Autor: K´eeta B´rell
Neelix machte es sich vor seinem Video gemütlich. Was sollte er heute zum besten geben? Er nahm ein kleines Pad und fing an einige Daten zu überprüfen. Eine kleine Liaison zwischen Leutenant Colorra und Fähnrich Tar hatte er aufgespürt. Aber war die Mannschaft darauf begierig?
Er hatte vom Captain einige Daten über die bevorstehende Route erhalten und sich dazu im Astrometrischen Labor mit Seven of Nine getroffen um näheres dazu zu erfahren. Seven meinte, dass außer einem drittklassigen Plasmanebel und einiger unbewohnter Planeten, hier nichts interessantes zu entdecken sei. Es waren also keine wirklich interessanten Sachen. Vielleicht der Speiseplan. Laolawurzeln mit Ket in Mistral. Klang für ihn sehr lecker, doch er kannte den Geschmack der Crew nur all zu gut.
Also, auch das streichen. Mit erschrecken stellte er nun fest das es nichts gab das er hätte berichten können. Aber etwas musste sich doch finden lassen. Er kramte in seinem Gedächtnis. Der Besuch des letzten Botschafters war noch nicht in allen Einzelheiten erörtert worden. Schnell tippte er etwas in das Pad. So Punkt eins der Tagesordnung hatte er. Und was war mit dem Rest der Zeit? Er entschloss sich die Route doch als Punkt zwei darzubieten. Vielleicht passierte ja doch etwas und dann war es gut, wenn er schon leichte Andeutungen gemacht hätte. Und Essen. Essen war immer gut. Egal wie die Crew das auch immer ansah. Sie konnten ja ihre Replikatorrationen essen. So drei Punkte waren nun schon beisammen, hieß ca. 10 Minuten. Zu wenig fand er. Da musste sich doch noch mehr finden lassen. "Neelix an den Doktor."
"Ja Mr. Neelix. Was kann ich für sie tun?"
"Ich wollte eigentlich nur mal nachfragen ob irgendwelche gefährlichen Krankheiten oder Epidemien auf der Voyager ausgebrochen sind, über die ich eventuell berichten könnte." "Sollte dem so sein wurde ich darüber noch nicht informiert. Wie immer, ich bin der letzte dem man hier etwas sagt." "Nein, nein Doktor. Es ist nichts dergleichen passiert, ich wollte nur mal nachfragen. Am besten vergessen sie es."
"Ja vergessen. Wie kann ich vergessen das ich hier immer von allen ignoriert werde..."
"Neelix Ende."
Das war nun bestimmt etwas was er nicht unbedingt anhören wollte. Oder doch? Vielleicht sollte er eine Rubrik mit dem Titel -Ein Tag beim HoloDoc- einrichten. Da würde er dann täglich über die Sorgen und Probleme des Doktors in bezug auf die Mannschaft berichten.
Klang gut. Sicherheitshalber wurde das erst mal in die Liste mit aufgenommen.
"Computer. Wie spät ist es?"
9 Uhr 30.
"Oh Zeit sich um das Essen zu kümmern." Er stand auf und begab sich in seine kleine Schiffsküche. Bei dem Versuch das Mistral in die richtige Form zu bringen wurde ihm plötzlich schwindelig. Er hielt sich am Tisch fest.
Nach einigen Sekunden war alles schon wieder vorbei.
"Na so was. Was war das denn?" Er schüttelte seinen Kopf. Seine Hand wanderte in Richtung Communicator um kurz vor ihm abzubremsen und wieder seiner gewohnten Tätigkeit nachzugehen. Mit dem Doktor würde er später reden.
So das Essen garte langsam vor sich hin und bedurfte nun keiner Aufmerksamkeit mehr. Neelix nahm sich vor noch etwas im Schiff herumzuwandern um vielleicht hier und da doch noch das eine oder andere zu erfahren. Gerade als er am Raum des Captainís vorbeiging hörte er ein paar Stimmen sich ziemlich lauthals unterhalten.
"Ich schwöre es dir Kathryn. Es ist nicht so wie es vielleicht ausgesehen haben mag."
"Ach komm erzähl mir doch nichts. Ich habe ja schließlich auch Augen im Kopf."
"Wenn ich es dir aber doch sage. Geheimnisse halten sich hier doch nicht lange. Und wenn es eines gewesen wäre hättest du bestimmt schon davon Wind bekommen."
Neelix wollte nun weiß Gott nicht lauschen aber wenn es um Geheimnisse ging... Chakotayís Stimme wurde etwas leiser.
"Vielleicht hast du ja recht. Ich mache sicher nur zuviel Wind um alles. Aber,..."
"...aber nichts."
Es wurde plötzlich Still hinter der Tür.
Noch bevor Neelix sich aus dem Staub machen konnte öffnete sich die Tür. Chakotay kam geradewegs auf ihn zu.
"Na sie haben doch nicht etwa gelauscht Neelix?"
Er lächelte ihn dabei wissend an. Der ertappte brauchte sich nicht einmal zu wehren so offensichtlich war sein Vergehen.
"Aber da sie gerade hier sind", er zog ihn leicht mit sich, "ich hätte da eine kleine Bitte." Er sah sich während er das sagte verschwörerisch um.
Neelix folgte seinem Blick.
"In zwei Wochen hat Kathryn, also der Captain, Geburtstag.
Wir haben schon eine kleine Feier geplant. Tom ist zur Zeit dabei ein Programm für das Holodeck zu schreiben, B´Elanna versucht im Hydroponischen Garten ein paar Blumen zum wachsen zu bringen und Seven und Kim versuchen sich mit ein paar anderen Crewmitgliedern an einer kleinen Geburtstagsaufführung von Kolkans Erster Tag im Leben. Und da sie gerade hier sind würde ich sie bitten..."
Ein Geräusch unterbrach ihren kleinen Plausch. Der Captain verließ ihr Quartier um zur Brücke zu gehen. Schnell zog Chakotay Neelix in einen Seitengang.
"Wo war ich, ach ja", er sah sich noch einmal um, "ich wollte sie also bitten einen Geburtstagskuchen zu backen. Aber möglichst so das der Captain nichts davon mitbekommt. Wäre doch sonst schade um die Überraschung."
Neelix nickte.
"Das ist eine sehr gute Idee Commander. Ich werde mich gleich nach einem besonderen Rezept umsehen das diesem Anlass würdig ist. Und sie sind sich sicher das der Captain sich darüber freuen wird?" Neelix sah ihn prüfend an. Schließlich kannte er den Captain.
"Ganz im Gegenteil Neelix, sie versucht mir seit Wochen eine Party auszureden. Ich habe natürlich nachgegeben. Nur so pro forma."
Chakotay sah in den Gang. Alles ruhig.
"Neelix tun sie ihr bestes." Er legte ihm seine Hand auf die Schulter.
"Ich vertraue auf sie und ihre Backkunst sowie Verschwiegenheit."
Damit drehte er sich um und ging als wäre nichts geschehen.
Neelix fing an in seinem Kopf nach einem richtig guten Kuchenrezept zu forschen. Während er wieder zurück in die Küche ging kam ihm der Captain entgegen.
"Ah Neelix gut das ich sie hier treffe." Der Angesprochene fuhr erschreckt zusammen.
"Habe ich sie etwa erschreckt?" Sie bleib vor ihm stehen und lächelte ihn an.
"Oh Captain. Was kann ich heute für sie tun?" Er versuchte so unauffällig wie nur eben möglich zu sein.
"Neelix ich habe da ein kleines Problem." Sie machte anstalten weiter zu gehen und Neelix folgte ihr gehorsam.
"Ich glaube hier ist eine Verschwörung gegen mich im Gange."
Sie sah ihm bei diesem Satz tief in die Augen.
"Aber Captain wie kommen sie denn darauf?"
"Alle verhalten sich im Augenblick so seltsam. Ich meine Chakotay, der mir einreden will nichts mit einer anderen Frau zu haben, Paris der mehr Zeit auf dem Holodeck verbringt als hinter seiner Steuerkonsole, B´Elanna die mir ständig ausweicht wenn ich etwas will und selbst Seven geht mir aus dem Weg. Geschweige von Kim, Tuvok und anderen Crewmitgliedern zu reden. Sie scheinen der einzige zu sein, neben dem Doktor, der davon noch nicht betroffen ist. Wollen sie mir also helfen dieses ganze Gesinde auffliegen zu lassen?"
Was sollte er nun tun? Auf der einen Seite Chakotay und seine Geburtstagstorte und hier der Captain und ihre Verschwörungstheorie.
"Captain ich werde tun was in meiner Macht steht." Das war kein Ja und kein Nein. Gut so Neelix. Er konnte nun in Ruhe Kuchen backen und so tun, als ob er ein Undercoveragent wäre. Was für ein Spaß.
"Neelix ich verlasse mich auf sie." Der Captain sah ihn kurz an und verschwand dann zum nächsten Aufzug um auf die Brücke zu gelangen. Bevor sie den Lift betrat drehte sie sich noch mal um.
"Und zu niemandem ein Wort Neelix." Sie hob beschwörend den Finger an ihren Mund.
"Keine Sorge Captain!" rief er ihr hinterher.
Er war noch nicht halb in seiner Küche angelangt als ihn ein Comsignal erreichte.
"Paris an Neelix."
"Neelix hier."
"Neelix würden sie bitte auf Holodeck 2 kommen?"
"Bin schon unterwegs."
Er betrat eine erst zur Hälfte erschaffene Szenerie.
"Und wie gefällt es ihnen?"
"Ja, also ich meine, wenn ich wüsste was es ist..." Er wedelte mit seinen Armen in der Luft herum.
"Es ist die Heimat vom Captain. Ihr Zuhause, wenn sie so wollen."
Paris stand da und sah etwas Missmutig aus.
"Sieht nett aus."
"Nett?" Er verdrehte die Augen.
"Na ja soviel wie ich bis jetzt erkennen kann ist es nett."
"Danke Neelix mit soviel Anteilnahme hätte ich gar nicht gerechnet."
Er wandte sich wieder seiner Arbeit zu.
"Was wollten sie Mr. Paris? Ich müsste nämlich in die Küche zurück, mein Essen wartet." Er zeigte bedeutungsvoll auf die Tür.
"Also passen sie auf. Es geht um ihren Kuchen. Chakotay hat doch schon mit ihnen geredet, oder?" Er sah erschrocken zu ihm hin.
Neelix nickte.
"Ja und darin besteht auch schon das Dilemma."
"Was für ein Dilemma? Können sie zur Zeit nicht backen?"
Paris war aufgeregt. Das hieße ja das er vielleicht noch über den Replikator einen Kuchen generieren müsste und das kostete.
"Nein, nein mit dem Kuchen klappt alles, denke ich.
Nein der Captain hat die Befürchtung einer Verschwörung an Bord."
Paris fing an zu lachen.
"Eine Verschwörung? Wie kommt sie denn darauf?"
"Na ja alle benehmen sich wohl sehr seltsam ihr gegenüber.
Sie sind die meiste Zeit hier, Chakotay plant draußen, Seven und Kim studieren ein Stück ein und so weiter und so weiter."
Er drehte mit seiner Hand Kreise.
"Und darum interpretiert sie eine Verschwörung hinein.
Gar nicht schlecht."
"Nicht schlecht? Ich finde das geradezu schlimm."
"Neelix in zwei Wochen klärt sich alles auf."
"In zwei Wochen, ja, wenn sie bis dahin nicht alle in Arrest sind."
Er drehte sich um und hatte nun vor sich ohne Störung bis zu seinem Essen vorzukämpfen. "Nicht vergessen, wenn sie mit dem Kuchen fertig sind bringen sie ihn bitte her. Damit ich alles fertig dekorieren kann."
"Ja Mr. Paris, sobald ich fertig bin."
Hinter ihm schloss sich die Tür. Jetzt aber schnell zum Essen.
"Computer wie spät ist es?"
11:30 Uhr.
Höchste Zeit, die ersten werden schon warten.
Die erste die wartete war Seven. Oh nein. Ihm schwante Böses.
"Seven ich will es nicht wissen."
"Was wollen sie nicht wissen?"
"Was auch immer sie mir sagen wollen, ich will es nicht wissen."
Er verschwand hinter seinem Herd.
"Ich wollte sie nur um einen Gefallen bitten. Aber, wenn dem so ist..."
Sie wandte sich zum gehen.
"Gefallen? Na gut ich kann mir ja anhören was sie wollen.
Kommen sie setzten wir uns." Er zeigte mit seiner Hand und beide gingen auf den ersten Tisch zu.
Nachdem sie Platz genommen hatten sah sich Seven um.
"Hier ist ausser uns noch niemand."
"Man kann nie vorsichtig genug sein."
Und das aus dem Mund einer ehemaligen Borg.
"Also, es geht um den Geburtstag von Captain Janeway."
"Sie brauchen gar nicht weiter zu reden Seven ich weiß schon alles."
Seven sah ihn erstaunt an.
"Was wissen sie schon alles?"
"Na das mit dem Holodeck und den Blumen und dem Theaterstück."
Er grinste breit.
"Und der Captain glaubt das sie alle eine Verschwörung planen. köstlich nicht wahr."
Seven sah schon beruhigter aus.
"Ja köstlich. Es geht aber um ein anderes Problem."
Andere Probleme waren nicht gut, fand Neelix und am liebsten wäre er aufgestanden und zurück zu seinen Töpfen gegangen und hätte alles vergessen wollen. Aber nun war er schon zu tief in dieser Sache drin.
Er war ein Mittäter. Ein Mitverschwörer, auch wenn die Sache gänzlich anders lag als der Captain glaubte.
"Gut Seven was ist los?"
"Wir bräuchten sie als Darsteller." Seven sah ihn an um zu ergründen was er gerade dachte. "Ich und ein Schauspieler? Nein." Neelix wand sich, obwohl der Gedanke ihn gar nicht so sehr schreckte.
"Bitte Neelix. Wir brauchen noch einen Mann."
"Aber sie haben doch soviel Crewpersonal wie sie brauchen."
"Fähnrich Talkar ist ausgefallen und aufgrund ihrer Statur kommen nur sie dafür in Frage seine Rolle zu übernehmen." Seven war aufgestanden.
Ach nur wegen seiner Statur und er dachte schon...
"Würden sie uns und dem Captain die Freude machen?"
Neelix stand nun ebenfalls auf.
"Aber natürlich. Ich werde mein bestes geben."
Seven dankte ihm und ging.
Der Captain trat durch die andere Tür ein.
"Captain!"
"War das nicht gerade Seven?"
Neelix sah zur gegenüberliegenden Tür und versuchte ein Ausrede zu erfinden.
"Ja aber es war nichts wichtiges."
"Wenn es nicht wichtig war, warum ist sie dann so schnell gegangen?"
"Aber nein Captain sie ist gegangen, weil wir fertig waren."
"Fertig. Mit was?" Ihre Augen durchdrangen sein Innerstes.
Er blickte zu Boden was einem Schuldgeständnis gleich kam.
"Es ist nicht so wie es aussieht Captain. Ich kann das alles erklären."
"Ich brauche keine Erklärungen ich habe ja Augen im Kopf."
Verärgert verließ sie den Raum.
Na das haben wir ja wieder hervorragend hinbekommen Neelix. Und was nun?
Der Gedanke wurde jäh durch einige Crewmitglieder unterbrochen die ihr Recht auf Essen einforderten.
Nicht nur das er jetzt doppelte Arbeit am Hals hatte er hatte immer noch nichts für sein Guten Morgen Voyager Programm.
Ihm wurde wieder schwindelig. Vielleicht sollte er doch den Doktor konsultieren? Aber zuerst musste das Essen ausgegeben werden.
"Fähnrich eine Bitte, könnten sie mal nach dem Essen sehen, ich müsste zum Doktor." Der angesprochene nickte und Neelix ging auf die Krankenstation.
"Computer MHN aktivieren."
"Mr. Neelix? Was kann ich für sie tun. Es ist doch nicht etwa eine Seuche oder so ausgebrochen?" Er drehte sich um und ging zu einem Diagnosetisch.
"Es geht mir nicht gut. Mir wird ständig schwindelig und ich weiß nicht warum."
"Ein Notfall also", der Doktor konnte seinen Sarkasmus nicht unterdrücken.
"Na dann sehen wir mal woher das Übel kommt. Nehmen sie bitte Platz."
Neelix tat wie ihm befohlen wurde.
Nachdem der Doktor alle Tests an ihm durchgeführt hatte ließ er ihn wieder vom Tisch runter. "Und was fehlt mir Doktor?"
"Keine Ahnung. Eigentlich sind sie kerngesund. Es ist nichts zu finden.
Sie haben wahrscheinlich etwas viel Stress im Augenblick. Daher wird es kommen. Versuchen sie ruhiger zu werden. Dann dürfte sich alles von alleine klären."
Unter Neelix Fingern brannte es. Sollte er dem Doktor von der bevorstehenden Party erzählen?
"Haben sie schon gehört?" Es ging nicht er musste es loswerden.
"Sie wissen doch ich bin hier der letzte der etwas erfährt.
Aber nun erzählen sie schon. Sie platzen ja sonst noch."
"Wir veranstalten für den Captain eine Geburtstagsparty."
"Oh wie nett. Und wer ist wir?"
"Na Chakotay, Tuvok, Paris, Seven, Kim, B´Elanna, ich und noch einige Crewmitglieder."
"Und mich fragt natürlich wieder mal niemand. Als würde ich nicht existieren. Typisch." Er drehte sich verärgert um.
"Wie wäre es, wollen sie nicht eine ihrer Arien zum besten geben?"
Neelix hatte den Vorschlag mehr aus Verzweiflung getan, doch er fand damit regen anklang.
"Das ist eine gute Idee. Ich werde gleich mit den Proben beginnen."
"Ach Doktor eins noch kein Wort zum Captain."
"Meine Lippen sind versiegelt Mr. Neelix. Versiegelt." Er tänzelte in sein Büro.
"Gut ich werde dann mal wieder gehen. Viel Spaß noch beim Proben."
Der Doktor hörte schon gar nicht mehr zu so vertieft war er in seine Arien. Ich sollte Seven aber wenigstens von der Neuerung in Kenntnis setzten.
"Neelix an Seven."
"Seven hier."
"Wo sind sie ich muss mit ihnen reden."
"Frachtraum zwei. Hydroponischer Garten."
"Bin gleich da, Neelix Ende."
Neelix begab sich zu einem der Turbolifte.
"Frachtraum zwei."
Nachdem sich die Türen wieder öffneten stand er mitten in einem wunderschönen Garten.
"Seven? B´Elanna?"
"Hier sind wir."
Neelix bog um einige große Pflanzen und stand dann vor den beiden Frauen.
"Was ist so dringend Mr. Neelix?"
"Ich war gerade beim Doktor."
Die beiden Frauen sahen sich an. Ihre schlimmste Befürchtung war wahr geworden. Jemand hatte den Doktor informiert.
"Lassen sie mich raten, er wird eine seiner Arien singen." B'Elanna drehte sich um, um den Pflanzen noch etwas Wasser zu geben.
"Es tut mir ja auch leid aber ich konnte ihn doch nicht übergehen.
Sie wissen doch wie gerne er singt."
"Ja und das er nicht aufhören will wissen wir auch."
"Nun ist es passiert und nicht mehr zu ändern." Seven nahm ihr die Gießkanne ab.
"Das heißt ich werde zu ihm gehen und mit ihm den Zeitplan durchsprechen." Seven sah Neelix an und ging dann auf den Turbolift zu.
"Neelix was sollte das? Wir hatten den Doktor extra nicht eingeweiht." B'Elanna war sauer. "Ich musste zu ihm wegen eines kleinen Schwindelanfalles. Und ich spürte das er nicht die geringste Ahnung hatte. Ich konnte nicht anders, es tut mir leid."
"Schon gut Neelix. So schlimm wird es schon nicht. Im Notfall können wir das Programm ja beenden." Sie lachte.
Neelix fiel ein Stein vom Herzen.
Nun wollte er aber so schnell wie möglich zurück in sein Quartier um an seiner Guten Morgen Sendung zu feilen. Obwohl was gab es da zu feilen?
Er hatte ja nur drei uninteressante Themen.

Eineinhalb Wochen vergingen wie im Flug. Jeden Tag kochen, Proben, Essen ausgeben, Proben. Langsam wurde das lästig und er wünschte sich das dieser Geburtstag schnell kommen und noch schneller gehen würde.
Den Captain hatte er schon seit Tagen nicht mehr gesehen. Vielleicht lag das aber auch daran das er ihr geflissentlich aus dem Weg zu gehen versuchte.
Paris hatte sein Programm zur Perfektion gebracht und nun konnte Neelix auch aus vollem Herzen ein Lob für die Arbeit aussprechen.
"Und wann ist die Torte soweit, Neelix?"
"Ich backe sie heute Nacht. Morgen steht sie dann in ihrer ganzen Pracht und Schönheit hier."
"Gut. Wie finden sie die Innendekoration des Hauses? Ich habe mir alte Datenbänke angesehen um es so realistisch wie möglich zu gestalten."
"Es ist ihnen gelungen, Mr. Paris. Das wird ein besonderer Tag für den Captain." Neelix sah ganz verträumt drein.
"Das hoffe ich auch. Seven und Kim sind mit dem Stück fertig?"
"Oh ja und ich spiele auch mit."
"Sie?"
"Habe ich ihnen das noch nicht erzählt?" Tom schüttelte seinen Kopf.
"Da können sie mal sehn, über all das Proben und Essen kochen hab ich sie glatt vergessen."
Er lachte.
"Aber wie ich gehört habe soll der Doktor auch mit einem kleinen Lied beteiligt sein?"
"Ja und zu meiner Schande muss ich gestehen das er nur durch mich darauf kam."
"Warum zu ihrer Schande? Es ist doch schön, wenn jeder etwas dazu beiträgt."
Tom verstand ihn. Schließlich gehörte der Doktor ja auch zur Besatzung.
"Was mich aber noch interessiert Mr. Paris, wie bekommen wir den Captain hier herein."
"Das haben wir uns schon alles ausgemalt Neelix. Der Captain wird von mir eine Fehlermeldung für Holodeck 2 bekommen. Daraufhin wird sie ein Reparaturteam losschicken, geleitet von B´Elanna. Dann kommt Seven auf den Plan. Sie wird den Captain in die Astrometrie locken. Doch statt das der Lift sie in das Astrometrische Labor bringt werden wir sie hierher umleiten. In der Zwischenzeit werden alle Crewmitglieder sich hier eingefunden haben und die Party kann steigen." Tom war sichtlich begeistert von ihrem komplizierten Plan.
"Und was, wenn der Captain nicht mitspielt?"
Neelix war ein Spielverderber.
"Dann kommt Plan zwei zum Laufen."
Plan zwei klang gut.
"Was ist Plan zwei?"
"Plan zwei... wir werden den Captain entführen."
Paris grinste.
"Entführen? Wie meint ihr das?"
"Na so wie ich es sage. Tuvok wird mit dem Phaser auf sie zielen während Chakotay ihr klarmacht das er das Kommando übernimmt und sie in die Arrestzelle kommt. Und keiner wird ihr helfen."
Neelix sah den Captain vor seinem geistigen Auge auftauchen.
"Es ist eine Verschwörung gegen mich im Gange Mr. Neelix. Helfen sie mir."
Das konnte er doch nicht zulassen, oder war es wirklich nur ein Gag um den Captain zu ihrer Geburtstagsfeier zu bekommen? Was, wenn sie wirklich eine Verschwörung geplant haben unter dem Deckmantel einer Geburtstagsfeier? Ihm wurde ganz schwindelig vor Augen. Aber würde man sich solche Mühe machen für nichts als eine Meuterei? Das war ziemlich unwahrscheinlich trotzdem ging es ihm nicht viel besser.
"Neelix, was ist denn?" Tom beugte sich zu ihm hinab.
"Nichts ich habe nur gedacht."
"Na nun kommen sie der Kuchen muss fertig werden und B´Elanna bringt gleich die Blumen. Bis später." Er schob ihn fast raus.
"Ja bis später." Neelix verließ das Holodeck mit immer noch gemischten Gefühlen. Der Captain. Wenn er ihr doch nur davon erzählen könnte. Aber er wollte die hoffentlich Geburtstagsüberraschung nicht verderben. Sicherheitshalber bewaffnete er sich mit einem Phaser um im Notfall helfen zu können.

Die Küche war leer und dunkel. Neelix machte erst mal Licht. Alle Zutaten waren bereitgelegt und das große backen konnte beginnen. Dieser Kuchen würde alle bisher da gewesenen übertreffen. Wenn sie ihn denn wirklich bekam. Urplötzlich stand Seven vor ihm.
"Mr. Neelix. Ist der Kuchen schon fertig?"
Neelix sah erstaunt auf. Wo war sie so plötzlich hergekommen?
Er versuchte sich nichts anmerken zu lassen.
"Hallo Seven. Etwas Geduld noch und dann können wir das Meisterwerk betrachten."
"Ich habe gehört Tom hat ihnen von unserem Plan erzählt?"
Er versuchte ihren Blicken auszuweichen.
"Ja hat er und ich finde sie großartig." Seine Stimme war davon nicht so überzeugt.
"Besonders Plan zwei. Den hab ich mir ausgedacht." Ihre Stimme wurde gefährlich.
"Ach sie waren das. Gute Idee." Er fing an zu schwitzen.
"Ja und ich möchte nicht das auch nur eine Andeutung davon gemacht wird, bevor nicht alles gelaufen ist." Ihr Ton wurde zwingend.
"Keine Sorge Seven von mir erfährt niemand was. Versprochen." Sein Anzug wurde enger.
"Aber das weiß ich doch Mr. Neelix. Wir sehen uns dann morgen und vergessen sie nicht nach ihrem Kuchen zu sehen." Seven verschwand und Neelix war sich schon gar nicht mehr sicher ob sie wirklich hier gewesen war.
Ach her je der Kuchen. Schnell sprang er zum Herd und zog das gute Stück heraus, bevor es Gefahr lief zu verbrennen.

Er wälzte sich unruhig in seinem Bett hin und her. Diese Gedanken wollten ihn nicht loslassen. Eine Verschwörung mit Geburtstagskuchen und Feier. Und dann in den Arrest für den Rest der Reise. Gab es aus diesem Alptraum denn kein erwachen?

Der Kuchen stand in der Mitte des Raumes und er war fürwahr der beste den Neelix ja gebacken hatte. Die ersten Gäste hatten sich schon versammelt und es schien ihm so als wären bisher nur Crewmitglieder hier die nicht an den Vorbereitungen teilgenommen hatten. Sehr verdächtig.
Tom und Seven standen in der einen Ecke des Hauses. Tuvok gesellte sich den beiden zu. Nach einem kurzen Gespräch trennten sie sich wieder. Neelix beobachtete das alles mit Neugier. "Hallo Mr. Neelix. Wie ich sehe ist ihr Kuchen schon da. Prächtiges Teil." Der Doktor klopfte ihm auf die Schulter und Neelix war für einen Augenblick abgelenkt. Als er wieder zu Tom und Seven sah waren diese verschwunden.
"Ja Doktor prächtig. Haben sie gesehen wo Seven und Tom sind?"
"Ich glaube die sind rausgegangen. Warum?"
"Ach nur so."
"Ich habe eine wunderbare Arie einstudiert, wollen sie ein Stück daraus hören?"
Neelix hatte im Augenblick weiß Gott andere Sorgen als eine Arie. Er musste hinter Tom her. "Tut mir leid Doktor aber wir hören sie ja nachher." Wenn wir überhaupt noch was hören, nachher.
Mit diesen Worten ließ er den Doktor stehen und ging auf die Tür zu. Kurz vor ihm öffnete sich die Tür und Kim kam herein.
"Neelix. Gut das sie schon da sind." Er nahm ihn beim Arm und zog ihn wieder zurück in das Haus.
"Lassen sie sehen. Ihr Kuchen? Ein Meisterwerk."
Kim versuchte ihn abzulenken, Neelix war ja nicht dumm, aber warum?
Wenn sie nichts zu verbergen hatten, was sollte das alles?
"Mr. Kim es tut mir leid, aber ich muss zu Mr. Paris." Er versuchte sich loszumachen. "Das geht aber im Augenblick nicht Neelix. Tom und die anderen sind beschäftigt. Sie können sie jetzt nicht stören."
Neelix wollte sich damit nicht abspeisen lassen. Irgendwie musste er von Kim loskommen und dem Captain zu Hilfe eilen.
Der Doktor. Ja. Neelix suchte mit seinen Augen den Raum ab. Hinten in der einen Ecke stand er und versuchte einem Crewmitglied musikalischen Unterricht zu erteilen. Beiden konnte geholfen werden.
"Doktor. Doktor." Neelix schrie durch den Raum. Der Angerufene sah kurz zu ihm hin um sich dann wieder seiner Studentin zu widmen.
Neelix zog nun seinerseits mit Kim in Richtung Doktor los. Fähnrich Kim ließ ihn gewähren. "Doktor, gut das ich sie gefunden habe." Er hatte sich von Fähnrich Kim befreien können. "Was wollen sie?" Der Doktor klang verärgert. Neelix konnte es ihm auch nicht verdenken nach dem Satz von vorhin. Als einzige war wohl nur das Crewmitglied froh ihn zu sehen, da sie so dem Doktor entkommen konnte.
"Bitte Doktor ein kleines Lied zum einstimmen."
Natürlich ließ der Doktor bei so einer Bitte nicht lange auf sich warten und schon fing er an seine Arie zu schmettern.
Neelix machte derweilen das er von dem Holodeck kam um dem Captain gegen die Meuterer beizustehen. Als Kim den Verlust seines Opfers bemerkte rief er sofort den Captain an. Diese musste als erster gewarnt werden, es war ja auch schließlich ihr Plan.

Die Tür zur Brücke öffnete sich. Neelix stürmte mit gezogenem Phaser herein um seinem Captain in der Not beizustehen.

"Happy Birthday to you, Happy Birthday to you, Happy Birthday Mr. Neelix, Happy Birthday to you."

Ein Meer aus Stimmen wogte um ihn herum und er blieb wie angewurzelt stehen. Dann sah er sich um und entdeckte zu seiner Freude alle wohlauf.
"Captain ich..." Neelix sah sich verwundert um.
"Herzlichen Glückwunsch Mr. Neelix. Und stecken sie erst mal den Phaser weg."
Kathryn lachte und auch die anderen fingen nun an zu lachen.
"Aber ich dachte sie..."
"Da haben wir sie ganz schön reingelegt, nicht wahr Mr. Neelix?" Chakotay klopfte ihm auf die Schulter.
"Und sie dachten wir planen eine Meuterei." Kim kam von seiner Station.
"Aber sie waren doch eben noch auf Holodeck 2."
Neelix sah ihn erstaunt an.
"War ich das?" Kim lachte. "Oder war das mein Hologramm?"
"Und wenn sie glauben ich wäre der letzte der etwas erfährt...", der Doktor drehte sich um und reichte Neelix ein Glas.
"Das verstehe ich nicht Captain."
"Aber das ist doch ganz einfach. Ich wollte ihnen auch mal eine richtige Überraschungsparty bereiten. Natürlich durften sie davon nichts wissen und so dachten wir uns das kleine Verwirrspiel aus. Ich hoffe sie nehmen es uns nicht übel das wir sie so aufs Glatteis geführt haben."
Sie nahm ihn in den Arm.
"Und der Geburtstagskuchen und die Aufführung?"
"Der Kuchen wird gegessen und die Aufführung sehen wir uns natürlich an.
Kommen sie Geburtstagskind."
Der Captain hakte sich bei Neelix ein und nun ging es endlich zur Wohlverdienten Feier auf Holodeck 2.

Neelix schlug seine Augen auf. Oh was für ein verrückter Traum, falls es denn wirklich einer war. Ihm kam das alles noch sehr real vor. Aber der war gar nicht so schlecht. Von dieser Art könnte es mehr geben.
Er verließ seinen Raum um in die Küche zu gehen. Als er am Quartier des Captainís vorbeikam hörte er Stimmen.
"Ich schwöre es dir Kathryn. Es ist nicht so wie es vielleicht ausgesehen haben mag."
"Ach komm erzähl mir doch nichts. Ich habe ja schließlich auch Augen im Kopf."
"Wenn ich es dir aber doch sage. Geheimnisse halten sich hier doch nicht lange. Und wenn es eines gewesen wäre hättest du bestimmt schon davon Wind bekommen."

Er machte, das er weg kam.

Auf dem Tisch in Neelix Quartier wartete ein Teller mit einem angefangenen Stück Kuchen darauf endgültig verspeist zu werden.