Autor: Deltaflyer206

Kathryn Janeway schaute ihrem Gegenüber tief in die dunklen Augen.
"Sag mal, was glaubst du, was sie jetzt gerade machen?" wollte sie wissen und seufzte laut.
Chakotay, der ihre Frage durchaus verstanden hatte, stellte sich dumm.
"Wen meinst du denn?"
"Du weißt schon, Tuvok, Tom, Harry, B´Elanna, Neelix, Kes, den Doktor und alle anderen auf der Voyager!"
"Ach, die ..." Chakotay zog das letzte Wort theatralisch in die Länge.
"Ich nehme an: Dienst nach Vorschrift!"
"Chakotay! Kannst du nicht mal ernsthaft antworten?" meinte Kathryn gespielt vorwurfsvoll.
"Doch, kann ich. Nun, wahrscheinlich wird Captain Tuvok dafür sorgen, dass alles an Bord seinen gewohnten Gang geht. Jedenfalls ... sofern das überhaupt möglich ist." fügte er nachdenklich hinzu.
Kathryn schaute ihn unvermindert an und beobachtete, wie sich seine Gesichtszüge veränderten. Chakotay sah nun sehr ernst aus, sein Blick verlor sich in der Ferne und Kathryn fühlte eine tiefe Traurigkeit in sich aufsteigen.
Genau wie er vermisste auch sie ihre Freunde und Kollegen sehr.
*Ich hätte nie geglaubt, dass nach sechs Monaten immer noch ein solch starkes Gefühl des Verlustes vorhanden sein würde. Man sagt doch immer, die Zeit heile alle Wunden... ist also doch nur eine Redewendung.* dachte sie beklommen und legte ihre rechte Hand auf seine linke Hand. Chakotay lächelte sie dankbar an und drückte ihre Hand.
Die beiden ehemaligen leitenden Kommando-Offiziere der USS Voyager schauten einander wiederholt tief in die Augen und es war Kathryn, die das Schweigen schließlich brach.
"Chakotay, lass es uns auch mal positiv sehen. Wären wir nicht von der Crew getrennt worden, hätten wie niemals unsere Liebe füreinander entdecken und auch zulassen können. Ich habe dich sehr lieb und möchte niemals mehr auf dich verzichten müssen!"
Chakotays Gesichtszüge wurden weicher und er schaute Kathryn wieder direkt an. "Ich liebe dich doch auch, Kath. Wir müssen beide akzeptieren, dass unser weiteres Leben hier stattfinden wird und dass wir niemanden von denen, die wir so sehr vermissen, wiedersehen werden."
"Ja, so ist es." stimmte Kathryn ihm zu und rutschte näher an Chakotay heran. Dabei begann sich der Wasserspiegel bedenklich zu heben und senken und fast wäre eine Welle so hoch geschwappt, dass die Badewanne beinahe übergelaufen wäre.
Chakotay begann, die Schaumberge, die sie beide umgaben, wegzupusten und rutschte seinerseits auch näher an Kathryn heran.
Das konnte natürlich nicht gut gehen und das Ergebnis war, dass das Wasser aus der Wanne endgültig überschwappte und den Boden bis zum Baum neben ihnen völlig durchnässte.
Beide lachten und Chakotay meinte grinsend: "So geht das aber nicht, Captain! Ihr Schiff geht gleich unter."
Kathryn begann, ihn mit Schaumflocken zu bewerfen und erwiderte: "Commander, tun Sie was dagegen!"
Nachdem sie sich eine heftige Wasserschlacht geliefert hatten, saßen beide fast auf dem Trockenen. Chakotay nahm Kathryn in seine Arme und hielt sie fest umschlungen.
"Liebes, du zitterst ja ! Lass uns schnell hier herausklettern und ins Haus laufen, dort wo es wärmer ist."
Kathryn schüttelte den Kopf und schmiegte sich noch dichter an seine Brust. "Mir ist nicht kalt, ich..." stoppte sie mitten im Satz. Chakotay schaute sie fragend an.
Kathryn holte tief Luft und beendete den Satz: "... ich glaube, es ist was anderes."
"Hmm?" Chakotay schaute ziemlich ratlos zu Kathryn herunter.
Sie fasste allen Mut zusammen und sprach weiter: "Ich überlege gerade, dass ich dich schon wieder behelligen muss, etwas für uns zu bauen."
"Und das wäre?" wollte er neugierig wissen.
"Eine Badewanne."
"Kathryn, meinst du etwa, wir beide passen nicht mehr zusammen in diese Wanne hinein?" fragte er sie zweifelnd.
"Doch, schon. Aber zu dritt könnte es etwas eng werden, meinst du nicht?" fügte Kathryn vorsichtig hinzu.
Chakotay fiel die Kinnlade nach unten und seine Augen weiteten sich ungläubig. Er hatte es zwar genau gehört, aber sein Verstand weigerte sich zunächst, zu realisieren, was diese beiden harmlosen Worte eigentlich bedeuteten.
"Meinst du etwa, wir werden bald zu dritt sein?" fragte er überflüssigerweise.
"Ja! Genau das wollte ich dir sagen." schluchzte Kathryn, der jetzt die Freudentränen über die Wangen liefen.
Chakotay fühlte sich plötzlich unbeschreiblich glücklich, stolz und voller Zuversicht. Er drückte Kathryn noch fester an sich, streichelte über ihren nackten, noch ganz flachen Bauch und ließ sie mit wenigen, bewegten Worten an seinen Gefühlen zu dieser völlig überraschenden Nachricht teilhaben.
Sie schaute ihn unverwandt an, und war ziemlich nahe daran, vor Freude und Erleichterung einem beginnenden Schwindelanfall nachzugeben. Es gelang ihr jedoch, sich zusammen zu reißen, wie sie es früher schon so oft als Captain der Voyager hatte tun müssen, auch wenn ihr meist in Innersten ganz anders zumute gewesen war. Schließlich wollte sie von diesem, bisher schönsten Moment ihres Lebens, nichts, aber auch gar nichts verpassen .

*E N D E*