Bedenkliche Arbeitsmoral

Captain Janeway ging mit einer finsteren Miene im Laufschritt den Korridor auf Deck 11 entlang und brachte allein mit ihrer Gangart sämtliche Crewmitglieder dazu, sofort aus dem Weg zu gehen wenn sie nur in Sichtweite kam.
Schließlich erreichte sie den Maschinenraum und stürmte fast schon hinein.
"Bericht", knurrte sie mehr und B'Elanna, die mit verschränkten Armen mit einem ebenso finsteren Blick bisher auf zwei mitleiderregende Gestalten geblickt hatte, drehte sich zu ihr um und meinte dann mit einem zornigen Unterton: "Captain, bitte verzeihen Sie, daß ich Sie extra herzitieren mußte, aber diese Angelegenheit verlangt wohl Ihr persönliches Eingreifen."
Janeway nickte nur, zum Zeichen, daß sie ganz ihrer Meinung war und stellte sich dann vor die beiden Ensigns.
Diese nahmen sofort Haltung an und Janeway musterte beide einige Sekunden mit ihrem gefürchteten Janeway-Blick.
"Nun? Können Sie mir das erklären?" fauchte sie und blickte kurz Richtung bioneurales Gelpack, aus dem jetzt ein isolinearer Schraubenschlüssel herausragte wie Dolch.
Den beiden Ensigs stand schon Angstschweiß auf der Stirn und keiner wußte so recht, wie er anfangen sollte.
"Antworten Sie", sagte sie jetzt gefährlich leise und blickte dann direkt Ensign Molina an, der jetzt keine andere Wahl mehr hatte, als irgendetwas zu sagen.
"Ma'am, es war ein Unfall", brachte er heraus und wagte es nicht, ihr in die Augen zu sehen.
Kathryn schlich um ihn herum und sagte immer noch gefährlich leise: "Ach, ein Unfall? Wirklich? Inwiefern denken Sie, könnte das ein Unfall gewesen sein?"
Sie stand jetzt wieder vor ihm, die Arme verschränkt und blickte ihn mit ihren blauen Augen durchdringend an.
Molina schluckte und sagte dann: "Ein Unfall weil ich ihn nicht rechtzeitig gefangen habe, Ma'am."
Janeway schürzte die Lippen.
"Nicht rechtzeitig gefangen", wiederholte sie seine Worte.
"Und ich nehme an der Umstand, daß Sie und Ensing Murphy auf dem oberen Level 'Schraubenschlüssel-Werfen' gespielt haben, trägt nicht zu diesem kleinen... 'Unfall'... bei?"
Jetzt wandte sie sich an Murphy, dem deutlich Schweißperlen die Schläfen hinunterliefen.
"Vielleicht ein wenig?" fragte er kläglich.
Janeway hob eine Augenbraue und musterte die beiden Offiziere, die jetzt eher wie zwei Schulkinder dreinblickten, die genau wußten, daß sie gleich ins Büro zum Direktor mußten.
"Ist Ihnen nicht in den Sinn gekommen daß dies hier der Maschinenraum ist? Abgesehen davon, daß Sie beide sich auch noch im Dienst befinden? Ihr Verhalten war unverantwortlich und wird Konsequenzen nach sich ziehen. Sie werden die nächsten 2 Wochen damit verbringen die Jeffreys-Röhren zu schrubben, und wehe, ich finde nur einen einzigen Schmuztfleck. Und wenn Sie nicht arbeiten sind Sie auf Ihre Quartiere beschränkt. Habe ich mich klar genug ausgedrückt?"
"Ja Ma'am", sagte beide unisono.
"Wegtreten."
Erleichtert noch relativ glimpflich davongekommen zu sein sahen die beiden zu möglichst schnell aus dem Blickfeld ihres Captains zu verschwinden.
Kaum waren sie aus dem Maschinenraum draußen wandte sich B'Elanna an Janeway.
"Captain, bei allem Respekt, aber so kann es nicht weitergehen", empörte sie sich.
"Bisher hatte ich es mit Rätsel raten, Padds lesen oder Kaffeeklatsch zu tun, aber wenn meine Leute jetzt aus lauter Langeweile schon anfangen müssen mit isolinearen Schraubenschlüsseln Fangen zu spielen, dann frage ich mich, was als nächstes kommt? Eine Warpkernparty? Konsolen Weitwurf?"
Janeway seufzte. "Sie haben ja Recht, B'Elanna, selbst auf der Brücke kommt es in letzter Zeit immer wieder häufiger zu Ablenkungen, die im Dienst rein gar nichts zu suchen haben. Aber wir haben nur zwei Holodecks und ganz ehrlich - wenn das so weitergeht werde ich noch einen Subraumkanal zu den Borg öffnen und sie bitten, 3 Kuben herzuschicken nur damit die Crew wieder etwas zu tun hat."
Die Chefingenieurin seufzte nun resigniert. "Ich kann Sie sogar verstehen, selbst ich muß mich manchmal zusammenreißen um nicht irgendetwas Dummes anzustellen..."
Die beiden Frauen schwiegen einen Augenblick und blickten auf einen imaginären Punkt während sie überlegten, was sie tun konnten. Schließlich meinte B'Elanna: "Captain, vielleicht müssen Sie sich jetzt doch an Neelix oder Tom wenden und ihnen freie Hand lassen. Ich weiß, das könnte das Schiff vielleicht gefährden wenn man die beiden etwas aushecken läßt, aber die Alternative wären wirklich nur noch die Borgkuben und auf die habe ich trotz allem keine Lust."
Janeway nickte. "Ich habe auch schon daran gedacht. Also gut, Lieutenant, ich werde mit den beiden reden. Solange müssen Sie hier noch die Moral oben halten."
"Ja, Captain. Danke."
Während sich die Halb-Klingonin wieder ihren Maschinen widmete verließ der Captain den Maschinenraum mit Kurs auf das Casino. Unterwegs tippte sie noch auf ihr Combadge: "Janeway an Paris, kommen Sie unverzüglich ins Casino."
"Ja Ma'am", kam eine etwas verwundert klingende Stimme des Piloten.
Kurz darauf erreichte sie Neelix' Reich und steuerte genau auf den Koch zu, der mit seiner riesigen Kochmütze auf dem Kopf gerade in einem ebenso großen Topf eine Masse umrührte, die Janeway beim besten Willen nicht probieren wollte.
"Captain!" begrüßte der Talaxianer sie freudig.
"Sie sind ein wenig früh für das Mittagessen, aber wenn Sie noch einen kurzen Augenblick warten, dann werde ich eine Portion Schmorbraten für Sie schneller warm machen."
"Das soll Schmorbraten sein?" fragte sie völlig entgeistert, obwohl sie nicht einmal vorhatte auf das Thema Mittagessen einzugehen.
Neelix schaute nun pikiert. "Ja, natürlich habe ich das Rezpt etwas aufgepeppt und einige besondere Zutaten hinzugefügt, ich bin sicher, die Crew wird niemals einen besseren Schmorbraten gegessen haben."
Er grinste seinen Captain gewinnbringend an, die größte Mühe hatte nicht ihre Hand an ihre Stirn zu klatschen und dann kopfschüttelnd zu stöhnen. In diesem Moment jedoch kam Tom herein und rettete den Captain vor einer solchen Aktion.
"Tom Paris meldet sich zur Stelle", sagte der junge Pilot grinsend und verzog gleich darauf das Gesicht, als er einen Blick in Neelix' Topf warf.
"Was ist das bitteschön?" platzte er heraus.
"Schmorbraten", antworteten Neelix und Janeway unisono und Tom hob eine Augenbraue.
"Aha", kommentierte er die Aussage nur und riß sich von dem grauenhaften Anblick los.
Keine 10 Pferde bringen mich heute zum Essen im Casino, schwor er sich in Gedanken und machte sich eine Notiz im Geiste, daß er die komplette Crew vorwarnen mußte.
Janeway hatte für eine Sekunde denselben Gedanken wie Tom und dachte ernsthaft darüber nach, das MHN vorher hier vorbeizuschicken um zu überprüfen, ob die Masse nicht zum Tod der Crew führen könnte. Doch sie schob den Gedanken nach hinten und wandte sich dann an die beiden Männer.
"Gentlemen, wir stehen am Abgrund. Es liegt jetzt an Ihnen beiden das Schiff, die Crew und vor allem die Arbeitsmoral von uns allen zu retten."
Tom und Neelix schauten sich erst perplex an, doch nur nach einigen Sekunden erschien auf beiden Gesichtern ein breites Grinsen.
Hoffentlich habe ich nicht gerade das Schiff zum Untergang verurteilt, dachte Janeway als sie in die beiden überglücklichen Gesichter ihrer Cremitglieder guckte.
"Sie haben freie Hand. Aber sollten Sie auf die Idee kommen, das Schiff zu beschädigen oder die Crew wieder mit Bier abfüllen, dann werde ich Sie höchstpersönlich auf das Holodeck schleifen, ein Segelschiff erschaffen und Sie beide vor aller Augen am höchsten Mast aufknüpfen, haben wir uns verstanden?"
Tom und Neelix hatten jetzt Hundeblicke aufgesetzt und beteuerten beide durcheinander:
"Aber Captain..."
"Wir würden niiiiiiiiiiie so etwas tun...."
"Was denken Sie nur von uns..."
"Das Schiff und die Crew sind uns immer heilig gewesen..."
"Wenigstens hat das Bier allen geschmeckt..."
Janeway blickte von einem zum anderen und hob schließlich beide Hände um Ruhe zu haben.
"Ich denke, wir verstehen uns. Sie sollen die Moral der Crew heben, nicht unseren Untergang besiegeln. Und ich möchte vorher informiert werden über das, was Sie geplant haben. Sie haben bis heute Abend Zeit sich etwas auszudenken. Dafür sind Sie beide für den Rest des Tages von Ihren Pflichten entbunden. Ich erwarte Sie um 18 Uhr in meinem Raum."
"Ja Ma'am..." rief Tom der schnell flüchtenden Janeway hinterher und Neelix rieb sich vergnügt die Hände.
"Na los, Tom, lassen Sie uns etwas Großes machen...."
"Ich hab auch schon eine Idee", meinte der Steuermann und beide setzten sich an einen Tisch und Tom erzählte Neelix von seiner Idee.

Janeway war unterdessen gerade mit dem Turbolift auf der Brücke angekommen. Als sich die Türen öffneten und sie gerade aussteigen wollte nahm ihr Gehirn etwas wahr, das nicht wahr sein konnte.
Aber sie sah es.
"Was geht denn hier vor?" rief sie und hastete auf die große Mittelfläche, die den Hauptteil der Brücke ausmachte.
Harry Kim, Ensign Baytard, Lieutenant Ayala und Tuvok - hier schaute Janeway wirklich zweimal hin um auch sicher zu sein, daß es sich um ihren vulkanischen Sicherheitsoffizier handelte - standen in einer Reihe Blickrichtung Schirm und versuchten das überdimensional große Puzzle zu lösen, das den Sichtschirm beherrschte.
Als sie Janeway hörten und sahen drehten sich alle zu ihr um.
Wenigstens drei von ihnen haben den Anstand verlegen auszusehen, dachte sie ärgerlich und wandte sich an Tuvok.
"Commander Tuvok, haben Sie bitte die Güte und erklären mir erstens, was DAS DA auf meinem Schirm ist, WARUM es dort ist und WIESO gerade SIE bei diesem... diesem... " sie schaute nach Worte ringend auf das Puzzle und sprühte dann: "Diesem klaren Verstoß gegen jede Dienstordnung mitmachen!"
Harry, Baytard und Ayala schauten sich kurz verstohlen an um ihre Blicke dann zu Tuvok wandern zu lassen in der Hoffnung, er würde sie rausboxen.
Tuvok hob lediglich eine Augenbraue.
"Dies ist eine abgewandelte Form des Kal-toh, man nennt es Vaki-Puzzle. Es befindet sich auf dem Hauptschirm, damit möglichst viele Brückenoffiziere daran teilnehmen können und da die Idee von mir stammt, habe ich die Position des Spielleiters übernommen."
Janeway klappte der Unterkiefer herunter. Genausogut hätte sie auch nach dem Wetter fragen können.
"Tuvok", brachte sie schließlich heraus, "das ist ein SPIEL - während des Dienstes!" Sie war schlichtweg fassungslos, daß dieser Verfall der Dienstmoral sogar nicht vor Vulkaniern Halt zu machen schien.
"Captain, ich versichere Ihnen, daß es keinen Unterhaltungswert darstellt. Es ist eine Herausforderung des Geistes und die Logik gebietet es, gerade der Brückencrew ein 'Problem' zu präsentieren, damit sie in Form bleibt."
Jetzt ist er komplett irre geworden.
Janeway sah Tuvok schon fast mitleiderregend an als sie das dachte und wußte nicht, was sie sagen sollte. Dann fiel ihr auf, daß Chakotay gar nicht da war.
"Wo ist Commander Chakotay?" fragte sie.
Jetzt wurden die drei Nicht-Vulkanier sichtlich unruhig.
"Ähm, das ist so, Captain", begann Harry mutig, "wir haben ihm gesagt, daß er eine Pause machen kann. Schließlich ist ja nichts los hier."
"Sie haben was?" fragte sie nach, denn sie konnte nicht glauben, was sie gehört hatte.
"Sie haben Chakotay von der Brücke geschickt damit Sie hier Ihr... Puzzle spielen können?"
Die drei Menschen schwiegen und blickten betreten zu Boden. Tuvok hob lediglich eine Augenbraue und meinte recht nüchtern: "Der Commander erschien mir etwas müde, daher habe ich ihm geraten eine Pause zu machen."
Janeway hob resigniert beide Hände und meinte dann geschlagen: "Ich bin in meinem Raum. Und das", sie zeigte auf den Sichtschirm, "verschwindet augenblicklich von meiner Brücke."
Kopfschüttelnd und vor sich hin murmelnd verließ sie ihre scheinbar verrückt gewordene Crew und verschwand in ihrem Raum.
Ihre erste Handlung war, sich einen Kaffee zu replizieren. Als sie einen Schluck getrunken hatte ging es ihr gleich besser und sie beschloß, für den Rest des Tages alles zu ignorieren was nicht der Sternenflottennorm entsprach. Also vor allem das Verhalten der Crew. Außerdem war es nicht mehr lange bis zum Abend und wenn Tom und Neelix nicht mit einer Lösung aufwarten konnten, dann würde sie höchstpersönlich diesem Wahnsinn ein Ende bereiten.
Allerdings war sie sich dabei noch nicht so ganz über das 'Wie' sicher, daher gestattete sie es ihren eigenen Gedanken ausnahmsweise einmal sich ihrer eigenen, verrückten Kreativität zu bedienen.

Halloween

Pünktlich um 18 Uhr standen Tom und Neelix im Bereitschaftsraum des Captain. Diese tippe ungeduldig mit ihrem Zeigefinger auf dem Tisch herum und sah beide erwartungsvoll an.
"Wir haben uns einige spannende und interessante Dinge ausgedacht", fing Neelix begeistert an und reichte Janeway ein Padd herüber während er weiter erklärte.
"Da wäre erst einmal ein Paintball-Turnier, dann..."
"Paintball?" unterbrach ihn Janeway. "Was genau muß ich mir darunter vorstellen?"
Jetzt sprang Tom ein.
"Die Crew wird in verschiedene Teams aufgeteilt. Jedes Team erhält ein Farbband, damit man weiß, wer zu wem gehört. Dann hat jeder eine Waffe, die kleine Farbkügelchen verschießen kann, wenn ich Ihnen das einmal zeigen darf..."
Der Pilot holte aus seiner Tasche auf einmal eine kleine Waffe heraus, zielte auf den Captain und schoß.
Plopp - plopp - plopp, machte es und Kathryns Blick glitt fassungslos auf ihre Uniform herunter, auf der jetzt drei grüne Farbkleckse zu sehen waren, die noch schön zerliefen.
"Oh, ehm... naja, das geht wieder raus..." stotterte Tom ein wenig, als ihm klar wurde, daß er gerade seinen Captain erschossen hatte.
Janeway hatte unterdessen ihren gefürchteten 'Janeway-Blick' drauf und Tom war fast versucht, unter dem Tisch in Deckung zu gehen.
"Mr. Paris..." knurrte die Kommandantin.
Tom wich einen Schritt zurück und wollte hastig die Waffe wieder wegstecken, da lösten sich zwei weitere Schüsse.
Plopp - plopp. Janeways Laptop war jetzt ebenfalls grün eingefärbt und hinter ihr an der Wand bahnte sich die Farbe von dem anderen Farbkügelchen einen Weg nach unten.
"D-d-d-das... war keine Absicht." Tom steckte die Waffe weg und schaute sie mit Hundeaugen an.
Janeway atmete einmal geräuschvoll ein und aus, sammelte sich ein paar Sekunden und sagte dann mit ihrer ganzen Selbstbeherrschung: "Was haben Sie noch, diese Angelegenheit ist eindeutig zu schmutzig. Und Sie, Mr. Paris, werden nachher diesen Raum säubern und später meine Uniform. Und wehe, ich finde nur einen einzigen, grünen Fleck noch irgendwo."
"Ja Captain, natürlich Captain", sagte er eifrig, froh, so glimpflich davongekommen zu sein.
Neelix machte jetzt weiter.
"Mir schwebt schon lange ein Kochduell vor, Captain, ich habe noch reichlich Leolawurzeln und..."
Kathryn unterbrach ihn sofort als sie nur das Wort 'Leola' hörte.
"Abgelehnt. Ich wollte etwas um die Moral zu heben, nicht, um sie noch tiefer sinken zu lassen. Was haben Sie noch?"
Neelix guckte beleidigt und Tom sagte zögerlich: "Eigentlich hatten wir gehofft, das Paintball-Turnier durchzukriegen... unsere letzte Idee ist nicht unbedingt so aufregend um ehrlich zu sein..."
"Mr. Paris, strapazieren Sie meine inzwischen sehr angegriffenen Nerven nicht noch weiter. Was haben Sie noch?"
"Nun, es gäbe da noch ein traditionelles Erdenfest, was vom Datum her zufälligerweise gerade passen würde um ein kleines Fest zu veranstalten."
"Und welches wäre das?" fragte der Captain nun auffallend interessiert.
"Halloween, Ma'am."
"Halloween? Ist das nicht... ehm... ist das nicht..." Kathryn überlegte, doch sie konnte es nicht richtig einordnen. Tom kam ihr zu Hilfe.
"Es gibt einige Ursprüge, aber wir nehmen hier mal den Bösewicht Jack Oldfield. Um es kurz zu machen - er fing den Teufel und wollte ihn nur freilassen, wenn dieser versprach ihm nicht mehr in die Quere zu kommen. Als er dann starb kam er natürlich nicht in den Himmel, aber auch nicht in die Hölle. Der Teufel schenkte ihm daher eine Rübe und eine glüchende Kohle, damit er durch die Dunkelheit wandern konnte. In Amerika wurde die Rübe durch einen augehöhlten Kürbis mit einer Frazte dann ersetzt, der als 'Jack O'Lantern' bekannt war. Er soll böse Geister abschrecken. Man verkleidet sich zu Halloween und die Kinder gehen von Tür zu Tür um etwas Süßes abzustauben."
Janeway blickte die beiden an und meinte dann: "Das klingt bisher weder nach Lebensmittelvergiftung noch nach Schiffsdemolierung. Was gehört noch zu dem Fest?"
Tom und Neelix zogen kurz die Augenbrauen zusammen und der Pilot fuhr fort: "Man verkleidet sich meistens als das, was man fürchtet oder sicher niemals sein würde und versucht so gruselig wie möglich auszusehen. Es gibt Musik, Tanz, ein schauriges Buffet und natürlich Grusel-Deko. Und da es sich im ein Traditionsfest der Erde handelt würde ich vorschlagen, ein Motto für die Kostüme vorzugeben: Historische Gestalten bis ins 21. Jahrhundert. Darunter fallen sowohl reale Personen, Film- als auch Buchcharaktere."
Janeway lächelte jetzt. "Meine Herren, das verlangt nach Ihrer Kreativität auf dem Holodeck. Bereiten Sie alles vor und informieren Sie die Manschaft. Wir feiern Halloween."
Tom und Neelix schauten sich grinsend an und meinten dann: "Aye Captain." Dann verschwanden sie möglichst schnell um ein Programm zu kreieren.
Janeway schaute derweil noch einmal auf die grünen Flecken, die überall an ihr und in ihrem Raum verteilt waren und dachte grimmig: Wehe, wenn das nicht die Arbeitsmoral wieder herstellt, meine Herren. Machen Sie ja gute Arbeit, sonst verwandle ich das Schiff in Dante's Inferno.

Tom und Neelix brauchten den Rest des Abends, die ganze Nacht und den halben nächsten Tag bis sie zu ihrer Zufriedenheit fast fertig waren.
"Jetzt fehlen eigentlich nur noch ein paar echte Gruselgestalten", meinte Tom und sah sich in dem dunklen, Spinnenwebengehangenen alten Herrenhaus um. Überall standen ausgehöhlte Kürbisse mit geschnitzten Fratzen und Kerzen darin und gaben dem Ganzen eine unheilvolle Atmosphäre. Augäpfel, diverse Gliedmaßen (alle eßbar, darauf war Neelix besonders stolz) und holografische Gruselgestalten rundeten das Ganze noch ab.
Neelix überlegte.
"Tom, ich habe im Frachtraum noch ein altes Artefakt. Damals hatte es ein Händler gegen Metall eingetauscht. Ich weiß nicht genau, was es damit auf sich hat, aber es schaut furchtbar aus - wir sollten es in die Mitte stellen."
Tom nickte und gemeinsam holten sie besagtes Stück auf dem Frachtraum heraus.
"Neelix - was ist das?" fragte Tom und zog eine seiner berühmten Grimassen.
"Ich weiß es nicht, Tom, aber es paßt doch hervorragend, oder?"
Der Pilot konnte dem nur zustimmen. Was Neelix da hervorgeholt hatte sah aus wie ein Totenschrein. Zumindest kam ihm das zuerst in den Sinn. Es war eine Art vierseitige Pyramide, oben eine Spitze und an den Seiten Verzierungen von stilistischen Totenköpfen, die aus den leeren Augenhöhlen heraus zu bluten schienen. Eine schwärzliche Schicht überzog das Artefakt und aus der Ferne sah es tatsächlich aus wie ein Strom aus Blut.
"Haben Sie schon mal versucht herauszufinden, was es damit auf sich hat?" hakte Tom nach, als beide das doch recht schwere Teil Richtung Holodeck trugen.
"Mehrmals, aber ich hatte keinen Erfolg", antwortete der Talaxianer.
"Ich bin der Meinung, es läßt sich öffnen, aber ich habe nie herausbekommen wie. Mit Technik ging es nicht."
"Wenn das hier vorbei ist können wir uns das noch einmal ansehen. Ich wette, B'Elanna ist ganz scharf auf so ein Puzzle."
"Von mir aus, aber jetzt sollten wir das Teil erst mal auf das Holodeck bekommen", knurrte Neelix vor Anstrengung.
"Das ist doch lächerlich", meinte Tom auf einmal und stellte das Artefakt auf seiner Seite ab. Dann tippte er auf sein Combadge: "Paris an Transporterraum 1, erfassen Sie die Signale von Neelix und mir und beamen Sie uns auf das Holodeck 2."
"Tut mir leid Sir, ein site-to-site Transport ist nur in Ausnahmefällen gestattet. Oder handelt es sich um einen medizinischen Notfall?" fragte der Transporterchief.
Tom überlegte einen Moment und meinte dann: "Ja, das tut es. Denn wenn ich dieses Teil hier noch länger tragen muß, hebe ich mir entweder einen Bruch oder ich renke mir den Arm aus!"
"Dann melden Sie sich erneut, wenn es soweit sein sollte, Sir. Transporterraum 1 Ende."
Tom klappte der Unterkiefer herunter und er starrte Neelix nur an. Der Talaxianer starrte zurück. Und während Tom anfing ziemlich unschöne Begriffe für den Transporterchief zu finden mußte Neelix lachen.
"Nehmen Sie's ihm nicht so übel, Tom, sehen Sie es als Revanche für letzte Woche, als sie im Transporterraum den Heisenberg-Kompensator gelockert haben und der Ärmste den ganzen Tag lang nach dem Fehler suchen mußte."
Tom resignierte. "Na schön, Sie haben ja Recht. Aber lustig war es schon zu sehen, wie er jeden kleinen Schaltkreis auseinandergenommen hat." Er mußte jetzt ebenfalls lachen, als er an die Szenerie dachte.
"Muskelschmalz, Tom", meinte Neelix nur kurz und beide hievten das schwere Artefakt durch die Gänge der Voyager.

Am Abend waren sie dann wirklich fertig. Die Crew war informiert und Janeway hatte mit Wohlwollen festgestellt, daß sich die Arbeitsmoral seit Bekanntwerden der Party beachtlich gesteigert hatte. Sie selber mußte für sich zugeben, sich auch auf ein wenig Abwechslung zu freuen. Der hellste Lichtblick für sie war jedoch, als Chakotay sie ganz galant gefragt hatte, ob sie seine Begleitung für die Party sein würde.
Eine Stunde vor Beginn hatte sie dann kurzerhand der Manschaft bis auf einigen Personen für die Schlüsselposten freigegeben um sich vorzubereiten. Das MHN wurde kurzerhand als ECH verpflichtet und saß nun in seiner roten Uniform an der Conn und überwachte den Kurs und die Instrumente.
Natürlich hatte er seine Tätigkeit als 'Lückenbüßer' nicht schweigend hingenommen und war erst zufrieden, als Janeway ihm versprochen hatte, daß er auch zur Party kommen könne.
In ihrem Quartier stand Janeway gerade vor dem Spiegel und betrachtete sich in dem historischen Kostüm, in dem sie jetzt ein Burgfräulein darstellte. Das Kleid war sehr schön, aber der hohe, spitze Hut störte sie. Kurzerhand nahm sie ihn ab und befestigte stattdessen eine Tiara in ihrem Haar, an der ein kleiner Schleier festgemacht war.
"Ja, viel besser", kommentierte sie ihr Spiegelbild und überlegte, was Chakotay wohl tragen würde.
Sie mußte nicht lange warten um es herauszufinden, denn schon wenig später ertönte der Türsummer.
"Herein", rief sie und kam aus dem Badezimmer heraus.
Ein Pirat stand vor ihr, den Degen auf ihre Brust gerichtet.
"Wenn Sie mir Ihr Schiff widerstandslos übergeben, verschone ich vielleicht Ihr Leben", sagte er mit einem frechen Grinsen.
Janeway legte den Kopf schief und meinte dann: "Ich glaube, Ihre Augenklappe ist verrutscht, Commander."
"Oh verdammt, das passiert ständig", sagte dieser, ließ den Degen sinken und richtete sein Kostüm.

"Aber guter Auftritt", fühlte sich Kathryn bemüßigt ihn zu loben.
"Danke. Und wenn ich das sagen darf - Sie sehen einfach bezaubernd aus, Kathryn."
"Vielen Dank, Chakotay", erwiderte sie leicht verlegen. "Wollen wir dann los?"
"Wohlan! Ich werde Sie beschützen, edles Fräulein", sagte er und bot ihr seinen Arm an.
Sie hakte sich bei ihm unter und gemeinsam gingen sie zum Holodeck.
Wenig später standen sie vor der Tür.
"Wehe, Tom und Neelix haben keine absolut umwerfende Arbeit....", meinte Janeway und stockte.
"...geleistet?" beendete Chakotay den Satz für sie und betrachtete zufrieden die Szenerie vor ihnen, als sich die Türen gerade geöffnet hatten.
"Ich sollte diese beiden nie in Frage stellen", gab Janeway dann zu und beide traten ein.
Ein gewaltiges Gewitter begrüßte sie und tauchte das alte Herrenhaus, auf das sie zuliefen in helle Blitze. Rechts und links war dichter Wald und natürlich war es Nacht.
"Wenigstens regnet es nicht", bemerkte Chakotay.
"Der Anfang ist auf jeden Fall gelungen", meinte Kathryn und schon standen sie vor dem Portal.
Sie traten ein und standen in einem wunderschön gruselig dekorierten Saal, in dem schon die Mehrheit der Crew ausgelassen tanzte und sich unterhielt.
Eine schwarze Gestalt mit einem recht großen Hut trat ihnen entgegen.
"Captain, Commander, willkommen, willkommen, nehmen Sie ruhig einen Augapfel."
Tom, der in einer schwarzen Priestertracht vor ihnen stand, hielt ihnen plötzlich eine kleine Schale mit glibbrigen Augäpfeln hin.
"Nein, danke, Tom, im Moment ist mir nicht nach Köperteilen", meine Kathryn skeptisch.
Chakotay dagegen nahm eins und steckte es sofort in den Mund. "Hm, gar nicht mal so übel. Verraten Sie mir aber bitte nicht, was ich da gerade wirklich gegessen habe."
Tom lachte. "Nein, das mache ich sicher nicht. Nette Kostüme übrigens. Rechts ist das Buffet, links geht es zu einer kleinen Tour durch das Haus. Nur für starke Nerven aber..."
Tom grinste noch einmal spitzbübisch und überließ die beiden dann sich selber und ihrem Schicksal.
"Gehen wir uns erst einmal einen Überblick verschaffen", schlug Chakotay vor.
"Das Buffet interessiert mich im Moment mehr als alles andere, ich habe heute nur einen Kaffee gehabt."
"Ich folge Ihnen", meinte Chakotay nur und beide holten sich eine Auswahl von nicht alltäglichen Köstlichkeiten.
An einem Tisch, an dem bereits einige andere kostümierte Führungsoffiziere saßen, waren noch Plätze frei und Kathryn steuerte drauf zu.
Tom war gerade dabei, Tuvok eine Lektion in Kleideroutfits zu geben denn sie hörte noch den letzten Teil des Satzes: "... hätten besser recherchieren sollen. Aber es steht Ihnen trotzdem."
"Was hätte er besser recherchieren sollen?" hakte Chakotay nach, der ebenfalls den letzten Teil überhört hatte und die Gelegenheit nicht verstreichen lassen wollte, um den sonst so perfekten Vulkanier bei einem Fauxpas zu erwischen. Selbst Kathryn schien es wissen zu wollen.
"Ja Tom, wir wollen auch Lachen."
Tuvok zog nur eine Augenbraue hoch und beschloß, selbst eine Erklärung abzugeben.
"Scheinbar ist dem Computer ein Fehler unterlaufen bei der Replikation meines Gewandes", versuchte er sich herauszureden.
"Ach, der Computer ist jetzt Schuld?" warf Tom sofort ein.
"Was wollten Sie denn für ein Kostüm haben?" fragte Chakotay.
"Meine Absicht war es ein Herrenkostüm aus dem 19. Jahrhundert der Erde zu replizieren, doch Mr. Paris meint, meine Kleidung entspräche der eines Bestattungsunternehmers aus dem Wilden Westen."
Kathryn und Chakotay prusteten los und Tom ebenfalls.
"Sie haben völlig Recht, Tom", stimmte ihm Kathryn zu. "Fehlt nur noch der Geier auf der Schulter."
Spätestens das war zuviel und auch die übrigen Offiziere, die in Hörweite saßen, brachen in schallendes Gelächter aus.
Tuvok ließ es mit stoischer Ruhe über sich ergehen und meinte nur: "Wenigstens scheine ich mit der Wahl meines Kostümes die Moral der Crew bereits jetzt schon erheblich gehoben zu haben."
Dann stand er auf und ging erneut zum Buffet um dem Spott seiner Kollegen für den Moment zu entkommen, was er natürlich nie zugegeben hätte.
Als sie sich etwas beruhigt hatte hatte Kathryn endlich die Gelegenheit, die Kostüme ihrer Crew zu bewundern. Allerdings konnte sie sie nicht immer zuordnen, denn im Gegensatz zu Tom hatte sie fast keine Ahnung von historischen und fiktiven Gestalten der Erde der Vergangenheit.
"Als was ist denn Neelix unterwegs?" fragte sie ihren Piloten.
Dieser half gern aus und erklärte ihr gleich alle Kostüme.
"Neelix ist, wenn ich das richtig deute, als der Joker unterwegs. Eine Art böser Clown und Gegenspieler von Batman. Harry ist Jack the Ripper", hier nickte Janeway, "Seven ist Cinderella in ihrem Ballkleid, B'Elanna hat sich für Bloody Mary entschieden und unser guter Dok soll wohl Robin Hood darstellen, wenn ich das richtig sehe."
"Jetzt bin ich ein wenig klüger als vorher", bedankte sich Janeway bei ihm.
Inzwischen war das Fest in vollem Gange und Neelix meinte, daß es jetzt an der Zeit wäre alle auf die Reise durch das extra kreierte Gruselkabinett zu schicken.
Der Saal leerte sich merklich und hin und wieder hörte man Schreie von Crewmitgliedern aus weiter Entfernung. Jetzt erst fiel Janeway das Dekorationsstück von Neelix auf einem Podest auf.
Sie ging näher heran und war beeindruckt von den kleinen roten Nebelschwaden, die die Totenköpfe und den Blutstrom wirklich unheimlich aussehen ließen. Sie ging dicht heran und wollte mit der Hand gerade eine Seite berühren, da stieß jemand gegen sie und sie fühlte einen kleinen Stich, als sie sich auf der Pyramidenspite abstützte um nicht hinzufallen.
"Verzeihung, Captain", kam die Stimme von Neelix, der ein Tablett balancierte, das ihn aus dem Gleichgewicht gebracht hatte und er deshalb gegen sie gestoßen war.
"Nichts passiert", meinte sie nur und schaute auf ihre Hand. Ein wenig Blut tropfte aus dem kleinen Riß, den die Spitze verursacht hatte, aber es hörte gleich wieder auf.
"Kathryn, kommen Sie?" rief Chakotay hinter ihr.
Sie riß sich von dem Objekt los und folgte dann den anderen in das Gruselkabinett hinein.

Das wirkliche Halloween

Tom und Neelix hatten auch hier ganze Arbeit geleistet. Wände, die sich verschoben, sich plötzlich öffnende Falltüren mit einer Rutsche in den Keller darunter, Spukgestalten und Sinnestäuschungen.
Die kleine Gruppe Führungsoffiziere war inzwischen getrennt worden und maximal zu zweit unterwegs. Kathryn hatte Chakotay immer noch an ihrer Seite und fühlte plötzlich eine leichte Übelkeit in sich aufsteigen. Sie hielt einen Moment inne und stützte sich an der Wand ab.
"Kathryn?" fragte Chakotay etwas besorgt. "Ist alles in Ordnung?"
Sie wollte gerade nicken, doch ihr wurde schwindelig und sie konnte sich nicht mehr auf den Beinen halten. Langsam rutschte sie an der Wand herunter und bevor sie bewußtlos wurde bekam sie noch mit, daß Chakotay dasselbe Schicksal ereilt hatte. Dann wurde alles schwarz.

Der Doktor, der sich ebenfalls auf dem Holodeck befand und mit Seven in einem Keller gelandet war hörte ein Geräusch hinter sich und sah gerade noch, wie die Borg zu Boden sank.
"Seven!" rief er aus und eilte sofort zu ihr hin. Er tastete nach ihrem Puls. Er war ruhig und stetig.
Er wollte gerade auf sein Combadge tippen um einen Transport auf die Krankenstation einzuleiten, da kam sie schon wieder zu sich.
"Seven, alles in Ordnung?" fragte er und half ihr hoch.
Die Borg faßte sich kurz an den Kopf und schaute dann das MHN an. Ängstlich wich sie zurück, die Augen weit aufgerissen.
"Wer sind Sie?" fragte sie und blickte im nächsten Moment an sich herunter. Ein Schuh von ihr lag hinter dem Doktor, sie hatte ihn verloren, als sie zu Boden gesunken war.
"Mein Schuh! Ich will meinen Schuh wieder haben!" rief sie dann.
Dem MHN klappte der Unterkiefer herunter.
"Seven? Wenn das ein Scherz ist, dann ist er äußerst unangemessen", konstatierte er ärgerlich.
Doch die Borg blickte ihn auch weiterhin mit großen Augen an und versuchte, möglichst nahe an der Wand ihn zu umrunden. Der Doktor beobachtete sie nur skeptisch und plötzlich rannte sie gegen ihn, stieß ihn um, hob den Schuh auf und verschwand in der Dunkelheit.
"Seven!" rief der Doktor ihr nach und rannte hinterher.

Eine Etage höher kam Chakotay wieder zu sich. Verwirrt blickte er sich um bis er jemanden ganz in der Nähe liegen sah. Es war eine Frau. Vorsichtig näherte er sich ihr und ihm blieb für einen Moment die Luft weg - die Frau war wunderschön und scheinbar schlief sie. Zögerlich tastete er nach ihrer Schulter und schüttelte sie schließlich. Sie schlug die Augen auf, sah ihn kurz an, stieß einen spitzen Schrei aus und fiel wieder in Ohnmacht.
Ich weiß, daß ich eine unwiderstehliche Wirkung auf Frauen habe, aber daß sie gleich in Ohnmacht fallen... dachte er und richtete ihren Oberkörper auf. Dann klopfte er ihr auf beide Wangen um sie wieder aufzuwecken. Es klappte und die Frau öffnete die Augen.
Als sie ihn erkannte schrie sie erneut und versuchte, von ihm wegzurutschen. Dabei rutschte sie hinter sich in ein paar Spinnenweben und schrie abermals auf. Sie sprang regelrecht in Chakotays Arme zurück und dieser zog seinen Degen.
"Keine Sorge, schöne Frau, ich rette Sie vor den Spinnenweben!" rief er und schlug mit dem Degen auf das Netz ein. Die Folge war, daß die Frau in seinen Armen erneut in Ohnmacht fiel.
Na toll, dachte Chakotay und beschloß, sie einfach zu tragen.
Wo zum Teufel bin ich eigentlich? fragte er sich, als er mit der Unbekannten auf den Armen in der Dunkelheit herumstolperte.

Wieder eine Etage höher über Janeway und Chakotay waren Tom und Harry in eine Diskussion vertieft, nachdem beide aufgewacht waren.
"Mein Sohn", sagte Tom behutsam, "es ist eine Sünde gegen das 5. Gebot zu verstoßen und außerdem kennen wir uns gar nicht. Du hast keinen Grund, mich zu fürchten."
Sein Blick war auf das Messer gerichtet, das Harry auf ihn gerichtet hielt und nervös hin und her schaute.
"Wie bin ich hierhergekommen und wie haben Sie mich gefunden?" rief er höchst nervös und hörte nicht dabei auf sich umzusehen.
"Das mein Sohn, werden wir vielleicht nie erfahren, aber es war Gottes Wille uns beide hierherzubringen, wo auch immer das hier ist", palaverte Tom weiter.
Harry's Blick wurde nun eine Nuance wahnsinniger, als er eh schon war und er rief: "Halten Sie den Mund, bringen Sie mich sofort zu meinem Pferd, dann verschwinde ich. Oder vielleicht töte ich Sie auch vorher."
"Aber... ich weiß doch nicht, wo wir sind", stotterte Tom nun.
"Dann finden Sie es schnellstens heraus", drohte Harry ihm.
Tom blickte sich etwas ratlos um. Wohin sollte er gehen?
"Los jetzt, auf mich warten noch einige Frauen, die ich umbringen muß."
Tom bekreuzigte sich und wählte dann einfach eine Richtung aus, in die er beherzt seine Schritte lenkte. Harry mit dem Messer folgte ihm.

Chakotay, der immer noch Kathryn trug, brauchte dringend eine Pause. Außerdem war er jetzt schon zum dritten Mal an der Stelle vorbeigekommen, an der er aufgewacht war.
Seufzend setzte er die Frau auf den Boden und rüttelte sie. Es war an der Zeit, daß sie aus eigener Kraft lief.
Vorsorglich hatte er sich ein wenig von ihr entfernt da er befürchtete, daß sie sonst gleich wieder vor Angst in Ohnmacht fallen würde. Langsam öffnete sie die Augen und er hob beide Hände um ihr zu signalisieren, daß er ihr nichts tun würde.
"Nicht schreien, ich tue Ihnen nichts", fügte er noch hinzu.
Kathryn schaute ihn sekundenlang an und hatte scheinbar entschieden, bei Bewußtsein zu bleiben diesmal.
Immer noch ängstlich fragte sie: "Was wollen Sie von mir?"
"Ich?" fragte er zurück. "Nichts! Sie lagen genauso wie ich hier herum und ich dachte, bevor die Spinnen Sie anknabbern nehme ich Sie lieber mit. Wie heißen Sie?"
Kathryn überlegte und schaute an sich herunter.
"Ich weiß es nicht", meinte sie dann und fragte dann: "Und Sie?"
"Hm...", Chakotay zog eine Schnute als er darüber nachdachte. "Ich hab auch keine Ahnung. Ich weiß nur, daß Sie scheinbar adlig sind und ich bin ein Pirat."
Er war stolz auf seine Analyse.
"Wo sind wir hier?" fragte Kathryn nun etwas mutiger, der Mann schien ihr scheinbar wirklich nichts böses zu wollen.
"Keine Ahnung", erwiderte dieser.
In dem Moment polterte es hinter ihnen, eine versteckte Tür sprang auf und plötzlich stand eine Frau in einem weißen Kleid vor ihnen, die Hände blutverschmiert und ebenso das Gesicht, das geisterhaft bleich war und dadurch noch unheimlicher wirkte. Kathryn fiel sofort wieder in Ohnmacht während Chakotay sein Degen zog und ihn auf die Erscheinung richtete. Doch bevor er etwas sagen konnte tauchte hinter der Gestalt eine weitere auf, diesmal komplett in schwarz und rief: "Warten Sie doch, meine Särge sind wirklich die Besten, ich bin sicher, wir könnten uns auf einen Preis einigen!"
"Helfen Sie mir doch, bitte", flehte B'Elanna Chakotay an, während Tuvok hinter ihr immer noch versucht war, ihr einen Sarg zu verkaufen.
"Er verfolgt mich jetzt schon die ganze Zeit, aber ich bin doch nicht tot! Sehe ich aus, als wäre ich tot?" fragte sie mit leichter Hysterie in der Stimme.
Chakotay senkte den Degen, schaute sie von oben bis unten an und meinte dann: "Naja, ein wenig verstorben sehen Sie wirklich aus um ehrlich zu sein. Vielleicht sollten Sie sein Angebot mal überdenken?"
B'Elanna schaute ihn wütend an und entschloß sich dann, sich ihrem Schicksal endlich zu stellen, zumal sie keine Hilfe zu erwarten hatte. Mit einem finsteren Blick drehte sie sich zu Tuvok herum und meinte: "Wenn ich tot bin werde ich Ihnen Bescheid geben und einen Sarg kaufen. Bis dahin nerven Sie mich aber nicht, sonst brauchen SIE bald einen Sarg."
Tuvok schaute unsicher in das entschlossene Gesicht der Frau und wandte sich dann an Chakotay: "Möchten Sie vielleicht einen Sarg kaufen? Für ihre Freundin hier?" Sein Blick glitt zu Kathryn, die immer noch ohnmächtig war.
"Sie ist nicht tot, Sie Sarg-Genie, sie fällt nur dauernd in Ohnmacht. Helfen Sie mir lieber sie auf die Beine zu bringen. Und übrigens - wissen Sie etwas über diesen Ort hier?"
Tuvok und B'Elanna schüttelten unisono die Köpfe und Chakotay seufzte.
"Na schön, wir werden es noch herausfinden. Vorausgesetzt wir arbeiten alle zusammen. Haben Sie damit ein Problem?" fragte er beide.
Noch einmal schüttelten beide gleichzeitig die Köpfe und Chakotay blickte zufrieden drein.
"Na los, helfen Sie mir mal", wandte er sich an Tuvok und kniete sich neben Kathryn, die langsam wieder zu sich kam. Die beiden Männer halfen ihr hoch und B'Elanna, die schon ahnte, was bei ihrem Anblick passieren würde sagte hastig: "Das ist nur rote Farbe, ich habe meinen Malkittel nicht gefunden. Keine Panik!"
Kathryn musterte sie und nickte dann. "Gott sei Dank, ich dachte schon, es wäre Blut."
Bevor irgendjemand die blutüberströmte Frau als Lügnerin entlarven konnte warf Chakotay hastig ein: "Ich schlage vor, wir gehen weiter. Irgendwo muß es einen Ausgang geben."
Gesagt, getan. Chakotay ging voraus, dicht gefolgt von der überaus ängstlichen Kathryn, dahinter B'Elanna und zum Schluß Tuvok der darauf wartete, daß einer seiner Begleiter tödlich verunglücken würde und er endlich einen Sarg verkaufen konnte. Leider tat ihm keiner der Drei den Gefallen (Kathryn fiel nur einmal in Ohnmacht weil eine weiße Maus ihren Weg kreuzte) und nach einer halben Stunde blieb Chakotay schließlich in einem Raum stehen, in dem einige Möbel standen.
"Machen wir eine kleine Pause", schlug er vor und setzte sich auf einen alten Sessel. Im nächsten Augenblick gab dieser unter ihm nach, eine Falltür öffnete sich und Chakotay raste ungebremst noch immer im Sessel sitzend eine Etage tiefer.
"Uaaaaaaah!" hörte er nur einen Schrei unter ihm und dann sah er direkt vor sich zwei Gestalten, die komisch verschlungen aussahen.
"Ist alles in Ordnung? Sind Sie tot?" rief Tuvok von oben herunter und hoffte, keine Antwort zu bekommen.
"Wieso benutzten Sie Ihren verdammten Sarg nicht einfach selber?" schrie Chakotay genervt zurück und blickte dann wieder zu dem merkwürdigen Pärchen.
"Mein Gott, danke!" kam eine Stimme von unten und Chakotay sah einen Priester hervorkriechen. Der andere schien Bekanntschaft mit dem Sessel von Chaktoay gemacht zu haben, denn er regte sich nicht, als der Priester hervorkrabbelte.
"Mein Sohn, Du hast mir das Leben gerettet", rief Tom und machte ein Kreuz in der Luft vor Chakotay.
"Was ist mit dem anderen?" kam derweil wieder Tuvoks Stimme von oben. "Ist der vielleicht tot?"
Chakotay ignorierte ihn diesmal und sah nach Harry, dem das Messer aus der Hand gefallen war und auf der Nase lag.
"Nein, der lebt noch", rief er dann hoch.
"Lassen Sie ihn lieber liegen", sagte der Priester. "Er wollte mich und viele Frauen umbringen", erklärte er dann.
"So?" fragte Chakotay, betrachtete nachdenklich die Gestalt und meinte dann: "Egal, wir könnten ihn brauchen. Stecken Sie sein Messer ein, mein Degen hält ihn schon in Schach. Helfen Sie mir mal."
Tom hatte seine Zweifel, gehorchte aber. Während er und Chakotay versuchten Harry wieder aufzuwecken murmelte Tom unentwegt ein Gebet vor sich hin. Schließlich war es Chakotay zu viel.
"Himmelherrgott, können Sie nicht mal aufhören mit dem Gebrabbel? Kein Wunder, daß der Kerl hier nicht wach wird."
"O Herr, vergib ihm, denn er weiß nicht, was er tut", betete Tom laut und machte erneut ein Kreuz in der Luft vor Chakotay. Dann jedoch hielt er lieber den Mund und endlich machte Harry Anstalten wieder aufzuwachen.
"He Kumpel", sagte Chakotay, "keine Fehltritte, mein Degen ist länger als Dein Messer, klar?"
Harry schaute ihn verblüfft an, dann wandelte sich sein Ausdruck in Wut. Wie konnte es dieser dahergelaufene was auch immer wagen, so mit ihm zu sprechen?
"Weißt Du eigentlich, mit wem Du Dich hier anlegst?" fragte er und suchte sein Messer.
Chakotay und auch Tom schüttelten die Köpfe und warteten gespannt ab.
"Ich bin..." Harry verstummte und runzelte die Stirn.
"Na, wer denn nu?" fragte Tom, der jetzt ein wenig mutiger war, wo er sich im Besitz des Messers befand.
"Ich bin..." wiederholte Harry und dachte angestrengt nach. "Wer bin ich eigentlich?" fragte er dann.
"Ich muß jemanden umbringen, am liebsten Frauen", sagte er dann und rieb sich vergnügt die Hände.
Von oben hörte man ein dumpfes Geräusch, als ob etwas zu Boden gefallen war.
"Was war das?" rief Chakotay nach oben.
"Nichts", antwortete B'Elanna, "nur Ihre Freundin wieder."
"Ach so", sagte er und nach einer Denksekunde fügte er dann lauter hinzu: "Nein, sie ist nicht tot! Kommen Sie, Priester, versuchen wir wieder nach oben zu kommen."
Die beiden nahmen Harry in die Mitte und stiegen die morsche Holztreppe hoch, kamen allerdings wieder in einem anderen Raum an.
"Na toll, wo müssen wir jetzt lang?" fragte Harry der beschlossen hatte, vorerst Waffenruhe zu wahren. Der Degen dieses tätowierten Mannes war eindeutig wirklich länger als sein Messer. Er würde ihn später töten.
Bevor Chakotay sich zwischen einer der drei Türen entscheiden konnte die vor ihnen waren, sprang eine Tür auf, etwas flog regelrecht auf Harry zu und dieser rutschte mit der Ladung Stoff, die ihn jetzt völlig verhüllte, unsanft die Treppe herunter.
"Au, au, au", jammerte er den Weg herunter. Chakotay und Tom zögerten nicht lange und stiegen eilig wieder hinunter um herauszufinden, was es mit den Stoffbahnen auf sich hatte, die gerade auf sie zugeflogen waren.
Etwas überrascht waren sie allerdings, als sie in selbigen ein Gesicht erkannten, das einen sonderbaren Metallstreifen auf einer Augenbraue hatte.
"Das ist eine Frau", rief Tom und versuchte, ihr aufzuhelfen was sich als gar nicht so einfach erwies.
Schließlich hatten sie Seven von Harrys Körper heruntergeholt und sie brauchte einen Moment, um sich zu sammeln. Plötzlich blickte sie sich hektisch um und rief: "Mein Schuh!! Ich habe schon wieder meinen Schuh verloren, wo ist er?" Panisch fing sie mit der Suche nach ihrem Schuh an und fand ihn schließlich in Harrys Gemächt liegen.
"Sie widerlicher Landstreicher", rief sie, packte den Schuh und hieb ihn Harry mehrmals um die Ohren.
"Oh, machen Sie das noch einmal", sagte er schwärmerisch und war ganz hingerissen von ihrem Temperament.
"Sie Lustmolch!" rief Seven empört und zog ihren Schuh wieder an. Dann stieg sie eilig die Treppe wieder hinauf, weder Chakotay noch Tom beachtend, die sie mit offenen Mündern und weit aufgerissenen Augen anstarrten.
"Ist da unten alles in Ordnung?" kam B'Elannas Stimme jetzt von oben.
"Ja, wir versuchen jetzt wieder zu Ihnen zu kommen", rief Tom zurück. Dann halfen er und Chakotay Harry ein zweites Mal hoch und folgten Seven, die weitere drei Male auf der Treppe ihren Schuh verlor und jedes Mal darüber deftig fluchte.
"Ma'am", wandte sich jetzt Chakotay an sie. "Wissen Sie vielleicht, wo hier der Ausgang ist?"
"Vermutlich dort, wo Sie hereingekommen sind", antwortete Seven schnippisch und riß eine der beiden anderen Türen auf.
Ein lautes und diabolisches Gekicher kam ihr entgegen und gleich darauf wurde ein Gesicht sichtbar, das einfach nur aus einem breiten, ewig währendem Grinsen bestand.
"Wer ist das jetzt wieder?" fragte Chakotay stöhnend.
"Lauft!" rief Tom und riß die dritte Tür auf, die sie in einen dunklen Gang führte der unglaublicherweise in dem Zimmer endete, wo die anderen auf sie warteten.
Nachdem alle durch die Tür waren wollte Chakotay sie schließen, bevor der Grinser ebenfalls hindurchkommen konnte, doch er war zu langsam.
Mit einem entnervenden und hohen Gelächter drang er weiter in den Raum hinein, was Kathryn wieder einmal den Anlaß gab, in Ohnmacht zu fallen.
Dann stand Neelix immer noch sich totlachend vor den anderen und meinte: "Und jetzt ist es an der Zeit für ein paar Witze. Was ist..."
Doch er kam nicht weiter. B'Elanna hatte die Nase voll von dem Gelächter, trat vor ihn und verpaßte ihm einen kräftigen Kinnhaken. Neelix plumpste wie ein nasser Sack zu Boden, das Gesicht immer noch in einer starren Lachmaske gefangen und rührte sich nicht mehr.
Tuvok kniete sich neben ihn und tastete nach dem Puls. Enttäuscht sagte er: "Er lebt noch."
"Guter Treffer, Lady", meinte Tom bewundernd und Chakotay sagte: "Verschwinden wir lieber von hier."

Finger weg von unbekannten Dingen

Während die Führungsoffiziere ohne Erinnerung an ihr Selbst, ohne Plan und ziemlich ratlos in dem Gruselkabinett herumirrten hatte das MHN die Spur von Seven verloren.
"Das ist doch zum... " grummelte er. Er konnte sich weder auf die Krankenstation beamen lassen, noch konnte er mit dem Combadge irgendwen von der Crew oder gar den Computer erreichen.
Nach einer ganzen Weile hatte er durch reinen Zufall zurück in die große Halle gefunden, in der sie ganz zu Anfang waren. Ebenfalls waren hier einige Crewmitglieder anwesend und er steuerte auf den Nächstbesten zu, der auf einer Bank am langen Tisch saß, sich bei näherem Hinsehen als Lieutenant Ayala entpuppte und einfach Löcher in die Luft starrte.
"Lieutenant", sagte das MHN und legte seine Hand auf die Schulter.
Ayala murmelte immerzu irgendetwas vor sich und beachtete das MHN nicht weiter. Dieser gab schließlich auf und wünschte sich einmal mehr seinen Tricorder. Daß etwas mit der Crew nicht stimmte war offensichtlich, aber ohne genaue Untersuchung würde er nicht so schnell herausfinden können, was. Er versuchte es beim nächsten Crewmitglied, dieser jedoch war gerade in einen imaginären Fechtkampf verwickelt, zu Übrungszwecken, wie er zwischen einigen Paraden und Finten dem Doktor erklärte.
Nachdem er niemanden gefunden hatte, mit dem man normal reden konnte fiel sein Blick auf das merkwürdige Artefakt von Neelix, das jetzt immerzu einen feinen, schwarzen Nebel verbreitete.
Neugierig trat das MHN näher und bemerkte, daß es sich auch geöffnet hatte.
Aha! dachte er und sah die feinen Blutrückstände.
Das ist doch mal wieder typisch klischeehaft - ein unbekanntes Objekt das mit irgendeinem alten Blutritual funktioniert. Und natürlich muß wieder irgendeiner der Crew das Ding aus Versehen in Gang bringen und ich muß zusehen, wie ich alle wieder retten kann.
Das MHN grinste bei dem Gedanken.
Ich mag Klischees, dachte er noch und machte sich daran, das Artefakt irgendwie auszuschalten.

Unterdessen, einige Räume entfernt von dem Saal wo sich das MHN aufhielt, versuchten Chakotay und die anderen immer noch einen Weg nach draußen zu finden.
"Himmelherrgottnocheinmal", fluchte B'Elanna und trat gegen eine Tür die sich vehement weigert, aufzugehen.
Sofort bekreuzigte sich Tom und murmelte etwas wie: "Vergib ihr Herr, sie weiß nicht, was sie tut..."
"Oh, ich weiß genau, was ich tue", fauchte die zur Bloody Mary verwandelten Halb-Klingonin, "ich versuche einen Weg hier raus zu finden. Wie wäre es, wenn Sie auch mal etwas sinnvolles dazu beitragen würden außer ständig unnütze Dinge vor sich hin zu murmeln?"
"Oh Herr, hilf uns!" flehte Tom in einer spontanen Eingebung.
Chakotay wollte gerade eine spöttische Bemerkung machen als ungefähr 3 Meter neben ihnen die Wand explodierte. Holzsplitter prasselten auf alle hinunter und als der Staub sich gelegt hatte klaffte ein gewaltiges Loch in der Wand.
"Donenrwetter, das ging aber schnell", bemerkte Tom.
"Ich glaube nicht, daß göttliche Intervention hierfür verantwortlich ist", meinte Chakotay trocken und schaute vorsichtig durch das Loch. Etwas bewegte sich dahinter und er zog seinen Degen.
"Kommt raus, wer immer da auch ist", rief er.
Ein dickes Metallrohr kam plötzlich durch das Loch, gefolgt von einem Bein in Tarnfarben und schließlich einem Körper.
"Halt! Identifizieren Sie sich", warnte Chakotay und hielt den Degen auf den jungen Mann in grün-braun gerichtet.
"Sie zuerst", kam die Antwort und er richtete ein Metallteil auf Chakotay und die Gruppe hinter ihm.
"Wir sind... nun, auf der Suche nach einem Ausgang."
Der junge Mann nickte nach einem Moment und blickte dann hinter sich.
"Ist okay, die suchen auch nach einem Weg hier raus."
Sekunden später trat ein Mädchen mit einer Hotpants, einem sehr knappen Tank-Shirt und langen, blonden Haaren durch das Loch. Rechts und links an ihrer Hüfte waren zwei Halfter für Waffen geschnallt, die jedoch leer waren. Die Waffen hielt das Mdächen in den Händen.
Sie musterte kurz die Truppe und als ihr Blick auf Kathryn fiel (die mal wieder ohnmächtig geworden war) fragte sie: "Ist sie verletzt?"
Chakotay blickte hinter sich und merkte erst jetzt, daß seine Begleitung auf dem Boden lag. Etwas genervt winkte er ab.
"Nein, alles okay. Sie scheint allerding sehr zart besaitet zu sein, die kommt schon wieder zu sich."
"Wollen Sie sich uns anschließen?" fragte Icheb, der in seiner Soldatentracht eine respektable Figur machte, besonders mit der Panzerfaust auf dem Rücken, mit der er zweifelsfrei die Wand gesprengt haben mußte, der HK MG, die er über der Schulter zu hängen hatte und der Desert Eagle, die er in der Hand hielt.
Chakotay blickte kurz seine Begleiter an und meinte dann: "Bitte, nach Ihnen. Machen Sie mal noch mehr Löcher in die Wände, irgendwann müssen wir dann ja rauskommen."
"Gehen Sie zurück", warnte Naomi, die als Lara Croft unterwegs war.
Icheb nahm die Panzerfaust vom Rücken, legte auf die Wand gegenüber an und schoß.
Nachdem sich der Rauch und die Splitter gelegt hatten schulterte Chakotay Kathryn und alle folgten den beiden Neuzugängen, die scheinbar die Macht hatten, das Ganze enden zu lassen.

Der Doktor stand unterdessen ratlos vor dem Artefakt. Es war ihm nicht gelungen es zu deaktivieren und er wußte auch nicht mehr, was er noch tun konnte. Plötzlich ertönte ein lauter Knall hinter ihm, die Wand zerbarst und aus einer Rauchwolke trat ein junger Mann hervor.
"Icheb", stammelte er, als er seinen Aufzug sah und die große Panzerfaust, die er sich gerade wieder umhängte.
Hinter ihm tauchte Naomi auf, in einem sehr sexy Outfit, wie er einfach feststellen mußte. Und dahinter - er konnte seinen Augen kaum trauen - die Brückenoffiziere.
"Commander", rief er, als er sah, daß er Kathryn trug und eilte sofort auf die Gruppe zu.
"Halt, keinen Schritt näher", rief Naomi und richtete die Waffen auf ihn.
Der Doktor blieb stehen und hob beschwichtigend die Hände.
"Ich bin Arzt und möchte nur helfen", sagte er ruhig mit einem Blick auf Kathryn.
"Ach, die kommt gleich wieder zu sich, fällt dauernd in Ohnmacht", sagte Harry verächtlich und suchte unauffällig nach einem geeigneten Messer zwischen dem Besteck.
"Er weiß etwas", wisperte Naomi Icheb zu und der nickte. Sie zielte weiterhin auf das MHN und wartete ab.
"Was geht hier vor?" fragte Icheb schließlich.
"Nun, ist das nicht offensichtlich?" fragte das MHN jetzt mit einem leicht verärgerten Unterton. Das Ganze hier war doch lächerlich.
"Bis auf mich scheinen hier alle die Inkarnation ihrer Kostüme zu sein! Mr. Kim, legen Sie das Messer wieder hin", rief er dem Ensign zu, der gerade ein geeignetes Mordinstrument gefunden hatte und hinter Tom geschlichen war.
Naomi war schneller. Sie war dem Blick des MHN gefolgt und sah, was er sah. Das Messer flog aus Harrys Hand als Naomi es mit einem gekonnten Schuß getroffen hatte.
"Hätten Sie nicht ein wenig mehr rechts zielen können?" fragte Tuvok verärgert.
Dem Hologramm fuhr gerade eine Möglichkeit durch den Kopf, wie er das Artefakt zerstören könnte.
"Ehm... Miss", wandte er sich nun an Naomi, "können sie das rauchende Ding da hinten zerstören mit Ihren Schießkünsten?" Er deutete auf das Artefakt.
"Das ist wohl ein Scherz?" fragte sie und feuerte auf die Pyramide. Doch sie hielt dem Beschuß stand.
"Sieht nach einem Job für Dich aus", wandte sie sich nun an Icheb. Dieser holte seine Panzerfaust heraus, legte an und schoß. Mit einem lauten Knall zerbarst das Objekt und dichter Rauch erfüllte die gesamte Halle. Alle begannen zu husten und für einen Moment war alles in Dunkelheit getaucht.
Dann lichtete sich die Finsternis wieder und Chakotays Stimme ertönte: "Was zum... Kathryn?"
Sämtliche Crewmitglieder schienen jetzt aus ihrer Starre oder Verwirrung aufzuwachen und schauten sich fragend um. Der Doktor atmete erleichtert auf.
"Commander, ist alles in Ordnung? Wissen Sie, wer Sie sind?" hakte er nach.
Chakotay schaute das MHN verwirrt an. "Ist Ihr Programm beschädigt worden, Doktor? Natürlich weiß ich, wer ich bin. Helfen Sie lieber dem Captain."
"Keine Sorge, ihr fehlt nichts. Warum wecken Sie sie nicht einfach auf?"
Chakotay schaute das MHN böse an, tat aber, was er sagte.
Währenddessen fühlte sich das Hologramm bemüßigt, den anderen zu erklären, was passiert war.

"Eins steht fest", meinte Tom nach einer Weile und mit einem Seitenblick auf Neelix, der inzwischen auch wieder aus dem Gruselkabinett herausgefunden hatte. "Keine Partys mehr mit unbekannten Objekten."
"Tom, das ist der beste Satz heute aus Ihrem Munde", sagte Kathryn, die inzwischen auch wieder zu sich gekommen war.
"Vielleicht sollten wir das einfach für heute beenden hier. Chakotay, begleiten Sie mich noch zu meinem Quartier? Ich bin sicher, Mr. Neelix und Lieutenant Paris haben hier alles im Griff."
"Aber mit dem größten Vergnügen, Captain", sagte Chakotay und beide verließen das Holodeck, das sich schon merklich geleert hatte.
"Na dann, viel Spaß beim Saubermachen", meinte B'Elanna und verschwand ebenfalls.
Bald standen die beiden allein auf dem Holodeck.
"Na los Neelix, sammeln wir die Splitter auf", meinte Tom lustlos und begann.
"Computer, zwei Besen generieren", sagte Neelix und kurz darauf waren beide Männer einträchtig beim Fegen.

Der Morgen danach

Am nächsten Morgen betrat eine ausgeruhte und zufriedene Kathryn Janeway die Brücke.
Als Chakotay sie am Abend noch zu ihrem Quartier begleitet hatte, hatte sie genau vor ihrer Tür, die sich praktischerweise schon geöffnet hatte, einen erneuten Schwächeanfall bekommen und genau das bekommen, was sie wollte. Chakotay hatte sie natürlich sofort in ihr Bett in ihrem Schlafzimmer getragen, war vor Sorgen um sie fast vergangen und gerade, als er die Krankenstation informieren wollte hatte sie die Augen geöffnet, ihn wortlos zu sich herangezogen und er war die Nacht über geblieben.
Wenn die Crew sich vergnügen kann, dann kann ich das auch, dachte sie noch und ihr Blick wanderte neben sich auf den Sessel, in dem Chakotay schon saß.
Plötzlich blinkte etwas an ihren Kontrollen.
"Brücke an Maschinenraum, was geht da unten vor?" fragte sie.
"Captain, vielleicht sollten Sie lieber hier herunter kommen", sagte B'Elanna mit einer verdächtig fassungslosen Nuance in der Stimme.
"Ich bin unterwegs. Chakotay", sagte sie und bedeutete ihrem ersten Offizier ihr zu folgen.

Wenige Minuten später erreichten sie dann den Maschinenraum.
"Was zum...." brachte Chakotay hervor, als er eintrat. Kathryn bekam gar kein Wort mehr heraus.
Der Warpkern, sämtliche Konsolen, die Wände und auch einige Crewmitglieder waren über und über mit bunten Farbtupfern bedeckt. In der Mitte standen mit hängenden Köpfen Tom Paris und Neelix.
Kathryn konnte die beiden nur anstarren während ihr Gehirn immer noch versuchte das zu verarbeiten und in einigermaßen klare Bilder zu verwandeln, was ihre Augen wahrnahmen.
B'Elanna stand mit verschränkten Armen vor Tom und ihr Fuß tappte in einem gleichmäßig wütenden Rhythmus auf den Boden.
Schließlich hatte Kathryn's Gehirn wieder auf 'Normalmodus' geschaltet und sie fauchte wütend: "Mr. Paris, Mr. Neelix, ich verlange SOFORT eine Erklärung hierfür!"
Tom schaute verlegen nach unten und brachte dann leise hervor: "Naja Ma'am, das kam so... Neelix und ich waren gerade bei den Aufräumarbeiten auf dem Holodeck und irgendwann war uns nach einer kleinen Pause. Also habe ich Neelix vorgeschlagen, eine Runde Paintball zu spielen, was wir dann auch getan haben. Die Waffen hatte ich ja noch im Quartier. Als wir dann fertig waren sind wir mit den Resten des Artefakts auf dem Weg zur Entsorgunsstation am Maschinenraum vorbeigekommen und irgendwie... naja... irgendwie schien das Teil doch noch nicht so ganz zerstört gewesen zu sein. Neelix hat sich an einem Splitter verletzt und dann weiß ich nur noch, daß ich in einem ziemlich bunten Maschinenraum wieder zu mir gekommen bin."
Kathryn schaute Chakotay verzweifelt und hilfesuchend an, doch dieser zuckte nur die Achseln.
"Das reicht. Ich werde jetzt sofort eine Woche Urlaub machen. Commander, kommen Sie mit?"
Chakotay schaute sie einen Moment perplex an, nickte dann aber freudestrahlend.
"B'Elanna, sagen Sie Tuvok einen schönen Gruß von uns, wir möchten absolut nicht gestört werden, er hat solange das Kommando. Wenn der Commander und ich wieder zurück sind, dann möchte ich ein blitzblank geputztes und sauberes Schiff vorfinden. Ist das klar, meine Herren?"
Der letzte Teil ging eindeutig an Tom und Neelix.
Kathryn und Chakotay entfernten sich schnell unter den Augen einer sprachlosen Chefingenieurin, einem verdatterten Koch und einem sich bereits händereibenden Piloten (er hatte natürlich sofort die beiden Führungsoffiziere durchschaut und begann Heiratspläne zu schmieden) aus dem Maschinenraum.
"Wehe, ich finde nur einen einzigen Farbklecks", hörten sie Janeways Stimme noch, bevor sich die Türen hinter ihr schlossen.
"Jetzt ist der Captain offenbar befallen", meinte B'Elanna kopfschüttelnd und verdonnerte dann die beiden Paintballer zum Putzen.

Eine Woche später waren Kathryn und Chakotay bereit, wieder das Holodeck zu verlassen. Sie hatten sich einen Replikator auf das Holodeck beamen lassen am ersten Tag und hatten so eine ganze Woche lang Tag und Nacht hier sein können.
Hinter ihnen lag eine Kreuzfahrt mit anschließendem Aufenthalt auf einer kleinen, einsamen Insel mit allem erdenklichen Luxus.
"Ach Chakotay, das war herrlich. Am liebsten würde ich gar nicht mehr hier raus", meinte sie lächelnd und gab ihm noch eine Kuß.
"Der Spontanurlaub war so schon eine verrückte Idee, wer weiß, ob Tuvok uns nicht schon längst des Kommandos enthoben hat", antwortete er schmunzelnd.
"Und wehe ihm, wenn er nicht dafür gesorgt hat, daß mein Schiff ordentlich aussieht", fügte Kathryn noch hinzu ohne wirklich dabei auch Chakotays bemerkung einzugehen.
Sie hatte sich gerade wieder ihre Uniformjacke angezogen und jetzt waren beide wirklich bereit wieder ihren Pflichten nachzukommen.
"Computer, Programm beenden."
Die Südsee, der feine Sand und die Unterkunft verschwand und beide standen statt dessen wieder auf dem kahlen Holodeck.
"Also dann...", sagte Kathryn und trat auf die Tür zu. Diese öffnete sich und sie stoppte mitten in der Bewegung. Tausende von Blütenblättern säumten den Boden, an der Wand hing ein Plakat auf dem stand: "Wehe, es gibt jetzt keine Hochzeit!"
Kathryn schaute Chakotay an, er schaute sie an. Ihre Wangenmuskeln zuckten gefährlich, während sich Chakotay ein Lachen verkneifen mußte.
"MR. PAAAAAAAAAAAAAAAAAAAARIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIS!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!" ertönte Kathryns langgezogener Schrei durch das Schiff.
Auf der Brücke zuckte Tom kurz zusammen, dachte bei sich: Uh oh, vielleicht waren das doch zu viele Blüten?
Dann drehte er sich zu Harry um, zwinkerte kurz und meinte nur: "Das war's mir wert", und arbeitete dann weiter an den Kontrollen.

ENDE