Author: Kiernan2904
Etwas kitzelte mich an der Wange. Gedankenverloren hob ich eine Hand und versuchte, dieses Etwas wegzustreichen. Ich spürte, daß es ein langer Grashalm war. Ein lauer Wind strich über mich hinweg. Die Sonne schickte ihre warmen Strahlen auf mich herunter. Langsam öffnete ich die Augen. Ich lag auf einer grünen Wiese, um mich herum nur Gras und Weizenfelder, soweit mein Auge sehen konnte. In der Ferne ragte ein Berg majestätisch in die Höhe.
Langsam stand ich auf und sah mich genauer um.
*Zu Hause! Endlich!* Ich blickte mich noch einmal um und ging dann los, in Richtung Berg. Schmetterlinge tanzten um mich herum, Vögel sangen, einzelnde Kaninchen saßen im hohen Gras und betrachteten mich.
*Seltsam, sie scheinen gar keine Angst vor mir zu haben*, dachte ich und spazierte weiter. Es war herrlich, einfach durch die Welt zu laufen, ohne sich Gedanken machen zu müssen. Über die Crew, über die Vorräte oder über mögliche Angriffe von Aliens.
Ich blickte wieder in Richtung Berg. Er war noch nicht viel näher gekommen. Ich beeilte mich ein wenig, um vor der Dunkelheit zu Hause zu sein.
*Zu Hause!* Ich konnte es noch immer nicht glauben, dass wir es nach Hause geschafft hatten.
Der Wind wurde kräftiger, ich hätte doch eine Jacke mitnehmen sollen! Jetzt wurde es doch kühl in dem dünnen Sommerkleid. Es war so schön gewesen als ich losging. So lange wollte ich gar nicht weg bleiben. Aber dann war da eben diese Wiese. Sie zog mich magisch an. Nur kurz ausruhen, die Seele baumeln lassen. Alles war so beruhigend, dabei mußte ich eingeschlafen sein.
Der Himmel verdunkelte sich, mittlerweile rannte ich. Und dann, plötzlich war das Gewitter da. Es regnete wie aus Eimern. Von einer Sekunde zur anderen war ich bis auf die Haut durchnäßt. Ich lief und lief. Der Berg war nicht mehr zu sehen. Wie sollte ich jetzt die Richtung bestimmen? In der Nähe war doch irgendwo eine verlassene Hütte.
*Wo ist sie nur? Sie war doch früher immer hier?* Ich fror. Vor mir tauchte ein dunkler Schatten auf. *Die Hütte! Gott sei dank!*
Die Tür war nicht verschlossen. Ich ging hinein. Mir war so kalt. Die Hütte hatte nur zwei kleine Räume. Ein Wohnzimmer mit Kamin, Schrank, Tisch und Bank und ein Schlafzimmer mit nichts weiter als einem Bett. Auf diesem Bett lagen einige staubige Decken. Eine davon legte ich mir um die Schulter.
*Schon besser!* Neben dem Kamin im Wohnzimmer war genug Holz aufgestapelt, um einen ganzen Winter lang nicht frieren zu müssen. doch ich suchte vergeblich nach Streichhölzern oder einem Feuerzeug. Mein erster Griff war Richtung Phaser gewesen, doch den hatte ich ja gar nicht mit. Wollte ich doch eigentlich nur einen Spaziergang machen.
*Chakotay hätte jetzt bestimmt eine Lösung gehabt! Er kennt sich mit sowas aus.* Aber ich war allein. Also ging ich zurück in das Schlafzimmer, schnappte mir die restlichen Decken und machte es mir auf dem Bett so gemütlich wie nur irgend möglich.
Draußen blitzte und donnerte es immer noch. Der Regen rauschte auf das Dach der Hütte herunter. *Wenigstens bin ich hier im Trocknen!* war mein letzter Gedanke, bevor ich zitternd vor Kälte einschlief.

Ich räkelte mich. Was hatte ich geträumt? Ich konnte mich nicht mehr erinnern. Ich atmete tief ein. Was war das? Dieser Geruch!
*Kaffee* schoss es mir in den Sinn. Ich öffnete die Augen. Wo war ich? Das war nicht mein Zimmer! Langsam erinnerte ich mich wieder an das Gewitter, den Regen und die rettende Hütte. Doch woher kam der Geruch von Kaffee? Ich setzte mich auf. Dann hörte ich ein Klappern im Wohnzimmer.
Ich sprang aus dem Bett und schaute vorsichtig ins Wohnzimmer.
"Guten Morgen, junge Frau! Endlich ausgeschlafen?" Vor mir stand eine alte Frau, mit einer Pfanne in der Hand. In dieser Pfanne waren Bratkartoffeln. Ich antwortete: "Guten Morgen. Tut mir Leid, dass ich in ihrer Hütte übernachtet habe, aber das Gewitter gestern...."
"Aber das macht doch nichts, Kindchen! Komm her und iß etwas."
*Kindchen. Warum nennt mich diese Frau Kindchen? Immerhin bin ich mittlerweile fast fünfzig!* Ich mußte lächeln. " Ich dachte, die Hütte stünde leer. Hätte ich gewußt, dass Sie hier wohnen, wäre ich nie auf die Idee gekommen, hier einfach einzudringen! Ich heiße übrigens Kathryn!"
Die Frau nahm meine ausgestreckte Hand. "Freut mich Kathryn. Und ich heiße Selima!" Mit diesen Worten zog sie mich an den Tisch und bat mich, doch mit ihr zu Frühstücken.
Ich nahm dankend an, spürte ich doch, dass mein Magen seit Stunden nichts mehr zu tun gehabt hatte. Ich nahm den ersten Bissen. Doch was war das? Die Bratkartoffeln waren gar keine Bratkartoffeln. Oder doch?
Sie sahen so aus, aber sie schmeckten nach...Kaffee! *Kaffee? Dann habe ich eben also die Bratkartoffeln gerochen? Das kann doch nicht sein!!!?*
Auch das Glas Milch, welches Selima mir anbot, schmeckte irgendwie nach Kaffee.
*Vielleicht habe ich meinen Kaffeekonsum doch ein wenig übertrieben. Der Doctor hat mich immer gewarnt! Aber ich wollte ja nicht auf ihn hören. Und jetzt schmeckt Alles nach Kaffee! Naja, ich könnte mir was Schlimmeres vorstellen. Kaffee ist schließlich mein Leben!*
Ich versuchte, mir nichts anmerken zu lassen und dankte Selima überschwenglich für das Frühstück. Doch als ich sagte, das ich jetzt nach Hause müsse, sagte sie: "Nein Kathryn! So lasse ich dich nicht gehen! Geh hinter die Hütte, dort steht eine alte Badewanne. Bade in aller Ruhe, in der Zwischenzeit werde ich ein schönes Mittagessen für dich zaubern!"
*Warum nicht? Zu Hause wartet niemand auf mich. Dort bin ich allein. Und diese alte Frau, Selima, freut sich über ein bißchen Gesellschaft!*

Das Bad in der Wanne war herrlich! Es weckte Erinnerungen an New Earth. Damals hatte Chakotay mir eine ähnliche Wanne gebaut! Doch irgendetwas störte mich an dieser Wanne. Was war es nur?
*Oh, nein! Kaffee!! Nicht schon wieder!* Sogar das Wasser in der Wanne roch nach Kaffee! Selima hatte mein Sommerkleid mit in die Hütte genommen. Und dafür einen ganzen Stapel Handtücher gebracht.
Nachdem sich meine Haut an den Händen schon fast auflöste, raffte ich mich dann doch auf und stieg aus meinem Kaffeewasser. Ich schnappte mir eins der Handtücher. Sie rochen nach... Kaffee!
*Das kann nicht wahr sein!* Ich wickelte mir eins der Kaffeetücher um den Körper und ging ins Wohnzimmer. Selima lächelte mich an und gab mir mein Sommerkleid gereinigt zurück. Ich verschwand ins Schlafzimmer, um mich anzuziehen. Mein Kleid war sauber, trocken und roch nach...
*Nicht schon wieder Kaffee!!! Ich will es nicht mehr Riechen!* Ich versuchte, nur noch durch den Mund zu atmen, denn überall hing der Duft von frisch gebrühtem Kaffee in der Luft. Als ich ins andere Zimmer ging, stand das Essen schon auf dem Tisch. Es sah äußerst lecker aus. Was hatte Selima da alles gezaubert? Der Tisch stand voll mit Hähnchen, Reis, Nudeln, verschiedenen Salaten und einem Korb mit frischem Obst.
"Selima! Das kann ich doch nie wieder gutmachen! So viele Sachen! Eins sieht leckerer aus als das andere! Danke!" Doch Selima winkte ab und bot mir einen Platz an.
" Iß, Kindchen! Iß!" Also fing ich an zu Essen. Ich nahm mir ein wenig von allem. Probierte und hätte es am Liebsten wieder ausgespuckt. Aber das konnte ich Selima wirklich nicht antun. Sie hatte sich so viel Mühe gegeben! Sie konnte ja nicht ahnen, dass für mich alles nach Kaffee schmeckte! Eine Karaffe mit Wasser stand auf dem Tisch. Ich goß mir etwas ein. Dann nahm ich einen Schluck um diesen Kaffeegeschmack wieder los zu werden. Aber Fehlanzeige! Sogar das Wasser schmeckte nach Kaffee! Ich spürte, wie mir Tränen in die Augen stiegen.
*Das kann doch alles nicht wahr sein! Wie soll ich so weiter leben? Immer den Geruch von Kaffee in der Nase und sobald ich etwas esse, auch den Geschmack von Kaffee.* Ich unterdrückte die aufsteigenden Tränen der Hilflosigkeit und versuchte, mir nichts anmerken zu lassen. Zum Nachtisch nahm ich mir noch einen der Äpfel aus dem Korb. *Esse ich eben jetzt einen Kaffee-Apfel!*
Ich blickte durch das Fenster nach draußen. Es hatte wieder angefangen zu regnen. Selima folgte meinem Blick.
"Mach dir keine Sorgen Kathryn. Du kannst noch eine Nacht bei mir bleiben." Ich dankte Selima dafür und ging dann ins Schlafzimmer. Ich wollte nur noch schlafen. Und nichts mehr von Kaffee riechen, schmecken oder sehen. Ich kuschelte mich in meine Decken. Auch sie rochen nach....Jetzt konnte ich die Tränen nicht mehr aufhalten. Sie liefen mir über das ganze Gesicht. Meine Haut war von Tränen benetzt. Ich weinte mich in den Schlaf.

Ich schreckte auf und sah mich um. Ich war auf der Voyager! In meinem Bereitschaftsraum. Vor mir auf dem Tisch lagen einige Padds. Meine Uniform war voll Kaffee! Und meine Kaffeetasse lag auf meinem Schoß. Ich erinnerte mich. Ich wollte noch einige Berichte durchgehen und um dabei nicht einzuschlafen, hatte ich mir eine Tasse Kaffee repliziert. Und mit eben dieser Tasse Kaffee in der Hand mußte ich dann eingeschlafen sein.
*Ich habe nur geträumt! Es gibt gar keine Selima!* Schoss es mir durch den Kopf. Kein Wunder, das alles nach Kaffee roch. Ich sah ja selbst fast aus wie Kaffee und roch auch danach. Um diesen Geruch loszuwerden, machte ich mich auf den Weg in mein Bad.
Nach dem Bad in Seifenwasser, welches nach Rosmarin duftete, ging ich zum Replikator: "Computer!.....Wasser....klar.....kalt....

*ENDE*