Anmerkung vom Autor:
Dies ist ein Star Trek Voyager / Die Drachenreiter von Pern Crossover.
Voyager brauche ich wohl nicht weiter zu erklären, doch über "Die Drachenreiter-Saga" muß ich einiges vorher sagen.
Es handelt sich hierbei um eine Buchserie von Anne McCaffrey, die inzwischen 18 Bände umfaßt. Irgendwann fing ich mit einem Buch an (nach dem Motto: Ach, ein Buch, hat was mit Drachen/Fantasy zu tun. Klasse, lese ich) und nachdem sich meine erste Verwirrung gelegt hatte (denn die Bücher waren zwar in der richtigen Nummernfolge gebunden aber die Chronologie stimmte gar nicht, das 3. Buch war das eigentlich erste Buch *wirr*) machte ich mich auf die Jagd nach den übrigen Bänden und hatte sie ratzfatz ausgelesen. Doch die Geschichte von Pern und seinen Drachenreitern ließ mich auch später nicht mehr los und so beschloß ich, ein Voyager-Pern-Crossover zu schreiben.
Sollte die story ein Drachenreiter-Fan lesen, ich denke einige Charaktere habe ich doch ganz schön umgemodelt, evt. wird man auch die eine oder andere Abweichung zu den Pern Büchern finden. Bitte mir das nachzusehen, ich muß die Bücher erst noch einmal komplett durchlesen, vieles war mir doch nicht mehr genau im Gedächtnis und in 18 Bänden eine bestimmte Textstelle zu finden ist auch nicht gerade leicht. Aber es ist ja auch nur eine Fanfiction und ich hoffe, Euch gefällt sie einfach. P.S.: Die Bücher muß man einfach gelesen haben!!! ;)
Der Flugkörper

Die Voyager glitt majestätisch durch das All. Auf der Brücke saß der erste Offizier Commander Chakotay im Sessel des Captains und betrachtete gelangweilt den großen Sichtschirm in der Mitte der Brücke.
Der Captain des Schiffes, Kathryn Janeway, saß im Bereitschaftsraum, eine Tasse Kaffee auf dem Schreibtisch und studierte Berichte. In den letzten Wochen hatte es keinerlei Zwischenfälle gegeben, keine Kontakte mit anderen Spezies und keine Möglichkeit auf ein bißchen Landurlaub. Kathryn befürchtete, daß die Moral der Crew unter der ständigen Langeweile leiden würde und wünschte sich innigst einen Borg Kubus oder einen fremden Planeten.
Hätte sie gewußt, was in der nächsten Stunde auf sie zukommen würde, hätte sie den Wunsch schnell vergessen.

Tuvok wurde durch ein Biepen der taktischen Konsole abgelenkt. Er zog beide Augenbrauen hoch, als er die Anzeigen las.
"Commander, etwas nähert sich der Voyager. Es ist zu klein, um ein Schiff zu sein."
Tuvok brach ab und tippte weiter auf der Konsole herum.
Chakotay war aufgestanden und zur taktischen Station gelaufen.
Harry Kim versuchte an der wissenschaftlichen Konsole ebenfalls herauszufinden, was es mit dem seltsam kleinen Objekt auf sich hatte.
Tuvok und Harry fanden zur selben Zeit heraus, was es war.
"Commander, es ist eine Art Torpedo!" sagten beide zugleich.
"Schilde hoch, Alarmstufe Rot, Captain auf die Brücke!" rief Chakotay und im nächsten Moment pulsierten rote Lichter überall auf dem Schiff.
"Tom, weichen sie aus!" rief Chakotay.
Im selben Moment öffnete sich die Tür vom Bereitschaftsraum und der Captain stürmte auf die Brücke.
"Bericht!" sagte sie kurz und setzte sich in ihren Sessel.
"Wir werden von einer Art Torpedo verfolgt", erklärte der Vulkanier ohne von seinen Kontrollen aufzusehen.
"Captain, egal wohin ich versuche auszuweichen, das Ding klebt an uns dran!" rief Tom während seine Finger nur so über die Steuerung flogen.
"Tuvok, feuern sie die Phaser ab!" sagte Janeway und sah fast sofort danach, wie rote Strahlen vom Schiff auf den Torpedo schossen. Doch dieser wich im letzten Moment den Strahlen aus und setzte dann seinen ursprünglichen Kurs fort.
"Was war denn das?" fragte Chakotay.
"Anscheinend haben wir es hier mit einem intelligenten Torpedo zu tun", meinte Harry und versuchte noch nähere Daten zu bekommen die ihnen helfen würden, das Geschoß abzulenken.
"10 Sekunden bis Einschlag", ertönte Tuvoks Stimme.
"…9..."
"Auf Einschlag vorbereiten!"
"…8…7…"
"Brücke an Maschinenraum, leiten sie alle Energie in die Heckschilde!"
"3…2…1…!" zählte Tuvok weiter.
Und dann wurden alle Besatzungsmitglieder durch das Schiff geschleudert. Keinem gelang es an oder auf seinem Platz zu bleiben. Das Geschoß hatte die Schilde durchschlagen, sonderte kurz vor dem eigentlichen Aufschlag in der Schiffshülle mehrere kleine Scheiben ab, die sich überall an der Außenhülle festsetzten und sofort in die Schiffshülle eindrangen.
Dann explodierte das Geschoß mit solcher Macht, daß die Voyager mit unglaublicher Geschwindigkeit durch den Raum geschleudert wurde.
Janeway erwachte durch lautes Stimmengewirr. Sie lag vor der Steuerkonsole und sah gerade Tom auf sich zutorkeln, der aus einer großen Platzwunde an der Schläfe blutete.
Stöhnend rappelte sie sich auf und ergriff dankbar Toms Hand, der sie hochzog. Einen Moment lang wurde ihr schwindelig, doch dann nahm die Brücke wieder feste Konturen an.
"Danke, Mr. Paris, melden sie sich auf der Krankenstation", sagte sie und Tom nickte dankbar bevor er die Brücke verließ.
"Bericht!" rief Janeway und ließ ihren Blick über die Brücke schweifen.
Zahlreiche Kabel, die teilweise Funken sprühten hingen von der Decke herab, überall lagen Trümmer und Crewmitglieder am Boden. Ensign Harper lief mit einem medizinischen Tricorder und einem Medkit bewaffnet von einem Crewmitglied zum anderen und versuchte zu helfen.
"Captain, ist alles in Ordnung mit ihnen?" erklang hinter Janeway eine vertraute Stimme. Erleichtert drehte sie sich zu ihrem ersten Offizier um.
"Ich bin in Ordnung Chakotay. Wie steht's mit Ihnen?"
"Blaue Flecken, nichts ernstes zum Glück. Aber einige hat es ganz schön erwischt. Der Doktor ist völlig überlastet", antwortete er.
"So wie ich Tom kenne, wird er trotz seiner Verletzung bestimmt helfen."
"Captain", unterbrach Harrys Stimme das Gespräch der beiden Offiziere, "ich weiß nicht, wie es dieser Torpedo geschafft hat, aber wir befinden und fast tausend Lichtjahre von dem Punkt, wo der Einschlag erfolgte!"
Kathryn und Chakotay sahen sich an, dann ging der Captain zu Harrys Konsole: "Vielleicht eine andere Weise eines Führsorgers uns zu ihm zu bringen?" fragte sie.
"Die Sensoren sind ausgefallen, ich kann ihnen erst sagen ob eine weitere Phalanx da draußen ist, wenn sie repariert sind", meinte Harry.
"Janeway an Maschinenraum, ich brauche einen Bericht über die Schiffssysteme."
"Torres hier. Captain, es sieht ziemlich wüst aus, fast jedes System ist beschädigt oder völlig kaputt, es kann Wochen dauern, bis wir das Gröbste wieder repariert haben. Die Außenhülle wurde ebenfalls an mehreren Stellen beschädigt…"
Janeway bemerkte B'Elannas zögern und fragte: "B'Elanna, sie haben doch eine Idee, oder?"
"Captain, ich würde dringend empfehlen den nächstbesten Klasse M Planeten anzusteuern und die Voyager zu landen. Das Risiko die Lebenserhaltungssystem völlig zu verlieren ist sehr groß. Auf einem Planeten könnten wir auch problemlos die Außenhülle reparieren. Außerdem werden wir evt. noch Rohstoffe brauchen, wir müssen einige Teile komplett neu machen und…"
Janeway nickte und schnitt B'Elanna das Wort ab: "Gut, das halte ich auch für das Beste. Dann reparieren Sie zuerst die Sensoren – ohne die werden wir keinen Planeten finden können."
Kathryn hörte B'Elannas Erleichterung.
"Verstanden Captain, die Sensoren dürften in ein paar Minuten wieder funktionieren. Torres Ende."
"Mr. Kim, sobald die Sensoren wieder funktionieren scannen Sie nach dem nächsten Klasse M Planeten."
"Ja, Ma'am."

Kondition Blau

Nach einer Weile meldete sich Harry wieder zu Wort: "Captain, ich habe einen Planeten gefunden. Der dürfte sie interessieren."
Janeway und Chakotay traten an die wissenschaftliche Station heran.
"Ist er bewohnt?" fragte Chakotay.
"Ja, auf der Nordhalbkugel orte ich Humanoide, auf der Südhalbkugel zwar auch aber wesentlich weniger. Es gibt auch dort einen abgelegenen Platz zum Landen, aber das wollte ich ihnen eigentlich nicht jetzt zeigen. Ich habe im Orbit des Planeten drei alte Raumschiffwracks gefunden – Kolonistenschiffe!"
Einen Moment lang verschlug es dem Captain die Sprache.
"Wie sieht es auf dem Planeten aus? Gibt es dort Spuren von Shuttles, anderen Raumkreuzern oder ähnliches? Besitzen die Leute Warp-Technologie?" hakte Janeway nach.
"Ich kann keine weiteren Raumschiffe orten auf dem Planeten. Würden die drei Schiffe nicht im Orbit kreisen würde ich die Bewohner auf den ersten Blick als Prä-Warp Zivilisation einstufen. Doch die Langebereichs-Sensoren haben keine weitern bewohnbaren Planeten geortet. Entweder, die Leute waren mehrere Jahrhunderte unterwegs, was eigentlich unmöglich sein dürfte wenn man die Schiffe betrachtet oder sie hatten Warpantrieb bzw. etwas vergleichbares."
"Mr. Kim, ich möchte, daß sie versuchen herauszubekommen was die Leute für eine Art Antrieb hatten. Sollte es ein Überlichtgeschwindigkeitsantrieb sein, dann verbietet es uns die erste Direktive auch nicht Kontakt mit ihnen aufzunehmen und um Hilfe zu bitten. Das hat Priorität", sagte Kathryn.
Harrys Antwort bestand aus einem intensiven Arbeiten an der Konsole.
Janeway und Chakotay traten wieder in die Mitte der Brücke.
"Computer: Kondition blau auslösen."
Sofort wurde die Brücke in ein blaues Licht getaucht und ein akustisches Signal war zu hören.
"Steuermann, bereiten sie die Landung vor. Tuvok, checken sie die Daten von Mr. Kims Landeplatz und transferieren Sie sie dann zur Steuerkonsole."
Tuvok nickte und ein paar Sekunden später meldete Ensign Baytart, der Lt. Paris vertrat, welcher auf der Krankenstation dem Doktor half: "Koordinaten eingegeben. Landesequenz eingeleitet."
Langsam glitt die Voyager durch den Orbit und trat in die Atmosphäre des Planeten ein. Als das Schiff noch einen Kilometer von den Landekoordinaten entfernt war, fuhren die Landestützen aus und wenig später setzte das Schiff sacht auf dem Planeten auf.

Janeway und Chakotay standen auf der Spitze der Klippe und schauten sich um. Mr. Kim hatte für die Voyager eine große freie Fläche gefunden, die auf der einen Seite vom Meer abgegrenzt wurde und auf der anderen Seite von steilen Klippen. Die nächste Siedlung war mehrere Kilometer entfernt.
Als der Captain auf ihr Schiff zurückblickte sah sie wie die Außenhülle von einigen Ingenieuren repariert wurde, die wir Ameisen aus der Entfernung aussahen.
Sie hatten verschiedene Gruppen eingeteilt. Die Maschinenraumcrew kümmerte sich um die Reparaturen am und im Schiff, Neelix war mit drei Gruppen aufgebrochen um Nahrungsmittel zu sammeln, wieder drei andere Gruppen suchten nach Erzen und Mineralstoffen die sie verwenden konnten und der Rest war mit Aufräumarbeiten im Schiff beschäftigt.
Kathryn selbst hatte mit Chakotay langsam einen Überblick über die ganzen Beschädigungen erhalten und gemeinsam hatten sie einen Maßnahmeplan erstellt.
Jetzt hatten sie sich eine kurze Pause gegönnt und waren auf die Klippen geklettert um die Umgebung etwas zu erkunden und in Ruhe noch einmal reden zu können.

"Der Doktor hat mir vorhin noch einen Bericht über die Situation in der Krankenstation gegeben, ich hatte nur noch keine Möglichkeit ihn zu lesen", meinte Chakotay und holte das Padd hervor.
"23 Verletzte, 6 davon schwer und zum Glück keine Toten", informierte er seinen Captain.
Kathryn seufzte erleichtert. Da haben wir anscheinend noch einmal Glück gehabt.
"Kim an den Captain", ertönte es auf einmal aus Kathryns Combadge.
"Was gibt es Harry?" fragte sie.
"Captain, ich denke, Sie sollten besser herkommen und sich das selber ansehen. Ich bin mit meinen Analysen fertig."
Sofort wurde Janeway hellhörig und sprang auf.
"Ist gut Mr. Kim, der Commander und ich sind in ein paar Minuten wieder bei Ihnen."

Naomi's nächtlicher Ausflug und eine Explosion

Wenig später saßen die Führungsoffiziere im Konferenzraum und hörten Mr. Kim zu, der ihnen von seinen Ergebnissen berichtete.
"Auf der Südhalbkugel, direkt am Wasser und in der Nähe eines Vulkans liegt die erste Siedlung, die hier erbaut wurde. Die Leute sind vor mehreren Jahrhunderten hier angekommen und hatten durchaus einen Antrieb vergleichbar mit unserem Warpantrieb. Schätzungsweise 10-20 Jahre später ist der Vulkan ausgebrochen und hat die Siedlung unter Asche und Lava begraben und das war dann vermutlich der Grund, warum die Leute auf den Nordkontinent übergesiedelt sind. Es gibt dort sehr viele Höhlenformationen, aus den meisten wurden Burgen gehauen.
Und jetzt kommt etwas sehr interessantes. Ich hab mich gewundert, daß die Bevölkerung hier anscheinend in der technischen Entwicklung zurückgefallen ist. Es gibt zwar elektrisches Licht, aber nur die alten Systeme der Siedler von der Ankunft auf dem Planeten. Kurzum: Die Maschinen gerieten anscheinend in Vergessenheit. Ich konnte nirgends auf dem Planeten eine fortgeschrittenere Technik finden als Elektrizität.
Dieses Phänomen hat mich, wie gesagt, stutzig gemacht. Und dann entdeckte ich noch etwas: In den unbewohnten Gebieten dieses Planeten gibt es riesige Landstriche die aussehen als wären sie vor einigen Jahren total verbrannt worden. Allerdings nicht durch Feuer, dann hätte sich die Vegetation schon längst erholt. Das ist aber nur ein weiteres Rätsel."
Harry machte eine kurze Pause und fuhr dann fort: "Als ich die Schiffe scannte, habe ich natürlich auch etwas weiter gesucht. Das könnte für die wissenschaftlichen Labore von Interesse sein: Eine Oort'sche Wolke befindet sich ganz in der Nähe. Es wäre bestimmt interessant, welche Meteoritenbrocken dort drin sind, oder evt. organische Substanzen."
An dieser Stelle lächelte Harry ein wenig, denn er konnte sich schon das Wissenschaftsteam vorstellen, wie es sich die Hände rieb angesichts neuer Elemente die sie vielleicht entdecken würden.
Janeway stand auf, bedankte sich bei Harry für den Bericht und dann sagte dann: "Nachdem was Mr. Kim uns über die Gesellschaft hier sagen konnte war es also anfangs eine Post-Warp Zivilisation und evt. ist sie es noch immer. Wir wissen nicht, ob die heute lebenden Nachfahren der ersten Kolonisten noch fähig wären ein Raumschiff zu bauen, vielleicht geriet dieses Wissen in Vergessenheit, vielleicht gibt es auf dem Planeten auch einfach noch nicht die nötigen Bauelemente."
Während sie sprach ging sie langsam um den Tisch herum, an dem die Führungsoffiziere saßen und ihr aufmerksam zuhörten.
"Es könnte natürlich auch sein, daß die Kolonisten nicht mehr vorhaben diesen Planeten zu verlassen und wollen daher keine Schiffe mehr bauen. Unter anderen Umständen würde ich eventuell eine kleine Gruppe Abgesandter losschicken und einen ersten Kontakt herstellen. Aber ich denke, angesichts der vielen unbelegten Vermutungen die wir hier nur aufstellen können, sollten wir dies nur im allergrößten Notafall tun. Daher werden wir uns möglichst unauffällig verhalten und wenn die Voyager erst einmal wieder in Ordnung ist werden wir diesen Planeten aus dem Orbit kartografieren und weiterfliegen."
Janeway ging wieder zu ihrem Sessel. "Hat noch irgendjemand etwas dazu zu sagen?"
Alle schwiegen.
"Gut, dann machen wir wie bisher weiter. Wegtreten."
Die Offiziere verließen den Raum und machten sich wieder daran, die Voyager zu flicken.

Als es auf dem Südkontinent Nacht wurde, wurden die Außenreparaturen eingestellt und die Crew war vollständig wieder an Bord und arbeitete zum Teil innen weiter.
Viele gönnten sich eine Runde Schlaf und selbst die Technik-Crew machte mehrere Pausen. Die wichtigsten Systeme waren schon wieder repariert, lediglich die Außenhülle mußte am nächsten Tag noch bearbeitet werden.
Naomi Wildman, mit ihren 16 Jahren trotzdem das jüngste Crewmitglied an Bord der Voyager, konnte in dieser Nacht keinen Schlaf finden. Viel zu selten hatte sie bisher die Gelegenheit gehabt eine "echte" Nacht auf einem Planeten zu verbringen. Daher zog sie sich an, nahm sich eine Decke mit und schlich sich aus dem Schiff.
Sie wollte nur zu den Klippen gehen, sich gemütlich auf die Decke legen und eine Weile den Sternenhimmel genießen. Sie hätte eigentlich den Captain um Erlaubnis fragen müssen, doch Naomi dachte gar nicht daran, sie oder einen anderen Offizier zu wecken. Der Tag war stressig genug und wenn sie vor Anbruch des Morgens wieder zurück war, würde keiner etwas merken.
So stand Naomi nach einer halben Stunde oben auf der Klippe und hatte einen wunderbaren Blick über die Voyager, die Landschaft und über ihr leuchtete der Sternenhimmel.
Sie breitete die Decke aus und legte sich auf den Rücken. Es dauerte gar nicht lange, da war sie eingeschlafen.

B'Elanna, die im Maschinenraum noch an den Leitungen arbeitete, hörte auf einmal ein merkwürdig dumpfes Geräusch, das von draußen zu kommen schien.
Sie unterbrach ihre Arbeit und lauschte. Nach einer Weile, als sich das Geräusch nicht wiederholte zuckte sie mit den Schultern und setzte ihre Arbeit fort.
Wäre sie nach draußen gegangen, dann hätte sie die Scheiben gesehen, die an der Außenhülle wieder erschienen waren und langsam anfingen in einem schwachen Blauton zu leuchten. Es wurde immer stärker und die Scheiben begannen sich untereinander mit blauen Strahlen zu verbinden.

Naomi wachte von einem Rauschen auf und schreckte hoch. In der Nähe hörte sie ein Flattern, das sich aber rasch entfernte.
War wohl nur ein Vogel, dachte sie erleichtert und ihr Blick glitt zur Voyager.
Mit einem Mal war sie hellwach, denn sie sah, daß sich blaue Lichtstrahlen um die komplette Außenhülle schlangen und einen immer intensiveren Ton annahmen. Dort, wo die Strahlen sich trafen leuchteten rote Punkte.
Naomi raffte ihre Sachen zusammen und kletterte so schnell wie möglich die Klippen hinunter. Sie war noch gut 3 Meter vom Boden entfernt, als eine gewaltige Explosion erfolgte, Naomi den Halt verlor und in die Tiefe stürzte.
Sie schrie, zuerst weil sie fiel, dann als sie in der kurzen Sekunde sah, was passiert war: Dort, wo vor wenigen Sekunden noch die Voyager gestanden hatte, war jetzt ein riesiger Feuerball und Trümmerteile flogen über den Landstrich.
Das Schiff war explodiert. Das alles sah Naomi in der einen Sekunde, die sie fiel, dann schlug ihr Körper auf und sie verlor sofort das Bewußtsein.

Ein neues Leben im Weyr

Naomi träumte, daß sie von einem Drachen empor gehoben wurde und hoch über dem Planeten schwebte. Dann wurde alles schwarz und sie dachte, sie müsse ersticken. Es war eiskalt.
Der Weltraum, ja, sie mußte im Weltraum sein. Gleich würde sie sterben. Doch dann schien ihr die Sonne ins Gesicht und sie konnte wieder atmen.
Ein kräftiger junger Mann trug sie auf seinen Armen.
Sie versuchte sein Gesicht zu erkennen, doch es wurde immer verschwommener. Schließlich verschwand es und eine wohlige Wärme durchflutete sie. Sie lächelte und ließ sich von der Wärme tragen.

Ein roter Feuerball erschien vor Naomis Augen und sie sah, wie die Voyager zerrissen wurde.
"Nein!!!" Mit einem Schrei schreckte sie hoch.
"Ist schon gut Kind, beruhige dich. Du mußt schreckliches erlebt haben", sagte eine sanfte Stimme neben ihr.
Naomi standen Tränen in den Augen, als sie feststellte, daß sie nicht auf der Voyager in ihrem Quartier erwachte. Ihr Albtraum war Realität.
Sie fing bitterlich an zu weinen.
"Icheb, der Captain, die anderen… sie… sie sind alle tot!"
Eine Hand streichelte sanft über Naomis Haare.
"Es ist leider wahr, wir haben nur Dich gefunden. Du lagst bewußtlos an den Klippen. Komm, trink das hier."
Die unbekannte Frau reichte ihr einen Becher.
Zitternd nahm sie ihn entgegen und nippte gehorsam daran. Es schmeckte etwas bitter, aber eine Wärme durchströmte sie, die sie auf sonderbare Weise beruhigte. Jetzt sah sie die Frau an, die neben ihr saß.
"Wo… wo bin ich? Und wie bin ich hergekommen? Wer sind sie?" fragte sie stockend.
"Du bist im Benden-Weyr. Ich bin Manora. T'qrans Branth hat eine Explosion gespürt und ist hingeflogen. Er und T'qran fanden dich dann nach einiger Suche an den Klippen. Aber jetzt ruh dich erst mal aus und schlafe etwas, wenn es dir besser geht wird Lessa einige Fragen an Dich haben."
Naomi nickte matt und merkte, wie es ihr immer schwerer fiel die Augen offen zu halten. Kurze Zeit später war sie wieder eingeschlafen.
Manora ließ sie allein und schloß die Tür beim Herausgehen. F'lar und Lessa erwarteten sie bereits.
"Und? Wie geht es ihr, hat sie etwas gesagt?" fragte die Weyrherrin.
"Sie hat merkwürdige Namen gesagt: Voyager und Icheb und erwähnte einen Captain. Ich kann mir aber nicht vorstellen, daß das, was explodierte, ein Segelschiff war. T'qran hat einige Wrackteile aus unbekanntem Metall gefunden.
Anscheinend war es aber nur ein kleines Schiff, es waren nur sehr wenige. Oder, die Explosion hat alles aufgelöst. Einige Leute untersuchen schon die Unglücksstelle. Sie vermuten, daß es ein Raumschiff war", meinte Manora.
Lessa und F'lar sahen sich an.
"Ist eins unserer Schiffe vielleicht abgestürzt? Aber wo kommt dann das Mädchen her?" grübelte F'lar.
"Das glaube ich nicht. Und außerdem – als ich ihren Kopf auf Wunden untersuchte, da sind mir eigenartige kleine Auswüchse auf ihrer Stirn aufgefallen. Ich bin mir sicher, das Mädchen kommt von einem völlig anderen Planeten", meinte Manora nachdenklich.
"Wir werden es erfahren, wenn es ihr wieder besser geht."
Lessa und F'lar wandten sich zum Gehen.
"Sie hat eine schwere Zeit vor sich, wenn wir richtig vermuten waren im dem fremden Schiff ihre Familie, Freunde oder Bekannten. Sie ist die einzige Überlebende."
Manora blickte betroffen den Boden an.
"Ich werde Mirrim bitte sich ihrer anzunehmen. Ihre äußeren Verletzungen werden schnell heilen. Die inneren… wir werden abwarten." Dann ging Manora fort um Mirrim zu suchen.

Manora sucht Dich, informierte Path Mirrim.
"Danke, wo ist sie?" fragte Mirrim ihren Drachen und ging Manora entgegen.
Sie ist auf dem Weg zu mir, sagte Path.
Mirrim eilte zur Stätte ihrer Gefährtin. Manora war bereits im Raum und wartete.
"Ah, hat Path Dich gerufen? Ich dachte es mir." Manora sah zu Path herüber. "Danke meine Freundin."
Paths Facettenaugen rollten umher und sie brummte zufrieden.
"Wie geht es denn unserem Neuling?" fragte Mirrim.
"Körperlich wird sie sich völlig erholen, aber es scheint, daß sie bei der Explosion alle verloren hat, die sie kannte und liebte."
"Das… das ist ja furchtbar", sagte Mirrim leise.
Path streckte ihr ihren Kopf entgegen um ihrer Reiterin Trost zu spenden. Mirrim kraulte sie über den Augenwülsten.
"Kann ich irgend etwas für sie tun?" fragte Mirrim.
"Würdest Du Dich um sie kümmern? Ich glaube, sie bräuchte eine feste Bezugsperson die ihr das Gefühl gibt, daß sie nicht allein ist. Außerdem, wenn es stimmt, daß sie von einer völlig fremden Welt kommt, dann kennt sie weder Pern noch irgendeinen Perneser hier. Sie ist ganz allein!"
"Das mache ich gerne, du weißt aber, daß ich mit Path auch noch gegen die Fäden kämpfen muß?" erinnerte Mirrim sie.
"Natürlich, das weiß ich doch. Es geht ja auch nur darum, daß Du ihr ein Gefühl der Sicherheit geben würdest. Ich würde es ja gerne selbst machen, aber ich habe einfach zu viel zu tun."
"Was meinst Du dazu Path?" fragte Mirrim ihren Drachen.
Ich finde, ich sollte mich auch um sie kümmern, sie ist bestimmt noch nie auf einem Drachen geritten und so ein Ausflug zur Meeresbucht ist bestimmt ablenkend. Paths Facettenaugen kreisten jetzt aufgeregt.
"Alles klar Manora. Sag mir einfach, wann sie wach ist, dann bin ich da. Path hilft mir."
"Ich wußte, daß ich mich auf euch verlassen kann."
Mit diesen Worten verließ Manora die Unterkunft.

Naomi erwachte am nächsten Morgen. Manora hatte Mirrim gerufen und beide Frauen saßen an Naomis Bettkante. Mirrim nahm ihre Hand und drückte sie.
"Hallo. Ich bin Mirrim, geht's Dir etwas besser?"
In ihrer Stimme schwang echte Besorgnis mit und Naomi nickte schwach. Manora beugte sich zu Naomi runter und sagte: "Mirrim und ich werden Dir helfen. Wenn Du irgend etwas brauchst, dann sind wir immer für Dich da. Natürlich kannst Du auch zu allen anderen im Weyr gehen, aber das ist vielleicht am Anfang ein bißchen viel für Dich.
Naomi nickte dankbar und brachte ein leises "Danke" heraus.
"Kind, meinst du, du bist kräftig genug um aufzustehen und einige Fragen zu beantworten?" fragte Manora vorsichtig.
"Ich… ich denke schon", sagte Naomi langsam und machte Anstalten sich im Bett aufzusetzen. Manora und Mirrim halfen ihr und Naomi bekam einen Becher mit dampfender Flüssigkeit in die Hand gedrückt.
"Trink erst mal etwas Klah", meinte Mirrim, "das wird Dich erfrischen und Dir etwas Kraft geben. Hast du Hunger?"
"Nein, vielen Dank", antwortet Naomi und trank gemächlich den Klah aus.
Mirrim hatte Recht behalten, nachdem Naomi die Tasse leer getrunken hatte fühlte sie sich wesentlich besser und stand auf.
"Wie heißt du denn?" fragte Manora.
"Naomi. Naomi Wildman", entgegnete sie.
Manora nickte. "Solch einen Namen habe ich noch nie gehört, aber er klingt wunderschön."
Naomi lächelte scheu. Manora reichte ihr einige Kleidungsstücke und Naomi nahm sie dankbar entgegen.
"Deine alten Sachen waren sehr zerrissen, wir konnten sie leider nicht mehr flicken", sagte Manora entschuldigend. "Oh, dort drüben geht es in den Waschraum, Du kannst gerne ein warmes Bad nehmen, wenn Du möchtest."
"Vielen Dank", antwortete Naomi und zog den Vorhang hinter sich zu.

Nach einer Weile kam sie wieder heraus, die Haare waren noch feucht und durcheinander, doch die Kleidungsstücke, die sie von Manora erhalten hatte, paßten wenigstens wie angegossen. Manora reichte ihr lächelnd eine Haarbürste.
Naomi nahm sie und brauchte eine Weile, bis ihr Haar wieder einigermaßen ordentlich aussah.
Dann folgte sie Manora und Mirrim, die sie in einen großen Raum brachten, in dem hinter einem Schreibtisch eine zierliche Frau saß.
"Lessa, das hier ist Naomi. Du wolltest mit ihr sprechen. Aber denke dran, was sie alles durchgemacht hat, überfordere sie nicht."
Obwohl Manoras Worte ermahnend klangen lächelte sie.
Lessa nickte. "Danke, du darfst mir den Mund zukleben, wenn ich zuviel Fragen stelle", neckte Lessa sie und erreichte damit auch, daß Naomi sich entspannte.
"Komm, setz dich Naomi. Möchtest du etwas trinken?" fragte Lessa und lächelte sie an.
"Nein, vielen Dank."
"Okay, aber wenn Du etwas haben möchtest, dann scheue Dich nicht es zu sagen, einverstanden?"
Naomi nickte. Lessa setze sich zu ihr, damit die Atmosphäre entspannter wirkte und fing dann an: "Naomi, erst einmal tut es uns allen schrecklich Leid, was passiert ist. Aber meinst Du, Du kannst uns erzählen was passiert ist? Woher kommst Du und was machst Du hier?"
Naomi fing stockend an Lessa von der Voyager und die weite Reise nach Hause zu erzählen.
Als sie einige Namen der Crew nannte, fühlte sie einen großen Kloß im Hals stecken und unterbrach ihre Erzählung für einen Moment. Mirrim, die etwas hinter ihr saß holte ihr ein Glas Wasser, das Naomi dankbar entgegen nahm.

Sie saß bestimmt eine Stunde bei Lessa und erzählte ihr alles. Sie mußte jetzt bestimmt keine Regeln mehr beachten, die Leute wußten immerhin, was ein Raumschiff war, hatten selber noch welche im Orbit und außerdem verrieten allein schon Naomis ktarianische Merkmale, daß sie bestimmt nicht von diesem Planeten stammte.
"Manora wird dir bestimmt schon gesagt haben, daß wir leider keine weiteren Überlebenden gefunden haben und daher… wir sollten uns jetzt überlegen, was mit Dir passiert. Ich nehme an, deine Freunde waren technisch viel weiter fortgeschritten als wir hier, aber Du wirst Dich schon an die Lebensweise gewöhnen.
Und nun schlage ich vor, iß erst mal etwas und ruhe dich aus und dann kann dir Mirrim etwas über Pern erzählen und dir den Weyr zeigen."
Lessa erhob sich, und auch Naomi und die anderen beiden Frauen standen auf. Mirrim führte Naomi in ihre Kammer zurück, holte ihr etwas zu essen das Naomi auf ihr bitten hin auch aß und ließ sie dann allein.
Naomi war dankbar dafür, denn erst durch die Worte Lessas, es gäbe keine weiteren Überlebenden, kam für Naomi die schreckliche Gewißheit, daß sie von nun an allein sein würde. Sie dachte an Icheb, mit dem sie erst seit einigen Tagen zusammen gewesen war, an den Captain und Chakotay, die nun wenigstens im Tode vereint waren, B'Elanna und Tom, die in einigen Monaten Eltern geworden wären…
Naomi weinte eine Zeit, doch dann besann sie sich auf sich selbst. Es mußte für sie irgendwie weitergehen. Wo war sie eigentlich? Lessa hatte den Planeten "Pern" genannt, auf Pern würde sie also für den Rest ihres Lebens bleiben. Und wie war sie überhaupt in diesen… wie hatte Manora es genannt? Weyr – wie war sie überhaupt in diesen Weyr gekommen? Die Neugierde wurde immer stärker und sie entschloß sich zu einem Rundgang. Manora, Mirrim und Lessa waren sehr freundlich zu ihr und dafür war Naomi dankbar. Außerdem verspürte sie den Wunsch sich bei ihrem Lebensretter zu bedanken.
Sie öffnete die Tür und begriff jetzt erst, daß sie sich in einem Berg befand, der von Höhlen und Gängen durchsetzt war. Sie wußte nicht, ob sie den Weg zu ihrem Zimmer wieder finden würde und blieb zögernd in der Tür stehen. Auf einmal sah sie Mirrim zu ihr herüberlaufen.
"Naomi!" rief sie und winkte. Naomi lächelte und war unendlich dankbar, daß sich Mirrim anscheinend um sie speziell kümmerte.
"Ach, da bin ich aber froh, daß ich dich noch erwische, als Path sagte, du wärst zur Tür heraus dachte ich schon, ich würde dich verpassen."
"Path?" fragte Naomi. Sie konnte sich nicht daran erinnern jemanden gesehen zu haben, der Mirrim so schnell hätte Bescheid geben können.
Auf einmal zerriß ein lautes Zirpen die Luft und Naomi hörte etwas flattern. Das Etwas kam auf einmal hinter ihr aus ihrer Kammer geschossen, flog einen Kreis und landete dann auf Mirrims Schulter.
Naomi erschrak und machte unwillkürlich einen Schritt nach hinten. Das, was auf der Schulter von Mirrim gelandet war sah aus wie eine Echse mit Flügeln und einem merkwürdig lagen Hals auf dem ein fast dreieckiger Kopf ruhte.
"Was… was ist das?" fragte Naomi etwas ängstlich.
Mirrim drehte den Kopf zu dem Wesen und schalt es dann tüchtig aus.
"Tolly! Wie kannst du nur so ein Geschrei machen und die arme Naomi erschrecken!"
Die Facettenaugen des kleinen Wesen kreisten erregt umher und dann vergrub es seinen Kopf in Mirrims Haar. Seinen Schwanz hatte es um ihren Hals geschlungen und jetzt jammerte es leise. Mirrim lachte und kraulte das Tier über den Augenwülsten.
"Ist schon gut Tolly, Naomi wird dir bestimmt verzeihen."
Daraufhin beruhigte sich das kleine Wesen etwas und beäugte nun Naomi.
"Das ist eine von meinen drei Feuerechsen. Warte mal…" sagte Mirrim und auf einmal hörte Naomi weitere Flügelschläge. Zwei grüne Feuerechsen kamen angeflogen und suchten ebenfalls einen Platz auf Mirrims Arm und der anderen Schulter.
"Die bronzene heißt Tolly, und die beiden grünen heißen Reppa und Lok. Keine Angst, sie würden nur gefährlich werden, wenn du sie oder mich angreifen würdest, aber sie sehen dich nicht als Bedrohung. Im Gegenteil, ich glaube, Lok hat ein Auge auf dich geworfen. Wenn du dich traust, kannst du ihn mal an den Augenwülsten streicheln, das mögen sie besonders gern."
Naomi trat wieder etwas an Mirrim heran, die drei Feuerechsen behielten sie genau im Auge. Ganz langsam streckte Naomi eine Hand nach Lok aus und freute sich, als Lok ihr seinen Kopf entgegenstreckte und deutlich machte, daß er gekrault werden wollte. Sie wurde mit einer Art Gurrlaut belohnt und lächelte.
"Hat hier jeder Feuerechsen von euch?" fragte sie, ohne aufzuhören Lok zu kraulen.
Mirrim lächelte verschmitzt. "Nein, nicht jeder, aber in dem Weyr sind die kleinen Feuerechsen auch eher selten im Gegensatz zu ihren Verwandten."
Naomi blickte verwirrt drein und Mirrim meinte: "Komm, ich stelle dir Path vor."
Dann ging sie los und Naomi folgte ihr. Mirrims Feuerechsen flatterten wieder woanders hin und was dann passierte sollte Naomi so schnell nicht vergessen. Mirrim öffnete eine Tür und Naomi stand auf einem großen Plateau am Rand des Berges und sah sich ihrem ersten Drachen gegenüber.
Fast wäre sie vor Schreck gefallen, doch Mirrim hielt sie am Arm fest.
"Keine Angst, das ist Path. Komm nur näher, sie erlaubt es dir."
Naomi bekam zuerst ihren Mund nicht zu, so ergriffen war sie von Path, doch als Path ihr langsam ihren Kopf entgegen streckte bekam sie etwas mehr Vertrauen in den riesigen Drachen.
Mirrim stand mit einem breiten Grinsen neben ihr und sagte: "Path meint, sie mag es auch wenn sie an den Augenwülsten gekrault wird."
Naomi sah Mirrim erstaunt an. "Heißt das, ihr… ihr verständigt euch irgendwie? Versteht sie mich auch?"
Mirrim und Path nickten, was bei einem großen, grünen Drachen doch etwas grotesk aussah.
Naomi trat an Path heran und strich über ihre Augenwülste wie sie es schon bei der kleinen Feuerechse getan hatte.
Path gab ein zufriedenes Summen von sich und schloß genüßlich die Augen. Mirrim mußte lachen als sie ihren großen Drachen sah der im Moment mehr Ähnlichkeit mit einem verwöhnten Schoßtier aufzeigte.
Während Naomi Path kraulte fragte sie Mirrim: "Ist… ist das dein… ähm… Haustier?" Naomi hatte eigentlich nicht vor, einen haushohen Drachen als Haustier zu bezeichnen, aber ein anderes Wort fiel ihr gerade nicht ein.
Path trompetete leise und Mirrim mußte erneut lachen. Naomi wich erschrocken einen Schritt zurück und sagte ängstlich: "Oh, ich wollte euch nicht beleidigen, es tut mir leid. Mir fiel nur gerade keine andere Umschreibung ein."
"Haha… tut mir leid Naomi, das klang gerade nur lustig. Nein, Path ist kein Haustier, ebensowenig wie die anderen Drachen. Die Drachen sind von unseren Vorfahren genetisch veränderte Feuerechsen und ohne Drachen und Drachenreiter wäre Pern verloren."
Mirrim konnte direkt das große Fragezeichen über Naomis Kopf leuchten sehen.
"Paß auf, was hältst du davon, wenn wir jetzt erst mal etwas essen gehen und ich erzähle dir dabei etwas über die Geschichte und das Leben von Pern?"
Naomi nickte und folgte Mirrim. An der Tür drehte sie sich noch einmal zu Path um und meinte: "Auf Wiedersehen. Hat mich gefreut, dich kennenzulernen."
Paths Augen schillerten in einem Blauton, dann legte sie sich wieder an den Rand des Plateaus und schlief ein.
"Sie hat es ebenfalls gefreut deine Bekanntschaft zu machen und freut sich schon auf einen Ausflug mit dir", übersetzte Mirrim. Naomi lächelte und zog dann die Tür hinter sich zu.

In einer großen Höhle war ein großer Speisesaal eingerichtet. Mirrim zog Naomi an einen etwas abgelegenen Tisch und holte für sie beide heißen Klah und etwas Brot mit Käse. Dann begann Mirrim zu erzählen:
"Vor einigen Jahrhunderten besiedelten unsere Vorfahren diesen Planeten und nannten ihn Pern. Sie landeten auf dem Süd-Kontinent und errichteten die erste Siedlung: Landing. Die Kolonistenschiffe wurden völlig leergeräumt und die Leute erschufen sich in Landing eine neue Heimat. Doch knapp 10 Jahre nach der Kolonisierung begannen auf einmal todbringende Sporen vom Himmel über Pern zu regnen, die alle organische Materie binnen Sekunden vernichteten. Doch einigen Siedlern war es vor einiger Zeit vor dem Sporenfall gelungen Feuerechsen an sich zu binden und diese Wesen vernichteten einen Großteil der Sporen mit ihrem Feueratem in der Luft und schützten so ihre Besitzer. Nach einigen Stunden war der Sporenregen vorbei und man fand heraus, daß der rote Stern im Orbit für dieses Phänomen verantwortlich war. Alle 200 Jahre nähert er sich auf seiner Ellipse Pern und jeweils 50 Jahre lang wird es über Pern im Abstand von einigen Tagen Sporen regnen. Unsere Vorfahren hatten durch die Echsen gelernt, daß die Sporen mit Feuer vernichtet werden konnten und ebenso gingen sie im Wasser ein. Sie nahmen also den Kampf gegen die Sporen auf. Während die meisten mit Flammenwerfern am Boden und Shuttles in der Luft gegen die Sporen kämpften, erschufen einige Wissenschaftler mit Hilfe von hochmoderner Gentechnik aus einigen Feuerechsen wesentlich größere Exemplare, die Drachen. Schnell fanden sie heraus, daß die Drachen an einen Menschen gebunden werden mußten, das geschieht bei einer Gegenüberstellung. Junge Drachen suchen sich ihren Partner aus und die telepathische Bindung hält ein Leben lang. Die Drachen wiesen erstaunliche Fähigkeiten auf, sie können telepathisch mit ihren Partnern und unter sich kommunizieren und sie können ins Dazwischen gehen."
"Dazwischen? Was ist das?" unterbrach Naomi sie.
"Die Drachen haben die Gabe uns innerhalb weniger Sekunden an andere Orte zu bringen, dazu tauchen sie in das Dazwischen ein. Dort ist es unglaublich kalt, man spürt nichts und dort ist auch nichts. Doch das kann man schwer erklären, wenn wir einen Ausflug mit Path machen, wirst du es erleben."
Naomi schluckte. Das hörte sich nicht gerade toll an, doch sie wollte erst den Rest der Geschichte erfahren, bevor sie noch Fragen stellen würde. So fuhr Mirrim fort:
"Ja, als die ersten genetisch veränderten Drachen also schlüpften und sie sich vermehrten, hatte Pern bald sein erstes Drachengeschwader. Im laufe der Jahre wurden es mehr und mehr Drachen mit ihren Reitern und man brauchte Platz. So entstanden bald die ersten Weyr, während die normalen Leute die vielen Berghöhlen zu Burgen ausbauten. Die Burgen verpflichteten sich Tribute an ihre jeweiligen Weyr zu zahlen und dafür würden die Drachenreiter gegen Sporen kämpfen und so die Perneser schützen weil sie natürlich nicht zur gleichen Zeit Sporen versengen und ein Handwerk lernen können. Und du bist gerade in einer Zeit gelandet, in der es Sporen regnet. Morgen steht uns der nächste Fädeneinfall bevor. Doch keine Sorge, die Fäden können Felsen nichts anhaben und die Geschwader fangen die Fäden schon in der Luft ab." Mirrim lehnte sich zurück, trank ihren Klah aus und betrachtete Naomis Gesicht. Das Mädchen war anscheinend völlig fasziniert von ihrer Erzählung. Dann wollte Naomi genaueres über die Drachen wissen, ob jeder einen Drachen für sich gewinnen könne (das verneinte Mirrim, denn jedes Jahr wurden explizit Kandidaten aus den Weyrn, Burgen und Gehöften ausgesucht), welche verschiedenen Farben die Drachen hätten, worin der Unterschied bestehen würde und so weiter. Mirrim und Naomi saßen noch lange zusammen und redeten, und Mirrim war froh als sie feststellte, daß Naomi den Eindruck machte diese Welt zu mögen. Schließlich mußte sie von nun an hier leben.
Und tatsächlich war es dann auch so.

Abschied von der Familie

In den nächsten Monaten lernte Naomi das Leben im Weyr kennen und schätzen. Sie traf auf Angehörige von verschiedenen Gilden und, worauf sie am stolzesten war, auf Meister Robinton, den Meisterharfner von Pern.
Sie liebte die Musik, die die Harfner stets weitergaben und lernte selbst einige Balladen. Bald kannte sie auch die Namen sämtlicher Bewohner des Benden-Weyrs und die Namen der Drachen.
Sie selbst half bei allen anfallenden Arbeiten im Weyr mit und nicht selten saß sie mit Lessa, F'lar, Mirrim, Manora, Meister Robinton und seinen Gesellen Sebell und Menolly zusammen und erzählte von ihren Reisen durch das All und die fremden Spezies, die sie getroffen hatten.
Es hatte lange gedauert bis sie an die Voyager und vor allem Icheb denken konnte ohne dabei weinen zu müssen. Und eines Tages beschloß sie, an die Stelle zurückzukehren, an der die Voyager mit ihrer Crew die letzte Ruhe gefunden hatte.
Das sagte sie später auch Mirrim, die, ohne daß Naomi es wußte, zu Lessa ging und sie bat mit Naomi dorthin fliegen zu dürfen. Lessa gab ihr Einverständnis unter der Bedingung auch T'qran mitzunehmen. Zu ihm hatte Naomi eine ebenso intensive Freundschaft aufgebaut, genauso wie zu Mirrim und Manora.
So ging Mirrim dann zu Naomis Zimmer und berichtete ihr von ihrem Gespräch mit Lessa. Es würde Naomis erster Ritt auf einem Drachen werden und Mirrim freute sich schon auf Naomis Gesicht.
"Naomi!" rief sie laut, als sie durch die Tür kam. "Naomi!!!!"
Vor Schreck, es könnte etwas passiert sein kam Naomi angerannt. "Mirrim, was ist passiert?" fragte sie erschrocken.
"Naomi, bist du bereit für deinen ersten großen Ausflug?" Mirrims Augen leuchteten und als Naomi begriff, was ihre Freundin meinte, riß auch sie ihre Augen weit auf und fragte atemlos: "Wirklich? Ich darf auf einem Drachen reiten?"
Nicht auf irgendeinem, auf mir", klang Paths Stimme in Mirrims Kopf.
"Du darfst mit mir auf Path reiten. Und T'qran komm auch mit auf seinem Branth."
"Ich… ich weiß gar nicht, was ich sagen soll… wann fliegen wir los?"
"Sobald du fertig angezogen bist."
"Aber, brauche ich für das Dazwischen nicht Wehrlederkleidung?" fragte Naomi nun etwas unsicher.
In dem Moment betrat Manora die Kammer, in den Händen trug sie ein Kleiderbündel.
"Uff, das hier ist für dich Naomi, probier es mal an."
Naomi war sprachlos. Schnell entfaltete sie das Bündel und wenig später stand sie in voller Reitmontur vor den beiden Frauen.
"Hm, deine Haare sind so lang, für den Helm ist das unpraktisch", bemängelte Mirrim, denn alle Drachenreiterinnen hatten kurze Harre damit sie besser unter den Helm paßten.
"Ach, das kriegen wir schon hin", meinte Manora sofort und steckte geschickt Naomis Haare hoch, so daß der Helm ohne weiteres paßte.
"Na bitte, geht doch."
"Na, seid ihr endlich fertig? Branth und Path warten schon ungeduldig, ebenso deine Echsen Mirrim." T'qran stand abflugbereit in der Tür.
"Alles klar", meinte Mirrim und die drei liefen los zum Rand des Weyrs.
"Mirrim, wohin fliegen wir?" fragte Naomi.
"An den Ort, an den du nun bereit bist wieder zurückzukehren", sagte Mirrim vorsichtig und drückte Naomis Hand.
Das Mädchen schluckte und war dankbar für Mirrims Geste. Nun war es also soweit: Ihr erster Ritt auf einem Drachen und dann an den Ort, an dem ihre Reise auf tragische Weise ein Ende genommen hatte.
Als sie bei Path und Branth ankamen, zögerte Naomi. War sie wirklich schon soweit? Doch als sie Paths glühende Augen sah, die, wie Naomi inzwischen deuten konnte, Freude und Ungeduld ausdrückten, schob sie ihre Zweifel beiseite und ließ sich von Mirrim auf Path helfen. Dann saß auch schon Mirrim hinter ihr und Naomi spürte, wie Path ihre Muskeln anspannte und sich zum Sprung bereit machte.
Und dann fiel der Drache in die Tiefe. Mirrims lauthals schnatternde Echsen umschwirrten sie und Naomi klammerte sich ängstlich an Paths Nacken fest, doch der Fall dauerte nur ein paar Sekunden. Dann hatte Path ihre Schwingen ausgebreitet und sie flogen hoch über dem Weyr.
"Path fragt, wie es dir gefällt!" rief Mirrim ihr ans Ohr. Durch den pfeifenden Wind um sie herum mußte sie rufen.
"Es ist unheimlich toll! Wann gehen wir ins Dazwischen?"
"Wenn du dazu bereit bist. Denke dran, du wirst nichts fühlen können, nicht atmen und es ist eiskalt und dunkel. Du wirst nur dein Herz klopfen hören. Zähle die Schläge. Es wird nur einen Herzschlag dauern. Und hab keine Angst. Bist du bereit?"
Naomi gab erst nach einigen Sekunden Antwort.
"Auf geht's, Path!" rief sie und eine Sekunden später spürte sie eine unglaubliche Kälte. Panik quoll in ihr hoch und sie wollte schreien, doch kein Laut kam über ihre Lippen.
Und dann war es vorbei. Die Sonne schien warm auf sie herunter und Naomi konnte unter sich den Südkontinent sehen.
"Alles klar Naomi?" rief Mirrim.
Naomi nickte. Da, jetzt kam die große Ebene in Sicht, an der das Schiff explodiert war. Erinnerungen an den Feuerball kamen in ihr hoch und sie hatte alle Mühe ihre Emotionen unter Kontrolle zu halten.
Path und Branth flogen in Spiralen immer tiefer zur Ebene und landeten dann sanft im Gras. Nachdem die Reiter abgestiegen waren entledigten sie sich erst einmal ihrer Reitmontur, denn im Süden war es viel Wärmer als im Weyr.
Mirrim gestattete ihren Echsen im Wasser zu planschen und sie und T'qran begleiteten Naomi zur Unglücksstelle um dann respektvollen Abstand zu halten.
Langsam ging Naomi weiter. Hier und dort lag noch ein Trümmerstück herum, das im hohen Gras wohl übersehen worden war und die ganz kleinen Teile hatte man liegenlassen.
Ein Stück vor ihr sah Naomi im Gras ein funkeln. Sie ging näher, bückte sich und fand einen Communicator im Gras. Langsam strich sie über die glatte Oberfläche und kämpfte mit aufsteigenden Tränen. Denn dort, wo der Communicator gelegen hatte sah sie noch etwas anderes.
Naomi hob mit zitternden Fingern einen Ring auf und fing dann an zu weinen. Mirrim kam auf sie zugeeilt und nahm sie tröstend in die Arme.
"Das… das ist der Ring… den… den Icheb… mir zu meinem… 16. Geburtstag geschenkt hatte…" schluchzte Naomi.
Mirrim wußte nicht, was sie sagen sollte, daher hielt sie Naomi einfach fest an sich gedrückt.
Nach einer Weile beruhigte sie sich wieder und T'qran reichte ihr ein Tuch um sich die Tränen zu trocknen und die Nase zu putzen. Dann zeigte sie ihren Freunden den Cladagh Ring und erzählte, wie sehr sie Icheb gemocht hatte und ihn vermißte.
Mirrim, T'qran und die beiden Drachen, die auch zuhörten, waren zutiefst gerührt und trauerten mit Naomi. Und als Naomi die beiden bat, sie noch einen Moment allein zu lassen hatten Mirrim und T'qran keine Einwände und liefen langsam zurück zu ihren Drachen.
Naomi ging noch weiter das Feld ab aber außer Trümmern fand sie nichts mehr. Den Ring trug sie am rechten Finger, die Herzspitze diesmal von ihrem Körper weg gerichtet und den Communicator hatte sie sich in die Tasche gesteckt.
Schließlich kniete sie sich hin und nahm endgültig Abschied von ihrer Familie und ihren Freunden. Danach fühlte sie sich seltsamerweise erleichtert und ging dann recht forschen Schrittes zurück zu den Drachen und ihren Freunden.
"Laßt uns heim fliegen, okay?" bat sie und Mirrim und T'qran nickten.
Dann zogen sie rasch ihre Flugmonturen wieder an und befanden sich ein paar Minuten später schon wieder im Dazwischen und tauchten über dem Benden-Weyr wieder auf.
Ramoth, die Königin von Lessa, trompetete zur Begrüßung und die anderen Drachen stimmten ein.
Als sie sicher wieder gelandet waren bedankte sich Naomi bei Path und Mirrim für den Flug und bei T'qran und Branth dafür, daß sie mitgekommen waren.
Inzwischen war es auch Abend geworden und nach einem Bad nahm Naomi das Abendessen seit langer Zeit wieder in ihrem Zimmer ein um die Ereignisse des Tages in Ruhe Revue passieren zu lassen. Nachdenklich betrachtete sie den Ring, den sie in den Trümmern gefunden hatte und dachte an Icheb. Es hätte sicher gewollt, daß sie nicht ewig trauern sollte sondern lieber die Erinnerung an ihn und die anderen im Herzen tragen sollte. Als ihre Mutter in dem Shuttle vor einigen Jahren umgekommen war, hatte sie auch ihr Leben weitergelebt, was aber nicht bedeutete, daß sie ihre Mutter je vergessen hätte. Sie lebte als Teil von ihr in ihr weiter, ebenso seit einiger Zeit Icheb und die Crew. Mit einem Lächeln schlief sie schließlich ein.

Naomi und Alith

Am nächsten Tag stand ein Sporeneinfall bevor und die Geschwader stiegen auf um über Keroon die Fäden zu vernichten, bevor sie die Burg erreichen würden.
Naomi hatte an diesem Tag nicht viel zu tun, zum Glück wurden nur zwei Drachen und ein Reiter von den Fäden versengt und die Verbrennungen konnte Manora mit Hilfe von Taubkraut schnell behandeln. Die Drachen würden nur für ein paar Tage ausfallen, daher verlief der Tag im Benden-Weyr sehr ruhig.
Erst gegen Abend gab es wieder einige Aufregungen weil der Meisterharfner sich angekündigt hatte und Manora und Mirrim in der Küche schnell alles für ein kleines Festmahl organisierten.
Meister Robinton traf mit F'nor auf Canth ein, als Überraschungsgäste hatte er seine Gesellen Sebell und Menolly mitgebracht.
Die drei verschwanden sofort mit F'lar und F'nor in Lessas Büro und kamen die nächsten zwei Stunden nicht mehr hinaus.
Doch wie jede Besprechung endete auch diese irgendwann und der Rest der Nacht wurde mit zünftigen Liedern, viel Wein und Essen gefeiert.

Erst am nächsten Morgen erfuhr Naomi, daß der Besuch des Meisterharfners mit dem Südkontinent zu tun hatte und den Alten. So wurden die Drachenreiter genannt, die aus der Vergangenheit kamen und nach einigen Planetenumläufen nicht die Herrschaft des Benden-Weyr anerkannt hatten und in den Süd-Weyr verbannt wurden.
Zum Glück waren es nicht so viele, doch nun fingen die Alten aus dem Süden an, Plünderungen und unerlaubte Tauschhandel im Norden zu führen.
Mirrim hatte Naomi gesagt, sie solle sich keine Sorgen machen, Meister Robinton und die Weyr Führer würden sich schon um die ganze Angelegenheit kümmern.
Und selbst wenn Naomi sich darüber Gedanken hätte machen wollen, ein viel größeres und schönes Ereignis lenkte sie mit ihren Gedanken von den Alten und dem Südkontinent ab – Lessas Ramoth kam in Hitze und Naomi erlebte zum ersten Mal einen Paarungsflug eines Drachen mit. Hier war es sogar die Drachenkönigin. Natürlich wurde die von ihrem Gefährten Mnementh wieder erobert und schon bald darauf reifte im Benden-Weyr ein großes Gelege heran – sogar mit einem Königinnen Ei.
Die Bewohner des Weyrs waren ganz aus dem Häuschen vor Freude und Naomi ließ sich von der allgemeinen Heiterkeit anstecken.

Mit der Zeit wurden die Eier in Ramoths Gelege immer härter und es rückte die nächste Gegenüberstellung heran. Die Kandidaten wurden auf ganz Pern gesucht und viele kamen auch aus dem Weyr.
Dann war der Tag gekommen. Die Besucher strömten herbei, es herrschte ein reger Flugverkehr. Naomi wunderte sich nur, daß die Drachen in der Luft nicht zusammenstießen.
Die Brutstätte füllte sich schnell mit den Zuschauern, die Kandidaten standen in unmittelbarer Nähe der Eier. Lediglich das Königinnenei lag abseits und um es herum standen 6 Kandidatinnen.
Naomi sah in der Zuschauermenge Meister Robinton mit Menolly und Sebell, Baron Jaxom saß mit seinem Vormund, dem ehemaligen Drachenreiter Lytol da, Baron Groghe erkannte sie auch unter den Gästen und einige andere.
Und dann fingen die Drachen auf einmal an zu summen, erst ganz leise, dann wurde es immer lauter.
Manora hatte Naomi erklärt, daß die Drachen bei jeder Geburt anfingen zu summen und zwar kurz vorher.
Es wurde still im Weyr und alle beobachteten gebannt das Gelege. Und dann knackte es und das erste Ei platzte auf. Ein kleiner grüner Drache kämpfte sich aus seiner Schale und watschelte dann recht unbeholfen auf einen Jungen zu. Die erste Bindung zwischen Drachen und Reiter war eingegangen. Der Junge konnte sein Glück kaum fassen und seine Familie brach in Jubel aus.
Und dann ging es Drache auf Drache. Insgesamt schlüpften 15 Bronzene,12 Grüne und 10 Braune.
Als alle Drachen geschlüpft waren und die Erwählten mit ihren neuen Gefährten die Brutstätte verlassen hatten schwoll das Summen der übrigen Drachen wieder an – das Königinnenei begann zu springen.
Naomi saß direkt hinter den Kandidatinnen und konnte das Ei so perfekt sehen. Sie war sehr aufgeregt, wer von den sechs Mädchen die kleine Königin für sich gewinnen würde.
Dann brach die Schale auf und eine zeternde, kleine Drachengestalt plumpste in den Sand. Es sah die Mädchen an und jammerte dann kläglich. Eine der Kandidatinnen kam auf die kleine Königin zugelaufen und wollte ihr helfen, doch der kleine Drachen zeterte nur und watschelte an ihr vorbei – direkt auf die Zuschauer.
Es herrschte totale Stille. So etwas war bisher nur einmal vorgekommen, daß ein Drache keinen der Kandidaten haben wollte.
"Scheinbar hat sich die Königin jemand von den Zuschauern ausgeguckt", meinte Robinton leise zu Menolly.
Gebannt verfolgten die Leute, wen sich die kleine Königin auserkoren hatte und dann passierte etwas, mit dem keiner im entferntesten gerechnet hatte. Der kleine Drachen lief direkt auf Naomi zu.
Völlig fassungslos beugte sich Naomi zu dem kleinen Wesen herunter, sah ihr in die Augen und sagte dann: "Ihr… ihr Name ist Alith."
Lessa und F’lar sahen sich überrascht an, im Kessel war totenstille. Alles sah zu Naomi und der goldenen Königin, die nun kläglich anfing zu jammern.
Das riß endlich die Stille auseinander und Lessa und F’lar gingen sofort zu Naomi und Alith um ihr zu zeigen, was sie als nächstes zu tun hatte.
"Komm Naomi, Du musst Alith füttern…" Lessa nahm sie sanft am Arm und führte sie aus der Brutstätte hinaus.
Alith watschelte hinter ihnen her und verkündete laut ihren Hunger.
Als Naomi mit Alith, Lessa, F'lar und den anderen frischgebackenen Drachenreitern die Stätte verlassen hatte, entbrannten unter den Besuchern die Diskussionen über den unglaublichen Vorfall von gerade eben.
Lediglich Mirrim, Menolly, Sebell und Meister Robinton sahen sich mit glücklichen Gesichtern an.
"Etwas besseres hätte Naomi nicht passieren können", meinte Mirrim und die anderen drei stimmten ihr herzlich zu.

Unterdessen fütterten die Jungreiter zum ersten Mal ihre Drachen. Es standen für jeden eine große Schüssel mit kleingeschnittenem, rohem Fleisch da und die Drachen verschlangen gierig jeden Bissen. Danach wurden sie in die Stätte für Jungreiter gebracht und schliefen dort ein. Sie würde bestimmt bis morgen schlafen, erklärte Lessa, was den jungen Leuten die Möglichkeit gab nun an dem Fest in den oberen Gewölben teilzunehmen.
Naomi wartete, bis die anderen einen Vorsprung hatten und sagte dann zu Lessa: "Lessa, ich… ich schwöre, ich habe nichts getan… sie sah mich nur an und dann war die Stimme in meinem Kopf und…"
"Ganz ruhig Naomi", meinte Lessa lachend, "wir wissen, daß dich keine Schuld trifft, Alith hat dich erwählt und darüber kannst du sehr glücklich und stolz sein mein Liebes."
"Das bin ich auch, und ich liebe Alith, ich würde sie nicht mehr hergeben." Naomis Augen bekamen einen glasigen Blick als sie von Alith sprach.
"Und Alith liebt dich genauso, sie wird dich nie verlassen. Ich seid das ganze Leben lang nun aneinander gebunden."
Lessa führte Naomi nach oben und nahm sie mit an den Tisch an dem schon Robinton, Menolly, Sebell, Mirrim und F'lar saßen. Die anderen beglückwünschten Naomi zu Alith und den Rest des Abends wurde einfach nur noch gefeiert.

Früh am nächsten Morgen, Naomi hatte mit den anderen "Jungdrachenreitern" in einer Unterkunft übernachtet, wurde sie durch Eimerklappern und die ersten Schreie der Drachen geweckt.
Ich habe Hunger!" hörte Naomi Aliths Stimme und war sofort hellwach.
"Na, da kommen wir ja genau richtig", meinte T'sel, der mit P'llomar jeweils zwei große Eimer mit frischen Fleischbrocken hereintrug.
"Aber diesen Lieferservice bekommt ihr ausnahmsweise nur heute, ab morgen müßt ihr Euch selber die Fleischstücken besorgen und zurechtschneiden!"
Dankbar gingen die Jungreiter mit ihren Schüsseln an die Eimer und holten für ihre Lieblinge Fleischbrocken.
Als die Drachen beim Fressen waren verkündete P'llomar: "Wenn Eure Drachen satt sind, dann zeigen wir Euch wie ihr sie abschrubben und einölen müßt."
Ein recht kleiner Junge, der bis zum gestrigen Tag mit Drachen noch gar nichts zu tun gehabt hatte fragte: "Warum müssen sie eingeölt werden?"
"Die Haut der Drachen wird schnell austrocknen und Risse bekommen, gerade jetzt, wo sie so schnell wachsen. Ihr müßt sie mindestens einmal am Tag einölen, besser wäre noch mehrmals, wenn sie ausgewachsen sind dann reicht ein- bis dreimal pro Woche. Und das Fressen können Sie sich dann auch selber beschaffen."
Kurze Zeit später standen alle am kleinen Weyr-See und sahen T'sels grünem Trenth zu, wie er sich genüßlich von seinem Partner abschrubben und hinterher einölen ließ. Dann begannen die Jungreiter mit Hilfe von den beiden alteingesessenen Drachenreitern ihren Drachen die gleiche Behandlung zu verabreichen.
Naomi war mit ihrer Alith völlig in Gedanken versunken und massierte ihre Haut gründlichst mit dem Öl ein.
Alith genoß es in vollen Zügen und Naomi dachte zum x-ten Mal an diesem Tage, was für ein unglaubliches Glück sie hatte von Alith ausgewählt worden zu sein.
Nach der Badestunde legten sich die jungen Drachen in die Sonne und schliefen, während die zukünftigen Drachenreiter in der Küche in der Fleischzubereitung unterwiesen wurden. Es war wichtig daß sie wußten, wo sie das Fleisch für die Drachen finden würde und wie groß die Stücke maximal sein durften.
Den Tag über hatten sie nichts anderes zu tun als Fleisch zu würfeln, es ihren Drachen zu geben und sich um sie zu kümmern. Abends wurden dann schon die Fleischstücke für den Morgen vorbereitet und Naomi war dankbar, als sie nur noch aufs Bett fiel. Die Pflege eines kleinen Drachen war doch ganz schön anstrengend.
Bevor sie einschlief dachte sie noch darüber nach, warum Alith sie auch weiterhin "Naomi" nannte, während alle anderen Jungreiter abgekürzte Namen erhalten hatten, wie es auch eigentlich üblich war.
Naomi ist auch so schon kurz genug und es ist ein Name einer anderen Welt. Er klingt schön und deshalb bleibt er auch so.
Naomi sah dankbar und gerührt zu ihrer Gefährtin hin, die sie mit einem halb offenem Auge anblickte. Sie lächelte ihren Drachen an dann schlossen beide die Augen und schliefen ein.

Die nächsten Wochen hatten Naomi und die anderen Jungreiter fast keine Minute mehr für sich. Ihre Drachen hatten einen fast unbändigen Hunger und wuchsen sehr schnell heran. Und eines Tages war es dann soweit, die ersten Jungdrachen konnten jetzt auch mit ihren Reitern aufsteigen.
Komm, laß uns eine Runde fliegen, bat Alith doch Naomi stand noch etwas zögernd vor ihr. "Schaffst Du es denn schon mich zu tragen?"
Alith blickte ein wenig beleidigt.
Ich bin einer der stärksten Drachen hier, brüstete sie sich, und dank deiner guten Pflege könnte ich sogar noch einen anderen tragen!
Naomi mußte lachen und stieg dann auf Aliths Rücken. Die Wherlederkleidung würde sie nicht brauchen, denn kein Jungdrache durfte ohne Ausbildung ins Dazwischen gehen.
Als Naomi auf Alith saß spannte diese ihre Hinterbeine an und stieß sich ab. Einen Moment lang fielen sie scheinbar unaufhaltsam dem Kesselboden entgegen, doch dann spreizte Alith ihre Schwingen und äußerst elegant stieg sie in immer höher werdenden Spiralen auf.
"Alith!!! Meine Liebe, du bist die Beste!!!" jauchzte Naomi auf ihrem Rücken.
Natürlich bin ich das, die beste Königin für die beste Kandidatin.
Naomi sandte ihr liebevolle Gedanken.
Nach einigen Minuten landetet Alith mit Naomi wieder unbeschadet auf ihrem Plateau und meinte dann: Und jetzt wäre ein Wherri nicht schlecht, oder vielleicht auch zwei…
Naomi tätschelte lachend die Nackenwülste ihrer Alith. Geh nur, meine Liebe, friß Dich satt und anschließend wirst du abgeschrubbt und eingeölt. Das hast du dir heute redlich verdient."
Schon war Alith im Sturzflug unterwegs und riß zwei große Böcke.
Viel später, nachdem Naomi sie eingeölt hatte schlief sie auf dem Plateau ein.
Naomi nutze die Gelegenheit um sich mal wieder mit Mirrim zu unterhalten.
Die beiden Frauen trafen sich in den unteren Höhlen und tauschten neue Ereignisse aus.
Naomi erzählte von den Fortschritten ihrer Alith und Mirrim offenbarte, daß sie und Path in nächster Zeit in den Ost-Weyr wechseln würden. Naomi war zwar bestürzt, daß ihre Freundin in einen anderen Weyr gehen würde, aber Mirrim tröstete sie damit, daß sie sich ja jederzeit sehen konnten, denn beide waren nun Drachenreiter und konnten die Entfernung der beiden Weyr in Momenten überbrücken.
Naomi nickte und schenkte ihrer Freundin ein Lächeln.
Wenn Mirrim tatsächlich den Benden-Weyr verließ war Naomi eh mit Arbeit überhäuft und hätte genug Ablenkung. Die Ausbildung der Drachenreiter sollte nun beginnen und außerdem hatte sie ihre Alith.
Und so kam es dann auch, schon wenige Tage später verabschiedeten sich Mirrim und Path um fortan im Ost-Weyr zu leben.
Naomi und die anderen Jungreiter hatten mit der Kampfausbildung gegen die Fäden begonnen und die ersten Übungen bestanden darin sich auf die Flüge ins Dazwischen vorzubereiten. Dazu mußte jeder Drachenreiter ein genaues Bild von seinem Ziel im Kopf haben und es dem Drachen übermitteln, der dann dorthin fliegen konnte. Im Benden-Weyr gab es eine Art große Sonnenuhr (zumindest sah es für Naomi so aus) und als die Jungreiter sich dieses Bild genau eingeprägt hatten, flogen sie in kleinen Gruppen einige Kilometer von Benden weg und sollten dann nacheinander ins Dazwischen gehen und an dieser Sonnenuhr auftauchen.
Als Naomi an der Reihe war hatte sie doch etwas Angst, sie könne sich das Bild vielleicht nicht richtig eingeprägt haben, doch Alith beruhigte sie.
Dein Bild ist richtig, ich erkenne es und weiß, wohin ich muß. Entspann dich und genieß den Ritt. Es ist alles in Ordnung.
Und damit verschwanden die beiden auch schon um Sekunden später über dem Benden-Weyr wieder aufzutauchen. Naomi schnappte nach Luft. Auch wenn sie schon einmal im Dazwischen gewesen war, es war auch beim zweiten Mal eine Überraschung.
Alith landete auf dem Plateau und beide wurden von den anderen Jungreitern, die ebenfalls den Sprung schon hinter sich hatten, begeistert begrüßt.

Die Katastrophe

In den nächsten Wochen wurden diese Sprünge ins Dazwischen bis zum Umfallen geübt. Nichts war wichtiger beim Kampf gegen die Sporen als das Abtauchen ins Dazwischen wenn die Fäden zu nahe waren. Und sollte ein Drache oder sein Reiter von den Fäden sogar selbst getroffen werden, dann war die einzige Chance ein Sprung ins Dazwischen, denn dort würden die Fäden gefrieren und konnte keine weiteren Schäden an Drache oder Reiter anrichten.
Natürlich mußten die Reiter ständig ein Bild ihren Drachen übermitteln, bevor diese Abtauchten. Tat er es nicht und der Drache wußte nicht, wo er hin sollte, dann würden sie einfach im Dazwischen bleiben und sterben.
Das passierte auch, wenn ein Reiter eines Drachen starb. Der Drache ging ins Dazwischen, denn er konnte und wollte ohne seinen Reiter nicht mehr leben.
Gelegentlich suchten auch Drache und Reiter den Tod, wenn einer oder beide von Fäden zu schwer verbrannt waren.
Und jedes Mal, wenn ein Drache starb, ertönten in ganz Pern die Klagelaute der Drachen.
Doch daran wollte Naomi gar nicht denken, sie hatte von Benden den festen Bezugspunkt in ihrem Kopf und ebenso Alith. Geübt wurde natürlich auch ein Sprung von Benden aus. Naomi war dazu auf Alith lange über die Landschaft geflogen und hatte so einen Teil von Pern kennengelernt. Die anderen Jungreiter hatten natürlich den Vorteil auf Pern aufgewachsen zu sein und viel mehr Orte zu kennen. Naomi störte dies jedoch nicht, sie genoß die langen Flüge auf Aliths Rücken.

Noch einige Wochen später hatten die Jungreiter und ihre Drachen die Ausbildung abgeschlossen und sollten am nächsten Tag das erst mal in Geschwadern gegen die Fäden mitfliegen. Jetzt würde Naomi das erste Mal Fäden richtig sehen und sie vernichten können. Sie überprüfte am Abend gewissenhaft ihre Ausrüstung und legte sich dann früh schlafen, damit sie am Morgen auch ausgeruht war.

Doch noch lange bevor der Morgen graute, sollte abermals in Naomis Leben eine grundlegende Veränderung stattfinden.
Naomi war vor einer knappen Stunde eingeschlafen, als Alith sie weckte.
Naomi, komm schnell, etwas stimmt nicht mit dem Himmel!
Sofort war Naomi hellwach und eilte nach draußen zu Alith. Diese sah besorgt in die klare Nacht und als Naomi ihrem Blick folge, stockte ihr der Atem.
Sie sah mehrere Feuerbälle herankommen, starrte einen Moment fassungslos hin und konnte gar nicht fassen, daß das passieren sollte. Die Chance, daß Meteoriten einen Planeten trafen waren 1:1.000.000! Aber dieser Schock dauerte nur einen Moment und Naomi handelte. Sie wußte sofort, in was für einer Gefahr sie schwebten.
"Alith!!! Schnell, sag den anderen Drachen Bescheid, sie müssen alle warnen und hier weg, schnell! Das sind Meteoriten, wenn die hier einschlagen bleiben nur noch große Krater!"
Naomi hörte fast im gleichen Moment von überall her Drachen trompeten, aufgescheuchte Reiter kamen noch im Nachtgewand herausgestürzt um zu sehen, was passiert war.
"Schnell, du mußt den Drachen sagen, daß sie ihre Reiter unbedingt von hier wegbringen müssen, wir haben nur noch Sekunden!!!"
Naomi sprang auf Aliths Rücken und war sofort in der Luft. Naomi konnte schon das pfeifende Geräusch der herannahende Meteoriten hören und schrie so laut sie konnte in den Kessel: "Schnell, ihr müßt weg!! Los doch! In ein paar Sekunden wird hier nichts mehr übrig sein!"
Naomi sah mit Entsetzen, daß der Großteil es gar nicht schaffen würde zu entkommen, denn ihre Drachen waren zu weit entfernt um sie rechtzeitig zu erreichen und nur ein paar Glückliche konnten sich auf die Rücken ihrer Gefährten schwingen und tauchten sofort ins Dazwischen. Naomi wartete bis zum letzten Augenblick bevor sie und Alith dem Inferno entkamen.
Kilometerweit entfernt tauchten sie wieder auf und noch bevor sie die den Einschlag sahen, konnten sie das ohrenbetäubende Donnern hören. Sofort darauf heulte Alith furchtbar auf – zu viele waren gerade getötet worden.
Naomi ließ ihren Tränen freien Lauf und starrte auf die großen Staubwolken, die sich über den Einschlaggebieten ausbreiteten. Drei oder vier große Gesteinsbrocken waren auf Pern niedergegangen und hatten Krater von bestimmt mehreren Kilometern Durchmesser auf der Planetenoberfläche hinterlassen.
Naomi konnte es nicht glauben.
"Wir müssen nach Überlebenden suchen", sagte sie tonlos und Alith flog los.
Von allen Seiten sahen sie nun Drachen mit ihren Reitern heranfliegen und sich an der Suche beteiligen. Aus allen Weyrn trafen Geschwader ein um bei der Suche zu helfen. Doch sie hatten die Hoffnung bald aufgegeben, denn der Benden-Weyr sowie Burg Benden und viele kleine Landkreise waren völlig ausradiert worden.
Allen stand die Unfaßbarkeit ins Gesicht geschrieben und die Überlebenden aus Benden (mit Naomi waren das nur ein knappes Dutzend Reiter mit ihren Drachen) wurden nach Fort-Weyr gebracht, wo sie sich ausruhen sollten.
Naomi saß bei Alith, neben ihr F'lessan, der Sohn von Lessa und F'lar, die beide nicht mehr rechtzeitig entkommen waren.
"Wenn die Voyager nur hier gewesen wäre, sie hätte die Meteoriten im Orbit noch vernichten können", sagte Naomi leise und weinte noch heftiger.
F'lessan legte ihr seinen Arm um die schmalen Schultern. Auch ihm standen Tränen in den Augen über den Verlust seiner Eltern und allen anderen.
F'lessans Golanth saß hinter Alith und seine Augen fingen aufgeregt an zu kreisen. Alith blickte ihn überrascht und erschrocken an und wandte sich dann an ihre Reiterin.
Naomi, es gibt noch Hoffnung. Golanth hat mir gerade etwas anvertraut, das ich bisher noch nicht wußte…
Bei diesen Worten horchte Naomi auf.
"Was, was ist es Alith?" Naomi klang nicht überzeugt, daß sie irgend etwas noch tun konnte. Es war zu spät, alle waren tot.
Doch dann gab Alith das Gesagte weiter und in Naomis Gesicht machte sich Angst, Hoffnung und Überraschung breit. Sie sah F'lessan an.
"Stimmt es, daß die Drachen Zeitsprünge machen können?" fragte sie.
F'lessan blickte sie überrascht an. "Ja… das stimmt, aber…"
Naomi schlug sich die Hand vor die Stirn.
"Ich Idiot, als Meister Robinton damals in dem Büro mit Lessa und F'lar die Unterredung hatten, als es um die Alten ging habe ich nicht weiter nachgedacht. Mirrim meinte tatsächlich die Vergangenheit, und ich dachte, es wäre wieder ein mißverständlicher Begriff für mich wie Siebenspannen und Planetenumläufe. Ich dachte, sie meinte ein paar Jahre! Aber es waren eher Jahrhunderte, oder?"
F'lessan sah sie etwas verwirrt an, nickte dann aber.
"Aber was nützt es Naomi, wir können die Meteoriten nicht ablenken…" F'lessans Mine erhellte sich: "Aber wir könnten alle rechtzeitig wegschaffen! Warum ist mir das nicht eingefallen?"
Naomi stand mit steinerner Mine da und sagte: "Nein."
F'lessan schaute sie groß an. "Nein? Was soll das heißen, nein?"
"Ich habe eine bessere Idee. Wir können die Meteoriten vernichten."
"Wie soll das gehen?"
"Wir werden nicht einen oder zwei Tage zurückspringen. Wir werden einige Monate zurückgehen - und die Voyager retten."

Ein gewagter Plan

"Das ist nicht ganz ungefährlich", sagte Meister Robinton, als Naomi und F'Lessan ihren Plan ihm, Menolly, Sebell und den restlichen Weyr-Führern unterbreiteten.
Baron Jaxom, der mit seinem Ruth schon einige Zeitsprünge hinter sich hatte meinte: "Deshalb werde ich mitkommen. Ruth hat den ausgeprägtesten Orientierungssinn wenn es um Zeitsprünge geht."
"Aber wir wissen nicht, wie lange Naomi das aushalten wird", meinte F'lessan. "Als meine Mutter ihren ersten unabsichtlichen Zeitsprung gemacht hatte ging es ihr durch das Zusammentreffen mit ihrem vergangenen Ich gar nicht gut hinterher. Am besten wäre es, wenn Naomi gar nicht erst mitkäme."
"Ich muß mit! Nur ich kenne genug Details über die Voyager und ihre Crew, mir werden sie glauben. Und – ", sie machte eine kleine Pause, "es ist mein Schiff und meine Familie. Ich habe jedes Recht mitzugehen. Alith und mir sind die Risiken bewußt."
"Na schön, dann wird es wohl so sein. Meister Robinton, ich glaube, die Kleine hat noch einen größeren Dickkopf als ihr!" T'gellan grinste und alle anderen ebenso.
Meister Robinton trat hinter Naomi und legte ihr seine Hand auf die Schulter. "Zwei gescheite Dickköpfe sind besser als einer", meinte er grinsend und wurde dann ernst: "Dieses Gespräch sollte unter uns bleiben. Gelingt es uns nicht die Voyager vor der Vernichtung zu bewahren, dann… nun ja. Es wird gelingen."
Und dann begannen sie einen Plan zu entwerfen. Naomi erzählte dazu alles über Captain Janeway und den Führungsstab.
Damit Naomi nicht ihrem andern Ich zu nahe kommen würde beschloß der Rat, daß Meister Robinton Janeway bitten sollte Naomi an einem anderen Ort zu treffen.
Was ihnen noch Probleme aufgab war die genaue Ankunft der Voyager. Doch auch das konnte aus Naomis Erzählungen rekonstruiert werden. Naomi übermittelte Alith das Bild der Voyager kurz nach der Landung und Alith gab es an die Ruth weiter, der mit Jaxom die Gegend erkunden sollte um einen Landeplatz weiter von dem Schiff entfernt zu finden. Als sie zurückkehrten stand die Überraschung Jaxom noch immer ins Gesicht geschrieben, doch er und Ruth hatten einen geeigneten Landeplatz entdeckt.

Und ein paar Stunden später war es dann soweit.
Naomi auf Alith, Jaxom auf Ruth, F'lessan und Meister Robinton auf Golanth, N'ton auf Lioth und T'gellan auf Monarth, der ebenfalls rechtzeitig aus Benden entkommen war, machten sich auf dem Weg in die Vergangenheit.
Ruth übermittelte die Zielkoordinaten den anderen Drachen und dann tauchten sie ins Dazwischen.
F'lessan hatte sie gewarnt, daß ein Zeitsprung immer länger dauern würde und bei diesem glaubte Naomi schon, sie hätte die falschen Koordinaten übermittelt und würde nicht mehr aus dem Dazwischen auftauchen.
Doch dann schien sie Sonne hell in ihr Gesicht und unter sich sah sie eine vertraute Ansicht der Klippen. Wenn ihnen kein Fehler unterlaufen war, mußte die Voyager auf der Ebene hinter den Klippen sein. Naomi wollte nichts lieber als hinlaufen, doch sie zwang sich zur Geduld. Wenn sie ihrem Ich aus der Vergangenheit begegnete konnte das unangenehme Folgen haben und die Mission vielleicht scheitern. Und außerdem war da ja auch noch der andere Teil in ihrem Plan, der unter allen Umständen funktionieren mußte.
So landeten sie erst mal alle und Jaxom erstieg die eine Klippe um sich einen Überblick zu verschaffen. Mit strahlendem Gesicht kam er wieder herunter.
"Das Schiff ist da und es laufen eine Menge fremder Leute draußen herum."
Naomi fühlte einen kleinen Freudenstich in ihr. Sie waren am Leben, sie würden nicht sterben.
"Dann mal los", sagte Meister Robinton und ging zu Naomi. Sie gab ihm den Cladagh Ring und den Communicator, den sie noch gefunden hatte damals.
Robinton stieg hinter F'lessan auf Golanth, Jaxom schwang sich auf seinen Ruth und N'ton auf Lioth.
Dann erhoben sich die Drachen in die Luft und waren kurz darauf hinter den Klippen verschwunden. T'gellan war bei Naomi geblieben und beide konnten jetzt nichts anderes tun als warten.

Einige Crewmember erschraken nicht schlecht als auf einmal 3 mächtige Drachen mit Reitern auf sie zu schwebten.
"Torres an Janeway. Ich glaube, sie sollten sich das hier einmal ansehen."
B'Elanna war von dem Anblick, der sich ihr bot überwältigt.
Gerade als die Drachen in einiger Entfernung zum Schiff landeten und ihre Reiter abstiegen traten der Captain gefolgt von Chakotay und Tuvok nach draußen, der vorsichtshalber seinen Phaser zog und Verstärkung rief. Janeway bedeutete ihm in Hintergrund zu bleiben, die Leute sahen nicht bedrohlich aus. Sie kamen langsam auf die Voyager zu. Janeway, Chakotay und Tuvok gingen ihrerseits ihnen entgegen.
Naomi und die anderen waren sich einig gewesen, daß Meister Robinton versuchen sollte Captain Janeway zuerst zu begrüßen.
"Captain Janeway!" sagte Meister Robinton, als sie nur noch wenige Schritte von einander entfernt waren und Janeway gerade den Mund aufmachen wollte. Nun blieb er ihr vor Erstaunen offen und sie blieb stehen. Ebenso erging es den anderen beiden. Lediglich Tuvok zog eine Augenbraue hoch, ließ sich aber sonst nichts anmerken.
"Captain Janeway, Commander Chakotay, Lieutenant Tuvok nehme ich an, ich bin Robinton, Meisterharfner von Pern. Begleitet werde ich von Baron Jaxom, F'lessan und N'ton."
Meister Robinton hielt inne um der nun noch mehr verblüfften Janeway Gelegenheit zu geben sich zu sammeln.
"Woher kennen Sie uns?" fragte sie.
"Ein Crewmitglied von Ihnen hat sie uns beschrieben, so daß wir sie erkennen konnten. Captain, bitte hören Sie mir zu, wir haben nicht viel Zeit. Es gibt Dinge, die sie unbedingt wissen müssen, aber dazu müssen Sie uns begleiten. Bitte."
"Immer mit der Ruhe. Was muß ich wissen, von welchem Crewmitglied reden Sie und woher weiß ich, ob ich ihnen überhaupt vertrauen kann?"
Robinton griff in seine Tasche und holte zwei Gegenstände hervor. Schweigend hielt er sie Janeway hin. Diese nahm sie und schnappte nach Luft als sie einen verbeulten Communicator und einen Ring in der Hand hielt, der ihr irgendwie bekannt vorkam.
"Woher haben Sie das?" fragte Chakotay tonlos.
"Sie werden alles erfahren, aber bitte kommen Sie mit. Sie können zur Sicherheit gerne Waffen mitnehmen, aber die werden Sie nicht brauchen. Ihre Antwort wartet dort oben hinter der Klippe", wirkte Meister Robinton weiter auf sie ein.
Janeway sah Chakotay an und der nickte unmerklich.
Dann blickte sie Meister Robinton an und meinte: "Also gut, ich bin schon mächtig auf ihre Erklärungen gespannt. Tuvok, Chakotay, sie begleiten mich."
Die drei Führungsoffiziere ließen sich zu den Drachen führen und selbst der unerschütterliche Tuvok hatte vor den großen Tieren mächtig Respekt.
Janeway stieg hinter Jaxom auf Ruth, Chakotay und Tuvok kletterten auf den mächtigen Lioth. Schon merkten sie, wie die Drachen sich anspannten, Sekunden später kräftig von der Erde abstießen und dann mit ihren mächtigen Flügelschlägen schnell an Höhe gewannen. Sie überflogen die Klippe und staunten nicht schlecht, als ein Mädchen, das mit Naomi Wildman verblüffende Ähnlichkeit hatte, allerdings älter wirkte, mit einem weiteren Mann und zwei Drachen auf die wartete.
Doch als sie näher kamen sah Janeway die kleinen Spitzen auf der Stirn des Mädchen, die sie als Halb-K'tarianerin auswiesen.
Kaum waren die Drachen sicher gelandet lief die Naomi-Doppelgängerin mit Tränen in den Augen auf Kathryn zu.
"Captain, ich bin so froh sie zu sehen!" rief das Mädchen und umarmte Janeway.
Diese ließ sie einen Moment gewähren weil sie langsam der Überzeugung war, wirklich Naomi vor sich zu haben, was aber unmöglich sein konnte. Moment, der Ring, jetzt fiel ihr ein wo sie ihn gesehen hatte – Icheb hatte ihn Naomi zu ihrem 16. Geburtstag geschenkt. Es mußte Naomi sein.
"Naomi?" fragte sie doch noch etwas unsicher.
Naomi sah sie an und nickte. "Ja, ich bin es wirklich, aber ich komme aus der Zukunft."
Janeway, Chakotay und Tuvok waren völlig perplex. Und ungläubig. Wie konnte das sein? Doch Naomi hatte mit so etwas gerechnet und meinte: "Captain, lassen sie den Doktor herbeamen, er kann bestätigen, daß ich Naomi Wildman bin."
Janeway hielt das für eine sehr gute Idee, nickte Tuvok zu, der etwas in seinen Communicator sprach und kurz darauf erschien die Gestalt des MHNs neben ihm.
"Captain, was…" als er Naomi sah, riß er erstaunt die Augen auf.
"Doktor, ich weiß daß es seltsam klingt, aber können Sie mir bestätigen daß es sich bei der jungen Dame hier um Naomi Wildman handelt?"
Das MHN blickte den Captain an als wäre sie irre, daß das Naomi war sah man doch auf den ersten Blick. Doch je länger der Doctor sie ansah, desto mehr kam er doch zu der Überzeugung, daß etwas nicht stimmte. Diese Naomi war älter als sie sein durfte… nun, sein medizinischer Tricorder würde gleich Klarheit schaffen.
Mit gerunzelter Stirn scannte er sie und las die Ergebnisse ab. Nach ein paar Sekunden war er fertig und meinte: "Das ist eindeutig Naomi Wildman. Allerdings ist sie seit der letzten Untersuchung um mindestens ein Jahr gealtert und die letzte Untersuchung war erst von 3 Wochen…"
Das MHN wirkte sichtlich verwirrt. Doch Janeways Gesichtszüge entspannten sich.
Sie dankte dem MHN und meinte, sie würde alles später erklären.
Der Doktor ließ sich zurück auf die Krankenstation beamen und Janeway sagte: "Also, ich bin schon sehr auf diese Erklärung gespannt."
Naomi lächelte. "Das kann ich mir denken."
Und dann begann sie zu erzählen, von ihrem nächtlichen Ausflug, der Zerstörung der Voyager, ihrer Rettung durch T'qran, ihrem Leben auf Pern und schließlich auch voller Stolz von ihrer Alith.
Janeways und Chakotays Gesichter wurden immer länger, lediglich Tuvok sah völlig ausdruckslos aus und hörte zu.
Naomi endete ihre Erzählung mit dem Meteoriteneinschlag und wie sie einen Zeitsprung zurück gemacht hatten um sowohl die Voyager als auch Pern zu retten.

"Das ist einfach unglaublich", sagte Janeway und rieb sich die Stirn. "Und ich kann diese Zeitgeschichten überhaupt nicht leiden, davon bekomme ich Kopfschmerzen!"
Meister Robinton ergriff das Wort: "Sie müssen nur diese Art Minen neutralisieren und anschließend mit Hilfe der Koordinaten, die Naomi Ihnen geben wird die Asteroiden suchen und vernichten."
Janeway blickte Chakotay und Tuvok nachdenklich an. Schließlich tippte sie auf ihren Communicator: "Janeway an die Führungsoffiziere. Einsatzbesprechung in 10 Minuten."
Die Perneser und Naomi blickten sie fragend an: "Wir werden sehen, was wir tun können, doch zuerst müssen wir diese Minen finden."
"Captain, denken Sie daran, mein anderes Ich darf unter keinen Umständen etwas hiervon erfahren", bat Naomi eindringlich.
"Keine Sorge, das Treffen bleibt unter uns."
Damit tippte Janeway erneut auf ihren Communicator und Chakotay, Tuvok und sie lösten sich einer blau schimmernden Säule auf.
Meister Robinton trat zu Naomi, der einige Tränen die Wangen runterkullerten.
Beruhigend legte er ihr seine Hände auf die Schultern. Naomi schmiegte sich an ihn und meinte nur: "Es ist so schön sie noch einmal zu sehen… so schön."

Auf der Voyager hatte Janeway Torres inzwischen über die unsichtbaren Minen informiert und da sie jetzt wußten, daß sie nach so etwas suchen mußten, wurden sie auch schnell fündig. Bis hierhin stimmte die Geschichte also schon mal.
Nun hatten sie nicht mehr viel Zeit den Rest des Plans in die Tat umzusetzen.
In der Nacht mußte alles klappen. Sie durften sich keinen Fehler erlauben.

Ichebs Entscheidung und Naomis Abschied

Hinter den Klippen sicher verborgen wurde Naomi langsam komisch zumute. Sie war zwar weit von der anderen Naomi entfernt, aber mit der Zeit spürte sie doch schon die Auswirkung von zweimal derselben Person an einem Ort bzw. einer Zeit.
Aliths Augen kreisten schneller, sie spürte das Unbehagen ihrer Reiterin.
Noch ein wenig Naomi, dann hast du es geschafft. Du mußt noch etwas durchhalten.
Naomi streichelte liebevoll die Augenwülste ihrer Alith und nickte beruhigend.
"Keine Sorge, ich schaffe das schon", flüsterte sie ihr zu.
Ruth, dem Naomis Zustand nicht entgangen war, teilte dies Jaxom mit und der behielt sie von nun an ständig im Auge. Sollte es für Naomi zuviel werden müßten sie schnell handeln. Doch im Augenblick konnten sie nur warten.

Stunden später schimmerten 2 Lichtsäulen vor den Wartenden. Eine nahm die Gestalt des Captains an, die andere wurde zu Chakotay.
Sie hatte ein Padd dabei, das sie Baron Jaxom überreichte und meinte dann: "Es ist alles vorbereitet. Und es sollte alles klappen."
Janeways Mundwinkel zuckten, als sie Naomi anblickte. Naomis Augen glänzten von den Tränen, die sich bildeten und bevor sie es sich noch anders überlegen konnte, umarmte sie Kathryn. Die anderen fanden auf einmal das kleine Waldstück hinter ihnen sehr interessant und schauten sich eifrig die Bäume an. Auch in Kathryns Augenwinkeln glänzte es nun und sie drückte Naomi fest an sich.
"Ich bin sehr, sehr stolz auf Dich, Ensign Wildman. Wir werden Dich nie vergessen und wer weiß, vielleicht sehen wir uns eines Tages wieder." Sie öffnete Naomis Hand und legte ihr den Cladagh Ring wieder hinein.
"Captain, ich… vielen Dank für alles, sie waren immer wie eine Mutter für mich."
Naomi schloß die Hand und beide Frauen drückten sich ein letztes Mal fest aneinander, dann traten sie zurück und Chakotay kam heran. Auch er nahm Naomi in seine starken Arme und drückte sie fest an sich. Dann holte er ein Padd hervor und drückte es ihr in die Hand. Naomi starrte ihn verwundert an, doch Chakotay sagte nur: "Ich denke, es wird Dir gefallen."
Naomi dankte ihm und steckte es in die Tasche zusammen mit ihrem Ring. Dann winkte sie Chakotay näher an sich heran und bat im Flüsterton: "Commander, bitte sagen sie Icheb daß ich ihn von Herzen liebe, ja?"
Chakotay nickte und wollte aufstehen, doch Naomi hielt ihn noch einen Moment länger fest und flüsterte erneut: "Sie lieben den Captain. Sagen Sie es ihr, bitte. Es ist furchtbar jemanden zu verlieren den man liebt. Machen Sie nicht den Fehler und warten Sie, bis es zu spät ist."
Dann gab sie ihm einen schüchternen Kuß auf die Wange und ging zu Alith und den anderen.
Chakotay blickte völlig verblüfft erst Naomi an, die nun zaghaft lächelte, dann blickte er seinen Captain an und wußte, daß er Naomis Wunsch nachkommen mußte.
"Wenn es die Zeit erlaubt, grüßen Sie bitte alle ganz herzlich von mir, Seven und Icheb ganz besonders…"
Meister Robinton trat an Chakotay heran und flüsterte ihm etwas ins Ohr. Chakotays Gesichtsausdruck wurde ernst und er nickte.
Ein letztes Mal sahen Janeway und Chakotay Naomi und ihre Alith an und dann verschwanden sie wieder im schimmernden Transporterstrahl.
Naomi strömten die Tränen die Wangen herunter, wenigstens hatte sie sich diesmal verabschieden können. Alith senkte mitfühlend ihren Kopf auf Naomis Schulter und spendete ihr so Trost.
"Ach Alith, ich bin so glücklich, daß ich dich habe!" meinte sie und drückte den Drachenkopf fest an sich.
Du bist sehr tapfer und warst gerade sehr stark.
"Aber es ist mir sehr schwer gefallen."
Meister Robinton meinte: "Naomi, wir sollten zurückfliegen, du merkst bestimmt schon die Auswirkungen deines anderen Ichs hier."
Damit schwang sich der Meisterharfner von Pern hinter F'lessan auf Golanths Rücken, N'ton stieg auf Lioth und Naomi kletterte auf Aliths Rücken. Lediglich Jaxom und Ruth machten noch keine Anstalten loszufliegen, sie hatten nämlich noch etwas anderes zu erledigen.
Robinton schaute zu Jaxom und sagte: "Erwischt ja den richtigen Zeitpunkt und paßt auf, daß ihr euch nicht selbst begegnet!" die Ermahnung kam allerdings mit einem Zwinkern in den Augen, denn niemand wußte so gut wie Robinton was Ruth für einen Zeitinstinkt besaß. Er kam IMMER richtig an.
Auch Jaxom hatte verstanden und flachste zurück: "Hoffentlich findet ihr ohne Ruth zurück!"
F'lessan lachte und dann erhoben sich Golanth, Lioth und Alith vom Boden, und verschwanden über dem Wald im Dazwischen.
Jaxom schaute über den Klippenrand und beobachtete das Treiben um das Schiff. Er mußte hier ausharren bis die Voyager abfliegen würde.

Zurück auf dem Schiff standen Kathryn und Chakotay im Bereitschaftsraum des Captain. Kathryn mußte erneut mit den Tränen kämpfen und Chakotay nahm sie tröstend in seine Arme.
Eine Weile standen sie so da und Kathryn hatte ein unglaubliches Gefühl der totalen Geborgenheit in Chakotays Armen. Am liebsten hätte sie die Zeit angehalten. Chakotay ging es ähnlich, er wollte Kathryn am liebsten nie mehr loslassen. Doch irgendwann endete auch dieser Moment und Chakotay fand es an der Zeit, Kathryn von Meister Robintons Vorschlag zu erzählen.
"Kathryn, Meister Robinton hat mir einen Vorschlag gemacht. Es geht dabei um Icheb."
Kathryn horchte auf und Chakotay fuhr fort: "Er meinte, daß Naomi ihn über alles lieben würde und deshalb hatte er vorgeschlagen Icheb einfach das Angebot zu machen bei Naomi bleiben zu können. Baron Jaxom wartet mit seinem Ruth bis wir weg sind, er würde Icheb mitnehmen wenn er das wollte."
Kathryn schwieg und Chakotay setzte nach: "Ich weiß, wir würde ihn vielleicht auch verlieren, aber wir sollten ihm die Wahl lassen."
Sehr leise flüsterte er noch: "Wenn Du auf einem Planeten zurückbleiben müßtest würde ich auch bei Dir sein wollen."
Er hatte nicht damit gerechnet, daß Kathryn diese Worte gehört hatte, er hatte sie mehr zu sich selbst gesagt, um so größer war seine Überraschung als sie sich ihm zuwandte, seine Hand in ihre nahm und meinte: "Würdest Du das wirklich wollen? Mir folgen?"
Chakotay blickte in ihre Augen und sagte ohne zu zögern: "Ja. Ja, das würde ich."
Kathryn Lippen bebten und dann trat sie dicht an ihn heran. Ihre Augen waren auf seine Lippen gerichtet und deutlicher konnte die Einladung nicht mehr werden.
Beide schlossen die Augen und ihre Lippen trafen sich zu einem erst schüchternen Kuß der aber immer intensiver wurde.
Schließlich lösten sie sich wieder voneinander und Kathryn tippe auf ihren Communicator: "Janeway an Icheb, komm bitte umgehend in meinen Bereitschaftsraum."
"Verstanden", ertönte Ichebs Stimme zur Antwort.
Chakotay musterte seine Kathryn. "War das jetzt ein Anfang für uns beide oder nur ein schwacher Moment?"
Er bekam keine verbale Antwort. Die Antwort bestand in einem weiteren Kuß seines Captains.
Der Türmelder ertönte, die beiden Offiziere lösten sich voneinander und baten Icheb herein. Dieser trat ein und begrüßte beide.
"Icheb, wir werden Dich jetzt vor eine sehr schwere Entscheidung stellen und Du hast nur ein paar Stunden Zeit, um es Dir zu überlegen."
Icheb hob die Augenbrauen und wartet gespannt, von was für einer Entscheidung der Captain da sprach.
Chakotay kam Janeway zuvor: "Zunächst einmal soll ich Dir von Naomi etwas ausrichten: Sie liebt Dich von ganzem Herzen, das soll ich Dir extra sagen und sie wird Dich vermissen."
Icheb blickte nun sehr verwirrt drein. "Was ist mit Naomi? Gerade habe ich sie noch im Flur getroffen, wieso sagen Sie, sie wird mich vermissen?"
Icheb verstand gar nichts mehr und der Captain erzählte ihm weiter, was in den letzten Stunden passiert war und was in den nächsten Stunden passieren würde.
Icheb wich sämtliche Farbe aus dem Gesicht als er erfuhr, daß die Voyager ohne Naomi losfliegen mußte, da diese erstens die Voyager nur retten konnte, wenn sie auf dem Planeten blieb und zweitens an einen Drachen gebunden war, der ohne sie sterben würde. Nun stellte der Captain ihn vor die Möglichkeit bei Naomi auf Pern bleiben zu können. Für immer.
Icheb war völlig sprachlos.
"Icheb, es ist wichtig daß Naomi kein Wort hiervon erfährt. Du hast bis heute Nacht Zeit Dich zu entscheiden. Bis dahin bist Du von allen Pflichten freigestellt. Wegtreten."
Janeway wollte Icheb allein diese Entscheidung treffen lassen. Icheb verließ tief in Gedanken versunken den Bereitschaftsraum und steuerte auf das Holodeck zu.
Er rief ein Strandprogramm auf, setzte sich ans Meer und dachte nach.

Zwei Stunden später trat Icheb in die Astrometrie. Seven stand mit dem Rücken zu ihm an den Konsolen.
"Seven?" fragte Icheb.
Seven drehte sich zu ihm herum, verschränkte die Arme hinter dem Rücken und musterte ihn. Sie merkte, daß Icheb etwas sagen wollte, anscheinend aber nicht so recht wußte wie er es formulieren sollte. Sie beschloß ihm mit ihrer Frage zuvorzukommen: "Gehe ich Recht in der Annahme, daß du dich inzwischen entschieden hast?"
Icheb zog eine Augenbraue hoch. Seven wußte also davon.
"Ja, das habe ich. Ich werde auf diesem Planeten bleiben. Bei Naomi."
Sevens Gesichtsausdruck verriet nur Icheb etwas von ihren Gefühlen über die Entscheidung, er hatte inzwischen die feinen Nuancen zu deuten gelernt, die ein anderer leicht übersehen würde. Seven war bestürzt über seine Entscheidung, er konnte es ihr auch nicht verübeln, schließlich war sie die ganzen Jahre so etwas wie eine Ersatzmutter gewesen, die ihn alles gelehrt hatte und ihn praktisch aufgezogen hatte. Auch Icheb war tieftraurig über einen Abschied, doch ein Leben ohne Naomi konnte er sich erst recht nicht vorstellen.
Ohne viele Worte zu machen tat Seven etwas, das Icheb noch nie erlebt hatte. Sie kam auf ihn zu und schloß ihn in ihre Arme. Icheb erwiderte diese Geste.
Als Seven ihn wieder losließ sagte sie: "Ich werde dich sehr vermissen, aber ich bin mir sicher, du wirst deine Entscheidung niemals bereuen. Bitte grüße Naomi von mir und sage ihr… daß ich sie ebenfalls sehr vermissen werde." Und damit drehte sich die Borg wieder zu ihren Kontrollen um und war froh, als sie das Zischen der Tür hörte, als Icheb die Astrometrie verließ. Eine einzelne Träne lief Sevens Wange herunter und schnell wischte sie sie fort.
Icheb ging geradewegs Richtung Bereitschaftsraum des Captains.
Nach ihrer Aufforderung trat er ein. Zu seiner Überraschung war Commander Chakotay immer noch, oder schon wieder, anwesend.
"Icheb, ich nehme an, du hast dich entschieden?" fragte Janeway.
"Das habe ich Captain. Ich kann mir ein Leben ohne die Voyager und ihre Crew nicht vorstellen…" Icheb machte eine kurze Pause und Kathryn sah Chakotay mit gemischten Gefühlen an, "aber ein Leben ohne Naomi würde ich nicht aushalten können. Ich werde bei ihr bleiben."
Kathryn kam auf Icheb zu und meinte nur: "Ich hatte nichts anderes erwartet. Du liebst sie auch von Herzen, nicht wahr?"
"Woher wissen sie das?" fragte Icheb verblüfft.
Chakotay grinste. "Das war ziemlich offensichtlich, mein Lieber. Wie bei mir und dem Captain."
Icheb lächelte. Ich freue mich für sie. Und nun denke ich, sollte ich mich verabschieden. Captain, Commander… vielen Dank für alles, was sie für mich getan haben. Ich werde sie und die Voyager niemals vergessen."
"Alles Gute Icheb. Viel Glück! Wenn du deine Sachen gepackt hast geh in den Transporterraum", sagte Chakotay und dann verließ Icheb den Raum.
Kathryn seufzte. "Warum habe ich gerade das Gefühl zwei meiner Kinder verloren zu haben?"
"Wir haben sie nicht verloren, sie… ziehen nur aus weil sie erwachsen geworden sind."

Icheb hatte neben seinem Ring noch ein Foto der Voyager und ihrer Führungsoffiziere mitgenommen, zwei Tricorder, einige Padds, und einige andere technischen Kleinigkeiten die aber hauptsächlich dazu dienten in einem Notfall seine besondere Physiologie behandeln zu können.
Zum Glück mußte er schon seit einiger Zeit nicht mehr in einem Alkoven regenerieren, der Doktor hatte es ihm ermöglicht durch normales Schlafen zu regenerieren. Wie jeder andere.
Icheb betrat den Transporterraum und Ensign Lang nickte ihm bereits zu.
Er stellte sich auf die Plattform und ein letztes Mal sah er die Konturen des Transporterraums in einem Flackern verschwinden um durch einen weißen Drachen und einen Mann ersetzt zu werden.
"Hallo!" wurde er begrüßt. "Du bist Icheb?" fragte Jaxom und lächelte.
"Ja. Vielen Dank, daß sie gewartet haben."
"Ich freue mich, Naomi so eine Überraschung bereiten zu können. Komm, steig auf. Ist das die wärmste Kleidung die Du gefunden hast?" fragte Jaxom und zupfte an Ichebs doch recht dünnen Anzug.
"Das ist Thermokleidung. In der Kälte hält sie warm, in der Hitze kühlt sie", erklärte er. Der Captain hatte ihm noch einmal beim Packen Bescheid gesagt, er solle sich etwas Warmes anziehen.
Dann schwang er sich auf Ruths Rücken. Jaxom erklärte ihm kurz, was ihn im Dazwischen erwarten würde und auch, daß sie, bevor sie in die richtige Zeit fliegen würden noch etwas zu erledigen hätten. Dann erhob Ruth sich in die Lüfte und verschwand im Dazwischen.
Auf der Voyager lief unterdessen die letzte Phase an. Eine versteckte Wache draußen sollte melden, wenn Naomi Wildman das Schiff verlassen würde und auf der Klippe angekommen sein würde. Dann ging alles sehr schnell. Als Naomi auf der Klippe eingeschlafen war trat das MHN ganz leise an sie heran und injizierte ihr ein leichtes Schlafmittel, von dem sie in den nächsten 2 Stunden gewiß nicht aufwachen würde. Er hatte es nicht gerne getan, aber es war notwendig. Sanft streichelte er Naomi über das Haar und sagte ihr so Lebwohl.
Von der Ebene hob die Voyager ab und blieb für einen Moment über der Fläche schweben. Mehrere Metallteile, die wie Wrackstücke aussahen wurden hinuntergebeamt, ebenso ein verbeulter Communicator, Naomis Cladagh Ring, den ein Ensign in ihrem Quartier gefunden hatte und mehrere Holoprojektoren sowie mehrere Sprengladungen. Die Holoprojektoren wurden eingeschaltet und bildeten nun die Voyager nach, die Sprengladungen würde man von der Voyager direkt auslösen wenn Naomi erwachen und die Minen entdecken würde.
Dann flog die Voyager in den Orbit und nach 2 Stunden war es dann soweit. Der Doctor hatte Naomi zusammen mit dem Schlafmittel einen kleinen Mikrochip injiziert, der ihm nun half den richtigen Zeitpunkt von Naomis Erwachen zu finden.
"Sie wacht auf", meldete der Doktor.
"B'Elanna, in 5 Sekunden modifizieren sie die Holoprojektoren. Zeit für die Minen."
"Minen sind sichtbar. Erzeuge rote Punkte."
"Doktor, wie weit ist sie noch vom Boden entfernt?"
"Fünf Meter, sie klettert runter."
"B'Elanna, bei drei Metern zünden sie. Doktor, zählen sie runter."
"Noch 4,5 Meter…. 4 Meter… 3,5 Meter… 3 Meter!"
"Jetzt!" sagte Janeway und auf dem großen Bildschirm konnte man eine gewaltige Explosion sehen.
"Sie ist runtergefallen und bewußtlos, keine ernsten Verletzungen", berichtete das MHN.
"Wir haben es geschafft", sagte Tom tonlos.
"Tom, setzen sie einen Kurs zu diesen fraglichen Asteroiden. Warp 4."
Seufzend führte Tom den Befehl aus.
Macht's gut Naomi und Icheb, ich werde Euch so vermissen, dachte er und dann leitete die Voyager den Warptransit ein und verließ den Planeten.

Jaxom landete mit Ruth und Icheb einen Tag vor dem Meteoriteneinschlag in der Nacht im Benden-Weyr.
"Ruth, kannst Du mit Alith Kontakt aufnehmen?" bat er seinen Drachen.
"Sie soll bitte hierher kommen, es ist wichtig. Und sie soll auf keinen Fall Naomi wecken."
"Sie kommt gleich", hörte er Ruth und schon landete vor ihnen eine goldene Königin.
Jaxom hatte Ruth schon vorher erklärt, was sie zu tun hatten und Ruth gab es an Alith weiter.
"Sorge bitte dafür daß Naomi, und nur Naomi allein, dieses Padd morgen bekommt. Es ist wichtig daß nur die Leute davon erfahren, die auf der Liste stehen. Ihr müßt morgen einen Sprung in der Zeit zurück machen. Es ist unerläßlich, auch wenn die Meteoriten nicht auf Pern einschlagen. Steht alles dort. Naomi wird damit etwas anfangen können."
Alith nickte und Ruth forderte Jaxom auf, Alith das Padd zu reichen. Die Drachenkönigin nahm es vorsichtig ins Maul, versprach, daß es Naomi rechtzeitig erhalten würde und flog dann wieder aufs Plateau.
"So, damit hätten wir sie in die Vergangenheit geschickt. Jetzt können wir alle ohne Probleme wieder zurückkehren. Ruth, bring uns in die richtige Zeit. Erst mal zur Burg." Kaum hatte Jaxom das gesagt war Ruth schon wieder in der Luft, tauchte ins Dazwischen und setze beide vor Burg Ruatha ab.
Ruth ging in seinen eigenen kleinen Weyr während Jaxom Icheb mit sich zog, ihm sein Zimmer für die Nacht zeigte und neue Kleidung gab.
Beide Männer fielen todmüde ins Bett und schliefen bis zum nächsten Morgen durch.
Als Icheb aufwachte war er für einen Moment verwirrt über das merkwürdige Quartier der Voyager, doch dann besann er sich, was passiert war. Schnell ging er ins angrenzende Badezimmer, wusch sich und zog sich dann die neue Kleidung an.
Dann ging er hinunter und kam in eine große Halle, in der Jaxom schon am Tisch saß und frühstückte. Er winkte Icheb heran als er ihn sah. Icheb nahm ihm gegenüber Platz, trank seinen ersten Klah und aß sein erstes Perneser Brot und Früchte. Es schmeckte ihm sehr gut, das nahm er als gutes Omen.
"Wann können wir zu Naomi fliegen?" fragte er schließlich.
Jaxom mußte lachen. "Sobald du fertig mit essen bist mein Freund."
Icheb schlang hastig den letzten Rest herunter und stand dann auf. "Ich bin fertig."
Jaxom stand ebenfalls auf, ließ noch von einem Bediensteten Ichebs Sachen holen und rief dann Ruth herbei. Eigentlich wunderte es ihn nicht, daß sein Ruth schon längst auf beide wartete. Icheb bekam noch Wherlederkleidung und als er sicher auf Ruths Rücken saß, das Gepäck hinten drauf geschnallt, ging es auch schon los. Eine knappe Minute später landete Ruth bereits im Benden-Weyr, der noch vollständig intakt war. Die Voyager hatte es also geschafft und die Asteroiden gefunden. Ruth war kaum gelandet, als Lessa und F'lar schon ankamen.
"Jaxom! Wie schön daß du dich mal wieder hier blicken läßt!" begrüßte ihn Lessa.
F'lar schüttelte ihm herzlich die Hand und sah dann zu Icheb. "Und wen hast du da mitgebracht?" fragte er.
"Das ist Icheb. Ich erkläre alles später, das heißt, das kann auch Meister Robinton machen." Der Meisterharfner war auch da und begrüßte Jaxom.
"Eine Geschichte bei einem wunderschönen Benden Wein erzählen – wer kann da schon widerstehen?" lachte er und bat Lessa und F'lar ihm zu folgen.
"Icheb, komm mit, ich bringe dich zu Naomi", meinte Jaxom und lief voraus.
Endlich kamen sie vor der Tür zu Naomis Kammer an. Jaxom klopfte höflich an.
"Herein!" rief Naomi.
Jaxom öffnete die Tür und sah Naomi am Tisch sitzen, das Padd von Chakotay vor ihr. Icheb war noch außerhalb ihres Blickfeldes.
"Jaxom! Genau der, den ich sehen wollte! Es hat anscheinend alles geklappt. Keiner ist doppelt hier und der Weyr steht…" Naomi blieb das letzte Wort im Halse stecken, als sie hinter Jaxom die Gestalt in der Tür erkannte.
"Icheb!" flüsterte sie. Völlig fassungslos starrte sie ihn an als könne sie nicht glauben, was sie sah. Eigentlich konnte sie es auch nicht glauben. Icheb war fort, mit der Voyager… und doch stand er hier. Sie merkte, wie Freudentränen ihre Wangen benetzten, dann endlich rannte sie auf ihn zu und flog ihm in die Arme. Icheb fing sie auf und drehte sie ein paar Mal. Auch er war überglücklich seine Naomi in den Armen zu halten. Noch beim Herumwirbeln küßte er sie und Naomi klammerte sich an seinem Hals fest und wollte ihn am liebsten nie mehr loslassen.
Sie konnte es einfach nicht glauben, ihr Icheb war hier, er war wirklich hier. Er hatte für sie die Voyager aufgegeben!
Jaxom zog sich diskret zurück und überließ den beiden sich selbst.
Jetzt war alles wieder gut. Er ging noch ins Büro wo Lessa und F'lar gespannt und recht ungläubig den Erzählungen Meister Robintons lauschten und setze sich dazu.

Ausflug mit Folgen

Am Morgen erwacht Naomi neben Icheb. Im ersten Moment dachte sie, sie hätte alles geträumt, doch als sie Ichebs warmen Körper neben sich bemerkte, lächelte sie glücklich.
Sie hatte noch etwas Zeit bevor sie mit Alith im Geschwader aufsteigen müßte. Lange betrachtete sie einfach Ichebs friedliches Gesicht und strich ihm übers Haar.
Icheb murmelte etwas, verscheuchte die Fliege aus seinem Haar (darüber mußte Naomi kichern) und drehte sich um.
Naomi hauchte ihm einen zarten Kuß auf die Wange, was ihm ein Lächeln entlockte ihn aber nicht aufweckte. Leise stand sie auf, machte sich im Bad fertig und zog sich an um nach ihrer Alith zu sehen. Heute waren Fäden für das große Waldgebiet zwischen Bitra und Benden vorhergesagt. Alith lag auf ihrem Plateau und sonnte sich.
"Guten Morgen meine Liebe!" begrüßte sie ihren Drachen.
"Hattest Du eine schöne Nacht?" fragte Alith.
"Kann man wohl sagen", meinte Naomi. "Willst Du ein Bad nehmen? Bis zum Fädenfall haben wir noch etwas Zeit." Sie stieg auf Alith und beide flogen zum Meer, wo Alith ein ausgiebiges Bad nehmen und Naomi weit raus schwimmen konnte. Als beide fertig waren rieb Naomi Alith mit dem Öl ein und beide legten sich in die warm herabstrahlende Sonne.
Als Alith trocken war stieg Naomi wieder auf und beide flogen in den Weyr zurück. Icheb stand schon an dem Plateau und wartete. Es war das erste Mal daß er Alith sah, man hatte ihm lediglich gesagt, er solle hier auf Naomi warten als er sie gesucht hatte. Der mächtige goldene Drache landete präzise und elegant auf dem Plateau und Naomi rutschte von Alith herunter wo Icheb sie auffing.
"Das ist also dein Icheb", meinte Alith und streckte erwartungsvoll und neugierig ihren Kopf näher heran.
Icheb trat unwillkürlich einen Schritt zurück doch Naomi zog ihn wieder näher.
"Icheb, das ist Alith. Sie möchte dich kennenlernen."
Interessiert betrachtete auch nun Icheb Alith eingehend, sie war wirklich ein schöner Drache.
"Sie fragt, ob du sie an den Augenwülsten einmal kratzen könntest", meinte Naomi lachend und gab Alith einen liebevollen Klaps.
Alith brummte zufrieden und hielt ihren Kopf in Ichebs Reichweite. Dieser streckte die Hand aus und strich Alith zaghaft über die Augenwülste. Alith schloß die Augen und drückte ihren Kopf etwas fester gegen Ichebs Hand.
Naomi mußte lachen. "Du kannst sie ruhig fester streicheln, sie mag das."
Icheb tat wie geheißen und wurde nach einer Weile mutiger. Er strich nun mit beiden Händen über Aliths Augenwülste und handelte sich dafür ein zufriedenes Brummen ein.
"Ich würde mal sagen, der erste Kontakt war erfolgreich. Alith hat dich gern."
"Ich mag dich auch Alith", sagte Icheb an den Drachen gewandt.
Er hatte schon von Jaxom gestern gehört, daß die Drachen sich mit ihrem Reiter durch eine Art Telepathie verständigten und natürlich umgekehrt.
"Naomi, Zeit zum Fäden bekämpfen!" rief ihr T'qran im Vorbeigehen zu.
"Ich glaube, du mußt mir noch eine Menge erklären", meinte Icheb, der von Fäden noch nichts gehört hatte. Naomi vertröstete ihn auf den Nachmittag und machte sich dann fertig.
Da ihre Königin natürlich keinen Feuerstein kauen würde (das hing mit der Fruchtbarkeit zusammen, nur goldene Drachen legten Eier, grüne z.B. wurden durch Feuerstein steril) schnallte sich Naomi einen Flammenwerfer auf den Rücken und dann hob das Geschwader ab. Manora hatte sich unterdessen Ichebs angenommen und erklärte ihm, was es mit den Fäden und den Drachen eigentlich auf sich hatte.
Als das Geschwader schließlich nach einigen Stunden zurückkehrte waren alle Reiter und ihre Drachen natürlich erschöpft. Es hatte einen Drachen und seinen Reiter schwer erwischt, die Flügelmembran würde lange Zeit brauchen um wieder zusammenzuwachsen und der Drache und sein Reiter fielen bestimmt für ein paar Monate aus, außerdem gab es noch drei weitere Reiter mit leichten Verbrennungen, doch Manora strich die Verletzungen dick mit Taubkraut ein und in ein paar Tagen wäre alles wieder verheilt.
"Alith, nehmen wir Icheb mit?"
"Natürlich, wenn ich von zwei Leuten geschrubbt werde ist das noch besser als von einem."
So rief Naomi Icheb zu sich und erneut flogen sie zum Südkontinent in eine wunderschöne Bucht, schrubbten Alith tüchtig ab und tummelten sich dann im Wasser. Es endete in einer Wasserschlacht aus der Alith als eindeutige Siegerin hervorging. Während Alith sich im heißen Sand halb eingrub und es gemütlich hatte gingen Naomi und Icheb ein Stück in den Dschungel des Südkontinents.
Nach einigen Minuten erreichten sie eine kleine Lichtung und legten sich dort ins Gras. Icheb fuhr durch Naomis Haar und beide küßten sich leidenschaftlich kurz darauf. Sie rollten im Gras herum, wollten immer mehr.
Doch plötzlich raschelte es im Gebüsch nahe der Lichtung. Naomi blickte auf und sah sich suchend um. Und dann traten von drei Seiten schwarz-gelb gestreifte Raubkatzen aus den Büschen. Ganz langsam kamen sie näher. Icheb und Naomi stand der Schreck und die Angst ins Gesicht geschrieben und beide rutschten zurück bis sie irgendwann einen dicken Stamm im Rücken hatten und nicht weiterkonnten.
Vom Strand her hörten sie ein wütendes Trompeten, Alith hatte Naomis Angst gespürt und war im höchsten Grade alarmiert.
Die Raubkatzen kam immer näher und leckten sich schon die Mäuler.
Doch dann tauchte über der Lichtung auf einmal Alith auf, stieß wütend auf die Katzen nieder und versuchte sie zu verjagen. Schützend landetet sie vor Naomi und Icheb und stellte sich auf ihre mächtigen Hinterbeine, die Flügel weit gespreizt.
Die Raubkatzen waren zwar ein Stück zurückgewichen aber es war nur ein Drache und sie zu dritt. Und so ein leckeres Mittagessen wollten sie sich nicht entgehen lassen. Während die eine Katze seitlich um Alith herumschlich machten sich die beiden anderen Katzen zum Angriff bereit. Was dann passierte war ein heilloses Durcheinander. Naomi schrei gellend auf als die beiden Raubkatzen auf Alith zujagten und sie anspringen wollten, zur gleichen Zeit hatte sich Icheb einen dicken Ast geschnappt und der dritten Raubkatze damit kräftig auf die Nase gehauen, was die Katze aber nur wütend machte und sie Icheb ansprang der ihr den Ast tief ins Maul rammte. Icheb schrie auf als die Krallen ihm tiefe Kratzer auf seiner Brust zufügten. Immerhin hatte er es aber doch noch geschafft und die Raubkatze getötet. Alith hatte inzwischen beide Katzen abgewehrt und peitschte mit ihrem Schwanz auf beide ein. Naomi war schneeweiß im Gesicht. Zwei Katzen hatten ihre Alith angegriffen, eine Icheb und dieser lag jetzt verletzt da. Sie hoffte, daß Alith gegen die beiden Katzen ankam und kümmerte sich um Icheb.
Doch dann tauchte endlich Hilfe auf. Alith hatte Golanth und Branth zu Hilfe gerufen und die beiden tauchten nun über der Lichtung auf. Golanth stieß hernieder, packte eine Raumkatze mit seinen Krallen und wirbelte sie weit weg durch die Luft. Die letzte Raubkatze sah sich durch die Übermacht der Drachen nun eindeutig im Nachteil und verschwand fauchend im Dickicht.
Golanth verschwand sofort wieder im Dazwischen, kehrte aber wenig später mit F'lessan und Manora wieder zurück. Branth war neben Alith auf der Lichtung gelandet und stand wachsam am Rand vor dem Dickicht, sollte es eine Raubkatze doch noch wagen zurückzukommen. Alith hatte zum Glück keine Verletzung davongetragen, nur Icheb hatte es schlimm erwischt. Naomi hatte ihr Hemd ausgezogen um das viele Blut zu stoppen, das aus den drei langen Wunden austrat.
Golanth landete dicht neben Alith und F'lessan und Manora eilten sofort zu Icheb.
F'lessan zog Naomi sanft beiseite und Manora untersuchte Icheb. Schon nach wenigen Augenblicken seufzte sie erleichtert auf.
"Es ist nicht so schlimm wie es aussieht, die Wunden sind nicht so tief. Allerdings wird er in den nächsten Tagen schön das Bett hüten müssen."
Naomi beruhigte sich allmählich. Icheb würde es schaffen und Alith und ihr war nichts passiert.
"Wie kamt ihr so schnell her?" fragte sie F'lessan.
"Tja, im Weyr war auf einmal der Teufel los, Branth und Golanth trompeteten auf einmal laut, flogen los und waren schon verschwunden. Dann tauchte Golli wieder auf, teilte mir mit ich solle Manora und ihre Heilertasche holen und schleunigst kommen. Wir sind ein bißchen in der Zeit zurückgesprungen, deshalb waren wir so schnell hier."
"Ich habe Branth und Golanth um Hilfe gebeten, es waren zu viele Raubkatzen", erklärte Alith.
"Ich danke euch, daß ihr sofort gekommen seid. Und dir meine Liebe danke ich ganz besonders, daß du so schnell reagiert hast und uns gerettet hast."
"Du weißt ich würde für euch alles tun", meinte Alith und stupste ihre Schnauze vorsichtig an Naomis Schulter. Naomi umarmte sie und drückte sie fest an sich.
Manora hatte Ichebs Wunden inzwischen gereinigt und mit Taubkraut bestrichen, jetzt legte sie ihm gerade einen Verband für den Transport an.
Sie hoben ihn auf Alith wo Naomi ihn wie ihren kostbarsten Schatz festhielt.
F'lessan und Manora stiegen wieder auf Golanth und schon waren die drei Drachen wieder in der Luft und um kurz darauf über dem Weyr zu schweben. Lessa und F'lar standen schon wartend am Eingang. Natürlich hatten sie inzwischen von ihren Drachen erfahren was los gewesen war und F'lar trug Icheb in sein Zimmer wo Manora sich noch einmal um ihn kümmerte.

Icheb's Sorgen

Icheb erwachte und sah im Dämmerlicht die Umrisse von Naomi.
"Was ist passiert?" fragte er leise.
Naomi kam sofort zu ihm ans Bett. "Icheb, Gott sei dank! Du wurdest von der Raubkatze verletzt als Du uns beschützt hast! Aber keine Sorge, es war nicht so schlimm wie es aussah, Manora hat die Kratzer mit Taubkraut bestrichen und in ein paar Tagen ist alles verheilt. Vorausgesetzt du bleibst so lange brav im Bett liegen."
Naomi grinste ihn an. Icheb lächelte ebenfalls und meinte: "Schätze, wenn ich das nicht mache bekomme ich Ärger mit Manora, dir und Alith."
"Sehr richtig erkannt Mister."
Naomi drückte ihm einen Kuß auf die Nasenspitze.
"Ich muß jetzt leider weg, demnächst wird eine Königin wieder in Hitze kommen, ich muß Alith wegbringen. Wir sehen uns später."
Icheb nickte. Auch davon hatte ihm Manora am Tag vorher erzählt. Wenn ein goldener in Hitze kam mußten die anderen weggebracht werden, sonst könnte es zum Kampf unter Königinnen kommen.
An der Tür dreht sich Naomi noch einmal zu ihm um. "Ich liebe dich", sagte sie und verschwand dann.
"Ich liebe dich auch", flüsterte Icheb und er versuchte wieder zu schlafen.
Naomi stieg unterdessen auf Alith, die anderen Königinnen waren schon weg und Naomi war etwas in Eile.
"Auf meine Liebe, laß uns ans Meer fliegen!"
Alith erhob sich in die Luft und verschwand kurz darauf im Dazwischen.
Manora schaute unterdessen nach Icheb, der nicht schlafen konnte weil im Weyr zu große Aufregung herrschte und immer wieder laute Stimmen an sein Ohr drangen. Und weil er auch noch nie einen Paarungsflug erlebt hatte, bat er Manora inständig zusehen zu dürfen. Da es nur ein paar Schritte bis zum Weyrkessel waren hatte Manora nichts einzuwenden. Sie stellte Icheb einen Stuhl nach draußen und half ihm sich so hinzusetzen, daß der Schorf nicht aufreißen würde. Die goldene Königin war bereits dabei das Blut der gerissenen Böcke zu trinken, in wenigen Sekunden würde sie aufsteigen. An den Kesselrändern hockten schon die Bronzedrachen, bereit ihr zu folgen und sie zu erobern.
Als sie endlich aufstieg war sie unglaublich schnell, die Bronzenen flogen hinterher, doch die Königin schien sie einfach nicht fangen zu lassen. Immer höher stiegen sie hinauf, bis Icheb die Drachen nur noch als kleine Punkte am Himmel erkennen konnte.
Manora trat neben Icheb und erklärte ihm, was nun passieren würde. Irgendwann würde es einem Bronzenen gelingen Amaranth zu fangen und dann würden sie sich in der Luft noch paaren. Ähnlich war es hier im Weyr. Die Reiter der Bronzedrachen, die mit aufgestiegen waren umringten die Reiterin von Amaranth und warteten, ob ihr Drache Erfolg haben würde. Dann würden auch diese beiden Reiter den Liebesakt miteinander vollziehen, verstärkt durch die mächtigen Gefühle der Drachen. Ebenso passierte das bei den grünen Weibchen, die allerdings keine Eier legen würden weil sie durch den Feuerstein steril geworden waren.
In Icheb krampfte sich auf einmal etwas zusammen. "Heißt das, es wird derjenige der Partner der Reiterin, dessen Drachen das Weibchen erobert?"
"Ja, so ist es. Das heißt aber nicht, daß der Partner immer derselbe bleiben wird. Es kann sein, muß aber nicht."
Icheb war sehr bestürzt. Das hieß also, wenn Alith in Hitze kam würde Naomi mit irgendeinem anderen Drachenreiter schlafen müssen. Er würde sie teilen müssen. Ihn bestürzte das und er ging wieder zurück in das Zimmer von ihm und Naomi.
Es mußte doch eine Lösung geben…
Als Naomi später zurückkam sah sie Icheb völlig niedergeschlagen im Bett liegen. Sofort setze sie sich zu ihm und fragte, was los gewesen war.
Icheb erzählte, daß er beim Paarungsflug zusehen durfte und von Manora die Hintergründe erfahren hatte.
Naomi wurde schweigsam, nahm seine Hand und drückte sie fest. "Ich weiß. Aber früher habe ich mir darum keine Gedanken gemacht, denn du warst nicht da und ich allein. Aber vorhin… als ich mit Alith fort war habe ich darüber nachgedacht. Ich fürchte, in der Beziehung ist uns ein Zusammenleben leider nicht bestimmt. Es sei denn natürlich, auch du könntest einen Drachen auf dich prägen, einen Bronzedrachen. Aber das können nur die Drachen bestimmen, wen sie als Partner wollen." Naomi seufzte und wurde ebenfalls traurig.
"Aber ihr könnt trotzdem zusammenleben. Es wäre nur wenige Male im Jahr, wenn du mit einem anderen Partner…"
"Ich weiß, aber ich weiß nicht, ob Icheb damit leben könnte."
Naomi hatte dies laut, nicht in Gedanken gesagt. Icheb wußte, daß Alith mit ihr geredet hatte, Naomis Gesichtsausdruck wurde immer etwas abwesend wenn sie mit Alith sprach oder umgekehrt.
"Ich liebe dich wirklich, so sehr, daß ich dich auch teilen werde wenn ich muß. Aber ohne dich möchte ich nicht sein", sagte er und zog sie sanft zu sich heran.
"Und wer weiß, vielleicht gelingt es mir ja doch einen Bronzedrachen auf mich zu prägen."
Naomi wußte, daß dies eine sehr geringe Chance war, aber immerhin war es eine.
"Alith, meinst du, Icheb würde als Kandidat für das neue Gelege in Frage kommen?"
"Ja, selbst Ramoth hat ihn Lessa schon als neuen Kandidaten vorgeschlagen. Er wäre ideal als Drachenreiter. Er hat großes Potential."
Naomi berichtete, was Alith ihr gesagt hatte und in beiden Gesichtern sah man die Hoffnung leuchten.
"Doch jetzt mußt du erst mal wieder auf die Beine kommen, ein paar Wochen hast du noch, dann werden wieder Jungdrachen schlüpfen. Und bis dahin…" Naomi grinste, ging zum Tisch und nahm das Padd, das Chakotay ihr in die Hand gedrückt hatte damals. Icheb war schon neugierig. Naomi setze sich zu ihm und begann dann die erste indianische Legende vorzulesen. Denn das war auf dem Padd, Geschichten, die Naomi früher immer so gerne von ihm gehört hatte. Nun las sie sie Icheb vor.

Gegenüberstellung und Icheb's Plan

Ichebs Verletzungen heilten gut und bereits nach einigen Tagen konnte er aufstehen und Naomi flog mit ihm auf Alith zum Meer. Manora meinte, es würde ihm guttun im Salzwasser zu baden. Dadurch würde die Haut schneller heilen.
Alith flog die beiden täglich zum Meer und Manora hatte Recht. Das Salzwasser war sehr gut für Icheb. Nach einer Woche waren nur noch dünne Narben von dem Angriff zurückgeblieben.
In den nächsten Wochen wurde Icheb mit dem Leben im Weyr und auf Pern vertrauter. Auch er begann diese Welt sehr zu schätzen und zu lieben, natürlich gab es hin und wieder irgendwo ein paar Krisen, die aber mit Hilfe von Meister Robinton, seinen Gesellen und Lessa und F'lar auf geschickte Art und Weise gelöst werden konnten. Er erfuhr alles über die Geschichte Perns, die Drachen und die Fäden.
Er hatte zwar immer etwas Angst wenn Naomi mit dem Geschwader fliegen mußte, aber zum Glück kamen sie und Alith immer unbeschadet nach Hause.
Und eines schönen Tages war es dann soweit, das Gelege von Amaranth war ausgehärtet und die Drachen konnten jeden Moment schlüpfen. Icheb war tatsächlich zu einem Kandidaten geworden, wie Lessa meinte: Sogar zu einem vielversprechenden Kandidaten.
Naomis Nerven waren zum zerreißen gespannt.
"Mach dir keine Sorgen, ich bin sicher, daß er es schaffen wird. Es geht los!"
Das Summen der Drachen begann. Und das erste Ei bekam Risse. Dann platze es auf und ein kleiner Bronzedrache erblickte das Licht. Naomis Herz klopfte wie ein Trommelwirbel. Der kleine Bronzedrache marschierte geradewegs von Icheb weg und ging die Bindung mit einem Jungen von Burg Fort ein. Großer Jubel brach aus, und der Junge ging stolz mit seinem kleinen Bronzedrachen in die unteren Höhlen.
Dann ging es auch schon weiter. Es schlüpften als nächstes drei Grüne, dann kam ein brauner, wieder ein Grüner, fünf blaue, zwei bronzene, die aber wieder nicht Icheb erwählten und dann waren nur noch zwei Eier übrig und fünf Kandidaten. Das vorletzte Ei Platze und ein weiterer brauner Drache erblickte das Licht der Welt.
Es steuert schnurstracks auf den Jungen neben Icheb zu und dieser konnte sein Glück kaum fassen. Naomi war bitter enttäuscht. Die Chance, daß jetzt noch ein bronzener schlüpfte, der dann auch noch Icheb wählen würde war verschwindend gering.
Die letzte Schale platze auf und Naomi traute ihren Augen nicht, als ein bronzefarbener Drache die restlichen vier Kandidaten beäugte und dann auf ihren Icheb zulief!
Icheb sah ihm in die Augen. "Er heißt Belenth!" sagte er und konnte es nicht glauben. Er hatte es geschafft, er hatte einen Drachen für sich gewonnen.
Naomi saß wie versteinert da und konnte es ebenfalls nicht glauben.
Belenth verlangte lautstark nach Futter und Icheb brachte ihn in die unteren Höhlen. Naomi kam später nach und beide lagen sich vor Glück in den Armen. Icheb konnte jetzt das unglaubliche Gefühl, mit einem Drachen reden zu können, nachvollziehen. Er liebte Belenth und verstand nun auch die tiefen Gefühle Naomis für Alith. Er verstand sowieso so viel mehr jetzt. Alles war wunderbar.

Auch für Icheb gingen nun die anstrengenden Wochen der Drachenpflege und der anschließenden Ausbildung los. Sein Belenth gedieh prächtig und würde, nach einhelliger Meinung aller Weyr Bewohner hinter Mnementh der größte Bronzedrache werden.
Viel früher als andere Drachen konnte Belenth schon fliegen und Icheb machte mit Naomi und Alith viele Ausflüge, vorrangig zum Meer. Ins Dazwischen konnte er seit einigen Tagen gehen, seine Ausbilder hatten mit ihm schon Sonderstunden gemacht weil Belenth so weit entwickelt war.
Doch dann passierte etwas ganz anderes. Alith kam zum ersten Mal in Hitze.
Naomi sah die Anzeichen als erste, Aliths Schuppen glänzten mehr als sonst und ihre Gefährtin warf den Bronzedrachen neckische Blicke zu. Vor allem Belenth, weil sie ihn am besten kannte und er gefiel ihr. Allerdings war Belenth noch zu jung für einen Paarungsflug, das wußten alle.
Doch Icheb wollte nicht, daß Naomi und Alith von anderen als ihm und Belenth erobert würden, und er hatte auch schon eine Idee. Alith würde erst in ein paar Stunden zum Paarungsflug aufsteigen, er hatte also noch etwas Zeit.
"Belli, schaffst Du schon einen Zeitsprung?"
"Nur wenn du mit sagst, wohin ich soll", jammerte er. Auch er wollte Alith unbedingt fliegen.
Icheb überlegte. Dann präsentierte sich ihm die Lösung seiner Probleme in einem Wort: "Jaxom!"
Icheb sprang auf Belenths Rücken und beide flogen nach Ruatha.
Jaxom stand schon im Hof um sie in Empfang zu nehmen, Ruth hatte ihn informiert, daß die beiden bald eintreffen würden.
"Icheb! Was ist los?" fragte Jaxom und begrüßte seinen Freund.
"Jaxom, kann dein Ruth uns an einen ruhigen Ort in die Vergangenheit bringen? Alith kommt in Hitze und Belenth ist noch zu jung für einen Paarungsflug."
Jaxom durchschaute sofort Ichebs Plan, doch ganz wohl war ihm nicht dabei.
"Du willst mit Belenth ein paar Monate in der Vergangenheit bleiben, stimmt's? Bis er kräftig und reif genug für den Paarungsflug ist!"
Icheb nickte. Es wunderte ihn nicht, daß Jaxom ihn sofort durchschaut hatte.
"Hilfst du uns? Bitte!"
"Falls du an gewisse Regelverstöße denkst – wie oft sind wir früher in der Zeit gesprungen um Feuer speien zu üben? Das hier ist eine noble Sache, es wird schon klappen." Ruth war inzwischen auch bei den dreien angekommen.
Jaxom kratze sich am Kopf. "Also, Ruth findet es eine noble Sache und ich eigentlich auch. Wir müssen also Euch genug Öl einpacken und an einen Ort bringen, an dem es verlassen und sicher vor Fäden ist. Außerdem muß es Wherris geben damit ihr etwas zu essen habt. Hm…"
Ruth kam ihm zu Hilfe. "Wie wäre die Waldgrenze von Ruatha? Dort gibt es in den Bergen genug Höhlen, frisches Wasser und genug Wherris und Fische. Außerdem lebt dort keiner."
Belenth nickte bereits und Jaxom sagte es Icheb. Jaxom holte schnell einige Kanister Öl für Belenth zum Einreiben, Decken und ein Jagdmesser für Icheb und dann stiegen sie auf.
Ruth übermittelte Belenth die Koordinaten und beide Drachen tauchten ins Dazwischen und kamen an der Gebirgs-Wald-Grenze von Ruatha vor 5 Jahren an.
Icheb bedankte sich und Jaxom versprach, ihn oft zu besuchen. Er mußte nur 5-6 Monate hier ausharren, dann wäre Belenth soweit.
Icheb vermißte zwar seine Naomi, doch er war sich dafür ganz sicher, daß sein Belenth Alith erobern würde. Er war der jüngste und stärkste Bronzedrache. Es mußte einfach klappen.
Jaxom tauchte öfters bei Icheb auf und staunte jedes Mal, wie sehr Belenth gewachsen war.
Und dann, nach einem halben Jahr stieg Icheb wieder auf seinen Drachen und sie gingen ins Dazwischen. Genau eine Stunde, nachdem sie damals Benden verlassen hatten kamen sie wieder an.
Alle staunten nicht schlecht, als Icheb mit einem ausgewachsenen und sehr prächtigen Bronzedrachen wieder landete.
Lessa und F'lar kamen mit blitzenden Augen auf ihn zu und Icheb wußte, daß ihm eine Standpauke bevor stand. Und die bekam er auch, aber gehörig.
Lessa und F'lar waren sehr ungehalten über Icheb, es hätte sonst etwas passieren können und sie brummten ihm eine saftige Strafe auf. Icheb trug es mit Fassung, daß er sie nächsten 3 Siebenspannen damit beschäftigt sein würde die unteren Höhlen zu putzen und den Rest des Weyrs.
Er hatte erreicht was er wollte: Belenth würde zum Paarungsflug um Alith aufsteigen.

Ein erfolgreicher Paarungsflug

Ein paar Stunden später war es dann soweit. Die anderen goldenen Weibchen waren weggebracht worden und F'lar stand hinter Naomi, die unbedingt die Kontrolle über ihre wilde Alith behalten mußte.
"Sie darf nur Blut trinken, laß sie kein Fleisch essen, hörst du Naomi?" sagte F'lar immer und immer wieder eindringlich. Naomi, die von dem Zustand ihrer Alith voll getroffen war, hatte Schweißperlen auf der Stirn aber sie zwang Alith konsequent nur das Blut zu trinken von den Wherris.
"Trink nur das Blut, du darfst kein Fleisch essen, hörst du Alith? Sonst kannst du nicht hoch genug aufsteigen. Nur das Blut trinken, Alith!"
Alith wollte fressen, sie war völlig wild und würde jetzt jeden angreifen, der ihr zu nahe kam. Doch Naomi behielt die Kontrolle über sie und Alith trank von den gerissenen Böcken nur das Blut. Und dann stieg sie auf.
Spielerisch neckend flog sie dicht an den Bronzedrachen vorbei und machte waghalsige Manöver um ihnen zu entkommen. Sie lachte sie aus, jawohl! Kein Bronzedrache würde sie, die goldene Alith jemals bekommen können! Sie stieg immer höher und höher auf, die Bronzedrachen folgten ihr, doch sie entwischte ihnen immer. Belenth war am dichtesten. Er hatte nur noch einen Konkurrenten, die anderen warn zu weit entfernt um ihm Alith streitig zu machen. Alith provozierte die beiden Konkurrenten indem sie nahe an sie heranflog um im letzten Moment zu entwischen. Belenth änderte seine Taktik. Er gab vor aufgeben zu müssen und hielt etwas Abstand. Alith fiel darauf herein und beachtete ihn nicht weiter. Doch auf einmal war er hinter ihr und sie konnte nicht mehr ausweichen. Belenth hielt sie fest und beide fingen an in die Tiefe zu trudeln.
Naomi spürte, daß es soweit war. Ein unbändiges Verlangen überkam sie und sie war genauso wild wie ihre Alith. Das Verlangen in ihr, SIE war Alith. Jemand hatte sie auf ein Bett gebracht und ein Mann umklammerte sie. Naomi und Icheb wurden eins, ebenso wie ihre Drachen. Als Naomis Geist sich später wieder klärte sah sie auf sich das schweißnasse Gesicht von Icheb. Belenth hatte es also geschafft. Er hatte Alith geflogen. Sie sandte ihre Gedanke zu Alith aus, fragte, ob alles in Ordnung wäre. Alith lag neben Belenth auf dem Plateau, die Schwänze verschlungen und beide waren am einschlafen. Alith übermittelte ihr dieses Bild, ebenso Belenth an Icheb.
Naomi seufzte glücklich. Alles war in Ordnung. Sie hatten es geschafft. Die Chancen, daß ein anderer Bronzedrache in Zukunft Alith fliegen würde, war gering. Icheb und sie waren nun nicht nur Weyrgefährten, sie waren wirkliche Gefährten.
Er war genauso glücklich wie sie.

Die Voyager war unterdessen auf der Erde angekommen, sie hatten ein Wurmloch entdeckt, das sie etwa 5000 Lichtjahre der Erde entfernt wieder ausspuckte.
Auch auf der Erde war das Glück perfekt. Chakotay hatte seinem Captain, nachdem sie von der Flotte von Admiral Paris in Empfang genommen wurden, ganz still und heimlich bei einem romantischen Abendessen einen Heiratsantrag gemacht, den Kathryn nur zu gerne angenommen hatte.
Wenig später hatten sie geheiratet und waren 2 Jahre später Eltern geworden. Sie nannten die Kleine Alessandra und lebten noch lange Zeit glücklich auf der Voyager, die unter ihrem Kommando wieder in die unendlichen Weiten des Weltalls aufgebrochen war.

Auch bei Naomi und Icheb erblickte ein Mädchen das Licht der Welt, der erste Paarungsflug war nicht nur bei Alith erfolgreich gewesen, die 18 Eier gelegt hatte.
Naomi und Icheb nannten ihre Tochter ihres Captains zu Ehre Kathryn.

ENDE