kursiv=Christine, normal=Kath
"... wir hören uns in einem Monat wieder. Paris Ende." Kathryn Janeway, Captain der USS Voyager, lehnte sich in ihrem Sessel zurück. Gerade hatte sie eine Unterhaltung mit dem Alpha-Quadranten hinter sich gebracht, Admiral Paris hatte ihr die wichtigsten Informationen übermittelt und während sie sprachen hatte Seven in der Astrometrie sicher wieder viele Briefe runtergeladen, die dank Reginald Barclay's Midas-Phalanx übertragen werden konnten. Ob für sie auch wieder eine Nachricht von Mark dabei sein würde?
Nachdem Seven die Nachrichten auf Padds geladen hatte, wurden sie verteilt. Auch Kathryn erhielt eine Nachricht, sie war von Mark. Auch Chakotay erhielt ein Padd. Etwas verwundert zog er sich zurück, um die Nachricht zu lesen.
Kathryn hatte sich in ihren Bereitschaftsraum zurückgezogen und fing neugierig an zu lesen. Während sie die Worte überflog veränderte sich auch immer mehr ihr Gesichtsausdruck. Am Anfang hatte sie noch leicht gelächelt, auch wenn Mark eine andere geheiratet hatte, so waren sie doch immerhin gute Freunde geblieben, doch nun glitten ihre Mundwinkel immer weiter nach unten und aufmerksame Beobachter hätten ein Glänzen in ihren Augen sehen können.
Sie legte das Padd weg und strich sich über die Stirn. Diese Nachricht hatte sie nicht erwartet. Niemand erwartet eine solche Nachricht. Sie sah aus dem Fenster und erlaubte sich eine Träne. Sie lief einsam über ihre Wange und starb auf ihren Lippen. Ihr Blick wurde blank. Chakotay saß unterdessen in seinem Quartier in einem Sessel, den Blick auf einen Punkt auf dem Boden gerichtet, das Padd lag auf seinem Schoß und seine Gedanken waren Lichtjahre weit weg. Beim Lesen war ihm das Padd aus der Hand geglitten und er mußte seine ganze Selbstbeherrschung aufbringen um die Tränen zurückzuhalten, die in ihm hochstiegen. Eine Freundin hatte ihm diesen Brief geschrieben um ihm mitzuteilen, dass vor einer Weile der Planet, auf dem sich die Kolonie befand, wo Chakotay aufgewachsen war, völlig zerstört worden war. Sämtliche Bewohner und alles Kulturgut war für immer verloren. Chakotay konnte es einfach nicht glauben. Er saß da und starrte noch immer auf denselben Punkt irgendwo am Boden.

'Es tut mir leid, Ihnen mitteilen zu müssen, daß Mark bei einem Unfall verstorben ist.' Immer wieder hallten diese Wort ein Kathryns Kopf. Sie wischte sich über das Gesicht, um die Spuren der Träne zu entfernen und erhob sich wieder. In ihr fühlte sich alles leer an.
Das Padd, das Chakotay noch immer hielt, fiel mit etwas Geräusch auf den Boden, das holte ihn in die Realität zurück. Er hob das Padd wieder auf und legte es auf den Tisch. Wieder fiel sein Blick auf die Worte, die ihm die schlechte Nachricht gebracht hatten.

"Paris an Chakotay", ertönte es auf einmal. Chkotay brauchte einige Sekunden bis er auf sein Combadge tippte und hoffte, in einem möglichst normalen Tonfall zu sagen: "Chakotay hier."
"Commander, wo sind sie denn? B'Elanna und ich warten schon vor dem Holodeck, wir waren vor 5 Minuten verabredet."
"Tut mir leid Tom, mir ist etwas dazwischengekommen. Ein anderes mal vielleicht. Chakotay Ende."
Er nahm auf dem Sofa Platz und strich sich durch die Haare, dann ließ er seinen Kopf sinken und in seinen Händen ruhen. Janeway beschloß unterdessen, da ihre Anwesenheit auf der Brücke nicht unbedingt erforderlich war, ein entspannendes Bad zu nehmen, um die Gedanken zu klären.

Am nächsten Morgen saß Kathryn schon Stunden, bevor ihre Schicht begann, im Bereitschaftsraum. Sie hatte sich in Padds vertieft, denn Arbeit war immer noch besser als das schmerzhafte Grübeln und die schlaflose Nacht. Der Türsummer ertönte und nach einem kurzen "herein" betrat Chakotay den Raum. Kathryn legte sofort das Padd zur Seite, als sie Chakotay erblickte. Er sah um Jahre gealtert aus, seine Uniform war zerknittert und unter seinen Augen waren dunkle Ringe. Sofort breitete sich Sorge in ihr aus. "Chakotay? Alles in Ordnung?" fragte sie gleich.
"Darf ich Sie bitten, mich heute von meinem Dienst freizustellen, Captain?", fragte Chakotay recht förmlich. Er hoffte damit zu vermeiden, daß Kathryn nachfragte, weswegen.
Kathryn sah ihren ersten Offizier noch einmal an und nickte dann. "Natürlich Commander, wir sehen uns morgen."
Chakotay bedankte sich mit einem kurzen Kopfnicken und wollte schon den Raum verlassen, als Kathryn noch einmal sagte: "Chakotay?" Er drehte sich wieder um zu ihr. "Falls... falls Sie jemanden zum Reden brauchen, Sie wissen, wo mein Quartier ist." Chakotay rang sich ein kleines Lächeln ab und verließ den Raum.
"Danke", erwiderte Chakotay und zog sich in sein Quartier zurück. Janeway hingegen lenkte sich auf der Brücke mit jeder Menge Arbeit von ihrem Schmerz ab.
In seinem Quartier angekommen, kleidete Chakotay sich in bequemere Kleidung und begann, alles für ein Gedenkritual vorzubereiten. Erst jetzt fiel ihm auch, daß Kathryn schlecht ausgesehen hatte. Er nahm auf seinem Sofa Platz und beschloß, sie gleich nach ihrem Schichtende zu kontaktieren. In Gedanken verfluchte er sich dafür, daß er so unaufmerksam war.
Langsam begann er, das Ritual vorzubereiten und es durchzuführen, doch glitten seine Gedanken immer wieder weg zu Janeway. Seufzend brach er ab und strich sich durchs Haar.

Kathryn hatte den Tag in ihrem Bereitschaftsraum verbracht und stand jetzt vor dem Problem, dass sie alle unangenehmen Arbeiten schon erledigt hatte. Daher beschloss sie, bei Chakotay vorbeizugehen und zu schauen, ob bei ihm alles in Ordnung war. Außerdem hoffte sie im Stillen, seine bloße Anwesenheit könne ihm Trost geben. So stand sie 5 Minuten vor Schichtende vor seinem Quartier und betätigte den Türsummer.
"Wer ist da?" kam seine Stimme. "Kathryn, ich wollte nur mal bei Ihnen vorbeischaun, aber wenn ich stören sollte..." sie konnte den Satz nicht zu Ende bringen, denn die Tür glitt fast sofort auf und der erste Offizier bat sie, hereinzukommen. Etwas zögerlich trat sie ein. "Ich störe Sie hoffentlich nicht?", meinte sie fragend und deutete auf die Utensilien des Rituals. Doch Chakotay schüttelte den Kopf. "Nein", erwiderte er und bat ihr einen Platz auf dem Sofa an. "Wie geht es Ihnen?", fragten beide gleichzeitig den anderen.
Kathryn und Chakotay mußten unwillkürlich lächeln, doch der Moment verflog schnell. Schließlich begann Chakotay: "Um ehrlich zu sein...." er überlegte, was er sagen sollte, doch er fand keine Worte. Daher reichte er ihr stumm das Padd damit sie es selber lesen konnte. Kathryn nahm es erst zögerlich, doch dann begann sie zu lesen. Tränen traten ihr in die Augen, sie stand auf, legte Chakotay, der während sie las mit dem Rücken zu ihr stand und zum Fenster hinaus blickte, ihre Hand auf die Schulter und sagte leise: "Es tut mir so leid Chakotay." Und ohne groß darüber nachzudenken, was sie da tat, umarmte sie ihn von hinten und legte ihren Kopf an seinen Rücken. Zuerst erschrak Chakotay ein wenig, doch dann legte er seine Hande über ihre und nahm ihr das Padd wieder aus der Hand. Er warf es auf das Sofa und schloß dann seine Augen. Es fühlte sich so richtig an. Er verschränkte ihre Finger miteinander.
"Mark ist tot", flüsterte Janeway gegen seinen Rücken. Er versteifte sich und löste seine Hände von ihren. Er drehte sich in der Umarmung herum, so daß er sie ansehen konnte. Sie weinte, diesmal nicht nur eine Träne. "Es... tut...." Kathryn schüttelte den Kopf und er verstummte. Weinend umarmte sie ihn und hielt sich fest an ihm. Er hielt sie fest gegen sich gedrückt.
Eine zeitlang standen beide einfach nur da und gaben sich gegenseitig Trost und Kraft. Niemand anderes hätte ihrer beider Schmerz so lindern können. In Chakotays Brust breitete sich Wärme aus und er begann, Kathryn über den Rücken zu streichen. Ihre Nähe war wie Balsam für seine Seele.
Kathryns Finger krallten sich sanft in Chakotays Oberteil. In ihr breitete sich ein warmes, angenehmes Gefühl aus. Ihren Tränen waren schon vor einer Weile versiegt. Langsam lösten beide die Umarmung sahen einander an. Noch immer hielten sie einander fest und genossen die Nähe und Wärme des anderen. Langsam und beinahe unmerklich näherten sich ihre Lippen, während sie in den Augen des anderen versanken.Als sie sich küßten überspülte eine Woge der Liebe die Trauer und dämpfte den pochenden Schmerz des Verlustes. Immer noch küssend sanken sie auf die Couch nieder und Kathryns Finger öffneten Chakotays Oberteil. Ihre Finger zitterten ein wenig, als sie sein Oberteil von seinem Körper streifte. Sie strich über seine Haut, so daß er das Zittern ihrer Finger spürte. Sanft intensivierte er den Kuß, als er ihr Uniform-Oberteil öffnete. Seine Hände folgten den Konturen ihres Oberkörpers, ohne daß er den Kuß unterbrach. Wenig später lagen beide auf der Couch, die Kleidungsstücke im Raum verteilt.

Am nächsten Morgen erwachte Kathryn neben Chakotay in seinem Quartier. Ihr kamen Gewissensbisse wegen der letzten Nacht und sie fragte sich, ob sie Chakotay nicht nur ausgenutzt hatte. Doch als sie in das glückliche Gesicht ihres immer noch schlafenden ersten Offiziers blickte, spürte sie keine Reue, sondern nur Glücklichkeit und einen inneren Frieden. Ein kleines Quentchen Angst war allerdings auch dabei, fühlte Chakotay dasselbe? Oder war sie nur Trost für ihn gewesen? Doch sie wußte auch, dass Chakotay sie schon sehr lange geliebt hatte und sie wußte auch, wenn sie jetzt wieder einen Rückzieher machen würde, dann wäre es für ihn ein Todesstoß. Aber sie wollte gar keinen machen, mit einem Anflug von schlechtem Gewissen dachte sie, dass diese beiden schrecklichen Nachrichten für sie ein Glück gewesen waren. "Auf wiedersehen Mark, irgendwann..." flüsterte sie, legte ihren Kopf wieder an Chakotays Brust und schlief ein.

ENDE