Die Strandparty war bereits seit zwei Stunden in vollem Gange. Tom und B’Elanna hatten sich wieder mal selbst übertroffen - ein sternklarer Nachthimmel, feiner, weißer Sand, eine ruhige See mit leichtem Wellengang, laute Musik, Limbo-Tanz, leicht bekleidete Serviererinnen und nicht zuletzt die große, bunt beleuchtete Tanzfläche, die Tom direkt auf dem Wasser plaziert hatte. Die bunten Lichter spiegelten sich im Wasser, ebenso die Pärchen, die auf der Fläche tanzten, kurzum: Es war einfach perfekt.
Fast die gesamte Crew befand sich auf dem Holodeck, lediglich Tuvok, Chakotay und Janeway fehlten noch. Tuvok und Janeway befanden sich noch auf der Brücke, Chakotay war bereits überfällig.
"Wenigstens Chakotay könnte mal langsam antanzen." bemerkte Tom etwas säuerlich zu B’Elanna. "Er verpaßt ja das Beste."
"Er wird schon kommen, verlaß Dich drauf." entgegnete B’Elanna. Just in diesem Moment öffneten sich die Türen zum Holodeck und Commander Chakotay kam herein. Er trug Strandkleidung, so wie der Rest der Anwesenden: Badelatschen, eine kurze Shorts, die ihm nicht mal bis zu den Knien reichte und ein weites Hemd, das er nicht ganz zugeknöpft hatte. Er sah einfach sexy aus, zumindest fanden das die weiblichen Crewmitglieder, als sie ihn sahen.
"Wenn man vom Teufel spricht..." murmelte B’Elanna.
"Na endlich." Tom lief auf Chakotay zu, Neelix näherte sich von der anderen Seite dem Commander.
"Chakotay! Schön, daß Sie auch gekommen sind, wir dachten schon, Sie hätten uns vergessen." begrüßte Tom ihn mit einem strahlendem Gesicht.
"Aber Tom, wie könnte ich je eine Party von Ihnen vergessen?" fragte er und zwinkerte Tom zu. Neelix bot Chakotay währenddessen ein Tablett mit den verschiedensten Getränken an.
"Einen Begrüßungscocktail, Commander?"
"Ja gerne, danke Neelix." Er entschied sich für ein rötliches Gemisch, das etwas nach Ananas roch und probierte es. Er war angenehm überrascht, es schmeckte auch nach Ananas! Das war, beachtete man Neelix‘ Kreationen, schon etwas sonderbares. Tom gab Chakotay, während dieser trank einen kleinen Überblick über die Party: "Also, die Tanzfläche sehen Sie ja, dort hinten wird Limbo getanzt, die Bar hat noch einige gemütliche Sitzecken in einem abgelegeneren Teil und den Rest werden Sie schon mitbekommen."
"Danke, Tom, dann stürze ich mich mal ins Vergnügen. Ach übrigens, wollte der Captain auch kommen?"
Tom grinste. "Eigentlich schon, aber Sie wissen ja, ein 'ich werde versuchen, es zu schaffen, Mr. Paris' bedeutet, daß sie, wenn sie überhaupt kommt, erst noch einige "unaufschiebbare" Berichte durchsehen will. Und Berichte zu lesen hat sie ja meistens genug. Aber hoffen wir das Beste." Damit verschwand er auch wieder im Getümmel. Chakotay seufzte leise, wie gerne hätte er die Party mit Kathryn zusammen unsicher gemacht, aber so mußte er sich wohl oder übel alleine amüsieren. Er setzte sich an die Bar und beobachtete das bunte Treiben. Die Crew hatte es sich verdient, fand er.
Es dauerte gar nicht lange und ein weibliches Crewmitglied trat auf ihn zu. "Hallo Commander, darf ich mich zu Ihnen setzen?"
"Äh, klar, warum nicht, hier ist ja noch alles frei." *Hm, wenn ich mich recht erinnere ist Ihr Vorname Elisabeth*, überlegte er.
Elisabeth Wilder setzte sich, so dicht es nur möglich war, neben Chakotay.
"So allein Commander? Das paßt gar nicht zu Ihnen, wollen wir etwas trinken?" fragte sie ihn und schaute auf sein inzwischen leeres Glas.
"Gerne, warum nicht. Aber bitte nennen Sie mich Chakotay, ich bin heute nicht mehr im Dienst, Fähnrich."
"Gerne, Chakotay, und da ich ebenfalls nicht mehr im Dienst bin, wäre es nur fair, wenn Sie mich Beth nennen würden." Sie schenkte ihm ein verführerisches Lächeln, so daß ihm ganz heiß wurde. Sie sah auch bezaubernd aus, groß, schlank, braune Augen und lange, blonde Haare. Bekleidet war sie mit einem Bikini, der zudem auch noch sehr knapp geschnitten war.
"Nicht weglaufen, Chakotay..." Sie war aufgestanden um für Chakotay und sie Getränke zu besorgen. Chakotay dachte an Kathryn, wie sie neben ihm sitzen würde, auch nur mit einem Bikini bekleidet... *oh man, Chakotay, reiß Dich zusammen*... Beim Gedanken an Kathryn schlug sein Herz schneller. In diesem Moment tauchte Beth wieder auf und überreichte Chakotay einen anderen Cocktail.
"Auf einen schönen Abend und eine lustige Party." prostete sie ihm zu.
"Auf einen schönen Abend und eine lustige Party." wiederholte er. Sie stießen mit ihren Gläsern an und tranken. Chakotay bemerkte den Alkohol, aber ein Glas konnte man sich wohl erlauben...

=/\=

Kathryn saß unterdessen in ihrem Bereitschaftsraum und arbeitete den letzten Bericht durch. Als sie damit endlich fertig war, gähnte sie und streckte sich um ihre inzwischen etwas steifen Glieder wieder zu lockern. Sie schaute auf das Chronometer. *Verdammt, ist es wirklich schon so spät? Ich habe ja fast die Party versäumt.* fluchte sie innerlich. Ärgerlich über sich selbst kam sie auf die Brücke und erkundigte sich noch schnell bei Tuvok nach dem Statusbericht.
"Der nächste Planet ist fünf Tage entfernt, die Langstreckensensoren haben kein Schiff oder etwas besonderes geortet."
"Danke, Tuvok. Kommen Sie auch allein zurecht?" fragte sie etwas besorgt.
"Da wir offensichtlich einen 'langweiligen' Teil des Raumes durchqueren, sehe ich keine Notwendigkeit, daß Sie auf der Brücke bleiben müßten."
"Na gut, dann werde ich mal sehen, was die Crew so treibt. Bis morgen, Tuvok."
"Gute Nacht, Captain." Die Turbolifttüren schlossen sich zischend.
In ihrem Quartier gönnte es sich Kathryn noch, kurz unter die Ultraschalldusche zu hüpfen, dann überlegte sie, was sie anziehen sollte. Sie entschied sich für ein ärmelloses, weit geschnittenes, weißes Kleid, das ziemlich viel von ihrem Körper preisgab. Aber auch nicht wieder zu viel. Mit ihrem Aussehen ganz zufrieden begab sie sich zum Holodeck. Als sie eintrat, verschlug es ihr die Sprache, Tom und B’Elanna hatten sich mal wieder selbst übertroffen. Tom kam ihr auch schon entgegen.
"Hallo Captain! Schön, daß Sie doch noch gekommen sind."
"Aber Tom, wie könnte ich mir Ihre Party denn jemals entgehen lassen?"
Tom grinste und meinte: "Beim nächsten Mal werde ich Sie an Ihre Worte erinnern, wenn Sie wieder keine Zeit haben." Er lachte. Kathryn mußte auch lachen.
"Sie haben ja so recht, ich werde versuchen, mich zu bessern." Versprach sie ihm. "Also, was haben Sie denn alles im Programm?" fragte sie neugierig.
Inzwischen war auch Neelix mit seinem Getränketablett herbeigeeilt, um den Neuankömmling zu begrüßen. Während sich Kathryn ein Getränk aussuchte, erklärte ihr Tom, wo was auf der Party ablief.
"Ach übrigens, Chakotay ist auch schon hier." fügte er noch hinzu.
Kathryns Herz hüpfte, als sie seinen Namen hörte, äußerlich blieb sie jedoch gelassen.
"Ach ja? Ich werde ihm bestimmt irgendwo begegnen. Danke, Tom."
"Viel Spaß Captain, wenn Sie mich nun bitte entschuldigen würden, B’Elanna wollte gerne tanzen."
Kathryn lächelte. "Aber natürlich, viel Spaß und treten Sie ihr nicht immer auf die Füße!" flachste sie.
Tom lachte und machte sich auf die Suche nach B’Elanna.
Kathryn schlenderte in aller Ruhe Richtung Meer. Zwischendurch legte sie immer wieder eine kleine Pause ein, um kurz mit einigen Crewmitgliedern zu plauschen. Dann endlich war sie am Wasser angekommen, stand nun etwas abseits vom Geschehen im Dunkeln und beobachtete die Pärchen auf der Tanzfläche. Ein Schatten legte sich auf ihr Gesicht, die Pärchen zu beobachten machte sie traurig, denn sie wußte, daß ihr das Glück nicht vergönnt sein würde, mit einem Besatzungsmitglied eine Partnerschaft eingehen zu können.
Sie blickte noch einigen Minuten den Tanzenden zu, dann schlenderte sie im Halbdunkeln am Wasser entlang Richtung Bar. *Wo Chakotay wohl steckt?* eigentlich hatte sie nur die Party besucht, um ihn sehen zu können, sie hatte gehofft, mit ihm ein paar schöne Stunden zu verbringen. Auch an der Bar sah sie nur Pärchen sitzen, so entschied sie, noch etwas am Wasser lang zu wandern, dort würde sie niemanden stören. Von der Bar her drang lautes Lachen an ihr Ohr, für einen Moment stutzte sie, dieses Lachen war ihr vertraut, Chakotay lachte auf diese Weise. Sie drehte sich noch einmal um, sah ihn aber nicht und ging weiter. Sie hatte sich wohl getäuscht. Nach ca. 20 Minuten kam sie an eine kleine Bucht. Hier lagen große Felsen am Strand und hinter den Felsen war eine separate Ecke. Dort setzte sie sich hin, zog ihre Schuhe aus und vergrub ihre Füße im Sand, so daß sie aber auch noch im Wasser lagen. Es war angenehm warm, weit in der Ferne hörte sie Musik und Stimmen von der Party. Die Sterne funkelten hell am Himmel und das Wasser rauschte leise. Sie saß einfach nur da, lauschte den Geräuschen und ihre Gedanken waren bei ihrem ersten Offizier. Sie ließ den Tag auf der Brücke noch einmal revue passieren. Sein verstohlenes Lächeln, als er sie wieder mal heimlich beobachtete, seine Blicke, die sie förmlich auszogen und der besondere Glanz in seinen Augen, als sie ihn anblickte. Es war offensichtlich, daß er sie immer noch liebte, genauso, wie sie ihn. Sehr oft wünschte sie sich, wieder mit ihm auf New Earth zu sein, dort war sie einfach nur Kathryn gewesen, keine Ränge, keine Uniform, Freiheit. Sie wären jetzt schon bestimmt zusammen, vielleicht hätten sie sogar ein Kind. Aber sie waren nun mal nicht mehr auf New Earth, damit mußte sie sich abfinden. Der Captain stand nun wieder zwischen ihnen und sie durfte diese Crew einfach nicht verlassen. Sie hatte hart mit sich gerungen, aber schließlich siegte der Captain in ihr, der ihre persönlichen Bedürfnisse nach hinten stellte.
Nur Abends, wenn sie allein in ihrem Quartier saß oder auf dem Holodeck wie in diesem Moment, erlaubte sie sich, wieder sie selbst zu sein und das ließ sie manchmal fast verzweifeln. Wie gerne würde sie ihn einfach umarmen, ihm sagen, daß sie ihn liebte und mit ihm zusammen leben wollte. Unzählige Male hatte er sie auf der Brücke an den Rand ihrer Selbstbeherrschung gebracht, sein liebevolles Lächeln reichte schon, um sie völlig aus dem Gleichgewicht zu bringen. In solchen Momenten flüchtete sie sich dann meistens in ihren Bereitschaftsraum. Jetzt, als sie hier alleine am Strand saß, stieg die Verzweiflung wieder in ihr hoch. Sie zog die Knie an und vergrub ihr Gesicht in ihrem Schoß. Plötzlich hörte sie lautes Lachen, das näher kam. Sie hörte eine männliche und eine weibliche Stimme. Leise stand sie auf und lugte hinter dem großen Fels hervor. Dann sah sie zwei Gestalten, die dicht beieinander standen. Ihre Gesichter waren nur Zentimeter voneinander entfernt und sie hatten offensichtlich sehr viel Spaß miteinander. Die Frau nahm die Hand des Mannes und bedeutete ihm, sich zu setzen. Als beide saßen gab die Frau dem Mann einen zärtlichen Kuß auf die Wange. Dann stieß sie ihn plötzlich nach hinten, so daß er auf den Rücken fiel und legte sich neben ihn. Sie wollte ihn gerade küssen, ihre Lippen näherten sich seinen. Kathryn zog sich hinter den Felsen zurück, sie wollte beide nicht stören. Plötzlich hörte sie Chakotays Stimme: "Hör auf Beth, sonst sieht uns noch jemand."
Kathryns Herz setzte für einen Moment aus. Sie konnte es nicht glauben, vorsichtig schaute sie noch einmal hinter dem Fels hervor, diesmal fiel etwas Mondlicht auf den Mann und sie konnte sein Gesicht sehen. Es war Chakotay. Auf ihm halb drauf lag die junge Frau, nur mit einem Bikini bekleidet. Sie hörte die Frau kichern, dann wieder Chakotay: "Ich finde, wir sollten zu den anderen zurückgehen, sonst vermißt man uns noch." Er erhob sich und sie folgte ihm nach kurzem Zögern mit einem enttäuschten Blick. Er blieb aber nicht lange auf ihrem Gesicht, sie lächelte ihn wieder an und nahm ihn bei der Hand. Langsam schlenderten sie zur Party zurück.
Für Kathryn brach eine Welt zusammen. Sie hatte ihn an eine andere Frau verloren, es war alles aus. Sie fiel in den Sand und fing an, hemmungslos zu weinen.
Es war ihre Schuld, ja, sie war Schuld daran, hätte sie sich nicht von ihm abgewandt, hätte er sie nicht aufgegeben. Ihr kam mit einem Mal alles so sinnlos vor. Wofür lebte sie eigentlich noch? Ihr einziger Halt war Chakotay gewesen, ihre gemeinsame Liebe. Aus. Vorbei. Für das Schiff noch leben? Für die Crew? Wozu eigentlich noch?
Sie weinte über eine Stunde, irgendwann kamen einfach keine Tränen mehr und sie fühlte sich, als ob ihr jemand das Herz aus dem Leibe gerissen hätte. Sie fühlte eine große Leere in ihr, im Moment war ihr alles egal. Sie hatte nur einen Gedanken - Chakotay. Sie wollte jetzt einfach nur noch weg von hier und keinen Menschen sehen. Sie brauchte ein paar Minuten um so viel Selbstbeherrschung zu sammeln, daß sie wenigstens so unauffällig wie möglich die Party verlassen konnte. Schnellen Schrittes lief sie zurück. Sie schaute niemanden an, wählte einen Weg, auf dem sie möglichst keinem begegnen konnte. Sie bemerkte nicht, daß sie direkt an Chakotay, der nach Beth’s Annäherungsversuch diese so schnell wie möglich abgeschoben hatte, vorbei lief. Endlich erreicht sie die Tür und verließ das Holodeck.

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Chakotay sah Kathryn auf sich zulaufen, er wollte sie gerade freudig begrüßen, doch als er ihr Gesicht sah, blieb er erschrocken stehen. Sie sah leichenblaß aus und hatte tiefe, dunkle Ringe unter ihren Augen. Es war offensichtlich, daß sie geweint hatte. Chakotay blickte ihr besorgt hinterher, als sie das Holodeck verließ. Was war nur mit ihr los? Er hatte sie bis eben noch nicht einmal auf der Party gesehen, jetzt machte er sich die größten Sorgen, was geschehen sein könnte.
*Vielleicht weiß Tom etwas.* dachte er und machte sich sogleich auf die Suche.
Er fand Tom auf der Tanzfläche mit B’Elanna und winkte ihn zu sich. Tom bemerkte an Chakotays Blick sofort, daß etwas nicht stimmte und kam sofort zu ihm rüber.
"Chakotay, was ist los, ist etwas passiert?"
"Tom, haben sie eine Ahnung, was mit dem Captain los ist? Sie rannte gerade völlig aufgelöst aus dem Holodeck, ich mache mir ernsthaft Sorgen, sie sah einfach schrecklich aus."
Tom blickte ratlos zu B’Elanna, die inzwischen auch herangekommen war.
"Nein, ich habe keine Ahnung, ich habe sie begrüßt und dann bin ich mit B’Elanna auf der Tanzfläche gewesen."
"Verdammt, irgendetwas stimmt da nicht, Tom, seien Sie mir nicht böse, aber ich werde mal nach Kathryn sehen."
"Alles klar, wenn Sie Hilfe brauchen, sie wissen, wo sie mich finden."
"Danke Tom."
Chakotay ging direkt zum Ausgang, unterwegs wurde er von Beth aufgehalten.
"Chacky, wo-wo will-willst Du-du denn hi-in?" lallte sie. "Komm-mm Süßer, kü-küß mich!"
"Beth, ich glaube, Du solltest nichts mehr trinken. Außerdem habe ich jetzt keine Zeit, ich muß jemanden suchen." Mit diesen Worten ließ er Beth stehen und verließ das Holodeck. Er ging Richtung Kathryns Quartier.

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Kathryn lief ziellos durch die leeren Gänge der Voyager, in ihren Gedanken wiederholte sich fortwährend die Szene mit Chakotay und der anderen Frau.
Ihr liefen wieder die Tränen herunter, es war ihr egal. Jetzt wollte sie nur noch vergessen. Plötzlich piepte Ihr Communicator.
"Chakotay an Janeway, bitte antworten Sie."
Als Chakotay bei Kathryns Quartier angekommen war und keiner öffnete, versuchte er es über den Communicator. Er erhielt keine Antwort. Er versuchte es ein zweites Mal: "Kathryn, können Sie mich hören? Bitte antworten Sie!" Wieder erhielt er keine Antwort. "Computer, Captain Janeway lokalisieren."
"Captain Janeway befindet sich auf Deck 12, Sektion 3." Chakotay rannte, von größten Sorgen getrieben, da sie ihm nicht antwortete, zum nächsten Turbolift. "Computer, Deck 12." Der Lift setzte sich in Bewegung. Auf Deck 12 angekommen rannte er die Gänge entlang bis zur vom Computer angegebenen Sektion. Nichts, der Gang war leer.
"Computer, den Captain lokalisieren."
"Der Captain befindet sich auf Deck 12, Sektion 3." Antwortete die monotone Computerstimme.
Chakotay blickte sich ratlos um, plötzlich sah er in einer Ecke etwas funkeln. Er ging näher und sah, daß es Kathryns Communicator war.

=/\=

Kathryn hörte Chakotays Rufe, aber um keinen Preis in der Welt wollte sie antworten. Kurzerhand riß sie sich den Communicator vom Kleid und warf ihn auf den Boden. Sie wollte niemanden hören und von niemandem gefunden werden.
Sie ging zur Krankenstation, es war dunkel, sie war allein - gut. Sie durchsuchte die medizinischen Vorräte des Doktors nach irgendetwas, das sie von ihrem Kummer erlösen würde. Sie fand Schlaftabletten, nahm die ganze Packung mit, eine Flasche Wasser und verkroch sich in die nächste Jeffreys-Röhre. Hier würde sie so schnell keiner finden. Während sie alle Tabletten rausdrückte, kamen ihr immer wieder Chakotay und die andere Frau ins Bewußtsein, der Kuß, die Umarmung... Sie wollte die Bilder so schnell wie möglich vergessen. Ohne noch einmal groß drüber nachzudenken, schluckte sie alle Tabletten herunter und wartete auf die erlösende Finsternis.

=/\=

Chakotay hatte inzwischen Tom und B’Elanna alarmiert und gemeinsam machten sie sich auf die Suche nach Kathryn. Tom und B’Elanna machten sich daran, alle öffentlichen Räume abzusuchen, das Casino, die Shuttle-Rampe, den Transporterraum, usw. Chakotay begab sich auf die Brücke, um mit den internen Sensoren nach Kathryns Biosignalen zu scannen.

=/\=

Die Tabletten wirkten schnell, schon nach wenigen Minuten wurde Kathryn schläfrig. Sie legte sich in den Gang und schloß die Augen. Die Dunkelheit in ihr kam näher, schließlich verschlang sie ihren Geist. Sie war erlöst, Kathryn war in einen tödlichen Schlaf gefallen, sie fühlte sich wohl darin. In ihrem Körper machte sich auch bereits die starke Überdosis bemerkbar. Ihr Herzschlag verlangsamte sich stark, nach 10 Minuten setzte es bereits einige Male aus und nach weiteren 5 Minuten war es stehengeblieben.

=/\=

Chakotay hatte unterdessen auf der Brücke die Biosignaturen von Kathryn geortet, aber sie waren sehr schwach. Chakotay begab sich auf dem schnellsten Wege zur Jeffreys-Röhre, in der Kathryn sein mußte. Unterwegs verständigte er über seinen Communicator den Doktor, der sich unverzüglich auf die Krankenstation transferierte und Tom und B’Elanna, die sich auf den Weg zur Krankenstation machten.
Chakotay kam am Eingang der Jeffreys-Röhre an, riß die Tür auf und sah in einiger Entfernung Kathryn im Gang liegen. Sie rührte sich nicht.
"Kathryn!" rief er, "Kathryn, kannst Du mich hören?" er kroch in den Gang hinein. Als er bei ihr ankam, fühlte er nach ihrer Halsschlagader – er fühlte nichts. Sie war tot.
"Nein! Kathryn!" schrie er. "Computer, Nottransport auf die Krankenstation, Code Weiß, sofort!" Er verschwand mit Kathryn im Transporterstrahl. Als sie in der Krankenstation rematerialisierten war der Doktor sofort zur Stelle und untersuchte sie.
"Herzstillstand." diagnostizierte er. "Schnell, wir müssen sie auf ein Bett legen. Cortical Stimulator vorbereiten, Mr. Paris."
Tom legte den Stimulator auf Kathryns Stirn. "Treten Sie zurück." befahl der Doktor. "Mr. Paris, JETZT!"
"Keine Veränderung." sagte Tom.
"Noch einmal, JETZT!" Kathryns Körper bäumte sich jedesmal ein wenig auf, als der Doktor den Stimulator einsetzte.
Chakotay stand neben Kathryn am Bett und schaute fassungslos auf sie hinab. Tränen stiegen in seine Augen, sie durfte ihn nicht verlassen. "Kathryn, bitte komm‘ zu uns zurück." flehte er.
"Sie reagiert immer noch nicht, Doktor."
"10 Milligramm Cordrazin."
Tom holte das gewünschte und injizierte es Kathryn.
"Tom, noch einmal den Cortical Stimulator. JETZT!" Kathryns Körper bäumte sich erneut auf, Chakotay näherte sich ihr und sagte ihr ins Ohr: "Kathryn, kämpfe, Du darfst nicht aufgeben, ich liebe Dich!"
Tom und der Doktor hatten seine Worte wohl gehörte, hatten aber keine Zeit, um sich verblüfft anzusehen.
"Keine Veränderung." Paris Stimme zitterte.
"Noch mal, Mr. Paris, JETZT." Erneut durchzuckte es Kathryns Körper. Eine Ewigkeit später schlug das Herz wieder.
"Doc, Puls wird angezeigt, schwach, aber er ist da, Gehirnaktivität steigt."
Das Hologramm injizierte Kathryn ein weiteres Mittel und ihr Puls wurde kräftiger. Der Doktor scannte Kathryn.
"Tom, helfen sie mir, sie ist noch nicht außer Lebensgefahr. Sie hat eine Überdosis Schlaftabletten geschluckt, ein großer Teil befindet sich schon in ihrer Blutbahn, wir müssen den Rest aus dem Magen holen und den anderen Teil aus dem Blut. Schnell, es geht um jede Sekunde." Tom bereitet alles für die Operation vor, während der Doktor Seven verständigte. "Doktor an Seven."
"Seven hier."
"Beamen Sie sich sofort auf die Krankenstation, wir brauchen Nanosonden."
"Verstanden." Nur wenige Sekunden später schimmerte es bläulich und Seven rematerialisierte.
"Seven, programmieren sie die Nanosonden so, daß sie das Schlafmittel assimilieren. Chakotay kann ihnen helfen."
"Verstanden." Seven und Chakotay verloren keine Zeit und extrahierten die Nanosonden aus Sevens Blut und programmierten sie um.
Tom und der Doktor kümmerten sich inzwischen um Kathryn. "Den Magen haben wir erfolgreich geleert, wir brauchen jetzt die Nanosonden!" rief das Hologramm.
"Nur noch ein paar Sekunden." sagte Seven. Seven füllte einen Injektor mit den Sonden und injizierte sie Kathryn.
"Jetzt können wir nur noch warten und hoffen." sagte der Doktor.

=/\=

Die Dunkelheit wich von ihr, auf einmal sah sie sich selbst unter ihr liegen. Sie schwebte. Sie sah Chakotay kommen und hörte seine verzweifelten Rufe. Sie wußte nicht, warum, aber der Transporterstrahl nahm auch sie mit. Auf der Krankenstation beobachtete sie ihre Körper, warum wurde er nicht in Frieden gelassen, sie war doch endlich tot. Als sie Chakotay neben ihrem Körper stehen und sah und die Verzweiflung in seinen Augen sah fühlte sie etwas. Einen kleinen Stich in ihrem Herzen. Aber wie konnte das sein, sie hatte jetzt kein Herz mehr, das sie fühlen konnte. Als der Doktor das erst Mal den Corticalstimulator anwandte, fühle sie, wie sie sich ihrem Körper näherte. Sie wollte nicht! Nicht wieder zurück! Doch dann hörte sie Chakotays Worte. *Meint er mich? Aber er hat doch jetzt eine andere!* sie zweifelte plötzlich an dem, was sie gesehen hatte. Sie sah noch einmal in Chakotays Gesicht. Er hatte es ernst gemeint, das konnte sie in seinen Augen lesen. Was hatte sie getan?
Plötzlich regten sich die Lebensgeister in ihrem Körper und sie wurde von ihm angezogen. Sie wollte es, er hatte gesagt, er liebe sie noch, jetzt war es an ihr, ihm zu antworten, diesmal wollte sie ihre Chance nutzen.

=/\=

Nach zwei Stunden auf der Krankenstation stabilisierten sich die Werte von Kathryn. Der Doktors scannte sie noch einmal, dann lächelte er zufrieden und verkündete: "Sie wird es schaffen. Jetzt wird sie noch eine weile Schlafen. Commander, bitte kommen sie in mein Büro, wir müssen etwas besprechen."
Chakotay, der die ganze Zeit über nicht von Kathryns Seite gewichen war, ließ nun ihre Hand los und flüsterte: "Geh nicht weg, ich komme gleich wieder." Dann folgte er dem Doktor in sein Büro.
"Commander, sie wissen, daß der Captain versucht hat, sich umzubringen?" kam er ohne Umschweife auf das Thema. Chakotay versetzte diese Bemerkung einen kleinen Stich, ja, er wußte es. "Ich bin mir dessen bewußt."
"Die Frage ist jetzt bloß, warum wollte sie sich aufgeben? Wir müssen die Ursache finden, damit so etwas nicht noch einmal passiert. Da Captain Janeway eine starke Psyche hat weiß ich, daß sie sich das bestimmt nicht antun würde, wenn es etwas mit dem Schiff zu tun hätte oder ihrer Stellung. Ich schließe daraus, daß die Ausweglosigkeit privater Natur war." Das Hologramm machte eine kurze Pause und sah den Commander eindringlich an. "Commander, wir habe natürlich gehört, was sie vorhin zu ihr sagten," fuhr er etwas leiser fort, "und ich glaube, ihr Zustand hat etwas mit Ihnen und ihren Gefühlen für sie zu tun. Bitte erzählen sie mir genau, was heute passiert ist, wir müssen die Ursache einfach finden."
Während der Doktor sprach, schlich sich ein Verdacht in seine Gedanken. *Mein Gott, hat sie mich und Beth gesehen und die Situation falsch interpretiert? Dann wäre ich an ihrem Zustand schuld, warum habe ich es nicht eher bemerkt?*
"Commander?" der Doktor schaute ihn fragend an.
"Äh, Entschuldigung. Um ehrlich zu sein, ich habe eine Ahnung. Auf der Party vorhin, als der Captain noch nicht da war, belegte mich Fähnrich Wilder mit Beschlag. Sie muß wohl ein Auge auf mich geworfen haben, denn sie machte eindeutige Bemerkungen. Allerdings war sie auch schon etwas angeheitert, und als sie mir am Strand etwas entfernt von der Gesellschaft etwas zeigen wollte, konnte ich ja nicht ahnen, daß sie sich gleich an mich wirft."
"Hm, ich denke, es ist wahrscheinlich, daß Captain Janeway das gesehen hat und wenn auch sie Sie liebt, dann wäre das ein triftiger, wenn auch nicht rationaler Grund für ihren Zustand."
"Wahrscheinlich hat sie uns gesehen, deshalb rannte sie auch völlig aufgelöst von der Party..." murmelte Chakotay vor sich hin. Er machte sich die größten Vorwürfe.
Was Kathryn gesehen haben mußte, mußte auch für sie so ausgesehen haben, als ob er nichts mehr von ihr wissen wollte.
"Commander, ich denke, der einzige Weg zu verhindern, daß so etwas noch einmal passiert, ist das Mißverständnis aus dem Weg zu räumen."
"Natürlich Doktor, aber ich bin mir nicht sicher, ob das reicht. Sie darf nie wieder das Gefühl haben, ich hätte sie verlassen und der einzige Weg, das zu erreichen wäre ein Beziehung. Aber ich brauche Ihnen wohl nicht zu sagen, daß es da eine verfluchte Sternenflottenklausel gibt, die genau das verhindert. Wäre dieser Absatz nicht gewesen, wären wir wahrscheinlich schon längst zusammen und das heute wäre nicht passiert." Er schaute den Doktor verzweifelt an. Dieser runzelte die Stirn, aber man konnte ihm ansehen, daß er bereits einen Ausweg gefunden hatte.
"Nun, da es offensichtlich ist, daß diese Klausel für ein Cremmitglied lebensgefährlich ist, ist es meine Pflicht als leitender medizinischer Offizier, diese Klausel außer Kraft zu setzen. Ich werde einen entsprechenden Eintrag im Logbuch vornehmen." Er lächelte den Commander an. Chakotay blickte ihn mit großen Augen an. Endlich stand Ihnen nichts mehr im Wege, jetzt kam es nur darauf an, daß sie auch eine Beziehung mit ihm eingehen wollte.
In diesem Moment ertönte aus dem Nebenraum ein leises Piepen.
"Sie wacht auf." stellte der Doktor fest und begab sich mit Chakotay zu Kathryn. Chakotay nahm ihre Hand und drückte sie fest. Kathryn öffnete langsam ihre Augen.
"Wo-wo bin ich? Warum bin ich hier?"
"Ich glaube, das kann Ihnen Commander Chakotay am besten erklären. Ich lasse sie jetzt allein. Commander, wenn etwas sein sollte, ich bin in meinem Büro." Damit ließ er Kathryn mit Chakotay allein. Chakotay sah sie sorgenvoll an.
"Kathryn, bitte, ich weiß, warum Du das gemacht hast, aber es war nicht so, wie Du denkst! Beth hat sich an mich rangeschmissen und sie war auch nicht mehr ganz nüchtern. Als ich merkte, was sie wirklich im Schilde führte, habe ich sie nur noch zur Gesellschaft zurückgebracht und mich dann von Ihr ferngehalten. Bitte, das ist die Wahrheit, ich liebe nämlich bereits eine andere Frau." Bei diesen Worten sah er sie etwas schüchtern an.
Auf Kathryns Gesicht schlich sich ein liebevolles Lächeln. "Ich habe Dich gesehen, Chakotay, ich konnte alles im Raum sehen und hören, auch Dich. Es tut mir so leid, aber ich konnte es einfach nicht ertragen, Dich verloren zu haben."
"Du hast mich niemals verloren und wirst mich niemals verlieren, Kathryn, denn ich werde Dich immer lieben, egal, was passiert."
"Chakotay! Jeden Tag raubst Du mir fast den Verstand, ich sehe Dich jeden Tag, aber ich darf Dich nicht so berühren, wie ich es will und es wird auch in Zukunft so sein." Verzweiflung trieb Ihr die Tränen wieder hoch. Doch Chakotay lächelte sie an.
"Du irrst Dich, der Doktor hat die Klausel aus Besorgnis um Deine Gesundheit offiziell außer Kraft gesetzt. Wir dürfen, Kathryn und wir werden es tun. Endlich dürfen wir es." Er nahm sie fest in seine Arme und drückte sie an sich. Als sie Chakotays Worte hörte, wurde ihr warm ums Herz und nach zwei Jahren, seit sie New Earth verlassen hatten, bemerkte sie endlich wieder ein Glücksgefühl in ihr. Sie erwiderte seine Umarmung diesmal weinte sie vor lauter Freude. "Oh Chakotay, ist das wirklich wahr?"
"Ja, Du kannst es im offiziellen Logbuch nachlesen." Er ließ sich los und schaute sie an. "Kathryn, ich verstehe Deine Gründe, warum Du es getan hast, ich hätte vermutlich dasselbe getan, aber Selbstmord ist niemals ein Weg, bitte, mach so etwas nie wieder."
"Nein, ich werde es nie wieder tun, denn jetzt habe ich Dich und darf Dich lieben. Ich war so dumm, bitte verzeih mir."
Chakotay antwortete ihr mit einem langen und innigen Kuß.

=/\=

Der Doktor schaute verschmitzt zu den beiden herüber. "Therapie erfolgreich." murmelte er vor sich hin.
Als Kathryn nach einem Tag aufstehen durfte, verordnete sie ihr und Chakotay ein paar freie Tage auf dem Holodeck und im Quartier. Die beiden nutzten diese Tage...