Blackpaw's richtiger Riecher

"Oh nein, er ist schon wieder verschwunden!"
Naomi Wildman, Teenager und seit 2 Monaten Hunde-Sitterin fing mal wieder an das Quartier nach dem kleinen Ausreißer abzusuchen. Sie kannte inzwischen so ziemlich alle Verstecke von Blackpaw, aber irgendwie schaffte es der kleine Welpe immer wieder nicht nur auf einmal zu verschwinden, sondern auch manchmal in ganz anderen Sektionen des Schiffes aufzutauchen.
Dreimal war er schon aus dem Quartier des Captains entwischt um einmal den Maschinenraum fast lahmzulegen als er auf eine aktive Konsole sprang nur damit Ensign Vorik ihn kraulen konnte (was der Vulkanier natürlich nicht tat und ihn nur mit einer hochgezogenen Augenbraue wieder weg scheuchte), beim zweiten Mal schaffte er es im Casino den Leolawurzeleintopf von Neelix umzukippen (wofür die Crew ihm äußerst dankbar war) und das dritte Mal fand Naomi ihn friedlich schlummernd auf der Couch des Captains im Bereitschaftsraum.
Seit diesem Tag hatte sie den Captain um die Erlaubnis gebeten, ihm einen Mikrochip einpflanzen zu lassen, damit sie nicht stundenlang das Schiff durchsuchen mußte. Janeway hielt das für eine hervorragend Idee und ging höchstpersönlich mit ihrem neugierigen, kleinen Energiebündel auf die Krankenstation und bat das MHN um Hilfe.
Nachdem Naomi alles erfolglos abgesucht hatte mußte sie wohl Hilfe in Anspruch nehmen und tippte auf ihr Combadge.
"Naomi an Icheb, er ist mal wieder ausgebüxt. Kannst Du ihn bitte mal aufspüren?"
"Warte kurz", antwortete der Borgjunge und rief das Programm auf, das er extra für die Suche nach Blackpaw entworfen hatte. Wenige Sekunden später hatte er ihn geortet und informierte die Halb-Ktarianerin: "Er ist in Frachtraum 2."
"Danke Icheb."
"Gern geschehen."

Naomi machte sich auf den Weg und traf kurz darauf an besagter Stelle ein.
"Blackpaw?" rief sie und lauschte.
Weiter hinten hörte sie ein kratzendes Geräusch und dann tauchte der junge Hund auf, eine Tasche hinter sich herziehend. Fröhlich schwanzwedelnd legte er seine Beute vor Naomi ab, setzte sich brav hin und schaute sie mit großen, unschuldigen Hundeaugen an.
Naomi stöhnte auf, als sie die Tasche untersuchte. Nicht nur, daß sie an einer Seite etwas angeknabbert war, es war auch noch Eigentum von Commander Chakotay.
"Du Frechdachs", tadelte Naomi den kleinen Ausreißer, "das ist die Tasche vom 1. Offizier, die kannst Du nicht einfach ankauen!"
Blackpaw leckte Naomi über die Hand und hüpfte freudig um sie herum. Naomi mußte lachen.
"Ich kann Dir nicht mal böse sein!" Dann gab sie einfach auf, kraulte ihn eine Weile und nahm ihn dann an die Leine.
"Und jetzt komm, wir müssen das beim Commander abgeben und um Verzeihung bitten."
Der Hund folgte ihr brav aus dem Frachtraum.

Chakotay saß nach dem Ende seiner Schicht in seinem Quartier und las einen Bericht von Neelix.
Bee-bop, ertönte der Türmelder.
"Herein", rief der erste Offizier und legte das Padd beiseite. Dann stürmte ein kleines Wesen mit Lichtgeschwindigkeit herein, hüpfte auf seinen Schoß und leckte sein Gesicht ab.
"Blackpaw!" kam von der Tür her die empörte Stimme eines jungen Mädchens. "Sofort runter von unserem Führungsoffizier!"
Chakotay mußte lachen, hob den Hund vorsichtig hoch und hielt ihn ein Stückchen entfernt von seinem Gesicht in der Luft.
Blackpaw legte seinen kleinen Kopf etwas schief und beäugte Chakotay eingehend.
Naomi war inzwischen auch eingetreten, in der Hand die kleine Tasche.
"Tut mir leid Commander", sagte sie zerknirscht, stellte die Tasche ab und nahm Chakotay den Welpen ab.
"Er muß noch lernen wie sich ein braver Hund benehmen muß", fügte sie hinzu.
Chakotay winkte ab und blickte jetzt Naomi an.
"Ist schon gut, Naomi. Blackpaw hat den Welpen-Bonus. Was kann ich für Euch zwei Hübschen tun?" neckte er sie.
Das junge Mädchen bekam leicht rosa Wangen und griff dann nach der Tasche. Mit einem entschuldigenden Blick reichte sie sie Chakotay hin und erklärte: "Er ist mal wieder ausgebüchst und irgendwie in Frachtraum 2 gelandet, als ich ihn abholen kam hatte er aber leider schon Ihre Tasche als Kauspielzeug rausgesucht. Es tut mir so leid, Commander. Ich könnte Ihnen aber eine neue replizieren..."
Chakotays Reaktion verwirrte Naomi etwas und sie verstummte. Der erste Offizier blickte erst entsetzt, dann nachdenklich und jetzt lächelte er.
"Das ist nicht nötig, Naomi. Es ist ja kaum etwas kaputt. Du... hast sie nicht geöffnet, oder?" fragte er jetzt betont ruhig.
"Natürlich nicht, Commander", rief das Mädchen entsetzt aus. "Es würde mir nie einfallen in fremden Privatsachen herumzuschnüffeln."
Chakotay hob beschwichtigend die Hände und sagte entschuldigend: "Das weiß ich doch, Naomi. Das war eine unpassende Frage, bitte entschuldige."
Sie strich sich nur eine Strähne hinter das Ohr, nickte und lächelte aber wieder.
"Ich werde dann wieder gehen", sagte sie, schnappte sich Blackpaw und wandte sich der Tür zu.
"Einen schönen Abend noch, Commander und danke, daß Sie so verständnisvoll sind."
Zum Welpen gewandt meinte sie dann in einem leichten Schimpfton: "Und Du bekommst heute nur noch einen Hundekeks!"
Chakotay mußte lachen und rief den beiden noch hinterher: "Sei nicht zu streng mit ihm, Naomi, er ist doch noch ein Baby."
Dann hatten sich die Türen geschlossen und er schaute nachdenklich auf die Tasche. Zärtlich strich er über das Leder und machte sie dann entschlossen auf.

Erinnerungen

Sein Herz schlug ein wenig schneller, als er an New Earth dachte und zuerst einen Seidenschal hervorholte, an dem getrocknete Blutflecken waren. Vorsichtig strich er ihn glatt und Erinnerungen strömten auf ihn ein.
Er hatte sich beim Bearbeiten des Baumstammes die Hand verletzt. Kathryn hatte seinen Schmerzenlaut gehört, war sofort zu ihm gelaufen und hatte ohne zu zögern ihr schönes Seidenhalstuch abgenommen und es ihm um die Hand gewickelt.
Er hatte sie dabei die ganze Zeit beobachtet, wie zärtlich und vorsichtig sie zugange war und schließlich hatte sie ihm tief in die Augen geblickt, bis er ein "danke" gemurmelt hatte und sie sich wieder ihren Tomaten gewidmet hatte.
Später wollte er das Tuch waschen, doch Kathryn hatte abgewunken.
"Ich habe noch 2 andere Tücher Chakotay, das können wir ruhig entsorgen."
Er hatte zwar genickt, aber es heimlich zwischen seinen Sachen verstaut und in manchen Nächten holte er es heraus um es neben sein Kopfkissen zu legen, denn es roch noch immer ganz schwach nach Kathryn.
Selbst jetzt noch meinte er ihren Duft zu riechen und schließlich legte er es auf den kleinen Tisch um als nächstes einen Stein zu Tage zu fördern. Er war an einer Seite wie aufgechnitten und ganz glatt poliert mit bläulichen Schlieren als Einschluß.
Nicht nur, daß er Chakotay an Kathryns Augen erinnerte, sie hatte dem Stein noch eine etwas größere Bedeutung zugemessen.
Irgendwann, als sie einen Tag am Fluß verbracht hatten, hatte ihn Kathryn im flachen Wasser gefunden, ihn nachdenklich angestarrt und als er sie gefragt hatte, ob alles in Ordnung sei, da hatte sie gedankenverloren geantwortet, daß dieser Stein fast genauso geheimnisvoll und schön sei, wie ihr neues Leben hier.
Chakotay hatte daraufhin Kathryn völlig entgeistert angestarrt, denn er hatte nicht glauben können, was sie gesagt hatte.
Ihr gefällt das Leben hier wirklich? hatte er ungläubig gedacht und spürte auf einmal eine Wärme in sich, die pure Freude war.
Ich hätte nie gedacht, daß sie so etwas wirklich einmal sagen würde, ging es ihm noch durch den Kopf und schenkte Kathryn lediglich ein Lächeln als sie sich vom Anblick des Steins losriß und zu ihm blickte.
Chakotay war sich nicht ganz sicher ob ihr bewußt war, daß er ihre Worte gehört hatte, denn sie hatte es eher geflüstert und er wollte sie nicht in Verlegenheit bringen. Aber sein Herz schien in seiner Brust zu hüpfen.
Kathryn schien aus ihrem kleinen Tagtraum zu erwachen, legte den Stein dann wieder ans Flußufer und verkündete dann, daß sie jetzt etwas schwimmen wolle.
Kurz darauf hatte sie ihr Kleid ausgezogen und bescherte Chakotay noch einmal Herzklopfen, als er sie nur in ihrem Bikini sah.
Lachend zog er sich ebenfalls aus und hechtete dann seinem Captain hinterher.
Allerdings hatte er vorher noch den Stein aufgesammelt und unter seinem T-Shirt versteckt. Diese Worte von ihr wollte er nie vergessen.

Lächelnd legte er den Stein neben den Schal auf den Tisch und holte dann ganz vorsichtig, weil sie etwas größer war, eine etwas schiefe aber dennoch brauchbare und vor allem liebevoll angemalte Schüssel hervor.
Sie war noch in Schutzfolie eingeschlagen damit sie nicht zerbrechen würde und nachdem Chakotay sie vorsichtig abgemacht hatte strich er mit den Fingern über den Rand. Er spürte jede kleine Unebenheit und mußte lächeln.
Vielleicht war das sogar der lustigste Moment auf New Earth gewesen, als er versucht hatte Kathryn das Töpfern beizubringen.

Während eines Erkundungsausfluges am Fluß entlang waren sie auf eine kleine Tongrube gestoßen und Chakotay hatte eher aus Spaß gesagt: "Ich wollte schon immer mal mein eigenes Geschirr herstellen, hast Du Lust mir zu helfen?"
Kathryn schaute ihn genauso an, wie er es erwartet hatte, nämlich völlig entgeistert.
Doch bevor er sie beruhigen konnte, daß er es nicht wirklich ernst gemeint hatte, da hatten sich auf einmal ihre Gesichtszüge verändert und sie sagte: "Warum nicht? Zeit genug haben wir ja. Aber ich habe keine Ahnung, wie das funktioniert, da mußt Du mir schon Unterricht geben."
Jetzt war es an Chakotay völlig entgeistert zu gucken, doch er fing sich schnell und dachte bei sich: Unglaublich! Ich lerne immer mehr neue Seiten an ihr kennen, ich hätte nie gedacht, daß sie das ernst nehmen würde und dann noch ausprobieren wollte!
Er lächelte sie liebevoll an und meinte dann: "Zuerst brauchen wir eine Töpferscheibe."
Er überlegte einen Moment und in seinem Kopf nahm sie bereits Gestalt an.
"Ich denke, ich müßte so etwas bauen können, gedreht wird dann auf ganz altmodische Art mit den Füßen. Außerdem brauchen wir natürlich einen Brennofen..."
Chakotay war so in Gedanken versunken, daß er gar nicht mehr auf Kathryn achtete, die sich jetzt ein Schmunzeln verkneifen mußte. Wie immer, wenn er so in Gedanken versunken war, störte sie ihn nicht. Sie suchte sich einen Stein, machte es sich drauf bequem und beobachtete ihn, wie er immer wieder mit der Hand über die Lippen fuhr, dabei den Kopf gesenkt hielt und hin und her lief.
Plötzlich war der Moment vorbei und Chakotay blickte Kathryn an.
"Ich habe mich gerade etwas amüsant verhalten, oder?" fragte er, als er ihren Blick sah und das Lachen auf ihren Lippen.
Doch sie schüttelte nur den Kopf.
"Ich habe schon relativ früh gelernt Dich einfach in Ruhe zu lassen, wenn Du beim Grübeln bist. Ich mag diese Momente, Du siehst dann immer so... hm, sagen wir, Du hast dann eine besondere Art an Dir. Eine einzigartige. Und die gefällt mir immer wieder."
Chakotay war zwar ein weiteres Mal völlig überrascht von dem, was er gerade gehört hatte, schaffte es aber seine Überraschung in ein natürliches Lächeln zu wandeln und hielt ihr eine Hand hin, damit er ihr beim Aufstehen helfen konnte.
Sie ergriff seine Hand und ließ sich hochziehen. Begeistert von der neuen Entdeckung beschlossen sie dann, den Rückweg azutreten und Kathryn bot sich an noch einmal herzukommen und Ton zu holen während Chakotay an der Töpferscheibe und dem Ofen arbeiten konnte.

Es dauerte dann noch einige Tage, bis es dem ehemaligen ersten Offizier gelungen war, die Arbeitsutensilien herzustellen doch dann brannten beide darauf, es gleich auszuprobieren.
Im Freien, nicht weit von der Behausung entfernt war eine kleine Töpferwerkstatt entstanden und Chakotay bedeutete Kathryn, sie möge Platz nehmen vor der Scheibe.
"Bist Du sicher, daß das Kleid nicht zu schade ist? Es wird ganz schön schmutzig werden", meinte er dann mit einem Blick auf sie.
"Das geht schon, die Flecken wasche ich wieder raus. Laß uns endlich anfangen, ja?" bettelte sie dann und Chakotay holte einen Tonklumpen, legte ihn auf die Drehscheibe und setzte sich dann ganz dicht hinter sie, damit er ihre Hände führen konnte bei ihrem ersten Versuch.
So dazusitzten, ihren warmen und zarten Körper zu spüren brachte ihn fast um die Selbstbeherrschung, doch er riß sich zusammen und konzentrierte sich auf seine Aufgabe.
Zusammen kreierten sie den ersten Krug, dann wollte es Kathryn alleine versuchen.
Sie war schon über und über mit Ton beschmiert, ein paar Haarsträhnen hatten sich aus dem Zopf gelöst und hingen ihr nun ins Gesicht, doch das Ganze machte sie nur noch bezaubernder anzusehen. Er beobachtete sie mit klopfendem Herzen und war so in ihren Anblick versunken, daß er fast ihren triumphalen Ausruf überhört hätte, als sie es geschafft hatte eine etwas schiefe, aber durchaus brauchbare Schüssel zu erstellen.
"Na bitte, das ist doch gar nicht so schlecht geworden", meinte sie dann und musterte kritisch ihr Werk.
"Sie ist sogar wunderschön geworden", stimmte Chakotay zu, trennte sie dann vorsichtig von der Platte ab und stellte sie in ein kleines Regal zum Trocknen.
Die nächsten Schüsseln und Teller machten sie dann gemeinsam, denn Chakotay war einfach doch noch geschickter als sie. Es dauerte nicht lange, da hatten sie den Lehm aufgebraucht und eine für 2 Personen ansehnliche Geschirrparade erschaffen.
Kathryn blickte jetzt doch etwas unwohl zu ihrem ersten Werk und meinte dann: "Vielleicht benutzen wir sie einfach als Vogelbad draußen."
Chakotay bemerkte ihre Enttäuschung und sagte schnell: "Warte noch, bis sie fertig und vor allem angemalt ist. Ich bin sicher, wir finden eine bessere Verwendung für sie als sie den Vögeln zu überlassen."
Kathryn seufzte leise und nickte nur. Dann betrachtete sie die anderen Werke und ihr Lächeln kehrte zurück. Auf die gemeinsamen Arbeiten mit Chakotay konnte sie eher stolz sein.

"Lassen wir unsere Werke trocknen und... vielleicht sollten wir lieber gleich im Fluß baden gehen. Ich glaube, wir sehen beide selber wie Tongestalten aus."
Kathryn lachte. "Das ist eine hervorragende Idee."
Gemeinsam holten sie ihre Badesachen und machten sich auf zum Fluß.

Gegen Abend waren sie dann wieder zurück und Chakotay schaute nach dem Tongeschirr.
"Und?" fragte Kathryn neugierig, als er wieder in die Behausung trat.
"Einen Tag brauchen sie noch, aber morgen können wir mit dem Bemalen anfangen."
"Ich freue mich schon drauf", meinte Kathryn und gähnte dann. "Ich glaube, ich gehe dann auch ins Bett, das herumalbern im Wasser war ganz schön anstrengend. Gute Nacht, Chakotay."
"Gute Nacht Kathryn, träum was schönes."
"Danke, Du auch." Dann verschwand sie hinter der Trennwand und Chakotay sah noch ihren Schatten, als sie sich hinlegte.

Zweifel

Ein plötzliches Frösteln überkam ihn und ein Stachel schien sich in seine Gedanken genistet zu haben der ihn fragte: New Earth wird niemals wiederkommen, es wird nie etwas werden zwischen Euch. Warum quälst Du Dich?
Nein, ich habe ihr versprochen zu warten. Und das mache ich auch, dachte er energisch und versuchte, den Gedanken zu verbannen.
Und wenn ihr niemals nach Hause kommt? Hast Du nicht das Recht auf Liebe und eine Familie? Sei ehrlich, Chakotay. Du sehnst Dich nach Geborgenheit und Liebe. Und es liegt nur an ihrer Dickköpfigkeit weil sie ein Protokoll Dir vorzieht.
So unliebsam der Gedanke auch war, Chakotay wußte tief in seinem Inneren, daß es die Wahrheit war und er fühlte sich mit einem mal unwohl.
Er stellte die Schale vorsichtig auf den Tisch neben die anderen Sachen. Er schaute sich noch einmal genau die zarten Striche an, die wunderschöne Blüten stilisierten und die dezenten Farben.
Als Kathryn mit dem Bemalen fertig gewesen war und sie dann alle Tonerzeugnisse fertig gebrannt hatten, wollte sie die Schale nicht mehr haben. Der schiefe Rand auf der einen Seite hatte sie zu sehr gestört und Chakotay hatte sie ein wenig traurig verstaut. Nicht viel später hatte Kathryn ihr Erstwerk schon vergessen, ganz im Gegensatz zu Chakotay, der diese Schale fortan wie seinen Augapfel hütete.
Der Türsummer riß ihn aus seinen Gedanken und er fragte: "Wer ist da?"
"Kathryn, darf ich einen Moment hereinkommen, Commander?"
Chakotay schreckte auf und sah sich um.
"Einen ganz kleinen Moment noch bitte", rief er, packte die Schüssel in windeseile wieder in die Schutzfolie, stopfte alles schnell wieder in die Tasche und stellte sie in eine Ecke.
"Herein!" rief er und die Türen öffneten sich.
Zum zweiten Mal an diesem Tag wurde er jetzt von Blackpaw bestürmt, nur diesmal hüpfte der kleine Welpe etwas unbeholfen um seine Beine herum, fröhlich bellend.
"Blackpaw", stöhnte Kathryn und beeilte sich, ihren kleinen Hund einzufangen. Doch Chakotay winkte ab.
"Lassen Sie ihn, er ist doch noch so klein. Und er ist hier willkommen. Möchten Sie vielleicht einen Kaffee trinken? Oder was kann ich für Sie tun?" feixte Chakotay und bot Kathryn an, Platz zu nehmen.
"Ach Chakotay, Sie wissen genau, daß ich bei so einem Angebot nicht nein sagen kann."
Mit einem Lächeln setzte sie sich hin und paßte auf, daß Blackpaw nicht noch mehr Sachen von Chakotay ankaute. Doch der kleine Welpe schien kein Interesse an der Inneneinrichtung des Commanders zu haben und schnüffelte selig vor sich hin. Dann schien er etwas interessantes gefunden zu haben.

Kathryn wollte gerade nachschauen gehen, doch da drückte ihr Chakotay eine Tasse Kaffee in die Hand.
"Ahhh, Kaffee", sagte sie genüßlich und sog einmal tief das Aroma ein. "Danke, Chakotay."
"Gern geschehen", sagte er schmunzelnd und setzte sich mit seiner Tasse Tee in der Hand neben sie.
Nachdem Kathryn einen Schluck getrunken hatte seufzte sie genüßlich und lehnte sich dann auf der Couch zurück.
"Also, was verschafft mir die Ehre Ihres Besuches Captain?" fragte Chakotay dann höflich und blickte sie neugierig an.
Sie setzte eine betrene Miene auf und meinte dann mit einem kurzen Blick auf ihren Welpen.
"Naomi hat mir berichtet, was der kleine Tollpatsch angerichtet hat, ich wollte mich noch einmal dafür persönlich bei Ihnen entschuldigen, Chakotay."
Der erste Offizier winkte ab. "Das ist nett, aber viel passiert ist nicht. Und wie ich zu Naomi schon sagte - er hat immer noch den Welpen-Bonus."
Kathryn mußte lachen und Chakotay fiel mit ein.
"Darf ich Sie wenigstens als kleine Entschädigung zu einem Abendessen in mein Quartier einladen? Morgen Abend?"
"Mit dem größten Vergnügen, vielen Dank."

Kathryn blieb noch eine halbe Stunde bei Chakotay und beide unterhielten sich über Kaffee, Hunde und die neuesten Gerüchte, die gerade im Schiff umhergingen.
Dann verabschiedete sie sich, nahm Blackpaw auf den Arm und ging in ihr Quartier.
Chakotay lächelte glücklich, die trüben Gedanken von vorher waren vergessen. Er freute sich schon auf das gemeinsame Abendessen und war dem kleinen Welpen insgeheim sehr dankbar, daß er gerade seine Tasche angeknabbert hatte.
Er verstaute seine Schätze noch sicherheitshalber im Schrank und widmete sich dann wieder seinen Pflichten. Bis zum Abend mußte er dringend noch einige Berichte durchgehen.

"Du bist so ein kleiner Schelm", tadelte Kathryn ihren kleinen Hund, als sie ihn in ihrem Quartier auf den Boden setzte.
Kaum hatte der Hund alle vier Pfoten auf dem Boden rollte etwas bläulich schimmerndes an Kathryns Stiefel heran.
"Was hast Du denn da?" fragte sie, bückte sich und hob Blackpaw's neuestes Spielzeug auf.
Ihre Augen weiteten sich, als sie nach ein paar Sekunden erkannte, was sie da in der Hand hielt.
Das ist der Stein, den ich auf New Earth gefunden habe, schoß es ihr durch den Kopf.
Aber wie kommt der hierher?
Fragend schaute sie runter zum Hund, der brav wartete, ob er sein Spielzeug zurückbekommen würde, dann schaute sie wieder auf den Stein und die Puzzelsteine fielen an ihren Platz. Er konnte es nur aus Chakotays Quartier haben und sicher war es kein Zufall, daß Blackpaw ihn ausgerechnet an dem Tag gefunden hatte, an dem er Chakotays Tasche in einem Versteck im Frachtraum gefunden hatte.

Kathryns Lippen verzogen sich zu einem gerührten Lächeln.
Daß Chakotay diesen Stein mitgenommen und so lange aufbewahrt hatte ließ einen wohlig warmen Schauer durch ihren Körper fahren und ihr Herz klopfte etwas schneller.
"Ach Chakotay", seufzte sie leise, strich sehnsüchtig über den Stein und spürte, wie sich ein Kloß in ihrem Hals zu bilden begann. Schließlich legte sie ihn auf eine Anrichte, ließ sich dann nachdenklich auf die Couch fallen und streichelte Blackpaw, der sich die Situation sofort zunutze gemachte hatte und auf ihren Schoß gesprungen war, über den Kopf.
Entfacht durch den Stein flammte in Kathryn ihre Liebe zu Chakotay zu einer neuen Höchstform auf und es begann ein erbitterter Kampf in ihrem Inneren Captain gegen Kathryn - mal wieder.
Und wie jedes Mal endeten ihre Überlegungen bezüglich Chakotay schließlich damit, daß ihr Pflichtgefühl und ihr Rang gegenüber dem Schiff und der Besatzung einfach Vorrang hatte und ein weiteres Mal versuchte sie ihre Gefühle in die hinterste Ecke ihres Bewußtseins zu verbannen.
Etwas verzweifelt rieb sie sich mehrmals die Stirn um die beginnenden Kopfschmerzen zu bändigen.
Blackpaw beäugte sie mit schiefem Kopf und seine Knopfaugen schienen sich in ihr Innerstes zu bohren.
Seufzend nahm sie den Hund auf ihren Schoß und meinte: "Schau mich nicht so an, ich weiß, daß Du Chakotay magst, aber ich bin nun mal der Captain und in erster Linie dem Schiff und der Crew gegenüber verpflichtet. Das Privatleben kommt erst zum Schluß."
Als ob er genau verstanden hätte, was sie ihm gesagt hatte, drehte er sich um, hüpfte von ihrem Schoß und verzog sich in sein Hundebett, von dem aus er sie immer noch traurig anstarrte.
Kathryn blickte ihn nachdenklich an.
Wenn ich nicht genau wüßte, daß er mich nicht verstehen kann, dann würde ich glatt denken, er tut es doch, schoß es ihr durch den Kopf.
Zufall, tat sie die Situation dann ab, wandte sich um und ging ins Badezimmer um sich ein Schaumbad zu gönnen.

Ein Abendessen mit unvorhergesehenem Ausgang

Am nächsten Morgen hatte sie Blackpaw und seinen vorwurfsvollen Blick schon völlig vergessen.
Der Tag verlief ereignislos und der Abend rückte langsam näher.
Kurz vor 19 Uhr war Kathryn dann auch fast fertig mit dem Essen und dieses Mal hatte sie es sogar geschafft, das Essen nicht angebrannt auf den Tisch zu stellen. Sie hatte gerade noch die Schüssel mit dem Salat hingestellt, als der Türsummer auch schon Besuch ankündigte.
"Kommen Sie rein", rief sie und Chakotay trat ein.
"Hm, Kathryn, das riecht lecker", stellte er schnuppernd fest kaum daß er hereingekommen war.
"Ich weiß, ausnahmsweise ist mal nichts angebrannt", erwiderte sie lachend und bedeutete Chakotay Platz zu nehmen.
Vorher allerdings mußte er noch Blackpaw begrüßen, der freudig schwanzwedelnd vor seinen Füßen herumsprang und auf seine Streicheleinheiten bestand.
Als beide dann am Tisch saßen und das Essen probierten, drehten sich ihre Gespräche wie üblich um einige Schiffsbelange.
Blackpaw vergnügte sich unterdessen damit, das Quartier etwas umzudekorieren was Kathryn mehr als einmal dazu veranlaßte von ihrem Platz aufzustehen und diverse Einrichtungsgegenstände wieder an ihren Platz zu stellen, wobei sie mit ihrer strengen Captain-Miene dem Welpen jedes mal versuchte klarzumachen, daß Hundespielzeug anders aussah.
Während Blackpaw ihr meist nur einen verständnislosen Blick zuwarf konnte sich Chakotay das Lachen nicht verkneifen.
"Commander", sagte Kathryn gespielt entrüstet, "statt meine Autorität in Anwesenheit des schuldigen Crewmitgliedes zu untergraben sollten Sie lieber ihrem Rang entsprechend mich unterstützen!"
Dieser Satz veranlaßte Chakotay noch mehr zum lachen und schließlich meinte er: "Tut mir leid, Captain, aber das Crewmitglied ist noch minderjährig, der Liebling der Crew und außerdem hat er viel zu niedliche Knopfaugen um in zu tadeln. Und was es noch schwieriger macht - er ist mindestend genauso dickköpfig wie Sie manchmal."
Kathryn schaute ihn genau drei Sekunden lang finster an und Chakotay fragte sich reuevoll, ob er gerade zu weit gegangen war, aber dann mußte auch Kathryn lachen. Sie kam wieder an den Tisch zurück und seufzte leicht mit einem Seitenblick auf ihren Hund.
"Ich glaube, nicht ich erziehe den Hund, der Hund erzieht mich."
Chakotay schunzelte und trank noch einen Schluck Wein bevor er sich zu einem Kommentar hinreißen ließ: "Vielleicht sollten sie ihm gleich Ihr Kommando anbieten?"
"Chakotay!" rief sie empört, mußte aber breit grinsen. "Ich glaube, für den Captain Posten fehlen ihm eindeutig verbale Voraussetzungen um das Schiff führen zu können, oder hat Harry schon einen neuen Universaltranslaterfunden, der Hundegebell übersetzten kann?"
Chakotay verschluckte sich fast an dem Wein, als er sich unwillkürlich Harry Kim vorstellte, der an einer Konsole stand und Blackpaw wiederholt aufforderte, deutlicher zu bellen.
"Ich fürchte, hier kann nicht mal Seven dem Computer noch etwas beibringen", meinte er fröhlich und bedankte sich dann noch für das Essen. Zusammen räumten sie schnell den Tisch ab und machten es sich dann wie immer noch im Wohnbereich des Captains mit einem Glas Cidre gemütlich.

Die Zeit flog nur so dahin bis Blackpaw auf Chakotays Schoß hüpfte und etwas auf seine Uniform fallen ließ, das er bis dahin im Maul gehabt hatte.
"Blackpaw!" rief Kathryn empört und stand auf, um den Hund von Chakotay herunter zu heben.
Der erste Offizier hatte derweil das neue Spielzeug des Hundes von seiner Uniform genommen und erstarrte, als er erkannte, was es war.
Kathryn, die den fassungslosen Blick von Chakotay bemerkte blickte ebenfalls auf das kleine Teil in Chakotays Hand und erstarrt ebenfalls. Ihr Herz schlug heftig gegen die Rippen als sie den Stein von New Earth erkannte, den sie gestern auf der Kommode einfach vergessen hatte.
"Kathryn..." war alles, was Chakotay in dem Moment hervorbrachte bevor er in ihre blauen Augen blickte.
Sie starrten sich für eine Sekunde in die Augen bevor Kathryn ihren Blick abwandte und sich auf das Sofa fallen ließ.
"Chakotay, ich.... es tut mir leid, ich weiß, daß ich das nicht hätte sehen sollen. Aber Blackpaw hatte es im Maul nachdem wir ihr Quartier verlassen hatten."
Ein kleines Lächeln huschte über ihre Lippen und dann fügte sie noch hinzu: "Ich hatte ihn doch wieder ins Flußbett geworfen."
Chakotay blickte sie einfach nur an und war immer noch unfähig, etwas zu sagen.
Es war ein Fehler, die Sachen aufzuheben, schoß es ihm plötzlich durch den Kopf.
Sie wird mich sowieso niemals an ihrem Leben teilhaben lassen solange wir hier sind.
Mit einem Mal hatte Chakotay das Gefühl, daß ein Eisklumpen in seinem Magen lag. Es war alles so sinnlos. Ihm gegenüber saß die Frau, die er über alles liebte, für die er sterben würde und er würde sie niemals lieben dürfen. Er sah es in ihren Augen. Und plötzlich konnte er es nicht mehr ertragen sie zu sehen. Es zerriß ihn innerlich, er mußte hier weg. Sofort.
Schnell stand er auf, umschloß den Stein mit seiner Hand und sagte nur: "Ich habe ihn nur mitgenommen, weil mir das Blau so gefiel. Vielleicht ist er... irgendwo in einen Container gekommen und wurde aus Versehen mit aufs Schiff gebeamt."
Er fuhr sich mit der Hand über die Augen und blinzelte kurz zu Kathryn herüber. Ihr Lächeln war verschwunden und er wußte, daß sie verletzt war, so wie sie ihn jetzt anschaute, doch er konnte nicht anders.
"Danke für das Abendessen, Captain. Ich... bin müde und werde lieber ins Bett gehen."
Er wandte sich zum Gehen, drehte sich an der Tür noch einmal kurz um und sagte leise "Gute Nacht", bevor er ihr Quartier verließ.
Als sich die Türen geschlossen hatten blieb er noch kurz im Gang stehen, öffnete die Hand und sah auf den Stein.
Es tut mir leid, Kathryn, aber ich kann nicht mehr. Bitte verzeih mir. Er blickte noch einmal auf die Tür, seufzte traurig und ging dann in sein Quartier.

Kathryn saß unterdessen wie betäubt auf der Couch, unfähig sich zu rühren und starrte auf die Tür, durch die Chakotay sie gerade verlassen hatte. Was war gerade passiert?
Blackpaw schaute ebenfalls auf die geschlossene Tür und legte sich dann leise winselnd zu Kathryns Füßen.
In ihrem Kopf schossen tausend Fragen und Gedanken umher, doch zwei davon drängten sich immer wieder in den Vordergrund - was war gerade passiert und hatte er sie jetzt für immer verlassen?
Der letzte Gedanke erdrückte sie fast. Er hatte aufgegeben und sie war schuld.
Noch einmal ging ein Kampf in ihr los, doch diesmal gab es einen klaren Sieger. Die Frau in ihr hatte genug. Sie wollte nichts lieber als ihr Leben auch fernab der Heimat glücklich verbringen. Die Voraussetzungen waren da, doch sie hatte es sich selber verbaut. Der Captain in ihr wurde diesmal so schnell zum schweigen gebracht wie noch nie und sie spürte Zorn auf sich und ihr sinnloses Festhalten an einem Protokoll und vor allem ihrer Angst vor der Reaktion ihrer Crew. Dabei war es doch ihre Familie. Hatten sie ihr nicht schon so oft bewiesen, daß sie mit ihr durch dick und dünn gingen? Warum sollten sie ihr also ein wenig Glück und Liebe nicht gönnen? Und außerdem ging es nicht nur um sie, wie oft hatte sie Chakotay schon verletzt?
"Einmal zuviel", flüsterte sie leise und kraulte Blackpaw gedankenverloren hinter den Ohren.

Doch damit würde Schluß sein, vorausgesetzt, Chakotay würde ihr noch eine Chance geben. Sie wußte, daß sie mit ihm reden mußte, aber nicht mehr heute.
Und sie würde auch mit einigen anderen Leuten an Bord zu reden haben.
Sie schaute auf ihren kleinen Welpen herunter, der sie immer noch mit großen, traurigen Welpenaugen anblickte.
"Blackpaw, gehen wir schlafen. Morgen wird alles anders." Sie tätschelte ihm noch einmal liebevoll den Kopf, stand dann auf und ging ins Bad.
Als sie in ihrem Seidennachthemd bekleidet wieder heraus kam nach einer Weile lag ihr Hund schon in seinem Korb und schlief friedlich.
Mit einem bedauernden Blick auf den Cidre, der immer noch auf dem Tisch stand, kam ihr das Bild von Chakotay noch einmal in den Kopf. Sie wollte ihn nie wieder so unglücklich erleben. Der Kampf Kathryn gegen Captain war endgültig vorüber und an diesem Abend schlief sie trotz Schuldgefühlen Chakotay gegenüber schnell ein, denn etwas anderes gewann in ihr die Oberhand - Hoffnung und Zuversicht.

Hilfe von Tuvok und Tom

Am nächsten Morgen meldete sich Chakotay über das Komsystem bei ihr, noch bevor ihre Schichten anfingen.
"Chakotay an den Captain."
"Guten Morgen Chakotay, was kann ich für Sie tun?" fragte sie betont freundlich.
"Ich möchte Sie bitten, mir den Rest der Woche Urlaub zu genehmigen, Captain."
Kathryn runzelte die Stirn. Normalerweise gab er wenigstens einen Grund an, wenn er so plötzlich frei haben wollte, doch diesmal kam keine Erklärung. Angst stieg in ihr auf, denn sie wußte auch so, daß es dann etwas mit ihr zu tun haben mußte. Sie versuchte, ein Zittern aus ihrer Stimme zu halten als sie antwortete: "Natürlich Commander. Wir sehen uns dann nächsten Montag wieder auf der Brücke."
"Danke, Captain." Dann war die Verbindung auch schon beendet und Kathryn blickte in ihre Kaffeetasse. Der Kaffee schien auf einmal ungenießbar zu sein und schnell stellte sie den Rest weg bevor sie zur Brücke ging.
Eigentlich wollte sie Blackpaw noch vorher bei Naomi abgeben, aber plötzlich überkam sie das Bedürfnis, den kleinen Hund in ihrer Nähe zu haben. Daher tippte sie auf ihr Combadge.
"Janeway an Miss Wildman."
Eine etwas überraschte Stimme antwortete: "Naomi hier, ist etwas mit Blackpaw?"
Normalerweise meldete sich der Captain nicht vorher, wenn Naomi Hundesitten sollte.
"Nein, es geht ihm gut. Naomi, wärst Du so nett und könntest ihn vielleicht in meinem Bereitschaftsraum etwas im Auge behalten? Du kannst an meinem Computer Deine Aufgaben auch derweil erledigen."
"Natürlich, ich bin gleich da. Wildman Ende."
Kathryn hatte die Verwirrung in Naomi gespürt, war ihr aber äußerst dankbar, daß ihre Assistentin immer so felxibel war. Kurze Zeit später betrat sie die Brücke.
"Captain mit Blackpaw auf der Brücke", meldete Tom Paris mit einem breiten Grinsen, was den übrigen Brückenoffizieren (abgesehen von Tuvok natürlich) und auch Kathryn ebenfalls ein Grinsen aufs Gesicht zauberte.

"Guten Morgen", begrüßte Kathryn ihre Crew und während sie zum Bereitschaftsraum ging meinte Tom Augenzwinkernd: "Hat Sie Naomi heute versetzt? Wenn Sie möchten, kann Blackpaw auf meinem Schoß heute sitzen und ich erkläre ihm, wie er die Voyager fliegen muß."
"Danke für das Angebot, Mr. Paris, aber da Commander Chakotay den Rest der Woche Urlaub genommen hat, könnte ich ihn eher als ersten Offizier heute brauchen. Aber keine Sorge, Naomi kommt gleich und paßt auf ihn in meinem Bereitschaftsraum auf."
"Schade eigentlich", meinte Tom nur und wandte sich dann wieder seinen Kontrollen zu.
Plötzlich blieb Kathryn zögernd stehen, blickte erst Tuvok und dann Tom an. Dann sagte sie überraschend: "Mr. Tuvok, ich hätte Sie gerne in meinem Raum gesprochen. Tom", sie ging auf den jungen Lieutenant zu und drückte ihm kurzerhand den Welpen auf den Arm.
"Sie dürfen eine Weile Captain spielen. Bis Tuvok oder ich wieder da sind, haben Sie das Kommando. Lassen Sie sich derweil von Ensign Baytart vertreten. Bis Naomi kommt befördere ich Sie außerdem zum Hundesitter. Und sagen Sie Naomi bitte, ich würde sie in meinen Raum holen, wenn wir fertig sind. Bis dahin kann sie mit Blackpaw hier bleiben."
"Ja, Ma'am", sagte Tom sofort, nahm den Hund und setzte sich in den Captain Sessel mit ihm. Ensign Baytart war schon an der Conn und Janeway ging, gefolgt von Tuvok, in ihren Raum.
Als sich die Türen hinter den beiden geschlossen hatten, fragte Tuvok sofort: "Captain, ist alles in Ordnung?"
Sie mußte sich ein Lächeln verkneifen. Tuvok kannte sie besser, als sie gedacht hatte. Bevor sie antwortete, bat sie ihn Platz zu nehmen, allerdings auf der Couch. Das veranlaßte Tuvok eine Augenbraue zu heben, doch er setzte sich hin.
"Tee?" bot ihm Kathryn an.
"Einen vulkanischen Gewürztee bitte", nahm der Lieutenant Commander das Angebot an.
Kurz darauf kam Kathryn mit dem Tee und einer Tasse Kaffee vom Replikator zurück und nahm dann neben ihrem alten Freund Platz.
Während Tuvok einen Schluck Tee nahm betrachtete Kathryn nur den Kaffee in ihrer Tasse und überlegte, wie sie ihr Anliegen am besten vorbringen sollte. Tuvok kam ihr zu Hilfe.
"Captain", sagte er nachdem er seine Tasse abgestellt hatte, "gehe ich Recht in der Annahme, daß Sie über ein privates Problem mit mir sprechen möchten?"
Kathryn schaute ihn überrascht an. "Bin ich so leicht zu durchschauen?" fragte sie dann.
Tuvok hob erneut eine Augenbraue und erklärte: "Nicht immer, doch heute gibt es drei Besonderheiten, die den Schluß zulassen. Erstens - wir sitzen auf ihrer Couch. Zweitens, Sie kamen mit ihrem Hund auf die Brücke und drittens der spontane Urlaub von Commander Chakotay. Da Sie gestern mit ihm abends zusammen waren und er heute nicht da ist und Sie mich um ein Gespräch baten ist die logische Annahme, daß etwas vorgefallen ist und Sie mit mir über ein bestimmtes Sternenflottenprotokoll sprechen möchten."
Bei den anfänglichen Ausführungen ihres alten Freundes mußte sie schmunzeln, doch beim letzten Satz verging ihr das Lächeln und sie schaute ihn entsetzt an.
Woher weiß er das? ging es ihr durch den Kopf.
"Captain", fühlte sich Tuvok bemüßigt zu erklären, da er ihre Reaktion sah. "Nicht nur mir sondern auch der Crew ist aufgefallen, daß zwischen Ihnen und Commander Chakotay eine besondere Beziehung besteht, die sich nach ihrer Rückkehr von New Earth noch deutlicher abzeichnete als vorher. Gleichso ist mir auch das Sternenflottenprotokoll bekannt, welches dem Captain untersagt mit einem anderen Crewmitglied zu fraternisieren."
Kathryn schwieg betreten. Sie hätte nie gedacht, daß es der Crew und sogar Tuvok aufgefallen wäre. Dabei hatten sie und Chakotay doch nie etwas getan um solche Gerüchte zu schüren. Zumal zwischen Ihnen wirklich nie etwas vorgefallen war.
Tuvok unterdessen hatte langsam doch Zweifel, ob seine Logik hier so ...logisch war. Daher sagte er: "Sollte ich mich geirrt haben in meiner Annahme, bitte ich um Entschuldigung."
Kathryn legte eine Hand auf seinen Arm.
"Nein, alter Freund. Sie haben sich nicht geirrt. Ich hatte bloß nicht gedacht, daß die Crew auf so etwas achtet."
Sie war hin- und hergerissen zwischen Sorge, Zweifel und ein wenig Ärger, zumals es hier um ihr Privatleben ging. Doch dann schoß es ihr durch den Kopf, daß sie als Captain gar keinen Anspruch auf Privatleben hatte.
"Tatsächlich wollte ich mit Ihnen genau über diese Klausel sprechen."
Sie stand auf, ging an Tuvok und der Couch vorbei und trat dann dicht vor das Fenster und blickte in den Weltraum.

"Mir ist bewußt, daß ein Captain zu keiner Zeit mit einem Crewmitglied eine Beziehung eingehen darf und bisher habe ich diese Regel nie gebrochen und sie auch als sinnvoll erachtet. Aber... wir sind so weit von zu Hause entfernt und ich weiß nicht, wann oder ob wir wieder nach Hause kommen."
Sie drehte sich zu Tuvok herum und schaute ihn an.
"Die Regel verbietet eine Beziehung, aber sie verbietet nicht, seinen Ehegatten auf demselben Schiff zu haben", sagte sie leise und wartete auf Tuvoks Reaktion.
Dieser stand nun ebenfalls auf und hob eine Augenbraue, als er den Plan von seinem Captain erfaßte.
"Das ist korrekt", sagte er nur. "Möchten Sie sofort getraut werden?" fragte er dann.
Kathryn schmunzelte.
"Tuvok, langsam. Es gibt da noch einige Probleme. Erst einmal ist das nur eine... verrückte Idee von mir. Außerdem haben Sie in einem weiteren Punkt Recht gehabt - es ist etwas vorgefallen zwischen Chakotay und mir." Ihr Ausdruck wurde traurig und sie setzte sich wieder hin, Tuvok ebenfalls.
"Ich fürchte, ich habe ihn einige Male zu oft zurückgestoßen. Er hatte mir auf New Earth versprochen auf mich zu warten, aber heute weiß ich, daß ich ihm dieses Versprechen niemals hätte abnehmen dürfen. Er hat ein Recht darauf glücklich zu werden - und ich auch."
Sie blickte von ihren Händen wieder in Tuvoks Augen und fragte: "Bin ich zu egoistisch, Tuvok?"
Tuvok hob eine Augenbraue und sagte dann: "Angesichts der Tatsache, daß wir uns in einem unbekannten Quadranten des Weltalls befinden und eventuell niemals die Rückkehr zur Erde erleben halte ich ihr Anliegen nicht für egoistisch. Ich bin sogar davon überzeugt, daß Starfleet diese Klausel unter diesen Umständen als nicht so wichtig erachten würde. Außerdem leiden Sie unter der Situation, was dazu führen kann, daß in naher Zukunft ihr emotionales Gleichgewicht aus den Fugen geraten könnte. Es wäre daher sogar medizinisch ratsam, diese Klausel außer Kraft zu setzen."
Kathryn lächelte nun. "Vielen Dank, Tuvok. Es war mir sehr wichtig, Ihre Meinung zu hören bevor ich irgendetwas unternehme."
"Und was gedenken Sie jetzt zu unternehmen, wenn ich fragten darf?"
"Nun, ich muß mit der Crew sprechen. Ich möchte sie nicht vor eine beschlossene Tatsache stellen, sie haben ein Recht darauf, mitzuentscheiden."
"Captain", warf Tuvok ein, "obwohl ich keinen Zweifel hege, daß die Crew Ihre Idee gutheißen, sogar sehr erfreut sein wird sollte das allein Ihre Entscheidung sein. Haben Sie Vertrauen zu ihnen. Aber falls es Ihnen so wichtig ist, dann sollten Sie zuerst mit Mr. Paris darüber sprechen."
"Mit Tom?" fragte sie verwirrt. "Wieso ausgerechnet mit Tom?"
"Nun, soviel ich mitbekommen habe, hat er seit Ihrer Rückkehr von New Earth eine bestimmte Wette laufen. Fragen Sie ihn nach Wette 17."
Kathryn starrte ihren Sicherheitsoffizier mit offenem Mund an und überlegte ernsthaft, ob er sie gerade verschaukelt hatte.
"Ist das Ihr Ernst?" fragte sie um sicherzugehen.
Tuvok hob nur eine Augenbraue. "Seien Sie versichert, Captain, daß ich mir in so einer Angelegenheit niemals einen Scherz mit Ihnen erlauben würde, auch wenn ich wüßte, wie man scherzt."
Das rang Kathryn ein Lachen ab und schließlich sagte sie: "Dann werde ich Ihren Rat beherzigen, Tuvok."
Sie blickte ihn jetzt wieder ernst an als sie "Danke" sagte und es wirklich von herzen so meinte.
"Gern geschehen, Captain. Lassen Sie mich wissen, ob Sie Erfolg hatten."
Damit verließ er den Bereitschaftsraum und Kathryn dachte noch einen Moment nach, bevor sie auf ihr Combadge tippte.
"Janeway an Paris, kommen Sie bitte in meinen Bereitschaftsraum."
Sekunden später ertönte schon der Türsummer.
"Kommen Sie rein."
Tom erschien in der Tür mit einem gespannten Gesichtsausdruck.
"Sie wollten mich sprechen, Captain? Wenn es um Blackpaw geht - er war sehr brav und Naomi kam nur 5 Minuten später..."
"Nein, Tom, es geht um etwas anderes", meinte sie lächelnd und bot ihm ebenfalls einen Platz auf der Couch an.
"Irgendetwas sagt mir, daß es hier nicht unbedingt um offizielle Schiffsangelegenheiten geht", meinte er spitzbübisch und nahm Platz.
"Vielleicht", meinte Janeway geheimnisvoll und fragte gleich: "Möchten Sie etwas trinken?"
"Nein, danke", winkte Tom ab und wartete gespannt.
"Tom, ich möchte Sie bitten dieses Gespräch vertraulich zu behandeln."
"Natürlich Captain", sagte er nun mit einer ernsten Miene.
"Lieutenant Tuvok hat mir gerade einen Wink gegeben, daß ich mit Ihnen sprechen sollte bezüglich einer Wette 17 und einem kleinen privaten Dilemma, das Chakotay und mich betrifft."
Spätestens bei Beendigung des Satzes war Tom der Unterkiefer heruntergeklappt und er starrte seinen Captain völlig ungläubig an. Wette 17 war ein streng gehütetes Geheimnis der Crew vor den beiden Führungsoffizieren, daß Tuvok das verraten hatte, war schon unglaublich, doch als Kathryn noch von einem persönlichen Dilemma zwischen ihr und Chakotay sprach dachte Tom, er träume. Er hätte nie gedacht dieses Thema jemals aus Janeways Mund zu hören.
"Captain... um ehrlich zu sein, ich weiß nicht, was ich sagen soll", gab Tom zu und war immer noch dabei, den Brocken zu verdauen.
"Zunächst würde ich gerne erfahren, was es mit Wette 17 auf sich hat", sagte sie schmunzelnd. Es geschah nicht oft, daß der leicht vorwitzige Pilot einmal komplett sprachlos war und im Geheimen mußte Janeway darüber lachen.
Jetzt wurde er auch noch leicht rötlich und seine Ohren glühten als er versuchte, die Frage seines Captains zu beantworten.
Doch Tom wäre nicht Tom, wenn er hier keine Worte gefunden hätte. Er entschied sich daher einfach für einen Frontalangriff und der schonungslosen Wahrheit.

"Bitte verstehen Sie das jetzt nicht falsch, aber es ist offensichtlich, daß Sie beide füreinander mehr empfinden. Seitdem Sie von New Earth zurück sind, ist das sogar noch deutlicher geworden."
Janeway wollte gerade protestieren, doch Tom kam ihr zuvor.
"Es ist nicht, was Sie getan haben, Captain", versuchte er zu erklären, "es ist eher das, was Sie versucht haben tunlichst zu vermeiden." Tom stand jetzt auf und begann mit einem unruhigen Marsch vor dem Tisch hin und her.
"Da sind zuerst einmal in gewissen Situationen die Blicke, die Sie einander zuwerfen. Kleine Nuancen, die Ihnen vielleicht nicht auffallen, aber uns. Wenn Sie beide sich einmal uneinig sind versuchen Sie zwar alles, um das vor der Crew zu verbergen, aber die Chemie stimmt dann nicht mehr. Außerdem sind es vor allem die Blicke, die Sie einander hinterherwerfen, wenn es der andere nicht merkt. Captain", Tom hörte mit dem Gelaufe auf und fokussierte seinen Captain nun. "Ich bin quasi ein Experte auf dem Gebiet, aber der gesamten Crew einschließlich Naomi Wildman ist aufgefallen, daß da mehr zwischen Ihnen ist."
Hier zog er kurz die Stirn in Falten und korrigierte sich: "Beziehungsweise nicht ist aber sein sollte."
Kathryn hatte fast schon atemlos zugehört und war einerseits amüsiert und andererseits zutiefst geschockt darüber, daß die Crew anscheinend alles mitbekommen hatte.
"Was hat es denn nun mit der Wette 17 auf sich, Tom?" fragte sie noch.
Paris grinste kurz und erklärte dann: "Naja, nachdem Sie beide von New Earth zurück waren, waren Sie für eine geraume Weile Thema Nummer 1 auf dem Schiff. Alle haben sich gefragt, ob Sie in den 3 Monaten, die Sie dort waren, mehr waren als nur Captain und Commander und da die Mutmaßungen nicht aufhörten, kamen wir auf die Idee mit der Wette 17, Thema: Wann vergessen Sie endlich das dämliche Protokoll und kommen zusammen?"
Den letzten Teil hatte Tom ziemlich beherzt und auch mit etwas Herzkopfen vorgetragen und stand nun da, wartend, was der Captain sagen würde und ob er vielleicht zu weit gegangen war.
Umso überraschter war er, als er sah, daß sie ein kleines Lächeln auf ihren Lippen formte.
"Mr. Paris", sagte sie mit einer seltsam belegten Stimme, "ich werde alles dafür tun, daß diese Wette in Zukunft nicht mehr relevant sein wird." Sie stand auf, trat erneut vor das Fenster und blickte hinaus.
"Ich hätte nie gedacht, daß die Crew so über uns denken würde", sagte sie leise.
Tom trat ein wenig dichter an sie heran und meinte nur: "Die Crew respektiert und liebt sie, Captain, Sie haben uns so viel gegeben, warum sollten wir Ihnen nicht ein wenig Glück gönnen? Jeder hat das Recht auf ein wenig Liebe, oder?"
Kathryn hatte Tränen in den Augen, als sie sich zu Tom herum drehte. Sie nickte nur.
Tom dagegen lächelte. "Natürlich wissen wir, wie stur Sie manchmal sein können Captain..." bei diesen Worten hob er beschwichtigend die Hände um ihr zu signalisieren, daß er es nicht so gemeint hatte, "und sich immer ans Protokoll halten, aber es gäbe da einen Ausweg. Sie müßten einfach..."
"... Chakotay heiraten", vollendete Kathryn den Satz für ihn und lächelte.
"Tom, genau das hatte ich im Sinn. Aber ich weiß nicht, ob es dafür nicht zu spät ist." Ein Schatten legte sich auf ihr Gesicht, als sie an Chakotay dachte und daran, wie er ihr Quartier verlassen hatte.
"Captain?" fragte Tom verwirrt.
"Es.. könnte sein, daß ich ihn einmal zu oft zurückgestoßen habe", gab sie schweren Herzens zu.
Tom setzte jetzt seinen Hundeblick auf als er sagte: "Chakotay liebt Sie. Er hat sich all die Jahre bemüht, vielleicht sind Sie jetzt einmal dran. Tun Sie's für sich selbst, Chakotay... und die Crew."
Kathryn blickte ihren Steuermann gerührt an und fühlte sich in dem Moment so sicher wie nie vorher.
"Danke, Tom", sagte sie nur und dieser nickte.
"Stets zu Diensten, Captain. Und wenn das jetzt alles war, dann möchte ich Sie bitten mich jetzt zu entschuldigen. Ich muß dringend meinen Einsatz für Wette 17 erhöhen."
Janeway mußte lachen und Tom schmunzelte.
"Wegtreten, Lieutenant."
"Ja, Ma'am."
"Ach Tom!" rief Kathryn noch bevor er den Raum verließ, "bitte schicken Sie doch Naomi und Blackpaw herein."
Der Pilot nickte und verließ dann den Bereitschaftsraum.

Kathryn's Plan

Kathryn blieb gerade genug Zeit, sich zu sammeln und den Aufenthaltsort von Chakotay herauszufinden, bevor der Türsummer zum dritten Mal an diesem Morgen ertönte.
"Herein", sagte sie und wie erwartet kam Naomi mit Blackpaw herein.
"Guten Morgen, Captain", begrüßte sie das Mädchen noch einmal.
"Hallo Naomi, danke, daß Du extra hergekommen bist."
"Kein Problem, wo ich lerne ist eigentlich unwichtig, hauptsache ich mache es."
Kathryn lächelte. Sie war sehr stolz auf die Halb-Ktarianerin, die sich so unermüdlich ihrem Studium widmete und auch sonst viel Einfallsreichtum und Geschick mitbrachte um die Crew zu unterstützen.
"Fühl Dich frei meinen Computer zu benutzen, ich muß wieder auf die Brücke."
"Danke", erwiderte sie und rein aus Gewohnheit nahm sie auf dem Sessel gegenüber des Captains Platz und wollte schon den Laptop drehen, doch da meinte Janeway mit einem Augenzwinkern: "Naomi, mein Sessel ist bequemer."
Das Mädchen bekam leicht rosa Wangen und meinte: "Aber das ist Ihr Platz, Captain, ich kann doch nicht einfach..."
"Naomi, bist Du meine Assistentin oder nicht?" fragte Kathryn schmunzelnd.
"Ja, schon, aber..."
"Kein 'aber' - Du willst doch später einmal Captain werden, dann ist hier Deine erste Gelegenheit den Platz hinter dem Schreibtisch auszuprobieren."
Zögernd setzte sich Naomi hin und fühlte sich auf einmal ziemlich klein.

Kathryn dagegen stand nun vor ihr und meinte: "Der Platz steht Dir. Viel Spaß."
Dann ließ sie die Halb-Ktarianerin allein und ging zur Brücke.

Zum Glück verlief der Tag völlig ruhig und die Routine des Schiffes wurde in keiner Weise unterbrochen, was Kathryn einige Zeit gab, um über das Problem nachzudenken, wie sie jetzt am besten vorgehen sollte. Zunächst einmal mußte sie irgendwie herausfinden, was Chakotay jetzt tat. Sie war sich ziemlich sicher, daß sein plötzlicher Urlaub etwas damit zu tun haben mußte um mit sich selber ins Reine zu kommen und sie wollte nicht, daß er nicht alle Fakten für eine solche Entscheidung hatte. Eine vage Idee formte sich in ihrem Kopf und sie stand auf um in ihren Bereitschaftsraum zu gehen.
Normalerweise würde ich sowas nicht machen, aber hier geht es um unsere Zukunft, dachte sie, um sich die beginnenden Zweifel an der Richtigkeit ihrer Idee auszureden.
Als sie den Raum betrat saß Naomi versunken in ihren Studien am Computer während Blackpaw in seinem Hundekörbchen unter dem Fenster schlief. Als er Kathryn jedoch witterte, wachte er auf und hüpfte ihr freudig bellend entgegen.
Naomi bemerkte erst jetzt die Anwesenheit ihres Captains und stand hastig auf um Platz zu machen, doch Kathryn winkte ab.
"Bleib ruhig sitzen, Naomi, ich wollte nur einmal nach euch beiden schauen. Brauchst Du irgendetwas?"
"Nein, vielen Dank Captain", antwortete Naomi höflich.
Kathryn wollte gerade Blackpaw nehmen als ihr plötzlich noch eine andere Idee kam. Sie wandte sich noch einmal an das Mädchen.
"Naomi, würdest Du mir vielleicht in einer... persönlichen Angelegenheit ein wenig helfen?" fragte sie zaghaft.
Die Halb-Ktarianerin blickte den Captain überrascht an. Es paßte gar nicht zu ihr, so zögerlich zu fragen und schon gar nicht, sie in einer Privatangelegenheit um Hilfe zu bitten. Doch der Überraschungsmoment dauerte nur zwei Sekunden und sie sagte sofort: "Aber natürlich, wenn ich kann?"
"Könntest Du es arrangieren, daß sich Blackpaw vielleicht auf Holodeck 2 verirrt und Du ihn zurückholst? Und wenn Du dabei ganz unauffällig noch in Erfahrung bringen könntest, welches Programm Chakotay ablaufen läßt wäre ich Dir sehr dankbar."
Naomi starrte Kathryn mit offenem Mund und weit aufgerissenen Augen völlig entgeistert an. Nach ein paar Sekunden platze sie heraus: "Ich soll... WAS?"
"Chakotay ein wenig ausspionieren. Aber ich versichere Dir, es ist für einen guten Zweck", bat Janeway eindringlich.
Naomi war nahe dran die Krankenstation zu rufen oder Eindringlingsalarm auszulösen. Entweder war Captain Janeway ernsthaft krank oder ein fremdes Wesen hatte ihren Platz eingenommen. Anders konnte sie sich nicht das Verhalten erklären, welches überhaupt nicht zu dem stets überaus korrekten und anständigen Captain paßte.
"Captain, bei allem Respekt", fing sie sich dann, "geht es Ihnen nicht gut?"
Kathryn seufzte leise, nahm Blackpaw auf den Arm und bedeutete Naomi, sich zu ihr auf die Couch zu setzen.
Das Mädchen kam der Aufforderung sofort nach und dann erklärte Kathryn ihren Plan.
Als Naomi den Hintergrund erfuhr vergaß sie sofort ihre Zweifel und sicherte dem Captain ihre volle Unterstützung zu. Dann schnappte sie sich Blackpaw und war mit den Worten "keine Sorge, Captain, wir beide machen das schon", zur Tür hinaus verschwunden.
Kathryn lächelte ihr nach. Sie hätte nie gedacht, daß dieses unvorhergesehen Geständnis von ihr so viel Unterstützung in der Crew auslöste. Besonders Tuvoks Meinung lag ihr am Herzen und seit dieser sein Einverständnis gegeben hatte war sie wesentlich gelöster und auch zuversichtlicher.

Naomi und Blackpaw in geheimer Mission

"Computer", sagte Naomi, kaum daß sie den Bereitschaftsraum verlassen hatte, "befindet sich Commander Chakotay noch auf dem Holodeck?"
"Positiv", kam die Antwort.
So weit, so gut, aber wie kriege ich es fertig, Blackpaw dort hinzubekommen? Und dann noch so, daß es keinen Verdacht erregt?
Sie überlegte fieberhaft und beschloß dann, die einfachste Methode zu versuchen. Kurz bevor sie das Holodeck erreichte, in dem sich Chakotay befand setzte sie den Hund auf den Boden, hockte sich vor ihn und nahm vorsichtig sein Köpfchen in ihre Hand, so daß er sie anguckte.
"Blackpaw", sagte sie ernst, "Du mußt jetzt ins Holodeck laufen. Such die Knochen!"
In der Hoffnung, daß es irgendwie klappen würde setzte sie ihn vor der Tür ab und verschwand dann hinter einer Ecke.
Hoffentlich hat er die Türen nicht verriegelt, betete sie, doch sie hatte gleich in zweifacher Hinsicht Erfolg - Blackpaw war, gerade so als ob er genau verstanden hätte, was er zu tun hatte, auf die Tür zugetapst, die sich auch sofort öffnete. Dann hüpfte er freudig ins Holodeck und die Türen schlossen sich wieder. Naomi beschloß, ihm 10 Minuten Vorsprung zu geben, bevor sie hinterherging.

Chakotay hatte sich sein Medizinbündel mit aufs Holodeck genommen, die Tasche mit Kathryns aufgehobenen Gegenständen und damit er wirklich sicher war alle Erinnerungen und Gefühle von New Earth zu beschwören hatte er auch das passende Programm dazu aktiviert. Normalerweise hätte er die Holodecktüren verriegelt, doch da er wußte, daß sich die komplette Alpha-Schicht auf der Brücke befand, war er sich sicher, daß kein ungebetener Gast hier auftauchen würde, vor allem nicht Kathryn. Sie wußte nicht einmal, daß dieses Programm existierte.
Und das wird es auch nicht mehr, wenn ich hier fertig bin, dachte er verbittert.
Nachdem er Kathryn gestern Abend so verlassen hatte, hatte er die ganze Nacht wach gelegen und gegrübelt. Immer wieder schwankte er zwischen Hoffnung, Resignation, Trauer und auch Wut. Schließlich kam er einfach zu dem Schluß, daß es so nicht weitergehen konnte und hatte deshalb beschlossen, mit Hilfe seiner geistigen Führerin sich dem zu stellen.
Er hatte sich einen Platz auf einem hohen Felsen gesucht, der ein wenig über den Fluß ragte, den Chakotay und Kathryn erkunden wollten kurz bevor sie die Voyager wieder zurückholte.
Hier saß er erst eine Weile und schaute dem Fluß zu, der stetig dahin floß.

Es half ihm, seine Gedanken zu klären und seinen Geist auf die bevorstehende Visionssuche vorzubereiten.
Als er meinte bereit zu sein breitete er sein Medizinbündel aus, legte die Kathryns Sachen von New Earth daneben und legte dann seine Hand auf das Akoonah.
"A-koo-che-moya", fing er gerade an, als ein leises Winseln seine Konzentration störte. Überrascht nahm er die Hand wieder weg und öffnete die Augen. Vor ihm lag Blackpaw, seine eine Pfote über dem Seidentuch von Kathryn und schaute ihn mit großen, traurigen Hundeaugen an.
"Blackpaw", sagte er ungläubig und nahm den Hund in seine Arme.
Sofort kuschelte sich der Welpe bei ihm in die Armbeuge und für einen Moment durchströmte Chakotay ein Glücksgefühl. Es war so schön jemanden im Arm zu halten und für den Bruchteil einer Sekunde kam ihm ein Baby in den Sinn. Seins und Kathryns.
Er streichelte dem Hund über den Kopf und lächelte wohlig. Erinnerungen mit Kathryn auf New Earth strömten auf ihn ein und seine verlorengegangen Liebe zu ihr glühte tief in ihm wieder auf.
Dann unterbrach eine Stimme seine Gedanken und er ließ Blackpaw erschrocken los.
"Ist jemand hier?" hörte er Naomi rufen.
Seufzend stand er auf und Blackpaw übernahm für ihn die Begrüßung, in dem er mit seinem niedlichen Welpen-Gebell in die Richtung rannte, aus der Naomis Stimme kam.
"Naomi, wir sind hier", fügte Chakotay hinzu und kurz darauf sah er das Mädchen aus der Waldgrenze herauskommen.
Wenigstens ist es nicht der Captain, dachte Chakotay erleichtert, weil das Programm noch lief. Doch Naomi würde hiermit nichts anfangen können, sein Geheimnis war also sicher.
"Oh, Commander, es tut mir so leid, aber er ist mir wieder entwischt", sagte sie ziemlich kläglich und nahm den Hund auf den Arm.
"Nicht so schlimm, Naomi", antwortete Chakotay lächelnd.
Als sie den Fluß sah riß sie ihre blauen Augen auf und hauchte: "Oh, ist das schön hier! Hier würde ich meinen freien Tag auch verbringen wollen. Welches Programm ist das?"
Naomi schaute ihn völlig unschuldig an und wartete auf eine Antwort.
Chakotay zögerte und suchte nach einer unverfänglichen Antwort.
"Das ist ein Abbild eines Planeten, den wir auf unserer Reise in den Alpha-Quadranten einmal besucht haben", meinte er schließlich und war mit seiner Antwort zufrieden. Es war immerhin keine Lüge.
Naomi versuchte sich unterdessen Details zu merken, die sie dem Captain beschreiben konnte. Sie wollte zwar erst vor dem Holodeck warten, hatte sich aber dann entschlossen, schon hineinzuschauen. Jetzt war sie froh, daß sie es getan hatte, denn sie war unterwegs auf einige markante Dinge gestoßen, die sie dem Captain gut beschreiben konnte. Ob sie allerdings damit auch etwas anfangen konnte war eine andere Sache.
Naomi spürte, daß sie jetzt lieber gehen sollte, denn Chakotay hatte nur eine allgemeine Auskunft gegeben was Naomi fast sicher machte, daß dieses Programm dem Captain doch nicht unbekannt sein dürfte.
"Muß ein sehr schöner Planet gewesen sein", sagte sie einlenkend. "Ich werde Sie dann mal nicht weiter stören. Entschuldigen Sie bitte noch einmal mein Eindringen, ich werde auf ihn jetzt auch besser aufpassen."
"Einen schönen Tag euch noch", rief Chakotay hinterher und als er sicher war, daß er wieder allein war verriegelte er zur Vorsicht doch die Türen und setzte sich wieder auf den Felsen um seine tierische Begleiterin aufzusuchen. Diesmal hoffentlich ohne Störung.

Naomi lief unterdessen geradewegs zurück zum Bereitschaftsraum des Captains.
Kathryn war noch immer am Arbeiten und blickte überrascht auf, als Naomi den Raum durch die Hintertür betrat.
"Captain, wir haben es geschafft", sagte sie und drückte ihr Blackpaw in den Arm, der sie sogleich mit feuchten Hundeküssen überhäufte.
Kathryn hielt ihn auf dem Arm, aber außer Reichweite ihres Gesichts und bat Naomi, auf der Couch Platz zu nehmen um ihr zu berichten. Als beide Frauen saßen schilderte Naomi, was sie gesehen hatte.
"Es war hauptsächlich ein großer Wald", begann sie. "Laubbäume und als ich mich ein wenig umgesehen habe, bin ich auf eine gräuliche Wohnhütte gestoßen. Nicht weit davor stand eine große, hölzerne Badewanne und..." sie stockte, denn Kathryn starrte sie jetzt mit großen Augen und völlig verblüfft an.
"Wissen Sie, welches Programm das war?" hakte sie jetzt nach.

Kathryn fuhr sich mit einer Hand über die Lippen und schaute zur Seite.
Sollte das wirklich New Earth sein? War es ihm so wichtig, daß er es sogar auf der Voyager haben wollte? Ihre Gedanken sprangen förmlich und in ihrem Inneren breitete sich ein wohliges Gefühl aus.
Dann entsann sie sich, daß Naomi noch da war und sagte hastig: "Ja, ich denke schon."
Jetzt sah sie das Mädchen wieder an und fragte: "Hast Du Chakotay auch gesehen?"
Naomi nickte. "Ja, er saß an einem wunderschönen Fluß auf einem Felsvorsprung und wollte scheinbar gerade meditieren."
Kathryn stand auf, trat vor das Fenster und massierte sich die Stirn wie immer, wenn sie über ein Problem nachdachte. Wie sollte sie jetzt vorgehen? Sie hatte nicht mit New Earth gerechnet. Sie wußte nur eins - wenn sie noch etwas retten wollte, dann mußte sie schnell handeln. Sehr schnell.
"Naomi, Du hast mir sehr geholfen. Wärst Du so nett und könntest noch ein wenig auf Blackpaw achten? Ich muß noch etwas überprüfen."
"Kein Problem", sagte sie sofort und da sie spürte, daß der Captain jetzt doch lieber allein sein wollte, nahm sie Blackpaw und verließ leise den Bereitschaftsraum.
Kathryn war unterdessen schon wieder an ihrem Schreibtisch und nahm Zugriff auf das laufende Programm auf Holodeck 2.
Es dauerte eine Weile, bis sie die Dateien gefunden hatte und war nicht mal überrascht, daß Chakotay scheinbar viel Zeit und Mühe für das Programm aufgewendet hatte. Er hatte sogar kleine Details mit eingearbeitet, die selbst Kathryn erst wieder ins Bewußtsein kamen, als sie die Gestaltungsparameter sah.
Sie lehnte sich in ihrem Sessel zurück, den Blick weiterhin auf die Dateien gerichtet und tippte nachenklich mit ihrem Finger neben dem Computer auf dem Tisch herum.
Eine Idee formte sich in ihrem Kopf, es war verrückt und sie konnte alles damit endgültig kaputt machen, aber wenn es klappen würde, wäre es hoffentlich mehr als Worte, die man einfach so dahersagen könnte. Erst zögerlich, dann immer mutiger erstellte sie eine Kopie des Programms und transferierte es dann geschützt mit ihrem persönlichen Zugangscode, auf das Holodeck. Sie würde nach Schichtende daran arbeiten.

New Earth wie es hätte sein sollen...

Chakotay hatte unterdessen seine Visionssuche beendet. Seine tierische Begleiterin hatte ihm ruhig zugehört als er von seinen Zweifeln erzählte und ihn dann gewarnt, daß er nicht vorschnell handeln solle.
Ich verstehe Deine Situation, Chakotay, bist Du aber wirklich sicher, daß Du alles aufgeben willst?
Es gibt immer Zeiten, die schwerer sind, aber ich kenne Dich, Du gibst nicht so schnell auf. Dafür liebst Du Kathryn zu sehr und warst bereit zu warten. Bist Du Dir wirklich sicher, daß Du sie aufgeben willst?

Chakotay wußte darauf keine Antwort und beendete die Vision. Nachdenklich blieb er stundenlang auf dem Felsüberhang sitzen und versuchte sich über seine Gefühle klar zu werden.
Als nach geraumer Zeit seine Muskeln anfingen gegen die Sitzposition zu rebellieren seufzte er, packte seine Sachen wieder zusammen und beschloß, am nächsten Tag noch einmal das Programm zu starten, allerdings es dann auch zu erleben. Er wollte seine Gefühle noch einmal erleben. Zwar ging das hier nur ohne Kathryn, aber gewisse Momente würde er sich auch so ins Gedächtnis rufen können. Ganz tief im Inneren war er jedoch seiner kleinen Führerin dankbar, eigentlich wollte er Kathryn auch gar nicht aufgeben, es war diese Stimme in ihm, die ihn verleiten wollte und leider - das mußte er sich einfach eingestehen - recht überzeugend war. Es lief also darauf hinaus zu erkennen, was er wirklich wollte. Und das würde schwierig werden.
Den Kopf voller ungewisser Gefühle und Gedanken beendete er das Programm und kehrte dann in sein Quartier zurück. Den ganzen Tag hatte er Kathryn nicht gesehen und sie fehlte ihm.
Chakotay seufzte und stieg dann unter die Dusche. Er hoffte, unter dem angenehmen warmen Wasser für ein paar Minuten wenigstens abschalten zu können.

Kurz nachdem Chakotay das Holodeck verlassen hatte bog Kathryn um die Ecke um ihren Plan in die Tat umzusetzen.
"Computer, Programm Chakotay New Earth 1 Kathryn starten und Türen verriegeln. Genehmigung Janeway pi alpha."
"Bestätigt. Das Programm ist aktiv, Sie können eintreten."
Kathryn betrat das Holodeck und schaute sich mit klopfendem Herzen um. Lang unterdrückte Gefühle und Erinnerungen strömten auf sie ein und als sie die Badewanne erreichte konnte sie sich nicht zurückhalten und strich einmal zärtlich mit den Fingern über das Holz.

"Ach Chakotay", seuftze sie leise und wandte dann ihren Blick auf ihre Behausung. Neugierig ging sie hinein. Es sah wirklich alles noch genauso aus, wie sie es damals verlassen hatten.
"Also gut, dann mal los", spornte sie sich selber an und fing dann an, das Programm zu verändern.

Es war schon weit nach Mitternacht, als sie endlich fertig war. Jetzt mußte sie nur noch dafür sorgen, daß Chakotay ihr modifiziertes Programm aufrief und der Computer sie rechtzeitig informieren würde, wenn er das tat.
Dies einzustellen dauerte eine weitere halbe Stunde und schließlich kroch sie totmüde und mit einigen Zweifeln behaftet in ihr Bett.

Chakotay wachte mit den Gedanken an Kathryn an auf am nächsten Morgen.
In Ruhe ging er noch einmal duschen, aß sein Frühstück und machte sich dann wieder auf den Weg zum Holodeck.
"Computer, Programm Chakotay New Earth 1 starten", sagte er und betrat kurz darauf das Holodeck.
Als er den Programmnamen eingegeben hatte, hatte der Computer gewissenhaft Captain Janeway darüber informiert, die ihrerseits jetzt ein site-to-site iniziierte und sich kurz darauf selber dort befand. Allerdings gut verborgen vor Chakotay.
Dieser trat jetzt in die Behausung und blieb völlig überrascht stehen, als er Kathryn dort sitzen sah.
"Kathryn?" fragte er völlig fassungslos. Sie hatte das Nachthemd an und saß genau in der Position, in der sie die Parameter bezüglich ihnen definiert hatte.
Nun stand sie auf und sagte: "Ich bin eine Holofigur, geschaffen von der echten Kathryn. Wir beide haben etwas zu korrigieren, was damals ein großer Fehler war."
Chakotay kniff die Augen zusammen.
Woher zum Teufel weiß Kathryn von diesem Programm? Und was hat sie sich dabei gedacht, es einfach zu ändern?
Den letzten Satz sprach er dann auch laut aus, denn er war wütend. Sie hatte kein Recht, einfach in seine Privatspähre einzudringen. Und genau das war der Moment, vor dem sich die echte Kathryn fürchtete. Hier und jetzt stand oder fiel alles, mit Chakotays Entscheidung.
"Chakotay, es tut ihr sehr leid, daß sie diesen Schritt gemacht hat, aber bitte gib ihr eine Chance zu zeigen, warum sie es tat", bat die Holo-Kathryn nun und Chakotay schluckte seinen Zorn herunter.
Das wollte er gerne wissen.
"Ich werde zuhören", sagte er dann. "Aber ob ich ihr das verzeihen kann weiß ich nicht."
"Ich verstehe", sagte Kathryn und bat ihn dann, Platz zu nehmen.
Chakotay tat es und wartete ab. Die Holofigur setzte sich ihm gegenüber und erklärte dann: "Kathryn hat mich so programmiert, etwas zu ändern. Dafür möchte ich Dich bitten, mir gleich noch einmal die Schultern zu massieren."
"Ich soll was?" fragte Chakotay nach.
Kathryn sah ihn nur lächelnd an. "Bitte Chakotay, tu einfach das, was ihr damals gemacht habt, Du wirst alles verstehen."
Er überlegte einen Moment. Was soll das bringen? fragte er sich, aber er beschloß, mitzuspielen.
"Also gut", sagte er und trat hinter sie.
Sanft legte er seine Hände auf ihre Schultern und begann dann mit der Massage. Obwohl es nur eine Holofigur war und er das Ganze eigentlich lächerlich fand irgendwie, begann sein Herz schneller zu klopfen und mit der Zeit versank er völlig in dem Gefühl von damals, als er die echte Kathryn massiert hatte.
Wieder verharrte er nach einer Weile und sie stand auf. Obwohl er wußte, was jetzt kommen würde, schaute er überwältigt von seinen Gefühlen für sie zur Seite und dann in ihr Gesicht.
Danke, das ist jetzt viel besser, kamen Chakotay ihre Worte von damals in Erinnerung und das war seine Chance, die er verpaßt hatte. Er seufzte resigniert und wollte es nicht noch einmal hören. Deshalb drehte er sich um und war drauf und dran zu gehen.
Ein zischendes Geräusch und eine Stimme ließ ihn innehalten.
"Chakotay, warte", sagte Kathryn und ihre zarten Hände legten sich auf seinen Arm.
Er drehte sich um und diesmal stand die echte Kathryn vor ihm. Er wußte es sofort.
"Ich habe Dir gesagt, daß ich die Geschichte richtig stellen muß, wenn Du mir eine Chance gibst", sagte sie und ihr Gesicht näherte sich seinem langsam.
"Kathryn..." flüsterte er nur, alle seine Zweifel und Sorgen vergessen. Er dachte nur noch an diese wunderbaren, blauen Augen, die ihn ansahen und ihre rosaroten Lippen, die nun immer näher kamen.
Ihre Hand legte sich um seinen Nacken und seine Arme schlangen sich, ohne daß er es eigentlich bemerkte, ganz von selbst um ihre Taille und er zog sie zu sich heran.
Als sie ihn dann küßte spürte er nur noch eine grenzenlose Liebe und Glück.
Nach einer Weile löste sich Kathryn von seinen Lippen und flüsterte, ohne ihn loszulassen: "Es tut mir so leid Chakotay, ich hätte es damals gleich machen sollen, statt dessen habe ich mich von meiner Angst leiten lassen die Prinzipien der Sternenflotte zu verraten, denn ich wollte nicht glauben, daß wir für immer auf New Earth bleiben mußten."
"Aber wir sind hier und das Protokoll auch", sagte Chakotay vorsichtig.
"Ich weiß und ich glaube, ich habe eine Lösung für dieses... Problem." Sie lächelte jetzt unsicher.
"Chakotay, willst Du mich heiraten?" fragte sie atemlos. Zuviel hing von seiner Antwort ab.
"Du willst mich nur heiraten um das Protokoll auszuhebeln?" fragte er mit einem Hauch Ärger.
Kathryn schüttelte den Kopf. "Das war am Anfang vielleicht eine verzweifelte Idee. Aber ich frage Dich jetzt, weil ich ohne Dich keine Minute mehr sein möchte. Ich liebe Dich, Chakotay. Und jetzt werde ich sonst auf Dich warten, solange es dauert. Wenn Du mich noch haben willst."
Chakotay schaute sie einen Moment durchdringend an, doch dann lächelte er.
"Ja, ich will Dich heiraten. Warum noch länger warten?" Damit küßte er sie noch einmal stürmisch und fragte dann: "Wann willst Du es der Crew sagen?"
Kathryn schmunzelte. "Sie weiß es schon."
Das war für Chakotay der letzte und eindeutige Beweis, daß es Kathryn wirklich ernst meinte.
"Ich liebe Dich", sagte er nur und Kathryn fragte schelmisch: "Ist es Dir recht wenn wir heute heiraten?"
Chakotay tat, als überlegte er kurz und meinte dann: "Zufälligerweise habe ich heute gerade frei. Es würde also in meinen Terminplan passen."
Kathryn lachte und tippte dann auf ihr Combadge.
"Janeway an Tuvok, es ist soweit."
"Verstanden, Captain", kam nur die Antwort des Vulkaniers und kurz darauf - Chakotay hatte nicht mal Zeit Kathryn zu fragen, was sie meinte, ertönte vor der Behausung das typische Geräusch des Transporters und als Kathryn und Chakotay hinaustraten standen dort Tuvok, Tom und B'Elanna mit lachenden Gesichtern. Zumindest betraf das Tom und B'Elanna.
Tuvok hatte lediglich eine Augenbraue hochgezogen und fragte in seiner üblichen vulkanisch-gelassenen Art: "Captain Janeway und Commander Chakotay, sind Sie beide freien Willens getraut zu werden?"
Beide nickten.
"Da die Crew gerne der Zeremonie beiwohnen würde, schlage ich vor, die Trauung in der Mess Hall vorzunehmen, es sei denn, Sie bevorzugen eine Feier im kleinen Kreis."
Kathryn und Chakotay sahen sich kurz an und dann sagte Chakotay: "Wie wäre es, wenn wir es hier auf dem Holodeck machen? Hier, in diesem Programm. Die Crew ist herzlich eingeladen."
Tuvok hob eine Augenbraue und sagte nur: "Wie Sie wünschen."
Dann machte er eine schiffsweite Durchsage und nach und nach kamen die Besatzungsmitglieder an.
B'Elanna trat neben Kathryn und flüsterte: "Ich habe mir gedacht, daß Sie sich hier trauen lassen und habe daher ein kleines Programm Ihre Kleidung betreffend geschrieben, darf ich?"
Kathryn nickte.
"Computer, Programm Torres 11 aktivieren", sagte die Halb-Klingonin und Janeway hatte plötzlich ein Brautkleid an, Chakotay einen Anzug. Die schon anwesende Crew sog hörbar kollektiv die Luft ein, als sie das Paar sahen und dann klatschen alle begeistert.
"Danke B'Elanna", wisperte Kathryn zurück. "Es ist wunderschön."
"Keine Ursache, Captain", erwiderte sie schmunzelnd und stellte sich dann neben Chakotay als Trauzeugin.
Tom nahm seinen Platz neben dem Captain ein und dann verstummte auch die Crew.
Tuvok sah beide noch einmal an und begann dann: "Normalerweise obliegt es dem Captain eines Schiffes ein Paar zu trauuen, doch da in diesem Fall der Captain des Schiffes mit dem Stellvertreter den Bund der Ehe eingehen will ist diese Ehre mir zuteil geworden. Captain Kathryn Janeway, ich frage Sie daher...."

Als Tuvok die Eheschließung vollzogen hatte entbrannte auf dem Holodeck ein wahrer Orkan aus Klatschen und Jubelrufen, die noch lauter wurden, als Chakotay und Kathryn sich endlich küßten.
Naomi stand mit Blackpaw auf dem Arm ganz vorne, kraulte den Hund am Kopf und meinte zu ihm: "Das hast Du gut gemacht, jetzt hast Du endlich auch Dein Herrchen bekommen."
Blackpaw schaute das Brautpaar an und bellte zweimal.
Ja, endlich, dachte er und wedelte fröhlich mit dem Schwanz.

E N D E