Kapitel 1

Die Voyager umkreiste in einem Standardorbit einen Klasse-M Planeten. Auf der Brücke herrschte gähnende Leere, lediglich zwei Ensigns hatten ein wachsames Auge auf die Instrumente. Alle Senior-Offiziere befanden sich im Konferenzraum.
Captain Kathryn Janeway stand am Kopf des Tisches, die Hände auf den Tisch gestützt und lehnte etwas auf ihm drauf. Die einzelnen Details über Sensorenwerte und Status der Energievorräte hatte die Chefingenieurin B'Elanna Torres im Wechsel mit Ensign Harry Kim gerade erläutert.
Janeway setzte sich in ihren Sessel, als Torres und Kim ihre Berichte beendet hatten und ergriff dann selber das Wort. "Also, meine Damen und Herren, wie uns Miß Torres gerade verdeutlicht hat - mit den verbleibenden Dilithiumkristallen können wir die Voyager maximal 6 Wochen am Leben erhalten. Wenn wir jemals nach Hause kommen wollen, müssen wir uns also neue Kristalle beschaffen. Diese gibt es reichlich auf dem Planeten unter uns. Durch die Sensoren wissen wir jedoch, daß der Planet von einer Prä-Warp Zivilisation bewohnt wird. Das damit verbundene größte Problem läßt sich in zwei Worte fassen." Janeway machte eine kurze Pause. "Erste Direktive." Sie ließ ihren Blick über die Gesichter ihrer Offiziere schweifen. "Das zweite Problem ist die Raumanomalie, die in wenigen Stunden diesen Sektor erreicht. Wir haben also nur wenig Zeit, um genügend Kristalle zu sammeln, sonst müssen wir 3 Wochen warten, bis wir den Planeten wieder anfliegen können. Vorschläge?"
"Die Dilithiumkristalle liegen in einer Höhle, die 2,4 km von der nächsten Siedlung entfernt ist", meldete dich Seven zu Wort. "Wir können nachts ein Außenteam direkt vor die Höhle beamen und die Kristalle schürfen."
"Captain, ich muß Seven zustimmen", sagte Paris. "Wir haben keine andere Wahl, wir müssen Kristalle finden, sonst werden wir in ein paar Wochen tot sein. Damit wir die erste Direktive jedoch nicht verletzen, müssen wir unbemerkt an die Kristalle herankommen."
"Tuvok?" wandte sich Janeway an ihren Sicherheitschef.
Tuvok hob eine Augenbraue bevor er antwortete. "Unter den gegenwärtigen Umständen bin auch ich dazu geneigt, dem Plan von Seven Beachtung zu schenken."
"Chakotay?" fragte Janeway.
"Es bleibt uns wohl leider nichts anderes übrig. Und wenn alles gut geht, brauchen wir nur eine Nacht um genügend Kristalle zu sammeln. Es wird zwar etwas knapp von der Zeit werden, aber in 5 Stunden sollten wir genügend sammeln können."
Janeway seufzte leise. "Ich stimme auch zu, aber damit das klar ist: Das Außenteam muß um jeden Preis vermeiden, von einem Bewohner gesehen zu werden! Commander, Mr. Paris, stellen sie ein Außenteam zusammen und beamen sie heute Nacht auf den Planeten. Noch Fragen?" sie verharrte einen Augenblick aber als keine Resonanz kam sagte sie: "Das wäre dann alles. Wegtreten."
Zurück auf der Brücke berieten Chakotay und Paris, wen sie mitnehmen wollten.
"Ich würde Hargrove und Briston vorschlagen", begann Tom. "Beide können gut zupacken und arbeiten schnell."
"Einverstanden", sagte Chakotay. "Außerdem hätte ich gerne einen Sicherheitsoffizier mitgenommen."
"Wie wäre es mit Lieutenant Ayala?"
"Gute Idee." Chakotay tippte seinen Communicator an. "Commander Chakotay an Hargrove, Ayala und Bristow. Melden Sie sich mit kompletter Ausrüstung für Dilithiumabbau heute Abend um 23.00 Uhr in Transporterraum eins."
"Verstanden", erklang es dreimal hintereinander aus Chakotays Communicator.

Kapitel 2

Pünktlich um 23.00 Uhr machte sich das Außenteam bereit für den Transfer auf die Planetenoberfläche. Harry hatte kurz zuvor mit den Sensoren noch einmal die Umgebung gescannt, konnte aber keinen Bewohner im Umkreis von 2 km orten. Chakotay, Paris, Hargrove, Ayala und Bristow stiegen auf die Transporterplattform und fanden sich im nächsten Moment auf der Planetenoberfläche wieder. Chakotay sah sich um und nahm dann seinen Tricorder zur Hand. Während Chakotay nach dem Dilithium scannte betrachtete Tom die Umgebung. In der Dunkelheit konnte er zwar nicht viel erkennen, aber die groben Landschaftsumrisse, die vom Mond beschienen wurden, ließ ihn die Schönheit dieser Welt erahnen. Sie waren am Fuße einer kleinen Berglandschaft, die sich aber immer weiter gegen Norden als mächtiges Gebirge entpuppte... Ein üppiger Wald wuchs auf der entgegengesetzten Seite, ein kleiner Fluß durchquerte ihn und lieferte den Pflanzen Wasser. Hin und wieder hörte er einige Tiere und irgendwo in der Ferne das Rauschen eines Wasserfalls. Die Luft roch sauber und frisch, deshalb atmete er tief ein. Der Planet erinnerte Tom an die Erde, er war ihr so ähnlich...
"Das Dilithium befindet sich ungefähr 400m in der Höhle, wir sollten leicht rankommen..." Chakotays Stimme riß Paris aus seinen Gedanken. Er wandte sich zu den anderen und dann betraten sie die Höhle. Chakotay, der mit seinem Tricorder voran ging, führte die Gruppe bis zu einer Grotte. An den Wänden funkelte es hell in gelblichen Tönen - die Wände waren mit Dilithiumkristallen nur so übersät.
"Volltreffer", meinte Paris, als er das Funkeln sah.
"Also meine Herren, dann mal an die Arbeit, uns bleiben knappe 5 Stunden, sonst fliegt die Voyager ohne uns ab." Chakotay steckte seinen Tricorder weg und schnappte sich einen Behälter und ein Laser. Die anderen taten es ihm gleich. Bald darauf war ein beständiges Summen und Klopfen zu hören und die Behälter füllten sich.

Kapitel 3

Selina konnte nicht schlafen. Bei Vollmond hatte sie noch nie richtig schlafen können. Sie wälzte sich auf ihrer Liege umher - sollte sie den Rest der Nacht damit verbringen, sich im Bett hin und her zu wälzen oder machte sie lieber einen kleinen nächtlichen Ausflug? Bevor ich hier nur rumliege und auf den Morgen warte, mache ich lieber einen Spaziergang, das lenkt ab.
Schon war sie leise aufgestanden, zog sich ihren schlichten Rock und ein Oberteil an und ging in die Nacht hinaus. Sie wollte zu der alten Grotte, ihrem Lieblingsplatz. Wie oft hatte sie schon die glitzernden Wände bewundert und sich vorgestellt, es wäre ein Sternenhimmel zum anfassen. Sie war schon als Kind von dem Sternenhimmel angezogen worden, er leuchtete in der Höhle sogar im Dunkeln, wenn sie ihre Fackel vergessen hatte.
Diesmal würde sie auch keine mitnehmen, sie kannte den Weg in und auswendig.
Sie trat aus ihrer Hütte in die klare Nachtluft und atmete ihren frischen Duft ein. Um zu dem Weg zu gelangen, der zur Höhle führte, mußte sie fast an allen anderen Hütten vorbei. Zum Glück waren es nur 11 Hütten, so mußte sie nicht allzu lange schleichen, um die anderen nicht zu wecken. Hinter den Toren des Dorfes atmete sie kräftig ein und folgte dann dem Pfad. Sie genoß die Stille, die hin und wieder nur von leisen Tierlauten unterbrochen wurde. Der Sand knirschte bei jedem Schritt unter ihren Füßen. Sie lief gut eine halbe Stunden, dann konnte sie bereits den Eingang ihres Reiches erkennen. Als sie gerade den Eingang betreten wollte, horchte sie auf einmal auf. Was war das? Sie stutzte, blieb stehen und lauschte in die Höhle. Wieder hörte sie etwas, ein scharrendes Geräusch. Ich habe es mir doch nicht eingebildet, irgend etwas ist in der Höhle. Sie blieb unsicher stehen und überlegte.*Was für ein Tier würde solche Geräusche machen? Ein Dorfbewohner konnte es nicht sein, sie alle schliefen. Selina führte sich alle Tiere, die sie kannte vor Augen, aber zu keinem paßten diese Geräusche. Schließlich siegte ihre Neugierde. Vielleicht ist es verletzt und braucht Hilfe, überlegte sie. Mit klopfendem Herzen schlich sie vorsichtig, Schritt für Schritt, die Wand entlang. Kurz bevor sie die Grotte erreichte, kniete sie sich hin und schaute dann vorsichtig um die Ecke. Sie riß ihre Augen weit auf, mit diesem Anblick hatte sie nicht gerechnet. Was sind das für Wesen? Sie rauben ja meine Sterne! Selina konnte nicht begreifen, was sie sah. Dort standen 5 männliche Wesen und aus ihren Händen leuchteten Strahlen, mit denen sie die Felsen aufschnitten. Ihre Sterne holten sie sogar raus! Das müssen böse Geister sein, dachte sie und auf einmal stieg Angst in ihr empor. Nur böse Geister würden Sterne stehlen. Ich muß die Geister vertreiben, sonst fallen sie über unser Dorf her! Ich muß Hilfe holen!
Sie zog sich so leise wie möglich zurück und schlich aus der Höhle, immer darauf bedacht, ob die Geister ihr folgen würden. Anscheinend hatten sie sie nicht bemerkt, denn sie erreichte unbeschadet den Ausgang. Dann rannte sie los ins Dorf. Nur 10 Minuten später kam sie dort an und rannte in das Haus des Dorfältesten.
"Esaias, Esaias, wach auf!" rief sie, als sie die Hütte betrat. Esaias, schreckte aus seinem Schlaf und blickte verwirrt auf. Als er Selina erkannte sagte er: "Selina, was ist denn los, beruhige Dich doch!"
"Esaias, schnell, in der großen Höhle sind böse Geister, sie stehlen meine Sterne und aus ihren Händen kommen Strahlen, mit denen sie Felsen aufschneiden können!" Selina stand völlig außer Atem vor dem Dorfältesten. Dieser war inzwischen aufgestanden und nahm sie beruhigend in den Arm. "Oh Selina, Du hattest einen schlimmen Traum. Es ist jetzt alles wieder gut."
"Nein, Esaias, es war kein Traum. Ich konnte nicht schlafen und da bin ich zu meiner Höhle gelaufen, um die Sterne leuchten zu sehen. Ich habe merkwürdige Geräusche gehört und dachte erst, es wäre ein Tier, aber als ich in die Grotte blickte, waren dort fünf Wesen, die meine Sterne stahlen! Bitte, Du mußt mir glauben, sie werden noch unser Dorf überfallen!"
Esaias sah Selina in die Augen. Er spürte, daß sie die Wahrheit sagte und nicht geträumt hatte. Er zog sich an und sagte dabei zu ihr. "Geh und hol die anderen, wir werden nachsehen, ob dort wirklich böse Geister sind."
Selina war wie der Blitz draußen und weckte einen nach dem anderen.
Esaias stand inzwischen angezogen vor seiner Hütte und wartete auf die Männer des Dorfes, die müde und verschlafen allmählich aus ihren Hütten traten. Die Frauen waren natürlich auch durch den mitternächtlichen Lärm wach geworden und folgten ihren Männern. Als sich alle versammelt hatten sprach Esaias: "Hört her, in der großen Höhle sind böse Wesen. Sie stehlen die funkelnden Steine und aus ihren Händen kommen Strahlen, mit denen sie Felsen schneiden können. Wir müssen sie gefangen nehmen, sonst werden sie unser Dorf heimsuchen."
Ein Raunen ging durch die Dorfbewohner. Die Frauen nahmen schützend ihre Kinder in den Arm, die ihnen nachgelaufen waren und die Männer tuschelten untereinander. Schließlich sagte einer: "Bist Du auch sicher, daß das stimmt?"
Esaias antwortete: "Ich bin davon fest überzeugt. Holt Eure Knüppel, wir müssen sie aufhalten!"
Die Dorfbewohner vertrauten ihrem Dorfältesten, deshalb hielten sie sich nicht weiter mit Fragen auf, sondern liefen ins Haus um sich zu bewaffnen. Fünf Minuten später schritt eine Kolonne aus 14 Männern und älteren Jungen in Richtung Höhle.

Kapitel 4

Das Außenteam hatte nichts von der heimlichen Besucherin mitbekommen, sie waren vollauf damit beschäftigt, Dilithium zu schürfen. 3 Behälter hatten sie bereits gesammelt und Chakotay schickte Hargrove mit dem Dilithium nach draußen, um es auf die Voyager beamen zu lassen. Hargrove trat nach draußen und tippte auf seinen Communicator: "Hargrove an Voyager, sie können drei Behälter mit Dilithium hochbeamen."
"Verstanden", kam die Antwort. Kurz darauf verschwanden die Kristalle in einem bläulichen Schimmern.
Auf der Brücke der Voyager saß Kathryn Janeway und wurde gerade von B'Elanna informiert, daß die ersten Dilithiumkristalle eingetroffen waren.
"Sehr gut, Miß Torres, machen Sie sich an die Arbeit. Janeway Ende." "Captain", meldete sich hinter ihr Harry Kim zu Wort. "Ich empfange Biosignaturen, die sich dem Außenteam nähern!" Harrys Stimme klang nun aufgeregt. Janeway stand aus ihrem Sessel auf und kam an seine Station. "Können Sie das etwas spezifizieren, Harry?"
"Einen Moment..." er tippte auf einige Schaltflächen. Als er die neue Anzeige sah, blickte er Janeway sorgenvoll an: "Es sind 14 Dorfbewohner und sie gehen genau auf unser Außenteam zu." Janeway sah ihn eine Sekunde starr an, dann wandte sie sich ab und tippte auf ihren Communicator. "Janeway an Außenteam."
Ein statisches Knistern folgte als Antwort. "Janeway an Außenteam, bitte antworten sie!" Wieder folgte ein Knistern. "Mr. Kim, was ist mit der Kommunikation los?" wandte sie sich verärgert an den Ensign. "Irgend etwas in der Höhle blockiert die Komsignale."
Janeway überlegte einen Augenblick. "Mr. Kim, wie weit sind die Bewohner noch von der Höhle entfernt?"
"Knappe 1500 Meter."
Janeway wandte sich Tuvok zu. "Tuvok, beamen Sie auf den Planeten und geben Sie unseren Leuten Bescheid."
Tuvok nickte und machte sich auf den Weg zum Transporterraum. Bereits wenige Minuten später stand er vor der Höhle. In der Ferne sah er schon die Dorfbewohner kommen.
Er betrat die Höhle und nach kurzer Zeit erreicht er das Außenteam. Paris, der ihn zuerst sah, blickte ihn erstaunt an.
"Tuvok, was machen Sie denn hier?"
"Ich muß Sie darüber informieren, daß 14 Individuen auf dem Weg hierher sind, sie werden in ca. 5 Minuten hier eintreffen."
Chakotay, der inzwischen mit seiner Arbeit aufgehört hatte, reagierte sofort. "Sie haben es gehört. Wir müssen schnellstens von hier verschwinden."
Die sechs Männer packten in Windeseile ihre Ausrüstung zusammen, Hargrove, Paris, Tuvok und Bristow nahmen jeweils einen Behälter mit Dilithium während sich Ayala und Chakotay um die restlichen Geräte kümmerten. Paris erreichte zuerst den Ausgang und sah die Bewohner, die nur noch knappe 400 Meter entfernt waren.

Kapitel 5

Jannis, ein kräftiger und junger Mann, der die Dorfbewohner anführte sah, daß ein Wesen aus der Höhle trat. Und dann folgten drei weitere. Esaias hatte Recht, dachte er kurz, dann wurden seine Schritte schneller und er rief: "Beeilt Euch, sonst entkommen sie uns!"
Sie liefen nun.

=/\=

"Paris an Voyager, beamen Sie uns sofort hoch!"
Die ersten Vier entmaterialisierten samt Dilithium. Ayala rannte als Nächster aus der Höhle, doch er hatte das Pech, daß die Dorfbewohner schon so nahe waren, daß sie mit Steinen nach ihm werfen konnten. Er konnte sie deutlich erkennen, sie waren humanoid mit einer rötlichen Hautfarbe und hatten keine Haare. Auf ihrer Stirn wuchsen mehrere kleine Hörner und statt einem Mund hatten sie eher eine Art Schnabel. Ayala wurde von mehreren Steinen getroffen, in seinem Gesicht hatte er schon mehrere Schrammen. Hastig tippte er auf seinen Cummunicator: "Voyager, einen zum beamen." Das nächste was er mitbekam war wie etwas schweres seinen Hinterkopf traf, der Boden auf ihn zukam und es um ihn herum dunkel wurde. Er hatte einen größeren Stein direkt auf seinen Kopf bekommen.
Jannis, der den Stein geworfen hatte, war bereits voller Stolz, er hatte eines der Wesen erlegt. Doch zu seinem größten Erstaunen löste sich auf einmal der Körper auf einmal in einem bläulichen Schimmern auf und verschwand dann.

=/\=

Chakotay sah, wie Ayala zu Boden ging. Er war noch ziemlich weit in der Höhle, ein Beamen von hier war noch nicht möglich. Nun sah er sie Bewohner, die gerade den Eingang zur Höhle betraten. Sein einziger Weg nach draußen war nun blockiert, er hatte nicht einmal einen Phaser. Wenigstens sind die Laser in Sicherheit, dachte er. Mit Ayala waren sie hochgebeamt worden. Chakotay blieb nichts anderes übrig, als ein Versteck in der Höhle zu suchen, die Dorfbewohner durften ihn nicht finden. Kurzerhand legte er die restlichen Behälter, die er getragen hatte in eine Felsspalte und rannte zurück Richtung Grotte. Allerdings fand er keine Möglichkeit, sich irgendwo zu verstecken, es gab keinen Spalt oder Nebengang, wo er sich hätte verstecken können. Er saß in der Falle. Er drückte sich an eine Wand und konnte nur noch eines tun - warten, bis die Bewohner ihn erreichten und hoffen, daß sie ihn nicht gleich töteten. Denn wie er an Ayala gesehen hatte, schienen sie ihnen nicht gerade freundlich gesonnen.
Die Stimmen kamen immer näher. Chakotay hielt seine Arme etwas vom Körper weg, so daß man seine Hände sehen konnte. Er wollte nicht bedrohlich wirken.
Dann stürmten sie um die Biegung. Einen kurzen Moment sahen sie sich suchend um, dann sahen sie ihn. Chakotay ging langsam einen Schritt auf sie zu und sagte: "Guten Abend, ich bin Commander Chakotay, sie brauchen..." in dem Moment stürzten die Bewohner sich auf ihn und etwas sehr hartes traf seinen Hinterkopf. Chakotay verlor das Bewußtsein.

Die Elveaner, so nannten sich die Bewohner, waren noch mehr erschrocken, als das Wesen plötzlich redete. "Schnell, hindert ihn am Sprechen, sonst legt er einen Fluch über uns!" schrie Esaias. Alle stürzten auf das seltsame Wesen, das sich gerade Commander Chakotay genannt hatte und mit einem gezielten Schlag mit einem Knüppel hatten sie es überwältigt. Esaias atmete erleichtert auf, dann wandte er sich zu seinen Leuten um: "Schnell, wir müssen ihn fesseln und knebeln, sonst entkommt er uns noch und verflucht uns!"
Eilig nahm Jannis einige Stricke und ein Tuch und machte sich daran, Chakotay die Hände auf den Rücken zu fesseln. Er knebelte ihn und verschnürte anschließend noch seine Füße. Dann erst nahm er sich die Zeit, ihn eingehend zu betrachten. Esaias kam neben ihn. Jannis sah etwas funkelndes an der Kleidung des Mannes und zog vorsichtig dran. Das funkelnde Etwas löste sich mit einem leisem Geräusch. Erschreckt warf es Jannis von sich. Esaias sagte: "Das ist Zauberei! Ein Stein der Geräusche macht! Laßt ihn dort liegen, bestimmt liegt auf ihm ein Zauber!"
Sie untersuchten Chakotay noch weiter, fanden aber nichts anderes mehr an ihm.
Schließlich stand Esaias auf. "Vynka, Wangha, bei Tagesanbruch geht ihr zurück ins Dorf und holt eine Trage. Wir werden ihn solange hier bewachen. Taipy, geh ins Dorf zurück und sage unseren Frauen Bescheid, sie sollen sich keine Sorgen machen."
Taipy verließ die Höhle.

Kapitel 6

"Bericht." In Kathryns Stimme klang Sorge mit. Hoffentlich sind alle wohlbehalten zurückgekommen.
"Paris hier, Captain! Ayala ist verletzt, wir bringen ihn auf die Krankenstation."
Kathryn atmete erleichtert auf, doch Paris war noch nicht fertig. "Captain, wir haben Chakotay nicht mehr hochbeamen können."
Ihr Herz hörte für einen Moment auf zu schlagen, als sie Chakotays Namen hörte.
"Mr. Kim", wandte sie sich an den Ensign, "können Sie den Commander auf der Oberfläche lokalisieren?"
"Tut mir leid, Ma'am, ich kann auch die Bewohner nicht mehr orten, sie müssen alle in der Höhle sein."
Oh nein, das hätte nicht passieren dürfen! Sie rieb sich die Stirn, wie sie es so oft tat, wenn sie nachdachte und lief auf der Brücke auf und ab. Schließlich fragte sie: "Mr. Kim, wie lange können wir noch im Orbit bleiben?"
"Maximal 40 Minuten, Captain."
"Janeway an alle Senior Offiziere. Kommen Sie in 10 Minuten in den Konferenzraum."
"Janeway an den Doctor."
"Ja Captain?"
"Wie geht es Lieutenant Ayala?"
"Er hat eine schwere Gehirnerschütterung und diverse Kratzer, aber in 2 Tagen ist er wieder völlig gesund."
Wenigstens etwas gutes. "Danke Doctor."

=/\=

9 ½ Minuten später waren die Senior Offiziere versammelt. Lediglich Chakotays Platz blieb leer. In Kathryn krampfte sich etwas zusammen, als sie auf seinen Stuhl sah.
"Vorschläge?" Sie mußte das Thema nicht extra erwähnen, jeder wußte, daß es darum ging, Chakotay möglichst schnell wieder an Bord zu holen.
"Captain", ergriff Tuvok das Wort. "Darf ich Sie daran erinnern, daß die erste Direktive uns verbietet, etwas zu unternehmen?"
"Tuvok!" empörte sich B'Elanna. "Was wollen Sie damit andeuten, daß wir Chakotay einfach auf dem Planeten lassen sollen?"
Tuvok hob eine Augenbraue. "Genau das wollte ich damit ausdrücken. Die Raumanomalie wird in 23 Minuten unsere Position erreichen und eine Rückkehr zum Planeten ist erst in 3 Wochen wieder möglich. Die einzige Möglichkeit, den Commander zu befreien wäre ein bewaffneter Konflikt." Er sah Kathryn an. "Ich glaube, das ist genau das, was die erste Direktive unter allen Umständen vermeiden soll, zumal sie hier greift."
B'Elanna sprang wütend auf. "Captain, ich kann nicht glauben, daß Sie den Ausführungen von Tuvok zustimmen!"
Janeway senkte ihren Kopf und dachte einen Moment nach. Am liebsten würde ich Tuvok den Hals dafür umdrehen, daß er nur daran denkt Chakotay da unten zu lassen... aber er hat Recht, die erste Direktive ist eindeutig. Aber ich kann Chakotay nicht da unten lassen, außerdem habe ich die erste Direktive sowieso schon verletzt...
"Captain?" fragte Seven.
In Kathryns Kopf begann sich eine Idee zu entwickeln. Sie würde ihr ganzes Leben verändern aber sie war bereit, diesen Schritt zu wagen. Für Dich Chakotay, weil ich Dich liebe. Nun war sie fest entschlossen.
"Captain, fühlen Sie sich nicht wohl?" fragte Seven noch einmal. Jetzt erst merkte Kathryn, daß alle sie anstarrten. "Äh, danke, Seven, ich habe nur nachgedacht."
Sie sah ihre Offiziere an. "Ich fürchte, ich muß Mr. Tuvok zustimmen. Wir können Chakotay momentan nicht helfen, aber wir werde zurückkommen und dann finden wir einen Weg, ihn zu retten."
B'Elanna sah sie fassungslos an.
"Mr. Kim, wann wird die Anomalie uns erreichen?"
Harry stand auf, trat an den Wandmonitor und las die Daten ab. "In 12 Minuten."
"Danke Harry." 12 Minuten, nicht mehr viel Zeit.... "Sie kennen Ihre Aufgaben. Wegtreten!"
Die Versammlung löste sich auf. Sie betraten die Brücke.
"Mr. Paris, in 10 Minuten fliegen Sie uns aus dem Orbit und gehen dann auf Warp. Mr. Kim, Sie scannen nach Chakotay, vielleicht können wir ihn noch erfassen." Janeway ging in ihren Bereitschaftsraum, nahm sich ein Padd und schrieb etwas.
"Computer, Traktorstrahl deaktivieren, Genehmigung Janeway Phi Zero Zero Alpha."
"Bestätigt."
Sie legte das Padd auf ihren Tisch und betrat dann wieder die Brücke.
"Ich werde zum Maschinenraum gehen und versuchen, mit B'Elanna die Sensoren zu rekalibrieren. Mr. Tuvok, Sie haben die Brücke." Damit verschwand sie im Turbolift. Die Brückenoffiziere schauten ihr etwas verwirrt hinterher. "Warum macht sie es nicht von hier?" fragte Harry in die Runde.
Tuvok antwortete mit einer hochgezogenen Augenbraue: "Der Captain wird schon Ihre Gründe haben, Mr. Kim. Sie sollten sich lieber auf Ihre Aufgabe konzentrieren."
"Natürlich, Sir." Harry seufzte lautlos und scannte weiter nach Chakotay.

=/\=

Janeway war in ihrem Quartier und packte einige Kleidungsstücke zusammen. Anschließend ging sie zu Chakotays Quartier, gab ihren Überbrückungscode ein und packte auch einige seiner Kleidungsstücke zusammen. Tut mir leid, Chakotay, aber es muß sein.
"Computer, beame die Tasche in den Delta Flyer." Die Tasche löste sich auf. Kathryn trat vorsichtig aus dem Quartier ihres ersten Offiziers und schaute nach rechts und links. Keiner da, puuuh! "Computer, wie lange noch, bis die Anomalie hier sein wird?"
"Ungefähr 5 Minuten."
Kathryn rannte zum Turbolift. "Deck 10." Im Geiste ging sie noch einmal ihren Plan durch. Sie wollte mit einem Shuttle auf den Planeten fliegen und Chakotay retten. Daß sie gegen die erste Direktive verstieß war ihr in diesem Moment egal, sie konnte Chakotay nicht so einfach auf diesem Planeten lassen. Sie hatte ein Padd für Tuvok vorbereitet in dem stand, daß er bis auf weiteres das Kommando über die Voyager hatte. Was in drei Wochen mit ihr passieren würde, das war abzuwarten. Wahrscheinlich würde Tuvok sie des Kommandos entheben, aber sie hatte schon lange mit dem Gedanken gespielt, ihr Offizierspatent zurückzugeben, damit sie endlich frei für den Mann ihrer Träume wäre.
Kathryn erreichte die Shuttlerampe. Der dort diensthabende Lieutenant sah sie etwas merkwürdig an, als sie auf den Delta Flyer zuging.
"Captain, kann ich Ihnen helfen?" fragte er höflich.
"Danke, Lieutenant Bexter, ich komme schon zurecht. Ich werde einen kleinen Erkundungsflug mit dem Flyer machen, bitte öffnen Sie die Shuttlerampe." Sie wollte gerade in den Flyer steigen als Bexter sagte: "Captain, verzeihen Sie bitte, aber laut Vorschrift muß Sie mindestens ein weiteres Crewmitglied begleiten."
Kathryn drehte sich um, lächelte ihn an und sagte: "Es freut mich, daß Sie die Regeln beherrschen, aber das hier lassen Sie meine Sorge sein, verstanden? Wenn Sie dann bitte so freundlich wären..." sie verschwand im Flyer. Bexter konnte nur noch ein "Aye, Ma'am" flüstern und öffnete die Rampe.

=/\=

"Sir", wandte sich Harry an Tuvok, "der Delta Flyer verläßt gerade den Hangar!" Er machte eine kurze Pause, dann fuhr er fort: "Es ist Captain Janeway."
Tuvok hob beide Augenbrauen. "Voyager an Captain Janeway."
"Keine Antwort, Sir." Tuvoks Augenbrauen kletterten so weit nach oben, daß Harry für einen Moment dachte, sie würden unter seinem Pony verschwinden.
"Mr Kim, versuchen Sie das Shuttle mit einem Traktorstrahl zu erfassen."
"Es gelingt mir nicht, Sir, der Traktorstrahl wurde deaktiviert."
"Tuvok an Janeway, bitte kehren Sie zur Voyager zurück."
"Sir, ich empfange eine Nachricht!"
"Auf den Schirm."
"Es ist nur eine Textmitteilung - sie ist an Sie gerichtet."
Tuvok ging zu Kims Konsole und las die Mitteilung: 'An Tuvok. In meinem Bereitschaftsraum finden Sie ein Padd, das für Sie bestimmt ist. Fliegen Sie die Voyager umgehend aus dem Orbit und holen Sie uns in 3 Wochen wieder ab. Das ist ein Befehl. Janeway Ende.'
"Sir", machte sich Paris bemerkbar, "die Anomalie wird uns in 30 Sekunden erreichen."
"Fliegen Die uns aus dem Orbit, Mr. Paris, Maximum Impuls."
"Aye, Sir."
"Und was wird mit dem Captain?" fragte Harry empört.
"Ihre Anweisungen waren klar und deutlich, Mr. Kim. Noch ist sie der Captain."
Tom wunderte sich etwas über Tuvoks letzten Satz. Wieso 'noch' Captain? Er stellte aber keine weiteren Fragen.
Die Voyager entfernte sich vom Planeten. Janeway war froh darüber, ihr Schiff und ihre Crew sollten nicht in Gefahr geraten. Sie mußte nun zusehen, daß sie heil und unbemerkt von den Bewohnern auf diesem Planeten landete. Normalerweise kein Problem, aber jetzt mußte sie das Shuttle ein Stückchen durch aufgewühlten Raum fliegen - die Anomalie brachte das leider mit sich. Als Janeway in die Anomalie einflog, geriet das Shuttle in heftige Turbulenzen und Janeway hatte alle Mühe, in ihrem Sessel sitzen zu bleiben. Zum Glück hatte sie den Delta Flyer genommen, er war robuster als sämtliche anderen Shuttles und konnte einige Stöße vertragen.
Auf einmal wurde das Shuttle so heftig getroffen, daß Janeway aus ihrem Sitz geschleudert wurde. Einige Konsolen sprühten Funken. Janeway rappelte sich wieder auf, sie hatte nur eine Schramme am Kopf abbekommen, nichts, was sie später nicht mit dem Hautregenerator behandeln konnte. Endlich schienen die Turbulenzen nachzulassen, sie war in die Atmosphäre eingetaucht. Sie merkte, daß der Flyer einige nicht unbedeutende Schäden abbekommen haben mußte, denn ihr fiel es zunehmend schwerer, ihn zu kontrollieren. Doch wie durch ein Wunder schaffte sie es , relativ sanft auf der Oberfläche zu landen. Sie war in einem Waldgebiet einige Kilometer entfernt von der Höhle und dem Dorf gelandet.
Jetzt konnte sie nur noch hoffen, daß ihr Shuttle nicht gesehen wurde. Ihre Chancen standen recht gut, da der Planet recht dünn besiedelt war und das nächste Dorf ungefähr 80 Kilometer entfernt war. Janeway beschloß, die Sensoren permanent nach Chakotay scannen zu lassen und sich in der Zwischenzeit um die Reparatur des Shuttles zu kümmern.

Kapitel 7

Tuvok war, als die Voyager den Orbit verlassen hatte, in den Bereitschaftsraum des Captains gegangen um das ominöse Padd zu lesen.
'Mit sofortiger Wirkung übertrage ich Ihnen das Kommando, Tuvok. Ihr Befehl: Bringen Sie die Voyager in Sicherheit und kommen Sie in drei Wochen zurück, um den Commander und mich abzuholen. Über die Konsequenzen meiner Handlung bin ich mir vollstens bewußt, Tuvok.' Der Abschnitt wurde nun etwas persönlicher. 'Aus meiner Sichtweise habe ich die erst Direktive bereits verletzt, als ich ein Außenteam auf den Planeten schickte. Ich allein bin dafür verantwortlich, was mit dem Commander passiert und ich bin nicht bereit, ihn für 3 Wochen auf dem Planeten zu lassen. Sollten wir zurückkehren, werde ich mein Offizierspatent zurückgeben. Viel Glück. Captain Janeway'
Tuvok ließ sich in den Sessel fallen. Ihm war Janeways Hang zu irrationalen und unlogischen Verhaltensweisen schon immer aufgefallen, aber das hier schlug dem Faß den Boden aus. Er dachte einen Moment nach. Sein Captain hatte sich in eine schier ausweglose Situation gebracht. Als nächstes mußte er die Crew informieren. Er würde 3 Wochen Zeit haben, einen Ausweg zu finden.
Er betrat wieder die Brücke und informierte die Senior Offiziere, die er in den Konferenzraum bat, über Janeways Handlung. Er erntete ungläubige Blicke. Keiner wußte so recht, was er sagen sollte. Da Tuvok auch nichts weiter zu sagen hatte, entließ er sie alle wieder an ihre Stationen.
B'Elanna zog Tom kurz zur Seite. "Dir ist doch auch klar, warum sie das gemacht hat, oder?"
"Wem ist das nicht klar?" antwortete er mit einem leichten Grinsen.
"Wir müssen irgend etwas tun", knurrte B'Elanna. "Diese blöden Sternenflottenregeln, sie braucht genauso wie wir jemanden, den sie liebt und der sie liebt. Und wenn Du auf dem Planeten festsitzen würdest, hätte ich unter Garantie dasselbe gemacht wie Janeway."
"Danke, Schatz!"
Die beiden schauten sich hilflos an. "Ich wette, die anderen denken genauso wie wir", sagte Tom nachdenklich.
"Ausnahmsweise bin ich Deiner Meinung."
"Ich glaube, ich habe da eine Idee. Komm mit, wir müssen mit Neelix sprechen." Schon zog er sie hinter sich her. "Hey! Was hast Du vor?" fragte B'Elanna verwirrt.
"Warte es ab." Die beiden verschwanden Richtung Casino.

Kapitel 8

Chakotay kam auf dem Boden liegend wieder zu Bewußtsein. Er konnte seine Arme und Beine nicht bewegen und hatte etwas im Mund. Sein Kopf schmerzte und langsam fiel ihm wieder ein, was passiert war. Er sah sich vorsichtig um. Er befand sich noch immer in der Höhle, mehrere Einheimische standen in sicherer Entfernung um ihn herum und gerade kamen zwei Männer mit einer Trage herein.
"Er ist wieder zu sich gekommen", hörte Chakotay eine Stimme. Er blickte in die Richtung, aus der die Stimme kam und sah einen jungen Mann.
"Legt ihn auf die Trage", sagte dieser weiter. Die zwei Männer kamen mit der Trage an ihn heran und legten sie anschließend neben ihn. Dann wurde er hochgehoben und recht unsanft auf sie raufgeworfen. Er stöhnte kurz auf. Die zwei Männer hoben die Trage mit ihm an und liefen dann nach draußen. Chakotay blinzelte, die Sonne war bereits aufgegangen und blendete ihn. Vor dem Eingang konnte er nun die restlichen Bewohner sehen und ein merkwürdiges Tier, das so groß wie ein Pferd war aber eine Mischung aus Yak und Nashorn zu sein schien. Es hatte dichtes, zotteliges Fell und auf seiner Schnauze prangte ein riesiges Horn.
Die beiden Männer trugen Chakotay zu dem Tier und seine Unterlage wurde an das "Nasyak", wie Chakotay es kurzerhand getauft hatte, angebunden. Er konnte nun gezogen werden. Ein älterer Mann trat an ihn heran und fixierte Chakotay an der Trage, damit er nicht herunterfallen würde.
Dann setzte sich der ganze Zug in Bewegung. Chakotay schnitten bei jeder Bewegung die Fesseln tiefer ins Fleisch. Es war ein recht holpriger Weg. Seine Hände waren bereits weiß und er hatte kein Gefühl mehr in ihnen. Seinen Beinen ging es da nicht besser und durch den Knebel hatte er Mühe beim Atmen.
Es wurde ein endloser und schmerzvoller Weg für ihn ins Dorf.

=/\=

Janeway fluchte. Die Transporter waren ausgefallen, die Außenhülle hatte einen breiten Riß und der Antrieb mußte repariert werden. Und immer noch keine Spur von Chakotay, seufzte sie. Sie mußte ihn wohl oder übel irgendwie aus dieser Höhle befreien. Dazu mußte sie die kommende Nacht abwarten. Einen Plan hatte sie schon, sie würde unweit des Eingangs ein Feuer legen und hoffen, daß Chakotays Bewacher herauskommen würden. Der kleine Bach, den sie auf dem Monitor gesehen hatte, war ein Stück entfernt, sie würden einige Minuten zum Löschen brauchen. In dieser Zeit konnte sie ihn herausholen. Bis dahin waren es aber noch einige Stunden und Janeway entschloß sich, erst einmal das Shuttle zu reparieren.

=/\=

Die Elveaner erreichten ihr Dorf und die Trage mit dem inzwischen völlig fertigen Chakotay wurde losgemacht. Sie befreiten ihn von der Trage und trugen ihn an den Rand des Dorfes. In der Erde war ein tiefer Schacht. Noch ehe Chakotay es sich versah, wurde er hochgehoben, Jannis löste seine Fesseln von den Beinen und er wurde einfach in den Schacht gestoßen. Er fiel etwa 2 Meter, dann landete er auch schon so hart auf dem Boden, daß er vor Schmerzen aufschrie. Der Knebel hinderte ihn daran, laut zu schreien, aber die Elveaner hörten es trotzdem. Der Schacht wurde mit einem Gitter aus stabilen Ästen verschlossen. Chakotay stöhnte auf, er war auf seinen Arm gefallen, der nun gebrochen war. Er versuchte sich so hinzusetzen, daß er den Arm entlastete, konnte aber keine Position finden, da die Fesseln jegliche Bemühungen zunichte machten. Er konnte nur still dasitzen und hoffen, daß er bald bewußtlos werden würde, mit Hilfe von der Voyager konnte er nicht rechnen, das war im klar. Er wußte, daß er auf diesem Planeten sterben würde und er bedauerte es zutiefst, Kathryn seine Gefühle nicht gestanden zu haben. Er würde sie wohl nie mehr wiedersehen. Mit Hilfe von Bewohnern dieses Planeten konnte er auch nicht rechnen, sie schienen in ihm einen bösen Geist zu sehen und er kannte genug Völker, um zu wissen, wie solche Geister "vertrieben" wurden. Er wünschte sich, daß er ein schnelles Ende finden würde.

=/\=

Esaias, Jannis, Traja und Wangha saßen in Esaias Hütte.
"Habt Ihr den Dämon schon vertreiben können?" fragte Esaias.
"Leider nicht, Jannis hat Wache gehalten, er hat sich aber nicht verändert."
Esaias überlegte einen Moment. Seine Sorge galt den Bewohnern und dem Dorf. Er stand auf und lief im Raum auf und ab. Drei Augenpaare folgten seinen Bewegungen stumm. "Wenn die Sonne ihn nicht vertreibt, müssen wir das Ritual durchführen und hoffen, daß er bis zum Morgengrauen verschwunden ist. Geht, holt ihn aus dem Schacht, bereitet vorher eine Hütte vor und überlegt, wer von Euch das Ritual durchführt."
Jannis, Traja und Wangha sahen sich verstört an. Das Ritual wurde das letzte Mal vor über 100 Jahren angewandt, seitdem war keine böse Macht mehr im Dorf aufgetaucht. Es war aber auch ihre letzte Chance, den bösen Geist zu vertreiben. Würden Sie ihn einfach mit einem Messer töten, würde nur seine Hülle sterben, sein Geist jedoch würde das Dorf wieder heimsuchen. Nein, sie mußten warten, bis er seinen Körper freiwillig verließ und konnten das nur erreichen, in dem sie seinen Körper schädigten. Aber wer wagte es, das Ritual durchzuführen? Derjenige begab sich selber in höchste Gefahr, denn sollte der Körper durch seine Hand sterben, würde er auf ewig verflucht sein und das Dorf verlassen müssen!
Alle schwiegen. Schließlich flüsterte Traja: "Ich werde es tun, ich habe keine Frau und keine Kinder, die um mich trauern, wenn es schief gehen sollte."
Esaias sah in stolz an und sagte: "Du bist tapfer, Traja, wir werden für Dich beten.
Nun geht und bereitet alles vor."

=/\=

Chakotay wußte nicht, wie lange er schon in dem Loch saß, aber nach dem Stand der Sonne zu urteilen, die unentwegt auf ihn herabbrannte, mußte es schon Mittag sein. Er hatte seit einem Tag nichts mehr gegessen und seine Kehle war staubtrocken. Der Knebel klebte förmlich in seinem Mund. Man hatte ihm nichts zu Trinken gegeben und auf Chakotays Liste 'Wie sterbe ich zuerst' rückte "Verdursten" auf den ersten Platz. Die Schmerzen in seinem Arm wurden immer größer, lange würde es nicht mehr aushalten. Plötzlich lag er im Schatten. Er blickte nach oben und sah 4 Männer, die das Gitter wegnahmen und eine Leiter herunterließen. Einer kletterte nach unten. Er zerrte Chakotay auf die Beine, und bedeutete ihm, die Leiter hochzuklettern. Chakotay wurde fast ohnmächtig vor Schmerzen, als der Mann ihn hochzerrte. Er taumelte, wurde aber sofort gegen die Leiter gepreßt. Langsam setzte er einen Fuß nach dem anderen auf die Sprossen. Er kostete ihn unendliche Mühen, bis er endlich oben ankam. Zwei Männer hielten ihn oben auf den Beinen, er war kaum in der Lage zu stehen. Der vierte Mann hatte einen Krug mit Wasser und goß etwas in Chakotays Mund. Das Tuch in seinem Mund sog sich voll und gierig saugte er das kostbare Naß heraus. Das Verdursten war gerade auf Platz zwei gerückt. Doch was kommt jetzt? fragte er sich sorgenvoll. Er brauchte nicht lange auf die Antwort zu warten.
"Wangha, Traja, bringt ihn in die Hütte", hörte er die Stimme des alten Mannes.
Wangha und Traja ergriffen ihn und brachten ihn in eine Hütte. Sie war vollkommen leer, lediglich in der Mitte standen zwei Pfähle die oben durch einen Querbalken mit dem Haus verbunden waren. Chakotay wurde zwischen die Pfähle geführt und Jannis betrat mit einigen Stricken die Hütte. Als ob ich nicht schon genug gefesselt wäre... dachte Chakotay.
Jannis warf ein Ende des Stricks über den Querbalken und am anderen Ende knüpfte er eine Schlinge. Diese legte er Chakotay um den Hals und zog so lange an dem Seil, bis Chakotay seinen Kopf nicht mehr höher halten konnte. Traja trat hinter ihn und löste seine Handfesseln. Chakotay stöhnte auf, als sein gebrochener Arm urplötzlich nach vorne fiel. Doch seine Armfreiheit konnte er nicht lange behalten, Traja und Wangha packten jeder einen Arm und banden ihn an jeweils einem Pfahl fest. Das war zuviel für Chakotay, eine gewaltige Schmerzwoge löschte sein Bewußtsein aus und er sackte in sich zusammen. Jannis ließ den Strick sofort etwas los und Wangha fing Chakotay auf, bevor er noch erhängt werden würde. Traja fesselte auch den anderen Arm Chakotays an den Pfahl und zuletzt auch seine Beine. Als sie sicher waren, daß Chakotay sich nicht mehr befreien konnte entfernte Jannis den Strick von seinem Hals. Er hatte blutige Striemen hinterlassen.
"Traja, wir gehen jetzt. Wenn Du Hilfe brauchst, rufe uns einfach." Damit ließ Wangha Chakotay los, der jetzt wie ein Gekreuzigter zwischen den beiden Pfählen hing. Er und Jannis gingen aus der Hütte und ließen Traja mit seinem Gefangenem allein.

Kapitel 9

Kathryn wünschte sich nichts sehnlichster als ein Reparaturteam, es wollte ihr einfach nicht gelingen, den Transporter online zu bekommen. Sie brauchte ihn dringend, um Chakotay ins Shuttle zu beamen. Aber nach ihren Tricorderdaten und ihrem Check waren die Phasenumwandlungsspulen und die Schaltrelais der Zielerfassungsscanner völlig geschmolzen. Verdammt, den Transporter kann ich vergessen, ich muß Chakotay so herausholen. Sie beschoß, ihre Reparaturarbeiten auf die Außenhülle und den Antrieb zu konzentrieren. Vorher mußte sie sich aber noch überlegen, wie sie Chakotay ohne die Hilfe des Transporters zum Shuttle bekommen sollte. Sie hoffte, daß er soweit in Ordnung war und selber laufen konnte, sonst würde sie später ein Problem haben. Improvisieren, war ihr Schlüsselwort als sie darüber nachdachte. Sie würde schon eine Möglichkeit finden.
Im Flyer suchte sie nach einem Metallfragment, mit dem sie den Riß der Außenhülle notdürftig versiegeln konnte. Sie mußte sich beeilen, denn in ein bis zwei Stunden würde es dunkel werden und bis dahin mußte der Flyer fertig sein.

=/\=

Chakotay kam wieder zu sich. Er blinzelte und langsam wurde ihm bewußt, was passiert war. Man hatte ihn in eine Hütte gebracht und zwischen zwei Pfähle gebunden, das wußte er noch. Er blickte an sich herunter um festzustellen, daß er nichts mehr anhatte! Er war völlig entkleidet!
In sein Blickfeld trat ein Bewohner. "Ah, Du bist aufgewacht, dann kann ich anfangen." Traja trat hinter Chakotay und holte etwas aus einer Ecke.
Chakotays Herz schlug schneller. O Gott, was kommt jetzt? dachte er und spürte es im nächsten Moment. Ein heftiger Schmerz durchzuckte seinen Rücken, dann noch einer und noch einer. Er wurde ausgepeitscht. Traja war unerbittlich, immer wieder ließ er die Peitsche auf Chakotays Rücken niederfahren, Chakotay wand sich jedesmal unter heftigen Schmerzen und stöhnte auf. Hinzu kam sein gebrochener Arm, der bei der kleinsten Bewegung zusätzliche Schmerzwellen auslöste. Chakotay wurde fast wahnsinnig vor Schmerzen. Doch die Peitsche fuhr immer wieder auf ihn hernieder.
Endlich, nach ungefähr 10 Minuten hörte Traja auf. So hatte er den Dämon nicht vertreiben können. Chakotay schickte ein Stoßgebet zu seinen Geistern als Traja endlich aufgehört hatte. Er hatte gegen Ende nicht einmal mehr schreien können, ertrug den Schmerz jedesmal. Sein Rücken war blutig geschlagen. Traja nahm die Flasche mit der Flüssigkeit und goß sie Chakotay über seinen blutigen Rücken. Die Reaktion Chakotays setzte prompt ein - er schrie wie ein Wahnsinniger als Traja im puren Alkohol auf die Wunden goß. Sein Knebel dämpfte seine Schreie. Chakotay zerrte verzweifelt an seinen Fesseln aber sie waren zu fest. Sein Rücken brannte unsäglich, als ob 1000 Nadeln in seinen Rücken stachen. Schweiß rann ihm das Gesicht herab und er schrie und schrie. Traja stand hoffnungsvoll hinter ihm und wartete, daß der Dämon aus seinem Körper wich - aber es passierte wieder nichts! Er würde wohl weitermachen müssen.
Nach einer Ewigkeit ließ das Brennen etwas nach. Chakotay wünschte sich in diesem Moment nichts mehr als endlich von den Qualen erlöst zu werden. Doch zu seinem Leidwesen war es noch lange nicht soweit. Traja trat mit einem Messer vor ihn und begann, seiner Haut tiefe Schnittwunden zuzufügen. Alsbald rann das Blut überall aus seinem Körper, Chakotay konnte nicht mehr und ließ sich kraftlos fallen. Er suchte die Schwärze, die seinen Geist aufnehmen würde, aber sie kam einfach nicht. Er fühlte nur noch Schmerzen, sein ganzer Körper, jede einzelne Zelle schrie in ihm.
Traja bemerkte, daß sein Gefangener gleich tot sein würde, wenn er nicht aufhörte und das durfte nicht passieren. Er ließ von ihm ab und trat vor die Hütte. "Jannis, Whanga!" rief er seinen Freunden zu. "Ich brauche Eure Hilfe."
Die beiden kamen zu Traja gelaufen und folgten ihm ins Haus. "Bitte mach den Käfig bereit", wandte sich Traja an Jannis.
"Natürlich." Erwiderte Jannis und ging wieder nach draußen. "Wangha, hilf mir bitte, wir müssen ihn losmachen und in den Käfig bringen." Zu zweit lösten sie Chakotays Fesseln. Chakotay war am Ende, er bewegte sich nicht und ließ die beiden gewähren. Sein Körper war zu geschwächt um irgend etwas zu unternehmen. Wangha und Traja ließen Chakotay zu Boden gleiten und fesselten ihm die Hände wieder auf den Rücken. Ebenso seine Füße wurden wieder zusammengebunden. Wangha und Traja schleppten ihn nach draußen zum Rand des Dorfes, wo schon ein kleiner Käfig bereit stand. Chakotay wurde hereingelegt und die Tür mit einem Seil verschlossen. Dann wurde der Käfig von 4 Männern hochgezogen und anschließend festgemacht. Chakotay lag nackt und gefesselt in dem Käfig, der jetzt gute 3 Meter über dem Boden hing. Langsam wurde es dunkel.

=/\=

Als die Dunkelheit hereinbrach war Kathryn mit den Reparaturen fast fertig. Sie hatte sich nur den Phaser und den Tricorder mitgenommen und schlich nun im Schatten der Bäume entlang zur Höhle. Als sie am Waldrand ankam nahm sie ihren Tricorder und scannte nach Lebensformen. Zu ihrer Überraschung zeigte ihr Tricorder keine an. Auch wenn die Beschaffenheit der Höhle Scans in das Innere verhinderte, so hätte sie von dieser Position und Nähe doch wenigstens einige Biosignaturen erhalten müssen. Langsam pirschte sie sich an den Eingang der Höhle und als sie niemanden sah und hörte trat sie in den Eingang. Sie folgte dem Weg vorsichtig und kam schließlich in einen großen Raum - er war leer. Sie scannte schnell nach anderen Gängen oder Rissen, konnte aber nichts finden. Chakotay war nicht hier.
Oh nein, sie müssen ihn mitgenommen haben! Sie kam wieder aus den Höhle und folgte dem kleinen Pfad parallel im Wald. Da sie schnell lief brauchte sie nur wenige Minuten bis sie das Dorf sah. Es lag im Dunkeln, lediglich zwei Laternen erleuchteten den Eingang. Kathryn wich in die Schatten der Bäume aus und benutzte einige Sträucher als Deckung. Sie holte ihren Tricorder hervor und klappte ihn auf. Komm schon Chakotay, wenn Du hier nicht bist, wo dann? Doch dann zeigte ihr Tricorder menschliche Lebenszeichen an.
Na also, da bist Du ja! dachte sie glücklich, klappte den Tricorder zu und befestigte ihn wieder an ihrer Hose. Ganz vorsichtig schlich sie zu der Stelle, an der sich Chakotay befinden mußte. Die Stelle lag zum Glück für sie am Rand des Dorfes, also hatte sie bessere Chancen, ihn unbemerkt zu befreien. Hinter den Bäumen mußte es sein. Vorsichtig lugte sie hinter einem Baum hervor und sah nichts. Kein Chakotay. Das gibt's doch nicht! Er muß doch hier sein! Verzweifelt schaute sie sich suchend um. Als sie nach oben blickte, sah sie einen Käfig. Ihr stockte der Atem.
"Chakotay!" flüsterte sie. Sie konnte ihn deutlich erkennen. Mein Gott, was haben die mit ihm gemacht?
Fassungslosigkeit und Wut übermannten sie, als sie ihren ersten Offizier in dieser Lage erblickte. Er war gefesselt und geknebelt, nackt und hatte unzählige Verletzungen am Körper.
"Chakotay!" rief sie leise, "Chakotay, kannst Du mich hören?" sie bekam keine Antwort und er bewegte sich auch nicht. Ich muß ihn so schnell wie möglich runterholen, aber wie? Alleine kann ich den Käfig niemals runterlassen und herunterspringen kann er nicht.
Sie überlegte fieberhaft nach einer Lösung. Plötzlich hörte sie in der Nähe ein grunzendes Geräusch. Kathryn wirbelte herum und sah ein großes Tier, das in einem Stall stand.
"Glück muß der Mensch haben!" schnellen Schrittes lief sie auf den Stall zu und näherte sich vorsichtig dem Tier. Es schien nicht bösartig zu sein, schnupperte nur in ihre Richtung. Vorsichtig streichelte sie es und als es seine Schnauze in ihrer Armbeuge vergrub wußte sie, daß es keine feindlichen Absichten hegte. Sie fand ein Seil und band es ihm um den Hals. Dann öffnete sie die Stalltür und führte es langsam heraus.
Das Seil, das Chakotays Käfig hielt, war einige Male um einen Baum geschlungen. Sie befestigte das Seil an der Trense und nahm dann ihren Phaser hervor. Mit einem gezielten Schuß durchtrennte sie den Knoten und der Käfig sauste ruckartig ein Stückchen tiefer. Das Tier gab einen erschreckten Laut von sich, blieb aber stehen. Kathryn führte es langsam zurück, solange, bis der Käfig sanft auf dem Boden stand. Sie durchtrennte das Seil, das die Tür verschlossen hielt und öffnete die Tür. Vorsichtig tastete sie nach Chakotays Kopf und löste den Knebel. Chakotay wachte auf, als Kathryn ihm den Stoff aus dem Mund nahm. Er versuchte, ihren Namen zu sagen aber sein Mund war so trocken, daß er kein Wort herausbrachte. Statt dessen stöhnte er leise auf. Kathryn beugte sich besorgt über ihn und löste behutsam seine Fesseln. Chakotay verzog schmerzvoll das Gesicht, als Kathryn seine Hände befreite. Als er von seinen Fessel befreit war, versuchte er sich vorsichtig zu bewegen und aus dem Käfig zu klettern. Kathryn half ihm dabei. "Chakotay, langsam, Du hast tiefe Wunden."
Als Chakotay aus dem Käfig befreit war, zog Kathryn ihre Uniformjacke aus und breitete sie so gut sie konnte über Chakotay aus, der momentan noch auf dem Boden lag. Sie streichelte beruhigend durch seine Haare.
"Chakotay, ich verspreche Dir, das alles wieder gut wird. Warte hier, ich besorge Dir etwas zum anziehen." Chakotay konnte nur schwach nicken und sah Kathryn nach, die in der Dunkelheit verschwand. Er konnte an nichts denken, er war im Moment nur froh, daß sie ihn befreit hatte. Nach ein paar Minuten sah er sie auch wiederkommen. Sie hatte eine Hose über dem Arm, kniete sich nun neben ihn und half ihm beim Anziehen.
"Komm Chakotay, wir müssen weg von hier, ich helfe Dir." Sie griff ihm unter die Arme und half ihm beim Aufstehen. Chakotays Mund war inzwischen wieder etwas feuchter, so daß er ein "Danke Kathryn", krächzen konnte. Kathryn lächelte, als sie seine Worte hörte.
"Ich kann doch meinen ersten Offizier nicht im Stich lassen!"
Sie ließ ihn vorsichtig los und holte das seltsame Tier, das ihr bis jetzt gute Dienste geleistet hatte. Irgendwie schaffte sie es, Chakotay auf das Tier zu helfen und dann führte sie beide zurück in Richtung Shuttle.

Kapitel 10

Auf der Voyager liefen Tom und B'Elanna direkt ins Casino. Neelix, der gerade Essen austeilte begrüßte beide freundlich. "Ah, Lieutenant Torres, Mr. Paris, was darf es denn sein? Ich hätte da noch ein paar köstliche N'thas in Jujumbasoße überbacken mit Leolawurzeln..."
"Äh, danke Neelix, aber wir wollten eigentlich nur etwas mit Ihnen besprechen. Haben Sie kurz Zeit?"
"Aber sicher doch, worum geht's?"
"Vielleicht sollten wir uns lieber erst hinsetzen." Tom deutet auf einen abgelegenen Tisch in einer Ecke.
"Natürlich", sagte Neelix und ging voran. Als die Drei saßen erzählte Tom von der Handlung des Captains.
Neelix stand die Verblüffung ins Gesicht geschrieben, aber auch er wußte sofort, warum sein Captain so gehandelt hatte. Als Tom mit der kurzen Zusammenfassung fertig war, empörte sich Neelix sofort: "Wenn Kes da unten gewesen wäre, hätte ich dasselbe gemacht!" Tom und B'Elanna sahen sich an und grinsten, es hatte sich gerade erledigt, Neelix von ihrem Plan zu überzeugen, er würde auf jeden Fall mit von der Partie sein. B'Elanna atmete erleichtert auf und sagte: "Wir hätten es ebenso gemacht, ich glaube, jeder an Bord dieses Schiffes versteht Captain Janeways Handlung. Wir dürfen nur nicht zulassen, daß sie Ihr Offizierspatent zurück gibt."
"Haben Sie eine Idee?"
"Tom hat einen Plan, aber dafür brauchen wir Ihre Hilfe."
"Die haben Sie schon, also Mr. Paris, was haben Sie sich denn ausgedacht?"

Kapitel 11

Auf dem Planeten brach bereits die Morgendämmerung an. Traja erwachte in seiner Hütte und sein erster Gedanke galt dem Gefangenen. Er zog sich schnell etwas an und ging nach draußen in Richtung Käfig. Schon von weitem sah er, was geschehen war. Der Käfig war auf dem Boden und der Gefangene war verschwunden. Er machte sofort kehrt und rannte zu Esaias Hütte.
"Esaias! Der Dämon ist verschwunden!"
Esaias war sofort wach. Mein Gott, wir werden alle verflucht! Er ließ Traja eintreten.
"Wie ist das passiert?"
"Ich weiß es nicht, der Käfig lag auf dem Boden und er war weg!"
"Schnell, gib unseren Leuten Bescheid, wir müssen ihn finden, sonst sind wir dem Untergang geweiht."
Traja rannte nach draußen um die anderen zu wecken. Wenige Minuten später waren alle in der Dorfmitte versammelt. Esaias trat in die Mitte. "Bewaffnet Euch, wir müssen den Dämon suchen sonst wir ein großes Unglück über uns hereinbrechen."
Die Elveaner stoben auseinander und die Männer bewaffneten sich. Schon sehr bald zog der kleine Zug aus dem Dorf um die Wälder zu durchkämmen.

=/\=

Kurz vor dem Morgengrauen erreichte Kathryn mit Chakotay das Shuttle. Sie half ihm beim Absteigen und brachte ihren ersten Offizier in den hinteren Teil des Shuttles auf das eine Biobett. Das Tier wird schon alleine nach Hause finden.
Sie holte einen medizinischen Tricorder und untersuchte Chakotay. Sie war fassungslos über seinen Zustand und wunderte sich, daß er überhaupt noch am Leben war. Meine Güte, wo soll ich bloß anfangen? überlegte sie, schließlich entschied sie sich, mit seinem gebrochenen Arm anzufangen. Vorher allerdings injizierte sie ihm ein Hypospray, so daß er bewußtlos wurde.

=/\=

Chakotay erwachte langsam und fühlte seit langer Zeit keine Schmerzen mehr. Er blinzelte und versuchte sich vorsichtig aufzurichten. Seine Beine waren zwar noch etwas wackelig trugen ihn aber als er aufstand. Der Delta Flyer. Kathryn. Sie hat mich gerettet. Die Reminiszenzen fügten sich Stück für Stück zusammen und er erinnerte sich, was passiert war. Auf einem Stuhl lagen frische Kleidungsstücke, die er als seine identifizierte. Woher hat sie nur meine Sachen? Er war schon etwas verwundert aber unendlich dankbar, daß sie etwas mitgebracht hatte. Rasch zog er sich um. Er war gerade fertig angezogen, da kam Kathryn herein.
"Hallo Chakotay, wie geht es Dir?"
"Danke, jetzt wieder gut. Vielen Dank, daß Du mich da rausgeholt hast."
Es war eine recht ungewöhnliche Atmosphäre. Beide konnten sich nicht recht in die Augen blicken. Kathryn war etwas verlegen, hatte sie ihn doch in einem sehr intimen Zustand gesehen und war sich darüber bewußt, daß es ihm peinlich gewesen sein mußte.
"Ja, ähm, ich werde mich dann mal wieder an die Reparaturarbeiten machen. Ruh Dich noch aus, Chakotay, Du hast es dringend nötig." Sie schaute ihn kurz an und ging dann wieder.
"Ist gut", hörte sie noch seine Stimme.
Chakotay ließ sich in den nächsten Sessel fallen. Er konnte an nichts anderes denken als an seine Gefangenschaft. Er verbarg sein Gesicht in seinen Händen und in dem Moment fühlte er sich elend, schwach, gedemütigt und unsicher. Nicht einmal mehr Kathryn kann mich ansehen, warum war ich so schwach? Schuldgefühle über sein Versagen nagten unaufhaltsam in ihm, doch schlimmer traf ihn die Erkenntnis, daß Kathryn anscheinend den Respekt vor ihm verloren hatte.
Nein, ich darf ihr nicht zeigen, was ich fühle, sie darf es nicht erfahren, es würde alles noch schlimmer machen, ich muß es verdrängen. Er beschloß sich anzuziehen, nach vorne zu gehen und bei den Reparaturarbeiten zu helfen.
Kathryn hockte halb unter einer Konsole und versuchte den Antrieb zu reparieren. Doch ihre Gedanken waren nur bei Chakotay. Sie fühlte sich schuldig, weil sie ihn nicht angesehen hatte und fand ihr Verhalten einfach lächerlich. Er muß denken, ich lache über ihn, schoß es ihr durch den Kopf. Er hat schon genug durchgemacht, jetzt habe ich ihm noch zusätzlich verletzt. Ich muß mit ihm reden. Ihr Werkzeug hatte sie schon längst aus der Hand gelegt und krabbelte nun unter der Konsole hervor. Sie wollte sich bei ihm entschuldigen. Doch als sie sich aufrichtete, stand er auf einmal hinter ihr und sah sie an.
"Huch, Chakotay! Hast Du mich erschreckt!"
"Tut mir leid, das wollte ich nicht."
"Schon gut, ich wollte sowieso gerade mal nach Dir schauen."
"Alles in Ordnung, danke. Kann ich irgendwie bei der Reparatur helfen?"
"Ähm, eigentlich...also... äh, klar, das wäre sehr nett. Wenn Du Dich vielleicht um die Außenhülle kümmern würdest?" Kathryn erschrak innerlich, als sie in seine Augen sah. Das Feuer und die Gutmütigkeit waren verschwunden, sie konnte nur eine unglaubliche Leere sehen. So wollte sie ihn nicht ansprechen und beschloß daher, es auf einen günstigeren Zeitpunkt zu verschieben. Insgeheim machte sie sich die größten Sorgen um ihn, sie hatte ihn noch niemals so erlebt.
Chakotay dreht sich wortlos um, nahm einige Werkzeuge mit und ging dann nach draußen. Kathryn starrte ihm nach.

Kapitel 12

Neelix war von Toms Plan ganz angetan.
"Wirklich Mr. Paris, das funktioniert!" seine Augen strahlten wieder. Ich werde sofort beginnen. Wenn ich fertig bin, gebe ich Ihnen Bescheid.
Der kleine Talaxianer sprang von seinem Stuhl und ließ sogar seine heißgeliebte Mahlzeit im Stich. Mit einem Padd bewaffnet verschwand er aus dem Casino.
Sein erster Weg führte ihn zum Maschinenraum. Er versammelte die Maschienenraumcrew um sich und fing eine lebhafte Diskussion mit ihnen an. Nach ein paar Minuten tippte er zufrieden die Namen sämtlicher Anwesenden in sein Padd und machte sich frohen Mutes zur nächsten Station auf.

=/\=

Auf dem Planeten war es inzwischen Nacht geworden. Chakotay hatte die Außenhülle erfolgreich versiegeln können und der Antrieb würde auch bald wieder funktionieren. Kathryn und Chakotay saßen zusammen um zu Abend zu essen. Chakotay bemühte sich nach Kräften auf Kathryn so normal zu wirken wie immer. Kathryn merkte sehr wohl, daß Chakotay einen innerlichen Kampf ausfocht, respektierte aber seine Entscheidung ihr gegenüber. Dennoch wollte und mußte sie mit ihm über seine Gefangenschaft reden, denn sie wußte, wenn er seine schrecklichen Erinnerungen verdrängte würde es früher oder später fatale Auswirkungen auf seine Psyche haben. Sie beschloß, beim Essen einen Anfang zu machen.
"Chakotay, ich möchte mich für vorhin entschuldigen, ich... ich habe Dich verletzt, es tut mir so leid, es war nur..."
"Schon gut, Du hast mich nicht verletzt", log er. "Ich danke Dir nochmals für meine Rettung." Er machte eine kurze Pause. "Sag mal, wo hast Du eigentlich meine Kleidung her?" versuchte er sie abzulenken.
"Oh, äh, ich...ich war in Deinem Quartier bevor ich losflog. Es tut mir leid, aber eine andere Möglichkeit gab es nicht um an Deine Sachen zu kommen."
Chakotay rang sich ein Lächeln ab. "Du hast meine Lieblingsfreizeitkleidung erwischt. Gute Wahl!"
Kathryn lächelte verlegen. "Wirklich?"
"Ja, wirklich. Und nun entschuldige mich bitte, aber ich bin todmüde und würde jetzt ganz gerne schlafen."
"Oh, natürlich. Ich werde es mir im Sessel vorne gemütlich machen." Sie stand auf und ging zur Treppe. Als sie schon in der Tür stand drehte sie sich noch einmal zu ihm um.
"Gute Nacht, Chakotay."
"Gute Nacht, Kathryn."
Sie schenkte ihm noch ein Lächeln und dann schloß sich die Tür hinter ihr.
Chakotays Gesicht verfinsterte sich, als sie gegangen war. Er legte sich auf das Biobett und war Augenblicke später eingeschlafen.

Kathryn hatte sich eine Deck genommen und es sich so gut es ging im Pilotensessel bequem gemacht. Doch schlafen konnte sie nicht. Immer wieder dachte sie über Chakotay nach. Er hatte ihr deutlich zu verstehen gegeben, daß er über das Thema nicht reden wollte. Sie würde wohl auf die Ankunft der Voyager warten müssen und dann mit dem Doktor reden. Inzwischen konnte sie Chakotay die Situation nur versuchen zu erleichtern. Aber reicht das auch? Ich mache mir ernsthaft Sorgen um ihn... Die Müdigkeit machte sich jetzt langsam bei ihr bemerkbar und langsam schlief sie ein.

=/\=

Ein Schrei riß sie aus ihrem Schlaf. Chakotay! Sie sprang aus dem Sessel und rannte in den hinteren Teil des Flyers, wo sie immer noch Chakotays Schreie hörte. Die Tür öffnete sich und sie sah Chakotay auf dem Boden liegen. Er wand sich hin und her, ganz offensichtlich hatte er einen Alptraum. Kathryn versuchte ihn zu wecken.
"Chakotay! Chakotay! Wach auf!" sie rüttelte ihn vorsichtig und endlich wachte er auf. Sein Gesicht war schweißgebadet und er zitterte am ganzen Körper. Sein Atem war kurz und stoßweise. "Kathryn? Was...was ist los?"
"Du hattest einen Alptraum. Möchtest Du darüber sprechen?"
Er überlegte einen Augenblick, erinnerte sich an seine Gefangenschaft, die ihn nun in seinen Träumen heimsuchte.
"Nein, es war nichts. Vielen Dank." Mit diesen Worten stand er auf und legte sich wieder hin. Kathryn brach es fast das Herz als er sie so abwies. Sie versuchte noch einmal, an ihn heranzukommen.
"Chakotay, bitte, Du mußt mit jemandem darüber reden, sonst..." weiter kam sie nicht. Er hatte sich aufgesetzt und funkelte sie wütend an. "Hör zu, ich möchte darüber nicht reden, klar? Und nun laß mich bitte allein." Er drehte Kathryn den Rücken zu und schloß die Augen. Kathryn verließ wortlos den Raum. In ihren Augen glänzten einige Tränen.

Kapitel 13

Die Elveaner waren inzwischen erfolglos wieder in ihrem Dorf angelangt. Sie hatten den Dämon nicht mehr finden können und konnten jetzt nur noch eines tun - beten, daß er sie verschonen würde.

=/\=

Kathryn hatte fast die ganze Nacht nicht geschlafen, ihre Sorgen um Chakotay wurden immer größer. Als der Morgen dämmerte hielt sie es nicht mehr aus und ging nach hinten. Chakotay war bereits aufgestanden und hatte sich fertig angezogen.
"Guten Morgen, wie geht es Dir?"
"Besser, danke." Er zögerte kurz und sagte dann: "Kathryn, bitte verzeih mir, daß ich Dich gestern so weggestoßen habe. Ich glaube, ich brauche einfach ein wenig Zeit, okay?"
"Ich...es tut mir auch leid, ich habe Dich zu sehr gedrängt. Aber ich möchte, daß Du eines weißt-" sie blickte ihm geradewegs in die Augen. "Ich bin immer für Dich da."
Chakotay lächelte. "Danke, das weiß ich." Nach einem Moment räusperte er sich schließlich etwas verlegen und fragte: "Hey, wie wäre es mit Frühstück? Ich sterbe fast vor Hunger!"
Kathryn erwiderte lächelnd: "Eine hervorragende Idee, was möchtest Du haben?"
"Hm, etwas frisches Obst wäre nicht schlecht."
"Computer, eine Schale Obst, ein Toast mit Marmelade und zwei Tassen schwarzen Kaffee."
Im Ausgabefach des Replikators schimmerte es kurz auf, Kathryn nahm das gewünschte und stellte es auf den Tisch. "Jetzt müssen wir nur noch auf die Voyager warten."
"Wieso bist Du eigentlich gekommen, Kathryn? Die erst Direktive ist in einem solchen Falle ja wohl eindeutig."
"Ich... ähm, ich konnte Dich doch nicht so einfach hier auf dem Planeten lassen Chakotay!"
"Kathryn, ich weiß das zu schätzen und bin Dir unendlich dankbar, aber ich kann mir nicht vorstellen, warum Du dann allein gekommen bist und daß Tuvok dem zugestimmt hat!"
"Hat er auch nicht. Ich bin auf eigene Faust losgeflogen, deshalb bin ich auch allein gekommen."
Chakotay blickte Kathryn fassungslos an. "Ist Dir klar, daß Tuvok Dich deswegen Deines Kommandos entheben wird?"
"Ja, ich weiß, aber... das war es mir wert." Der letzte Teil ihres Satzes war nur ein Flüstern. "Ich bin sicher, Du wirst die Voyager sicher nach Hause bringen. Du bist ein fabelhafter erster Offizier und bereit, der Captain dieses Schiffes zu werden." Beide schwiegen einen langen Moment.
"Was ist, wenn ich das gar nicht möchte?" fragte er. "Und was wirst Du machen? Als Ensign anfangen? Wie stellst Du Dir das vor?"
"Um ehrlich zu sein, ich habe keine Ahnung, aber irgend etwas werde ich schon zu tun bekommen."
"Hast Du auch mal an die Crew gedacht? Wie wird sie reagieren?"
"Chakotay, bitte, laß uns darüber sprechen, wenn es wirklich soweit ist, ja?"
"In Ordnung", antwortete er seufzend.

Kapitel 14

2 ½ Wochen später....

"Wir sind in den Standardorbit eingetreten."
"Sehr gut, Mr. Paris. Tuvok an den Delta Flyer, bitte antworten sie."
Ein kurzes statisches Knistern durchdrang die Brücke, dann ertönte Janeways Stimme: "Schön daß Sie uns nicht vergessen haben, Tuvok. Wir werden in Kürze starten. Janeway Ende."
Tuvok erhob sich aus dem Captainsessel. "Ich gehe zur Shuttlerampe. Mr. Paris, Sie haben die Brücke."
"Aye Sir."
Als Tuvok im Turbolift verschwunden war, drehte sich Tom zu Harry um. Dieser klopfte auf seinen Communicator. "Kim an Neelix. Es geht los."
"Verstanden", erklang Neelix' Stimme.

=/\=

Kathryn und Chakotay starten währenddessen das Shuttle und flogen der Voyager entgegen. Nur Minuten später landeten sie sanft im Hangar. Tuvok und zwei Sicherheitsoffiziere warteten bereits. Kathryn seufzte lautlos, sie wußte, was jetzt kommen würde. Chakotay musterte sie verstohlen von der Seite. Auch ihm war klar, daß Tuvok sie nicht aus reiner Freude abholen wollte. Kurz bevor Kathryn die Tür des Shuttles öffnete, nahm Chakotay sanft ihren Arm und drückte ihn kurz. Kathryn verstand und war froh, daß er hinter ihr stehen würde. Die Tür ging auf und beide stiegen aus.
"Hallo Tuvok. Bitte lassen sie uns das in meinem Ex-Bereitschaftsraum besprechen, einverstanden?"
"Natürlich Captain."
"Chakotay, sie melden sich jetzt beim Doktor, er soll Sie noch einmal gründlich durchchecken. Das ist wohl mein letzter Befehl."
"Ja Ma'am", antwortete er und machte sich auf den Weg zur Krankenstation.
Tuvok und Janeway begaben sich auf die Brücke während die zwei Sicherheitsbeamten sich um das Shuttle kümmerten.
Als Janeway und Tuvok auf der Brücke eintrafen, erhob sich die gesammelte Mannschaft und Tom sagte: "Captain auf der Brücke."
Janeway sah sie nach der Reihe nach an. Was sie wohl jetzt von mir denken? "Rühren. Mr. Tuvok, in meinen Raum."
Als die beiden im Bereitschaftsraum verschwanden, machte sich ein breites Grinsen auf Toms Gesicht breit.

Im Bereitschaftsraum hatten Kathryn und Tuvok gerade Platz genommen.
"Sie brauchen nichts zu sagen Tuvok..." sie fang an, ihre Pips von Ihrer Uniform zu entfernen "...ich gebe hiermit mein Offizierspatent zurück und übernehme volle Verantwortung für mein Handeln und somit auch für die anstehenden Strafe der Mißachtung der ersten Direktive." Sie hatte gerade ihren letzten Pipe entfernt und Tuvok wollte gerade zu einer Antwort ansetzen, als auf dem Monitor vor den beiden knapp 150 Nachrichten auf einmal eintrafen. Tuvok hob eine Augenbraue während Kathryn ihn unglaubwürdig ansah. Zur gleichen Zeit sahen beide auf den Monitor und öffneten die erste Nachricht.

An: Miß Janeway und "Captain" Tuvok.

Betreff: Captain Janeway

Leider sehe ich mich außerstande in der Sternenflotte weiterhin meinen Dienst zu tun. Auch ich hätte gegen die erste Direktive verstoßen um den Mensch zu retten, den ich liebe. Sollte Captain Janeway das Kommando deswegen entzogen werden, gibt es ab sofort einen freien Platz an der Conn denn dann gebe mein Offizierspatent auch zurück.

Thomas Eugine Paris

Tuvok und Janeway verschlug es die Sprache. Wortlos öffnete Kathryn die nächste mail.

An: Den Captain des Schiffes, wer immer es im Moment sein mag.

Betreff: Erste Direktive und Offizierspatent

Wenn Captain Janeway geht, gehe ich auch.

B'Elanna Torres

Tuvoks zweite Augenbraue hob sich, als er mit Kathryn die dritte mail las.

An: Janeway und Tuvok

Betreff: Das Zivilistenschiff "Voyager"

Hiermit kündige ich meine Stelle als Chefkoch, sollte Captain Janeway des Kommandos enthoben werden. Ich bin aber gerne bereit, auf dem Zivilistenschiff, das die "Voyager" zweifellos werden wird, wenn sie keine Captain Janeway mehr hat, weiter zu arbeiten. Neelix.

Kathryn blieb vor Staunen der Mund offen stehen. Tuvok und sie lasen sämtliche Nachrichten durch, alle hatten denselben Inhalt.
Als sie alle gelesen hatten lehnte sich Tuvok in seinem Sessel zurück und sagte zu Kathryn: "Es scheint, als hätte die Crew gerade verdeutlicht, daß Sie nicht Ihr Offizierspatent so einfach zurückgeben können, Captain. Es sei denn, Sie wollen die Verantwortung für ein Zivilistenschiff übernehmen."
"Ich...ich weiß gar nicht, was ich sagen soll."
"Ich schlage ein 'Danke' vor", sagte Tuvok.
"Aber ich habe die erste Direktive verletzt, das können wir nicht einfach auf sich beruhen lassen."
Tuvok hob eine Augenbraue bevor er vorsichtig antwortete: "Vielleicht waren Sie, als Sie den Commander retten wollten, nicht ganz..." er machte eine kurze Pause "...zurechnungsfähig?" fragend sah er sie an.
"Jetzt wo Sie es sagen Tuvok, vielleicht sollte mich der Doktor mal durchchecken."
"Eine gute Idee, mit Sicherheit wird er einige anomale Werte bei Ihnen finden, die zu diesem Fehlverhalten führten. Wenn ich dann wieder auf die Brücke zurückkehren dürfte, Captain?"
"Natürlich. Wegtreten."
Tuvok stand auf und ging zur Tür. Kurz bevor sie sich öffnete drehte er sich noch einmal um: "Captain, Sie sollten Ihre Rangabzeichen wieder an ihrer Uniform befestigen sonst hält man Sie noch für eine Zivilistin."
"Tuvok - vielen Dank."
Er verließ den Raum.
Janeway lehnte sich glücklich in ihrem Sessel zurück. Sie war ihrer Crew unendlich dankbar und beschloß, eine kleine mail an alle zu verfassen.

An: Die Crew der Voyager

Betreff: Captain Janeway

Vielen Dank.

Captain Kathryn Janeway

Als nächstes beschloß sie, die Krankenstation aufzusuchen, in der sich Chakotay befinden mußte. Als sie die Brücke betrat kam ihr ein kräftiges "Captain auf der Brücke" entgegen. Sie lächelte nach allen Seiten. "Vielen Dank. Ich bin Ihnen allen zu tiefstem Dank verpflichtet." Sie blinzelte kurz zu Tuvok und sagte dann: "Anscheinend war ich nicht mehr ganz zurechnungsfähig, als ich die Voyager verließ, deshalb werde ich mich jetzt zur Krankenstation begeben. Tom, Sie haben die Brücke."
Die gesammelte Mannschaft grinste bei Janeways Worten und Tom entgegnete: "Sie kamen mit gleich so merkwürdig vor, Captain!"
Janeway zwinkerte ihm zu und verließ dann die Brücke.

Kapitel 15

Chakotay lag auf einem Bio Bett und wurde gerade vom Doktor untersucht, als sich die Türen zur Krankenstation zischend öffneten und eine strahlende Kathryn preisgaben.
"Ah, Captain!" begrüßte sie der Doktor.
"Hallo Kathryn, schön daß Tuvok noch ein ganzes Stück an Ihnen gelassen hat", fügte Chakotay hintenan.
"Wie reden Sie denn mit Ihrem Captain?" fragte sie mit gespielter Entrüstung.
Chakotay schaute sie erst fragend, dann freudig an. "Er hat Ihnen nicht das Patent abgenommen?"
"Sagen wir mal so, wäre ich kein Captain mehr, wäre die Voyager gerade ein Zivilistenschiff geworden..."
"Captain?"
"Ich erkläre es Ihnen nachher ausführlich."
Sie wandte sich an das Hologramm: "Nun Doktor, wie geht es ihm?"
"Seine physischen Verletzungen haben Sie anscheinend ganz gut hinbekommen, Captain, ich mußte lediglich einige kleine Dinge korrigieren, nichts ernstes."
"Das freut mich."
Das Hologramm zog sie ein Stück von Chakotay weg und sagte zu ihr leise: "Bitte kommen Sie nachher in mein Büro."
Janeway schaute ihn fragend an, bestätigte aber. Der Doktor wandte sich wieder Chakotay zu. "So Commander, sie können Ihr Quartier aufsuchen, für die nächste Woche haben Sie Urlaub."
"Wieso das? Ich dachte, ich bin wieder völlig in Ordnung?"
"Physisch gesehen, ja. Allerdings verordne ich Ihnen Ruhe, Ihr Geist braucht auch etwas Erholung."
"Doktor, würden Sie uns wohl einen Augenblick alleine lassen bitte?"
"Sie dürfen sowieso gehen. Computer, medizinisch holografisches Notfallprogramm deaktivieren." Als das Hologramm verschwunden war nahm Kathryn Chakotays Hand.
"Chakotay, der Doktor hat Recht, Du brauchst diese Woche. Ruh Dich aus. Wenn Du jemanden zum Reden brauchst - meine Tür ist immer offen für Dich."
"Kathryn, fang nicht schon wieder damit an. Mir geht's prächtig, o.k.?" Etwas wütend stand er auf und ging zur Tür. "Ich komme dann wohl erst in einer Woche zum Dienst. Bis dann!"
Er verließ die Krankenstation. Er hatte sie schon wieder verletzt. Kathryn schluckte die aufsteigenden Tränen über sein Verhalten herunter und atmete ein paar mal tief ein und aus. Dann aktivierte sie den Doktor wieder. "Computer, MHN aktivieren."
"Bitte nenne Sie die Art des medizinischen Notfalls."
"Sie wollten mich sprechen, Doktor? Es geht um Chakotay, nicht wahr?"
"Sie haben recht, aber bitte setzen Sie sich doch."
Als beide Platz genommen hatten fragte der Doktor: "Ich nehme an, er hat mit Ihnen nicht über seine Gefangenschaft gesprochen?"
"Nein, er hat so getan, als sei nichts, aber er hatte Alpträume. Als ich versuchte mit ihm darüber zu reden, hat er mich weggestoßen und ist ziemlich wütend geworden."
"Ich mache mir ernsthaft Sorgen um ihn, er bräuchte dringend einen Counselor. Er wird in der nächsten Zeit schwer daran zu knabbern haben, es kann sein, daß er es nicht alleine schafft."
"Wie wäre es mit einem Holo-Counselor?"
"Die Idee ist nicht schlecht, ich werde mich darum kümmern. Bis dahin sollte er etwas Gesellschaft haben."
"Mit B'Elanna ist er schon seit Jahren sehr gut befreundet, vielleicht kann sie ihn aus der Reserve locken."
"Sie sollten vielleicht einmal mit ihr sprechen."

Kapitel 16

Chakotay ging in seinem Quartier auf und ab. Das letzte, was er jetzt gebrauchen konnte war Urlaub. Er wollte sich in Arbeit stürzen um zu vergessen, nicht mehr an seine Qualen denken zu müssen. Jetzt kam ihm dabei der Doktor in die Quere. Außerdem hatte er Kathryn zum zweiten mal verletzt. Er beschloß, seinen geistigen Führer zu kontakten. Er holte sein Medizinbündel aus dem Schrank und breitete den Inhalt vor sich aus. Er schloß kurz die Augen um einigermaßen Ruhe zu finden. Dann berührte er sein Akoonah, schloß die Augen und nahm seinen Meditationsstein in die Hand. "A-Koo-chee-moya. Ich bin weit entfernt von den heiligen Stätten meiner Väter, weit entfernt von den Gebeinen meines Volkes..."
Er öffnete die Augen und schnappte entsetzt nach Luft. Dies war nicht der Wald, in dem er sich sonst immer befand, es war das Dorf, welches er vergessen wollte. Zögerlich setzte er einige Schritte ins Dorf und kam an die Stelle wo der Schacht war, in den man ihn geworfen hatte. Er suchte seinen tierischen Begleiter. Er stand am Rand und sah in das Dunkel.
"Chakotay!" hörte er plötzlich eine vertraute Stimme hinter sich. Es war die seiner geistigen Führerin. Er drehte sich freudig um, hatte er sie endlich gefunden - und starrte in das Gesicht seines Peinigers. Er grinste hämisch und fing dann an zu lachen. Chakotay schrie auf und fiel rückwärts in den Schacht. Abrupt endete seine Vision und er nahm schweißgebadet und nach Atem ringend die Umrisse seines Quartiers wahr. Jetzt kann ich nicht einmal mehr meditieren! dachte er verzweifelt. Er saß auf dem Boden und wußte nicht, was er machen sollte.
"Be-bopp", meldete sich der Türsensor.
"Herein", sagte Chakotay nach einer kurzen Pause. Er stand auf und sah, daß B'Elanna in der Tür stand.
"B'Elanna! Kommen Sie rein, kann ich Ihnen helfen?"
Die Türen schlossen sich hinter B'Elanna. "Eigentlich wollte ich nur mal sehen, wie es Ihnen geht."
"Danke der Nachfrage, mit geht's gut. Möchten Sie etwas trinken?"
"Ja, gerne. Einen Kamillentee bitte."
"Computer, einen Kamillentee." Im Ausgabefach des Replikators erschien der Tee und Chakotay stellte ihn vor B'Elanna auf den Tisch.
"Danke." Sie setzte sich und nahm vorsichtig einen Schluck. "Ah, das tut gut."
B'Elanna sah sich in seiner Kabine um. "Oh, habe ich Sie gerade bei der Meditation gestört?" fragte sie, als ihr Blick auf das ausgepackte Medizinbündel fiel. Hastig stand Chakotay auf und räumte es zusammen. "Nein, nein, ich war gerade fertig."
"Haben Sie sich mit Ihrem geistigen Führer ausgetauscht?"
"Ja, wir haben mal wieder eine Runde geplaudert", log er. Er konnte sie in dem Moment nicht ansehen und B'Elanna merkte sofort, daß etwas nicht stimmte.
B'Elanna sah in prüfend an. Kathryn hatte Recht, mit ihm stimmt was nicht, dachte sie. "Ähm, hören Sie Chakotay, haben Sie nicht Lust mit Tom, Harry und mir heute Abend das Holodeck zu besuchen? Ein bißchen Ablenkung würde Ihnen guttun."
"Äh, danke B'Elanna, aber ich... ich habe noch ein paar Berichte durchzusehen. Ein anderes Mal vielleicht."
"Na gut. Tja, ich werde dann wohl wieder an die Arbeit gehen müssen." Sie stand auf und ging zur Tür. "Vielen Dank für den Tee." Damit war sie auch schon verschwunden.

=/\=

Eine Woche war bereits seit ihrer Rückkehr vergangen Chakotay wurde immer öfter von seinen Erinnerungen heimgesucht. Er wälzte sich unruhig in seinem Bett hin und her. In seinen Träumen war er wiederholt zu jenem Ort zurückgekehrt. Er spürte die Pein erneut und wachte schließlich mit einem Schrei und schweißgebadet auf.
"Computer, wie spät ist es?"
"Es ist 2.28 Uhr"
"Computer, Beleuchtung auf 30 Prozent."
Es wurde leicht hell in seinem Quartier. Er setzte sich auf die Bettkante, hielt seine Hände vors Gesicht und versuchte, die Schreckensbilder aus seinem Kopf zu verbannen. Ich werde noch wahnsinnig hier, dachte er verzweifelt. Er beschloß, das Casino aufzusuchen. Rasch zog er sich an und war einige Minuten später im dunklen Casino angelangt. Er verzichtet darauf, das Licht einzuschalten, die vor dem Fenster vorbeigleitenden Sterne brachten ihm genug Licht. Er ging hinter den Tresen in Neelix Reich und suchte nach einer Flasche Brandy, die hier zweifellos irgendwo für besondere Anlässe verstaut war. Er fand sie auch recht schnell, nahm sich ein Glas und setzte sich in die hinterste, dunkelste Ecke an einen Tisch. Dort begann er, seine Erinnerungen in Alkohol zu ertränken.

=/\=

B'Elanna konnte nicht schlafen. Ihre Gedanken kehrten immer wieder zu Chakotay zurück. Schließlich hielt sie es nicht länger aus und stand auf um ein sehr verfrühtes Frühstück im Casino einzunehmen. "Computer, Licht", sagte sie beim Eintreten. Es wurde hell im Casino und sie zuckte erschreckt zusammen, als sie auf einmal Chakotay am hinteren Tisch entdeckte.
"Huch, Chakotay, haben Sie mich erschreckt."
Sie erhielt keine Antwort. Er saß einfach nur da, sah sie nicht einmal an und hielt krampfhaft etwas mit der einen Hand fest. B'Elanna kam näher.
"Alles in Ordnung?" fragte sie.
"Verschwinden Sie", zischte er sie an.
"Wie bitte?" B'Elanna glaubte sich verhört zu haben.
"Ich sagte, Sie sollen abhauen, sind Sie taub?"
Sie war inzwischen so nahe gekommen, daß sie erkennen konnte, was er getan hatte. Fassungslos blickte sie auf die inzwischen halb leere Flasche Schnaps.
"Chakotay, warum haben Sie das getan?" sie setzte sich zu ihm an den Tisch.
"Das geht Sie gar nichts an. Lassen Sie mich endlich in Ruhe, sie alle!"
"Das werde ich bestimmt nicht tun. Verdammt, es ist Ihre Gefangenschaft, nicht wahr? Sie verfolgt Sie und Sie wollen vergessen." Sie entriß ihm die Flasche und schwenkte sie vor seinen Augen. "Aber das ist nicht der richtige Weg, Chakotay!"
"Was wissen Sie schon davon, Lieutenant." Er betonte ihren Rang.
"Offenbar mehr als Sie. Sprechen Sie mit mir, Chakotay, erzählen Sie davon. Oder muß ich Sie erst in die Krankenstation bringen?"
Chakotay stand wütend auf. "Ich bin Ihnen kleine Erklärung schuldig, Lieutenant." Mit diesen Worten hastete er aus dem Casino. B'Elanna beschloß, den Doktor aufzusuchen. So konnte es einfach nicht weiter gehen.
Sie betrat nur wenig später die Krankenstation und aktivierte den Doktor. In knappen Worten erzählte sie ihm, was mit Chakotay vorgefallen war.
Der Doktor runzelte die Stirn. "So etwas habe ich befürchtet. Ich werde ihn wohl zu einem Counselor schicken müssen. Sein Zustand wird langsam gefährlich. Zum Glück ist das Programm in einigen Stunden fertig."
"Was meinten Sie eben mit gefährlich, Doc?"
"Nun, bei einer derartigen psychischen Belastung kann es vorkommen, daß der Patient unter Umständen versuchen wird, sich selber zu verletzen oder sogar umzubringen, wenn ihm nicht rechtzeitig geholfen wird. Da der Commander sich anscheinend strikt weigert, sich freiwillig helfen zu lassen, muß er dazu leider gezwungen werden. Ich werde die Therapie gleich heute mit ihm beginnen."
"Ich werde inzwischen den Captain informieren." sagte B'Elanna und verließ damit die Krankenstation um sich zum Quartier von Kathryn zu begeben.

=/\=

Chakotay war inzwischen in sein Quartier gegangen und versuchte es noch einmal mit Meditation. Doch wieder landete er nur in dem Dorf und wieder erlebte er alles noch einmal. Als seine Vision geendet hatte, war er verzweifelter als je zuvor. Er konnte einfach nicht mehr und sah jetzt nur noch einen Ausweg.

Kapitel 17

Kathryn wurde durch den Türmelder aus dem Schlaf gerissen.
"Hmm... wer ist da?" fragte sie schläfrig.
"B'Elanna", ertönte es von draußen. "Captain, entschuldigen Sie die Störung, aber es geht um Chakotay."
Kathryn war mit einem Schlag hellwach, stand im nächsten Moment neben ihrem Bett und rief: "Kommen Sie rein."
B'Elanna trat ein und Kathryn fragte sofort, was los sei.
Auch ihr gab B'Elanna eine kurze Zusammenfassung über ihre Begegnungen mit Chakotay und ließ auch die Worte des Doktors nicht aus. Kathryn machte sich große Sorgen.
"Danke B'Elanna, ich werde mit Chakotay reden."
"Gut, ich gehe dann mal an die Arbeit." Sie verließ Kathryns Quartier.
"Computer, Commander Chakotay lokalisieren."
"Commander Chakotay ist in seinem Quartier."
"Ist er wach?"
"Bestätigt."
Kathryn zog sich rasch eine Hose und ein T-Shirt an und stand im nächsten Moment vor Chakotays Tür.
Chakotay saß in seinem Quartier und ein scharfes Messer ruhte dicht über seinem Handgelenk als der Türmelder ertönte. Doch er reagierte nicht.
Kathryn klopfte an die Tür. "Chakotay, bitte machen Sie auf!"
"Lassen Sie mich in Ruhe, ich will schlafen", rief er nach draußen.
"Chakotay, ich muß aber mit Ihnen reden."
Chakotay antwortete nicht mehr. Die Klinge hatte schon einen blutigen Striemen in sein Handgelenk geritzt.
Kathryn spürte, daß etwas ganz und gar nicht mit ihm stimmte und gab ihren Überbrückungscode ein. Die Türen öffneten sich und sie blieb entsetzt stehen.
"Chakotay, tu es nicht, bitte!" Sie war einen Schritt in sein Quartier gekommen, so daß die Türen sich hinter ihr schlossen. "Bitte geh, Kathryn. Ich kann nicht mehr."
Sie kam ganz langsam näher. "Chakotay, das ist keine Lösung."
"Doch, doch es ist eine. Die einzige. Du verstehst das nicht. Ich muß es einfach tun. Ich kann so nicht weiterleben."
"Es gibt immer eine andere Möglichkeit. Chakotay, ich flehe Dich an, tu es nicht. Wenn Du Dich jetzt umbringst, wirst Du auch mich damit töten." Sie machte eine kleine Pause bevor sich sagte: "Ich liebe Dich."
Chakotay blickte überrascht auf und sah, daß sie weinte.
"Ich... ich liebe Dich auch, Kathryn, aber ich weiß einfach nicht weiter." Auch ihm kamen jetzt die Tränen.
"Bitte, laß Dir von mir helfen, gemeinsam werden wir es schaffen."
Chakotay zögerte, drehte das Messer in seiner Hand hin und her.
"Gib mir eine Chance, bitte!" Kathryn kniete inzwischen neben ihm und streckte zögerlich die Hand nach ihm aus.
Er sah ihr in die Augen. Und plötzlich fühlte er sich ein wenig besser. In diesen Augen konnte er unendliche Liebe und Zärtlichkeit sehen, die nur für ihn bestimmt war. Er legte das Messer zur Seite und konnte seine Gefühle nicht mehr zurückhalten. Kathryn nahm ihn in den Arm und er weinte, weinte sich endlich seinen Kummer, sein Leid und seine Qualen von der Seele.
Sie saßen minutenlang so da und schließlich begann Chakotay endlich zu reden. Er erzählte ihr alles genau und sie spendete ihm Trost und Kraft.
Und tatsächlich, das Erzählen hatte geholfen, er fühlte sich erleichtert aber auch etwas beschämt über das, was er beinah getan hätte.

Kapitel 18

2 Monate später ging es Chakotay wieder soweit gut, daß er seinen Dienst tun konnte. Der Doktor und vor allem Kathryn hatten ihm sehr geholfen, dazu noch B'Elanna, die ihn immer wieder abgelenkt hatte, wenn Kathryn auf der Brücke zu tun hatte und er alleine war. Seit dem Tag, als sie ihm ihre Liebe gestanden hatte, waren sie zusammen. Die Crew hatte sich darüber riesig gefreut und erst jetzt hatten Kathryn und Chakotay von Toms Wette 17 erfahren. Als Tom es ihnen erzählte, lachten sie hell auf und waren neugierig, wer die Wette gewonnen hatte.

An diesem Abend hatte Chakotay etwas besonderes vor. Er hatte schon seit Wochen Replikatorrationen aufgespart und heute Abend würde sich zeigen, ob es sich gelohnt hatte. Er hatte das Holodeck reserviert und wartet jetzt nur noch nervös auf Kathryn, die jeden Moment kommen mußte.
"Hallo Chakotay!" begrüßte sie ihn, als sie ihr gemeinsames Quartier betrat.
"Kathryn, endlich." Die beiden begrüßten sich mit einem langen, innigen Kuß.
"Also, verrätst Du mir jetzt endlich, was Du heute Abend geplant hast? Ich glaube, ich habe meine Offiziere fast zum Wahnsinn getrieben, weil ich vor Spannung auf der Brücke immer hin und her gelaufen bin."
"Nur die Ruhe, zieh Dich erst mal um, mach Dich frisch und dann wirst Du schon sehen."
"Na gut. Ich beeile mich." Damit verschwand sie im Bad.
Nur ein paar Minuten später war sie fertig geduscht und zog sich an.
"Kann man so mit mir weggehen, Commander?"
"Du siehst einfach bezaubernd aus."
Kathryn mußte lachen. "Alter Charmeur. Laß uns endlich gehen."

Nur wenige Minuten später betraten sie das Holodeck. Kathryn blieb vor Erstaunen der Mund offen. Sie waren wieder auf New Earth. Wie sehr hatte sie doch des öfteren diesen Ort vermißt. "Oh Chakotay, es ist wundervoll!" brachte sie heraus. Er lächelte. "Ich freue mich, daß es Dir gefällt. Komm, laß uns zum Fluß gehen."
"Einverstanden."
Am Fluß erwartete Kathryn die nächste Überraschung. An einem gemütlichen Plätzchen lag eine große Decke mit zwei brennenden Kerzen drauf und diversen Köstlichkeiten. "Oh Chakotay, das ist herrlich. Vielen Dank!" Sie drehte sich zu ihm um und gab ihm einen zärtlichen Kuß. Gemeinsam setzten sie sich hin und ließen es sich schmecken.
Als sie fertig waren mit Essen, liefen sie ein Stückchen am Strand entlang, Hand in Hand. Die Sonne ging gerade unter und tauchte den Fluß und den Rest der Landschaft in ein wunderschönes rot und gelb. Eine leichte Brise wehte um die beiden und der Wind spielte mit Kathryns Haaren. Sie kamen an einen großen Stein, der über den Fluß ragte und setzten sich hin. Stumm sahen sie sich an und versanken dann in einen leidenschaftlichen Kuß. Als sie sich voneinander gelöst hatten, lehnte sich Kathryn an Chakotay Schulter und genoß einfach seine Nähe.
Chakotay drückte sie fest an sich und zog dann eine kleine Schachtel aus seiner Tasche. Er hielt sie Kathryn hin.
"Ist das für mich?" fragte sie verwirrt.
"Ja, öffne es."
Langsam nahm sie ihm das Kästchen aus der Hand und klappte den Deckel hoch. Zutage kam ein wunderschöner Ring, mit 3 Diamanten besetzt, die in allen Farben strahlten. Kathryn war sprachlos. Chakotay nahm den Ring aus der Halterung und sah Kathryn in die Augen. "Kathryn Janeway, vor 6 Jahren habe ich mich in Dich verliebt und endlich kam der Moment, in dem wir uns unsere Gefühle füreinander gestanden haben. Ich liebe Dich über alles und möchte den Rest meines Lebens mit Dir zusammen sein." Er machte eine kurze Pause. "Möchtest Du mich heiraten?"
Kathryn kamen die Tränen. Sie sah in an und sagte nach einer kleinen Pause: "Ja, ich will. Ich will den Rest meines Lebens mit Dir zusammen sein, weil ich Dich über alles liebe."
Chakotay lächelte sie glücklich an und steckte ihr dann langsam den Ring auf ihren linken Ringfinger. "Oh Kathryn, endlich." Er umarmte sie zärtlich und beide versanken in einem tiefen Kuß.