann dann wieder zu arbeiten.
Tom schnappte nach Luft und riß die Augen auf, als ihn Wärme und neue Energie durchflutete.
Janni nahm sofort den Stein weg und sackte in sich zusammen. Sobald sie die Verbindung zum Stein getrennte hatte, überkam sie eine furchtbare Schwäche.
Chakotay fing sie auf, bevor ihr Oberkörper nach hinten kippte und schaute dann ungläubig zu Tom.
"Chakotay... ist er okay?" fragte Janni schwach.
Der Commander legte sie sanft ab und holte dann den Tricorder hervor. Er ließ den Sensor über Toms Körper kreisen und las die Werte ab. Der Pilot war inzwischen ruhiger geworden und atmete ein wenig kräftiger als zuvor, aber über den Berg war er noch lange nicht.
"Er ist wieder da, aber das Gift ist immer noch dabei ihn umzubringen", informierte Chakotay Janni.
"Aber Du hast ihm etwas Zeit verschafft", fügte er noch hinzu.
Das Mädchen lächelte. "Er wird es schaffen", sagte sie leise.
"Ich brauche aber einen Moment um mich zu erholen, ist das okay?" fragte sie.
Chakotay nickte. "Natürlich. Gönn Dir eine Pause."
Janni seufzte erleichtert und schlief sofort ein.

Den Berg hinauf

Jemand schüttelte sie an der Schulter. Es fiel ihr so unendlich schwer die Augen aufzumachen, doch das Schütteln hörte nicht auf.
"Janni, aufwachen", hörte sie eine Stimme.
"Hmm...", brachte sie nur heraus und versuchte, die Augen zu öffnen. Verschwommen nahm sie das Gesicht von Chakotay wahr, das ziemlich besorgt aussah.
"Tut mir leid wenn ich Dich wecken muß, aber wir müssen weiter", sagte er und half ihr kurzerhand in eine sitzende Position.
Janni fühlte sich immer noch total ausgelaugt und wollte sich am liebsten wieder hinlegen.
Etwas kühles und nasses kam an ihre Lippen und sie merkte, daß Chakotay ihr eine Tasse mit Wasser an die Lippen hielt. Sie nippte kurz daran, aber die Müdigkeit wollte nicht weichen.
"Entschuldige, aber es geht scheinbar nicht anders", sagte Chakotay und drückte ihr etwas kaltes an den Hals. Ein Zischen ertönte und sie spürte, wie die Müdigkeit wich und es ihr jetzt wesentlich leichter fiel, wieder ins Hier und Jetzt zu finden.
"Alles in Ordnung?" fragte Chakotay und legte das Hypospray wieder ins Medkit.
"Ich denke schon, ich war noch so müde", erklärte Janni und sah sich um. Chakotay hatte sie scheinbar in eine kleine Höhle gebracht, wo sie einigermaßen vor Wind und Kälte geschützt waren.
"Du hast eine Stunde geschlafen, ich weiß, daß Du länger brauchst, aber wir müssen leider weiter. Toms Zustand verschlechtert sich wieder und wir haben noch einen langen Weg vor uns. Meinst Du, Du kannst weiter gehen? Oder willst Du Dich lieber mit Tom auf Hidalgo setzen?" fragte Chakotay.
Janni horchte kurz in sich hinein, meinte dann aber: "Ich denke, es wird gehen."
Dann stand sie auf und merkte, daß sie noch leicht wackelig war, aber das würde sicher vergehen. Chakotay hatte Tom schon auf das Pferd gesetzt und dann ging es weiter den Bergpfad hinauf.

Als der Abend hereinbrach hatten sie fast Dreiviertel des Berges erklommen. Die Schneegranze lag in unmittelbarer Nähe und damit kam das Problem, daß der Bergpfad dort endete.
Es gab immer noch viele Höhlen hier und sie machten es sich in einer so bequem wie möglich. Janni war sehr erschöpft, die Stimulanz hatte nicht so lange gewirkt wie sie gehofft hatte, aber sie war tapfer weitergeklettert. Jetzt allerdings war sie froh, daß sie sich ausruhen konnte.
"Ich fürchte, wir müssen uns jetzt von einem Kameraden verabschieden", sagte Chakotay.
"Was? Ist Tom schon wieder...?"
Janni wagte es fast nicht, den letzten Teil des Satzes auszusprechen und schaute alamiert zu dem Piloten herüber. Doch sein Brustkorb hob und senkte sich weiterhin in gleichmäßigen, wenn auch schwachen Zügen.
"Nein, ich meinte Hidalgo. Hier ist für ihn definitiv Ende. Den Rest müssen wir allein schaffen", meinte Chakotay.
Janni war zwar traurig, aber sie freute sich auch für den Hengst, er war immer noch voller Tatendrang und jetzt würde er seine Freiheit genießen können.
Sie stand noch einmal auf, entfernte dann das Kopfgeschirr und strich ihm liebevoll über den Nasenrücken. Dann legte sie ihren Kopf an seinen Hals und umarmte ihn. Sie schloß die Augen und konzentrierte sich auf die Berührung mit Hidalgo. Sie spürte sein Blut fließen und schließlich auch den Rhythmus seines Herzschlages. Sie sandte ihm dankbare und liebevolle Gedanken und schließlich ein Bild von ihm, wie er stolz und völlig frei auf einer grünen Wiese mit saftigem Gras stand, sich auf die Hinterbeine erhob, wieherte und seine Mähne im Wind flatterte.
Hidalgo schnaubte überrascht und stupste dann Janni fest an. Seine großen Pferdeaugen beäugten sie und Janni lief eine Träne herunter.
"Viel Glück Hidalgo", sagte sie, dann gab sie ihm einen Klaps und Hidalgo trottete glücklich den Bergpfad wieder hinunter.
"Ich glaube, er hat Dich genau verstanden", sagte Chakotay achtungsvoll und schaute dem Hengst hinterher. Er vertraute darauf, daß Hidalgo auch im Dunkeln sicheren Tritt fand und wünschte ihm im Stillen Lebwohl.
"Ich hoffe es", meinte Janni. "Ich habe versucht ihm meine Gedanken zu vermitteln, vielleicht hat er es wirklich verstanden. Das ist schließlich eine magische Welt."
Chakotay nickte zustimmend und Janni mußte auf einmal kichern.
"Was ist so lustig?" fragte Chakotay neugierig.
"Ich stelle mir gerade vor, daß er Shandis begegnet und mit ihr glücklich wird. Ich habe ihm immerhin gezeigt, wie sie aussieht."
Chakotay mußte ebenfalls grinsen. Shandis war das Pferd auf Jannis erster Reise in dieser Welt und nach allem, was er gelesen hatte, hatten sie wohl dafür gesorgt, daß sie in einem Stall unterkam und gut versorgt wurde.
"Wer weiß, hier ist alles möglich", fügte er hinzu und sah dann wieder nach Tom.
"Wir müssen uns überlegen, wie wir ihn jetzt am transportieren können", meinte Chakotay weiter.
"Am besten wäre es, wir hätten einen Schlitten. Durch den Schnee können wir ihn gut ziehen, aber wir brauchen eine feste Unterlage, sonst erfriert er noch."
Janni dachte einen Moment nach. "Wenn wir eine Decke nehmen, mit Heu oder Gras auspolstern und ich das Ganze wasserabweisend machen kann, sollte es eigentlich gehen."
Sie holte eine Decke hervor, schlug sie so ein, daß eine ausreichend breite Liegefläche für Tom vorhanden war und stopfte dann das restliche Gras und Heu von Hidalgo zwischen zwei Lagen.
Dann paßte sie noch die Länge an und sagte dann: "Am besten, wir legen Tom einmal drauf, damit die Form sich seinem Körper anpassen kann."
Chakotay hatte zwar noch nicht wirklich eine Vorstellung, was das Mädchen genau vorhatte, half aber bereitwillig mit. Zuletzt legte Janni noch ein Seil unter das Kopfende und meinte dann: "Ich hoffe, das funktioniert auch so, wie ich mir das vorstelle."
Sie holte den Stein hervor und Chakotay fragte etwas besorgt: "Bist Du sicher, daß das jetzt eine gute Idee ist? Du bist noch erschöpft."
Janni zuckte mit den Achseln. "Wir werden sehen. Es wird mich hoffentlich nicht umbringen."
Insgeheim fragte sie sich selber, ob sie nicht lieber noch warten sollte, aber sie wußte auch wie dringend sie Tom wieder zur Voyager schaffen mußten. Daher vertraute sich einfach darauf, daß Chakotay sie im Notfall schon wieder hinbekommen würde.
In ihrem Kopf hatte sie eine genaue Vorstellung von dem, was sie erschaffen wollte. Wieder spürte sie die angenehme Wärme und Kraft ihres Steins, doch auch die Schwäche in ihr, weil sie bereits ein paar Stunden zuvor schon viel Kraft verbraucht hatte.
Chakotay betrachete fasziniert, wie sie die Deckenränder sanft an Toms Konturen anpaßten und dann erstarrten. Dort, wo sein Oberkörper lag war die Decke etwas angehoben worden und die Seitenränder ab der Hüfte abwärts zu den Füßen bogen sich auf einmal nach unten und hielten den Körper des Lieutenants ungefähr 10 cm über dem Boden.
Sie hat tatsächlich eine Art Schlitten gebaut, dachte der Commander anerkennend.
Dafür war Janni jetzt endgültig erledigt. Sie machte nicht einmal mehr die Augen auf, sondern fiel einfach zu Boden und rührte sich nicht mehr. Chakotay war wütend über sich selber, daß er nicht daran gedacht hatte hinter ihr zu stehen um sie auffangen zu können. Mit einem Tuch griff er vorsichtig nach dem Stein, der jetzt in ihrer geöffneten Hand lag, packte ihn wieder zurück in den Beutel und hob Janni dann auf eine Decke. Er scannte sie kurz aber es war soweit alles in Ordnung.
Er würde sie am besten die Nacht schlafen lassen. In der Höhe würden sie keine ungebetenen Gäste bekommen und der geöffnete Tricorder würde rechtzeitig Alarm geben falls Toms Lebenszeichen schlechter werden würden oder doch jemand kommen sollte.
Das Letzte, das er noch tat bevor auch er sich hinlegte, war einige Felsbrocken mit dem Phaser zu erwärmen, denn Feuerholz hatten sie jetzt nicht mehr. Dann schlief auch er schnell ein.

Der Kampf ums Überleben

Chakotay wachte durch das durchdringende Piepsen des Tricorders auf. Erst dachte er, Toms Zustand hätte sich wieder verschlechtert, doch als er gerade aufstehen wollte bemerkte er einige Schatten umher huschen. Schlagartig war er wach und griff nach dem Phaser. Er hatte ihn gerade in der Hand und wollte zielen, da sprangen gleich vier Schatten auf ihn los. Eine kleine Faust traf ihn am Kopf, andere am ganzen Körper. Der Phaser wurde ihm aus der Hand geschlagen und dann spürte er einen Druck an seiner Kehle. Etwas oder jemand drückte ihm die Luft ab. Panisch suchte er um sich auf dem Boden nach irgendetwas, das er als Waffe verwenden konnte und schließlich ertastete er einen Stein. Mit aller Kraft, die ihm noch geblieben war, hieb er auf den Schatten ein, der an seinem Hals saß. Er landete einen Volltreffer. Plötzlich bekam er wieder Luft und die Schattengestalt fiel von ihm runter.
Schnell stand er auf und sah zu Tom und Janni - beide schliefen noch. Dann sah er den Phaser in der Nähe liegen. Er machte einen Hechtsprung danach, ergriff ihn und rollte sich geschickt ab. Zwei Schatten, die ebenfalls nach ihm gesprungen waren, verfehlten ihn knapp und purzelten in die Dunkelheit.
Chakotay zielte auf einen Schatten vor ihm und schoß. Mit einem wütenden Schrei wurde das Wesen nach hinten geschleudert und dann spürte Chakotay einen stechenden Schmerz im Rücken.
"Janni!" rief er noch, bevor er zu Boden ging. Sein Rücken brannte höllisch, doch er rappelte sich wieder halbwegs auf und kroch zu ihr hinüber. Wieder traf ihn etwas im Rücken und er schrie auf.
Diesmal wurde Janni wach.
"Chakotay?" fragte sie noch schläfrig, dann sprang etwas auf ihren Magen.
Ihr wurde die Luft aus den Lungen gepreßt und nur wenige Zentimeter von ihrem Gesicht entfernt starrte sie ein runzliges Gesicht an, mit großen Augen und einer spitzen, langen Nase.
Für einen Moment war sie wie erstarrt, dann schrie sie überrascht auf. Das Wesen reagierte schnell und biß ihr dicht neben dem Hals in die Schulter.
Diesmal schrie sie vor Schmerz.
Sie versuchte das Wesen runterzudrücken, doch es hatte sich tief in ihre Sehnen verbissen. Chakotay konnte ihr nicht helfen, er hatte mit drei Wesen zu kämpfen, die sich auf ihn geworfen hatten. Einer hatte sich in sein Handgelenk verbissen, die anderen beiden attackierten sein Hals und sein Gesicht.
"Chakotay!" rief Janni verzweifelt. Mit schmerzverzerrter Miene drehte sie sich um und sah, daß Chakotay über und über mit Blut beschmiert war.
Heißer Zorn brannte in ihren Adern und sie merkte, wie das Adrenalin ihren Schmerz dämpfte. Ohne den Gnom, denn etwas anderes als die scheinbar doch sehr realen Berggnome konnte es nicht sein, zu beachten, riß sie einen von Chakotay herunter und schleuderte ihn in die Dunkelheit. Eine Energiekugel schoß von irgendwo auf sie her und traf sie an der Seite. Janni keuchte auf, als sie ein furchtbares Brennen durchfuhr.
Oh nein, dachte sie, sie benutzen Magie.
Chakotay hatte derweil aufgehört sich zu wehren und stöhnte nur noch leise. Die Sorge um den ersten Offizier und Tom, der zum Glück nicht angegriffen wurde, weil er sich überhaupt nicht rührte, weckte in Janni ungeahnte Kräfte. Sie konzentrierte sich auf den Gnom an Chakotays Handgelenk, richtete ihre Hand auf ihn und schaffte es, ebenfalls eine Energiekugel abzuschießen.
Heulend ließ der Gnom Chakotay los und verschwand jammernd in der Dunkelheit. Janni grinste zufrieden, doch dann wurde sie erneut getroffen.
"Aaaah!!! Chakotay!" schrie sie und versuchte noch einmal, eine Energiekugel zu erzeugen. Doch ihre Kraft ließ merklich nach, der Gnom hatte inzwischen zwar ihr Schlüsselbein wieder losgelassen, aber aus der Wunde floß stetig Blut. Außerdem vernebelten die Schmerzschübe der beiden Verletzungen von den Energiegeschossen ihre Gedanken.
Der Stein, kam es ihr in den Sinn, der könnte ihr helfen. Er mußte irgendwo in ihrer Nähe sein...
Sie wand sich unbeholfen auf den Bauch und kroch auf ihre Tasche zu, als sie von hinten gepackt wurde.
"Bleiiiibbb", hörte sie den Gnom zischen, es schien, als bekäme er die Zähne nicht auseinander.
Janni blieb kraftlos liegen während sie und auch Chakotay von vielen, kleinen Händen an die Felswand gezogen wurden und an die Wand gelehnt.
Chakotays Arm blutete noch, aber inzwischen hatte er die Augen geöffnet und fragte gequält: "Was wollt ihr von uns?"
"Waasss ihrrr wollllt iiihr?" zischte der Gnom.
Chakotay schaute Janni fragend an. "Was wir hier wollen, glaube ich war die Frage", übersetzte sie.
Der erste Offizier befeuchtete sich die Lippen und meinte dann: "Wir wollen nur den Berg hinauf um... die Aussicht zu genießen."
Ein Gnom piekste ihn mit seinem langen Finger schmerzhaft in die Schulter.
"Liiiiiege, ihrrr succcht unnsaa Schaaatz!"
"Das ist keine Lüge", antwortete Janni. "Und welchen Schatz? Wir wollen nur unserem Kameraden helfen."
Der Gnom, der sie angesprochen hatte, schaute verkniffen zu seinen Kumpanen und Janni vermutete, daß eine Art telepathischer Austausch stattfand, denn keiner sagte etwas und der Gnom wandte sich nach ein paar Sekunden wieder an die beiden und zischte: "Ihhhhrrrr stääärbeeen!"
Damit bleckten die Wesen die Zähne und standen sprungbereit vor Chakotay und Janni.
Selbst um Tom, der immer noch bewußtlos war, hockten drei Gnome sprungbereit.
Janni wußte, daß ihr nur noch Sekunden blieben, bis die Wesen sie anspringen würden und ihr fiel ein Star Wars Film ein, in dem Luke Skywalker sein Laserschwert mit Hilfe der Macht zu sich hatte fliegen lassen.
Wenn jemals etwas funktionieren muß, dann jetzt, betete sie und streckte den Arm in die Richtung aus, wo ihr Stein lag.
Es passierten zwei Dinge gleichzeitig - der Stein schoß regelrecht in ihre Hand und im selben Moment griffen die Gnome an.
Ein Gnom verbiß sich in ihren Arm, in dem sie den Stein hielt, doch es gelang ihr, die Finger geschlossen zu halten. Ein anderer Gnom zog an ihren Füßen und wollten sie so flach auf den Boden ziehen.
Chakotay hatte mit mehr Angreifern zu kämpfen und Janni hörte einen langgezogenen Schmerzensschrei von ihm. In den Augenwinkeln sah sie, daß ein Gnom sich in Toms Hals verbissen hatte, aber unglaublicherweise ihn sofort wieder losließ und heulend davon hüpfte.
Die anderen beiden Gnome, die neben ihm standen, zischten und entfernten sich von dem Piloten. Sie teilen sich auf Janni und Chakotay auf und Janni begriff, daß sie langsam etwas unternehmen mußte, wenn sie das hier überleben wollten. Sie schloß die Finger fester um den Stein, versuchte die Schmerzen in einen hinteren Winkel ihres Seins zu verbannen und konzentrierte sich auf die Wärme, die sie nun durchströmte.
Nur einen Augenblick später ging von ihr eine orangefarbene Aura aus, die wie eine Schockwelle einmal durch den Raum schoß.
Sämtliche Gnome heulten und zischten und wurden an die Wände geschleudert.
Chakotay nutzte die Gelegenheit um nach dem Phaser zu tasten und Janni rutschte an die Wand und rappelte sich auf.
Die Gnome starrten sie einen Moment an, dann kniffen sie ihre großen Augen auf schlitzgröße zusammen und machten sich wieder zum Angriff bereit.
Chakotay hatte den Phaser gefunden und ihn auf breite Streuung eingestellt. Nun zielte er auf die Gnomenmenge und schickte ein paar ins Reich der Träume.
Janni schleuderte kleine Energiekugeln gegen die Gnome und schaltete so auch einige aus. Doch dann griffen die Gnome ihrereseits mit Magiegeschossen an.
Chakotay verlor den Phaser und dann traf ihn ein Geschoß mitten auf der Brust. Er sackte zusammen und rührte sich nicht mehr.
Janni hatte unterdessen eine Art Schutzschild errichtet und stellte sich vor Chakotay, damit dieser nicht weiter getroffen wurde. Im Moment konnte sie ihm nicht anders helfen, sie brauchte alle Kraft um die Angriffe abzuwehren.
Laß Dir was einfallen, spornte sie sich selber an, lange hältst Du das nicht mehr durch.
Die Gnome konzentrierten jetzt ihre Angriffe auf Janni. Verzweifelt schaute sie zu Chakotay, der immer noch bewußtlos hinter ihr lag und traf eine Entscheidung.
Sie schickte eine weitere Schockwell aus, nur diemal viel stärker als die vorherige. Die Gnome wurde erneut an die Wand geschleudert und blieben diesmal benommen liegen.
Janni hatte ein paar Minuten Zeit rausgeholt und zog Chakotay mühsam zu Tom herüber. Hochheben konnte sie ihn nicht allein, deshalb benutzte sie noch einmal den Stein, und ließ den Commander neben Tom schweben. Beide lagen mehr Schlecht als Recht auf dem improvisierten Deckenschlitten und Janni stieß ihn vorsichtig mit den Gedanken an, worauf dieser aus der Höhle schlitterte. Sie fiel auf die Knie und brauchte einige Sekunden, um genug Kräfte zu sammeln um wieder aufzustehen. Auf wackeligen Beinen trat sie nach draußen und schob den Schlitten in Position. Auf dem Schnee ging das wesentlich einfacher als auf Stein und ihre eigene Körperkraft reichte dafür völlig aus.
Hinter sich hörte sie bereits wieder ein Zischen, die Gnome waren wieder bei Verstand und näherten sich bereits dem Ausgang. Janni setzte alles auf eine Karte, konzentrierte ihre gesamte Energie und stellte sich ein langes, magisches Tau vor, das sie um den Gipfel schlang und dann den kompletten Schlitten damit hochzog.
Die Gnome kamen in dem Moment wütend herausgerannt, als der Schlitten wie von geisterhand mit den Dreien lossauste - geradewegs den Gletscher hinauf.

Auf dem Gipfel

Janni fühlte schon nach ein paar Metern wie die Kraft sie langsam verließ, daher murmelte sie immer vor sich hin: "Nicht aufgeben, weiter hoch, nicht aufgeben, weiter hoch..."
Sie stellte sich vor, wie das imaginäre Tau sie immer weiter hochzog und nach ein paar Minuten war sie komplett am Ende ihrer Kräfte. Zum Glück waren sie allerdings auch angekommen. Janni brachte den Schlitten noch zum Stehen und sah keine 50 Meter über ihnen etwas leuchten.
Da ist es, dachte sie glücklich, wir haben es noch geschafft. Dann fiel sie rückwärts in den Schnee und rührte sich nicht mehr.

Chakotay war unendlich kalt. Als sein Bewußtsein wieder an die Oberfläche kam spürte er nur eisige Kälte und Schmerz. Er zitterte und öffnete mühsam die Augen.
Einen Moment lang war er komplett verwirrt und wußte nicht, wo er war oder was geschehen war, aber dann sah er direkt unter sich das Gesicht von Tom Paris. Der Pilot hatte bläulich verfärbte Lippen und sein Gesicht war weiß vom Schnee.
Schlagartig kamen Chakotay die letzten Moment, die er bewußt wahrgenommen hatte, wieder ins Gedächtnis und Adrenalin spülte durch seinen Körper. Er tastete nach Toms Halsschlagader doch an der Stelle fühlte er nur etwas sehr weiches und warmes. Er hatte genau in die Wunde am Hals getastet, die der Gnom hinterlassen hatte.
"Tom!" rief er und nahm statt dessen die Hand des Lieutenants. Er tastete nach dem Puls und nach ein paar schrecklichen Sekunden, in denen er auf ein pulsieren wartete, spürte er ganz sacht das sehr verlangsamte, schwache, aber stetige Pumpen des Herzens.
Chakotay schaute sich um. Er befand sich mit Tom unterhalb des Gipfels und konnte deutlich ein bläuliches Flackern sehen, aber wo war Janni? Er schaute sich um, sah aber nur Schnee um sich herum.
"Janni!" brüllte er in den Wind hinaus und lauschte mit angehaltenem Atem nach einer Antwort. Doch es kam keine. Er versuchte es noch zwei weitere Male, dann entschied er sich, erst Tom in Sicherheit zu bringen.
Er hievte sich den Lieutenant über die Schulter und sog schmerzhaft die Luft ein, als er die vielen Verletzungen wieder spürte. Doch er biß die Zähne zusammen und stand vorsichtig auf.
Als er einen einigermaßen festen Stand hatte, machte er einen Probeschritt vorwärts. Dabei rutschte der Schlitten weg und Chakotay rang um sein Gleichgewicht. Als er wegrutschte wurde auch einiges an Schnee weggeräumt und als Chakotay nach unten schaute, sah er etwas, das ihm das Blut in den Adern gefrieren ließ.
Vier Finger schauten aus dem Schnee und Chakotay ließ Tom vorsichtig runter und schaufelte den Schnee beiseite.
"Oh nein", sagte er, als er in Jannis Gesicht blickte, das so weiß war, wie der Schnee.
Die Lippen waren blau und sie atmete nicht mehr. Auch einen Puls konnte er nicht mehr fühlen. Ungläubig kniete er neben ihr und hielt ihren erfrorenen Körper in den Armen.
"Ich bringe Dich nach Hause, das verspreche ich", flüsterte er, legte sie sacht ab und machte sich daran, Tom endlich durch das Portal zu schicken.
Nach ein paar Minuten hatte er es dann geschafft und schob Toms Körper durch das blaue Flackern. Der Pilot verschwand und Chakotay hoffte nur, daß die Voyager auf sie wartete.
Dann kletterte er wieder den kleinen Abhang herunter, hob Janni hoch und kletterte wieder zum Gipfel. Dann trug er sie durch das Portal. Kaum waren sie beide durch, verschwand das Portal auf dem Berg und zurück blieben nur einige Fußabdrücke im Schnee, die jedoch in ein paar Sekunden wieder verweht wurden.

Rückkehr

Die Voyager umkreiste einen Klasse M Planeten und wartete.
Der Captain saß ihn ihrem Sessel und blickte, wie schon die letzten Tage, auf den Planeten, der sich unter ihnen drehte. Seit knapp 4 Wochen umkreisen sie ihn nun schon, sie hatte der Crew Landurlaub gewährt und hatten die Zeit genutzt um Nahrungsvorräte und Dilithium zu sammeln.
Obwohl sie sich nichts anmerken ließ machte sie sich von Tag zu Tag mehr Sorgen. Bald würde die Frist ablaufen und dann hätten sie keine Chance mehr wieder zurück zu kommen.
Komm schon Chakotay, Du kannst mich jetzt nicht allein lassen, dachte Kathryn.
"Captain, ich glaube, ich empfange etwas", meldete Harry auf einmal.
Kathryn stand sofort auf und während sie zu Harrys Station lief fragte sie hoffnungsvoll: "Unsere Vermißten?"
Harry zog die Augenbrauen etwas zusammen, und sagte dann: "Ich weiß nicht genau, gerade haben die Sensoren ungewöhnliche Energiewerte angezeigt..."
"Irgendwelche Lebenszeichen?" fragte der Captain.
Harry tippte auf einige Buttons und rief dann aufgeregt: "Ich empfange ein sehr schwaches Lebenszeichen und das Combadge von Tom!"
"Erfassen Sie sein Signal und beamen Sie ihn sofort auf die Krankenstation", ordnete Janeway an.
"Ja Ma'am, Transport im Gange.... er ist auf der Krankenstation."
"Irgendwas von Chakotay oder Janni?" fragte Kathryn mit klopfendem Herzen.
Harry schüttelte den Kopf. "Bisher nicht aber vielleicht kommen sie gleich."
Janeways Mundwinkel zuckten, aber sie nickte nur.
"Behalten Sie die Stelle im Auge Harry und informieren Sie mich sofort, wenn die beiden oder einer von ihnen auftaucht. Ich bin auf der Krankenstation."
Damit verschwand sie im Turbolift und hörte nur noch Harrys "Aye, Captain."

Zwei Minuten später betrat sie die Krankenstation.
"Doktor?" fragte sie und ging zu dem Biobett, auf dem er Tom gerade behandelte. "Was ist mit ihm?"
Er sieht schrecklich aus, dachte sie entsetzt als sie seine bläulichen Lippen und die tiefe Halswunde sah. Seine Kleidung war voll Blut und Kathryn fragte stockend: "Lebt er überhaupt noch?"
Das MHN sah sie kurz an und meinte dann: "Gerade noch so. Er hat viel Blut verloren und ein unbekanntes Gift befindet sich in seinem ganzen Körper, ich kann noch nicht sagen, ob er durchkommen wird. Aber ich habe Seven und Icheb um Hilfe gebeten, sie werden gleich hier sein und dann hoffentlich mit den Nanosonden wertvolle Hilfe leisen können."
Kathryn nickte unmerklich und sagte dann: "Ich werde B'Elanna informieren."
"Danke Captain, sagen Sie ihr, daß ich mich bei ihr melden werde wenn ich irgendetwas neues weiß. Je weniger Störungen ich hier habe desto besser. Übrigens - wo sind Commander Chakotay und Janni?"
"Das wissen wir nicht. Noch nicht. Tom tauchte auf einmal auf, von den anderen beiden fehlt aber jede Spur."
Das MHN nickte. Janeway sah ihm an, daß er sich ebenfalls Sorgen machte, aber er hatte wenigstens etwas zu tun und sie hatte keinen Zweifel daran, daß er Tom wieder auf die Beine bringen würde.
"Ich gehe dann zu B'Elanna. Bitte benachrichtigen Sie mich umgehend, wenn irgendetwas ist."
"Natürlich Captain. Ich werde jetzt das Gift analysieren und wenn es mir gelingt ein Gegengift herzustellen hat Mr. Paris gute Chancen."
"Danke, Doktor", sagte sie und verließ dann die Krankenstation.

Auf dem Weg zur Brücke bat sie Torres in ihren Bereitschaftsraum zu kommen und klärte sie dann über Toms Zustand auf. B'Elanna war sehr gefaßt und genauso wie Kathryn hatte sie großes Vertrauen in die Fähigkeiten des Doktors.
Torres hatte gerade den Bereitschaftsraum wieder verlassen und Kathryn war wieder auf der Brücke als Harry noch aufgeregter als vorher rief: "Captain! Die Sensoren haben gerade schon wieder ungewöhnliche Energieschwankungen registriert und ein Lebenszeichen wird angezeigt."
Janeway wollte gerade fragen, wessen, doch da ertönte eine Stimme von der Kathryn schon fast gedacht hatte, sie würde sie nie wieder hören.
"Chakotay an Voyager, sind Sie da?"
"Chakotay!" antwortete Kathryn sofort, "ist alles in Ordnung?"
"Nein, beamen Sie uns sofort auf die Krankenstation. Code weiß."
"Transport eingeleitet", sagte Kim, der bei so etwas nicht auf die Anweisung des Captains wartete.
Kathryn war derweil ein zweites Mal unterwegs auf die Krankenstation.

Als sie dort eintraf stockte ihr der Atem. Chakotay sah noch schlimmer aus als Tom und Janni lag auf dem chirurgischen Bett, wo der Doktor gerade versuchte, sie wiederzubeleben.
Als sich die Türen geöffnet hatten, drehte Chakotay sich um und ging auf Kathryn zu.
"Chakotay!" sagte sie entsetzt, "was ist passiert?" Sie musterte ihn von oben bis unten und führte ihn dann sanft zu einem Biobett und bedeutete ihm, sich hinzusetzen.
Seven und Icheb standen bei Mr. Paris und arbeiteten scheinbar an modifizierten Nanosonden, nachdem was Kathryn in einem kurzen Augenblick ausmachen konnte.
"Wir hatten einige Probleme zum Schluß, ich war weggetreten und als ich wieder zu mir gekommen bin, da war sie schon vom Schnee begraben", faßte Chakotay es kurz zusammen mit einem Blick auf Janni.
"Ich konnte weder Puls noch Atmung spüren. Ich hoffe nur, ich habe sie nicht zu spät hierhergebracht."
"Leg Dich hin", sagte sie leise und gebrauchte jetzt ihre private Anrede. "Du bist voller Blut, das muß auch behandelt werden."
"Es geht schon, die Kälte hat den Blutfluß ganz gut gestoppt", meinte er, legte sich aber trotzdem hin.
Kathryn holte einen Hautregenrator und fing an, wenigstens die kleineren Wunden zu behandeln.
Ab und zu schaute sie zum MHN herüber, der immer noch alles tat, was in seiner Macht stand, um Janni ins Leben zurückzuholen. Doch das schien nicht so einfach zu sein.
"Seven!" rief er schließlich, "kommen Sie bitte her, ich brauche Ihre Hilfe."
Die Borg trat sofort zu ihm und das MHN sagte irgendetwas, worauf Seven sich selbst einige Nanosonden entnahm, diese umprogrammierte und dem Doktor wenig später in einem Hypospray brachte.
Der injizierte den Inhalt sofort in Jannis Kreislauf, der von dem Computer künstlich in Gang gebracht worden war und sagte dann gerade so laut, daß Janeway es noch hören konnte: "Jetzt können wir nur abwarten und hoffen. Bitte überwachen Sie Janni, ich muß mich noch um die anderen kümmern."
"Verstanden, Doktor", sagte Seven und das MHN ging erst noch bei Tom und Icheb vorbei, wo er den Borg-Jungen kurz fragte, ob er mit dem Gegengift vorankäme, was dieser bejahte. Dann trat er zu Chakotay ans Bett.
"Das haben Sie sehr gut gemacht Captain, daß sie ihn schon auf das Biobett gebracht haben. Dann wollen wir mal sehen was bei Ihnen alles geflickt werden muß Commander..."
Er klappte einen Tricorder auf und scannte Chakotay. "Hm, sie haben viel Blut verloren und diverse offene Stellen an ihrem Rücken und Brustbereich, die Pulsader in ihrer Hand wurde ebenfalls durchtrennt, ein Wunder, daß sie noch nicht verblutet sind."
Er klappte den Tricorder wieder zu und injizierte Chakotay ein Sedativum. Der Kopf des Commanders kippte zur Seite und seine Augen schlossen sich. Dann begann das MHN die Verletzungen zu heilen.
Kathryn wollte nicht im Weg stehen und war an Jannis Bett herangetreten.
"Seven?" fragte sie leise. "Wie sieht es aus?"
Ohne den Blick von den Anzeigen zu wenden antwortete sie: "Der Doktor hat sie an die Lebenserhaltung angeschlossen und die Körpertemperatur auf 36° C gebracht. Er konnte nicht genau sagen, wie lange sie schon tot ist, aber dem Zellenverfall zu urteilen maximal eine halbe Stunde.
"Eine halbe Stunde? Kann sie dann überhaupt noch wiederbelebt werden?" fragte Kathryn.
Seven drehte sich jetzt um zu ihr, verschränkte die Hände hinter ihrem Rücken und sagte dann: "Es mag schwierig, aber nicht unmöglich sein. Mr. Neelix war mehrere Stunden tot bevor er reanimiert wurde. Ein weiter Vorteil hier waren die eisigen Temperaturen, die ihren Köper recht gut konserviert haben. Ich habe bereits die Nano-Sonden entsprechend umprogrammiert. Sie werden die Schäden reparieren."
Janeway nickte und hoffte, daß Sevens Optimismus Früchte tragen würde.
"Bitte informieren Sie mich, falls es etwas Neues gibt."
"Natürlich, Captain." Damit drehte sie sich wieder um und beobachete die Anzeigen weiter.
Kathryn ging wieder zu Chakotay herüber, der immer noch bewußtlos war. Das MHN hatte die Pulsader geflickt und den Blutverlust ausgeglichen. Jetzt arbeitete er gerade an einer unschönen Wunde in seinem Brustbereich.
"Wie sieht es mit meinen Offizieren aus?" fragte sie das MHN.
Ohne seine Arbeit zu unterbrechen antwortete er: "Mr. Paris wird höchstwahrscheinlich wieder völlig gesund werden, Icheb und Seven konnten die Nano-Sonden so prgrammieren, daß sie die Giftstoffe in seinem Körper absorbieren. Den Rest bekomme ich so hin. Chakotay werde ich noch dabehalten, aber auch er wird wieder völlig gesund werden."
Kathryn atmete erleichtert auf, gerade auch wegen Tom.
"Dann werde ich Sie mal in Ruhe arbeiten lassen, Doktor. Vielen Dank!" Sie legte eine Hand auf seinen Oberarm und das MHN schaute verblüfft auf: "Das ist meine Funktion, Captain. Und gern geschehen."
Er lächelte ihr aufmunternd zu, dann machte sich Kathryn auf den Weg um die Brückenbesatzung zu informieren und allmählich ihre Crew wieder einzusammeln.

Als sie wieder in ihrem Bereitschaftsraum saß und die Berichte überflog, erschien plötzlich eine Projektion des Kopfes von Eli vor ihr. Vor Schreck hätte sie fast ihren Kaffee verschüttet.
"Eli!" rief sie aus. "Hat es geklappt?"
Die Projektion nickte. "Alles ist wieder in Balance. Die Welten haben sich entfernt und es gibt nichts außergewöhnliches mehr. Wir werden uns nicht mehr sehen Captain, bitte richten Sie ihrer Manschaft und vor allem der Auserwählten meine Grüße und meinen Dank aus."
Janeway nickte. "Sofern unser MHN sie wieder ins Leben holen kann werde ich das gerne tun."
Eli blickte sie unergründlich an. "Ich bin sicher, ihr holografischer Arzt wird Erfolg haben."
"Das hoffe ich auch", erwiderte Janeway aus vollem Herzen. "Leben Sie wohl, Wächter."
Das Bild verschwand und eine innere Ruhe überkam Kathryn. Es war jetzt gut, Chakotay war wieder da, Tom würde wieder gesund werden und selbst bei Janni hatte sie ein gutes Gefühl, daß der Doktor mit seiner Behandlung Erfolg haben würde.

Ein allerletztes Treffen

Nach Dienstende besuchte sie noch einmal die Krankenstation.
Am Bett von Tom machte sie eine sehr erfreuliche Überraschung - der Lieutenant hatte die Augen geöffnet und lächelte sie an.
"Captain!" sagte er noch ziemlich matt.
Janeway lächelte ihn herzlich an. "Tom, Willkommen zu Hause. Wie ich sehe, haben Sie sich von keinem mittelalterlichen Gift kleinkriegen lassen."
"B'Elanna hätte mich vermutlich umgebracht, wäre ich daran gestorben. Und eine wütende Halb-Klingonin kann ich keiner Welt zumuten. Au!"
B'Elanna, die neben ihrem Mann saß, war gespielt empört über ihn und boxte in den Oberarm.
Kathryn mußte leise lachen und meinte dann: "Ich erwarte Sie bald wieder auf den Beinen, Tom."
"Ja Ma'am", antwortete dieser und versuchte sogar halb zu salutieren. Dann ging Kathryn erst ins Büro, wo das MHN arbeitete, da Chakotay noch schlief.
"Doktor, gibt es schon etwas Neues?" fragte sie.
Das MHN unterbrach seine Arbeit und bot Kathryn zuerst einmal einen Stuhl an. Als sie sich gesetzt hatte sagte er: "Chakotays Verletzungen sind geheilt und er braucht nur etwas Ruhe. Morgen früh werde ich ihn entlassen. Was Janni angeht..." hier machte er eine Pause und sah kurz zu ihr hin. Seven und Icheb hatte er zum regenerieren geschickt und der Computer überwachte die Geräte.
"Nun, bisher gab es noch keine Veränderung. Die Nanosonden sollten in den nächsten 6 Stunden in ausreichender Anzahl vorhanden sein, dann sehen wir, ob es funktioniert oder nicht."
"Ich bin sicher, das wird es", meinte Kathryn optimistisch und stand wieder auf.
Das MHN erhob sich ebenfalls und sagte dann: "Wenn Sie möchten kommen Sie morgen früh wieder, dann kann ich Ihnen mehr sagen. Außerdem wird sich der Commander sicher freuen, wenn Sie ihn in sein Quartier begleiten. Ich verordne ihm noch 2 Tage Ruhe. Vielleicht... möchten Sie sich auch die nächsten Tage frei nehmen?" fragte das MHN schmunzelnd.
"Doktor, wenn ich es nicht besser wüßte, dann würde ich jetzt sagen, Sie hegen Hintergedanken oder der Schalk sitzt Ihnen im Nacken..." konstatierte Kathryn mit leicht zusammengekniffenen Augen.
Das MHN schaute sie jetzt völlig unschuldig an. "Ich bin Arzt, keine Partnervermittlung."
Kathryn mußte lachen angesichts seines Gesichtsausdrucks. "Vielleicht haben Sie sogar Recht Doktor, ich könnte vielleicht auch ein wenig Erholung gebrauchen."
Damit ging sie noch einmal kurz zu Chakotay und verließ dann die Krankenstation.

"Janni!"
Ihr Name drang wie ein leiser Windhauch an ihr Ohr und sie wußte nicht, ob ihn jemand tatsächlich gesagt hatte oder ob es nur Einbildung war.
"Janni!"
Diesmal war es ein Flüstern. Ganz langsam öffnete sie die Augen um sie sofort wieder zu schließen. Es war viel zu hell.
"Janni!"
Ein drittes Mal, diesmal hörte sie es laut und deutlich. Sie versuchte noch einmal die Augen zu öffnen und nach ein paar Sekunden ließ das Stechen vom Licht nach. Sie schaute sich um.
Wo bin ich? überlegte sie. Alles war weiß. In einiger Entfernung war überall um sie herum Nebel und eine Gestalt trat hervor. Janni blinzelte. Sie kannte diese Gestalt.
"Thomas", hauchte sie voller Erstaunen. Dann rief sie seinen Namen und stand auf. Der Nebel vom Boden stieg mit ihr auf und umhüllte ihren Körper, er war warm und angenehm auf ihrer nackten Haut.
Aber das bekam sie nur am Rand mit. Ungläubig starrte sie auf Thomas, der jetzt ganz nah war und sie anlächelte.
"Janni", sagte er voller Zärtlichkeit und dann nahm er sie in die Arme. Sie schmiegte sich an ihn, auch er hatte nichts an, aber sein Körper strahlte geradezu vor Wärme.
"Bin ich tot?" fragte sie leise.
Sie spürte, daß er lächelte und flüsterte dann in ihr Ohr: "Das kannst Du selber entscheiden."
Verwirrt löste sie sich aus seiner Umarmung, der Nebel hatte sie jetzt beide bis zum Oberkörper eingehüllt und spendete Wärme. "Wie meinst Du das?" fragte sie.
"Du bist auf dem Berg gestorben, aber euer Doktor ist dabei Dich ins Leben zurückzuholen. Aber es liegt bei Dir, ob Du zurückkehren möchtest, oder weitergehen willst."
"Weiter wohin?" fragte sie.
"Der Tod ist nicht die Endstation auf unserem Weg", erwiderte Thomas.
"Werde ich bei Dir sein?" fragte sie weiter.
Thomas schüttelte den Kopf. "Das ist leider nicht mehr möglich, die Welten sind wieder getrennt. Das ist das letzte Mal, daß wir uns sehen. Ich gehöre in mein Universum, Du in Deins."
In Jannis Augen glitzerten Tränen. "Können wir nicht hier bleiben?" fragte sie verzweifelt.
Thomas lächelte. "Du weißt, daß das nicht geht. Und Du gehörst auch nicht hierher. Unsere Tochter und Dein Mann warten auf Dich. Gib sie nicht auf. Nicht für das hier."
Janni drückte sich fest an Thomas und flüsterte: "Ich weiß. Aber laß uns noch ein wenig hierbleiben, okay?"
"Es liegt bei Dir, aber ich habe nicht mehr lange Zeit. Ich spüre bereits, wie es mich hinter die Barriere zieht. Bald werden sich die Welten wieder so weit voneinander entfernt haben, daß die Distanz zu groß wird."
"Dann laß uns die Zeit noch nutzen", sagte Janni und wünschte, sie könnte für immer hier stehen und Thomas' Nähe spüren.
Dieser schloß sie in seine Arme und gemeinsam sanken sie auf den weichen Boden, zufrieden damit, noch ein allerletztes Mal Zärtlichkeiten austauschen zu können.

Hoffen auf ein Wunder

Am nächsten Morgen auf der Voyager betrat Kathryn wie versprochen erneut die Krankenstation um sich nach Tom, Janni und Chakotay zu erkundigen und letzteren in sein Quartier zu begleiten.
"Guten Morgen, Doktor", sagte sie beim Hereinkommen. Das MHN stand gerade neben Toms Bett und drückte dem Lieutenant ein Hypospray an den Hals, das sich leise zischend entlud.
"Guten Morgen, Captain", erwiderte das MHN den Gruß. "Ich nehmen an Sie sind hier, um Commander Chakotay abzuholen?"
Er lud das Hypospray an seinem mobilen Medizintisch mit einer neuen Substanz, trat dann an Chakotays Bett und drückte es dem Commander an den Hals.
Kathryn stand auf der anderen Seite des Bettes und lächelte Chakotay an, als der zu sich kam.
"Commander, ich entlasse Sie in Ihr Quartier aber nur unter der Bedingung, daß Sie sich noch 2 Tage ausruhen", sagte das MHN streng.
"Verstanden, Doktor. Danke."
Chakotay ließ sich von Kathryn aufhelfen und als er neben dem Bett stand merkte er schon noch, daß er sich noch etwas matt fühlte. Die 2 Tage Zwangsurlaub waren also gerechtfertigt.
"Kommen Sie Chakotay, ich begleite Sie in Ihr Quartier."
Doch bevor sie gingen fragte Chakotay noch: "Doktor, wie geht es Mr. Paris und Janni?"
Sein Blick war auf Tom gerichtet, der neben ihm auf dem Biobett schlief.
"Mr. Paris behalte ich noch ein paar Tage hier, aber er wird wieder völlig gesund werden."
"Und Janni?" hakte Chakotay nach, da der Doktor zögerte noch etwas zu sagen.
Das MHN setzte eine ernste Miene auf.
"Das kann ich noch nicht sagen. Sie ist immer noch klinisch tot und die Nanosonden haben die Körperfunktionen wiederhergestellt. Eigentlich hätte die Wiederbelebung funktionieren müssen, aber scheinbar gab es Komplikationen da sie so lange im Schnee gelegen hatte."
"Was genau bedeutet das, Doktor?" fragte jetzt auch Kathryn, die leicht blaß um die Nase war.
"Das bedeutet, daß ich nicht weiß, ob eine Wiederbelebung jetzt noch möglich ist. Der Computer sorgt dafür, daß ihr Körper lebt, aber ihre Hirnströme sind so minimal, daß ich leider sagen muß, wenn sie in den nächsten Tagen nicht bedeutend besser werden, dann war es leider zu spät."
Chakotay drückte Kathryns Hand und diese sagte: "Bitte halten Sie mich auf dem Laufenden. Und sollten Sie es in Erwägung ziehen die lebenserhaltenden Maßnahmen abzuschalten, möchte ich vorher darüber informiert werden."
"Ja, Captain."
Immer noch sichtlich geschockt von der schlechten Nachricht verließen die beiden ranghöchsten Offiziere die Krankenstation.

Als sie in Chakotays Quartier angekommen waren, nahm der Commander seinen Captain zärtlich in die Arme.
"Nicht die Hoffnung verlieren, Kathryn", flüsterte er ihr zu. "Sie hat dem Tod schon einige Male ein Schnippchen geschlagen."
Kathryn schmiegte sich an ihn und sagte nur: "Ich habe immer Hoffnung."
Chakotay küßte sie und sagte dann: "Du mußt wieder auf die Brücke. Danke, daß Du mich hergebracht hast."
Kathryn lächelte. "Muß ich nicht. Ich habe mir zwei Tage freigenommen."
Chakotay schaute sie liebevoll an. "Dann sollte ich den Rat des Doktors beherzigen und mich ausruhen."
Er schaute dabei Richtung Schlafzimmer und Kathryn meinte: "Ich könnte auch etwas Ruhe gebrauchen", und zwinkerte ihm schelmisch zu.

"Computerlogbuch des leitenden medizinischen Offiziers, Sternzeit 55961.50. Mit Hilfe von Seven und Icheb konnte ich das Gift in Lieutenant Paris' Körper mittels Nanosondentechnik fast vollständig neutralisieren. Die Halsverletzung und den Blutverlust konnte ich zum Glück leichter heilen und ausgleichen, allerdings hat das Gift schon beträchtlichen Schaden angerichtet. Es wird daher notwendig sein, Lieutenant Paris noch einige Tage hierzubehalten und kleinere Operationen durchzuführen.
Was meine andere Patientin angeht waren die Versuche, sie wiederzubeleben bis jetzt leider vergeblich. Mit jeder verstreichenden Stunde schwindet die Hoffnung. Ihre Körperfunktionen werden weiterhin vom Computer stabil gehalten und die Nanosonden haben sämtliche Schäden, die postmortem entstanden sind, erfolgreich heilen können. Das EEG zeigt keine Nulllinie, allerdings hält sich die Meßfrequenz im Delta-Wellen Bereich. Solange diese noch vorhanden ist kann und will ich Janni nicht aufgeben. Ich habe meiner Datenbank sämtliche verfügbaren Informationen über Komapatienten hinzugefügt und kann nur Hoffen, daß die Delta-Wellen Frequenz nicht von den Nanosonden herrührt."
Das MHN beendete den Eintrag und sah zu Janni hinüber. Das Licht war inzwischen auf 20% gedämmt, da es schon fast 23 Uhr Bordzeit war und somit auf Nachtgleiche umgeschaltet worden war.
Wo immer Du bist, komm zurück, dachte das MHN seufzend. Wäre er nur auch im Shuttle gewesen, dann wären alle drei vermutlich gesund und munter wieder zur Voyager gekommen. Doch er verstand den Captain bezüglich ihrer Entscheidung, ihn nicht mitzuschicken. Das so etwas passieren würde, konnte keiner ahnen.
Nun stand er auf, trat zu Tom ans Bett und verabreichte ihm seine stündliche Medikation. Der Lieutenant war immer noch sediert und das MHN dachte zum wiederholten Mal, welches Glück er doch gehabt hatte.
Dann ging er zu Janni herüber. Eigentlich war das unnötig, denn der Computer hätte es ihm gemeldet, wären irgendwelche Werte im anormalen Bereich gewesen. Er begnügte sich damit öfters bei ihr zu stehen und mit ihr zu reden, wie er es damals schon getan hatte, als die beim Verschließen des Risses auf dem Asteroiden fast gestorben wäre. Damals war sie zu ihm zurückgekommen, aber er hatte ihr auch einen wirklich guten Anlaß geben können dafür. Jetzt konnte er nur hoffen, daß seine Worte sie erreichten und sie so zurückkommen würde.
Er strich ihr sanft über das Haar und sagte dann leise: "Commander Chakotay konnte ich heute schon entlassen und ob Du es glaubst oder nicht - der Captain hat sich extra für ihn 2 Tage freigenommen."
Er lachte leise. "Bisher mußte ich ihr immer Zwangsurlaub verordnen."
Gedankenverloren blickte er zur Tür hinüber als erwarte er, daß sie sich gleich öffnen würde und der Captain hereinkommen würde weil er über sie sprach.
"Ich glaube fast, Chakotay ist die beste Medizin für den Captain, wenn es um Erholung geht."
"Vermutlich", kam eine sehr leise Stimme zur Antwort. Der Doktor erschrak so sehr darüber, daß er seine Hand zurückriß und ungläubig auf Janni schaute.
Diese hatte die Augen halb geöffnet und lächelte ihn leicht an.
"Hey, Dok", sagte sie immer noch sehr leise, dann erwachte das MHN aus seiner Schockstarre.
"Janni!" rief er völlig ungläubig aus. Sofort holte er einen Tricorder und scannte sie. Dabei sagte er: "Du hast Dir verdammt viel Zeit gelassen, ich dachte wirklich, diesmal verliere ich Dich."
"Ich hatte Tim versprochen nach Hause zu kommen", flüsterte sie.
Das MHN lächelte. "Trotzdem hättest Du mir nicht so eine Angst einjagen müssen."
"Tut mir leid, ich habe mich noch von Thomas verabschiedet", erklärte sie.
"Verstehe. Aber hauptsache, Du lebst wieder. Wie fühlst Du Dich?" fragte er.
"Ziemlich müde und schwach um ehrlich zu sein."
"Kein Wunder, wenn man bedenkt, daß Du erfroren warst und zu Tode erschöpft. Ruh' Dich noch aus, wir sprechen uns morgen wieder."
Damit drückte das MHN ihr ein Hypospray an den Hals und Janni fiel in einen tiefen und erholsamen Schlaf. Er stand noch eine Weile bei ihr und schaute zwischendurch immer wieder auf die Anzeigen um sich zu vergewissern, daß sie stabil blieb und er sich nicht nur alles eingebildet hatte. Die Lebenserhaltung hatte der Computer automatisch ausgeschaltet, als die Herzfrequenz gestiegen war und das Herz selbständig schlug.
Unendlich erleichtert ging das MHN wieder in sein Büro und wollte schon fast den Captain verständigen, doch nach einem Blick auf das Chronometer entschied er sich, daß die gute Nachricht auch noch ein paar Stunden warten könne, zumal Janni eh sediert war.

Glücklicher Ausgang

Kathryn erwachte am nächsten Morgen mit einem Lächeln. Ihr Kopf ruhte noch immer auf Chakotays nackter Brust und sein linker Arm war noch immer um ihre Taille geschlungen. So waren sie gestern Abend eingeschlafen.
Ganz vorsichtig, um ihn nicht zu wecken, fuhr Kathryn die Linien seines Tattoos nach und strich durch seine Haare. Sie war so unendlich glücklich, daß sie ihn wieder hatte, daß sie ihn am liebsten nie mehr losgelassen hätte.
Chakotay schien es ähnlich ergangen zu sein, denn kaum waren sie dann gestern in Chakotays Schlafzimmer gegangen entbrannte eine Leidenschaft zwischen ihnen, die weder Chakotay noch Kathryn jemals mit anderen Partnern erlebt hatten. Kathryn lächelte in sich hinein, denn wenn sie außerdem noch richtig gerechnet hatte, könnte sogar noch etwas in dieser Nacht passiert sein, das vor allem Miral Paris freuen würde. Doch noch war es viel zu früh um Gewißheit zu haben, daher beschloß sie auch nichts zu sagen.
Sie überlegte gerade noch etwas weiter zu schlafen, da meldete sich das MHN bei ihr.
"Krankenstation an den Captain", kam es vom Nachttisch und sie mußte sich ein wenig über Chakotays Körper legen, um ihr Combadge zu erreichen.
Ob von der Stimme des MHN oder Kathryns Bewegungen - Chakotay war jetzt auch wach.
"Hm... Kathryn?" murmelte er noch leicht verschlafen.
Diese hatte inzwischen ihr Badge in der Hand und sagte: "Ja, Doktor?" Dabei legte sie dann für Chakotay sichtbar ihren Zeigefinger über ihr Lippen um ihm zu signalisieren, daß er sich noch kurz ruhig verhalten sollte.
"Cpatain - wir haben sie wieder", sagte das MHN nur und Kathryn verstand.
"Ich komme sofort, Doktor", sagte Kathryn äußerst glücklich und wollte schon aus dem Bett klettern, doch das MHN sagte: "Captain, sie ist noch sediert. Ruhen Sie sich noch ein wenig aus, ich melde mich, wenn Sie mit ihr sprechen können. Es geht ihr soweit gut."
"Also schön, Doktor, der Commander und ich kommen später vorbei."
"Rechnen Sie damit, daß es eher Abend wird bis sie aufwacht", meinte das MHN und verabschiedete sich dann.
"Janni ist wieder unter den Lebenden?" fragte Chakotay.
Kathryn lächelte ihn an. "Ja, das ist sie. Ach Chakotay... " sie seufzte erleichtert und legte sich wieder in seinen Arm.
"Siehst Du, ich hab Dir doch gesagt, daß alles wieder gut wird", meinte er lächelnd und rollte sich dann leicht zu ihr auf die Seite, um sie hingebungsvoll zu küssen. Kathryn erwiderte den Kuß und meinte dann: "Wir haben bis heute Abend noch Zeit, Chakotay", und klimperte dabei verführerisch mit den Wimpern. Diese Einladung ließ sich Chakotay nicht entgehen...

Leise Geräusche und eine Stimme drangen in Jannis Ohren, die immer lauter wurden. Erinnerungen flossen wie Wasser vor ihren Augen entlang und dann wußte sie wieder alles. Die Parallelwelt, die Kälte, Chakotay und Tom... Tom! Was war aus ihm geworden?
Janni öffnete langsam die Augen und als sie sich an die Helligkeit gewöhnt hatte, schaute sie sich um. Daß sie auf der Krankenstation der Voyager war wußte sie noch, ebenfalls daß das MHN hier gewesen war. Ihr Blick glitt zum Büro des leitenden, medizinischen Offiziers, das jedoch leer war, dann hinüber zu den Biobetten im Türbereich.
Das MHN stand mit dem Rücken zu ihr und auf dem Bett vor ihm lag Tom. Sie schaute ein paar Sekunden herüber bis sie sicher war, daß der Lieutenant lebte und atmete erleichtert auf, als sie seine geöffneten Augen sah.
"Tom?" fragte sie zaghaft. Sowohl Tom als auch das MHN blickten überrascht zu ihr hinüber, dann machte sich ein breites Grinsen auf Toms Gesicht bemerkbar.
"Der Dok hat mir schon gesagt, daß Du wieder lebst. Ich wollte nur danke sagen, daß Du uns gerettet hast", sagte Tom.
Das MHN lief zu Janni ans Bett und diese antwortete Richtung Tom: "Keine Ursache, Sie und Chakotay haben mich einige Male aus der Klemme geholt. Danke dafür."
Tom nickte nur und Janni widmete ihre Aufmerksamkeit nun dem MHN.
"Du hast Tom wieder hinbekommen?" fragte sie ihn.
Er nickte. "Vollständig. Morgen darf er die Krankenstation verlassen." Dann überprüfte er Jannis Werte und meinte dann zufrieden: "Wenn Deine Werte weiter so bleiben, dann darfst Du auch morgen aufstehen. Wie geht es Dir?"
"Immer noch ein kleines bißchen schwach, aber wesentlich besser als bei unserem letzten Gespräch."
"Fühlst Du Dich kräftig genug für Besuch?" fragte er weiter.
Janni nickte. "Ich denke schon."
"Also gut." Das MHN tippte auf sein Combadge und informierte den Captain, daß sie jetzt vorbeikommen könne.

Als der Captain und der Commander 10 Minuten später die Krankenstation betraten, gingen sie zuerst noch mit dem Doktor in sein Büro. Nachdem sie sich gesetzt hatten fragte der Captain: "Sind irgendwelche Schäden geblieben?"
"Wie es bisher aussieht nicht. Die Nanosonden haben da ganze Arbeit geleistet. Sie braucht noch etwas Ruhe, aber morgen kann sie schon wieder in ihr Quartier gehen."
"Und dann müssen wir uns darüber Gedanken machen, wie wir sie wieder in ihre Zeit schicken können", sagte Chakotay.
Kathryn sah ihn für einen winzigen Moment geschockt an. Sie hatte sich so an Jannis Präsenz an Bord gewöhnt, daß sie bis eben völlig vergessen hatte, daß sie woanders hingehörte.
Auch woanders noch hingehört, korrigierte sie sich selber in Gedanken. Sie gehörte zur Voyager, aber natürlich auch nach Hause.
"Ich würde sagen, da jetzt alles wieder seinen gewohnten Gang geht, wird auch das Q-Kontinuum wieder agieren können, daher wage ich zu behaupten, wenn alle Risse in allen Universen wieder geschlossen sind wird uns Q gerne wieder einen Besuch abstatten", antwortete Kathryn mit einem schon fast spitzbübischen Lächeln.
Chakotay mußte ebenfalls schmunzeln. Er konnte es Kathryn nicht verdenken, daß sie diese kleine Zwangslage von Q auskostete.
"Wie sieht es mit den Rissen eigentlich aus?" fragte Chakotay.
"Nach unseren Scans dauert es noch ungefähr 5-7 Wochen, bis die Risse vollständig verschwunden sind, vorausgesetzt die Verkleinerungsrate ändert sich nicht", informierte ihn Kathryn.
"Mit anderen Worten, Janni wird noch 5-7 Wochen lang unser Gast sein."
Das MHN wirkte sehr erfreut darüber und auch Kathryn und Chakotay waren erfreut, daß der Abschied noch etwas verzögert wurde. Da es vorerst weiter nichts zu besprechen gab erhoben sie die drei und die beiden ranghöchsten Offiziere traten nun zu Janni ans Bett.
"Captain, Commander", begrüßte die junge Frau beide mit einem Lächeln.
"Schön Dich wieder zu haben, Janni", sagte Kathryn herzlich.
"Danke", erwiderte sie und sah dann zu Chakotay. "Ist mit Ihnen alles in Ordnung, Commander?"
"Im Gegensatz zu Dir darf ich schon herumlaufen", meinte Chakotay lächelnd.
"Tom geht es auch gut", fügte Kathryn hinzu.
"Ja, der Dok hat es mir schon gesagt, ich bin so froh, daß alles gut gegangen ist."
"Mehr oder weniger", schaltete sich das MHN ein, der hinter die beiden Offiziere getreten war.
"Bitte fassen Sie sich kurz, Janni braucht noch Erholung. Morgen können Sie sich dann länger unterhalten."
"Natürlich, Doktor", sagte Chakotay und wandte sich dann an Janni: "Wir sehen uns morgen. Schlaf gut."
Janeway drückte ihr noch einmal die Hand und verließ dann mit Chakotay die Krankenstation, nachdem sie noch kurz bei Tom vorbeigesehen hatten.

Feierlichkeiten

Am nächsten Tag, gegen Mittag, hatte das MHN bereits seine Krankenstation wieder für sich allein.
Tom war in der Frühe von B'Elanna und Miral abgeholt worden und Janni hatte er höchstpersönlich in ihr Quartier begleitet.
Er war noch etwas bei ihr geblieben und sie hatte ihm erzählt, was sie alles erlebt hatten.
Doch bevor sie überhaupt mit der Ankunft auf der Parallelwelt angefangen hatte, fragte sie: "Ist mein Buch und mein Stein eigentlich auch mit hierher gekommen?" Sie hatte nämlich weder das eine, noch das andere gesehen seither.
Das MHN schüttelte den Kopf. "Es sind keine Ausrüstungsgegenstände mit Euch hergekommen. Als Chakotay Dich durch das Portal gebracht hatte, hat es sich sofort hinter ihm gechlossen.
Janni wirkte nachdenklich.
"Das ist vielleicht besser so", meinte sie dann. "Ich glaube sowieso, als die Welten sich wieder getrennt haben wurde auch das Gleichgewicht der Kräfte wiederhergestellt. Ich hatte große Mühe auch nur einen kleinen Zauber zu wirken. Nur der Stein hat mir dabei geholfen. Aber der liegt jetzt irgendwo unter Metern Schnee auf einem Berggipfel, der von Berg-Gnomen bewacht wird. Nach einem weiteren kurzen Moment des Schweigens fragte sie leise: "Meinst Du, ich komme trotdzdem wieder nach Hause? Und kann ich die Voyager wieder besuchen?"
Das MHN lächelte zuversichtlich. "Wenn alle Risse verschwunden sind, wird auch das Q wieder auftauchen können. Und vergiß nicht: Er ist allmächtig und schuldet Dir etwas."
Janni schmunzelte. "Hoffen wir, daß er das in dem Falle nicht vergißt."
Nachdem diese Sache geklärt war begann Janni dann von ihrem Aufenthalt zu erzählen. Gerade als bei den Berg-Gnomen angekommen war, läutete es.
Der Captain war zu Besuch gekommen und das MHN verabschiedete sich von Janni. Dann erzählte sie ihre Geschichte noch einmal.

Die Zeit verging und damit es Janni nicht zu langweilig werden würde, besuchte sie mit einigen Crewmitgliedern das Holodeck, Neelix organisierte eine "Welcome-Home" Party und vor allem leistete sie dem MHN auf der Krankenstation etwas Gesellschaft und ließ sich etwas unterrichten.
Sie war gerade damit beschäftigt sich von ihm die Verwendung und genaue Funktion eines Knochenregenerators erkären zu lassen, als die Türen der Krankenstation aufglitten und ein ziemlich blaß aussehender Captain hereintrat. Sofort war das MHN bei ihr und half ihr auf ein Biobett.
"Captain, was ist passiert?" fragte er und holte einen Tricorder.
"Ich werde dann mal besser gehen", sagte Janni taktvoll und wollte schon zur Tür hinaus, als Kathryn sagte: "Du kannst ruhig hierbleiben, ich denke, in ein paar Stunden weiß es sowieso das ganze Schiff."
Das MHN und Janni sahen sie beide völlig überrascht an und der Doktor meinte: "Wie kommen Sie darauf zu wissen, was bei Ihnen nicht stimmt?"
Janeway lächelte. "Sagen wir, manche Dinge sind manchmal ganz offensichtlich."
Das MHN runzelte die Stirn und begann mit dem Scan. Nach ein paar Sekunden kletterten seine Augenbrauen immer höher und ein Grinsen trat auf sein Gesicht.
"In dem Fall haben Sie völlig Recht, Captain. Ich gratuliere Ihnen. Der Fötus ist normal entwickelt und ich vermute, sich möchten gerne etwas gegen Ihre Morgenübelkeit?"
"Deshalb bin ich hier, danke, Doktor."
"Sie bekommen ein Baby?" fragte Janni völlig perplex. Kathryn lächelte sie an und nickte.
"Oh Captain, das ist wunderbar!" rief sie erfreut. "Ich freue mich so für Sie und Chakotay. Weiß er es schon?"
"Noch nicht, ich wollte erst sicher gehen."
"Wenn das Neelix erfährt, gibt es gleich die Nächste Party", meinte Janni.
Das MHN war inzwischen wieder neben Janeway und gab ihr ein Hypospray und mehrere Ampullen mit.
"Eine Injektion am Morgen oder bei Bedarf, kommen Sie jetzt einmal pro Woche zu mir und zügeln Sie ihren Kaffeekonsum!"
Beim letzten Teil hielt das MHN drohend den Zeigefinger in der Luft und sah sie streng an.
"Ich werde mein bestes tun, Doktor. Vielen Dank."

Was die Party von Neelix zu Ehren des Captain und Commander betraf, hatte Janni Recht gehabt. Bis zum Abend hatte sich die Neuigkeit wie ein Lauffeuer durch das Schiff verbreitet und ausnahmslos jedes Crewmitglied hatte ein Lächeln auf den Lippen.
Okay, Tuvok nicht wirklich, korrigierte sich Janni selber, als sie den Vulkanier auf der Party sah.
Chakotay platzte fast vor Stolz und Glück und Kathryn schien so schön wie noch nie zu sein. Auch sie hatte ein seliges Lächeln auf den Lippen. Schmerzlich wurde Janni bewußt, daß sie ihre Tochter schon seit Monaten nicht mehr gesehen hatte und sie wollte im Moment auch nichts lieber, als sie wieder im Arm zu halten. Tim natürlich auch. Doch sie tröstete sich mit dem Gedanken, daß Q sie hoffentlich bald nach Hause bringen würde. Die Risse waren jetzt fast geschlossen und Seven hatte berechnet, daß es in 4-5 Tagen keine Spuren mehr von Anomalien im Raum geben würde. Zumindest von der Sorte.
Eine Hand legte sich plötzlich von hinten auf ihre Schulter und riß sie somit aus ihren Gedanken.
"Alles in Ordnung mit Dir?" fragte das MHN leise.
Janni nickte. "Ich mußte nur gerade an meine Familie denken", sagte sie.
"Bald bist Du auch wieder zu Hause."
"Genau, und dann vermisse ich die Voyager", schmunzelte sie.
"Man kann nicht alles haben", sagte das MHN.
"Aber eigentlich habe ich alles, wer kann schon von sich behaupten, durch die Zeit zu reisen und tolle Abenteuer zu erleben."
"Das hast Du sehr gut erkannt. Und jetzt - würdest Du mir einen Tanz schenken?" fragte das MHN.
Janni lachte. "Aber mit dem größten Vergnügen."

Tim hatte gerade seine Tochter ins Bettchen gelegt. Janni war jetzt schon zwei Tage fort und er vermißte sie schmerzlich, außerdem hatte er Angst um sie. Wie sollte er erfahren ob es passiert wäre? Diese Gedanken plagten ihn schon, seit sie beschlossen hatte aufzubrechen.
Da klopfte es an der Tür.
Wer kann das sein, um diese Zeit? überlegt er und öffnete. Ungläubig blinzelte er, denn seine Augen schienen ihm einen Streich zu spielen.
"Hallo Schatz", sagte Janni. "Da bin ich wieder."

ENDE