Chakotay war auf dem Weg zurück in sein Quartier. Der Abend hatte so gut angefangen und wieder einmal war er enttäuschend ausgegangen. Dabei hatte er so gehofft dass er es diesmal schaffen würde den Eisberg zu durchbrechen, der seinen Captain umgab. Seit Tagen hatte er diesen Abend so sorgfältig geplant und vorbereitet, Romantik pur auf dem Holodeck mit einem Essen und Tanzvergnügen. Danach der Spaziergang im Schnee zu der kleinen Blockhütte auf dem Berg mit einem prasselnden Kaminfeuer und gewürztem Wein. Kathryn war heute Abend so gelöst gewesen dass er schon dachte, er habe es endlich geschafft und sie endlich die verfluchten Protokolle vergessen zu lassen.
Sie hatte sich auf der Couch an ihn gekuschelt und beide hatten einfach nur dagesessen und in das Feuer geschaut. Sie hatte ihm sogar wortlos erlaubt seine Hände über ihre Schulter und Arme wandern zu lassen, hatte jede Berührung von ihm genossen.
Doch gerade als sein Mut so weit gewachsen war, dass er es wagte langsam ihre Haare und ihr Gesicht zu streicheln und seine Augen hungrig auf ihre Lippen sahen, da hatte sie geseufzt und sich von ihm gelöst. Sie hätte noch einige Berichte zu lesen, hatte sie gesagt, dann dankte sie ihm für den schönen Abend und verließ das Holodeck. Chakotay hatte diese Zurückweisung am schwersten bisher getroffen und zum ersten Mal seit Jahren stahl sich ein verzweifelter Gedanke in seinen Kopf, der ihm sagte, er solle es einfach lassen.

Sie wird dich niemals die Grenze überschreiten lassen, warum quälst du dich weiter? So sehr sie ihn immer wieder verletzte wusste er doch, dass es für sie nicht so einfach war. Seine Wut richtete sich auf die Verfasser der Sternenflotten Protokolle, die den Absatz über "persönliche Beziehungen des Captains mit der Crew" geschaffen hatten. Er wusste genau, dass Kathryn unter dieser Klausel litt, und egal wie oft sie ihn wegstoßen würde, er würde immer für sie da sein. Zumindest als Freund. Doch tief in seinem Inneren konnte und wollte er nicht aufgeben. Sie brauchte ihn und er brauchte sie.
Frustriert betrat Chakotay sein Quartier und beschloss, seinen geistigen Führer aufzusuchen. Er brauchte dringend Kraft um Kathryn nicht doch aufzugeben.

Unterdessen saß eine sehr verzweifelte Kathryn Janeway in ihrem Quartier und starrte in die Dunkelheit des Alls hinaus. Sie war so kurz davor gewesen sich ihm hinzugeben, den Absatz, der es einem Captain untersagte zu einem Crewmitglied eine intime Verbindung einzugehen, einfach zu vergessen. Doch sie konnte es dann doch nicht. Und so hatte sie wieder einmal Chakotay verletzt. Sie hatte es in seinen Augen gesehen und verwünschte langsam seine Hartnäckigkeit. Er musste doch wissen, dass sie ihm nicht geben konnte was er wollte... und was sie wollte auch nicht. Es war eine prekäre Lage, in der sie sich befand. Sie wünschte sich manchmal nichts sehnlicher als einfach den Mut zu haben und die Grenze zu ihm zu überschreiten. Und sie konnte nicht mehr mit ansehen, wie er unter ihren Zurückweisungen litt und es dennoch immer wieder erneut versuchte. Heute hatte er sich so viel Mühe gegeben und sie hatte es wieder kaputt gemacht. Eine emotionale Welle schlug über Kathryn zusammen, eine verzweifelte Sehnsucht nach Chakotay und seiner Liebe zu ihr. Als Captain musste sie von Haus aus ein stabiles, emotionales Gleichgewicht wahren, doch die Einsamkeit im Delta-Quadranten, Chakotays und ihr Verlangen nacheinander und die ständigen Beinah-Romanzen mit ihm zerfraßen sie langsam von Innen her. In letzter Zeit hatte sie immer öfters Mühe, ihre Captain-Maske ausrecht zu erhalten und zu funktionieren. Viel häufiger als früher suchte sie Zuflucht in ihrem Bereitschaftsraum um sich sammeln zu können oder in mehr Arbeit als je zuvor um sich ablenken zu können. Ihr Kaffeekonsum war stetig gestiegen und die Casinobesuche weniger geworden. Manchmal, so wie jetzt, kam sie sich wie ein hoffnungslos verlorener Junkie vor.
"Torres an Janeway", ertönte auf einmal ihr Combadge. Sofort gerieten die persönlichen Gedanken in den Hintergrund und der Captain trat in den Vordergrund.
"Sprechen Sie, B'Elanna."
"Captain, wir haben ein Problem mit den Warpspulen, sie müssen einmal gründlich gewartet werden. Bitte um Erlaubnis den Warpkern für die Dauer der Wartung abschalten zu dürfen."
"Erlaubnis erteilt, halten Sie mich auf dem Laufenden. Janeway Ende."
Da sie sich die nächsten Wochen keine Planeten angekündigt hatten konnte Janeway ohne große Überlegung der Abschaltung statt geben. Sie waren hier völlig allein. Bevor sie wieder ins Grübeln über ihren ersten Offizier kommen konnte, machte sie sich auf den Weg zum Maschinenraum um bei der Reinigung zu helfen. Es konnte sicher nicht schaden ihre Fertigkeiten etwas aufzufrischen.

Seven of Nine war auf dem Holodeck und hatte gerade ein holografisches Date. Es lief ganz und gar nicht gut, die Konversation stockte und ihr Date-Partner wusste schon gar nicht mehr, wie er auf sie reagieren sollte. Als sie ihn beim Tanzen auch noch eine Schulter ausrenkte, weil sie die Führung übernommen hatte, flüchtete er regelrecht vor ihr. Seven seufzte. So ähnlich waren die letzten Dates mit Hologrammen auch verlaufen. Natürlich hätte sie sich Hilfe beim Doctor holen können, aber da er selbst das Ziel ihrer Date-Bemühungen war, fand sie es völlig unpassend ihn um Hilfe zu bitten. Sie brauchte eine andere Lösung. Also würde sie es morgen noch einmal hier versuchen, irgendwann musste sie ja den Bogen herausbekommen. Beim Verlassen des Holodecks stieß sie mit Tom Paris zusammen, der gerade in seiner "Captain Proton Verkleidung" das Holodeck aufsuchen wollte.

"Seven!" grüßte er und hielt sie an den Schultern fest da sie sonst gefallen wäre.
"Mr. Paris, ich habe Sie nicht gesehen."
Tom ließ sie los und trat einen Schritt zurück. "Vor was sind Sie denn geflüchtet?" fragte er heiter.
Seven suchte nach den passenden Worten. "Meine Bemühungen im Umgang mit männlichen Partnern scheint nicht von Erfolg gekrönt zu sein", sagte sie dann.
Tom musste lachen. "Soll das heißen Sie hatten ein Date?" fragte er ungeniert.
Seven schaute verlegen zur Seite. "Um genau zu sein, war es eine Übung für ein richtiges Date", gab sie zu.
Toms Interesse war geweckt. "Und woran ist es gescheitert?"
"An meiner Unzulänglichkeit Konversation zu betreiben und zu tanzen. Aber vielleicht können Sie mir helfen? Soviel ich weiß haben Sie ein Verhältnis mit B'Elanna Torres, zeigen Sie mir was ich machen muss", konstatierte sie.
Tom stieg die Röte ins Gesicht. "Ehm, ganz ehrlich glaub ich nicht, dass ich dafür der Richtige bin Seven, sorry. B'Elanna würde mich vermutlich umbringen wenn ich mit Ihnen das Daten übe. Aber fragen Sie doch mal Commander Chakotay. Er ist in solchen Dingen mindestens genauso bewandert wie ich und soviel ich weiß, hat er keine Freundin die eifersüchtig werden könnte."
Seven überlegte einen Moment, dann sagte sie: "Eine gute Idee. Ich werde mich sofort auf den Weg zum Commander machen." Damit rauschte sie an Tom vorbei und steuerte auf Chakotays Quartier zu. Tom sah ihr grinsend hinterher und betrat dann das Holodeck.

Chakotay saß auf der Couch und las einige Berichte, als der Türmelder ertönte.
"Herein", sagte er.
Seven trat ein. "Störe ich, Commander?" fragte sie.
Chakotay stand überrascht auf. "Keineswegs, ich habe noch Berichte gelesen. Kann ich Ihnen helfen?" Er bedeutet ihr auf einem Sessel Platz zu nehmen. Er selbst setzte sich wieder auf die Couch. Seven kam der Aufforderung nach und saß dann etwas unbeholfen dem ersten Offizier gegenüber.
"Commander, würden Sie mir in einer persönlichen Angelegenheit helfen?" fragte sie. Chakotay war sehr überrascht, Seven hatte ihn noch nie in persönlichen Belangen sprechen wollen. "Um was geht es denn?" fragte er erst einmal nach.
"Ich war auf dem Holodeck um die zwischenmenschlichen Beziehungen von Männern und Frauen zu studieren, doch sämtliche Versuche meinerseits einem männlichen Partner näher zu kommen sind gescheitert. Mr. Paris riet mir, bei Ihnen Hilfe zu suchen."
Chakotay musste schmunzeln. "Heißt das, Sie bitten mich darum Ihnen Unterricht bei Verabredungen zu erteilen?" fragte er direkt.
Seven blickte kurz zur Seite und atmete tief ein. "Wenn Sie es so formulieren wollen, ja."
Chakotay überlegte, ob er auf Sevens Bitte eingehen sollte. Ganz wohl war ihm nicht dabei, er hielt Tom für den besseren Lehrer und sagte dies auch.
"Mr. Paris hat aufgrund seines Verhältnisses zu B'Elanna Torres seine Hilfe verweigert", sagte sie daraufhin. Chakotay nickte. "Das verstehe ich, B'Elanna kann sehr... eifersüchtig werden." Nach einer kurzen Bedenkzeit sagte er schließlich: "Also gut, ich werde mein bestes tun und Ihnen die Grundregeln einer Verabredung beibringen. Treffen wir uns morgen Abend um 18 Uhr auf dem Holodeck."
Seven stand auf und sagte: "Vielen Dank, Commander." Dann verließ sie sein Quartier.

Den Tag über hatte Chakotay nicht viel zu tun. Er saß mehr oder weniger schon gelangweilt auf der Brücke, der Sessel rechts neben ihm war leer. Der Captain war im Maschinenraum und half bei den Warpspulen. Chakotay war halb enttäuscht, halb froh dass der Captain heute nicht da war, der gestrige Abend machte ihm noch zu schaffen. Doch zum Ende der Schicht wünschte er sich, Kathryn wenigstens zu sehen. Leider blieb ihm dieses Glück nicht vergönnt und kurz vor 18 machte er sich dann auf den Weg in sein Quartier um sich etwas bequemes anzuziehen. Er hatte Seven geraten auch für sich etwas neues zu replizieren, eine Verabredung musste man nicht unbedingt in der Uniform antreten. Er entschied sich für eine schwarze Hose, ein blaues Hemd und drüber zog er ein schwarzes Jackett an. Auf eine Krawatte verzichtete er, schließlich fungierte er nur als Berater. Kurz bevor er das Holodeck erreichte begegnete er seinem Captain. Sie sah abgekämpft aus, etwas verschwitzt und ihre Uniform war nicht mehr ganz sauber. Überrascht musterte sie Chakotay, er sah verdammt sexy aus und ihr Herz pochte schneller.
"Hallo Kathryn", begrüßte er sie mit einem Lächeln.
"Commander", sagte sie knapp. Die Begrüßung ihrerseits ließ das Lächeln von Chakotay verschwinden. Schon wieder hatte sie ihn verletzt, doch sie war nach dem langen Tag einfach fertig und hatte, als sie Chakotay sah, sich nichts lieber gewünscht als ihm in die Arme zu fallen. Doch um die aufkeimende Welle der Emotionen gleich abzukühlen begrüßte sie ihn nur kühl. Chakotays Herz wurde schwer und er verstand nicht, warum er ihre Kälte zu spüren bekam. Er hatte doch nichts falsch gemacht? Oder war es noch der gestrige Abend der sie auf Distanz gehen ließ? Was es auch war, traurig verbuchte er die Begrüßung unter der Kategorie "Nur eine weitere Enttäuschung" und versuchte sich nichts anmerken zu lassen. "Sie sehen erschöpft aus Captain. Haben Sie die Warpspulen mit einem Lappen gereinigt?" versuchte er die Stimmung aufzuheitern.
Kathryn musste grinsen. "Dicht dran Commander. Ich will jetzt nur noch ein heißes Bad nehmen", entgegnete sie und versuchte ihren Schnitzer etwas auszugleichen.
In dem Moment kam Seven an und Kathryn bekam große Augen als sie sie sah. Seven hatte ihr Haare offen und trug ein atemberaubendes, enges Kleid.
"Captain, Commander", begrüßte sie die beiden und blieb dann neben Chakotay stehen.
Kathryn sah Chakotay an, dann wieder Seven und in ihrem Magen formte sich ein Eisklumpen. Doch sie ließ sich nichts anmerken. Mit einem Lächeln machte sie Seven ein Kompliment über ihr Aussehen und verabschiedete sich dann von den beiden.
Chakotays Gesichtsausdruck konnte sie nicht recht deuten, es schien ihm unangenehm zu sein, dass sie ihn mit Seven so gesehen hatte. Sie drehte sich noch einmal um und sah dann tatsächlich ihre Befürchtungen bestätigt. Chakotay ging mit Seven aufs Holodeck.
Eine unglaublich starke Verzweiflung stieg in Kathryn hoch, Seven und Chakotay. Jetzt hatte sie es geschafft, jetzt hatte sie bekommen, was sie wollte. Er hatte ein Date mit Seven. Sie hatte ihn verloren.
Am Gangende kam ein Crewmitglied in Sicht. Kathryn zwang ihre Gefühle zurück, straffte die Schultern und setze eine neutrale Miene auf.
"Captain", begrüßte Crewman Foster den Captain. Kathryn nickte ihr kurz zu und erreichte wenig später ihr Quartier. Dankbar allein zu sein zog sie ihre Uniform aus und stieg in ihre Badewanne. Ihre Gedanken kreisten nur um Chakotay und Seven und Tränen stiegen in ihr hoch.
Entschlossen unterdrückte sie sie. Das war es doch, was sie wollte, oder? Eine Beziehung mit Chakotay kam nicht in Frage, sie musste also froh sein, dass er sich nun einer anderen zuwendete.
Du belügst dich nur selber Kathryn, stellte eine mahnende Stimme in ihr fest.
Sie seufzte. Die Stimme hatte natürlich recht. Sie wollte Chakotay nicht an eine andere verlieren und schon gar nicht Seven.
Prima, genau, sag ihm das, aber stoße ihn dabei gleich wieder zurück Kathryn. Gönn ihm wenigstens sein Glück, ihn trifft keine Schuld. DU bist diejenige die ihn immer wieder auf Distanz gehalten hat.
Wieder kämpfte sie mit den Tränen, diesmal konnte sie sie jedoch nicht ganz zurückhalten.

Du musst dich damit abfinden, Kathryn, sagte sie sich selber.
Etwas später stieg sie aus der Wanne und trocknete sich ab. Sie überlegte sich vorerst möglichst von Chakotay fern zu halten, bis sie seine Beziehung mit Seven akzeptieren konnte. Sie brauchte einfach nur etwas Zeit. Eine schiffsweite Inspektion war eh fällig und ob sie nun Chakotay oder Tuvok begleitete, konnte sie sich aussuchen. Natürlich würde sie sich für Tuvok entscheiden. Für die Zeit danach würde ihr schon eine plausible Ausrede einfallen nur noch sporadisch auf der Brücke anwesend zu sein.
Ein mulmiges Gefühl beschlich sie, als sie ins Bett stieg und an die nächsten Tage dachte. Sie musste ihre Gefühle unbedingt unter Kontrolle halten. Keiner durfte ihr anmerken wie verzweifelt sie war. Sie fiel in einen unruhigen Schlaf und träume die Nacht davon, wie Chakotay mit Seven in ihrer Blockhütte am Feuer saß, nur dass Seven diesmal an ihn gekuschelt war und er sie verwöhnte.

Chakotay hätte sich einen besseren Zeitpunkt für Sevens Erscheinen gewünscht.
Hoffentlich zieht sie aus der Situation keine falschen Schlüsse, dachte er, doch auch wenn sie kurz überrascht ausgesehen hatte, hatte sie doch kurz darauf schon wieder ein Lächeln aufgesetzt und sogar Seven ein Kompliment gemacht und ihnen einen schönen Abend gewünscht.
Entweder ist es ihr egal, dass du mit Seven einen Abend verbringst, auch wenn es nur als Hilfestellung für Seven ist, oder sie ist eine verdammt gute Schauspielerin, überlegte er weiter. Er beschloss, aus seinem Treffen mit Seven keine große Sache zu machen und sich Kathryn gegenüber ganz normal zu verhalten.
Er hoffte nur, dass sie die Situation nicht fehl interpretierte. Obwohl er um nichts in der Welt auf seine Kathryn verzichtet hätte musste er sich doch eingestehen, dass Seven eine gewisse Anziehungskraft auf ihn ausübte.
Und wenn dich Kathryn weiterhin auf Distanz hält? Wäre es dann schlimm Dir jemanden zu suchen der Deine Liebe erwidert?
Energisch verdrängte Chakotay den Gedanken. Er war hier um Seven zu helfen jemanden zu daten. Und dieser Jemand würde nicht er sein.
Er hielt galant Seven seinen Arm hin, damit sie sich unterhaken konnte. Fragend schaute sie ihn an. Chakotay seufzte innerlich. Das würde ein langer Abend mit vielen Erklärungen werden.

Am nächsten Morgen betrat Chakotay die Brücke. Der Abend mit Seven war mit verstreichender Stunde immer besser verlaufen, zum Schluss hatte er sogar einige Male vergessen, dass sie eine ehemalige Borg war die von Liebe nichts wusste. Sie hatte charmant mit ihm geflirtet und seine Hinweise für ein angenehmes Gesprächsklima angenommen. Sogar das Tanzen konnte er ihr beibringen, als er sie aufgefordert hatte, ihm die Führung zu überlassen und nicht versuchen sollte, gegen ihn zu arbeiten. Seven hatte sich bei ihm für die Hilfe bedankt und wollte die Schematik des Abends noch einmal mit einem holografischen Partner üben, bevor sie an ihr richtiges Opfer herantreten wollte. Chakotay korrigierte seine Wortwahl. "Opfer" war nun nicht mehr angemessen. Seven hatte schnell und gut gelernt. Ihre Verabredung, wer immer es sein würde, konnte sich nun auf einen behaglichen Abend einstellen. Sein Blick glitt aus Gewohnheit zuerst auf den Sessel des Captains und enttäuscht stellte er fest, dass er wieder leer war. Auch Tuvok war nicht auf seinem Posten.
"Tom? Wo sind der Captain und Lt. Tuvok?" fragte er.
Tom drehte sich in seinem Pilotensessel zu ihm um und meinte: "Der Captain hatte heute die tolle Idee eine schiffsweite Inspektion anzusetzen, die mindestens zwei Tage in Anspruch nehmen wird."
Chakotay runzelte die Stirn, warum hatte sie Tuvok mitgenommen? Bisher hatte sie ihn doch immer dabei gehabt. Tom schien seine Gedanken zu erraten. "Falls sie sich wundern, dass der Captain Sie diesmal hier gelassen hat: Ihre Schicht fängt erst jetzt an und Tuvok und Sie sind schon seit zwei Stunden unterwegs", erklärte er.
Chakotay nickte. "Danke Tom, weichen Sie mal dem Asteroiden vor uns aus", sagte Chakotay und grinste als Tom mit großen Augen sich schnell umdrehte nur um zu erkennen, dass Chakotay ihn verschaukelt hatte.
Trotzdem merkwürdig, überlegte er, sie hätte auch warten können bis ich da bin oder mich wecken können. Chakotay wusste nicht so recht, was er von der Sache halten sollte, aber dann fiel ihm ein, dass Tuvok genauso für eine Inspektion verantwortlich war wie der erste Offizier. Und eigentlich hat sie dir sogar einen Gefallen getan, dachte er. Inspektionen gehörten zu den langweiligsten Aufgaben die ein erster Offizier haben konnte. Kathryn wusste, dass er Inspektionen nicht leiden konnte, vielleicht hatte sie deshalb Tuvok mitgenommen um ihn damit nicht zu langweilen. Je mehr Chakotay darüber nachdachte, desto eher glaubte er an die letztere Erklärung und wandte sich dann gut gelaunt einigen Padds zu.

Kurz vor Ende seiner Schicht glitten dann die Türen auf und er stand auf in der Erwartung, den Captain und Tuvok völlig entnervt hereinkommen zu sehen. Na gut, vielleicht nur den Captain, Tuvoks Gesichtsausdruck sah eh immer gleich aus, ob er nun lachte oder genervt war. Überrascht sah er, dass nur Tuvok eintrat und an seine Station trat.
"Wie war die Inspektion Tuvok?" fragte er. Vielleicht kam Kathryn gleich nach.
Tuvok hob eine Augenbraue, fast schon ein Zeugnis eines Seufzens, dann sagte er: "Die Stationen, die wir heute inspiziert haben lassen im Großen und Ganzen keine Beschwerden offen. In zwei Fällen haben wir ungenügend verrichtete Arbeiten festgestellt, diese sind jedoch nebensächlich für die Schiffsysteme. Meinen vollständigen Bericht erhalten sie in zwei Stunden."
Chakotay nickte. "Gute Arbeit. Wo ist der Captain?"
Tuvok hob erneut eine Augenbraue. "Unüblicherweise hat sich der Captain gleich in ihren Bereitschaftsraum zurückgezogen und wünscht ungestört noch die letzten Berichte zu überarbeiten", erklärte Tuvok.
Das kam Chakotay nun doch etwas seltsam vor. Er trat näher an Tuvoks Station heran und fragte dann leise, dass nur der Vulkanier es hören konnte: "Geht es dem Captain gut? Normalerweise lässt sie sich wenigstens einmal auf der Brücke sehen."
Tuvok antwortete nicht sofort. Doch schließlich sagte er: "Wie ich Captain Janeway kenne behagt es ihr nicht, wenn Sie nicht wirklich etwas zu tun hat. Ich gründe meine Vermutung auf die Tatsache, dass sie für heute und morgen eine schiffsweite Inspektion angeordnet hat und sich in Berichten vergräbt. Ich messe ihrem Verhalten daher keine Abnormalität zu, zumal sie ihre Arbeit mit der üblichen Effizienz und Ausgeglichenheit absolviert hat."
Chakotay nickte. "Ist gut Lieutenant. Sind Sie morgen ebenfalls für die Inspektion eingeteilt oder soll ich das diesmal übernehmen?"
"Der Captain und ich treffen uns um 0600 für die verbleibenden Stationen. Sie können Ihre Schicht daher wie gewohnt antreten."
"Na gut, dann sehen wir uns morgen Tuvok", sagte Chakotay und verließ die Brücke.
Trotz Tuvoks einleuchtender Erklärung hatte er und komisches Gefühl als er an das Verhalten des Captains dachte. Allerdings hatte er selbst auch immer viel zu tun, wenn er eine Inspektionsrunde beendet hatte.
Er beschloss, die Sache einfach noch ein paar Tage zu beobachten. Vielleicht bildete er sich auch einfach ungewöhnliches Verhalten ein, weil er ein schlechtes Gewissen hatte dass Kathryn ihn mit Seven auf dem Holodeck gesehen hatte. Er nahm sich vor einen neuen Versuch zu starten um Kathryn zu zeigen, wie sehr er sie liebte. Auch wenn es vermutlich wieder in einer Ablehnung enden würde. Er änderte seine Schritte Richtung Holodeck und kreierte dort ein neues Entspannungsprogramm.

Im Bereitschaftsraum saß derweil Kathryn und arbeitete sich durch Stapel von Padds. Sie hatte Tuvok um 6 Uhr zu einer Inspektion bestellt und war dann mit ihm den ganzen Tag beschäftigt gewesen. Anschließend hatte sie sich gleich in den Bereitschaftsraum mit der Ausrede der vielen Arbeit zurückgezogen und sich Störungen verbeten. Bisher hatte das auch alles geklappt.
Während des Rundgangs hatte sie mehrmals um ihr emotionales Gleichgewicht ringen müssen, und als sie eine Mittagspause angeordnet hatte, war Tuvok allein ins Casino gegangen.
Kathryn hatte die Zeit genutzt um sich in ihr Quartier zurückzuziehen und die Tränen, die sie nicht unterdrücken konnte, herauszulassen. Sie konnte nichts essen und hatte sich nur eine Tasse Kaffe repliziert.
Als sie ihr Gesicht wieder hergerichtet hatte, war die Pause gerade vorbei und den Rest des Tages marschierte sie weiter durch das Schiff.
Jetzt in ihrem Bereitschaftsraum hoffte sie nur, dass Chakotay nicht auf die Idee kommen würde und nach ihr zu sehen. Mit einem flauen Gefühl im Magen konzentrierte sie sich mehr auf die verstreichende Zeit bis zu Chakotays Schichtende als auf ihre Padds. Erleichterung erfasste sie zum Teil, als auch eine halbe Stunde nach Schichtende kein Chakotay hereinkam oder sich über das Comsystem meldete. Andererseits war sie auch traurig, war sie ihm so egal geworden? Er hatte sich bisher immer nach ihr erkundigt.

Was willst du eigentlich? hörte sie wieder die Stimme in ihrem Inneren. Soll er dich jetzt in Ruhe lassen oder nicht? Du kannst nicht beides haben.
Sie verfluchte ihre Gefühle, die gegensätzlicher nicht sein konnten. Ja, sie wollte, dass Chakotay sie in Ruhe ließ und ja, sie wollte auch, dass er sich weiterhin um sie kümmerte. Das war doch verrückt?
Nein, er hat jetzt Seven um die er sich kümmert, dachte Kathryn streng. Halt dich aus seinem Leben raus. Du hast es selbst vermasselt, sagte sie sich bestimmt zum 100. mal an diesem Tag.
Doch trotzdem wollte ein Teil von ihr ihn sehen und bei sich haben. Kathryn zerriss es schier. Ihr Magen meldete sich mit einem schmerzhaften Ziehen. Seufzend ließ sie den restlichen Kaffee stehen. Den ganzen Tag nur Kaffee auf nüchternen Magen musste ja schief gehen. Um sich abzulenken konzentrierte sie sich wieder auf die Padds und las die nächsten Stunden noch langweilige Berichte.

Gegen Mitternacht schaute sie aufs Chronometer und erschrak, dass es schon so spät war. Die Nachtschicht war längst angetreten und sie hätte längst schlafen sollen.
Ihr Magen meldete sich immer noch protestierend, doch sie hatte nicht vor zur Krankenstation zu laufen und sie eine Strafpredigt vom Doctor über ihren Kaffeekonsum gefallen zu lassen.
Die Offiziere der Nachtschicht sahen dann aber doch etwas perplex aus, als ihr Captain, die sie längst in ihrem Quartier vermutet hatten, aus dem Bereitschaftsraum trat, ihnen eine gute Nacht wünschte und dann die Brücke verließ.
Auf dem Weg zum Quartier quälten sie wieder die Gedanken an Seven und Chakotay. Und als endlich die Türen hinter ihr zuglitten gestattete sie sich noch einmal ihre Emotionen gehen zu lassen. Viel später schlief sie traurig ein.

Chakotay sah auch am nächsten Tag während seiner Schicht keinen Captain. Tuvok dagegen kam schon am frühen Nachmittag wieder auf die Brücke und verkündete, dass die Inspektion erfolgreich abgeschlossen sei. Auf Chakotays Nachfrage, wo Captain Janeway sei, meinte Tuvok nur wieder, dass sie die Berichte so schnell wie möglich fertig haben wollte und sich dazu wieder in ihren Bereitschaftsraum zurückgezogen habe. Chakotays ungutes Gefühl meldete sich wieder, und diesmal beschloss er, nach Kathryn zu sehen. Seit der Begegnung vor dem Holodeck hatte er sie nicht mehr gesehen und er hatte nicht vor, einen weitern Tag verstreichen zu lassen.
Er betätigte den Türmelder. Nach einer halben Ewigkeit, er war gerade versucht erneut auf den Summer zu drücken, hörte er ein schwaches "Kommen Sie rein".
Er trat ein und sah Kathryn hinter ihrem Computer sitzen, neben sich einen Stapel Padds und eine Kaffeetasse in der Hand. Sie sah ziemlich fertig aus, fand Chakotay.
"Kathryn?" fragte er unsicher. "Geht es Ihnen gut?"
Sie hatte dunkle Ringe unter den Augen, und ihre Haut unter den Augen war leicht gerötet. Chakotay bemerkte, dass ihre Hand leicht zitterte, in der sie den Kaffee hielt.
Ein gequältes Lächeln erschien auf ihrem Gesicht als sie sagte: "Alles bestens, die Nacht war wohl etwas kurz. Kann ich Ihnen helfen, Commander?" fragte sie und wandte sich wieder ihrem Padd zu.
"Ehrlich gesagt habe ich mir etwas Sorgen um Sie gemacht. Seit fast zwei Tagen waren Sie nicht mehr auf der Brücke und sind nur noch am Arbeiten."
Kathryn blickte nicht von ihrem Padd auf.
"Sie brauchen sich um mich gewiss keine Sorgen zu machen Commander, ich bin bald fertig hier und danach werde ich früh ins Bett gehen. Gibt es sonst noch etwas?"
Chakotay zuckte innerlich zusammen. Womit hatte er jetzt diesen Rausschmiss verdient? Naja, vielleicht wollte sie aber auch wirklich die Arbeit nur hinter sich haben und würde morgen wieder entspannter sein. Er wusste ja wie sie war, wenn sie sich in etwas verbissen hatte. Sie würde erst aufgeben, wenn alles erledigt war. Daher sagte er nur: "Nein, ich wollte bloß sehen ob Sie vielleicht Hilfe brauchen."
Den Blick weiterhin auf ihr Padd gerichtet sagte Kathryn nur: "Das ist sehr nett Commander, aber wie gesagt, ich brauche nicht mehr lange. Machen Sie sich nur einen schönen Abend." Damit war das Gespräch für sie beendet.
"Sie auch Captain", sagte Chakotay noch und wandte sich zum Gehen. In dem Moment meldete sich Seven bei Chakotay.
"Seven an Commander Chakotay, bitte kommen sie zum Holodeck 2."
Chakotay war überrascht was Seven von ihm wollte, sagte aber, da seine Schicht eh zu Ende war und der Captain auch keine Arbeit für ihn hatte: "Ich bin unterwegs." Dann schlossen sich die Türen hinter ihm.
Kathryn war ernsthaft bemüht ihre Lippen fest zusammenzupressen als sich Seven bei Chakotay gemeldet hatte. Erst hatte sie sich gefreut, dass er nach ihr gesehen hatte, obwohl sie wieder einmal, um die Hoffnung gleich zu ersticken, wieder kühl und abweisend zu ihm war. Doch als sich dann Seven meldete war es um ihre Fassung fast geschehen.
Kaum hatten sich die Türen hinter Chakotay geschlossen konnte sie ihre Tränen nicht mehr zurück halten. Außerdem wurden ihre Magenschmerzen jetzt fast unerträglich. Sie war am Morgen spät dran gewesen, hatte sich nur schnell einen Kaffee repliziert und auf Essen verzichtet. Die nächsten Tassen folgten dann damit sie wach blieb. Sie wusste sehr wohl, dass sie sich schadete, aber sie brauchte Koffein zum funktionieren. Allein schon an Essen zu denken bereitete ihr Übelkeit.
Eine Stimme hinter ihr ließ sie herumfahren.
"Na, na, Kathy, Sie sahen auch schon mal besser aus."

Kathryn starrte ihr Gegenüber wütend an.
"Q", knurrte Sie. "Verschwinden Sie von meinem Schiff!"
Q saß auf ihrer Couch und betrachtete sie mit einem Grinsen. Als er den letzten Satz hörte, heuchelte er Enttäuschung.
"Das ist aber keine besonders nette Art einen alten Freund zu begrüßen", jammerte er gekünstelt. Doch bevor Kathryn noch etwas sagen konnte, hatte er ihrem Wunsch Folge geleistet und war in einem weißen Lichtblitz verschwunden.
Entnervt klopfte sie auf ihr Combadge.
"Janeway an Tuvok, alarmieren sie die Besatzung, ich hatte gerade Besuch von Q. Ich weiß nicht was er diesmal will, aber falls ihn jemand sieht soll er sich unverzüglich melden."
"Verstanden."
Der hat mir gerade noch gefehlt, dachte Kathryn.
Nun ja, wenigstens hatte sein Auftauchen sie von Chakotay abgelenkt. Sie setzte sich wieder hin und wollte weiter lesen, jedoch musste sie das Padd wieder ablegen weil sie starke Magenkrämpfe bekam.
Stöhnend zog sie die Beine an und hielt sich den Bauch. Vielleicht sollte ich doch mal auf der Krankenstation vorbeischauen, überlegte sie, doch dann beschloss sie, einfach früh ins Bett zu gehen und den nächsten Tag eine Kaffeepause einzulegen. Die Magenschmerzen flauten etwas ab, blieben aber beständig bestehen. Sie nahm die letzten Padds mit in ihr Quartier, replizierte sich einen Tee und streckte sich in ihrem Sessel aus.
Und während du hier arbeitest vergnügt sich Chakotay mit Seven auf dem Holodeck, kam wieder die Stimme.

Vergnügen war vielleicht etwas übertrieben, Seven hatte Chakotay abermals um Hilfe gebeten. Ihre letzte Holosimulation hatte trotz Chakotays Training nicht so geendet, wie es hätte sein sollen und Seven hatte jetzt Chakotay als Beobachter verpflichtet, während sie mit einer Holofigur übte.
Chakotay erkannte sofort das Problem, Seven konnte nicht mit einer völlig fremden Person umgehen. Ihn kannte sie, daher hatte sie sich bei ihm besser angestellt, aber hier driftete sie wieder in ein romantisches Desaster.
Ihm fiel nicht anderes ein als zuzugucken, das Programm immer wieder zu unterbrechen, ihr zu sagen, was sie lieber lassen sollte statt tun und den Charakter immer wieder zurückzusetzen. Doch das war an einem Abend nicht zu schaffen.
Er seufzte. Eigentlich wollte er den nächsten Abend mit Kathryn verbringen, aber da er versprochen hatte Seven zu helfen, verabredete er sich mit ihr die nächsten Abende und dachte auch, er gebe Kathryn Zeit zur Erholung. Er machte sich trotzdem noch große Sorgen um sie, irgendetwas stimmte da nicht. Nach einer schlaflosen Nacht sah man nicht so fertig aus. Er beschloss, sie sehr genau zu beobachten. Notfalls würde er mit dem Doctor über sie sprechen.

Kathryn erwachte am nächsten Morgen mit dem Gedanken an Chakotay und Seven und heftigen Magenkrämpfen. Den Kaffee ließ sie gleich bleiben, statt dessen trank sie einen Kräutertee, der ihr immerhin so weit Linderung verschaffte, dass sie der Meinung war, den Tag überstehen zu können. Allerdings konnte sie keinen Bissen von ihrem Frühstück herunterbringen, daher nahm sie eine zweite Tasse Tee und beschloss, wenn es ihr am Abend nicht besser ging doch die Krankenstation aufzusuchen.
Jetzt musste sie allerdings erst einmal zur Brücke. Als sie zum Chronometer schaute seufzte sie erleichtert, es war gerade erst 5 Uhr morgens, Chakotays Schicht begann erst um 8 Uhr.
Auf der Brücke waren noch die Offiziere der Nachtschicht vertreten, doch das störte Kathryn nicht. Sie setzte sich in ihren Sessel und begann mit ihrer morgendlichen Routine der Überprüfung des Schiffstatus.
Um viertel vor acht betrat Tuvok die Brücke und wünschte, angesichts der Tatsache dass der Captain schon anwesend war, mit einer hochgezogenen Augenbraue einen guten Morgen.
Janeway erwiderte den Gruß und mit der Erklärung, sie habe noch zu arbeiten, zog sie sich in ihren Bereitschaftsraum zurück. Gleich würde Chakotay die Brücke betreten und hoffentlich nicht zu ihr kommen. Ihre Magenschmerzen nahmen wieder zu, blieben aber noch erträglich.
"Ich will ja nicht überheblich sein Kathy, aber jeder Blinde merkt was los ist. Und Sie schieben ihre Magenschmerzen auf den Kaffee?" kam Q's Stimme von der Couch. Kathryn fuhr hoch und blickte Q dann wütend an.
"Ich wüsste nicht was Sie mein Gesundheitszustand angeht", sagte sie schnippisch. "Sagen Sie endlich was Sie wollen und dann verschwinden Sie wieder."
Q stand auf und blickte Kathryn böse an. "Sie wollen also wissen, was ich hier will?" fragte er bedrohlich. Kathryn hatte nicht vor, sich von ihm einschüchtern zu lassen.
"Ich glaube, das fragte ich gerade."
"Sie gehen mir mit Ihrem Gezicke gehörig auf den Nerv!" rief Q aus.
Kathryn schaute ihn völlig perplex an. So einen Ausbruch hatte sie von Q noch nie gehört. "Gezicke?" fragte sie dann.
"Ja, Ihr ewiges 'nein Chakotay, das geht nicht Chakotay, die Protokolle Chakotay' ... mäh mäh mäh! Es gibt im Universum tatsächlich einige Dinge die wirklich wie Zwillingspartikel sind, ich hab zwar keine Ahnung warum das Universum gerade Sie und Chakotay ausgesucht hat, aber ich bin ja nur allmächtig! Und neben meiner Allmächtigkeit bin ich auch MÄCHTIG GENERVT!" Q wurde immer lauter.
"Wo ist eigentlich Ihr Problem? Sie lieben ihn, er liebt Sie, aber neiiiiiiin.... nur weil ein völlig irrelevanter Mensch irgendwann völlig unerhebliche Regeln zu Papier gebracht hat zerstören Sie hier die Harmonie des Universums."
"Janeway an Tuvok, Eindringslingsalarm im Bereitschaftsraum."
"Verstanden." Kurz darauf öffnete sich die Tür und Tuvok stand mit gezücktem Phaser im Raum. Hinter ihm tauchte Chakotay auf.
"Wir sind noch nicht fertig, Captain!" sagte Q, dann verschwand er wieder.
Kathryn war überaus angespannt und unangenehm berührt von Q's Worten. Sie sackte etwas in sich zusammen als Q weg war und setzte sich erst einmal hin.
"Danke Tuvok, ich denke für heute ist er weg."
Tuvok steckte den Phaser weg und blickte seinen Captain kritisch an. "Captain, ist alles in Ordnung mit Ihnen?" fragte er dann. Chakotay trat ebenfalls näher und musterte sie genau.
Kathryn nickte. "Zu wenig Schlaf, zu viel Q", sagte sie dann. Chakotay schaute Tuvok an, dieser hob nur eine Augenbraue.
"Vielleicht sollten Sie sich etwas ausruhen Captain", machte Chakotay den Vorschlag. "Es ist gerade nichts los und mit Verlaub gesagt, sie sehen ziemlich kaputt aus."
Wie sollte ich auch sonst aussehen wenn ich ständig Seven und Dich vor mir sehe? dachte sie zornig.
"Vielen Dank, Commander, ich fühle mich hervorragend. Dieses ständige Auftauchen von Q nervt mich allerdings."
"Hat er gesagt was er wollte?" hakte Chakotay nach.
"Nein", kam sofort die Antwort von Kathryn. Für Chakotays Geschmack zu schnell.
Aber er fragte nicht weiter nach, weil er merkte wie schlecht gelaunt Kathryn war.
"Danke für Ihre Hilfe meine Herren, wenn Q wieder auftauchen sollte melde ich mich. Wegtreten." Damit nahm sie wieder ein Padd zur Hand und begann zu lesen. Tuvok und Chakotay verließen den Raum.
Kathryn legte das Padd wieder weg als die Türen geschlossen waren. Ihr Herz pochte gegen ihre Rippen und Q's Worte gingen ihr immer wieder durch den Kopf. Sie und Chakotay sollten vom Universum füreinander bestimmt sein? Lächerlich. Wer weiß, was Q jetzt wieder plante. Kathryn hatte jedenfalls nicht vor, auf so etwas hereinzufallen.

Chakotay saß wieder auf der Brücke. Kathryns Reaktion ging ihm nicht mehr aus dem Kopf. Er war überzeugt, dass Q ihr mehr gesagt hatte als sie zugeben wollte. Vielleicht bedrohte er sie? Nein, Q war allmächtig, so etwas hatte er nicht nötig. Er konnte eh tun und lassen was er wollte.
Chakotay war jedoch fest entschlossen später mit Kathryn zu reden. Dass sie kurz vor dem Zusammenbruch stand konnte ein Blinder sehen, aber was war der Grund?
Noch zwei Abende, dann bin ich mit Seven fertig, dann werde ich Kathryn etwas Entspannung verschaffen, nahm er sich vor. Er konnte sie ja schon mal einladen. Nach Dienstschluss würde er zu ihrem Quartier gehen und sie um eine private Unterredung bitten.
Doch bis dahin wollte er sie in Ruhe lassen um sich ihren Unmut nicht noch weiter zuzuziehen.
Wenn er bloß wüsste, warum sie sich so übertrieben von ihm distanzierte auf einmal. Selbst den übrigen Brückenoffizieren war aufgefallen, dass sie den Captain immer seltener zu Gesicht bekamen und wenn, dann war sie meistens in einer sehr reizbaren Stimmung.
Chakotay beschloss, sollte er keine plausible Begründung von ihr hören was mit ihr los war, seinen früheren Gedanken in die Tat umzusetzen und mit dem MHN über sie sprechen.

Kathryn hatte derweil im Bereitschaftsraum einmal mehr mit ihrem Magen zu kämpfen. Sie musste an Q denken und was er gesagt hatte, nämlich dass ihre Magenschmerzen nicht von dem hohen Kaffeekonsum kommen sollten. Woher sollte er das wissen? Kathryn wusste sehr genau dass Kaffee auf nüchternen Magen Probleme machen konnte, vor allem ihr hoher Konsum. Sie musste dringend etwas essen, dann würde es ihr auch wieder besser gehen.
Sie beschloss doch das zu tun, was Chakotay vorgeschlagen hatte. Sie teilte Tuvok mit, dass sie in ihrem Quartier war falls irgendetwas sein sollte und verließ dann durch den anderen Ausgang den Bereitschaftsraum.
Unterwegs begegnete sie Seven. Die Ex-Borg grüßte sie und fragte dann: "Captain, hätten Sie etwas dagegen Commander Chakotay für den Nachmittag freizustellen?"
Kathryn war es, als würde ihr jemand ein Messer im Magen umdrehen.
"Natürlich nicht, es gibt eh nichts zu tun. Nehmen Sie Commander Chakotay und amüsieren Sie sich gut", damit ließ sie Seven einfach stehen.
Seven hob eine Augenbraue und sah dem Captain fragend nach. Mit einigen Verhaltensmustern schien sie noch Probleme zu haben um diese richtig deuten zu können. Seven betrat kurz darauf die Brücke.
"Commander, wären Sie so freundlich mit mir aufs Holodeck zu kommen? Sie sind den Nachmittag freigestellt."
Chakotay blickte Seven sprachlos an. "Wer hat mich freigestellt?" fragte er verblüfft.
"Der Captain, ich bin ihr gerade begegnet", sagte Seven und wartete, dass Chakotay ihr folgte. Der erste Offizier folgte Seven und fragte im Turbolift: "Wie hat der Captain auf Ihre Bitte reagiert?" Er ahnte etwas...
"Sie sagte auf meine Frage hin, ob sie etwas dagegen hätte Sie für den Nachmittag freizustellen: Natürlich nicht, es gibt eh nichts zu tun. Nehmen Sie Commander Chakotay und amüsieren Sie sich gut."
Chakotay stöhnte innerlich auf. Also doch. Kathryn musste denken, er wäre mit Seven zusammen! Langsam wurde das Verhalten seines Captains für ihn plausibel.
Er machte sich Vorwürfe, denn er konnte sich denken, dass sie seinetwegen so furchtbar litt.
Nein, es ist aber nicht Deine Schuld. Wer stößt denn immer wen zurück? Sie dich, und nicht umgekehrt.
Das stimmte sicher, doch er wusste auch, dass das alles nicht wäre wenn sie sich nicht so stur hinter der Sternenflotten Regel verstecken würde. Chakotay musste mit ihr dringend reden. Gleich wenn er mit Seven fertig war, würde er sie um ein Gespräch bitten.

Kathryn lag inzwischen in ihrem Quartier und weinte. Sie hatte sich gerade noch den Weg zum Quartier zusammenreißen können, aber nun war ein Punkt erreicht, an dem sie nicht mehr konnte.
Sie ließ die angestauten Emotionen entweichen und lag zusammengekrümmt auf ihrem Bett. Sie hatte inzwischen begriffen dass Q wenigstens in einem Punkt Recht hatte: Ihre Schmerzen kamen nicht vom Kaffee. Es war ihre Psyche, die das verursachte.
Sie war ihr Leben lang auf Stress-Situationen aller Art trainiert worden, aber das Problem mit Chakotay überstieg ihre Selbstbeherrschung. Nicht mal bei Mark hatte sie sich so elend gefühlt.
Allmählich überlegte sie doch, ob an Q's Aussage nicht etwas Wahres dran sein konnte. Waren Chakotay und Sie wirklich vom Universum füreinander geschaffen worden? Kathryn konnte sich das nicht vorstellen, aber etwas an Q's Verhalten war eigenartig. Er war noch nie ernsthaft sauer gewesen. Aber trotzdem war es zu spät, Chakotay war nun mit Seven zusammen.
"Ich werde schon damit klar kommen. Irgendwann werde ich damit klar kommen", sagte sie immer wieder zu sich selbst.
"Nein, werden Sie nicht", ertönte Q's Stimme neben ihr. "Und weil es mir jetzt endgültig langt mit ihrem Dickkopf..."
Q schnippte einmal und Kathryn wurde von einem weißen Licht umhüllt. Ein Wimpernschlag später stand sie auf dem Holodeck.
Der Anblick ließ sie erstarren. Auf einer Wiese unter einem Baum lagen in trauter Zweisamkeit Chakotay und Seven zusammen. Er hatte seinen Arm um sie gelegt und ihr Kopf ruhte auf seiner Brust. Zärtlich streichelte er ihr Haar und küsste sie dann.
Seven erwiderte den Kuss und nur wenig später begann sie, ihn seiner Kleidung zu entledigen.
Gerade als Kathryn meinte sterben zu müssen umhüllte sie erneut das Licht und sie stand einen Augenblick später in ihrem Bereitschaftsraum - und sah sich selber in ihrem Sessel sitzen.
Als sie ihr Ich sah riss sie die Augen auf und ein stummer Schrei verließ ihren Mund. Die Frau, die dort saß, war nur noch ein Schatten ihrer selbst. Abgemagert fast bis auf die Knochen, ohne Energie und mit einem eingefallenen Gesicht saß sie dort und tippte müde auf ihrem Computer herum.
Q tauchte neben ihr auf.
"Sehen Sie ruhig hin Captain, das sind Sie in einem Jahr, seit sie es zugelassen haben, dass Chakotay mit der Borg zusammen kam."
Die Türen öffneten sich und das MHN kam herein. Es blickte besorgt drein und stellte sein Medkit neben Kathryn auf den Tisch. Diese beachtete ihn nicht weiter als er seinen Tricorder herauszog und sie scannte.
"Captain bitte, so kann das nicht weitergehen. Sie vegetieren nur noch vor sich hin."
Die alter-ego-Kathryn sah das MHN an.
"Haben Sie Zweifel an meinen Fähigkeiten als Captain dieses Schiffes?" fragte sie erstaunlich scharf. In ihren Augen war ein Funken Widerstand erwacht.
Das MHN blickte betreten drein. "Noch nicht", sagte ee. "Aber wenn Sie so weitermachen bin ich gezwungen Sie Ihres Kommandos zu entheben."
Der Captain wedelte mit der Hand. "Sie wissen ganz genau dass ich absolut fähig bin dieses Schiff zu führen. Und was mein Aussehen angeht, das hängt nicht mit meinen Fähigkeiten zusammen. Sie dürfen wegtreten."
Der Doctor schüttelte unmerklich den Kopf und verließ dann mit hängenden Schultern den Bereitschaftsraum des Captains.
Die andere Kathryn schlug die Hand vor den Mund vor Entsetzen.
"Q", flüsterte Sie, "Sie erlauben sich einen bösen Spaß mit mir. Ich würde mich niemals so gehen lassen."
Q sah sie an. "Doch genau das werden Sie sein, wenn Sie Chakotay nicht endlich über ihre heißgeliebten Sternenprotokolle stellen", fauchte er. "Und lassen Sie sich gesagt sein, dass ihr Verhalten auf die Crew abfärben wird. Der Wille nach Hause zu kommen wird erlöschen und die Voyager wird untergehen. Es ist aber essentiell wichtig, dass sie nach Hause kommen Captain."
"Warum?" fragte sie matt.
"Das kann ich Ihnen noch nicht verraten, aber glauben Sie mir, ich habe mir keinen Scherz erlaubt als ich Ihnen das mit den Zwillingspartikeln erzählt habe. Das Kontinuum hat mich auserkoren Ihnen das mitzuteilen, weil Sie mich kennen."
Kathryn sah noch einmal ihr Abbild an, und sagte dann: "Aber es ist bereits zu spät, Chakotay ist mit Seven zusammen." Wieder stiegen Tränen in ihr auf.
Q lachte kurz und meinte dann: "Ach, hat er Ihnen das auch gesagt? Vielleicht irren Sie sich ja auch einfach?"
Kathryn sah in fragend an. "Was gibt es da falsch zu verstehen?" giftete sie ihn an.
"Das müssen Sie schon Chakotay fragen", antwortete er und einen Augenblick später befand sich Kathryn wieder in ihrem Quartier auf dem Bett, das Kissen noch nass von ihren Tränen und Q war verschwunden.
Der Türmelder erklang. Kathryn konnte jetzt unmöglich Besuch empfangen. Doch beharrlich ertönte das be-bop erneut. Und dann ein drittes mal.
"Wer ist da?" fragte Kathryn gequält.
"Chakotay, ich muss mit Ihnen reden Captain. Bitte."
Sofort kehrten die Krämpfe heftiger denn je zurück. Das war also der Moment der Wahrheit. Sie wollte es nicht hören.
"Mir geht es nicht so gut Chakotay, können wir das nicht auf ein anderes mal verschieben?" fragte sie.
"Können wir nicht. Und wenn Sie nicht selber die Tür aufmachen werden wir so reinkommen. Ich habe den Doctor gleich mitgebracht."
"Captain, öffnen Sie bitte", hörte sie die Stimme des MHN.
Kathryn gab auf. "Kommen Sie rein", sagte sie und blieb einfach liegen. Zu retten war jetzt eh nichts mehr.
Chakotay ließ dem Doctor den Vortritt und erschrak doch sehr, als er Kathryn mit schmerzverzerrtem Gesicht und tränennassen Wangen dort liegen sah. Und alles wegen ihm.
Das MHN hatte schon seinen Tricorder gezückt und schaute den Captain ernst an.
"Seit wann haben Sie die Beschwerden schon?" fragte er fachmännisch.
"Seit ca. drei Tagen, ich konnte nichts essen und hab vermutlich zu viel Kaffee getrunken", versuchte Sie zu erklären.
Das MHN brummte misstönend. "Captain, sie sind ernsthaft krank wenn ich mir die Daten so ansehe. Warum sind Sie nicht gleich in die Krankenstation gekommen?"
Kathryns Mundwinkel zuckten. "Ganz ehrlich Doc, ich hatte keine Lust von Ihnen eine Strafpredigt über meinen Kaffeekonsum zu bekommen."
Das MHN rollte mit den Augen in schierer Verzweiflung. "Das kommt nicht vom Kaffee, Captain. Sie haben zwar Recht, dass Kaffee einen nüchternen Magen reizen kann, aber das was Sie haben ist ungefähr das 10fache an Reizung." Das MHN klappte seinen Tricorder zu und holte ein Hypospray hervor. "Sie bekommen jetzt etwas gegen die Schmerzen und in spätestens einer Stunde will ich Sie auf der Krankenstation sehen. Bis dahin werde ich Ihnen Zeit geben ihre Magenschmerzen selber in den Griff zu bekommen. Ich glaube auch ganz genau, dass Sie so gut wie Commander Chakotay oder ich wissen, wie Sie das bewerkstelligen werden."
Kathryn fühlte sich schuldig. "Ja Doctor", sagte sie nur kleinlaut.
"Commander, ich verlasse mich darauf dass Sie mir den Captain später vorbeibringen", sagte er noch und verließ dann das Quartier.

Chakotay setze sich zu Kathryn auf das Bett und nahm ihre Hand. Zärtlich streichelte er mit dem Daumen über ihre Hand um sie erst einmal zu beruhigen.
Kathryn ließ es geschehen und ob es vom Medikament kam oder von Chakotays Berührungen, aber der Schmerz ließ das erste mal seit drei Tagen merklich nach.
Ein innerer Frieden überkam Kathryn. Chakotay war hier bei ihr, er sorgte sich immer noch um sie und hatte sogar den Doctor mitgebracht weil er geahnt hatte, dass es ihr schlecht ging. Also war sie ihm doch nicht egal.
"Kathryn", fing Chakotay an, "ich denke, ich muss Dir etwas erklären."
Das ist es also, dachte Kathryn und bereitete sich auf die Wahrheit vor, dass er sich von ihr verabschieden wollte.
"Ich war mit Seven auf dem Holodeck verabredet", sagte er. Kathryn schluckte und Tränen brannten ihr erneut in den Augen.
Chakotay sah es und lächelte als er sie vorsichtig wegwischte. "Nein Kath, nicht was Du denkst. Es war nichts zwischen uns und es wird auch nie etwas sein."
Kathryn starrte ihn fassungslos an. "Nicht?" fragte sie. "Du hast nicht mit ihr... ich meine, ihr hattet kein Date?"
Chakotay schüttelte den Kopf und lächelte. "Nein, obwohl es schon ein Date war, aber nicht mit mir. Seven hatte mich einen Tag vorher um Hilfe gebeten, weil sie unbedingt lernen wollte, wie ein Date abläuft. Sie hat davor mit Holocharakteren geübt, ich glaube, einem hat sie beim Tanzen sogar die Schulter ausgerenkt."
Jetzt musste auch Kathryn lachen. Chakotay erzählte weiter: "Sie hat schließlich Tom um Hilfe gebeten, aber er hatte abgelehnt weil er ja mit B'Elanna zusammen ist, aber er wollte Seven trotzdem helfen und hat ihr gesagt, sie soll sich an mich wenden. Und so kam das."
Kathryn durchströmte Erleichterung. Doch ein Blick in Chakotays Gesicht ließ sie wieder die Anspannung spüren. Chakotay sah sie jetzt traurig an.
"Es tut mir leid, ich hätte Seven nicht helfen sollen, aber... Du stößt mich ständig zurück Kath. Ich liebe Dich mehr als alles andere, aber ich weiß nicht, wie lange ich das noch ertragen kann. Ja, ich weiß, das Protokoll und Du bist der Captain, aber Kathryn, das Protokoll wurde nicht für ein Schiff geschrieben, dass 60 Jahre für den Heimweg braucht. Ich sehe doch dass Du unter der Einsamkeit genauso leidest wie ich, warum muss das sein?"
In Chakotays Augen schimmerten nun auch Tränen. Kathryn fühlte sich auf einmal ganz leicht. Wie konnte sie nur so blind sein, das Protokoll war falsch, Chakotay hatte Recht. Es war für den Alpha Quadranten geschrieben, nicht aber für den Delta Quadranten. Sie brauchte Chakotay und er brauchte sie. Mehr als alles andere. Sie lächelte ihn an. "Es tut mir so leid Chakotay", sagte sie dann. "Ich bin so dumm, aber das wird sich jetzt ändern. Keine gedruckten, unwichtigen Worte sollen noch zwischen uns stehen, du glaubst ja nicht, wie sehr ich Dich liebe und brauche." Damit zog sie ihn zu sich herunter und küsste ihn hingebungsvoll. Chakotay konnte zuerst nicht fassen, was hier passierte und dachte, er müsse träumen. Doch das war kein Traum. Kathryn hatte endlich eingesehen, dass das Protokoll falsch war.
"Oh Kath, du glaubst gar nicht, wie sehr ich mich nach Dir verzehrt habe", sagte er zärtlich und küsste sie erneut.
"Shht", machte Kathryn. "Wir haben jetzt viel nachzuholen", sagte sie.
"Ich bin so froh, dass Du endlich eingesehen hast, dass die Liebe immer mehr wert ist als Regeln."
"Sagen wir, ich wurde drauf aufmerksam gemacht", warf sie ein. Chakotay sah sie fragend an. "Sagen wir, ausnahmsweise hat Q mal keinen Mist gebaut", meinte Kathryn lachend. "Die Geschichte erzählst du mir noch, jetzt lass uns die Zeit genießen, die uns noch bleibt bevor ich Dich auf der Krankenstation abliefern muss", witzelte Chakotay.
Kathryn rollte mit den Augen. "Vielleicht glaubt er mir wenn ich ihm sage, dass Du mein Heilmittel warst?"
"Das ist das MHN, Kath, keiner kann ihm entkommen!"

"Seven of Nine an den Doctor", meldete sich derweil in der Krankenstation das Combadge des Doctors.
"Sprechen Sie", sagte er. "Doctor, würden Sie mit mir heute Abend Essen gehen?" fragte Seven.
"Essen gehen?" fragte er verwirrt zurück.
Seven seufzte. "Ein Date, Doctor. Ich frage Sie nach einem Date."
Das MHN glaubte seinen akustischen Sensoren nicht zu trauen. "Mit dem allergrößten Vergnügen, Seven", antwortete er und konnte sein Glück gar nicht fassen.
"Um 19 Uhr dann auf Holodeck 1. Seven Ende."
Das MHN griff auf seinen internen Chronometer zu. Es war 17.48 Uhr. Er tippte erneut sein Combadge an. "Krankenstation an Commander Chakotay und Captain Janeway", sagt er.
"Chakotay hier", brummte der erste Offizier, "was gibt es denn? Wir haben Sie schon nicht vergessen."
"Ehm, sind sie schon fertig? Würden Sie bitte jetzt schon kommen, ich habe nachher noch eine Verabredung die ich nicht verpassen möchte."
Chakotays lachen klang aus dem Combadge, dann sagte er: "Lassen Sie mich raten, Seven hat sie zum Date eingeladen?"
Das MHN runzelte die holografische Stirn. Woher wusste Chakotay das?
"Wir sind gleich da Doc, und ein kleiner Tipp: Seven trägt das kleine Schwarze. Chakotay Ende."
Das MHN blieb mit offenem Mund stehen, während Kathryn einen Lachanfall hatte.
"Ich kann sein Gesicht genau vor mir sehen", kicherte sie.
Chakotay stand auf und reichte Kathryn seine Hand. "Lass es uns hinter uns bringen, umso mehr Zeit haben wir nachher", meinte er und zog Kathryn vom Bett hoch.
"Chakotay", sagte sie, "wie wäre es, wenn wir morgen bei frei nehmen?"
"Sehr vernünftiger Vorschlag, ich kenne da eine gemütliche, kleine Hütte in den Bergen..."

E N D E