Autor: Brianna
Rating: PG
Inhalt: Ein Sprung ins Meer und seine Folgen
Kategorie: Romantik
Disclaimer: Wie jeder schon weiß, Paramount usw.
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"Sind Sie sicher, daß es keine Lebensformen auf diesem Planeten gibt?"
Harry Kim ließ erneut seine Finger über seine Station gleiten.
"Nein Captain..." Dann bemerkte Harry seinen Fehler und korrigierte sich schnell.
"Ich meine, ja Captain. Ich bin mir sicher. Es gibt zwar eine üppige Vegetation, aber keinerlei Lebensformen. Weder humanoid, noch Alien, noch tierisch."
"Wie sieht es mit dem Dilithiumvorkommen aus?"
Captain Kathryn Janeway freute sich innerlich. Monatelang waren sie durch einen Teil des Quadranten geflogen, der als die "Leere" bekannt war. Selbst Neelix, der sich in diesem Teil recht gut auskannte, war nicht bekannt gewesen, wie lang sich die "Leere" wirklich erstreckte.
Die Moral der Crew hatte sehr stark gelitten. Aber das war auch kein Wunder. Für fast 5 Monate passierte nichts. Keine Planeten, keine fremden Schiffe, selbst die Kazon, die sie sich seit Ankunft im Deltaquadranten zum Feind gemacht hatten, ließen sich hier nicht blicken.
Je länger die Voyager sich in der "Leere" befand, um so öfter gerieten die Crewmitglieder aneinander. Sogar Tuvok, der es sonst so fabelhaft verstand, seine Emotionen nicht zu zeigen, wirkte in den letzten Wochen äußerst gereizt. Und immer noch war kein Ende in Sicht.
Das Holodeck war bis zum Äußersten ausgebucht. Jeder versuchte, dort auf irgendeine Weise zu entspannen. B'Elanna Torres und Harry Kim hatten mit Erlaubnis des Captains ein weiteres Holodeck errichtet, aber selbst damit reichten die Kapazitäten kaum aus. Zu allem Überfluß nahmen dann auch noch die Dilithiumvorräte rapide ab. Wenn es so weiterging, dann würden sie nur noch ca. 3 Wochen weiter fliegen können.
Doch dann, nach 2 Wochen und 5 Tagen meldete sich Harry Kim von seiner Station.
Captain Janeway hatte wie immer ihre Zeit in ihrem Bereitschaftsraum verbracht. Nachdem die Stimmung der Crew immer mehr auf den Nullpunkt sank, fühlte sie sich nicht mehr wohl auf der Brücke. Sie konnte es nicht mit ansehen, wie schlecht jeder gelaunt war. Und sie gab sich die Schuld. Wie jedes Mal, wenn etwas nicht so lief, wie es sollte. Dann verzog sie sich in den Bereitschaftsraum und dachte nach. Darüber, was sie hätte anders machen können, damit sie nicht hier im Deltaquadranten gelandet wären. Darüber, was sie hätte anders machen können, damit sie nicht in diese spezielle Situation geraten wären. Aber wie immer kam sie nicht sehr weit mit ihren Gedanken.
Doch dieses Mal endete nicht sie selbst diese Gedanken, sondern Harry Kim, der freudestrahlend einen Planeten über den Kommunikator meldete.
"Ich habe den Planeten eingehend auf Dilithium gescannt. Auf der nördlichen Halbkugel gibt es ein reichhaltiges Vorkommen."
Kathryn Janeway drehte sich zu ihrem Ersten Offizier um, wobei sie kaum ein Strahlen unterdrücken konnte.
"Ich denke, dann werden wir uns diesen Planeten mal näher ansehen. Chakotay, stellen Sie Außenteams zusammen. Ich werde auf jeden Fall ein Außenteam anführen. Harry, scannen Sie weiterhin den Planeten auf Lebensformen. Ich möchte nicht auf unerwartete Probleme stoßen. Wenn der Planet tatsächlich unbewohnt ist, würde er sicher hervorragende Möglichkeiten für einen Landurlaub der Crew bieten!"
Dann verschwand sie wieder in ihren Bereitschaftsraum, während die einzelnen Mitglieder der Brückencrew schon mal anfingen, darüber nachzudenken, wie sie ihren Landurlaub am Besten verbringen könnten.

***

"Wollen Sie wirklich nicht ein paar Tage auf dem Planeten verbringen, Tuvok?"
Captain Janeway sah ihren Sicherheitsoffizier etwas verwirrt an.
"Ja, Captain. Ich bevorzuge es, hier auf der Voyager zu bleiben. Jetzt, wo der größte Teil der Crew auf Landurlaub ist, finde ich hier die notwendige Ruhe für Entspannungsübungen. Außerdem kann ich mir dann noch mal die Sicherheitssysteme vornehmen. Immerhin liegt mein letzter Sicherheitsbericht schon mehr als 4 Monate zurück."
Tuvok verzog keine Miene. Aber Captain Janeway kannte ihn nur zu gut. Er meinte, was er sagte. Und sie wußte auch, daß er sich tatsächlich auch hier auf der Voyager von den Strapazen der letzten Monate gut erholen konnte.
Also verabschiedete sie sich von ihm und überließ ihm mit gutem Herzen die Voyager. Sie begab sich in ihr Quartier, um ein paar Sachen zusammenzupacken, dann ließ sie sich auf den Planeten herunterbeamen.

***

Tom, B'Elanna und Harry hatten sich einen Strand ausgesucht, wo sie ihre paar Tage Freizeit verbringen wollten. Tom hatte nicht lange überlegen müssen, als Harry ihm verkündet hatte, was er sich als Ziel auserkoren hatte. B'Elanna konnte sich nicht sofort entscheiden. Zwar klang es ganz vielversprechend, Landurlaub am Strand zu verbringen, aber andererseits hatte sie auch nicht sehr viel Lust, die ganze Zeit mit Tom zu verbringen. Er ging ihr in letzter Zeit irgendwie auf die Nerven. Sie konnte nicht mal sagen, woran es lag, daß sie sich ständig stritten. Vielleicht lag es ja auch nur an der "Leere", schließlich waren alle an Board gereizt. Vielleicht sollte sie wirklich einfach nur die freie Zeit genießen.
Harry und B'Elanna dachten erst mal praktisch und zogen los, um Feuerholz zu sammeln. Tom dachte gar nicht daran, ihnen zu helfen. Schließlich hatte er jetzt seine wohlverdiente und lang ersehnte Freizeit. Und warum überhaupt Feuerholz sammeln! Sie lebten ja schließlich nicht mehr im 20. Jahrhundert!
Tom stürzte sich in die Fluten. Das Wasser war herrlich warm und es gab keine große Strömung, gegen die er anschwimmen mußte.
"Tom ist wie ein kleines Kind", sagte B'Elanna etwas gereizt zu Harry, als sie durch den in Strandnähe gelegenen Wald gingen. "Er hätte uns wirklich erst mal helfen können!" Harry lächelte zurück. "Ach B'Elanna, laß ihn doch. Du weißt, wie er ist. Und außerdem reicht es wirklich, wenn wir beide nur losziehen."
"Ja, ich weiß, wie er ist", fauchte B'Elanna zurück. "Und gerade das ist es, was mich jedes Mal so aufregt. Kann er sich nicht einmal vernünftig benehmen?"
"Nein, das kann er nicht. Und ich glaube, das wird er auch nie können. Aber ganz ehrlich, wir würden doch viel verpassen, wenn er 'normal' wäre! Laß ihn doch. Genieße deine Freizeit. Wer weiß, was in nächster Zeit noch so auf uns zukommen wird."
B'Elanna hatte keine Lust darauf zu antworten. Im Grunde genommen hatte Harry ja recht. Aber sie war nicht in der Stimmung, sich zu beruhigen. Und so schwieg sie den Rest des Weges und grummelte statt dessen die ganze Zeit vor sich hin.

***

Chakotay wanderte einen Weg entlang, der sich durch einen Wald schlängelte, der einem Tannenwald auf der Erde am ähnlichsten kam. Er genoß die Ruhe und Einsamkeit dieses Waldes.
'Irgendwie fehlen ein paar Vögel oder andere Tiere', dachte er, aber er beklagte sich nicht.
Die letzten paar Monate auf der Voyager waren sehr anstrengend gewesen. Die "Leere" hatte jeden gereizt und aggressiv werden lassen, ihn selbst einbezogen. Jetzt hatte er endlich den nötigen Frieden, um wieder zu sich selbst zu finden.
Dennoch fühlte er sich noch nicht richtig wohl. Etwas fehlte ihm, oder besser gesagt, jemand fehlte ihm.
Kathryn!
Wie gerne wäre er jetzt mit ihr durch den Wald spaziert. Hätte mit ihr die Natur genossen. Seinen Arm um sie gelegt und sie sanft an sich gedrückt. Aber leider ließ sie es ja nicht zu, daß er sich ihr nähern durfte. Sobald er irgendwelche Anstalten machte, blockte sie sofort ab. Verkroch sich hinter ihrer Rolle als Captain der Voyager und ihre Regeln und Vorschriften.
Chakotay konnte es einfach nicht verstehen, daß Kathryn es nicht einsehen konnte, daß sie hier weit entfernt von der Sternenflotte im Deltaquadranten waren, und daß somit auch die Vorschriften weit entfernt waren. Sollten sie es jemals schaffen, wieder zur Erde zurückzukehren, dann könnten sie sich immer noch Gedanken darüber machen, wie sie die Situation erklären könnten.
Und wer sagte denn, daß es überhaupt etwas zu erklären gäbe. Wären sie denn solch ein schlechtes Vorbild für die Crew? Würden sie sich in ihrer Beziehung denn soweit gehen lassen, daß sie ganz und gar den Dienst und ihre Vorbildfunktion vernachlässigen würden? Er zumindest konnte sich das nicht vorstellen.
Er dachte an die Zeit zurück, als sie auf New Earth gestrandet waren. Er war ihr da so verdammt nahe gekommen. Mit etwas mehr Zeit hätte eine Beziehung zwischen ihnen beiden entstehen können. Innerlich verfluchte er Tuvok und den Rest der Crew, daß sie gerettet wurden. Aber andererseits konnte er ja auch ihre Absichten verstehen. Wäre er in der Situation gewesen, er hätte genauso gehandelt. 'Nun ja, New Earth ist vorbei, das kann man nicht mehr ändern', sagte er zu sich selbst und wanderte weiter. Laut seinem Tricorder sollte es in 200 Metern Entfernung eine Lichtung geben, aber er konnte sie nicht erkennen. Vor ihm wurde der Weg immer schmaler und schien in einem undurchdringbaren Dickicht zu enden.
Chakotay ließ sich aber nicht entmutigen. Er beschloß, sich das Dickicht erst mal in Ruhe anzusehen. Vielleicht gab es ja einen Weg herum. Und wenn nicht, mußte er den Weg wieder zurückgehen. So weit war es nun auch wieder nicht bis zu seinem Ausgangspunkt.

***

Neelix und Kes verbrachten ihren ersten Tag des Landurlaubes an Board der Voyager. Sie hatten Naomi Wildman versprochen, auf sie zu warten. Naomi war während des Fluges durch die "Leere" krank geworden. Der Doktor hatte aber gesagt, daß sie bald schon wieder auf den Beinen wäre. Und als Kes ihn dann gefragt hatte, ob sie Naomi mit zu dem Landausflug nehmen dürfte, da konnte er nicht anders, als ihr zu erlauben, sie mitzunehmen.
"Naomi ist aber noch nicht ganz gesund. Sie muß weiterhin ihre Medizin nehmen, und sie darf sich auf keinem Fall anstrengen."
"Aber natürlich Doktor. Sie können sich darauf verlassen, daß sie bei mir in den besten Händen ist. Ich werde zusehen, daß sie sich ganz erholt."
"Das will ich auch hoffen, Kes!"
Kes lächelte den Doktor nur an. Inzwischen wußte sie, daß er es nur gut meinte, und daß seine zumeist schroffe Art nicht wirklich so gemeint war. Schließlich war er nur ein Hologramm, der oftmals nicht den richtigen Umgangston fand. Im Grunde genommen war er aber herzensgut, und das hatte Kes sehr schnell erkannt.
Jetzt verließ sie die Krankenstation, um Naomi die guten Nachrichten zu bringen. Sie würde sich bestimmt riesig freuen, deshalb wollte Kes auch nicht lange damit warten.
Anschließend war sie mit Neelix verabredet. Er hatte von einer Überraschung gesprochen. Sie liebte Neelix's Überraschungen. Überhaupt liebte sie alles an Neelix, besonders aber seine liebenswürdige Art und die wundervolle Art und Weise, wie er sie behandelte. Sie bereute es keine Sekunde lang, ihm auf die Voyager gefolgt zu sein. Auch wenn das bedeutete, daß sie wohl nie wieder jemanden des Ocampa-Volkes wiedersehen würde.

***

Captain Janeway hatte sich auch an den Strand herunterbeamen lassen, wo Tom Paris gerade voller Elan in die Fluten sprang. Sie hatte sich jedoch einen Teil ausgesucht, der einige hundert Meter weiter entfernt lag.
Sie hatte zufällig mitbekommen, welches Ziel sich Tom, B'Elanna und Harry ausgesucht hatten. Ihr hatte die Idee gefallen, am Strand zu liegen und die Seele baumeln zu lassen. Nur wollte sie ihre Zeit lieber für sich alleine verbringen.
Sie war versucht gewesen, Chakotay zu fragen, ob er sie begleiten wollte. Aber dann erschien ihr diese Frage doch als zu intim. Sie konnte nicht ihren Landurlaub alleine an einem Strand mit ihrem Ersten Offizier verbringen. Das verboten ihr die Vorschriften. Aber dennoch, das Gefühl war da. Das Gefühl, daß sie zu Chakotay hinzog. Das Gefühl, was sie jedoch immer wieder unterdrückte.
Sie schlug ihr Lager am Rande eines dichten Unterholzes auf. Dahinter erstreckte sich ein Tannenwald, dessen Ende sie nicht abschätzen konnte. Sie breitete eine Decke aus, stellte einen Stuhl daneben und holte ein Buch heraus.
'Wie lange schon habe ich nicht mehr gelesen?', fragte sie sich. Dann setzte sie sich in den Stuhl und schlug die erste Seite auf. Es dauerte nicht lange, und sie war völlig vom Inhalt des Buches gefangen.

***

Es führte kein Weg um das Dickicht herum. Also beschloß Chakotay, den Weg wieder zurück zu gehen. Er erinnerte sich an eine Abzweigung, die er kurz vorher passiert hatte. 'Vielleicht führt der Weg ja weiter', dachte er.
Er bog bei der Abzweigung ab. Nach ca. einer halben Stunde blieb er stehen. Er lauschte angestrengt, aber er hatte sich nicht getäuscht. In der Ferne konnte er eindeutig Meeresrauschen hören. Die Sonne stand hoch am Himmel und es war sehr warm geworden.
'Ein Bad im Meer wäre jetzt genau das Richtige', sagte er zu sich selber.
Angespornt von dem Gedanken, schon bald ins kühle Naß springen zu können, beschleunigte er seinen Schritt und hatte schon bald den Waldrand erreicht.
Als er am Strand angelangt war, sah er, daß schon jemand anderes diesen Platz in Beschlag genommen hatte. Nur wenige Meter von ihm entfernt stand ein Stuhl und lag ein Handtuch im Sand.
Chakotay konnte nicht erkennen, wer in dem Stuhl saß. Er überlegte kurz, ob er in der Stimmung war, ein anderes Crewmitglied zu treffen. Aber eigentlich brauchte er ja nur kurz hallo zu sagen, dann könnte er sich sein eigenes Fleckchen Strand zum Entspannen suchen.
Also ging er zum Stuhl herüber.

***

"Hier werden wir kein geeignetes Holz finden", sagte B'Elanna zu Harry. Sie hatten sich gerade nur ein kleines Stück von Tom entfernt, aber hier erschien es aussichtslos zu sein.
"Vielleicht versuchen wir es dort drüben." Harry zeigte auf eine Stelle, wo sich der Wald dem Meer auf nur 5 Meter näherte.
"Das sieht dort doch sehr vielversprechend aus."
Beide machten sich auf den Weg. B'Elanna hatte immer noch schlechte Laune, was der Umstand, daß sie sich jetzt noch weiter entfernen mußten, nicht gerade verbesserte. Aber es hatte keinen Zweck, die schlechte Laune an Harry auszulassen. Er konnte nun wirklich nichts dafür.
Kurze Zeit später hatten sie die Waldspitze erreicht. Und tatsächlich fanden sie dort endlich das geeignete Holz, um Feuer zu machen. Es dauerte auch nicht sehr lange, bis sie genug gesammelt hatten. Aber dann war Harry neugierig.
"Komm B'Elanna", sagte er zu seiner Begleiterin. "Laß uns doch eben mal sehen, was hinter diesem Waldstück liegt."
"Ich möchte aber lieber zurück. Ich möchte jetzt gerne auch baden gehen. Nimm doch deinen Tricorder, dann kannst du sehen, was es dort gibt."
Aber Harry ließ sich durch die schlechte Laune nicht von seinem Forscherinstinkt abhalten.
"Mein Tricorder liegt bei den anderen Sachen. Und außerdem möchte ich es viel lieber mit eigenen Augen sehen. Du kannst ja schon wieder zurückgehen."
Aber das ließ B'Elanna nicht zu. Sie legte das gerade gesammelte Holz wieder in den Sand und schloß zu Harry auf.
"Ok, ich komme mit. Aber nur mal kurz gucken, dann will ich wirklich baden gehen."

***

Captain Janeway hörte ein Knacken im Unterholz hinter ihr. Instinktiv griff sie an ihren Gürtel, wo sonst der Tricorder hing. Doch dann fiel ihr ein, daß sie ja die Uniform gegen ein bequemes und luftiges Sommerkleid eingetauscht hatte.
'Eigentlich sollte es hier doch keine Lebensformen geben', dachte sie und überlegte schnell, wie sie sich jetzt verhalten sollte. Aber dann fiel ihr ein, daß es ja auch ein Mitglied ihrer Crew sein könnte. Sie hatte zwar keine Lust, jetzt irgend jemanden zu treffen, aber das ließ sich nun wohl nicht mehr vermeiden.
Sie stand auf und drehte sich in die Richtung um, aus der sie das Geräusch vernommen hatte. Und ihr stockte der Atem.
Chakotay!
Er war die letzte Person, mit der sie in diesem Moment gerechnet hatte. Natürlich hatte sie kurz vor ihrem Aufbruch darüber nachgedacht, wie es wohl wäre, wenn Chakotay sie begleiten würde. Aber sie hatte diesen Gedanken ziemlich schnell wieder beiseite geschoben. Das war etwas, was niemals passieren würde, etwas was sie nie zulassen würde.
Aber dennoch stand er jetzt vor ihr. Sie fühlte sich auf einmal schüchtern. Sie wußte nicht, was sie zu ihm sagen sollte. Und sie hatte das unbestimmte Gefühl, daß genau dieser innere Konflikt ihr direkt ins Gesicht geschrieben stand.
Schnell schaute sie zu Boden und tat so, als ob sie ihr Kleid glattstreichen würde. Aber im gleichen Moment wußte sie auch, das Chakotay sie durchschauen würde.

***

Chakotay hatte tatsächlich mitbekommen, was in Kathryn vorging. Er begehrte sie nun schon für solch eine lange Zeit, daß er genau wußte, was los war. Daß sie sich von ihm angezogen fühlte, nur daß sie sich diese Gefühle nicht eingestehen mochte.
Um es ihr ein wenig leichter zu machen beschloß er, das Gespräch zu beginnen.
"Hallo Kathryn", rief er fröhlich. "Schön Sie zu sehen. Was machen Sie?"
Kathryn wirkte immer noch recht verlegen, aber es schien, als ob sie wirklich dankbar war, daß er die ersten Worte gesprochen hatte.
"Ich hatte es mir gerade mit einem Buch gemütlich gemacht. Was treibt Sie hierher?"
"Nun, ich habe jetzt anderthalb Stunden Spaziergang durch den Wald hinter mir. Die Pflanzenwelt auf diesem Planeten ist der Erde wirklich sehr ähnlich. Vorhin bin ich dann auf ein Hindernis gestoßen. Und bei dem Versuch, dieses Hindernis zu umgehen, bin ich dann hier gelandet."
Chakotay sah Kathryn kurz an, dann sprach er weiter.
"Aber wenn Sie lieber alleine sein möchten, dann suche ich mir einen anderen Platz, um mich im Meer abzukühlen."

***

'Er will hier schwimmen gehen', dachte Kathryn. 'Soll ich wirklich zu ihm sagen, daß er gehen soll? In Wirklichkeit möchte ich doch, daß er hier bleibt. Was soll ich tun?'

***

Und wieder spürte Chakotay Kathryns Unentschlossenheit. Er wurde aus dieser Frau wirklich nicht schlau. Was hinderte sie daran, auf ihre Gefühle zu hören? Und daß sie gewisse Gefühle für ihn hegte, das hatte er schon lange gespürt.
'Wenn sie sich doch nur nicht andauernd hinter ihren Vorschriften und Regeln verstecken würde', dachte er im Stillen. 'Aber vielleicht sollte ich ihr einfach die Entscheidung abnehmen'.
Und mit diesem Gedanken stellte er seinen Rucksack neben Kathryns Stuhl ab, entkleidete sich und rannte auf das Meer zu. Noch während des Laufens drehte er sich um. Er sah eine völlig perplexe Kathryn Janeway. 'Aber da muß sie jetzt durch!'
"Kommen Sie mit", rief er ihr zu, dann sprang er ins Wasser.

***

Kathryn war einfach viel zu sehr überrascht, als daß sie antworten oder überhaupt reagieren könnte. Erst tauchte Chakotay so einfach aus dem Nichts auf, und dabei hatte sie es doch gerade erst geschafft, ihn erfolgreich aus ihren Gedanken zu verbannen. Und dann zog er sich auch noch einfach vor ihren Augen splitterfasernackt aus und sprang so, wie Gott ihn geschaffen hatte, in die Fluten.
Kathryn wußte nicht, ob sie nur geschockt sein sollte, oder lieber angenehm überrascht. Ein Teil von ihr wollte wirklich am liebsten selber sich die Kleidung vom Leib reißen und Chakotay hinterher laufen. Aber dennoch siegte, wie immer, ihre Vernunft.
So blieb sie am Strand stehen, konnte es sich aber nicht verkneifen, Chakotay hinterher zu sehen.

***

Chakotay sprang in die Fluten. Das kühle Wasser war angenehm auf seiner Haut. Nach dem langen Spaziergang durch den Wald war er durchgeschwitzt gewesen. Eigentlich hatte er nicht vorgehabt, einfach nackt ins Wasser zu rennen. Aber dann war ihm diese Idee gekommen, um Kathryn endlich mal aus der Reserve zu locken.
Chakotay tauchte kurz ab, dann drehte er sich um, um zu sehen, ob Kathryn ihm folgte. Aber wie er schon fast erwartet hatte, stand sie immer noch am Strand.
"Kathryn, kommen Sie!", rief er ihr zu, aber sie bewegte sich nicht.
‚Was muß ich denn noch tun, damit sie sich endlich traut?'
Angestrengt dachte Chakotay nach. Daß er dabei Kathryn anstarrte, war ihm nicht bewußt.

***

Kes und Neelix verbrachten einen romantischen Tag miteinander. Normalerweise war Neelix tagsüber immer beschäftigt. Entweder war er in der Küche und zauberte mal wieder neue eigene Kreationen von Gerichten, die Spezialitäten auf den Heimatplaneten der einzelnen Crewmitglieder waren, oder er war in seiner zweiten Funktion als Moraloffizier der Voyager unterwegs.
Aber auch Kes war viel beschäftigt. Die Arbeit auf der Krankenstation und im hydroponischen Garten war nicht gerade wenig.
So genossen die beiden ihre Zweisamkeit.
Abends schaute Kes noch mal bei Naomi vorbei. Naomi ging es schon viel besser, und Kes war sich völlig sicher, daß der Landausflug ihr guttun würde.
Sie verabredeten sich für den nächsten Morgen, und Kes kehrte zurück in ihr Quartier.

***

‚Soll ich wirklich?', fragte Kathryn sich nun schon zum x-ten Male. Chakotay stand im Wasser und starrte sie an. Er wartete, daß sie sich endlich dazu entschloß, auch schwimmen zu gehen.
Und dann löste sich plötzlich der Knoten.
‚Was soll's? Was ist schon dabei, wenn ich ein bißchen schwimmen gehe? Ich brauche ihm dabei ja nicht näher zu kommen!'
Kathryn streifte sich ihr Kleid über die Schultern. Der BH und der Slip, die sie darunter trug, würden sich durchaus auch als Bikini eignen.
Im Gegensatz zu Chakotay, ging Kathryn langsam zum Wasser. Sie ließ die seichten Wellen sanft über ihre Zehen gleiten und spielte mit den Zehen im Sand.
Auf einmal fühlte sie sich wieder wie ein junges Mädchen. Die Wellen des Meeres umfingen sie wie ein Gefühl von Freiheit. Eine Freiheit, die sie schon lange nicht mehr gespürt hatte.
Aber bevor sie dieses Gefühl noch weiter auskosten konnte, hatte Chakotay sie auf einmal mit einem Schwall Wasser naß gespritzt.
Aus ihrem Traum aufgeschreckt, drehte Kathryn sich zu Chakotay um. Natürlich wollte sie sich an ihm rächen! Aber plötzlich stand er direkt vor ihr. Sie konnte seinen warmen Atem auf ihrem Gesicht spüren. Sie war sich seiner Männlichkeit überaus bewußt, und sie benötigte eine riesige Portion Selbstbeherrschung, um ihn nicht einfach hier und jetzt zu küssen.

***

‚Hatte ich mich nicht gerade noch gefragt, was ich tun muß, um sie aus ihrer Reserve zu locken?'
Chakotay stand direkt vor Kathryn, schaute in ihre Augen und wußte genau, was er jetzt zu tun hatte.
‚Egal, wie sie reagieren wird, aber ich muß es jetzt einfach versuchen!'
Und kaum hatte er den Gedanken zu Ende gebracht, zog er sie fest an sich und küßte sie.

***

B'Elanna und Harry kamen um die Waldspitze herum.
"Nun, hier geht der Strand weiter. Nichts Aufregendes. Laß uns zurückgehen."
B'Elanna war ungeduldig. Sie hatte nachgegeben, weil Harry ihr Freund war. Aber jetzt hatten sie gesehen, was sie wollten. Sie konnten endlich zu Tom zurückkehren.
"Warte noch einen Moment", rief Harry ihr zu. Dann zeigte er auf zwei Personen, die im Wasser standen und sich küßten.
"Das ist doch...", B'Elanna kam aus dem Staunen nicht mehr heraus.
"Ja, das sind...", aber auch Harry verschlug es gänzlich die Sprache.
Beide sahen auf ihre Führungsoffiziere, die sich leidenschaftlich im Meer küßten. Man hatte zwar schon gemunkelt, daß sich Chakotay und der Captain mehr als nur sympathisch fanden. Aber sie hätten niemals tatsächlich damit gerechnet, daß sich zwischen den beiden etwas entwickeln könnte.
"Komm, laß uns hier verschwinden und die beiden in Ruhe lassen", forderte B'Elanna Harry auf. Sie drehten sich noch einmal kurz zu den beiden Liebenden um, dann gingen sie zu Tom zurück.
"Tu mir einen Gefallen Harry, sag nichts zu Tom. Es muß ja nicht gleich jeder darüber Bescheid wissen. Sie werden uns sicherlich schon sagen, was los ist."
Harry nickte nur. Er war äußerst erstaunt, daß B'Elanna ihn darum bat. Für ihn war es selbstverständlich gewesen, nichts zu sagen.

***

"Ich..." Kathryn wußte nicht, was sie sagen sollte. Aber Chakotay ließ sie nichts sagen. Sanft legte er seinen Zeigefinger auf ihre Lippen.
"Du brauchst nichts zu sagen. Es ist alles ok."

***

Kes hatte Naomi von ihrem Quartier abgeholt. Dann gingen sie zusammen zum Transporterraum, wo Neelix schon auf sie wartete.
"Ah, da seid ihr ja endlich. Naomi, wie geht es dir?"
Naomi lächelte. Neelix war so etwas wie ein Onkel für sie. Sie mochte ihn sehr gerne.
"Mir geht es schon wieder viel besser", antwortete sie.
"Dann können wir ja jetzt los!" Neelix stellte die Koordinaten ein, sah dann aber, daß ein Transport zur Voyager gerade stattfand.
"Oh, wir müssen noch etwas warten. Da kommt gerade jemand an."
Gespannt schauten alle drei zur Plattform, um zu sehen, wer sich zur Voyager beamen ließ.
Nachdem sich zwei Personen entmaterialisierten, staunten Neelix, Kes und Naomi nicht schlecht.
Es waren Commander Chakotay und Captain Janeway. Und beide hielten sich an der Hand.
Kes und Neelix sahen sich erstaunt an, als sie die beiden so sahen.
'Ich wußte, daß die beiden es irgendwann noch mal schaffen werden', dachte sich Naomi nur.

*E N D E*