schwarz = Kathryn, blau = Christine

"Turbolift anhalten", sagte Chakotay und die Kabine stoppte.
Der erste Offizier der Voyager kam gerade von einem Besuch auf dem Holodeck, wo er wieder einmal Stunden verbracht hatte, um seinen Captain Kathryn Janeway die Möglichkeit geben zu können, den Captain für ein paar Stunden abzulegen und einfach nur Kathryn zu sein. Doch als er endlich fertig war und Kathryn mit der Einladung überraschte, sie hatte Dienstschluss und war in ihrem Quartier, bekam er einen Korb. Sie wollte den Abend lieber mit ihren Padds zusammen verbringen, als mit ihm. Die ganze Arbeit war umsonst. Verletzt und traurig hatte Chakotay das Programm gelöscht und war nun auf dem Weg in sein Quartier. Im Turbolift überkam ihn dann eine wütende Verzweiflung, dass er die Kabine stoppte und verärgert gegen die Turboliftwand schlug.
"Verdammt Kathryn", sagte er aufgebracht zu sich selbst. Er erlaubte sich diesen kleinen Gefühlsausbruch, doch dann straffte er die Schultern und sagte: "Turbolift, weiterfahren." Die Kabine setzte sich wieder in Bewegung und hielt auf Deck 3 wieder an. Chakotay ging geradewegs zu seinem Quartier, er würde jedenfalls nicht so schnell aufgeben.
Kathryn hatte aus einem bestimmten Grund abgesagt, sie hatte Angst. Angst davor, die Maske des Captains abzulegen und sie selbst zu sein. Insgeheim ärgerte sie sich darüber, doch konnte sie so einfach auch nicht aus ihrer Haut. Seufzend widmete sie sich den Padds.
"Es tut mir leid, Chakotay", flüsterte sie leise gegen die Padds.

Chakotay war derweil damit beschäftigt sich eine neue Strategie zu überlegen, wie er Kathryn aus ihrer Reserve locken konnte. Dann fiel ihm ein, dass sie früher regelmäßig Tennis gespielt hatte. Nun ja, ein wenig körperliche Ertüchtigung würde ihm sicher nicht schaden.
Am nächsten Morgen auf der Brücke kam er vor dem Captain zu seiner Schicht und schmuggelte ihr unbemerkt von der Brückencrew ein Padd auf ihren Sessel. Kathryn erschien pünktlich zu ihrer Schicht und wollte auf ihrem Sessel platz nehmen, als sie das Padd bemerkte. Fragend sah sie sich um. Doch niemand sagte etwas. Sie grinste ein wenig, dann las sie die Nachricht.
Tennis mit Chakotay, warum nicht, dachte sie und schaute nach links. Chakotay war bemüht einen Bericht zu lesen, doch seine Augen huschten immer wieder zu Kathryn hinüber. Kathryn beschloss, ihn zu erlösen.
"Sehr gerne Chakotay", sagte sie und lächelte ihn an.
Chakotay erwiderte ihr Lächeln, dann wanden sich beide ihrer Arbeit wieder zu.
Der Tag verlief ereignislos und nach Ende ihrer Schichten begaben sich beide in ihre Quartiere, um sich auf ihr Treffen auf dem Holodeck vorzubereiten. Chakotay replizierte sich eine kurze weiße Sporthose und ein weißes Poloshirt und begab sich dann zu Holodeck 2.
Kathryn zog sich ebenso in ihrem Quartier um, sie trug ein weißes Tenniskleid. Als sie sich auf den Weg zum Holodeck machen wollte, schalteten sich ihre verwirrenden Gefühle wieder ein und sie war kurz davor, Chakotay abzusagen. Sie schüttelte den Kopf und verließ ihr Quartier und machte sich ebenso auf den Weg zu Holodeck 2.

Chakotay bereute bald seine Idee für ein Tennismatch. Kathryn scheuchte ihn erbarmungslos über das Feld während sie selbst sich kaum bewegen mußte.
Irgendwann war er so fertig, dass er aufgab. Keuchend ließ er sich auf den Boden fallen und sagte: "Ich gebe auf, kein Tennis mehr!"
Kathryn mußte lachen. "Was denn Chakotay, so schnell machen Sie schlapp? Ich glaube, ich muß mit dem Doktor dringend mal über ihre Kondition reden."
Chakotay stöhnte. "Ich hätte es gleich wissen müssen, dass man sich mit Ihnen nicht messen kann", gab er freimütig zu.
Kathryn kam zu ihm herüber und streckte ihm ihre Hand entgegen um ihm aufzuhelfen. Chakotay nahm das Angebot an und stand dann immer noch ziemlich fertig neben seinem Captain.
"Hätten Sie noch Lust auf einen Kaffee in meinem Quartier?" fragte er hoffnungsvoll.
"Vielen Dank, bei Kaffee kann ich unmöglich ablehnen", sagte sie und beide verließen das Holodeck Richtung Chakotays Quartier.
In seinem Quartier angekommen, ließ er für sich einen Tee und für Kathryn einen Kaffee replizieren. Kathryn hatte mittlerweile auf dem Sofa Platz genommen. Dankbar nahm sie den Kaffee und trank ein paar Schlucke davon, dann lehnte sie sich zurück. "Das war eine wunderbare Idee Chakotay", meinte sie lächelnd zu Chakotay.
"Wie sind sie eigentlich auf die Idee mit dem Tennis gekommen?" fragte sie.
Chakotay lächelte sie sanft an. "Ich werde meine Quellen doch nicht verraten", erwiderte er und trank einen Schluck seines Tees. "Ich hoffe, dass es Ihnen gefallen hat."
"Allerdings, möchten Sie eine Revanche haben?" fragte sie mit einem koketten Wimpernschlag. "Sie wollten doch Ihre Kondition verbessern, wenn ich das richtig verstanden habe?" bei der letzten Frage konnte Sie sich ein Grinsen nicht verkneifen angesichts seiner fatalen Niederlage vorhin.
"Ich wäre aber auch bereit Ihnen in einer Sportart Ihrer Wahl gegenüberzutreten", bot sie großzügig an.
Chakotays Herz schlug ein wenig schneller bei ihrem Wimpernaufschlag. Bildete er es sich nur ein oder flirtete sie gerade ein wenig mit ihm? "Wie sie möchten", erwiderte er ihr.
Kathryn setzte lachend ihre Tasse ab. "Chakotay, so funktioniert das nicht", meinte sie. "Sie müssen schon sagen was Ihnen vorschwebt."
Chakotay trank den letzten Schluck seines Tees und stellte die Tasse ab. Auf seinen Lippen erschien ein leichtes Grinsen. "Erlauben Sie mir, Sie zu überraschen?", fragte er Kathryn.
"Dann bin ich schon gespannt. Vielen Dank für den Kaffee Commander. Ich werde dann wohl besser gehen. Wir sehen uns morgen." Damit stand Kathryn auf, verließ das Quartier und kehrte in ihr eigenes zurück. Wenig später lag sie in ihrer Badewanne umhüllt von dichtem Schaum. Ihre Muskeln lockerten sich in dem heißen Wasser und auf ihrer Haut prickelte die Hitze angenehm. Sie schloß die Augen und dachte an das Tennismatch zurück. Es freute sie, dass sie noch so gut in Form war, doch dann sprangen ihre Gedanken auf Chakotay. Das Tennis-Match war okay, aber hatte sie mit dem Besuch in seinem Quartier nicht wieder zu viel privates eingebracht? Hatte sie geflirtet? Hatte sie ihm wieder Hoffnungen gemacht? Oder war das kurze Beisammensein noch in der Norm gewesen? Seufzend dachte sie darüber nach ihre Aktivitäten mit Chakotay auf ein Minimum zu beschränken. Sie wollte ihm keine Hoffnungen machen wo der Captain in ihr keine zulassen konnte. Kathryn dachte da anders, aber hier war der Captain wichtig. Ihre Ausgeglichenheit verflog und Traurigkeit über das Tabu, mit Chakotay zusammen sein zu dürfen, ersetzte das vorherrschende Gefühl in ihr. Ein Kloß formte sich in ihrem Hals, aber so war das nun mal. Sie blieb noch eine Weile mit ihren trüben Gedankengängen in der Wanne, dann kühlte das Wasser ab und sie machte sich bettfertig. Chakotay räumte die Tassen zurück in den Replikator, dann duschte er sich ab und ging zu Bett. Lächelnd dachte er an den Abend mit Kathryn. Es war sehr schön für ihn, sie so gelöst zu sehen. Er hoffte, einen kleinen Fortschritt gemacht zu haben.
Am nächsten Morgen saß Kathryn bereits auf der Brücke als Chakotay herein kam.
"Guten Morgen Commander", begrüßte sie ihn recht neutral.
"Guten Morgen Captain", erwiderte er und setzte sich auf seinen Platz. Kathryn blickte nicht auf sondern war vertieft in ihre Kontrolltafel auf der Armlehne.
Nach einer Weile beugte sich Chakotay zu ihr herüber und wisperte: "Wie wäre es heute Abend mit einer sportlichen Revanche?"
Kathryn schaute immer noch nicht auf als sie meinte: "Ich fürchte, heute Abend habe ich Dienst Commander. Wir müssen das verschieben."
Chakotay war ein wenig verwundert darüber, dass sie ihn so gar nicht angesehen hatte und auch sonst kühler ihm gegenüber war als sie es zuvor war. Er widmete sich seinem Dienst, er hatte am Abend jedoch frei.
Nach seinem Dienst ging er in sein Quartier und kleidete sich in bequemere Kleidung, er aß ein wenig und begab sich dann auf das Holodeck, um seine sportliche Revanche vorzubereiten. Als er das Holodeck wieder verließ, lief er Seven in die Arme, die ihn zu einem gemeinsamen Abend einladen wollte. Er entschuldigte sich und flüchtete dann beinahe vor der ehemaligen Drohne in sein Quartier.

Kathryn hätte am Abend auch frei gehabt, aber angesichts des gestrigen Abends in Chakotays Quartier zog sie es vor, einfach auf der Brücke zu bleiben. Genug zu tun hatte sie schon. Und falls ihr doch langweilig werden sollte, konnte sie ja im Bereitschaftsraum wieder Tennisaufschläge üben. Mit einem Schmunzeln dachte sie daran, wie bei ihrem letzten Training Tuvok unverhofft zur Tür hereingekommen war und den Ball gerade noch auffing bevor er ihn an der Nase treffen konnte.
Als ihre Schicht eigentlich zu Ende war und Chakotay bereits die Brücke verlassen hatte, stellte sie fest, dass sie sogar sehr lange Aufschläge üben konnte. Unüblicherweise waren ihre ganzen Padds, die sich sonst immer auf ihrem Tisch stapelten, auf ein Minimum geschrumpft. Ein wenig ein schlechtes Gewissen hatte sie dann doch, aber sie sagte sich einfach vor, für die Ausrede mit dem Dienst gute Gründe gehabt zu haben.
Als sie eine Stunde überzogen hatte und fast ihre Lieblingstasse zerbrochen hätte, mußte sie sich wohl der Tatsache stellen, dass heute einfach einer dieser Tage war, wo es einfach wirklich nichts zu tun gab. In der Hoffnung, dass Chakotay es nicht unbedingt mitkriegen würde, verließ sie die Brücke und ging in ihr Quartier um ein Buch zu lesen.
Chakotay hatte es sich in seinem Quartier ebenso gemütlich gemacht und sich ein Buch geschnappt. Doch glitten seine Gedanken immer wieder zu Kathryn ab, so dass er das Lesen irgendwann aufgab und aus seinem Fenster starrte. Einerseits verstand er sie sehr gut, doch auf der anderen Seite tat es ihm weh, dass er schon wieder einen Korb bekommen hatte. Er fuhr sich durch die Haare und beschloss, zu Bett zu gehen. Mit solch trüben Gedanken konnte es kein schöner Abend werden. Er nahm eine Dusche und ging dann zu Bett.
Der nächste Tag sollte das genaue Gegenteil vom vergangenen werden für Kathryn. Im Maschinenraum gab es kleine technische Probleme bei denen sie half, Neelix hatte es zur Mittagszeit beinah geschafft die Küche abzubrennen als er ein hochprozentiges Gericht erproben wollte, Seven beanspruchte fast 2 Stunden ihrer Zeit um in der Astrometrie Verbesserungswünsche vorzutragen und zu guter letzt meinte ein ziemlich winziges Shuttle die Voyager angreifen zu müssen, weil der Pilot dachte, sie wollen ihm seine Trümmer abspenstig machen (sie flogen zu der Zeit gerade an einem Trümmerfeld vorbei, das aber absolut nichts verwertbares enthielt). Janeway mußte sich schon auf die Lippen beißen um nicht laut zu lachen, als ein quirliger, wüst schimpfender Zwerg auf dem Sichtschirm erschien, in seinem Sessel wie ein Gummiball auf und ab hüpfte und der Voyager mit Tod und Verdammnis drohte, wenn sie sich näher heranwagen würden. Janeway bewunderte schon fast seine Tollkühnheit, sein Schiff war für die Voyager kein Gegner. Seine Waffen hatte die Schilde nicht mal angekratzt und die Stabilisatoren des Schiffes waren kaum beansprucht worden, als sie den Folgen des Angriffs entgegenwirkten. Aber ganz diplomatisch hatte Janeway die Angelegenheit gemeistert und der Zwerg hatte sich als "Versöhnungsangebot" ein Fass Bier geben lassen. Zu dem Zweck mußte Kathryn auf Tom zurückgreifen, der die Beschreibung des Getränks des Zwerges als Bier auslegte. Nun war der Tag fast zu Ende, und ein Stapel Padds lag auf Kathryns Tisch.
Chakotay statte ihr einen Besuch in ihrem Raum ab und bot seine Hilfe an, doch sie lehnte ab.
"Captain", sagte Chakotay beharrlich, "Sie müssen das hier nicht alles allein abarbeiten. Haben Sie kein Vertrauen mehr in meine Fähigkeiten, Neelix' Erklärungen zu lesen warum die Küche fast abgebrannt wäre?" scherzte er.
Kathryn mußte unwillkürlich lachen und meinte dann: "Also gut, hier haben Sie die Hälfte." Sie nahm einen Stapel Padds und reichte sie Chakotay.
"Machen Sie es sich nur bequem. Kaffee?"
Chakotay sah auf den ihm überlassenen Stapel und nickt dann. "Aber bitte mit Mich und Zucker", fügte er grinsend hinzu und Kathryn schenkte ihm den Kaffee ein, während sie ihren wie üblich schwarz trank. "Was für ein Tag..", meinte sie nach einer Weile leise und Chakotay nickte zustimmend.
Er hatte es sich inzwischen bequem gemacht und sich durch einige der Padds gekämpft und mittlerweile 3 Tassen Kaffee mit Milch und Zucker intus. Auch Kathryns Stapel wurde immer weniger. Nachdem beide endlich das letzte Padd beiseite gelegt hatten, herrschte für einige Momente ein seltsames Schweigen.
"Was halten Sie von noch ein wenig sportlicher Entspannung auf dem Holodeck?", schlug Chakotay nach einer Weile vor. Kathryn wollte zuerst ablehnen, doch als sie sich erhob und ihre eingeschlafenen Muskeln bemerkte, erschien es ihr plötzlich doch als eine gute Idee. Chakotay erhob sich ebenso. Er führte sie zu Holodeck 2 und startete sein neustes Programm. Zusammen mit Kathryn fand er sich in einer Rollerdisco in den 1980 Jahren der Erde wieder. Grinsend hielt Chakotay Kathryn die Rollschuhe unter die Nase.

Kathryn sah ihn ziemlich verzweifelt an. "Chakotay... das ist doch kein Sport? Ich meine... das kann ich nicht!"
Kathryn sah sich die Irren auf der Bahn an, die Luftrollen vollführten, rückwärts fuhren oder auch teilweise normal.
Chakotay grinste. "Es ist sehr wohl ein Sport", erwiderte er und zog sich die Rollschuhe an. Er fuhr ein wenig vor ihr auf und ab. "Nun Sie", forderte er sie auf.
Kathryn zog die Stirn in Falten und blickte Chakotay finster an. Doch schließlich ergab sie sich ihrem Schicksal und zog die Rollschuhe an. Chakotay half ihr beim Aufstehen und hielt sie fest umschlungen an seinem Körper damit sie nicht hinfiel am Anfang. Er rollte mit ihr zum Geländer und in einer Ecke auf dem Parkett, wo kaum Betrieb war, ließ er sie los und gab ihr die Möglichkeit gleich erst einmal das Gleichgewicht zu verlieren und hinzufallen.
"Autsch", schimpfte Kathryn und versuchte aufzustehen. Leider erfolglos. Die Rollen hießen nicht umsonst "Rollen", denn sie rollten jedes mal munter drauf los, wenn Kathryn dachte, sie könnte es schaffen. Nach dem vierten Versuch und zahlreichen blauen Flecken blieb sie einfach sitzen.
Chakotay mußte sich mit Mühe das Lachen verkneifen, doch ganz gentlemenlike zeigte er ihr, wie sie mit dem Stopper, der vorn an jedem Schuh angebracht war, locker aufstehen konnte. Kathryn verwünschte ihre Idee, ihm gestattet zu haben, sich eine sportliche Revanche auszusuchen. Nach einer Weile jedoch hatte sie den Dreh ein wenig raus und die Unfallquote senkte sich. Schließlich meinte Chakotay, sie sei soweit und nahm sie bei der Hand. Kathryn zuckte vor der Berührung zurück, was bei Chakotay natürlich nicht unbemerkt blieb und seine Laune erheblich sinken ließ. Also hielt er sich einfach nur dicht hinter ihr, um sie im Falle auffangen zu können. Wie sich herausstellte, war das eine hervorragende Idee, denn als Kathryn gerade konzentriert in der Masse mitlief, meinte ein besonders cooler Teen sie zu schneiden und wilde Pirouetten zu drehen. Das Ergebnis war, dass Kathryn haltlos nach hinten fiel, direkt in Chakotays Arme.
Sein Gesicht war nur wenige Zentimeter von ihrem entfernt und seine Augen starrten ihn ihre.
Hilflos versuchte Kathryn, sich aus dieser für sie sehr peinlichen Situation zu befreien, doch gelang ihr dies nicht, weil sich die Rollen unter ihren Füßen immer wieder selbständig machen wollten. Mittlerweile wurde sie wütend und aufgebracht und Chakotay half ihr, sich wieder gerade und aufrecht hinzustellen.
Kathryn rollte wieder an die Bande und hielt sich dort krampfhaft fest. Innerlich verfluchte sie ihre Idee, doch irgendwie machte es ihr auch ein wenig Spaß, doch würde sie dies momentan unter keinen Umständen zugeben.

Chakotay merkte, dass in Kathryn Wut schwelte und langsam war er sich nicht mehr sicher, ob seine Idee so glanzvoll gewesen war. "Wenn Sie möchten können wir das auch beenden Kathryn", bot er an und wollte ihr helfen von der Bahn zu kommen.
"Nein, vielen Dank", sagte Kathryn gereizt. "Das war Ihre Wahl, und jetzt machen wir das auch."
Sie konzentrierte sich und rollte dann wieder los. Für Chakotay drohte der Abend inzwischen in eine Katastrophe abzuwandern. Er hatte sicher nicht vor Kathryn zu reizen. "Das war eine blöde Idee, Chakotay", murmelte er vor sich hin und lief seufzend Kathryn hinterher.
Kathryn schlug sich mittlerweile sehr tapfer und ihre Wut entschwand wieder. Sie rollte schneller und überholte einige der Mit-Skater, um hinter Chakotay zu rollen.
Nach einer Weile tippe Chakotay ihr auf die Schulter und deutete auf die Bande. Sie nickte und kam dort zum Stehen.
"Sie haben es ja jetzt richtig drauf, Captain", sagte er und versuchte in ihrem Gesicht zu erkennen, ob ihre Wut verraucht war.
"Allerdings, tut mir leid wenn ich vorhin etwas... überreagiert habe."
"Ich hätte Sie vorher fragen sollen", gab Chakotay zu. Dann deutete er auf die Bar und fragte: "Haben Sie Hunger?"
Kathryn nickte und folgte ihm zu einem Tisch, wo sie ihr Essen bestellten.
Chakotay bestellte für sich einen Tee und ein Sandwich, während sich Kathryn für ein Baguette und ihren Kaffee entschied.
"Sagen Sie mal, wie kamen Sie eigentlich auf diese Idee?", fragte sie Chakotay neugierig und gleichzeitig auch amüsiert.

"Tom hat mir das vorgeschlagen. Sie wissen ja, er findet das 20. Jahrhundert so toll und daher kommt das. Ich hatte ihn gefragt ob er eine Idee hätte."
"Vielleicht sollte ich Tom wieder mal ein wenig die Holodeck-Privilegien kürzen", kicherte sie.
Chakotay grinste nur, er war froh, dass sie nun nicht mehr sauer zu sein schien. Ihr Essen wurde ihnen, erwartungsgemäß, von der Bedienung auf Rollen serviert. Kathryn sah der Dame ein wenig neidisch zu, wie sie so beinahe schwerelos wieder davon rollte.
Hungrig nahm sie einen Bissen von ihrem Baguette. "Woher können Sie eigentlich so gut Rollschuhlaufen?", fragte sie Chakotay neugierig.
Er sah sie ein wenig ausweichend an. "Ich bin ein Naturtalent", grinste er. Doch Kathryn ließ nicht locker, währenddessen rückte sie ein wenig näher an ihn heran, ein Umstand den Chakotay sehr genoss. "Ich hatte mich eine zeitlang von Toms Interesse anstecken lassen und fand das Rollschuhlaufen sehr interessant", erwiderte er. "Seien Sie froh, dass ich Ihnen die typische Kleidung dafür erspart habe", fügte er zwinkernd hinzu.

"Och, ich denke mal, Shorts und ein knalliges T-Shirt hätten sicher zu meiner Erheiterung beigetragen", bemerkte sie mit einem Blick auf die anderen Skater, die ungefähr so aussahen.
Chakotay lächelte und beiden aßen ihr Essen schweigend auf. Als die Kellnerin das Geschirr abgeräumt hatte meinte Chakotay: "Hätten Sie noch Lust auf einen romantischen Spaziergang am Strand?"
Kathryns Miene wurde auf einmal abweisend. "Lieber nicht Chakotay, tut mir leid." Und ohne eine weiterer Erklärung murmelte sie noch ein "Danke für die neue Sporterfahrung" und ließ Chakotay allein.
Chakotay saß noch eine Weile verdattert da, während Kathryn beinahe schon panisch das Holodeck verließ und sich auf den Weg in ihr Quartier machte. Dort angekommen, ließ sie sich missmutig auf das Sofa fallen und schloß für einen Moment die Augen. Chakotay beschloss nun seinerseits, das Holodeck ebenso zu verlassen und beendete das Programm. Als er durch die Tür trat, erspähte er im Augenwinkel Seven und entschloss sich, in die andere Richtung zu gehen. Als er endlich durch die Tür des Turbolifts trat und sich diese hinter ihm schloß, ließ er einen frustrierten Wutschrei von sich.
Was sollte er eigentlich noch tun? Chakotay hatte zum ersten Mal seit 8 Jahren den Gedanken in sich, Kathryn aufzugeben. Es war scheinbar wirklich zwecklos. Erschrocken realisierte er den Gedanken. Kathryn aufgeben? Nein, das konnte er einfach nicht, dazu liebte er sie zu sehr. Aber andererseits, sie anscheinend nicht mehr. Das war heute deutlich gewesen. Von seinen Gefühlen völlig zerrissen ging er in sein Quartier.
Kathryn saß derweil in ihrem und fragte sich, ob ihr plötzlicher Aufbruch vorhin nicht doch zu weit gegangen war. Oh, was würde sie dafür geben mit Chakotay zusammen sein zu können...
Sie erhob sich frustriert und sah aus dem Fenster. Irgendwie hatte sie nun nicht einmal mehr Lust auf einen Kaffee. Sie ließ sich ein heißes Bad ein und legte sich dann in das warme Wasser, doch konnte nicht einmal das sie irgendwie beruhigen oder aufmuntern.
Chakotay legte sich auf die Couch in seinem Zimmer und starrte an die Decke. Er wusste eines, lange würde er diese Zerrissenheit nicht mehr aushalten können.

Als Kathryn es sich in ihrem Bademantel auf der Couch gemütlich gemacht hatte, sah sie auf ihrem Kalender, dass Chakotay in vier Tagen Geburtstag hatte. Was sollte sie ihm schenken? Es durfte nicht zu persönlich sein, aber auch wieder nicht zu formell. Nun, sie würde sich noch etwas einfallen lassen. Im Moment überlegte sie aber erst, ob sie noch einmal mit Chakotay reden sollte, schließlich hatte er es nur gut gemeint und sie hatte ihn wieder einmal verletzt.
Doch sie wusste auch nicht, was sie groß sagen sollte. Der Schaden war angerichtet. Daher beschloss sie, an seinem Geburtstag etwas wieder gutzumachen. Sie würde ihn einladen, das war eine vernünftige Idee.
In den nächsten 4 Tagen versuchte Janeway, Chakotay aus dem Weg zu gehen und Chakotay versuchte, Janeway aus dem Weg zu gehen, was beiden nicht gelang und sie immer wieder in mehr oder minder unangenehme Situationen führte. Beiden war unabhängig voneinander klar, dass es so nicht weitergehen konnte.
Für Chakotays Geburtstag hatte sich Kathryn auf dem Holodeck für ein Restaurant in London entschieden, dort erschien ihr die Situation unverfänglich.
Es war später Nachmittag, als beide Dienstende hatten. Chakotay war nicht nach Feiern zumute, so hatte er auch schon eine Einladung von Seven ausgeschlagen. Er wollte sich in seinem Quartier verkriechen.
Kathryn kleidete sich in einen hellen Hosenanzug mit einer dunklen Bluse und rief dann Chakotay. "Janeway an Chakotay. Bitte treffen Sie mich in 15 Minuten auf dem Holodeck."
"In Ordnung Captain", kam die Antwort und Janeway machte sich auf den Weg.
Chakotay machte sich sehr verwundert ebenso auf den Weg und war zum vereinbarten Zeitpunkt auf dem Holodeck.
Kathryn empfing ihn in dem Café, der Blick vom Café aus ging auf den Big Ben. "Danke, dass Sie meiner Einladung gefolgt sind, Chakotay", lächelte sie ihn an und überreichte ihm einen kleinen Briefumschlag.
"Ihr Geschenk", meinte sie zu ihm. "Alles Gute zum Geburtstag", wünschte sie ihm.

Chakotay nahm den Umschlag nicht sofort, sondern sah sie erst prüfend an. Kathryn fühlte sich wie aus Glas, aber sie bewegte sich nicht. Chakotay hatte allen Grund, zurückweisend zu sein. Doch dann atmete sie erleichtert auf als er den Umschlag entgegen nahm.
Als er zwei Karten für ein Musical herauszog, stahl sich ein kleines Lächeln auf seine Lippen, das aber sofort wieder verschwand.
Chakotay legte die Karten zurück in den Umschlag, diesen beiseite, stütze die Ellenbogen auf den Tisch und faltete die Hände. Wieder sah er Kathryn so merkwürdig löchernd an. Diese wurde langsam unruhig. Schließlich sagte Chakotay: "Vielen Dank für die Karten, ich nehme an, eine Karte ist für Sie gedacht?"
Kathryn fühlte sich auf einmal wie in einem schlechten Krimi. Sie nickte bedächtig.
"Ich würde mich ja sehr freuen, wenn sie mit mir zusammen ins Theater gehen, aber sind Sie sicher, dass SIE das auch wollen?" fragte Chakotay direkt.
Kathryn fühlte eine unangenehme Röte in ihrem Gesicht aufsteigen. War sie zu Beginn der Unterhaltung noch cool geblieben, so wurde sie nun merklich unsicherer. Sie hatte viele gefährliche Situationen überstanden, war als Diplomatin immer ruhig und gelassen geblieben und nun zitterten ihre Hände. Und sie selbst ebenso.
"Ich... kann verstehen, wenn Sie lieber mit jemand anderem gehen möchten", meinte sie leise, aber mit fester Stimme. "Es sind Ihre Karten und somit auch Ihre Entscheidung", fügte sie hinzu und zwang sich, nicht nach unten zu sehen. "Dennoch würde ich Sie sehr gern begleiten, wenn Sie es möchten."

Chakotay lehnte sich in seinem Stuhl zurück und musterte Kathryn. Himmel, warum mußte sie nur so anziehend sein? Und jetzt, da sie auch noch so schuldbewusst da saß, das ließ sein Herz vor Freude hüpfen. Sie schien sich ja doch noch etwas aus ihm zu machen. Aber leicht wollte er es ihr nicht machen. Daher musterte er sie noch eine Weile, bis er schließlich sagte: "Es gibt für mich keine bessere Gesellschaft, als Ihre. Ich würde mich sehr freuen, wenn Sie mitkommen würden." Dann lächelte er sie an und sagte: "Es ist ein sehr schönes Geschenk, vielen Dank."
Kathryn war unendlich erleichtert, aber ebenso trafen sie seine Worte wieder. Er hatte sie immer noch nicht aufgegeben, sie hatte ihm gerade wieder Hoffnung gemacht und wieder würde sie ihn früher oder später enttäuschen müssen. Es war einfach zum verzweifeln.
Der Kellner erschien und wollte ihre Bestellung aufnehmen. Beide, Kathryn und auch Chakotay hatten noch nicht gewählt, so nahm Kathryn einen Kaffee und Chakotay ebenso, mit der Bemerkung, dass er viel Milch und Zucker wolle. Kathryn mußte schmunzeln, doch sie widmete sich sehr schnell ihrer Karte.
Chakotays Herz schlug ein wenig schneller und auch er widmete sich schnell seiner Karte und versuchte, sich auf das Menü zu konzentrieren und nicht auf die bezaubernde Frau vor ihm.

Der restliche Abend verlief so, wie es früher einmal war zwischen ihnen. Chakotay und Kathryn unterhielten sich angeregt und Chakotay wusste einfach nicht, was er von der ganzen Situation halten sollte. Es war, als hätte sich Kathryn plötzlich entschlossen ihn wieder in ihr Leben zu lassen. Und vielleicht noch mehr. Nach dem Essen trennten sich ihre Wege wieder in ihre Quartiere und Chakotay fühlte seit langem wieder ein Hochgefühl in sich. In einer Stunde würden sie sich erneut treffen, diesmal aber um das Musical zu besuchen.
Kathryn dagegen war mit den Nerven am Ende. Sie hatte sich gehen lassen, sie hatte den Captain vergessen und war auf Chakotays Flirterei eingestiegen, schlimmer noch - sie hatte es ihrerseits völlig freiwillig genossen und als sie an ihr Verhalten dachte, stellte sich bestürzt fest, dass sie ebenso geflirtet hatte wie Chakotay. Sie war drauf und dran die Verabredung abzusagen. Doch dann überkam sie wieder dieses Gefühl. Nein, sie durfte Chakotay nicht weiter verletzen, das hatte er nicht verdient. Also zog sich Kathryn um und etwas später machte sie sich auf den Weg um Chakotay abzuholen. Sie war eine viertel Stunde zu früh dran, dennoch läutete sie.
Chakotay war soweit fertig, nur die Fliege hatte er noch nicht umgebunden. Erfreut Kathryn zu sehen bat er sie herein und replizierte vor dem Theater noch 2 Gläser Wein.
Kathryn trat ein. Sie mußte sich eingestehen, dass Chakotay in seinem Frack umwerfend aussah, doch verwarf sie diesen Gedanken schnell wieder. Sie selbst trug ein schwarzes Abendkleid. Ein wenig unsicher sah sie sich um.
"Nehmen Sie bitte Platz, ich bin gleich soweit", meinte Chakotay, der sich nicht anmerken lassen wollte, wie hingerissen er von ihr war.
Kathryn nahm Platz, rührte jedoch den Wein nicht an. In ihr kochte das schlechte Gewissen auf der einen Seite und auf der anderen Seite der Wunsch, den Captain einfach mal abzulegen und einfach nur eine Frau zu sein. Chakotay kämpfte derweil mit seiner Fliege. "Können Sie das?", fragte er Kathryn nach einer Weile leicht entnervt.
Sie erhob sich und sah ihn fragend an. Als sie ihn mit der Fliege kämpfen sah, mußte sie plötzlich lachen. "Warten Sie, ich helfe Ihnen", meinte sie und zog die Fliege zurecht und band sie ihm um. Dies war genau die Situation, die sie hatte vermeiden wollen. Sie war ihm zu nah, eindeutig viel zu nah! Ihr Atem ging schneller, sie sah in seine Augen, ihre Hände lagen auf seinem Oberkörper.
Chakotay erwiderte ihren Blick und rührte sich keinen Millimeter von der Stelle. Was immer nun passieren würde, es sollte passieren. Kathryns Gedanken rasten, sie wollte fliehen, sie wollte bleiben, ihre Beine begannen zu zittern. Der Captain und die Frau in ihr kämpften einen erbitterten Kampf. Chakotay stand noch immer wie angewurzelt.
Wie von selbst legten sich Kathryns Arme um Chakotays Nacken. Tu es! Tu es nicht! Sie wusste nicht mehr, welcher Stimme sie folgen sollte. Die Welt begann sich zu drehen um sie herum. Ihre Hände verkrampften sich. Plötzlich, ohne zuvor auch nur irgendeine Bewegung gemacht zu haben, legte sie ihre Lippe auf Chakotays und küsste ihn leidenschaftlich. Chakotay war verwundert, doch er erwiderte ihren Kuss schnell und mit der gleichen Leidenschaft.
Kathryns Hände glitten verlangend über Chakotays Rücken und er hielt sie ganz fest an sich gedrückt. Es fühlte sich so richtig und wundervoll an, er wollte sie niemals wieder loslassen. Ihre Lippen waren so weich, sie schmeckte so süß nach mehr. Viel zu schnell wurde dieser Traum jedoch beendet. Kathryn unterbrach den Kuss und sah Chakotay hilflos und fragend an.
"Nein....", flüsterte sie leise und ging ein paar Schritte von ihm.
Chakotay erschien es, als würde sie fliehen. Er blieb wo er war, während Kathryn verzweifelte. Was hatte sie da getan??!
"Ich.. es... ich...", stammelte sie hilflos und legte ihre Finger an ihre Stirn. "Es.. es tut mir.. leid..", meinte sie leise.
"Es gibt nichts, was Dir leid....", begann Chakotay und ging auf sie zu, doch Kathryn floh.
"Doch.. da.. das.. sollte nicht... passieren...", stammelte sie und raffte ihr Kleid.
Chakotay blieb stehen, er verstand nicht, was sie meinte. Er wusste nur eines, eben noch war er der glücklichste Mensch der Welt gewesen und nun brach alles zusammen. Das durfte nicht wahr sein!
"Kathryn..." Er machte einen Schritt auf sie zu.
"Bleiben Sie, wo Sie sind!" Da war er wieder, der Ton des Captains und Chakotay blieb stehen.
"Es... tut mir... leid..", stammelte Kathryn erneut und flüchtete aus seinem Quartier.
Kaum hatte sich die Tür zu seinem Quartier wieder geschlossen, sank Chakotay auf die Knie und sah sich hilflos und fragend um. Als er die Weingläser auf dem Tisch sah, erfasste ihn eine unendliche Wut und er erhob sich, schleuderte die Gläser durch sein Quartier und riss sich wütend die Fliege herunter.
Brodelnd nahm er auf seinem Sofa Platz und fuhr sich durch die Haare. Egal wie sehr er Kathryn liebte, diesmal war sie eindeutig zu weit gegangen! Er würde nicht mehr mit sich spielen lassen, es tat eindeutig zu sehr weh. Kathryn hatte sich heute Abend entschieden, gegen ihn, und das tat unendlich weh.
Kathryn floh vor seinem Quartier in den Turbolift. Gott sei dank kamen ihr keine Crewmitglieder entgegen. "Turbolift anhalten", befahl sie und der Lift stoppte. Sie ließ sich an der kalten Kabinenwand zu Boden sinken und ließ ihren Tränen freien Lauf.

Chakotay saß mit einer völligen Leere im Kopf und im Herzen auf seiner Couch. Er hatte sich eine Flasche Whiskey geholt und trank bereits sein zweites Glas. Er trank sonst nie Alkohol, aber heute war eine absolute Ausnahme und er brauchte das. Es war also vorbei. Chakotay schenkte sich nach und ließ die bernsteinfarbene Flüssigkeit im Glas kreisen. Er würde hier einfach sitzen bleiben, beschloss er, und nichts mehr tun. Sinnlos. Dann soll sie mit ihrem Captain halt glücklich werden, dachte er wütend und stürzte das dritte Glas herunter. Er verzog das Gesicht, sah auf die Flasche, die noch zu dreiviertel voll war, und überlegte, dass es ihn auch nicht weiterbringen würde wenn er sich betrank. Er stellte die Flasche beiseite und nach einem Moment, den er für sich zum Sammeln seiner Gefühle brauchte, tippte er auf sein Combadge.
"Chakotay an Seven of Nine."
"Sprechen Sie Commander", erwiderte die Borg.
"Seven, ich habe zwar vorhin zu Ihnen gesagt, dass ich heute Abend keine Zeit hätte, aber das hat sich geändert. Hätten Sie Lust mit mir auf das Holodeck zu gehen?"
"Sehr gerne Commander. Ich mache mich auf den Weg."
"Wunderbar, wir sehen uns gleich. Chakotay Ende."
So Kathryn Janeway, Deine Chance ist vertan. Leb wohl, dachte er verbittert, zog sich schnell um und ging dann zum Holodeck. Er hatte vor, mit Seven einen sehr vergnüglichen Abend zu verbringen.
Die Borg war gerade am Turbolift angekommen, als dieser den Captain freigab, die selbst nach Sevens Meinung, nicht gut aussah.
"Captain, ist alles in Ordnung mit Ihnen?" fragte Seven.
Kathryn nickte nur. "Ja Seven, ich hatte nur eine lange Schicht. Haben Sie auch schon Dienstschluß?" fragte Kathryn einfach, die nur das Thema wechseln wollte und das erstbeste fragte, was ihr in den Sinn kam.
"Ich habe mir heute Abend freigenommen. Commander Chakotay hat mich auf das Holodeck eingeladen."
Kathryn schaffte es unglaublicherweise, weder in Tränen auszubrechen noch zu geschockt auszusehen. Mit dem letzten bißchen Selbstbeherrschung sagte sie nur: "Oh, dann wünsche ich Ihnen einen schönen Abend." Damit lief sie den Korridor entlang ohne ein bestimmtes Ziel vor Augen zu haben.
Seven hob eine Augenbraue und sah dem Captain nach. Das Tragen eines Abendkleides gehörte nicht zu ihrem gewöhnlichen Benehmen so schloß die Borg daraus, dass noch etwas anderes vorgefallen sein mußte. Doch dann setzte sie ihren Weg zum Holodeck fort, wo sie auf Chakotay wartete.
Kathryn schaffte es mit aller Kraft und Willensaufbringung, den Weg zu ihrem Quartier ruhig fortzusetzen. Doch kaum war sie dort angekommen, zerbrach ihre Fassade und sie ließ sich auf das Sofa fallen. So leicht bin ich also zu ersetzen, dachte sie verbittert und befreite sich wütend aus dem Kleid. Es hatte so unglaublich weh getan Sevens Worte zu hören, sie verstand sich selbst nicht mehr.

Doch dann hörte Kathryn eine andere Stimme. Was erwartest du? Wie oft willst du ihn noch verletzen, hat er nicht das Recht sich jemand anderes zu suchen? Hast Du nicht die Grenze überschritten und ihn danach sofort fallen lassen? Was erwartest du nun? Die Worte kamen in ihr hoch und als ob jemand den Schleier von einem Gesicht gezogen hatte, durchzuckte sie die grauenvolle Wahrheit dieser Worte. Was hatte sie nur getan? Was hatte sie Chakotay nur angetan... Kathryn zog die Knie an, umschlang sie mit den Armen und bittere Tränen der Wahrheit kamen aus ihr heraus.
Sie hatte alles verloren. Auf einmal war ihr der Captain nicht wichtig, nichts war mehr wichtig außer Chakotay. Und den hatte sie gerade für immer verloren. Was hatte sie nur getan...

Chakotay war mit Seven unterdessen auf einer Beach Party. Sie saßen an der Bar, tranken Cocktails und unterhielten sich glänzend. Chakotay hatte gar nicht gewußt, dass Seven so witzig sein konnte. Er hatte lange nicht mehr so gelacht. Warum hatte er nur so lange Kathryn hinterher gejagt? Mit Seven hatte er so viel Spaß und attraktiv war sie ebenfalls. Und Chakotay hatte den Verdacht, dass Seven ihn auch sehr anziehend fand. Warum also Kathryn statt Seven?
Weil Du sie mit deinem ganzen Wesen liebst, flüsterte eine Stimme in Chakotay. Doch er wollte das nicht hören. Kathryn war Vergangenheit, das hatte sie ihm heute deutlich gemacht. Chakotay schob die Gedanken und Gefühle für sie beiseite um etwas neues an sich heranzulassen. Und das Neue saß ihm gegenüber und lächelte.
Seven hatte sich über die "Balzgewohnheiten" der menschlichen Rasse schlau gemacht und übte sich nun im Flirten mit Chakotay. Von allen männlichen Wesen an Bord der Voyager war es Chakotay, der sie interessierte, doch wusste sie auch, dass er am Captain interessiert war. Sie war zwar ein Borg, doch war sie nicht dumm, wie Tom oft sagte, selbst ein Blinder würde erkennen, dass Chakotay am Captain interessiert war.
Sie fühlte sich von seiner Aufmerksamkeit geschmeichelt und genoss den Abend sehr, auch Chakotay genoss den restlichen Abend, und versuchte, nicht mehr an das zu denken, was zuvor passiert war. Manchmal, nur ganz kurz, glitten seine Gedanken wieder ab, doch er fing sich. Immerhin wollte er gegenüber Seven nicht denselben Fehler machen, wie ihn Kathryn gemacht hatte.
Die beiden blieben bis spät in die Nacht auf dem Holodeck und unterhielten sich und flirteten. Zusammen verließen sie das Holodeck und Chakotay begleitete Seven bis zum Frachtraum Zwei.
"Gute Nacht", wünschte er ihr und sie verabschiedete sich von ihm mit einem Kuss auf die Wange. Chakotay lächelte und ging dann in sein Quartier.

Kathryn hatte lange geweint und war über ihre Tränen hinweg eingeschlafen. Am nächsten Morgen riss der Wecker sie unerbittlich aus dem Schlaf und sie fuhr hoch. Ihr Rücken schmerzte und ihre Augen waren geschwollen. Müde schleppte sie sich in das Badezimmer und machte sich für ihre Schicht fertig.
Als sie die Brücke betrat erschien es ihr, als wüssten alle Bescheid. Doch nun war sie wieder nur der Captain und begab sich in ihren Besprechungsraum, wo sie sich eine Tasse Kaffee gönnte, doch selbst dieser wollte ihr heute nicht schmecken.

Kurz darauf summte ihr Türmelder. Sie straffte die Schultern und sagte dann: "Herein." Ihre Befürchtungen hatten sich bestätigt, als die Türen ihren ersten Offizier preisgaben.
"Guten Morgen Captain", sagte Chakotay gut gelaunt. "Der Bericht, um den Sie gebeten hatten." Damit legte Chakotay das Padd auf ihren Tisch und wandte sich zum gehen. Doch bevor er die Tür erreichte hörte Kathryn eine Stimme und stellte überrascht fest, dass es ihre eigene war. "Chakotay, bitte warten Sie."
Chakotay zögerte, dann drehte er sich um und nahm Haltung an.
"Captain", sagte er neutral und wartete.
Das habe ich vermutlich verdient, dachte Kathryn betrübt, dann sagte sie: "Chakotay, wegen gestern... ich wollte.." Doch weiter kam sie nicht. Chakotay schnitt ihr brüsk das Wort ab: "Ich glaube nicht, dass wir darüber noch ein Wort verlieren müssen Captain. Es ist alles gesagt, was gesagt werden mußte und ich habe es deutlich verstanden." Damit verließ Chakotay ihren Raum.
Kathryn war, als würde sie in ein Loch fallen. Chakotay, dachte sie verzweifelt und war unfähig, irgendetwas zu tun als auf die Türen zu starren, durch die ihr erster Offizier gerade wieder verschwunden war.
Kathryn fiel in diesem Moment nur ein Wort ein, doch das verkniff sie sich lieber. Sie blickte sprachlos, atemlos und verständnislos auf die geschlossene Tür. Ihr Blick ging dabei ins Leere.
"Tuvok an Janeway", ertönte es aus ihrem Kommunikator.
"Kommen Sie zu mir", erwiderte sie und ließ sich auf ihrem Sessel niedersinken. Der Vulkanier trat ein. "Was gibt es, Tuvok?", fragte Janeway.
"Ich wollte mich nach Ihrem Befinden erkundigen", erwiderte der Vulkanier. "Sie erscheinen mir durcheinander und gestresst."
"Das ist nett von Ihnen Tuvok", erwiderte Kathryn und verkniff sich alles weitere. Ihre Lippen verwandelten sich in einen dünnen Strich. "Ich habe nicht gut geschlafen", fügte sie hinzu. "Ist Commander Chakotay auf der Brücke?" Tuvok nickte. Janeway erhob sich und verließ zusammen mit Tuvok das Besprechungszimmer.
"Commander, Sie haben die Brücke", wies sie an, ohne ihn anzusehen und verließ dann die Brücke. Tuvok zog als Kommentar eine Augenbraue nach oben. Kathryn eilte zum Holodeck und startete dort ein Kampfprogramm, die Sicherheitsprotokolle deaktivierte sie.
Nach einer Stunde wilder Prügelei verließ sie das Holodeck wieder und kam, nach einem kurzen Abstecher zu ihrem Quartier, wieder auf die Brücke. Wie die Ruhe selbst nahm sie in ihrem Sessel Platz und begann ihre Schicht.

Chakotay achtete nicht auf sie und war in seine Arbeit vertieft. Die beiden ranghöchsten Offiziere wechselten heute nur die notwendigsten Worte und mit der Zeit warfen sich die übrigen Brückenoffiziere untereinander verstohlene Blicke zu, die auch immer wieder zu Kathryn und Chakotay glitten. Jeder spürte, dass etwas ernstes zwischen den beiden vorgefallen war. Die Atmosphäre auf der Brücke wurde zunehmend gedrückter. Als die Schicht endlich vorüber war verließ Chakotay zuerst die Brücke. Vor dem Turbolift sagte er noch, hörbar für Kathryn: "Chakotay an Seven, treffen wir uns im Casino in 5 Minuten?"
"Ich bin schon da Commander", antwortete Seven.
"Ich komme." Chakotay wollte, dass Kathryn mitbekam dass er sich mit Seven traf. Er wollte sie genauso verletzen, wie sie ihn. Das ist nicht richtig, was du machst. Es ist nicht fair Seven gegenüber und Kathryn auch nicht, kam wieder die mahnende Stimme in ihm. Seven hat es nicht verdient als Racheersatz zu dienen und Kathryn trägt nun mal die Last des Captains. Tu ihr das nicht an. Chakotay konnte die Stimme nicht leiden, denn tief in seinem Herzen wusste er, dass sie recht hatte. Seufzend betrat er den Turbolift und wandte sich kurz noch einmal zur Brücke um. Er konnte Kathryn sehen, mit Sicherheit hatte sie seine Worte gehört. Sie sah traurig aus... Chakotay spürte einen kleinen Stich in seinem Herzen, wie konnte er nur so grausam sein? Und es stimmte, Seven hatte das nicht verdient. Er schämte sich für sein gestriges Verhalten und beschloss, Seven reinen Wein einzuschenken und sich zu entschuldigen bevor es zu spät sein würde. Was Kathryn betraf... nun, sie hatte ihm eindeutig mitgeteilt dass er sich von ihr fernhalten sollte. Dann sollte sie das auch haben. Irgendwann würde er schon drüber hinwegkommen.
Kathryn hatte sich selbst als Strafe ein Doppelschicht verpasst. Seufzend mußte sie feststellen, dass dies keine gute Idee gewesen war, sie beschloss, sich einen Kaffee zu gönnen und ging kurz in ihr Besprechungszimmer. Sie replizierte sich einen Kaffee und während sie ihn trank, dachte sie über gestern Abend und heute nach. Sie hatte sich wie ein dummes Kind verhalten, mußte sie sich selbst eingestehen.

Chakotay machte sich mittlerweile auf den Weg zum Casino, wo ihn Seven bereits erwartete. Er replizierte für sich einen Tee, Seven lehnte ab.
"Wir müssen reden", sagte er zu der Borgdrohne, als sie wieder Platz genommen hatten.

Seven zog eine Augenbraue hoch und meinte: "Ich versichere Ihnen, meine Gefühle für Sie sind keine Lektion des Doctors, ich finde Sie durchaus sehr attraktiv und erwäge Sie als potentiellen Partner. Eine Täuschung liegt nicht in meiner Absicht."
Chakotay seufzte. "Ich fürchte aber, ich habe Sie getäuscht."
Seven sah Chakotay durchdringend an. "Erklären Sie das", sagte sie.
Chakotay wusste nicht genau, wie er es formulieren soll oder es gar erklären.
"Seven, die Menschen sind manchmal sehr merkwürdig wenn es um Liebe geht. Liebe ist ein sehr machtvolles Gefühl, und sie bringt einen dazu, manchmal Dinge zu tun, die wir nie tun würden, wenn wir dieses Gefühl nicht hätten."
"Und Sie hatten dieses Gefühl?" stellte Seven nüchtern fest. "Und ich nehme an, nicht bei mir."
"Es tut mir wirklich sehr leid, ich habe Sie nur ausgenutzt. Ich verstehe, wenn Sie mir dieses Verhalten nicht verzeihen können, dennoch bitte ich Sie inständig um Entschuldigung für mein Verhalten. Es war weder Ihnen, noch der anderen Person gegenüber fair."
Seven sah den Commander einfach nur an, dann sagte sie: "Sie haben Recht, das menschliche Verhalten ist sehr merkwürdig und in diesem Falle abscheulich, dennoch... muß ich eingestehen, dass es mir auch nicht fremd ist."
Jetzt sah sie Chakotay überrascht an, doch Seven sagte weiter: "Ich denke, in absehbarer Zeit werde ich Ihnen verzeihen können Commander, aber noch nicht jetzt. Wenn Sie mich bitte entschuldigen würden." Damit stand Seven ohne ein weiteres Wort auf und verließ das Casino.
Chakotay blieb in sich zusammengesunken sitzen. Wichtig war, dass er die Wahrheit gesagt hatte und dass er jetzt der Beziehung zu Seven geschadet hatte... nun, er würde es wieder mit der Zeit kitten. Er mochte sie gerne als Kollegin.
"Prima Chakotay", sagte er leise zu sich selbst. "Erst hast du Kathryn verloren, jetzt hast du noch Seven vergrault. Schlechter kann es ja gar nicht mehr werden."
Er trank seinen Tee aus und ging dann in sein Quartier zurück. Er würde Kontakt zu seinem geistigen Führer aufnehmen, beschloss er.
Kathryn quälte sich durch ihre Doppelschicht. Ihr Magen machte ihr zu schaffen und die Tatsache, dass sich ihre Gedanken selbständig machten und immer wieder zu Chakotay glitten, vereinfachte ihre Lage und die beginnenden Kopfschmerzen nicht wirklich. Als sie endlich in ihrem Quartier war, fiel sie schon fast auf ihr Sofa und rollte sich zusammen. Sie schlief fast sofort ein.
So wie ihre Gedanken, kreisten auch ihre Träume um Chakotay. Sie warf sich immer wieder hin und her. Ihre Träume führten sie immer wieder an den Strand, an dem sie zum ersten Mal ihren geistigen Führer getroffen hatte. Sie hatte zugegebenermaßen schon lange nicht mehr an die kleine Eidechse gedacht. Müde nahm sie im warmen Sand Platz und sah dem kleinen Tierchen zu. Die Eidechse sah sie mir ihren Äuglein an. "Du bist traurig, weil Du einen Fehler gemacht hast?", stellte sie fest und Kathryn nickte.
"Fehler können verziehen werden, wenn man darum bittet", meinte die kleine Eidechse und verschwand in den Dünen. Kathryn sah ihr einfach nur nach.
In ihrer Kabine schreckte Kathryn hoch und rieb sich den schmerzenden Nacken. Sie ließ sich vom Computer die Zeit geben und überlegte, ob es zu spät sei, mit Chakotay zu reden. Ihre Finger zitterten ein wenig, als sie auf ihren Kommunikator tippte: "Janeway..... Kathryn an Chakotay...."

Kathryn mußte eine Weile auf eine Antwort warten und sie dachte schon, sie hätte ihn vielleicht geweckt. Doch Chakotay war noch sehr wohl wach, doch angesichts der Tatsache, dass er keine große Lust verspürte mit Kathryn zu reden, antwortete er erst spät: "Chakotay hier. Gibt es noch etwas wichtiges Captain?"
Kathryn war es, als hätte Chakotay sie geohrfeigt mit dem Wort "Captain". Dennoch sagte sie halbwegs gefasst: "Können wir reden Chakotay? Es geht um eine persönliche Angelegenheit."
Wieder war eine Weile Stille, dann vernahm sie Chakotays Stimme: "Können wir das vielleicht auf ein anderes Mal verschieben Captain? Ich wollte gerade zu Bett gehen."
Kathryns Mut sank, doch was hatte sie erwartet? Dass er sie mit offenen Armen empfangen würde und alles tat, was sie sich von ihm erbeten hatte? Die Abfuhr geschah ihr nur Recht. Doch sie würde nicht aufgeben.
"Natürlich Chakotay", sagte sie, und blieb bewusst auf der persönlichen Ebene in dem sie das Wort "Commander" vermied. "Entschuldigen Sie die späte Störung, das können wir auch morgen machen. Schlafen Sie gut."
Chakotay schloß den Komkanal, ohne noch etwas zu sagen. Kathryn seufzte und kleidete sich für die Nacht um, doch war es ihr nun nicht mehr möglich, Schlaf zu finden. Im Nachthemd, mit einem Tee, setzte sie sich wieder auf ihr Sofa und zog die Beine an. Nun, da sie nicht schlafen konnte, beschloss sie, sich noch einigen Padds zu widmen.
Chakotay lag in seinem Quartier noch eine Weile wach. Seine Gedanken rasten und er war verwirrt. Was konnte es gewesen sein, was sie wollte? War es falsch, so abweisend zu sein? Seufzend setzte er sich auf. Warum war nur alles so kompliziert? Er verließ das Bett und replizierte sich einen Tee.

Am nächsten Morgen kam Kathryn etwas später auf die Brücke. Sie hatte noch lange in der Nacht Padds gelesen und war erst in den frühen Morgenstunden kurz eingenickt. Es war ihr sehr unangenehm zu spät zu kommen, doch schließlich konnte sie kommen und gehen wann sie wollte. Privileg des Captains. Chakotay sah höflichkeitshalber kurz zu ihr auf als sie die Brücke betrat und wünschte ihr ebenso höflich einen guten Morgen, bevor er sich wieder seiner Arbeit zuwandte. Eigentlich gab es gar nichts zu tun für ihn, aber er hatte sich einfach etwas zu tun verschafft.
Entgegen seiner Hoffnungen, Kathryn würde sich neben ihn setzen, ging sie sofort in ihren Bereitschaftsraum. Jetzt war er gezwungen, gleich hinterher zu gehen um ihr die üblichen Berichte abzugeben. Er hatte ihr sie eigentlich nur herüberreichen wollen. Etwas ärgerlich beschloss er, lieber gleich in die Höhle des Löwen zu gehen und sie auch möglichst rasch wieder zu verlassen.
Kathryn saß derweil mit einer Tasse Kaffee bewaffnet auf der Couch und hatte genau das erwartet. Nämlich das Ertönen des Türmelders und Chakotays Erscheinen. Sie wurde nicht enttäuscht.
"Be-bop", läutete es und Kathryn sagte: "Herein."
Chakotay trat ein, er hatte nicht sein übliches Lächeln auf dem Gesicht sondern schaute eher, als hätte er gerade eine Scheibe besonders saure Grapefruit gegessen.
"Die Berichte Captain", sagte er förmlich, übergab sie ihr und trat dann einen Schritt zurück und wartete, bis sie sie durchgesehen hatte.
"Danke Chakotay", sagte Kathryn und lächelte, obwohl ihr alles andere als danach zumute war. Sie sah die Berichte durch ohne auf den Inhalt zu achten. Ihr Herz pochte an ihre Rippen und dann sagte sie: "Chakotay... es tut mir wirklich Leid, was an ihrem Geburtstag passiert ist, ich wollte Sie nicht verletzen."
Chakotay lachte kurz auf und sagte dann mit einem Funkeln in den Augen: "Sie haben es aber getan, und einmal zuviel Kathryn. Ich habe keine Lust mehr auf Spielchen. Sie haben mir an dem Abend klar gemacht, wo die Grenze zwischen uns ist. Ich werde sie respektieren. Und ich bitte Sie zu respektieren, dass ich jetzt erst mal einen Abstand brauche um das zu verarbeiten." Damit drehte er sich um und verließ den Bereitschaftsraum.
Kathryn hielt die Padds noch eine kurze Weile in der Hand, während sie auf die sich schließende Tür starrte, dann legte sie sich vor sich auf den Tisch und legte die Hände an die Stirn. Sie überlegte, ob es ein Fehler gewesen war, ihn jetzt noch einmal darauf anzusprechen, doch was gesagt war, war einmal gesagt.
Seufzend erhob sie sich und sah aus dem Fenster. Eines schwor sie sich im Angesicht der Sterne, sie würde nicht aufgeben. In dieser Nacht war ihr eines klar geworden: ihre Gefühle konnte und durfte sie nicht länger unterdrücken und so würde sie kämpfen. Doch für den Moment würde sie ihm die Zeit und den Abstand gewähren.

Eine gute Woche hielt sie sich von Chakotay so fern wie es ihr möglich war, sie hatte sogar die Schichten getauscht, so dass sie eine Woche lang nur die Nachtschicht hatte. Ein kleiner, relativ unbedeutender Zwischenfall mit einem fremden Schiff verlangte für ein paar Stunden ihre Anwesenheit auf der Brücke in der Tagschicht, doch nach dem sie mit diplomatischem Geschick eine Route durch den Raum der G'tarer erwirkt hatte, verschwand sie wieder. Zurück im Quartier rief sie sich noch einmal Chakotay ins Gedächtnis. Sie hatte das Gefühl gehabt, dass er sie mehrmals angesehen hatte, als er es nicht mußte und sie hatten sogar eine kurze, aber belanglose Konversation gehabt, an deren Ende ein kleines Lächeln über Chakotays Lippen huschte. Doch dieser kleine Moment hatte ihr wieder neuen Mut gegeben und ihr die Hoffnung geschenkt, dass sie vielleicht doch noch eine letzte Chance bei ihm bekam. Sie wartete noch einige Tage ab, dann beschloss sie, dass es nun genug gewartet sei.
Als Chakotay am nächsten Abend sein Quartier betrat, starrte er ungläubig auf den Fußboden und dann auf den Tisch. Der Boden war mit unzähligen Rosenblättern bedeckt und auf dem Tisch prangte ein riesiger, roter Rosenstrauß. Vor der Vase lag ein weißer Zettel. Chakotay ging näher um ihn zu lesen.

Rosen sind rot....

stand nur darauf. Chakotay schaute verblüfft auf den Zettel, drehte ihn herum und überlegte, wer ihm das geschickt haben würde. Seven vielleicht? Hatte sie ihm verziehen? Oder... etwa Kathryn? Nein, sie eher nicht. Zwischen ihnen war es aus. Von wem auch immer es war, die Rosen dufteten herrlich und der Strauß war eine Pracht. Chakotay sammelte die Rosenblätter auf und legte sie in eine Schachtel. Dann ging er mit einem Lächeln zu Bett.
Der nächste Tag verstrich, ohne dass er einen Anhaltspunkt bekam, von wem die Blumen hätten sein können. Kathryn hatte wieder den normalen Dienst, doch sie mied ihn noch immer wie es im schien, denn sie schaute ihn nicht an und verschwand sofort in ihrem Raum und verließ ihn erst wieder kurz vor Ende der Schicht. Sie wünschte der Crew ein allgemeines "Guten Abend", und war dann verschwunden. Als Chakotay an diesem Abend in sein Quartier kam, starrte er wiederum ungläubig auf den Boden und den Tisch. Nur diesmal lagen hunderte, blauer Veilchenblätter verstreut und neben den Rosen stand nun ein großer Strauß Veilchen. Davor lag wieder ein weißer Zettel und Chakotay las diesmal:

Veilchen sind blau...

Was zum Kuckuck geht denn hier vor? fragte er sich in Gedanken und beschloss, den nächsten Abend auch noch abzuwarten, bevor er Seven auf die Blumen ansprechen würde. Doch tief in seinem Inneren hatte er Zweifel, dass das hier von Seven kam. Aber von Kathryn konnte es genau so wenig sein. Vielleicht hatte er eine unbekannte Verehrerin? Ja, das würde es sein. Er lächelte in sich hinein. Irgendwann würde sie sich zu erkennen geben, er war schon gespannt wer es sein würde. Der Stil gefiel ihm, das zeugte von Phantasie und Romantik.
Am nächsten Abend konnte es Chakotay von gar nicht erwarten sein Quartier zu erreichen, diesmal lagen keine Blüten auf dem Boden, aber auf dem Tisch entdeckte er ein kleines Päckchen. Neugierig öffnete er es und holte ein Bild von einem niedlichen Kätzchen heraus, das ihn mit großen Augen anblickte und eine Rose quer in der Schnauze trug. Chakotay mußte lächeln, doch als er das Bild umdrehte, und er das Gedicht las, schwand sein Lächeln und wurde von Herzklopfen ersetzt. Auf der Rückseite stand:

Rosen sind rot,
Veilchen sind blau,
an Dir hängt mein Herz,
doch groß ist der Schmerz.

Ich habe Dich verletzt,
das wollte ich nie,
gib mir eine letzte Chance
und ich beweis meine Liebe Dir.

~ Kathryn ~

Chakotay mußte zweimal lesen, bevor er verstand, was dort geschrieben stand. Er hielt das Bild in der Hand, während er auf seinem Sofa Platz nahm. Lächelnd strich er mit seinen Fingern über die geschriebenen Worte.
Kathryn hingegen war auf dem Holodeck beschäftigt, eine romantische Szene, die jedoch nicht zu kitschig war, zu erschaffen, in die sie Chakotay am nächsten Abend einladen wollte. Nachdem sie mehrmals angefangen hatte, und es wieder verworfen hatte, gefiel ihr die jetzige Szene sehr gut. Sie speicherte es ab und ging wieder in ihr Quartier.
Am nächsten Morgen hatte Chakotay Dienst und Kathryn hatte ihm ein Padd auf den Platz gelegt. "Treffen Sie mich bitte um 18 Uhr auf dem Holodeck 1", besagte die Nachricht. Kathryn selbst war an diesem Tag nicht auf der Brücke.

Chakotay überlegte. Sollte er sie nicht lieber noch ein wenig zappeln lassen? Nein, sie hat sich mit den Blumen eine Chance verdient, sagte er zu sich selbst. Doch er nahm sich vor, sich nicht zu viel von dem Treffen zu versprechen.
Pünktlich um 18 Uhr stand er dann in seiner Uniform vor der Holodecktür. Er hatte sich mit Absicht nicht umgezogen um noch einen gewissen Abstand halten zu können falls nötig. Die Türen öffneten sich und Chakotay trat ein. Die Tür schloß sich hinter Chakotay und er fand sich in totaler Dunkelheit wieder. Er war verwirrt und verwundert. Er spürte, dass jemand seine Hand nahm und zuckte ein wenig. Sein Herz schlug schneller.
"Ich bin es", hörte er Kathryns Stimme, und sie umfasste seine Hand mit ihrer. Ihre Hand war warm, während seine kühl erschien, da er nicht wusste, was ihn erwarten würde.
Er hörte leichte Musik, kein bestimmtes Lied, eine leichte Melodie erfüllte die Luft. Ein sanfter Windhauch strich über sein Gesicht. Chakotay lächelte, während er sich von Kathryn ziehen ließ. Er fragte sich, was sie vorhaben würde und beschloss, es ihr nicht zu leicht zu machen, obwohl er sich schon jetzt nach einer Umarmung oder einer weiteren sanften Berührung sehnte. Er genoss es, dass sie ihn führte und seine Hand hielt. Der Boden unter seinen Füßen veränderte sich, es erschien ihm, als würde er über Gras gehen. Das würde auch den Wind erklären. Je weiter sie ihn führte, umso gespannter wurde er auf das, was Kathryn wohl geplant hatte.
"Ich hoffe, Sie mögen Picknicks", hörte er Kathryns Stimme. "Computer, Licht", wies sie an und der Computer tauchte die Szene in ein sanftes warmes Sonnenlicht.
Vor Chakotay lag eine rot-weiß karierte Decke auf einer herrlichen grünen Wiese, gedeckt mit einer Flasche Rotwein, zwei noch leeren Gläsern, einem Teller mit Weintrauben, auf einem weiteren Teller fand sich französischer Camembert. Kathryn trat hinter Chakotay und wartete ab.

Chakotay schaute sich erst einmal in aller Ruhe um. Nach einer 360° Wendung schaute er geradewegs in Kathryns Gesicht und es gelang ihm, ein breites Lächeln zu verbergen und nur seine Mundwinkel zuckten kurz.
"Danke für die Blumen", meinte er schließlich, "Sie haben sich viel Mühe gegeben."
Kathryn lächelte etwas, doch dann wurde sie ernst. "Chakotay, erst als ich Sie mit Seven gesehen habe ist mir klar geworden, wie sehr ich Sie brauche und... liebe."
Kathryn hatte beim letzten Wort den Kopf gesenkt und traute sich nicht Chakotay anzusehen. Doch sie hatte es gesagt. Jetzt lag es an ihm.
Chakotays Herz schlug, so erschien es ihm, plötzlich mindestens doppelt so schnell wie noch eben zuvor. Vorsichtig nahm er ihre Hand in seine und drückte sie sanft. "Es steht Ihnen nicht, wenn Sie den Kopf senken", meinte er sanft zu ihr. Kathryn sah ihn vorsichtig an, in ihrem Blick lag, zum ersten Mal seitdem er sie sah, Unsicherheit. Chakotay lächelte sie aufmunternd an.
Doch sonst reagierte er zumindest äußerlich nicht auf ihre Liebeserklärung. Innerlich war er aufgewühlt und wollte sie am liebsten in die Arme schließen und küssen, doch tat er es nicht. Kathryn stand unsicher vor ihm. "Chako....", sie wollte etwas sagen, da er nicht antwortete, doch legte er ihr den Zeigefinger auf die Lippen.
"Shhht, nicht jetzt...", meinte er leise und sie nickte.
"Lassen Sie uns das Picknick genießen", schlug er vor und ließ ihr den Vortritt. Nachdem sie sich gesetzt hatte, nahm er auch Platz, neben ihr, nahe, aber nicht zu nahe.

Kathryn war jetzt sehr nervös geworden, sie hätte sich gewünscht, dass er sie entweder in die Arme genommen und ihr verziehen hätte oder sie zum Teufel gewünscht und gegangen wäre. Aber dass er sich gar nicht dazu geäußert hatte, machte sie ganz verrückt. Aus den Augenwinkeln beobachtete sie ihn, wie er den Wein einschenkte. Seine Miene verriet nichts und innerlich seufzend nahm Kathryn das Glas entgegen.
Chakotay hatte Kathryn ebenfalls beobachtet und verkniff sich gerade ein Grinsen. Ein wenig Strafe mußte schon sein und er wollte dass sie wirklich begriff, was der eine für den anderen bedeutete.
Chakotay toastete ihr zu. "Auf einen wunderschönen Abend", meinte er zu ihr und trank einen Schluck vom Wein. Auch Kathryn trank, obwohl sie ihre eigene Unsicherheit beinahe zu ersticken drohte. Auch die Tatsache, dass Chakotay so überhaupt nicht reagierte, ließ sie innerlich zittern und ihre Gedanken rasten. "Entspannen Sie sich Kathryn", hörte sie Chakotays Stimme in ihren trüben Gedanken.
Sie nickte schnell und nahm noch einen Schluck von dem Wein. "Möchten Sie eine Weintraube?", fragte Chakotay, doch sie schüttelte den Kopf. Ihr Magen war mittlerweile nur noch ein einziger nervöser Knoten. Chakotay nahm sich ein paar Weintrauben und Camembert und genoss beides. "Das sollten Sie auch probieren, schmeckt vorzüglich" Kathryn schüttelte den Kopf. Ihr Magen tat langsam aber sicher weh vor Aufregung und sie stellte das Glas ab. "Möchten Sie tanzen?", fragte Chakotay sie plötzlich.

"Hier?" fragte sie verblüfft. Chakotay sah sich um. "Hm, eigentlich haben Sie Recht, das hier ist nicht der richtige Ort zum Tanzen. Darf ich?" fragte er.
Kathryn nickte und Chakotay sagte: "Computer, Programm Chakotay 4 aktivieren."
Die Szene änderte sich und die beiden Offiziere standen in einem großen Ballsaal eines Schlosses. Nur ein Orchester war auf der Empore, sonst waren sie allein. Auf ein Zeichen von Chakotay hin begannen die Musiker mit einem langsamen Walzer und Chakotay und Kathryn nahmen die Tanzhaltung ein.
Kathryn sah sich verwundert um, sie hätte nicht gedacht dass Chakotay so ein Programm gespeichert hatte. Das sagte sie ihm auch. Seine Antwort darauf war: "Wissen Sie, ursprünglich hatte ich einmal vor Sie hierher einzuladen, auf einen großen Ball. Das war kurz vor meinem Geburtstag..."
Kathryn schaut beschämt nach unten und murmelte: "Es tut mir so leid Chakotay."
Chakotays Körper näherte sich Kathryns ein wenig, während sie tanzten. "Kathryn...", hauchte er ihr sanft zu. Sie spürte dass sie Gänsehaut bekam.
"Ja?", erwiderte sie nervös.
"Nicht den Kopf senken", wiederholte er seine Worte von zuvor.
Kathryns Gefühlschaos machte sie langsam immer verrückter und verzweifelter, sie wusste nicht mehr, was sie von seinen nicht vorhandenen Erwiderungen auf ihre Liebeserklärung halten sollte.
Der Tanz endete und Chakotay hielt Kathryn noch immer in seinem Arm. Er zog sie ein wenig näher zu sich heran und strich mit seinem Zeigefinger zärtlich über ihr Gesicht. Sie schloß die Augen. Ihre Hände zitterten so sehr, dass Chakotay es merkte. "Versprichst Du mir eines?", fragte er sie leise und sie nickte. "Keine Spielchen mehr, Kathryn."

"Ich verspreche es", sagte Kathryn und dann blickte sie Chakotay wartend in die Augen. Ihr Blick huschte kurz zu seinen Lippen, dann wieder in seine Augen. Chakotay lächelte.
"Ich verspreche es Dir ebenso", erwiderte er sanft und streichelte ihr über die Wange. Wieder schloß sie die Augen. Sein Finger strich zärtlich über ihre Lippen und Kathryn seufzte leise auf. Momentan wünschte sie sich nichts sehnlicher als einen Kuss von ihm.
Nach ihr endlos erscheinenden Sekunden wurde ihr der Wunsch gewährt. Ganz sanft küsste Chakotay sie. Zuerst auf die Stirn, dann auf die Wange und schließlich fanden seine Lippen die ihren. Kathryn schlang ihre Arme um seinen Nacken und schwor sich in diesem Moment eines: Sie würde ihn nie wieder gehen lassen.

ENDE