blau=Christine, schwarz=Kath
Kathryn versuchte sich noch fester in ihre Thermojacke zu wickeln. Jeder Schritt im tiefen Schnee war ein Kampf. Der Wind wirbelte sie in dichte Schneeflocken ein und sie sah kaum wo sie hintrat. Doch sie kämpfte sich weiter durch die Eiswüste. Sie mußte Chakotay finden, sie mußte! Der Kontakt zur Voyager war schon vor einem Tag abgebrochen und sie und Chakotay waren auf sich allein gestellt gewesen. Doch dann wurde die Lawine ausgelöst und Chakotay hatte Kathryn aus der Gefahrenzone gestoßen. Er hatte es jedoch nicht geschafft und war von den Schneemassen mitgezogen worden. Kathryn hatte mit Entsetzen gesehen, wie er verschwand. Es war eine sehr kleine Lawine gewesen, die Schneemassen hätten fast nicht gereicht ihn zu Fall zu bringen, doch ihre beider Kräfte waren schon erschöpft gewesen und der Untergrund war blankes Eis. Er hatte keine Chance gehabt sich auf den Beinen zu halten. Beim Fall hatte Kathryn ihre Handschuhe verloren und sie hatte ihre Hände notdürftig in ihre Jackenärmel geklemmt. Doch sie merkte bereits, wie ihre Finger taub wurden. Bald würden ihre Finger erfrieren. Den Tricorder konnte sie nur ab und zu benutzen, sonst würde sie noch schneller auskühlen. Sie hatte eine ungefähre Positionsangabe wo Chakotay sein mußte und sie kämpfte sich weiter auf die Stelle zu.
Chakotay lag unter einer Schneedecke und kam langsam wieder zu sich. Zuerst wusste er nicht, wo er war und was geschehen war, doch kam die Erinnerung bald wieder, als er den kalten und schweren Schnee auf sich bemerkte. Müde und erschöpft kämpfte er sich frei und konnte endlich wieder normal atmen.
Jedoch als er sich weiter aus dem Schnee ziehen wollte, bemerkte er, dass mit seinem linken Bein etwas nicht stimmt. Es schien eingeklemmt zu sein, so dass er sich nicht allein aus dem Schnee befreien konnte. Er versuchte es ein paar weitere Male, doch war das Resultat immer wieder das gleiche: Er hatte unglaubliche Schmerzen uns sank wieder in den Schnee zurück. "Chakotay an Janeway, hören Sie mich?", versuchte er Janeway zu erreichen.

Kathryn hörte seine Stimme aus ihrem Combadge und zog ein weiteres mal ihre eine Hand heraus um die Verbindung zu öffnen. Sofort steckte sie ihre Hand wieder in den Ärmel. Ihre Finger waren inzwischen komplett taub und eiskalt.
"Chakotay!" rief sie, um das Heulen des Sturms zu übertönen. "Chakotay, bist Du in Ordnung?"
"Es geht mir soweit gut, aber ich stecke fest und mein Bein ist gebrochen denke ich."
Kathryn fluchte innerlich. "Okay, ich müsste in der Nähe von Dir sein, hörst Du? Ich bin gleich bei Dir, Du musst nur durchhalten. Sprich mit mir, Du darfst nicht einschlafen, versprich mir das!" Kathryn machte sich große Sorgen. Wenn Chakotay völlig bewegungslos im Eis lag, dann würde er zwangsläufig schnell unterkühlt werden und... nein, daran wagte sie nicht zu denken.
"Chakotay, erzähl mir noch eine indianische Legende", sagte sie und holte noch einmal ihren Tricorder hervor. Erst beim dritten Anlauf gelang es ihr, ihn aufzuklappen, so steif waren ihre Hände gefroren. Eine schwaches Lebenszeichen blinkte in ungefähr 300m. Entfernung auf, doch Kathryn hatte noch ein weiteres Problem: vor ihr erstreckte sich eine Eisspalte, die sie erst umgehen mußte. Das würde sie wertvolle Zeit kosten.
Kathryn fluchte leise auf und machte sich daran, die Eisspalte zu umgehen. "Chakotay hörst du mich?", rief sie immer wieder in den Kommunikator.
"Ich bin hier...", hört sie seine müde Stimme.
"Erzähl mir etwas, irgendetwas", rief sie in den Kommunikator.
"Ich bin so müde", hörte sie Chakotay.
"Schlaf nicht ein!"
"So müde..."
"Chakotay nein!", schrie sie gegen den aufkommenden Wind. Endlich hatte sie die Spalte umgangen und suchte nun mit dem Tricorder nach dem kürzesten Weg zu Chakotay. Wieder rief sie ihn, doch bekam sie keine Antwort. "Chakotay!!!!" Noch immer bekam sie keine Antwort.
Sie rannte los, mit ihren letzten Kräften, gegen den eisigen Wind und den Schnee. Nach einigen Metern, die ihr wie Kilometer erschienen, sah sie ihn im Schnee liegen und eilte zu ihm. "CHAKOTAY!!!"

Sie kniete sich neben ihn und sah, dass sein Gesicht schon ziemlich weiß und die Lippen den ersten bläulichen Schimmer aufwiesen. "Komm schon, das darfst Du mir jetzt nicht antun." Sie schüttelte seine Schultern, doch er wachte nicht mehr auf. Sie holte ihren Tricorder wieder hervor und scannte ihn. Seine Temperatur war gefährlich abgefallen und seine Atmung bereits langsamer geworden. Kathryn traten Tränen in die Augen, die aber sofort gefroren. Chakotay würde maximal noch eine halbe Stunde durchhalten bevor er erfror und sie konnte ihn nicht bewegen.
Mit ihren eiskalten Händen wischte sie sich über die Augen und versuchte krampfhaft, Chakotay aus dem eisigen Grab zu befreien. Sie verbot sich selbst zu weinen. Ihre Hände spürte sie nicht mehr, kleine Eisteile schnitten in ihre Hände, doch sie grub weiter. Ihr Unterfangen war sinnlos, es schneite zu sehr, und schon bald war auch sie bis zu ihrer Hüfte mit Schnee bedeckt.
Es schneite immer stärker und auch Kathryns Kräfte ließen nach. Sie scannte Chakotay erneut. Seine Lebenszeichen waren fast erloschen. "Chakotay...", flüsterte sie leise. "Bitte nicht..." Sie krabbelte hinter hin und stützte ihn mit ihrem Oberkörper, auch ein wenig in der sinnlosen Hoffnung, dass ihre Wärme ihm helfen würde. Doch auch sie war zu ausgekühlt mittlerweile und spürte nur noch bleierne Müdigkeit.

Den Tricorder hatte sie offen neben Chakotay liegenlassen und mit ihren letzten Fasern Bewusstsein hörte sie den durchdringenden, langen Piepton, der ihr ankündigte, dass Chakotays Herz aufgehört hatte zu schlagen.
In Kathryn zerbrach etwas und sie gab auf. Ihre Arme immer noch um ihn geschlungen schloß sie die Augen und ihre letzten Gedanken waren: Gleich bin ich bei Dir Chakotay, dann sind wir für immer zusammen. Dann schlief auch Kathryn ein.
Der Schnee fiel weiter unerbittlich auf die beiden und bedeckte sie nun komplett. Nach nur ein paar Minuten hatte auch Kathryns Herz aufgehört zu schlagen. Zusammen lagen beide in ihrem eisigen Grab. Nun waren sie zusammen, für immer, so wie es ihnen im Leben nicht vergönnt war.
ENDE