Anmerkung vom Autor:
Diese Story ist ein Crossover zwischen "Star Trek - Voyager" und "Die letzte Rune" von Mark Anthony. Die letzte Rune umfasst insgesamt 12 Buchbände und gehört zu meinen Lieblingsbuchserien. Ich wollte schon länger eine Begegnung der beiden Universen schaffen, hatte erst überlegt ob ich den ehrenwerten Ritter Durge und den Barden Falken von Malachor an Bord der Voyager hole, habe mich dann aber entschlossen unseren Captain lieber nach Eldh zu schicken. Die letzte Schlacht von Durge ist sehr nahe am Original gehalten, lediglich die Kathryn-Szenen tauchen im Original natürlich nicht auf (das wäre was...)^^.
Ansonsten kann ich jedem Fantasy-Leser diese Buchserie nur wärmstens empfehlen, einige Bände wurden neu aufgelegt, andere gibt es schon nicht mehr zu kaufen. Die Begegnung von Kathryn mit Königin Ralena, Aryn und den anderen findet parallel zu Buch 10 statt. Natürlich wird uneingeweihten manchmal etwas unverständlich vorkommen weil ich unmöglich alle Details erklären konnte, einen groben Ablauf der Ereignisse, die sich gerade auf Eldh abspielen gibt es aber in der Story, auf einige andere Dinge gehe ich hier kurz ein: Auf Eldh gibt es zwei Arten von Magie, die jedoch derselben Quelle entspringen: Runenmagie (was den Männern vorbehalten ist) und die Weltenkraft für die Hexen (was zu fast 100% auch nur Frauen sind, tatsächlich gibt es EINEN Hexer auf Eldh, dieser ist mit Aryn verheiratet). Die Hexen sprechen entweder von der "Weltenkraft" oder auch "der Gabe".
Auf Eldh gibt es weiterhin diverse Götter, das kleine Mädchen Tira wurde im vierten Buch in eine solche verwandelt und wurde zur Göttin des Feuers. Sie beschützt eine zeitlang den großen Stein "Krondisar", bis es an der Zeit ist ihn an Travis Wilder zu geben. Es gibt bedeutende und unbedeutende Gottheiten, zu den populärsten zählen u.a. auch "Vathris der Stiertöter", ein Gott des Krieges kann man sagen, dann "Sia", eine "Ur-Göttin" der Hexen, und Mogh, der Gott des Zwielichts, der Eldh zerstören will, indem er die erste Rune (Eldh) brechen will und sie nach seinem Antlitz neu erschaffen will. Es gibt natürlich noch diverse andere Gottheiten, die aber in der Geschichte nicht erwähnt werden und daher auch nicht erklärt werden müssen :)
So, aber jetzt genug. Viel Spaß!
Die Voyager glitt mit Warp 2 durch das All auf dem Weg nach Hause. Auf der Brücke saß Captain Kathryn Janeway, die Beine übereinander geschlagen und schaute geistesabwesend auf den Sichtschirm. Ihre Gedanken kreisten wieder einmal um den Mann zu ihrer Linken, Commander Chakotay. Kathryn mochte diese völlig ruhigen Phasen nicht, wo keiner etwas anderes zu tun hatte als die vorbeifliegenden Sterne zu beobachten. Ihre Gedanken drifteten dann immer zu ihm ab. Die Gedanken waren jedes mal quälend für sie, ihr Herz liebte Chakotay über alles, ihr Verstand allerdings zitierte immer und immer wieder die Sternenflottenprotokolle. Ein Captain darf mit keinem Crewmitglied eine persönliche Bindung eingehen...
Kathryn seufzte leise. Die Sternenflotte war 60.000 Lichtjahre entfernt und Kathryn war einsam. Doch was würde passieren wenn sie als Captain gegen die Regeln verstoßen würde? Chaos, Regelübertritte wären die Folgen, warum sollten andere die Regeln noch weiter befolgen wenn ihr Captain es nicht tat? Nein, völlig ausgeschlossen. Chakotay war für sie ein Tabu. Innerlich zerriss es sie, wieder einmal fühlte sie einen Kloß im Hals und schluckte ihn mühsam herunter. Verstohlen schaute sie in den Augenwinkeln nach links. Chakotay war über ein Padd gebeugt und runzelte die Stirn. Wie sie dieses Runzeln liebte! Sie löste ihren Blick wieder von ihm und seufzte erneut.
"Captain?" Chakotay schaute sie fragend an.
Kathryn schaute ihn an und meinte: "Wünschen Sie sich nicht auch manchmal einen Borgkubus oder wenigstens ein paar unfreundliche Zeitgenossen?"
Chakotay grinste. "Gelegentlich", sagte er schmunzelnd. "Allerdings habe ich auch noch genug andere Verwendung für freie Zeit, Captain." Er zwinkerte ihr zu, beugte sich dann näher zu ihr und raunte: "Wie wär's mit einem gemütlichen Spaziergang auf dem Holodeck Kathryn?"
"Sehr gerne, Chakotay", antwortete sie und verfluchte zum wiederholten Male die Sternenflotten Protokolle. Aber ein Spaziergang war nicht verboten.
"Dann hole ich Dich um 18 Uhr ab", flüsterte Chakotay weiter und wandte sich nach einem letzten, charmanten Lächeln wieder seinem Padd zu.
Kathryns Puls ging ein wenig schneller als sie an den bevorstehenden Abend dachte.
Sie schob die dunklen Gedanken beiseite und ging dann in ihren Bereitschaftsraum um sich mit irgendetwas abzulenken.

Als Kathryns Schicht beendet war lief sie auf direktem Weg in ihr Quartier. Manchmal machte sie noch einen kleinen Abstecher ins Kasino aber heute hatte sie es eilig sich umzuziehen. Als sie gerade durch einen leeren Korridor lief hörte sie ganz leise ein Glockenspiel. Verblüfft blieb sie stehen und lauschte - da, da war es wieder! Ganz leise hörte sie es, es schien vom Ende des Ganges zu kommen. In Erwartung ein Crewmitglied zu sehen das hier auf seinem Musikinstrument übte, trat Kathryn um die nächste Abzweigung und stand wieder vor einem leeren Korridor. Halt, so leer nun auch wieder nicht. Zu ihren Füßen lag ein Immergrün-Zweig. Verwirrt hob ihn Kathryn auf, solch eine Pflanze hatten sie doch gar nicht an Bord? Auch das Glockenspiel war verstummt. Gedankenverloren was dies zu bedeuten hatte, setzte sie ihren Weg zu ihrem Quartier fort. Nach einem ausgiebigen Bad hatte sie den Zwischenfall schon wieder vergessen. Vermutlich hatte ein Crewmitglied irgendwo das Spielen geübt und beim Transport einer Topfpflanze war der Zweig zu Boden gefallen. Zufrieden mit ihrer Theorie zog sie sich an und machte sich wenig später zusammen mit Chakotay auf den Weg zum Holodeck.
Nach dem Abend auf dem Holodeck war Kathryn zwischen Glückseligkeit und Verzweiflung gefangen. Chakotay und sie hatten einen wunderschönen und romantischen Spaziergang unternommen, bei dem Chakotay sogar so weit ging und seinen Arm um ihre Schultern legte und wie ein Gentleman hatte er sie noch bis zu ihrem Quartier begleitet. Sie hätte ihn gerne hereingebeten, doch ihre innere Stimme warnte sie das lieber nicht zu tun. Sie hätte ihm nicht widerstehen können, da war sie sich sicher. So verabschiedete sie ihn an ihrer Tür und auch wenn er es aber tunlichst versuchte zu vermeiden, die Enttäuschung stand ihm ins Gesicht geschrieben. Kathryn zerriss es das Herz ihn wieder einmal abweisen zu müssen.
Als sich die Türen geschlossen hatten spürte sie schon wieder einen Kloß im Hals. Mit aller Willenskraft schluckte sie ihn wieder einmal herunter und legte sich traurig auf die Couch.
Ein kleiner Mann mit grünen Kleidern, auf denen Blättern und Zweige hafteten, schaute sie vom Fußende ihrer Couch nachdenklich an. Auf seinem Kopf wippte ein ebenso grüner Hut. Kathryn starrte das Männchen zwei Sekunden völlig perplex an, dann schoss sie regelrecht von ihrer Couch hoch. Das Männchen war verschwunden. Kathryn erwachte auf ihrer Couch schnell atmend. Ihr Herz raste und das Blut rauschte in ihren Ohren. Ein Traum, dachte sie, es war nur ein Traum. Allmählich beruhigte sie sich wieder und fragte sich erstaunt, seit wann sie von kleinen, grünen Männchen träumte. Hinter ihr ertönte ein sehr leises Lachen und Kathryn drehte sich erschreckt um. Hinter ihr war niemand. "Ist hier jemand?" fragte sie in die Dunkelheit ihres Quartiers. Doch nur Stille umgab sie. Kopfschüttelnd beschloss sie schließlich ins Bett zu gehen. Scheinbar hatte sie sich auf der Brücke doch mehr gelangweilt als sie zugeben wollte. Als Ausgleich erschuf ihr Verstand schon Halluzinationen. Nein, das musste sofort aufhören. Sie beschloss am nächsten Tag eine Inspektion anzusetzen, dann hatte sie auf jeden Fall genug zu tun. Zufrieden mit dem Vorhaben schlief sie ein.

Chakotay saß derweil in seinem Quartier und dachte traurig darüber nach, dass Kathryn schon wieder vor ihm zurückgewichen war. Was hatte er falsch gemacht? Der Holodeckabend war so gut gelaufen, sie hatte es sogar zugelassen, dass er seinen Arm um ihre Schultern legte. Sogar ihren Kopf hatte sie an seine Schulter gelehnt. Warum also hatte sie sich dann wieder zurückgezogen? Du weißt warum, hörte er eine Stimme in seinem Verstand. Sie ist der Captain und darf keine Beziehung zu einem Besatzungsmitglied eingehen.
"Zum Teufel mit den Protokollen", schimpfte Chakotay leise vor sich hin. "Die Protokolle wurden nicht für Sternenflottenoffiziere gemacht, die 60.000 Lichtjahre von ihrer Heimat und Familie entfernt sind!" Und doch muss sie sich daran halten, sonst untergräbt sie ihre eigene Autorität, klang wieder die Stimme in ihm. Chakotay seufzte resigniert und ließ sich auf die Couch sinken. Es war eine so dumme Vorschrift. Er wusste, dass Kathryn unter der Einsamkeit ihres Kommandos manchmal litt und verflucht noch mal - er würde einen Weg finden für sie beide. Er wollte sie nicht verlieren. Und sie brauchte ihn, so wie er sie brauchte. Mit diesen Gedanken ging auch er ins Bett und schlief ein.

Am nächsten Morgen wachte Kathryn verwirrt auf. Sie brauchte ein paar Minuten bis sie sicher war, dass sie sich an Bord der Voyager befand. Sie hatte schon wieder von dem grünen Männchen geträumt, doch dieser Traum war so intensiv gewesen, dass Kathryn noch alle Einzelheiten wusste. Ebenfalls erinnerte sie sich, dass sie von einem anderen Mann geträumt hatte, der ein zerfurchtetes Gesicht hatte und doch eine Güte ausstrahlte, dass sie sich bei ihm sofort sicher und geborgen gefühlt hatte. Und er hatte ein riesiges Schwert auf dem Rücken gehabt, erinnerte sie sich. Er schien ein Leibwächter zu sein von dieser wunderschönen Frau mit goldenem Haar und tiefgrünen Augen. Dann war da noch die junge Frau gewesen mit den saphirblauen Augen...
Kathryn schüttelte den Kopf um die Erinnerungen zu vertreiben. Träume gehörten in die Nacht, nicht zum Morgen. Seltsamerweise schienen die Gesichter in ihrem Gedächtnis haften zu bleiben. Aus ihrem Wohnzimmer kam auf einmal wieder das leise, helle Glockenspiel. Kathryn stand auf und schaute in ihren Wohnbereich. Er war leer. Sie trat an das Fenster und blickte auf die vorbeifliegenden Sterne. Was war nur los mit ihr? Die Halluzinationen schienen sich jetzt zu häufen. "Sie verschwinden wenn hier wieder Betrieb herrscht", sagte sie resolut zu sich selber und machte sich dann fertig für ihre Schicht.

Vier Stunden waren schon vergangen und weder ein Glockenspiel, grüne Männchen oder Immergrün-Zweige waren aufgetaucht. Kathryn entspannte sich ging mit Tuvok und Chakotay weiter zu ihrem nächsten Inspektionsziel.
Im Maschinenraum begrüßte sie eine erstaunte Chefingenieurin B'Elanna Torres.
"Captain, was kann ich für Sie tun?"
"Nur ein kleiner Check B'Elanna, wir haben ja sonst nichts zu tun. Gibt es irgendetwas zu berichten?" fragte Kathryn. B'Elanna verneinte und brachte deutlich zum Ausdruck, dass nicht nur der Captain für eine feindliche Abwechslung dankbar gewesen wäre. "Ich war versucht die Abdeckungsplatte auf der Ebene 1 herunterfallen zu lassen nur um mir etwas Arbeit zu verschaffen", knurrte B'Elanna. Kathryn und Chakotay lachten leise und Tuvok hob eine Augenbraue, enthielt sich jedoch eines Kommentars da er sicher war, dass es sich nur um einen Scherz gehandelt hatte der zum Abbau der frustrierenden, Langenweile gedacht war.
Kathryn wollte sich gerade zum Gehen abwenden, als sie in den Augenwinkeln zum Schachtbereich einen grünen Schatten sah. Doch als sie zur Tür sah, war da nichts. Kurz darauf ertönte wieder ein sehr leises Lachen.
"Chakotay, genug gelacht", meinte Kathryn freundlich, doch Chakotay starrte sie nur an: "Ich habe nicht gelacht", sagte er. Kathryn wurde es auf einmal heiß. "Hat... hat denn keiner von Ihnen eben gelacht?" fragte sie.
Alle drei schüttelten den Kopf. Tuvok sah Kathryn besorgt an und meinte: "Captain, ist alles in Ordnung mit Ihnen?"
Kathryn lächelte. "Sicher, ich habe mich nur verhört." Doch in ihrem Inneren wusste sie, dass sie sich nicht verhört hatte. Es war dasselbe Lachen wie in ihrem Quartier am vorigen Abend.
"Gentlemen, gehen wir weiter, wir haben noch viel zu tun." Sie verabschiedeten sich von B'Elanna und gingen dann aus dem Maschinenraum. Chakotay sah seinen Captain ebenfalls besorgt an, irgendetwas stimmte mit ihr nicht. Er konnte es fühlen.

Der Korridor nahm gar kein Ende. Kathryn verspürte ein Unwohlsein und dachte daran, die Inspektion abzukürzen und sich den restlichen Tag freizunehmen. Nun ja, die Astrometrie würde noch drankommen müssen, danach konnte sie Schluss machen. Alle wichtigen Stationen hätten sie dann durch und ein Abbruch würde nicht auffallen, wenn sie die unwichtigeren Stationen auf morgen legen würde.
Sie erreichten Sevens Revier ohne weitere Zwischenfälle und hier vergaß Kathryn alles um sich und tauchte in Sensordaten und Physik ein.
Nach einer Stunde verabschiedeten sie sich auch hier und Kathryn beschloss, in ihrem Quartier erst mal ein heißes Bad zu nehmen. Doch als sich die Tür von der Astrometrie öffnete, sah sie es wieder - ein grüner Schatten huschte gerade um die Ecke. Kathryn eilte hinterher, ungeachtet ihrer verblüfften Begleiter, die nicht verstanden, hinter was ihr Captain auf einmal herlief. Da - an der nächsten Ecke konnte sie wieder den grünen Schemen sehen bevor er verschwand. Als sie dort ankam war der vor ihr liegende Korridor leer. Doch jetzt konnte sie es wieder hören - das Glockenspiel. Kathryn war stehen geblieben um zu lauschen, dabei wurde sie von Chakotay und Tuvok eingeholt.
"Captain, was ist passiert?" fragte Tuvok und trat vor sie.
"Hören sie nichts?" fragte Kathryn. Das Glockenspiel war sehr leise, aber ganz hell zu hören.
Chakotay und Tuvok lauschten einen Moment, dann schüttelten beide den Kopf.
"Was sollen wir denn hören?" hakte Chakotay nach, der hinter ihr stand.
Kathryn drehte sich um und sah ihn verwirrt an. "Ich..." weiter kam sie nicht, zwei Meter hinter Chakotay sah sie auf einmal einen dürren Mann in einer sehr altmodischen, staubigen Priestertracht stehen. Er sagte: "Es ist Zeit, mein Kind." Dann ertönte das Lachen wieder und der Priester war verschwunden. Kathryns mulmiges Gefühl wurde zu Übelkeit und ihr wurde schwindlig. Sie bekam noch mit, dass ihre Knie unter ihr nachgaben und sie in Chakotays Armen lag bevor es dunkel wurde.

"Kathryn!" Chakotay Herzschlag setzte für eine Sekunde aus als er sah dass Kathryn ihre Augen verdrehte und zu Boden sank. Er fing sie auf und tastete nach ihrem Puls. Er war langsam aber stetig. Tuvok tippte gerade auf seinen Communicator: "Tuvok an Krankenstation, medizinischer Notfall."
"Verstanden", erklang die Stimme des MHN.

Das MHN stand schon neben dem Biobett bereit als das typische Transportergeräusch ertönte und zwei Personen in der Krankenstation erschienen. Chakotay hob Kathryn auf das Biobett und das MHN begann mit der Untersuchung.
"Mhm..." brummte das MHN nachdenklich, lud ein Hypospray und drückte es seinem Captain an die Halsschlagader.
"Was ist mit ihr Doctor?" fragte Chakotay.
"Das, Commander, ist eine sehr gute Frage", entgegnete das MHN. "Der Captain befindet sich im REM-Schlaf, das Mittel, das ich ihr gerade gegeben habe hätte sie eigentlich aufwachen lassen müssen. Aus irgendeinem Grund hat es das nicht."
"Sie schläft? Aber sie ist ohnmächtig geworden", sagte Chakotay erregt.
"Ist Ihnen an Captain Janeway irgendetwas aufgefallen? Hatte sie Kopfschmerzen, Übelkeit, Stimmungsschwankungen oder ähnliches?"
"Körperlich ist mir nichts aufgefallen und etwas derartiges erwähnt hat sie auch nicht, allerdings..." Chakotay grübelte.
"Allerdings was Commander? Jede Information ist hilfereich wenn sie anormales Verhalten aufweist."
"Ich... ich hatte das Gefühl, das mit ihr irgendwas nicht stimmt."
"Können Sie das etwas näher erklären?"
"Im Maschinenraum zum Beispiel, da sagte sie mir, ich solle mit dem Lachen aufhören, dabei hat keiner von den Anwesenden gelacht. Später, in der Astrometrie, schien sie irgendetwas zu sehen und rannte hinterher. Doch da war nichts. Und kurz bevor sie ohnmächtig wurde fragte sie Tuvok und mich ob wir nicht auch etwas hören würden. Aber selbst Tuvoks vulkanische Ohren haben nichts außergewöhnliches wahrgenommen. Ein paar Sekunden später ist sie dann zusammengeklappt."
"Hm... ", grübelte das MHN, "das klingt nach Halluzinationen wenn sie mich fragen. Akustischer und visueller Art. Können Sie mir sagen wann Ihnen das zum ersten mal aufgefallen ist? Gab es vielleicht vorher schon eine Situation die Sie eventuell falsch gedeutet haben?"
Chakotay überlegte einen Moment. "Nicht dass ich wüsste, wir waren gestern Abend noch auf dem Holodeck, da war sie völlig normal. Das erste mal fiel es mir erst im Maschinenraum auf."
"Nun, vielen Dank Commander. Wenn Sie mich und meine Patientin nun bitte entschuldigen würden, ich muss noch weitere Scans durchführen. Dieser Zustand ist sehr rätselhaft. Ich weiß ehrlich gesagt nicht, wann ich den Captain wieder aufwecken kann. Ich werde Sie aber über jede Veränderung sofort informieren."
Chakotay wollte erst protestieren, sah dann aber ein, dass er im Moment nichts tun konnte und dem MHN nur im Weg stand. Daher nickte er knapp, drückte noch einmal Kathryns Hand und beugte sich zu ihr herunter.
"Kathryn, bitte komm zu mir zurück", flüsterte er in ihr Ohr, "ich würde es nicht ertragen Dich noch einmal zu verlieren." Seine Gedanken schweiften kurz zu dem Shuttleunglück zurück, bei dem Kathryn fast gestorben wäre. Dann verließ er die Krankenstation.

Um Kathryn herum war alles dunkel. Sie schien in einer Leere gefangen zu sein, sie hatte keinen Orientierungspunkt wo oben oder unten war. Als sich ihre Augen an die Schwärze gewöhnt hatten, konnte sie in einiger Entfernung ein bläulich schimmerndes Oval ausmachen. Kathryn ging darauf zu und je näher sie kam desto besser erkannte sie es. Es schien eine Art Tor zu sein, es knisterte und kleine Wirbel waren in der ebenfalls schwarzen Mitte zu sehen. Sie stand nun vor der Iris und überlegte was sie machen sollte, als sie bemerkte, dass das Tor langsam schrumpfte. Sie blickte sich noch einmal um, doch es schien nur dieses eine Tor hier zu geben. Kathryn hatte keine Wahl - sie sprang ins Unbekannte bevor sich die Iris zusammenzog und wurde sofort durch eine eisige Leere geschleudert. Gerade als sie dachte ersticken zu müssen wurde es hell und sie fiel in etwas weißes, kaltes hinein. Einen Moment lang war sie benommen, doch dann bewegte sie prüfend ihren Körper. Sie schien keine Verletzungen zu haben, lediglich ihr Kopf schmerzte etwas und ihr war eisig kalt. An ihrer Uniform hatte sich Reif gebildet und auch ihre Haare waren mit Reif überzogen. Mühsam rappelte sie sich aus dem Schneehaufen auf und blickte sich erstaunt um. Um sie herum war eine wilde Landschaft, Berge und Wald und nicht weit entfernt entdeckte sie einen breiten Pfad der in der Ferne zu einem Bergmassiv auf schwarzen Steinen führte. Kathryn beschloss, erst einmal zu dem Pfad zu gelangen und dann zu überlegen, in welche Richtung sie gehen sollte. Der Wind war eisig kalt und ihre Sternenflottenuniform würde sie nicht lange mehr gegen die Kälte schützen können. Sie lief los und als sie an den Weg kam sah sie im Schnee viele Hufabdrücke. Sie führten in Richtung der schwarzen Berge und als Kathryn genauer in die Richtung sah meinte sie in weiter Ferne ein Gebäude zu erkennen. Wo Häuser sind, sind hoffentlich auch Menschen, dachte sie und machte sich auf den Weg. Sie war bestimmt 2-3 Stunden gelaufen und inzwischen war das Gebäude so nahe herangekommen, dass Kathryn es als alte Burg ausmachen konnte. Punkte schienen dort herumzuschwirren und Kathryn versuchte schneller zu laufen. Ihre Füße und Hände konnte sie vor Kälte schon gar nicht mehr spüren und sie wusste, dass sie langsam in die Gefahr kommen würde zu erfrieren. Sie lief weiter, versuchte die Burg zu erreichen. Als sie gerade an eine Wegbiegung kam, da sah sie in ihren Augenwinkeln rechts einen Schatten in den Bäumen. Als sie näher kam stand der merkwürdige Priester wieder vor ihr, den sie vor ihrer Ohnmacht auf der Voyager gesehen hatte.
"Wer sind sie?" fragte sie zitternd vor Kälte.
Der Priester lachte laut und meinte dann: "Wie immer stellst du die schwierigen Fragen zuerst, das gefällt mir!"
Kathryn war verwirrt, fragte aber weiter: "Warum haben sie mich hergebracht? Und wo bin ich?"
Der Priester blickte ihr tief in die Augen. "Warum Tochter? Folge dem Weg zur Burg, auf Dich wartet eine wichtige Lektion. Nur so kannst du in Frieden weiterleben. Und wo du bist - auf einer Welt namens Eldh." Kathryn schaute in ihre ausgestreckte Hand, in die ihr der Priester eine halbe Silbermünze gelegt hatte. Als sie wieder nach oben schaute, war sie allein. Die Kälte und der merkwürdige Priester waren zuviel für sie. Sie umklammerte die Münze und fiel vornüber in den Schnee.

Auf der Voyager war unterdessen ein sehr besorgter Chakotay auf dem Weg zur Krankenstation.
"Was ist passiert Doctor?" fragte er noch im Laufen als er die Krankenstation betrat.
Er steuerte direkt auf Kathryns Liege zu. Sie schlief immer noch.
"Ah, Commander." Das MHN kam aus seinem Büro heraus und sah Chakotay ernst an. "Vor ein paar Minuten ist der Captain..." das MHN stockte kurz und senkte den Blick etwas, "nun, ich befürchte, sie ist in ein tiefes Koma gefallen. Es tut mir leid."
Chakotay starrte das MHN geschockt an. "Was... was genau bedeutet das, Doctor?" fragte er zitternd.
Das MHN suchte nach Worten, den Zustand zu beschreiben war nicht so einfach. Dann fiel ihm etwas ein.
"Erinnern Sie sich noch an den Anfang unserer Reise? Kurz nachdem uns der Fürsorger hierher gebracht hat? Sie waren mit Tuvok unterwegs zu Verhandlungen, als sie jedoch zurückkehrten waren sie hirntot, weil sie ihrer bioneuralen Energie beraubt wurden. Beim Captain besteht ein ähnlicher Zustand. Ihr Gehirnaktivität ist gleich Null, es ist fast so, als hätte ihr Geist ihren Körper verlassen."
"Soll das heißen sie ist klinisch tot?" fragte Chakotay entsetzt.
"Nicht ganz, aber beinah", antwortete das MHN. "Vielleicht kann man es auch eher mit ihrem Zustand vergleichen, als sie beide mit dem Shuttle abgestürzt sind und der Captain von einer fremden Präsenz übernommen wurde. Damals hätten wir sie ein paar mal fast verloren", sagte das MHN nachdenklich. Chakotay konnte sich an die Situation sehr gut erinnern. Kathryn war nach dem Unfall schwer verletzt und hatte mehrere Herzstillstände. Doch schließlich war sie kurz aufgewacht und hatte gegen das Wesen angekämpft als sie merkte, dass sie noch nicht tot war sondern nur kurz davor. Für Chakotay waren es mit die schrecklichsten Stunden in seinem Leben. Das wollte er nicht noch einmal durchmachen.
"Steht sie jetzt wieder unter seinem Einfluss?" fragte er.
Das MHN schüttelte den Kopf. "Nein, ich konnte nichts finden. Es scheint, als habe sie einfach ihren Körper verlassen."
Chakotay rang um seine Fassung. "Das heißt, wir können nur darauf warten, dass ihr... Astralkörper sich wieder mit ihrem realen vereint?"
"So könnte man es formulieren", sagte das MHN. "Nur kann keiner von uns wissen, ob das jemals passieren wird", fügte er leise hinzu.
Chakotay meinte in eine Leere zu fallen. Der Raum um ihn herum wurde dunkel und er beugte sich zu Kathryn herunter. Lass mich nicht allein! schrie er in Gedanken.
Er strich ihr sacht über das Haar und raffte schließlich die Schultern.
"Informieren sie mich unverzüglich über jegliche Veränderung", sagte er und floh regelrecht aus der Krankenstation. Später in seinem Quartier würde er sich seiner Verzweiflung hingeben.

Kathryn roch Pferd, Heu und Schweiß. Die Gerüche wurden intensiver und dann kehrte ihr Bewusstsein langsam wieder zurück. Sie fing heftig an mit den Zähnen zu klappern und zu zittern. Probeweise versuchte sie die Augen ein wenig zu öffnen, was sie sah, war eine auf und ab hüpfende Landschaft. Zwei starke Arme hielten sie rechts und links fest und als sie nach oben sah, erkannte sie eine Gestalt. Trotz ihrer Unterkühlung wusste Kathryn ganz genau wer der Mann war - der Ritter aus ihrem Traum. Nur dass er diesmal höchst lebendig war. An seinem Schnurrbart klebten Eisstücke und er sah konzentriert nach vorn. Kathryn schloss die Augen wieder und versuchte nicht einzuschlafen. Das Zähneklappern half ihr dabei. Nicht viel später hörte sie, dass das Hufgetrappel nun widerhallte. Sie öffnete erneut die Augen einen Spalt und stellte fest, dass sie scheinbar in der Burg angekommen waren.
"Mylord, wen habt ihr dort mitgebracht?" hörte sie eine tiefe Männerstimme.
"Ich weiß es nicht Sir Tarus", antwortete der Ritter. "Sie lag im Wald im Schnee. Lasst nach der Königin schicken, obwohl ich fürchte, dass selbst ihre Heilkunst hier nicht mehr helfen wird. Sie ist so kalt wie Eis."
Kathryn hörte ein paar gebrüllte Befehle und dann wurde sie heruntergehoben und in die Burg getragen. Sie versuchte die Augen weiter zu öffnen und sah, dass sie in ein Lager gebracht wurde, scheinbar ein Lazarett denn hier gab es viele Verletzte, auf das Bett gelegt und mit etlichen Decken zugedeckt wurde. Eine Trennwand schirmte sie vor den Soldaten ab, die hier ihre Verletzungen kurieren sollten. Langsam breitete sich in ihrem Körper ein leichtes Kribbeln aus. Dann trat hinter die Trennwand eine bildschöne Frau mit grünen Augen, goldenen Haaren und einem grünen Gewand. Kathryn stockte der Atem. Auch diese Frau kannte sie aus ihrem Traum. Ihre Sinne begannen wieder zu schwinden und das Letzte, das sie hörte war die Frau, die nach heißem Wasser verlangte und einigen Kräutern. Kurz bevor sie einschlief breitete sich eine köstliche Wärme in Kathryn aus, und sie seufzte zufrieden. Sterben war eigentlich ganz angenehm.

Lady Grace, Ärztin, Hexe und nicht zuletzt Königin von Malachor sah erleichtert auf die unbekannte Frau mit den dunklen Haaren herunter. Durge hatte sie gerade noch rechtzeitig gefunden, genau wie sie selbst damals. Zuerst hatte sie das Schlimmste befürchtet, doch nach einer Überprüfung des Lebensfadens der Fremden hatte sie erleichtert aufgeatmet. Sie würde wieder gesund werden. Grace hatte ihren Lebensfaden mit dem der Fremden verbunden und sie so von innen her gewärmt. Dass sie jetzt eingeschlafen war, war ein gutes Zeichen. Später würde sie mit Durge sprechen, wo er sie gefunden hatte, doch erst musste sie sich noch um ihre Patientin kümmern. Mit Hilfe von den Hexen Lursa und Sanrael begannen sie die Fremde zu entkleiden. Lursa hatte ungefähr dieselbe Größe wie die Fremde und ging los ein Gewand zu holen. Sie legten es auf einen Stuhl neben der Pritsche und dann überließen Grace und sie die Fremde der Obhut von Sanrael.
Durge wartete vor dem Lazarett auf seine Königin. Er liebte sie, wie Ritter seine Herrin lieben konnte, von ganzem Herzen, es war aber eine andere, die er auf romantische Weise liebte. Saphirblaue Augen blitzten vor seinem inneren Auge auf und dunkle Haare umrahmten ein majestätisches Gesicht. Durge spürte wieder diesen Schmerz in seinem Herzen, wie konnte er sich nur einbilden dass sie ihn jemals lieben konnte. Mit über 40 Wintern war er schon fast ein Greis, sie dagegen war jung und hatte das ganze Leben noch vor sich. Seine Gedanken wurden mit dem Erscheinen von Lady Grace weggewischt.
"Sir Durge", sagte sie, "erzählt mir noch einmal was passiert ist", bat sie ihn. Durge beschrieb, wie er auf der Jagd nach Wild an dem Waldrand vorbeikam und sie dort hatte liegen sehen. "Ich fand sie genauso, wie Euch damals im Schnee liegend, Mylady." Grace erfasste eine seltsame Aufregung. Die Parallelen mit ihrer Ankunft auf Eldh waren unübersehbar. Doch jetzt schlief die Fremde und Grace wusste, dass sie ihre Fragen auf später verschieben musste.
"Verzeiht Mylady, aber eine neue Angriffswelle wird gleich über uns hereinbrechen, ich muss mich zu den anderen gesellen." Mit einer eleganten Verbeugung verließ Durge, nachdem Grace mit einem Nicken ihn entlassen hatte, seine Königin.

Kathryn erwachte von Kampflärm. Scheinbar war sie doch nicht gestorben, denn die Umgebung hatte sie schon gesehen. Sie versuchte ihre Finger und Zehen zu bewegen und stellte fest, dass sie keine Erfrierungen davongetragen hatte. Als sie ihre rechte Hand öffnete fiel die halbe Silbermünze auf die Liege. Es war also doch kein Traum, dachte sie. Sie wollte die Münze wegstecken, doch ihre Uniform war verschwunden. Schnell schob sie die Münze unter das Kopfkissen, wickelte die Decke um sich und setze sich langsam auf. Hinter der Trennwand konnte sie leises Stöhnen und Schmerzenschreie hören. Eine alte Frau trat zu ihr ans Bett.
"Bleibt noch liegen, die Königin kommt gleich zu Euch", sagte sie und drückte Kathryn sanft zurück auf die Liege. Kathryn gehorchte, scheinbar war sie in ein Kriegsgebiet gestolpert. Nach ein paar Minuten trat dann wieder die Frau aus Kathryns Träumen an ihr Bett. Sie lächelte und sagte: "Willkommen auf Burg Todesfaust, und Ihr seid...?"
"Kathryn Janeway. Darf ich fragen wer mich gerettet hat? Ich möchte mich gern bedanken", sagte sie vorsichtig. Diese Welt mit ihren Bewohnern musste sie behutsam kennen lernen.
"Sir Durge hat Euch im Wald gefunden. Wie seid Ihr dorthin gekommen?"
Kathryn rieb sich die Stirn. "Ich... kann mich leider nur noch daran erinnern dass ich im Schnee zu mir kam. Dann fand ich den Pfad und Hufabdrücke, denen folgte ich und dann... "Kathryn machte eine Pause. Wie sollte sie das Auftauchen des Mannes in schwarz erklären? "Ich vermute, ich war zu durchgefroren und bin wohl ohnmächtig geworden", sagte sie.
Grace musterte sie intensiv. Sie spürte dass die Fremde nicht die ganze Wahrheit gesagt hatte, dennoch hatte sie kein ungutes Gefühl bei ihr. Sie beschloss, dass Kathryn Janeway nicht ihre Feindin war. Grace zeigte auf das Gewand neben dem Bett. "Lursa hat Euch ein Gewand herausgesucht, Eure Kleidung war leider... etwas unpassend. Ihr könnt Euch hier anziehen. Ich komme gleich wieder."
Damit ließ Grace Kathryn allein mit einer schier unlösbaren Aufgabe. Kathryn betrachtete das Gewand und ihre Befürchtung trat ein: das Gewand anzuziehen war komplizierter als Tuvok zu einem lauten Lachen zu bewegen."
Als die Königin wieder eintrat hatte sich Kathryn rettungslos in Metern Stoff und Schnüren verfangen. Grace verkniff sich mühsam ein Lachen bevor sie Kathryn half.
Genauso ging es mir auch damals, schossen Graces Gedanken ihn ihren Kopf. Durge hat mich in einem Schneehaufen gefunden, ich konnte auch kein Gewand anziehen ohne mich hoffnungslos zu verheddern, ein wenig zu viele Zufälle, nicht wahr Frau Doktor?
"Aus welcher Domäne kommt ihr?" fragte Grace weiter.
Kathryn überlegte was sie antworten konnte. "Oh, es ist eine weit entfernte Domäne namens Indiana, ich bin sicher ihr habt davon noch nie gehört."
Grace musste schmunzeln. Also hatte sie Recht. "Nun, tatsächlich habe ich schon von der Domäne gehört, nur drei Nachbardomänen weiter befindet sich zum Beispiel die Domäne, in der ich aufgewachsen bin, ich bin sicher, dass Ihr sie kennt: Colorado?"
Kathryn starrte Grace an. "Sie... sie sind von der Erde?"
Grace holte ihre halbe Silbermünze hervor und zeigte sie Kathryn. Diese holte ihre ebenfalls hervor.
"Bruder Cy", sagte Grace. "Er hat Euch hierher gebracht."
"Ist Bruder Cy der Priester?" fragte Kathryn.
Grace nickte. "Ich bin sicher er hatte seine Gründe Euch hierher zu schicken, leider können wir im Moment nicht ausführlich darüber reden, wir befinden uns mitten im Kampf gegen den fahlen König."
"Ich habe auch einen kleinen Mann ganz in Grün gekleidet gesehen und ein Glockenspiel gehört," fügte Kathryn hinzu.
"Das kleine Volk. Das Männchen war Trifkin Moosbeere, da bin ich sicher. Es passt alles. Bruder Cy und das kleine Volk haben Euch hierher gebracht. Leider können wir uns allerdings nicht so ausführlich unterhalten wie ich es gerne gemacht hätte. Damit Ihr allerdings einen Einblick in die Ereignisse hier bekommt, eine kleine Zusammenfassung: Menschen mit Eisenherzen bedrohen diese Welt. Ihr Anführer ist Berash, dieser wiederum will mit Hilfe der großen Steine für den alten Gott Mogh ein Tor zu der Welt öffnen. Mogh wurde vor tausenden Jahren von einer Allianz der alten und neuen Götter verbannt. Im ersten Krieg der Steine dann zog eine Armee, aufgestellt von König Ulther und Kaiserin Elsara, in die Schattenkluft. Ulther spaltete mit einem verzauberten Schwert namens Fellring das Eisenherz von Berash. Hunderte der besten Runenmeister und Hexen errichteten dann um Imbrifale, wo der fahle König hauste, hohe Berge, tiefe Schluchten und ein Runentor. Das Runentor wurde mit drei Runen versiegelt, auf dass Berash niemals mehr herausreiten könne. Doch mit der Zeit wurden die Runen schwächer, bis schließlich vor einem Jahr das letzte Siegel brach. Travis Wilder, ebenfalls ein Mensch von der Erde, wurde von seinem Freund Jack Greystone dort zu einem Runenmeister gemacht, obwohl er diese Macht nie wollte. Doch Jack starb in einem Feuer und hatte Travis als Nachfolger auserkoren. Travis lernte seine Macht zu kontrollieren und er war es, der das Runentor wieder versiegelte. Allerdings war diesmal nur ein Siegel gebunden. Dieses Siegel ist vor ein paar Tagen gebrochen, das Runentor ist wieder offen. Es hatte sich auch herausgestellt dass ich von Eldh komme und die letzte Nachfahrin von Ulther und somit die Königin von Malachor bin. Fellring wurde neu geschmiedet und meine Aufgabe ist es, Berash zu vernichten." Nur dass das einfach lächerlich ist. Was sollte ich schon gegen einen Hünen ausrichten können? fügte Grace in Gedanken an. Doch das war ihr Problem.
"Was mache ich dann hier?" fragte Kathryn.
"Das weiß nur Bruder Cy", sagte Grace, "aber er wird Euch nicht umsonst hergeschickt haben. Wir werden es herausfinden. Hat er irgendetwas zu Euch gesagt?"
Kathryn überlegte. "Er sagte, dass ich hier eine Lektion zu lernen habe, nur dann kann ich in Frieden weiterleben."
Grace nickte. "Dann finden wir es heraus. Kennt Ihr Euch mit erster Hilfe aus? Ich fürchte, wir brauchen bald jede Hand hier."
"Ich denke, ich sollte helfen können", meinte Kathryn. Bald darauf waren sie und Grace mit der Versorgung der Verletzen beschäftigt.
Als die Angriffswelle vorbei war hatten beide Frauen Zeit sich etwas auszuruhen. Grace war erschöpft, doch ihre Gedanken ließen sie nicht in Ruhe. Die ganze Zeit über musste sie an den fahlen König denken, der sie töten würde. Doch ein hartes Klopfen an der Tür ließ sie hochschrecken.
"Euer Majestät!" rief eine aufgeregte Stimme. Der fahle König, er ist da, dachte Grace und war versucht sich unter dem Bett zu verkriechen. Doch das Klopfen wurde drängender, die Stimme rief wieder: "Euer Majestät! Das müsst Ihr Euch ansehen!" Kathryn war schon auf den Beinen und Grace entschloss sich, doch die Tür zu öffnen. Vor ihr standen die Spinnenfrau Samatha und Sir Tarus mit aufgeregten Gesichtern. "Ist es soweit?" fragte Grace, "ist der fahle König herausgeritten?"
Tarus lachte und sagte dann: "Nein Euer Majestät, es ist König Boreas mit seinen Kriegern, sie reiten soeben in die Schlucht ein, kommt schnell! Es sind 5000 Krieger von Vathris die er mitbringt!"
Grace versagten die Beine den Dienst und Sir Tarus und Kathryn konnten sie gerade noch festhalten.
"Ist das eine gute oder eine schlechte Nachricht?" fragte Kathryn leise.
"Das ist die beste Nachricht, die ich seit Tagen bekommen habe", meinte Grace und schüttelte bestimmt die Hände ihrer Helfer ab. Dann lief sie los um König Boreas zu begrüßen."
"Wo ist Durge, Sir Tarus?" fragte Grace im Gehen. Dieser antwortete: "Vorhin habe ich ihn zu den Unterkünften gehen sehen, vermutlich will er sich ausruhen."
Sehr gut, dachte Grace, er wird seine Kraft noch brauchen.
Kathryn lief einfach hinterher und als sie das Tor erreichten fiel ihr Blick auf ein Meer von funkelnden Speerspitzen, an der Spitze des Heeres ritt auf einem weißen Pferd eine wunderschöne junge Frau in einem blauen Kleid, um die rechte Schulter war ein Schild geschnallt und mit der Linken hielt sie ein leuchtendes Schwert. Just in dem Moment als das Heer in die Schlucht ritt klaffte im graubedeckten Himmel ein Loch auf und Sonnenstrahlen fielen auf sie. Kathryn stockte der Atem, diese junge Frau hatte sie ebenfalls in ihrem Traum gesehen.
"Aryn!" hörte sie neben sich die Königin aufschreien, dann lief sie der jungen Frau entgegen und schloss sie in ihre Arme. Kathryn blieb oben stehen und wartete bis alle wieder heraufkommen würden. Scheinbar hatte die junge Frau schlechte Nachrichten mitgebracht, denn Grace war blass geworden und Aryn hatte tröstend ihren einen Arm um sie gelegt. Grace wandte sich Kathryn zu und sagte: "Das ist meine beste Freundin Aryn, Baroness von Elsandry und seit kurzem Königin von Calavere und Toloria", stellte sie die junge Frau vor. Kathryn erinnerte sich an die Gepflogenheiten im Mittelalter, denn das hier war eindeutig mittelalterlicher Stand, und versuchte einen Hofknicks auf Geratewohl hinzubekommen. "Euer Majestät", sagte sie und verneigte sich.
"Aryn, darf ich dir Kathryn Janeway vorstellen, sie kommt aus meinem Land."
Aryns Augen wurden groß, dann lächelte sie Kathryn herzlich an und hieß sie Willkommen. Über die Weltenkraft vernahm Grace in ihrem Kopf Aryns Stimme: Ich bin sehr auf die Geschichte neugierig, Grace, aber wir müssen das auf später verschieben. Tira hat, bevor sie uns verlassen hat noch ein Wort gesagt.
Tira war bei Dir? fragte Grace im Geist zurück. Das kleine Mädchen hatten sie vor fast einem Jahr kennen und lieben gelernt, bevor sie zusammen mit Travis Wilder im Feuer von Krondisar, einen der drei großen Steine, verwandelt wurde in eine Göttin.
Was hat sie gesagt? hakte Grace nach. Aryns Antwort brauchte etwas länger, als ob sie sich erst überwinden musste, das Wort auszusprechen.
Durge, sagte Aryn. Tira hat seinen Namen gesagt bevor sie verschwand. Wir müssen ihn finden Grace!
Grace Magen wurde zu einem Eisklumpen. Der Eisensplitter vor seinem Herzen! Vor ihrem Aufbruch nach Burg Todesfaust hatte sie den Splitter in seiner Brust mit Hilfe der Gabe gesehen und nur wenig später von der Waldkönigin erfahren, dass es für Durge keine Rettung mehr gab. Wenn der Eisensplitter sein Herz erreichte, würde er ebenfalls zu einem Eisenherzen und Verräter werden. Ein Diener von Berash.
Aber sie konnte Durge nicht verlieren! Sie liebte ihn von ganzem Herzen, wenn auch nicht mit romantischen Gefühlen. Durge liebte sie ebenfalls, als seine Königin und Burgdame, doch Aryn liebte er mit seinem Herzen. Er durfte einfach nicht sterben. Er musste wenigstens noch die Chance bekommen Aryn seine Gefühle mitzuteilen, das war er ihr schuldig. Aryn selbst wusste noch nichts davon, umso mehr machte sich eine Hektik in Grace breit. Wenn sie nur nicht schon zu spät kamen.
Kathryn sah sie fragend an, scheinbar hatte sie mitbekommen dass zwischen den beiden Frauen eine stumme Kommunikation ablief. Grace beschloss, die ganzen Ereignisse seit ihrer Ankunft hier auf Eldh in einen Gedanken zu packen und ihn Kathryn mitzuteilen.
Die Flut der mentalen Bilder und des neuen Wissens ließ Kathryn taumeln, doch schon kurze Zeit später begriff sie alles. Sie wusste, was für ein besonderer Mann der Ritter Sir Durge war, wie großherzig, treu, stark, tapfer und gut er war. Doch dann sah sie den Eisensplitter vor seinem Herzen, den Grace entdeckt hatte und wusste, dass die Tage des Ritter gezählt waren. Aus unerklärlichen Gründen veränderte sich vor Kathryns innerem Auge das Bild von Durge auf einmal in Chakotay. Sie erschrak furchtbar und eine Welle der Panik kroch durch ihre Glieder. Doch so schnell das Bild aufgetaucht war, so schnell nahm es wieder seinen Ursprung an. Kathryns Herz pochte dennoch heftig gegen ihre Rippen. Sie konzentrierte sich wieder auf die Bilderflut von Grace. Die Bilder hatten auch vermittelt wie sehr Grace und Aryn ihren Ritter liebten, daher ließ sie sich auch ohne groß Fragen zu stellen von Grace mitziehen um Sir Durge zu finden.
Sie rannten auf den Turm zu und als sie den Hauptsaal erreichten erwartete sie ein grauenhafter Anblick. Es roch nach Rauch, die Binsen auf dem Boden waren verkohlt und zwei Gestalten lagen auf dem Boden.
"Sia hilf", sagte Aryn erschrocken, als sie Meister Oragien und Meister Graedin erkannte. "Sind sie tot?"
Grace und Kathryn waren beide bereits zu den Verletzen geeilt und atmeten erleichtert auf. "Sie leben noch, aber wir müssen sie schnell in eine Unterkunft bringen, wo die Hexen sich um sie kümmern können", sagte Grace.
"Wer kann so etwas nur getan haben?" fragte Aryn weiter.
"Das würde ich auch gerne wissen", entgegnete Grace.
In dem Moment öffnete sich eine Seitentür des Saals und eine vertraute Gestalt trat herein. Aryn lief freudestrahlend auf Durge zu und umarmte ihn.
"Durge! Ihr habt mir so gefehlt, ich freue mich so Euch zu sehen!"
Kathryn beobachtete die Szene mit einem Lächeln. Aryn liebte den Ritter, das konnte man deutlich sehen, doch als sie in die Augen des Ritters blickte taumelte sie zurück. Dort lag keine Güte mehr, sie schauten nun leer und leblos. Auch Grace schien es bemerkt zu haben, denn sie stöhnte gequält auf und sagte dann: "Geh weg von ihm Aryn." Die Baroness merkte dass mit Durge etwas nicht stimmte, er stand immer noch stocksteif da. "Grace? Grace, was ist hier los?" fragte sie.
Durge von Embarr hatte in seinem Leben selten gelächelt, doch nun tat er es. Aryn schrie auf, in seinem Lächeln lagen nur Hass und Tod. Durge schleuderte Aryn weg von sich und ging auf Grace zu. Kathryn wusste was passiert war, der Splitter hatte sein Herz erreicht. Er war nun ein Diener des fahlen Königs. Entschlossen stellte sie sich ihm in den Weg, doch ehe sie nur irgendetwas tun konnte wurde sie ebenfalls von stahlharten Armen zur Seite gestoßen. Keuchend und mit vor Schreck geweiteten Augen blieb sie liegen und sah entsetzt zu, wie sich Durge auf Königin Grace zu bewegte.
"Werdet ihr mich töten?" fragte Grace leise. "Das wird der Meister selber erledigen", entgegnete er.
"Das ist deine Lektion", hörte Kathryn auf einmal hinter sich eine Stimme. Sie drehte den Kopf und war nicht mal mehr sonderlich überrascht dort ihr kleines, grünes Phantom zu sehen. "Trifkin Moosbeere? So heißt Ihr, oder?" fragte sie. Das Wesen nickte und sagte dann: "Schau hin. Und dann triff die richtige Entscheidung."
Kathryn drehte sich wieder um, es war nur ein Herzschlag vergangen und sie wusste, dass keiner außer ihr Trifkin Moosbeere gesehen hatte. Doch als sie wieder zu Durge und Grace blickte hatte sie das Gefühl, jemand hätte ihre Eingeweide umgedreht. Die Person war nicht mehr Durge, es war Chakotay. "Nein", hauchte Kathryn und rappelte sich auf. "Chakotay!" rief sie und rannte zu ihm. Er wandte sich von Grace ab und schaute nun Kathryn mit leblosen Augen an.
"Der Meister hat mich von meinen ewigen Qualen befreit Kathryn", sagte er höhnisch, "das menschliche Herz ist so schwach und einfühlsam. Jeder Zurückweisung von Dir tat weh, jeder Blick auf der Brücke von Dir, jedes Lächeln hat sich in mein Herz gebohrt, doch nun habe ich ein anderes, stärkeres Herz bekommen. Ganz aus Eisen Kathryn. Jetzt kannst du mich nicht mehr verletzen!"
Blitzschnell schnappte sich Chakotay Kathryns Hand und drückte sie auf seine Brust.
Seine hasserfüllten Augen blieben auf sie gerichtet und genossen jede Sekunde von Kathryns Verzweiflung. Sie spürte eine eisige Kälte an der Stelle, wo sein Herz sonst schlug. Tatsächlich spürte sie auch keinen Herzschlag mehr. Sie spürte gar nichts mehr! Das Entsetzen lähmte sie und sie Reue und Verzweiflung drohten sie zu übermannen. Sie hatte ihren Chakotay verloren. Für immer! Nie mehr würde er sie mit seinem warmen Lächeln anblicken, nie mehr würde in seinen braunen Augen die Liebe und das Verständnis für sie leuchten, nie mehr würde sie seine tröstenden und lustigen Worte mehr hören. Vorbei, sie hatte zu lange gewartet. Tränen stiegen in ihr auf und sie sackte schluchzend zusammen. Chakotay hatte sie losgelassen und lachte. "Zu spät Kathryn!"
"Nein, Chakotay" ,schluchzte sie, "bitte verzeih mir, ich liebe dich so sehr, bitte verzeih mir."
Doch Chakotays Blick war kalt und er wandte sich einfach von ihr ab, wieder Grace zu. Der Moment zersplitterte und Kathryn hörte wieder Durges Stimme: "Du wirst die Braut des Meisters sein, fahl und wunderschön."
Kathryn schaute entgeistert auf: das war nicht mehr Chakotay, es war wieder Durge.
Aryn trat hinter Durge. "Oh Durge, was hat man Euch angetan?" Tränen strömten über ihr Gesicht. Seine Augen waren Steine. "Sie haben mich perfekt gemacht, Mylady."
"Nein Durge, ihr wart perfekt. Aber warum habt ihr mir nicht gesagt dass ihr mich liebt?" fragte Aryn, die durch Grace alles erfahren hatte. "Wenn ich es nur gewusst hätte, hätte ich Eure Liebe vielleicht auch erwidern können."
Durge bleckte sie Zähne. "Nein, Liebe ist nur eine Schwäche, eine Krankheit von der der Meister uns alle befreien wird!"
"Ihr irrt Euch, Sir Durge", klang unvermittelt die Stimme von Kathryn dazwischen. "Die Liebe lässt uns überhaupt erst Menschen sein. Sie schafft Güte, Wärme und Mitgefühl in unseren Herzen. Und die Liebe ist das Einzige, was uns retten kann."
"Die Liebe soll euch trotzen", sagte Aryn nun. "Das hat die Hexe Cirsa gesagt als Mogh sie verraten hat. Und ich sage Euch nun dasselbe: Die Liebe soll Euch trotzen." Aryn zeigte mit ihrem verkrümmten Arm auf Durges Brust.
In dem Moment öffneten sich die Türen und leuchtende Gestalten und viele Feydrim strömten herein. Ein Phantomschatten berührte Aryn und die junge Königin schrie gellend auf bevor sie die Augen schloss und schneeweiß am ganzen Körper zu Boden sackte, wo sie sich nicht mehr rührte. Von Grace hatte Kathryn erfahren, dass die Berührung eines Phantomschattens den Tod bedeutete.
Durge schaute ungerührt auf Aryns leblosen Körper hinunter. "Liebe ist eine Schwäche", sagte er. Ein Zittern durchlief ihn, dann packte er den Griff seines Messers und wandte sich Grace zu. "Verzeiht mir, Mylady", sagte er. Bevor Grace reagieren konnte stach er zu. Sie hörte ein wütendes Brummen und ein Zischen. Ein Pfeil ragte aus Durges Seite und Aldeth stand im Eingang. Überall kämpften nun die Ritter gegen die Feydrim. Durge blutete aus der Wunde, doch kein Blut befleckte den Boden. Er schien es einfach aufzusaugen. Grace sah nach unten in der Erwartung, aus ihrer Bauchmitte den Messergriff herausragen zu sehen. Doch da war nichts. Stattdessen war der Stich weit am Herzen vorbei in ihre Schulter gegangen und hatte dort nur eine kleine Stichwunde gelassen. Blut floss und beschmierte ihre Hände. Sie sah nach unten. Noch immer war kein Blut auf dem Boden zu sehen. Es verschwand einfach. Dann sah Grace die 5 parallelen Linien im Boden. Blut. Blut war der Schlüssel. Die Rune des Blutes. Sie sah zu Durge hin, der inzwischen zu Boden gegangen war. In einem Auge schimmerte wieder seine Güte und seine Liebe. Grace wusste was sie zu tun hatte um die Burg zu retten. Doch damit würde sie auch Durge zerstören. "Tut es, Mylady. Weckt die Verteidigung der Burg zum Leben", sagte er leise.
"Aber dann werdet ihr.... " sie konnte den Satz nicht zu Ende sprechen.
"Ich bin schon vor einem Jahr dort in dem Keller gestorben. Nur der Splitter ließ mich am Leben. Ich bin dankbar, dass mir noch etwas zusätzliche Zeit mit Euch geschenkt wurde. Ich verdiene den Tod jetzt. Ich habe Euch verraten... und ich habe Lady Aryn getötet."
"Nein, das habt ihr nicht", sagte eine vertraute Stimme. Aryn kniete neben ihm, immer noch bleich aber lebendig. Sie bettete seinen Kopf in ihren Schoß.
Kathryn starrte die drei gebannt an, Tränen stiegen ihr wieder in die Augen.
"Nein Mylady, erweist mir nicht noch diese Ehre", raunte Durge.
"Ihr hättet es mir wirklich sagen müssen, dass ihr mich liebt, Durge", sagte Aryn.
"Ich wollte Euch damit nicht behelligen", erwiderte er.
Aryn lachte. "Aber warum? Es gäbe nichts besseres als von einem so edlen und guten Mann wie Euch geliebt zu werden." Dann strich Aryn ihm sanft die Haare aus dem Gesicht und küsste ihn auf den Mund.
Durge lächelte. "Ich bin... so ein glücklicher Mann. Habt ihr noch einen letzten Befehl für mich, meine Elfenkönigin?" wandte er sich an Grace.
Ihr standen ebenfalls Tränen in den Augen. "Schlaft mein geliebter Ritter", sagte sie nur. "Schlaft." Dann drückte sie die Hand auf den Boden.
Kathryn hörte ein Zischen und Jaulen und unmenschliche Schreie als die Verteidigungsanlage durch Graces Blut in Gang gesetzt wurde und die Diener des fahlen Königs auslöschte. In Sekunden war alles vorüber und alles, was von Sir Durge noch übrig war, war ein Umriss seines Körpers aus Asche. Sein Breitschwert lag unweit daneben. Kathryn schluchzte erneut. Vorhin war dieser Umriss noch Chakotay gewesen, wenn das seine Asche wäre... oder vielleicht war sie es sogar? Doch das wollte Kathryn nicht glauben. Die Ritter waren schon mit dem Wegschaffen der Leichen zugange und Grace brachte Aryn in ein Gemach, damit sie sich ausruhen konnte. Bald war Kathryn allein in dem Raum. Zarte Töne erklangen in der Luft. Es war wieder das Glockenspiel.
Kathryn wischte sich die Tränen ab und drehte sich um. Bruder Cy stand vor ihr und sah sie tiefgründig an.
"Ich hoffe, du hast Deine Lektion gelernt mein Kind", sagte er.
Kathryn nickte. "Ich denke schon", sagte sie und blickte auf den Boden. "Ich weiß jetzt, dass das Leben viel zu kurz und kostbar ist um ohne Liebe zu leben." Bruder Cy nickte erfreut. Dann sagte er leise: "Und vielleicht solltest Du auch daran denken, dass Sternenflottenprotokolle keine Liebe schenken können."
Kathryn rang sich ein ehrliches, kleines Lächeln ab. "Ob Sie es glauben oder nicht, aber das weiß ich schon lange", gab sie zu. Bruder Cy lachte. "Dann geh Tochter, und triff die richtige Entscheidung."
"Aber... wie komme ich zurück?" fragte Kathryn.
"Mit der Münze kommst du überall hin, wo du es Dir wünschst", sagte er und dann war er verschwunden. Kathryn holte die Münze aus der Tasche. Es gibt nur einen Ort, wo ich jetzt gerne sein möchte. Dann kniff sie die Augen zu und stellte sich ihren ersten Offizier vor. Ein Kribbeln erfasste sie, und sie hatte das Gefühl, durch Raum und Zeit gezerrt zu werden. Dann umfing sie Dunkelheit.

Das MHN blickte erstaunt auf, als die Monitore, die die Vitalzeichen des Captains überwachten, anfingen zu blinken. Sofort trat er an die Liege heran und scannte seinen Captain. Ein Lächeln stahl sich auf sein Gesicht und er klopfte auf seinen Communicator: "Doctor an Chakotay, bitte kommen Sie unverzüglich auf die Krankenstation."
"Ich bin unterwegs. Chakotay Ende."
Das MHN lud ein Hypospray und drückte es dem Captain an den Hals.
Chakotay lief unterdessen so schnell er konnte Richtung Krankenstation, das Schlimmste ahnend. Seit drei Tagen lag Kathryn schon im Koma und das MHN hatte keinen Hehl daraus gemacht, dass mit jedem Tag, der verstrich, die Chancen sinken würden, dass Kathryn aufwachen würde. So oft er konnte hatte er einfach bei ihr gesessen und mit ihr geredet. Und immer wieder hatte er sie angefleht, zu ihm zurückzukommen. Er wusste nicht was er tun würde, wenn sie ihn verlassen hatte. Und genau diese Befürchtung hatte er jetzt. Sein Herz pochte lautstark vor Angst an seine Rippen. Endlich erreichte er die Krankenstation. "Was ist los Doctor?" fragte er, kaum dass sie die Türen geöffnet hatten. Bevor das MHN eine Antwort geben konnte, stand er schon neben ihr.
"Commander, ich denke, sie kommt zurück", sagte das MHN und eine Zentnerlast schien schon Chakotay abzufallen.
"Kathryn?" fragte er vorsichtig. Da, ihre Lider zuckten etwas. Er rief auf der mentalen Ebene nach ihr. Kathryn! Bitte komm zu mir zurück! Ich liebe Dich!

Kathryn trieb in der Dunkelheit und wusste nicht, wo sie lang musste. Chakotay? rief sie im Geiste. "Kathryn! Bitte komm zu mir zurück! Ich liebe Dich!" meinte sie auf einmal Chakotays leise Stimme zu hören. Sie drehte sich in die Richtung, aus der die Stimme kam. Dort hinten war ein kleiner, heller Fleck. Kathryn lief drauf zu. Je näher sie kam, desto mehr Geräusche und Licht merkte sie. Dann schritt sie durch den Lichtbogen.
"Kathryn?" hörte sie Chakotays Stimme. Aber diesmal ganz nah. Sie konnte ihn noch nicht sehen. Dann öffne die Augen, Kathryn, hörte sie ihre eigene Stimme. Sie tat es. Das MHN blickte sie neugierig an, dann sah sie Chakotays Gesicht gleich daneben. In seinem Gesicht spiegelte sich grenzenlose Freude, Wärme und Liebe wieder. Und sie konnte Tränen in seinen Augen erkennen.
"Willkommen zurück, Captain", sagte das MHN und trat diskret zwei Schritte zurück. Chakotay drückte Kathryns Hand, die er schon die ganze Zeit in seine genommen hatte, ganz fest und hauchte ihr einen Kuss auf die Finger.
"Kathryn", sagte er leise, "tu mir das nie wieder an, ich dachte, ich hätte dich verloren."
"Chakotay", sagte Kathryn zärtlich. Sie strich über seine Wange. "Du hast mich nicht verloren. Und ab jetzt wirst du mich, wenn Du willst, für immer haben."
Völlig verdutzt sah er sie an. Meinte sie das, auf das er seit 7 Jahren schon wartete?
Er musste sicher sein. "Meinst du... als guten Freund oder etwa...?"
Kathryn lächelte. Anstatt einer Antwort legte sie ihren freien Arm um seinen, Hals, zog ihn zu sich herunter und küsste ihn dann leidenschaftlich.
Chakotay konnte es kaum fassen. Endlich hatte sie es zugelassen.
Das MHN schaute mit großen Augen und einem Lächeln auf die beiden ranghöchsten Offiziere des Schiffs und trat dann den Rückzug ins Büro an. Er war sich sicher, dass er eine gründliche Nachuntersuchung auch noch später machen konnte.

Als sich Chakotay von Kathryn löste, schüttelte er nur ungläubig den Kopf. Kathryn liefen inzwischen einige Tränen aus den Augen und Chakotay wischte sie sanft weg. "Nicht weinen Kath, es ist alles gut", sagte er.
"Ja, jetzt ist wirklich alles gut", sagte sie. "Es tut mir so leid dass ich Dich immer wieder weg geschoben und verletzt habe", sagte sie zerknirscht. "Aber ich musste mich an die Regeln halten. Ich bin der Captain... erst heute hat mir jemand gezeigt, dass es viel wichtigere Dinge im Leben gibt als ein Protokoll."
Chakotay streichelte ihre Wange und lächelte. "Diesen jemand möchte ich sehr gerne einmal kennen lernen und mich bedanken."
"Vielleicht wirst du das sogar eines Tages", erwiderte Kathryn gedankenverloren.
"Kath, ich bin so glücklich dass ich Dich wieder habe... und diesmal sogar richtig. Ich liebe Dich."
"Und ich liebe Dich, Chakotay." Damit küssten sie sich noch einmal und Chakotay nahm sie fest in seine Arme.
Ein Räuspern ließ sie etwas beschämt auseinander fahren. Das MHN stand einige Schritte neben der Liege und meinte: "Nicht dass ich stören will, aber vielleicht möchten Sie sich lieber... in einer privateren Umgebung weiter unterhalten?"
Chakotay trat schnell einen Schritt zurück und sagte nur: "Eh, natürlich, Doctor. Verzeihen Sie."
Doch das MHN lächelte nur. "Captain, ich möchte noch eine Nachuntersuchung machen, wenn sie sich dann wohl genug fühlen, entlasse ich Sie, allerdings nur unter Aufsicht von Commander Chakotay, in ihr Quartier. Und die nächsten zwei Tage halten sie sich von der Brücke und allen Pflichten eines Captains fern. Habe ich mich klar genug ausgedrückt?" das MHN zwinkerte beim letzten Satz den beiden zu.
Kathryn nickte hastig. "Natürlich Doctor." Dann lächelte sie Chakotay an.
Das MHN holte den Scanner hervor und sagte während der Untersuchung: "Wissen Sie, ich möchte ja nicht neugierig sein, aber wissen sie, wo sie waren während sie im Koma lagen?"
Kathryn schmunzelte. "Sie werden es nicht glauben Doc, ich habe einen anderen Planeten erforscht." Damit ließ es jedoch erst einmal bewenden. Chakotay runzelte die Stirn und das MHN sah nicht gerade glücklich aus.
"Laut Untersuchung sind sie wieder völlig in Ordnung, aber auf zwei Tagen Erholung bestehe ich. Und jetzt dürfen Sie gehen."
Chakotay half Kathryn auf und beide verließen glücklich die Krankenstation.
In ihrem Quartier angekommen setzen sich beide erst einmal auf die Couch. Kathryn schmiegte sich an ihren ersten Offizier und genoss einfach seine Berührungen. Wie lange hatte sie sich danach verzehrt. Chakotay ging es nicht anders. Endlich wurden seine Träume Realität. Er küsste sie auf die Stirn und strich ihr übers Haar.
"Nanu, was ist das denn?" fragte er plötzlich und tastete neben sich, weil etwas auf der Couch an sein Oberschenkel gepiekst hatte. Staunend holte er einen Zweig Immergrün vom Sofa hervor. "Wo kommt der denn her?" fragte er.
Kathryn lächelte. "Ich vermute, Trifkin Moosbeere hat ihn hier vergessen, als Erinnerung für mich."
Chakotay sah sie verständnislos an. "Trifkin wer? So ein Crewmitglied haben wir nicht!"
Kathryn sah ihm kurz in die Augen und lächelte. "Ich weiß", sagte sie und küsste ihn. Dann erzählte sie Chakotay von dem Glockenspiel, mit dem alles anfing.

E N D E