6 Jahre lag die Geschichte nun auf meinem Rechner... 4 Kapitel läpperten sich, doch dann ... ging NICHTS mehr!
Irgendwie war die Situation verfahren, ich hatte keine Ahnung wie ich die Voyager aus dem Schlamassel herausholen konnte, in den ich sie mit Warp 8 hinein manövriert hatte -.-
Nach sechs Jahren (und vor 2 Wochen) kam mir dann doch eine Idee... und ENDLICH konnte die Geschichte ihr Ende finden - viel Spaß

P.S.: Jaja, ich weiss - ich hab ein Fable dafür alle leiden zu lassen :P Aber so ist die Welt: ein Pool der Leiden schafft.


"Captains Log, Sternzeit 5731.4, Nachtrag: Wir haben Verhandlungen mit den Na'kut aufgenommen. Im Austausch gegen Geschichten und Informationen über unsere Herkunft und Reise geben sie uns Nahrungsmittel und Rohstoffe."

"Persönliches Logbuch Kathryn Janeway: Die Na'kut sind wirklich ein außergewöhnlich gastfreundliches Volk. Sie haben uns sofort angeboten, ihren Planeten und ihre Kultur kennen zu lernen. Chakotay war bereits mit einem Außenteam in der Hauptstadt während ich mit Botschafter Telar die Verhandlungen geführt habe. Aus Chakotays Bericht habe ich entnommen, dass er keinen Bedenken gegen einen Landurlaub hat. Sogar Tuvok war ‚begeistert'. Ich habe dem Großteil der Crew für 2 Wochen Landurlaub genehmigt."

Kathryn hatte gerade ihren Logbucheintrag beendet, als der Türmelder ertönte.
"Herein", sagte sie. Die Türen zum Bereitschaftsraum glitten auf und gaben den ersten Offizier des Schiffes preis, der mit einem Padd in der Hand eintrat.
"Ah, Chakotay, kommen Sie rein. Möchten Sie auch einen Kaffee?" fragte Kathryn ihn, während sie zum Replikator ging um für sich selbst auch eine Tasse zu holen.
"Ja gerne, danke." Chakotay steuerte auf die Couch zu, die im hinteren Teil des Raumes stand und setzte sich.
"Computer, zweimal Kaffee, schwarz." Kathryn nahm die beiden Tassen aus dem Ausgabefach und stellte eine vor Chakotay ab. Dann setzte sie sich neben ihn auf die Couch.
"Also, Chakotay, schießen Sie los."
"Der Landurlaubsplan." sagte er und hielt Kathryn das Padd hin. Kathryn nahm es und überflog es kurz. Sie lächelte, als sie sah, dass sie mit Chakotay zusammen eingeteilt worden war.
"Kathryn, da ist noch etwas."
"Was denn?"
"Nun, Samantha Wildman hat leider keinen Landurlaub bekommen, und da hat sie mich gefragt, ob wir beide nicht Naomi auf den Planeten mitnehmen könnten, sie würde sich so sehr freuen..."
"Heißt das, Du willst Deinen Landurlaub mit mir verbringen?"
"Ähm, na ja, gerne, aber nur, wenn Du auch möchtest."
Kathryn lachte. "Natürlich möchte ich, ich freue mich schon darauf!"
"Und Naomi?"
"Sie kommt selbstverständlich mit."
"Ich glaube, Du hast Naomi gerade zur glücklichsten Captain-Assistentin gemacht." schmunzelte Chakotay.
"Sag mal, wie wäre es, wenn wir außerdem noch Icheb mitnehmen? Er und Naomi sind doch so gut befreundet", schlug Kathryn vor.
"Prima Idee, vielleicht sollte Naomi Icheb fragen, dann sagt er bestimmt nicht nein."
"Gut, dann schlage ich vor, Du redest mit Sam und ich überbringe Naomi persönlich die gute Nachricht."
"Aye aye, Captain!" Chakotay schenkte ihr noch ein strahlendes Lächeln bevor er aufstand und zur Tür ging. Kurz bevor er den Raum verließ drehte er sich noch mal zu Kathryn um und sagte: "Also dann bis morgen. 10.00 Uhr im Transporterraum 2, einverstanden?"
"Alles klar, bis morgen früh."
Die Türen schlossen sich hinter Chakotay.

=/\=

Nach Dienstende begab sich Kathryn zum Holodeck, wo sich Naomi gerade aufhielt, jetzt war es an der Zeit, sie zu informieren. Naomi unterhielt sich gerade mit Flotter als die Türen des Holodecks aufglitten und der Captain eintrat. Naomis Herz begann schneller zu schlagen, für einen Augenblick überlegte sie, was sie denn angestellt haben musste, dass der Captain persönlich zu ihr kam. Naomi hatte den größten Respekt vor ihr. Sie hatte sich geschworen, später auch ein Captain zu werden und versuchte deshalb alles, um Janeways Vorbild nachzueifern. Es war ihr immer sehr wichtig, was der Captain von ihr dachte. Sie wollte sie nicht enttäuschen. Janeway, der Naomis Eifer natürlich nicht entgangen war, hatte sie deshalb zur persönlichen Assistentin ernannt. Naomi war in diesem Augenblick wohl das glücklichste Mädchen im ganzen Quadranten.
Jetzt fühlte sie sich etwas unwohl, doch trotz allem ging sie tapfer und auch ein wenig neugierig dem Captain entgegen - und atmete erleichtert auf, als sie ein freundliches Lächeln auf Janeways Lippen sah. Nein, angestellt hatte sie nichts, aber was wollte der Captain dann von ihr?
"Hallo Captain! Brauchen Sie meine Hilfe?" fragte Naomi.
Kathryn lachte. "Hallo Naomi, es tut mir leid, wenn ich Dich gestört habe. Eigentlich wollte ich Dich auch nur ganz kurz fragen, ob Du Lust hättest, Chakotay und mich morgen auf den Planeten zu begleiten."
Naomis Augen wurden größer und strahlten Kathryn an. "Ich darf mit? Wirklich?"
"Ja Naomi, Deine Mutter hat leider keinen Landurlaub bekommen und hat uns deshalb gefragt, ob wir Dich mitnehmen würden. Wir freuen uns, wenn Du uns begleiten würdest."
"Oh danke, Captain! Das wird der beste Landurlaub, den ich jemals hatte!"
"Wenn Du willst, kannst Du auch Icheb fragen, ob er mitkommen will, dann hast Du eine Begleitung für einen kleinen Alleinausflug, falls Chakotay und ich Euch dann auf die Nerven gehen." Bei den Worten zwinkerte ihr Kathryn frech zu und Naomi verstand sofort.
"Oh super, ich werde Icheb gleich fragen gehen!" Sie wollte gerade loslaufen, als sie abrupt stoppte und zu Kathryn hoch sah.
"Erlaubnis, das Holodeck zu verlassen, Captain?" fragte sie ernsthaft und stand in "Hab Acht" Stellung da.
Kathryn verkniff sich ein Lachen und setzte statt dessen ihre manchmal strenge Captain-Maske auf. "Erlaubnis erteilt, wegtreten."
Naomi lächelte und mit einem "Danke!" rufend war sie auch schon wie der Blitz verschwunden um zu Icheb zu laufen.
Kathryn blickte ihr mit einem breiten Lächeln hinterher und auf einmal überkam sie das Gefühl, dass etwas in ihrem Leben fehlte - eine Familie. Sie seufzte leise, das würde wohl noch lange warten müssen. Dann verließ sie das Holodeck.

=/\=

Pünktlich um 10.00 Uhr am nächsten Morgen trafen Chakotay, Kathryn, Icheb und Naomi im Transporterraum ein.
Naomi hatte Icheb gar nicht lange überreden müssen, denn Icheb hatte großes Interesse an dem Planeten und außerdem war er gerne mit Naomi zusammen.
"Ah, Icheb, schön, dass Du auch mitkommst", begrüßte ihn Chakotay.
"Seven war der Ansicht, auf dem Planeten könne ich noch effizientere Studien durchführen."
"Aber Icheb, wir wollten doch Urlaub machen, die Arbeit kann warten! Außerdem hast Du mir versprochen, mit mir den Marktplatz zu besuchen!" Naomi schmollte etwas. Sie hatte keine Lust auf Analysen, sie wollte sich einfach nur Land und Leute angucken, etwas Spaß haben und vielleicht ein schönes Andenken kaufen.
"Keine Sorge Naomi, ich habe es nicht vergessen", beruhigte Icheb sie.
"Und nachdem das geklärt wäre...wollen wir endlich los?" fragte Kathryn, die mit Chakotay schon auf der Plattform wartete. Das ließen sich die beiden natürlich nicht zweimal sagen und betraten rasch die Plattform. Kathryn gab den Befehl zum Beamen.
"Energie!"

Sie rematerialisierten etwas außerhalb des Stadttores auf einem Weg.
"Aaah! Was für eine herrliche Luft!" Chakotay atmete tief ein. Es roch nach Blumen und frischem Grün.
"Gehen wir in die Stadt?" drängelte Naomi. Für sie war es erst der dritte Landurlaub und sie platzte fast vor Neugierde. Ungeduldig zupfte sie an Ichebs und Kathryns Ärmeln.
Kathryn lachte und meinte: "Dann los! Komm Chakotay, wir wollen Naomi doch nicht warten lassen!"
"Zieh' doch nicht so Naomi, ich komme ja schon." Icheb, den Naomi noch immer am Ärmel festhielt, versuchte sie ein bisschen zu bremsen.
Nach ca. 20 Minuten Fußweg erreichte die kleine Gruppe den Stadtkern.
"Sollten wir uns verlieren, haben wir unsere Communicator und treffen uns am besten an der Kirche wieder", sage Kathryn und deutete auf die Eingangstür.
"Icheb, bitte bleib immer bei Naomi, ich möchte nicht, dass sie hier alleine rumläuft."
"Natürlich", antwortete Icheb.
"Dann auf ins Gewühl!" rief Chakotay und steuerte schnurstracks ins Getümmel. Die anderen folgten ihm und es dauerte gar nicht lange und Naomi und Icheb waren irgendwo im Gewühl verschwunden. Kathryn benutzte ihren Communicator und fragte bei Icheb nach, ob alles in Ordnung sei. Als dieser Naomis Begeisterung über die verschiedenen Gegenstände beschrieb, beschloss Kathryn, den beiden einfach etwas Zeit zu geben und überredete Chakotay mit ihr ein nahes Café aufzusuchen. Sie suchten sich einen Platz auf der Veranda und setzten sich etwas entfernt vom Trubel in eine versteckte Nische. Kathryn begann erst jetzt, die Na'kut genau zu betrachten. Sie waren alle etwas kleiner als sie selbst und hatten alle dunkles Haar. Zumindest hatte Kathryn noch keinen Na'kut mit hellem Haar gesehen. Ihre Haut schimmerte etwas bläulich und ihre Nasenrücken erinnerten Kathryn an die Bajoraner. Ansonsten jedoch sahen sie wie Menschen aus.
"Was darf ich Ihnen bringen?" Die Stimme des Kellners, der auf einmal an ihrem Tisch auftauchte, riss Kathryn aus ihren Gedanken.
"Äh, was haben Sie denn anzubieten?"
"Die Spezialität unseres Hauses ist Welsa, ein Erfrischungsgetränk."
"Gut, zweimal bitte", orderte Chakotay.
"Sehr gerne," sagte der Kellner und ging wieder hinein.
"Ich lade Dich ein."
"Oh, vielen Dank, Chakotay."
Es dauerte gar nicht lange, bis der Ober mit zwei Gläsern zurückkam. Er stellte sie vor die beiden auf den Tisch und sagte: "Genießen Sie es, Sie werden später gut schlafen können."
Damit verschwand er wieder.
Kathryn und Chakotay sahen sich einen Augenblick etwas verwirrt an, beschlossen dann jedoch, das Getränk endlich zu probieren. "Auf einen schönen Tag!" sagte Chakotay und hob sein Glas.
"Ebenso", antwortete Kathryn und stieß mit Chakotay an. Sie nahm einen schluck und stellte fest, dass ihr das Welsa ausgezeichnet schmeckte, etwas nach Pfirsich und frischer Orange mit Kohlensäure versetzt. "Wir sollten ein paar Flaschen davon auf die Voyager mitnehmen, dann hat Neelix mal etwas trinkbares da", scherzte sie noch und nahm noch einen großen Schluck. Chakotay hatte sein Glas gerade angesetzt, als er sich erschrocken an den Nacken griff und dadurch sein Glas fallen ließ. "Chakotay, was ist los?" fragte Kathryn besorgt.
"Ich weiß nicht, ich glaube, mich hat etwas gestochen", antwortete er und rieb seinen Nacken.
Kathryn kicherte etwas, als sie plötzlich merkte, dass etwas nicht stimmte. Sie konnte kaum noch die Augen offen halten.
"Chakotay, mit mir stimmt irgend etwas nicht, ich kann..." flüsterte sie noch, dann kippte ihr Kopf zur Seite und sie rührte sich nicht mehr.
"Kathryn!" Chakotay sprang auf und fühlte nach ihrem Puls. Er war langsam, aber regelmäßig. "Hey Kathryn, komm zu Dir!" sagte er und rüttelte sie vorsichtig.
Doch Kathryns Augen blieben weiterhin geschlossen. Chakotay war gerade im Begriff auf seinen Communicator zu tippen, als er plötzlich einen Schlag auf den Hinterkopf bekam und bewusstlos zu Boden sank. Vier Männer in schwarzer Kleidung und mit Kapuzen über dem Kopf entfernten rasch die Communicatoren und warfen sie hinter die Veranda ins hohe Gras. Dann hoben sie Kathryn und Chakotay hoch und verschwanden ungesehen mit ihnen hinter das Café, wo sie die beiden Offiziere in ein Fahrzeug verfrachteten und mit ihnen aus der Stadt fuhren.

=/\=

Ungefähr zur gleichen Zeit waren Icheb und Naomi in ein Geschäft gegangen da Naomi dort unbedingt nach einem Mitbringsel für ihre Mutter suchen wollte. Es war ein kleiner Kramladen und sie waren die einzigen Kunden. Der Besitzer war gerade im hinteren Teil des Raumes und bekam deshalb auch nicht mit, dass zwei schwarz vermummte Gestalten den Laden betraten, ein Tuch aus der Tasche zogen, sich von hinten Icheb und Naomi schnappten und ihnen das Tuch vor Mund und Nase hielten.
Icheb versuchte sich aus der Umklammerung zu befreien, aber der Mann hatte einen zu festen Griff. Der Geruch raubte ihm den Atem und langsam wurden er und Naomi bewusstlos. Die beiden Männer ließen die Tücher zur Sicherheit noch ein wenig länger auf ihren Gesichtern, nahmen ihre Communicatoren ab, hoben die beiden dann schnell auf den Arm und verschwanden mit ihnen ungesehen aus dem Laden. Hinter dem Geschäft wartete schon ein Fahrzeug und Naomi und Icheb wurden auf die Rückbänke gelegt. Ihre Communicatoren warfen die beiden Männer in die Büsche. Das Fahrzeug machte sich auf den gleichen Weg wie das, in dem Kathryn und Chakotay lagen.

=/\=

Mehrere Kilometer über der Planetenoberfläche wurde die Voyager von einem anderen Schiff angegriffen.
"Roter Alarm! Schilde hoch!" Doch die Anweisung kam eine Sekunde zu spät. Die Decke explodierte auf der Brücke und Tuvok wurde von einem Trümmerteil getroffen und aus dem Sitz geworfen. Harry lief zu ihm hin.
"Kim an Transporterraum, erfassen sie Tuvok und beamen sie ihn auf die Krankenstation. Kim an Doctor, medizinischer Notfall."
"Verstanden."
Im nächsten Moment verschwand Tuvok im Transporterstrahl. Tom, der nun das Kommando hatte, flog Ausweichmanöver um Ausweichmanöver konnte aber doch nicht verhindern, dass die Voyager einige Male getroffen wurde.
"Harry, Schildstatus!"
"Schilde bei 80 %!"
"Versuche einen Kanal zu öffnen."
"Kanal offen."
"Hier ist Tom Paris vom Raumschiff Voyager. Wieso feuern sie auf uns?"
Für einen Moment entstand eine Feuerpause und Stille herrschte auf der Brücke.
"Harry, wurde die Nachricht empfangen?"
"Positiv."
Eine neue Salve erschütterte das Schiff.
"Schilde runter auf 65 %!" rief Harry.
"Ich glaube fast, die wollen nicht kommunizieren", fluchte Tom.
"Harry, kannst Du einen Nebel, ein Asteroidenfeld oder etwas ähnliches orten, wo wir uns verstecken könnten?"
Harry tippte für einen Augenblick auf seiner Konsole rum, dann sagte er: "Ich habe einen Nebel geortet, 0,5 Lichtjahre von hier."
"Sehr gut, pass auf. Feuer ihnen einen breit gefächerten Phaserstrahl direkt vor die Sensoren und schick eine EM-Entladung hinterher, dann müssten ihre Sensoren für ein paar Minuten ausfallen. Ich bringe uns inzwischen in den Nebel. Fertig?"
"Moment... jetzt!"
"Feuer!" rief Tom und von der Voyager ging ein pulsierender Phaserstrahl aus. Das gegnerische Schiff hörte auf zu feuern und trieb orientierungslos im Raum. Tom war fast im selben Moment auf Warp gegangen und ein wenig später war die Voyager in den Nebel abgetaucht.
"Bericht."
"Schilde bei 45 %, 14 Verletzte, keine Hüllenbrüche."
"Na wenigstens etwas. Paris an Torres."
"Ja."
"B'Elanna, wie lange brauchst Du, um die Schilde zu reparieren?"
"Wir haben einige durchgeschmorte Leitungen und diverse andere Probleme. Mindestens 6 Stunden."
"Verstanden. Paris Ende." Tom seufzte leise. 6 Stunden um mir was einfallen zu lassen! 6 Stunden ohne den Captain und Commander.
"Paris an Krankenstation."
"Sprechen Sie."
"Wie geht es Tuvok?"
"Nicht besonders gut, einige Nervenfasern wurden zerrissen, ich brauche einige Stunden um sie zu flicken und selbst dann ist er noch weit von diensttauglich entfernt."
"Danke. Paris Ende."
Na toll, diesmal bleibt wirklich alles an mir hängen!
Harry schien die Gedanken seines Freundes zu erraten. "Keine Sorge Tom, wir sind ja auch noch da", meinte er tröstend.
"Welch Lichtblick!" er seufzte noch mal kurz und beschloss dann, endlich was zu unternehmen.
"Paris an alle übrig gebliebenen Führungsoffiziere. Kommen sie in 20 Minuten in den Konferenzraum. Ich erwarte genaue Schadens- und Lageberichte."

=/\=

Pünktlich fanden sich B'Elanna, Harry, Seven, Neelix und der Doctor im Konferenzraum ein.
"Heute mal in kleiner Runde", sagte B'Elanna als sie eintrat. Als alle saßen bat Tom um die Berichte.
"Die Schilde werden in ungefähr 5 Stunden wieder volle Stärke erreicht haben. Die Manövrierdüsen haben auch etwas abbekommen, aber das haben wir in einer Stunde wieder repariert. Mit ein paar durchgebrannten Schaltrelais und kaputten Leitungen haben wir auch noch zu kämpfen aber das müssten wir in der angegebenen Zeit schaffen", beendete B'Elanna ihren Bericht.
"Danke B'Elanna. Wie sieht's auf der Krankenstation aus?"
"Zwei Schwerverletzte und 12 Leichtverletzte. Keine Todesfälle."
"Sehr gut. Seven, können Sie uns irgendwas über die Angreifer sagen?"
"Den Borg ist dieser Schiffstyp unbekannt aber ich konnte die Sensordaten noch nicht vollständig auswerten. Sobald ich damit fertig bin, werde ich Sie informieren."
"Eine Schwachstelle in ihren Schilden würden mir schon völlig genügen", meinte Tom seufzend.
"Also gut, dann treffen wir uns hier noch mal wieder, wenn Seven uns etwas mehr über die Angreifer sagen kann." Und vielleicht fällt mir bis dahin noch ein Schlachtplan ein. "Wegtreten."

=/\=

Chakotay kam langsam wieder zu Bewusstsein und das erste, was er mitbekam, waren seine heftigen Kopfschmerzen. Stöhnend machte er langsam und vorsichtig die Augen auf und versuchte sich zu bewegen. Außer seinem Kopf schien alles in Ordnung zu sein und er setzte sich vorsichtig auf. Langsam sah er sich um. Neben ihm, auf einer anderen Pritsche lag Kathryn und schlief immer noch. Chakotay stand auf und ging zu ihr hinüber und versuchte sie zu wecken. "Kathryn, wach auf!" er streichelte ihr sanft über die Wange. Doch sie reagierte nicht. *Hoffentlich hat das Schlafmittel keine Nebenwirkungen*, dachte er besorgt. Da er Kathryn im Moment nicht helfen konnte, schaute er sich die Räumlichkeit erst einmal an. Er war in einem kleinen Raum, der nur Licht durch ein kleines, vergittertes Fenster bekam. Die Wände waren aus Stein und die einzige Tür aus schwerem Stahl. In diesem Moment wurde die Tür geöffnet und zwei vermummte Gestalten traten ein. Der eine hatte eine Waffe, die er auf Chakotay gerichtet hielt, der andere brachte etwas zu Essen und Trinken.
Chakotay stand auf. "Wer sind sie und warum halten sie uns hier fest?"
"Das werden Sie noch früh genug erfahren", erwiderte der eine.
"Was haben Sie mit ihr gemacht?" fragte Chakotay weiter und deutete auf die schlafende Kathryn.
"Keine Sorge, in spätestens einer Stunde ist sie wieder wach." Damit verschwanden beide Männer wieder und Chakotay setzte sich wieder auf seine Pritsche und konnte nur hoffen, dass Kathryn bald aufwachen würde.

Nach ungefähr einer halben Stunden hörte Chakotay ein Geräusch. Endlich, dachte er erleichtert, als er bemerkte, dass das Geräusch von Kathryn verursacht wurde. Sie wachte auf.
Chakotay schüttelte sie sanft. "Kathryn, wach auf!" sagte er leise.
Sie schlug langsam die Augen auf. "Mmmmm, Chakotay! Wo bin ich?"
"Wir wurden entführt und hier eingeschlossen." Er griff ihr unter die Schulterblätter und half ihr, sich aufzusetzen.
"Danke Chakotay", sagte sie, als sie endlich saß. Ihr war noch etwas schwindelig. Sie fasste sich stöhnend an den Kopf, machte aber dennoch Anstalten, aufzustehen.
"Hey, langsam Kathryn. Bleib lieber noch ein paar Minuten sitzen, das Zeug war ganz schön heftig."
"Ja, Du hast recht. Oh man, ist mir schwindelig!" stöhnte sie.
Chakotay legte seinen Arm um sie um sie notfalls zu stützen.
"Das geht wieder vorbei, in ein paar Minuten wirst Du bestimmt wieder klar im Kopf sein."
"Na hoffentlich!"
Zum Glück für Kathryn hatte Chakotay recht. Mit jeder verstreichenden Minute ging es ihr besser. Schließlich stand sie zaghaft auf und prüfte ihre Standfestigkeit. "Ist okay Chakotay, ich bin wieder fit", sagte sie, als sie Chakotays besorgten Gesichtsausdruck bemerkte. Kathryn ging Richtung Tür um diese zu untersuchen. Als sie jedoch hörte, wie die Tür entriegelt wurde und geöffnet wurde, ging sie zu Chakotay zurück.
Chakotay war von der Pritsche aufgestanden und stand dicht hinter Kathryn. Zwei bewaffnete Männer betraten die Zelle.
"Ah, Captain, wie schön, dass Sie nun auch wach sind!" sagte der eine.
"Wer sind Sie und was wollen Sie?" fragte Kathryn scharf.
"Sie werden es in Kürze erfahren, bitte kommen Sie mit."
Kathryn sah kurz zu Chakotay und beide folgten dem Mann. Der andere lief mit gezogener Waffe hinterher und passte auf. Sie wurden durch lange, dunkle Gänge geführt bis zu einer kleinen Wendeltreppe. Als sie diese hinaufgestiegen waren, kamen sie in einen hell beleuchteten Flur. Sie kamen dann bald zu einer schweren Eisentür, die nun von Tanis, der die Gefangenen anführte, geöffnet wurde.
"Vorwärts!" rief Tanis und stieß Chakotay den Phaser in den Rücken. Kathryn zerrte er neben Chakotay und brachte sie dann in einen großen Saal, in dem ein Mann an einem Schreibtisch saß.
Er drängte Kathryn und Chakotay vor den Schreibtisch, ging dann hinaus und schloss die Eisentür.
Der Mann an dem Schriebtisch sah auf. "Ah! Willkommen Captain Janeway! Commander Chakotay!" Er nickte den beiden freundlich zu. "Ich bin Gailor. Bitte entschuldigen Sie die Umstände, die wir Ihnen machten. Nehmen Sie dich bitte Platz." Er deutete auf zwei Stühle vor seinem Schreibtisch.
Kathryn hatte eine finstere Mine aufgesetzt, entschied sich aber, die Einladung anzunehmen. Chakotay, der es Kathryn gleich tat sagte: "Eine freundliche Einladung in Ihr Haus hätte gereicht."
Gailor lachte. "Commander, Sie haben völlig recht, aber ich konnte leider nicht riskieren, dass Sie den Standort meines Hauptquartiers in Erfahrung bringen."
"Was wollen Sie von uns, Gailor?" kam Kathryn zur Sache.
Gailors Gesichtsausdruck wurde ernst. "Also gut Captain, ich merke schon, Sie wollen gleich zum Geschäft kommen. Doch bevor ich Ihnen sage, was ich von Ihnen will, möchte ich Ihnen erst einen Einblick in die Geschehnisse dieser Welt geben." Gailor stand auf, verschränkte die Arme hinter seinem Rücken und begann langsam auf und ab zu gehen.
"Wir sind hier eine kleine Gemeinschaft, die für die Wiederherstellung eines Staates kämpft, der nur von einem Herrscher geführt wird, wie es vor einigen Dekaden schon immer gewesen ist. Sehen Sie, meine Familie wurde damals von einem Rebellentrupp gestürzt, der für einen demokratischen Staat kämpfte. Es gab damals blutige Kämpfe und meine Familie musste ins Exil. Doch nun sind wir kurz vor unserem Ziel, die Stellung wieder einzunehmen, die uns früher einmal rechtmäßig zustand. Doch dafür brauchen wir Sie." Gailor blieb stehen und sah Kathryn direkt in die Augen.
"Was wir von Ihnen brauchen, Captain, sind Waffen und vor allem Ihre Transportertechnik." Gailor schwieg.
Kathryn stand ganz langsam auf, brach dabei nicht den Augenkontakt zu Gailor ab. "Ich reagiere nicht besonders gut auf Erpressung. Die Vorschriften der Sternenflotte verbieten es uns, unsere Technik an andere Völker weiterzugeben, insbesondere Waffen. Und selbst wenn es diese Vorschrift nicht gäbe, würde ich Ihnen weder das Eine noch das Andere geben."
"Tsts, Captain, eigentlich überrascht mich das nicht. Aber ich werde Ihnen noch einmal deutlicher klarmachen, wie das Geschäft zwischen uns abläuft. Leben gegen ein bisschen Technik, ist das verständlich? Am besten, ich demonstriere Ihnen mal, was sonst auf sie zukommt." Gailor tippte auf einen Knopf und im nächsten Augenblick kam ein Monitor aus dem Schreibtisch hervor und zeigt das Gesicht einer Frau.
"Präsident?" fragte diese sogleich.
"Darf ich Sie mit Ada bekannt machen? Eine hervorragende Wissenschaftlerin und Ärztin. Doktor, fangen Sie an bitte." sagte Gailor und setzte sich entspannt in seinen Sessel. Auf dem Monitor verfolgten Kathryn und Chakotay, wie Ada eine altmodische Spritze mit einer Nadel vorne in ein Fläschchen stach und nur wenige Tropfen des Mittels in die Spritze sog. Dann griff sie nach etwas außerhalb des Monitors und hielt kurze Zeit später ein kleines Tier in der Hand. Es zappelte wild in ihrer Hand und versuchte, sich zu befreien.
"Das hier ist ein Nadda, ein kleines Tier, das niemandem etwas zuleide tut und sich nur von Blättern ernährt. Schauen Sie jetzt genau zu." Ada injizierte dem kleinen Nadda den Inhalt der Spritze und einige Sekunden später rührte es sich nicht mehr. "Der Nadda weilt nicht mehr unter uns", sagte sie mit einem Lächeln und warf das tote Tier achtlos in einen Behälter. "Es starb an einem schnellwirkenden Gift. Es hat jetzt eine konzentrierte Dosis erhalten. Das praktische an diesem Gift ist jedoch, dass man seine Wirkung auch hinauszögern und sogar wieder aufheben kann." Sie hielt nun in anderes Fläschchen in den Sichtbereich. "Verdünnt man das Gift mit dieser Lösung, kann man den Tod bis zu zwei oder drei Tagen hinauszögern. Oh, man wird natürlich von Stunde zu Stunde schwächer und es ist auch ziemlich schmerzhaft aber..." sie tauschte das Fläschchen gegen ein drittes aus, "...man kann das Gift auch im letzten Moment mit diesem Gegengift neutralisieren."
Chakotay sah Kathryn an. Er spürte, wie ihre Gedanken rasten.
"Was meinen Sie, Commander, ist das nicht eine nette Sache?" Ada strahlte ihn direkt an. Kathryn fauchte: "Lassen Sie Chakotay in Ruhe!"
"Aber Captain!" mischte sich nun Gailor wieder ein. "Ich würde Ihrem Commander doch nichts tun." Gailor nickte Ada zu und diese zog eine neue Spritze auf, diesmal mit einem stark verdünnten Gift.
"Diese Dosis tötet erst in ungefähr zwei Tagen", erklärte sie und trat dann nach rechts. Diesmal schwenkte der optische Sensor mit und im nächsten Moment stockten Kathryn und Chakotay der Atem. Sie sahen Icheb und Naomi auf zwei Untersuchungstischen liegen. Ihre Arme und Beine waren daran festgebunden und Ada trat nun an Icheb heran.
"Nein! Lassen Sie sie in Ruhe!!!!" schrie Kathryn und wollte auf Gailor zustürzen. Doch ein eisiger Griff hielt sie an Ort und Stelle. Tanis und sein Begleiter waren unbemerkt von den beiden eingetreten und während Tanis Kathryn wie in einem Schraubstock festhielt und ihr den Lauf seiner Waffe in den Rücken drückte, wurde Chakotay von dem andern Wächter ebenso festgehalten und mit einer Waffe bedroht.
Ada berührte das Ganze unterdessen überhaupt nicht und sie hielt die Spritze an Ichebs Arm. Icheb zerrte verzweifelt an seinen Fesseln doch sie saßen zu fest.
"Hören Sie auf!" rief nun auch Chakotay. Doch Ada hatte die Nadel schon in Ichebs Arm gestochen und spritzte das Gift in seinen Körper. Icheb schrie auf, das Gift hinterließ ein furchtbar brennendes Gefühl.
"Icheb!" schrie Kathryn. Wütend wandte sie sich zu Gailor. "Was sind Sie bloß für ein Monster?"
Gailor lachte nur und befahl Tanis: "Bring die Gäste wieder ihr Zimmer, sie müssen dort nachdenken. Denken Sie daran Captain, nur ein paar Waffen und die Transportertechnik gegen ein paar Leben! Es liegt nun an Ihnen, ob der Junge die nächsten Tage erlebt! Und nach ihm kommt das Mädchen dran."
Gailor drehte sich weg und Tanis brachte Kathryn und Chakotay wieder in ihre Zelle.
Als sie alleine waren war Kathryn kurz vor dem explodieren. "Verdammt, ich darf und will ihnen die Sachen nicht geben…" Kathryn sank auf eine Pritsche und schlug die Hände vors Gesicht.
"Chakotay, was soll ich bloß tun?"
Chakotay setzte sich neben sie und legte ihr seine Hand auf die Schulter.
"Wir werden eine Lösung finden Kathryn, verlass Dich darauf", sagte er beruhigend.
Nur wenig später öffnete sich die Tür erneut und 2 Wachen kamen herein.
"Umdrehen und Hände auf den Rücken", befahl einer.
Kathryn und Chakotay sahen sich kurz an, gehorchten aber. Ihnen wurden die Hände gefesselt und jeder bekam eine dunkle Kapuze übergestülpt. Dann wurden sie recht unsanft hinausgeführt, in ein Fahrzeug verfrachtete und als sie drin lagen war das letzte, das beide hörten ein Zischen, bevor sie das Bewusstsein verloren.

=/\=

Auf der Voyager unterdessen hatten sich die Offiziere wieder versammelt und hörten erstaunt, dass das fremde Schiff nicht mehr im Bereich der Langsteckensensoren war.
"Sind Sie sicher dass das Schiff nicht nur getarnt ist?" fragte Tom ungläubig.
"Laut den Sensoraufzeichnungen vor und während des Angriffs verfügt das Schiff nur über eine mindere Technik, eine Tarnvorrichtung kann definitiv ausgeschlossen werden. Des Weiteren haben die Sensoren die Flugroute verfolgt, das Schiff bewegte sich mit absoluter Sicherheit mit Maximalgeschwindigkeit von hier weg", erklärte Seven.
"Dann würde ich vorschlagen, wir fliegen zurück und sammeln unsere Crew ein", meinte Harry. Tom nickte. "Wie schaut es mit den Reparaturen aus B'Elanna?"
"So gut wie fertig, wenn wir alle nichts verraten wird sogar der Captain nichts merken", witzelte B'Elanna. Seven zog eine Augenbraue hoch, schwieg jedoch als die anderen anfingen zu kichern. Die Lektion "Humor" stand erst später auf ihrem Übungsplan.

Als die Voyager knapp 2 Stunden später wieder in den Orbit schwenkte erreichte sie ein Kommunique von der Oberfläche. Tom runzelte die Stirn, gab Seven aber einen Wink die Nachricht zu öffnen. Die gesamte Brückencrew schnappte nach Luft als sie den Inhalt hörten.
"An die Besatzung der Voyager. Wenn Sie die Geiseln lebend wieder sehen wollen transportieren sie morgen um 9 Uhr ein Dutzend Waffen und die nötigen Transporterbauteile inklusive Bauanleitung zu den mitgesandten Koordinaten. 6 Stunden nach Erhalt und sobald wir sicher sind dass Sie uns nicht hintergangen haben werden wir Ihnen die Koordinaten mitteilen, wo sie die Geiseln abholen können. Ihren Captain und Commander können Sie jetzt schon abholen. Die Koordinaten werden Sie in kürze erhalten. Ende der Nachricht"
Keiner auf der Brücke sagte ein Wort. Schließlich brach Seven die Stille: "Wir sollten den Rest der Besatzung hochbeamen. Noch wissen wir nicht, wer die Geiseln sind und wie viele."
Tom stimmte zu. "Beamen Sie sofort alle Crewmitglieder hoch und stellen Sie fest, wer fehlt, anschließend..." Toms Satz wurde von einem erneuten Kommunique unterbrochen.
"Uns wurde soeben mitgeteilt, wo wir Captain Janeway und Commander Chakotay abholen können", sagte Seven. Ihr Finger huschten bereits über die Konsole.
"Ich kann die Communicatoren nicht orten, aber dafür 2 Lebenszeichen. Sie sind eher schwach, vermutlich wurden sie betäubt. Ich beame sie direkt auf die Krankenstation."
Tom war schon aus dem Sessel aufgestanden und auf dem Weg zum Turbolift, Seven folgte ihm. Kurz bevor die Türen sich hinter ihnen schlossen hörte man noch ein "Harry, Sie haben die Brücke".

"Captain, können Sie mich hören?" die Stimme war nur ein Flüstern in Kathryns Kopf, aber viel zu beharrlich als dass sie sie ignorieren konnte. Die Stimme wurde lauter als die Frage wiederholt wurde. Sie riss an Kathryns Bewusstsein und zog sie zu einem hellen Licht. Jetzt drangen noch mehr Stimmen und Geräusche in ihr Bewusstsein. Sie zwang sich, den Stimmen zu folgen. "Ich glaub, sie kommt zu sich", sagte das MHN. Tom, Seven und er standen neben dem Biobett auf dem ihr Captain lag. Kathryns Lider zuckten und schließlich öffnete sie langsam die Augen.
"Doctor?" brachte sie leise hervor.
"Ganz ruhig Captain, Sie sind wieder auf der Voyager, die Benommenheit wird gleich vorüber sein, bleiben sie noch ruhig liegen", sagte das MHN und drückte gleichzeitig ein Hypospray gegen Janeways Hals, das sich mit einem Zischen entlud. "Wo ist Chakotay?" fragte Kathryn leise.
"Er liegt gleich dort drüben", das MHN zeigte auf ein hinteres Biobett, "unglücklicherweise bekommen wir ihn nicht so leicht wach wie Sie, aber die Überdosis vom dem Betäubungsmittel wird keine Schäden bei ihm hinterlassen. Er wird lediglich... etwas länger schlafen."
"Doctor, helfen Sie mir bitte hoch", bat Janeway und versuchte sich langsam aufzurichten.
"Mir wäre es lieber Sie würden noch etwas liegen bleiben Captain." Das MHN runzelte die Stirn, half Janeway aber in eine sitzende Position.
"Danke Doctor", Kathryn fasste sich an die Stirn um den letzten Schwindel zu vertreiben und schloss noch einmal kurz die Augen. Dann schwang sie die Beine über die Bettkante und rutschte langsam vom Bett herunter. Zur Sicherheit hielt sie der Doctor fest, aber er merkte schnell, dass sein Captain sich anscheinend wieder erholt hatte.
"Lagebericht", Janeway sah Tom dabei an.
"Wir wurden von einem fremden Schiff angegriffen, keine Verluste, aber zwei Schwerverletzte. Die Schäden sind aber schon behoben und alles ist funktionstüchtig. Wir haben die Crew wieder an Bord gebeamt nur..." Toms Mundwinkel zuckten und er schaute nach unten.
Janeway sah ihn wissend an und vollendete dann seinen Satz: "...nur Icheb und Naomi konnten Sie nicht finden, nicht wahr?"
Tom blickte überrascht hoch und nickte nur.
"Einsatzbesprechung in 5 Minuten", orderte Janeway.
"Aye Captain", erwiderte Tom und entfernte sich aus der Krankenstation.
"Doctor, ich hätte Sie auch gerne bei der Besprechung dabei, ich denke aber, angesichts der Patienten hier dürfte eine Konferenzschaltung ausreichen. Wie geht es Tuvok?" Kathryn hatte ihren Sicherheitsoffizier auf einer Liege entdeckt und trat nun an seine Seite.
"Um die Nervenschäden zu reparieren bedarf es einer Zeit", sagte das MHN vorsichtig, "ich tue aber mein Bestes und kann mit gutem Gewissen schon sagen, dass er sehr wahrscheinlich keinerlei Schäden davontragen wird."
Janeway nickte und ihre Züge entspannten sich. "Versuchen Sie Chakotay möglichst schnell wieder auf die Beine zu bekommen." Mit diesen Worten verließ sie die Krankenstation.

Im Konferenzraum kurz darauf berichtete Janeway, was auf der Oberfläche passiert war. Samantha Wildman war ebenfalls anwesend und versuchte tapfer, die Fassung zu wahren.
Der Doctor hörte mit besorgter Miene zu und versprach sich das nötige Wissen um die gängigen Gifte des Planeten anzueignen.
"Es steht außer Frage ihnen die Waffen und Transpotertechnik zu überlassen", sagte Janeway, "wir müssen einen anderen Weg finden."
"Vielleicht könnten wir Repliken erstellen und diese mit Energiesignaturen verfälschen?" schlug B'Elanna vor.
"Fangen Sie damit an", willigte Janeway ein. "Trotzdem müssen wir noch andere Optionen finden. Ich möchte genauso wenig wie Sie alle Naomi oder Icheb verlieren. Und das werden wir nicht." Janeway schaute zu Sam rüber. "Das ist ein Versprechen."
Sam nickte dankbar.
"Seven, Harry, Sie beide suchen nach einer Möglichkeit Naomi und Icheb zu lokalisieren und hochzubeamen. B'Elanna, nehmen Sie Lt. Vorik und fangen sie mit den Waffen an.
Wegtreten."

=/\=

In einer kalten Zelle erwachte Naomi langsam mit heftigen Kopfschmerzen.
Sie lag auf dem kalten Steinboden und die Quelle ihres Wachwerdens lag unmittelbar hinter ihr. Icheb stöhnte vor Schmerzen und wand sich unbeholfen auf dem Boden. Naomi ignorierte die Stiche in ihrem Kopf und kroch zu Icheb herüber. Vorsichtig bettet sie seinen Kopf in ihren Schoß und strich im das Haar aus dem schweißnassen Gesicht. Sein Puls war stark beschleunigt und sie merkte, dass er zitterte.
"Icheb, kannst du mich hören?" fragte Naomi sorgenvoll. Icheb öffnete zaghaft die Augen einen Spalt, schloss sie aber gleich wieder. Seine Stimme zitterte und war sehr leise, aber er war bei Bewusstsein. "Ja", brachte er hervor.
"Kannst du dich bewegen?" fragte Naomi weiter. Icheb nickte. Naomi zog ihr T-Shirt aus und legte es unter Ichebs Kopf. Nur mit dem ärmellosen Top bekleidet wurde ihr schnell noch kälter. Sie musste etwas unternehmen. Vor der Tür hörte sie Geräusche, sie wollte gerade aufstehen und gegen die Tür hämmern, als diese sich öffnete, ein Wachposten hereinkam und sie mit sich zog. Icheb ließ er unbeachtet liegen und schloss die Tür wieder zu.
"Aua, loslassen!" rief Naomi. "Wohin bringen Sie mich?"
Der Wachmann gab keine Antwort und zerrte sie statt dessen weiter durch die Gänge. Naomi achtete genau auf den Weg. Nach nur drei Abzweigungen standen sie vor einer Tür. Der Wachmann öffnete sie, schubste Naomi hinein und machte die Tür von außen wieder zu.
Naomi rieb sich den schmerzenden Arm an der Stelle, wo der Kerl sie gepackt hatte und sah sich um. Sie war wieder im Labor, die beiden Tragen standen noch immer dort und der Tisch mit den Spritzen und Fläschchen stand auch noch da. Naomi wollte zum Tisch laufen in der Hoffnung das Gegengift zu finden, doch bevor sie auch nur einen Schritt machen konnte ertönte hinter ihr eine Stimme: "Wurde auch Zeit." Ada kam aus einer Nische hervor und ging auf Naomi zu. "Leg dich hin", sagte sie zu ihr und zeigte auf eine Liege. Naomi wich instinktiv einen Schritt zurück. "Was wollen Sie?" fragte sie.
"Lass mich eines klarstellen, mein Kind, Versuchsobjekte stellen keine Fragen und widersprechen mir nicht, hast du verstanden?" sagte Ada kalt.
"Völlig, ich wiederhole meine Frage, da ich kein Versuchsobjekt bin. Was wollen Sie?" schnappte Naomi zurück. Kalte Wut stieg in ihr hoch und sie wusste, dass sie sich auf sehr gefährlichem Terrain bewegte.
Ada sah sie verblüfft an, dann lachte sie. "Oh, wir halten uns also für eine kleine Heldin, ja? Du möchtest also Deinen kleinen Freund lieber gleich tot sehen? Das lässt sich einrichten." Ada trat an den Tisch heran, nahm eine kleine Ampulle mit hellgrünem Inhalt und sagte: "Das ist die einzige Ampulle mit dem Gegengift für deinen kleinen Freund, vielleicht lasse ich sie aus Versehen fallen?" Ada ließ die Ampulle los, fing sie aber im letzten Moment wieder auf.
"Schon gut", lenkte Naomi ein, denn sie merkte, dass Ada nicht scherzte. Naomi legte sich hin und nachdem Ada die Ampulle wieder zurück an ihren Platz gelegt hatte benutze sie wieder die Arm- und Beinfesseln um Naomi zu fixieren.
"Reicht es nicht schon dass Sie Icheb vergiftet haben?"
"Oh keine Sorge Kleines, mit Dir habe ich etwas anderes vor, das wird dich nicht umbringen. Nun, zumindest hoffe ich das. Vielleicht... wird es aber etwas weh tun."
Naomi fühlte einen Einstich und Feuer raste durch ihre Nervenzellen.

Icheb lag immer noch benommen auf dem Boden als er meinte, von ganz weit Schreie zu hören. Es klang wie Naomi. "Naomi!" flüsterte er und zwang sich in eine sitzende Position. Er biss sich so fest auf die Lippen, dass es blutete, jede Bewegung war eine Qual. Doch er dachte an Naomi, er musste etwas tun. Die Schreie waren inzwischen verstummt und Icheb konnte nur hoffen, dass Naomi noch lebte. Nach ein paar Minuten hatte er sich auf die Beine gekämpft und schleppte sich zur Tür. "Aufmachen!" rief er so laut er konnte, und tatsächlich öffnete sich die Tür und er sah sich der Frau aus dem Labor gegenüberstehen.
"Welch eine Widerstandskraft", sagte sie. Icheb wusste nicht, ob er Naomi oder ihn meinte. "Ich hätte nicht gedacht, dass du dich überhaupt aufrichten kannst", sagte sie weiter.
"Wo ist Naomi!" brachte er hervor.
"Oh, ganz ruhig, sie ist auch zäher als ich dachte. Du wirst sie bald wieder sehen", damit schlug sie die Tür wieder zu und Icheb taumelte zurück.

Ada betrat wieder das Labor und trat an Naomis Bett. Ihr Opfer war leichenblass und kalter Schweiß bedeckte ihren Körper. Sie zuckte unkontrolliert, war aber noch bei Bewusstsein. Ada machte sich Notizen über Naomis Reaktion und ging dann zum Tisch um eine weitere Injektion vorzubereiten.
Sie hielt sie vor Naomis Gesicht und sagte: "Hier drin ist meine raffinierteste Entwicklung. Eine Mikrokapsel dringt über Deinen Kreislauf bis zu den Organen vor und nach einer bestimmten Zeit, in Deinem Fall schon morgen, öffnet sich die Kapsel und der darin enthaltene Mikroorganismus breitet sich aus und frisst innerhalb von wenigen Stunden deine Organe auf. Muss sehr schmerzhaft sein." Ada injizierte den Inhalt in Naomis Armbeuge. "So was dummes, ich hab ganz vergessen ein Gegenmittel dafür zu entwickeln. Aber wenn du erst mal tot bist kann ich mir sicher geeignete Proben für ein Antivirus zusammenstellen." Damit ließ sie Naomi allein.
Naomi war noch so benommen, dass sie zwar gemerkt hatte, dass ihr etwas injiziert wurde, aber die Worte waren bereits wieder weggewischt. Wichtig war nur, dass das schreckliche Brennen endlich aufhörte. Naomi blieb einfach still liegen. Sie fror und ihr war schlecht. Doch dann dachte sie wieder an Icheb und seinen Zustand. Sie musste hier raus. Das Gegengift - sie wusste wo es war, sie hatte gesehen, wo Ada es hingetan hatte.
Naomi zerrte an ihren Fesseln, die linke Schlaufe war etwas locker und sie versuchte ihre Hand rauszuziehen. Doch sie bekam sie nicht durch. Naomi rüttelte ihre Hand hin und her in der Hoffnung, den Verschluss noch weiter zu lockern. Nach ein paar Minuten biss sie die Zähne zusammen und riss mit aller Macht an den Fesseln. Ein heißer Schmerz durchfuhr ihren Handrücken, doch dann war sie frei. Die Haut hatte sie sich dabei aufgerissen, aber sie kümmerte sich nicht weiter darum. Sie befreite sich von den Fesseln und rutschte von der Liege herunter. Kaum berührten ihre Füße den Boden knickten ihre Knie ein und sie landete auf dem Boden. Das Brennen raste noch einmal durch sie hindurch, doch sie zwang sich nicht zu schreien. Zum Glück war der Schub nur kurz und hörte nach ein paar Sekunden wieder auf. Vorsichtig zog sie sich hoch und diesmal passierte nichts. Sie ging an den Tisch und fand gleich die Ampulle mit dem Gegengift. Damit das Fehlen nicht sofort auffiel füllte sie eine leere Ampulle mit einer blauen und gelben Flüssigkeit, bis sie annähernd das Grün ihrer Ampulle aufwies.
Als sie sich gerade zur Tür wenden wollte fiel ihr eine Reihe von Spritzen ins Auge. Beschriftet waren sie mit diversen chemischen Formeln die Naomi aus ihrem Unterricht als Betäubungsmittel identifizieren konnte. Schnell griff sie ein paar - vielleicht würde sie sie noch brauchen. Dann huschte sie zur Tür und lauschte. Als sie nach zwei Minuten immer noch nichts hören konnte, öffnete sie vorsichtig die Tür einen Spalt. Der Gang war leer. Sie lauschte noch einmal in den Gang hinein, doch auch jetzt war nichts zu hören. Immer darauf bedacht möglichst leise zu sein und gleichzeitig nach eventuellen Schritten zu lauschen kam Naomi ungehindert an die letzte Biegung vor der Zellentür, aus der sie der Wächter vorhin geschleppt hatte. Sie ging in die Hocke und lugte ganz vorsichtig um die Ecke. Tatsächlich ging der Wächter gerade auf und ab vor der Tür. Dann blieb er stehen weil hinter der Tür ein klopfen zu hören war. Ärgerlich öffnete er eine kleine Luke in der Tür und schaute hinein. Ohne lange zu überlegen nutze Naomi den Moment, in dem der Wächter ihr den Rücken zukehrte, schlich leise an ihn heran und stach ihm dann die Spritze in seinen Allerwertesten. Überrascht fuhr der Mann herum, aber da knickten ihm auch schon die Knie ein und er ging zu Boden. Naomi öffnete geschwind den Riegel der Tür, und zerrte den Mann in die Zelle. Icheb war nicht minder überrascht als er Naomi sah und die bewusstlose Wache.
"Naomi! Geht's Dir gut?" fragte er besorgt und half nach Möglichkeit den Mann hereinzuziehen.
"Ja, es war nichts", antwortete Naomi und ein erneutes Brennen ihn ihren Gliedern strafte ihre Worte Lügen. Icheb bemerkte wohl dass Naomi Schmerzen hatte und kam um sie zu stützen. Er war sehr besorgt.
"Danke Icheb, es geht schon wieder", sagte sie, "ab und zu scheine ich noch Nachwirkungen von diesem Zeug zu haben." Während sie das sagte kramte sie in ihrer Hosentasche nach dem Gegengift.
"Hier, ich habe das Gegengift besorgt!" rief sie triumphierend. Sie tauschte die Ampulle mit dem Betäubungsmittel gegen das Gegengift aus und injizierte es Icheb.
Dieser spürte sofort die Wirkung, die Schmerzen ließen augenblicklich nach und er seufzte erleichtert.
"Vielen Dank Naomi, jetzt lass uns zusehen, dass wir hier verschwinden."
"Ich habe noch 3 Ampullen mit Betäubungsmittel", stellte Naomi fest.
Sie öffneten vorsichtig die Kerkertür und als die sahen, dass der Gang leer war wagten Sie sich hinaus. Sie passierten mehrere Türen, als sie plötzlich Schritte hörten, die auf sie zukamen.
"Hier rein, schnell", flüsterte Icheb und zog Naomi auf gut Glück in einen Raum. Es war stockdunkel und sehr kalt. Atemlos horchten sie auf der anderen Seite den näher kommenden Schritten, doch sie hielten nicht an und wurden kurz darauf wieder leise. Die beiden ließen den Atem entweichen. Dann öffneten sie wieder die Tür und folgten dem Gang weiter. Das Glück blieb ihnen eine zeitlang gewogen, doch dann, als sie um eine Ecke bogen standen plötzlich zwei Wachmänner vor ihnen. Beide Parteien starrten sich für eine Sekunde völlig verdutzt an, dann stürzte der erste Mann auf die beiden zu. Icheb stieß Naomi zur Seite und warf sich selber gegen die Schienbeine des Angreifers. Dieser stolperte über Icheb und landete auf dem Boden. Doch der zweite Angreifer packte sich Icheb und drückte ihn gegen die Wand. Er drückte seinen Hals zu und der Borgjunge versuchte verzweifelt sich aus dem Griff zu befreien. Doch plötzlich sackte der Gegner zu Boden und blieb reglos liegen. Naomi tauchte hinter ihm auf, eine leere Spritze in der Hand. Inzwischen war der erste Mann wieder auf den Beinen, versetzte Icheb einen Schlag in den Magen, dass dieser keuchend zu Boden ging und versuchte Naomi zu packen. Diese wich mit einem geschickten Sprung aus, landete jedoch der Länge nach auf dem Boden als der Angreifer ihr die Füße wegzog.
Die Spritze flog ihr aus den Händen und landete ein Stück weit den Gang runter. Naomi drehte sich auf den Rücken und stieß einen Schuh mit aller Kraft in das Gesicht ihres Gegners. Er heulte kurz auf und fluchte dann ganz unverblümt bevor er von blanker Wut angestachelt wieder nach Naomi griff. Eine kalte Berührung an seiner Stirn ließ ihn auf einmal erstarren. Icheb hatte sich die Waffe vom betäubten Wachmann geholt und hielt den zweiten Wachmann nun in Schach. Naomi zögerte nicht lange und griff nach der Spritze. Während sie eine neue Ampulle auflud fragte Icheb: "Wie kommen wir hier raus?" Der verstärkte Druck am Hals des Mannes unterstrichen seine Frage zusätzlich.
"An der nächsten Abzweigung links kommt ihr in eine Sackgasse. Der Gang ist eingestürzt, aber die Steine kann man leicht wegräumen. Der Gang dahinter endet in einem Lüftungsschacht. Ihr müsst ihn nur hochklettern. Aber ihr werdet trotzdem nicht weit kommen." Beim letzten Satz grinste der Mann hämisch. Naomi injizierte ihm ihre vorletzte Ampulle, dann war auch der zweite Mann ausgeschaltet.
"Wir können sie nicht hier lassen, man wird sofort nach uns suchen", meinte Naomi.
"Es geht nicht anders. Wir können sie nirgendwo verstecken, wir müssen schnell raus", erwiderte Icheb. Er nahm Naomis Hand und rannte mit ihr zu dem beschriebenen Gang. Tatsächlich fanden sie am Ende viele Gesteinsbrocken, die von der Decke gestürzt waren. Icheb räumte einige zur Seite und hatte nach nur ein paar Minuten einen schmalen Durchgang für Naomi und ihn geschaffen. Beide zwängten sich hindurch und Icheb verschloss mit einem Fels das Loch. "Das sollte sie ein paar Minuten aufhalten", meinte er und dann rannten beide weiter. Als sie fast das Ende des Gangs und den Schacht erreicht hatten durchfuhr wieder ein scharfes Brennen Naomis Glieder. Sie fiel hin und unterdrückte mit aller Macht einen Schmerzensschrei. Icheb hatte sofort Halt gemacht und kniete neben seiner einzigen Freundin nieder um ihr zu helfen. Naomi schnappte nach Luft als das Brennen nachließ und sagte nur: "Nichts passiert, bin nur gestolpert", japste sie. Icheb wusste, dass das nicht der Wahrheit entsprach, sagte aber nichts weiter und half ihr hoch.
"Danke", sagte Naomi. "Komm, da vorne ist der Ausgang."
Ein schrilles Heulen ließ sie erschreckt aufsehen. Ihre Flucht war offenbar bemerkt worden. "Naomi, klettern!" rief Icheb und half ihr so gut es ging die Sprossen hinauf.
Es war ein kurzer, aber mühsamer Aufstieg. Am Ende der Sprossen war ein kleiner Vorsprung, auf den sich die beiden stellen konnten ohne gleich runterzufallen.
Ein massiver Deckel prangte über ihnen im Boden. Icheb stemmte sich dagegen und Zentimeter für Zentimeter konnte er ihn anheben. Schließlich reichte der Spalt aus, dass sie beide nach draußen kriechen konnten. Icheb, der als erster ging, schaute zuerst vorsichtig aus dem Spalt ob er einen Wachposten entdecken konnte. Doch alles, was er sehen konnte waren Büsche, Bäume und ein klarer Nachthimmel. Er zwängte die Luke noch ein Stück weiter nach oben und als er draußen war, half er Naomi.
"In welche Richtung sollen wir laufen?" fragte Naomi.
Icheb sah sich um, von der Festung in der sie gefangen gehalten wurden war nichts zu sehen. Eine tiefe Erdspalte befand sich ca. 30 m hinter ihnen, Icheb vermutete dort unten den Eingang zum Rebellencampus. Also schlug er die entgegengesetze Richtung ein. In der Spalte unten wurde es derweil lebhaft. Lichtkegel huschten an den Wänden entlang und Stimmen wurden laut. Icheb fasste Naomis Hand und beide rannten ins Dickicht. Mehrmals stolperten sie über Wurzeln oder verfingen sich an Ästen, aber die Stimmen wurden hinter ihnen immer leiser. Sie schienen es zu schaffen.
Als sie eine geraume Zeit gerannt und gelaufen waren blieben sie an einer kleinen Senke stehen. Völlig außer Atem setzen sie sich rein und ruhten sich aus.
Icheb versuchte sich irgendwie im Wald zu orientieren. Ein Stöhnen von Naomi ließ ihn herumfahren. Sie hatte sich zusammengekrümmt und ihr Gesicht war wieder schmerzverzerrt. Icheb wusste nicht wie er ihr helfen konnte, also begnügte er sich damit, ihr vorsichtig über die Haare zu streicheln. Als der Anfall vorbei war fragte Icheb: "Naomi, was haben sie dir angetan?"
Naomi merkte, dass sie mit einer "Seitenstechen-Ausrede" nicht weiterkommen würde und sagte wahrheitsgemäß: "Ich weiß es nicht. Sie... sie hat mir irgendwas injiziert und ich war wohl nicht mehr ganz bei mir." Den nächsten Satz flüsterte sie nur: "Es brennt furchtbar. Manchmal kommen noch Schübe von dem Brennen."
Icheb umarmte Naomi. "Keine Sorge, halt noch durch, wenn wir auf der Voyager sind bekommt das der Doctor sicher hin." Naomi schmiegte sich in seine Arme und sagte gar nichts. Nach ungefähr 10 Minuten beschlossen sie weiterzulaufen. Icheb beschloss einfach weiter in die Richtung zu laufen, hauptsache sie kamen weg von den Rebellen.

=/\=

"Statusbericht", Janeway und die Offiziere waren wieder im Konferenzraum versammelt. Chakotay hatte sich mittlerweile erholt und sagte: "Noch drei Stunden bis zur Übergabe. Wir haben fünf Waffen die nur maximal fünf Schüsse abfeuern können, bevor sie überladen und explodieren. Sie werden bestimmt ein paar Probeschüsse abgeben, wir hoffen das reicht."
"Gut, Seven, Harry, konnte sie schon eine Spur von Icheb und Naomi entdecken?"
Seven antwortete: "Noch nicht, aber unsere Scanner sind auf eine bestimmte Frequenz in einem von Ichebs Borgimplantaten abgestimmt, es ist nur eine Frage der Zeit bis wir ihn orten können."
"Die Zeit ist nur leider das, was wir gar nicht haben", warf Janeway ein.
"Wir haben eine der Waffen mit einem Mikro-Sender modifiziert. Damit sollten wir den Standort ihrer Basis orten können. Und von dem Punkt aus scannen wir wellenförmig nach Icheb.
"Wir brauchen noch eine Sicherheit. Die könnten volle 6 Stunden von ihrer Basis entfernt sein. Und wenn sie vorher herausfinden, dass die Waffen gefaked sind, dann werden sie nicht zögern und wenigstens eine Geisel töten", warf Tom ein. Janeway nickte. "Daran hatte ich auch schon gedacht", sagte sie.
"Vielleicht könnten wir den Doctor als... zusätzliche Sicherheit mit runter beamen? Praktisch als wertvolle Austauschgeisel für Icheb und Naomi. Wir könnten ihn als Sie ausgeben, Captain", sagte Chakotay leicht grinsend.
Verblüfft schauten ihn alle ein paar Sekunden an. Daran hatte bisher noch keiner gedacht. Ein Captain als Geisel wäre wertvoll für die Rebellen und das MHN wäre praktisch unverletzbar.
Janeway schaute das MHN an, das nicht minder verblüfft war als die restlichen Offiziere. Dann nickte es. "Nun ja, ich wollte ja immer Außenmissionen haben..."
"Kommen Sie Doctor, wir modifizieren sie etwas." B'Elanna stand auf und das MHN folgte ihr.

=/\=

"Der Wald lichtet sich habe ich das Gefühl", meinte Naomi.
"Ja, das ist mir auch aufgefallen. Wenn wir offenes Gelände erreichen haben wir keine Deckung mehr. Und bisher keine Spur von einer Stadt oder Ortschaften", antwortete Icheb. Als sie eine gute Stunde weitergelaufen waren kamen sie auf einen Weg. "Vielleicht ist doch eine Siedlung in der Nähe", sagte Naomi hoffnungsvoll.
"Ja, hoffentlich. Wenn wir ein Haus finden kann ich vielleicht Materialien für einen kleinen Transponder finden." Die beiden folgten dem Weg immer darauf bedacht parallel zwischen den Bäumen zu laufen. Bald kamen sie an eine Wegbiegung und ein kleines Dorf kam in ihr Blickfeld.
Naomi und Icheb sahen sich freudig an, dennoch ließen sie Vorsicht walten und pirschten sich zum Beobachten erst einmal hinter einem kleinen Hügel heran. Fast eine halbe Stunden lagen sie still hinter einem Busch versteckt und registrierten die Aktivitäten. Es schien alles normal zu sein. Vorwiegend waren Frauen, Kinder und alte Leute in dem Dorf zu sehen, die Wäsche aufhingen oder anderen Arbeiten nachgingen.
"Ich denke, wir können es versuchen", sagte Icheb und stand vorsichtig auf. Naomi stieß einen kleinen Schmerzenslaut auf, als sie wieder das Brennen verspürte. Icheb drückte sie an sich und redete beruhigend auf sie ein. Nach ein paar Sekunden war es dann wieder vorbei. Er musterte Naomi besorgt, in den letzten Stunden waren die Schübe immer häufiger gekommen, Naomi war blass und er merkte, dass sie schwächer wurde.
Ein Knacken hinter ihnen ließ Icheb herumwirbeln. "Guten Morgen ihr beiden", sagte der fremde Mann. "Habt ihr euch verlaufen?" Er blickte freundlich zu ihnen herunter und wartete in einiger Entfernung.
"Ehm, ja, das könnte man so sagen", sagte Icheb vorsichtig.
"Dann kommt doch erst mal mit, ich habe gerade Frühstück gemacht und Deine Freundin sieht so aus, als würde sie jeden Augenblick zusammenbrechen. Sie kann sich bei mir ausruhen."
Icheb sag Naomi an, und diese nickte etwas.
"Wir nehmen ihr Angebot dankend an", erwiderte Icheb und half Naomi vorsichtig hoch.
Dankbar stütze sie sich auf Icheb, sie war mit ihrer Kraft wirklich langsam am Ende.
Der Mann ging langsam voraus und bald erreichten sie eine kleine Hütte ziemlich am Rande des Dorfes. Sie folgten ihrem Gastgeber hinein und dieser breitete eine neue Decke über dem einzigen Bett aus und Naomi legte sich dankbar hin. Sie schlief sofort ein. Icheb wurde an den Tisch geleitet und bekam eine Schale vorgesetzt, deren Inhalt sehr nach Müsli ausschaute. "Lang ordentlich zu, du kannst es brauchen", forderte er ihn auf. Icheb probierte einen Löffel, dann schlang er das Essen förmlich herunter.
"Ich komme gleich wieder, ich werde für Deine Freundin ein paar Kräuter zur Stärkung holen und dann einen Tee für sie kochen."
"Vielen Dank", sagte Icheb. Der Mann verschwand im hinteren Teil der Hütte. Nach ein paar Minuten kam er wieder, setzte heißes Wasser auf und streute ein paar Kräuter in zwei Tassen.
Icheb wurde etwas unruhig, der Mann hatte sich gegenüber von ihm an den Tisch gesetzt und musterte ihn offen. Als ob er Gedanken lesen konnte sagte er: "In unserem Dorf fragen wir nicht groß nach dem 'Warum' oder der Geschichte von... 'Reisenden'", er betonte das letzte Wort vorsichtig. "Ihr seid hier willkommen."
Icheb nickte dankbar. Der Kessel auf dem Ofen fing an zu pfeifen und der Mann stand auf und goss kochendes Wasser in die Tassen. Eine Tasse schob er Icheb hin.
"Trink das und danach solltest du vielleicht auch etwas schlafen. Ihr wart beide lange unterwegs nehme ich an."
Während Icheb an seinem Tee nippte holte der Mann eine weitere Decke aus einem Schrank und eine Pritsche aus einem Nebenraum. Er schob sie neben Naomis Bett, legte die Decke drauf und sagte: "Wenn Deine Freundin wach ist, kann sie den Tee auch kalt trinken, leg du dich zu ihr und versucht etwas zu schlafen. Später reden wir weiter."
Icheb hatte die halbe Tasse geleert und eine bleierne Müdigkeit überkam ihn. Die Strapazen der letzten 24 Stunden schienen auch bei ihm nun den Tribut zu zollen.
Doch war es nur das? Ein merkwürdiges Gefühl des Misstrauens überkam ihn, doch die Müdigkeit nahm immer mehr zu, er konnte sich nicht mehr auf den Beinen halten. "Der... Tee... was..." brachte er noch hervor, dann knickten seine Beine ein und als er in den Schlaf überdämmerte merkte er nur noch, wie er aufs Bett gelegt wurde und hörte aus weiter Ferne: "Ihr könnt uns nicht entkommen." Dann wurde es schwarz.
Der Rebell lächelte zufrieden. Er injizierte Icheb und Naomi zur Sicherheit noch jeweils eine Dosis Betäubungsmittel, dann ging er ins Nebenzimmer und schaltete das Kommunikationsgerät ein. Er übermittelte dem Hauptquartier, dass er die beiden Geiseln wieder in Gewahrsam hätte und versprach, sie in einer Stunde an den Treffpunkt zu bringen, wie sie außerplanmäßig im Konvoi zur Übergabe mitgenommen werden würden.

Icheb erwachte durch leises Stimmengemurmel. Er schlug die Augen auf, doch alles blieb schwarz. Dann merkte er, dass er sich auch nicht bewegen konnte und geknebelt war.
Die Stimmen kamen ihm seltsam vertraut vor. Es klang nach Captain Janeway! Er lauschte und fing nun Wortfetzen auf: "... unseren Teil erfüllt. Wo sind Icheb und Naomi?"
Icheb versuchte sich unter der schwarzen Decke herauszuwinden, schließlich hatte er damit auch Erfolg. Er befand sich in einem dunklen Laderaum eines ihrer Fahrzeuge. Neben sich sah er Naomi liegen, auch sie kam jetzt zu sich. Aber dann fuhr der Schreck in Ichebs Glieder. Naomi bäumte sich vor Schmerzen auf und trotz ihres Knebels schrie sie auf. Es war nur sehr gedämpft, aber Icheb wusste, dass mit ihr etwas ganz und gar nicht stimmte. Sie schien Todesqualen zu leiden. Er musste hier raus. Draußen war der Captain, er musste sie einfach erreichen. Naomi schrie weiter, dabei krümmte sie sich zusammen so gut es ihre Fesseln zuließen.
Icheb riss an seinen Fesseln. Da, die Handfesseln schienen sich zu lockern. Er zog mit aller Kraft, ignorierte, dass er sich die Haut aufriss, und dann hatte er sie frei. Schnell befreite er seine Beine und löste den Knebel. Dann machte er Naomi frei. Als er ihr den Knebel aus dem Mund nahm hörte man ihre gellenden Schmerzensschreie.
"Doctor an Voyager, sie sind im Fahrzeug vor mir!" rief das verkleidetet Hologramm in seinen versteckten Communicator.
"Wir haben sie erfasst, Beamvorgang ist eingeleitet!" ertönte Harrys Stimme.
Die Rebellen waren bei Naomis Schreien erschreckt herumgefahren, doch als sie die Stimme des "Captains" hörten, zogen sie ihre Waffen und feuerten. Die Kugeln schienen nicht zu treffen. Der Captain stand immer noch da. Sie lief los, schlug den nächsten Rebellen nieder, schnappte sich ein Phasergewehr und drückte einen Knopf.
"Jetzt!" rief sie, schleuderte die Waffe durch die Luft mitten in den Konvoi und fing sich dann an, in einem blauen Strahl aufzulösen. Noch immer schienen die Kugeln sie zu verfehlen, dann explodierte das Phasergewehr.

Das MHN materialisierte auf der Transporterplattform mit einem zufriedenen Grinsen.
Der echte Captain stand mit Chakotay und B'Elanna bereits da, und B'Elanna änderte das Erscheinungsbild wieder.
"Gut gemacht, Doctor", sagte Chakotay.
"Danke Commander, immer wieder gerne."
Janeway wollte gerade etwas sagen, als Toms Stimme ertönte. "Doc, beamen sie sofort auf die Krankenstation!" rief er. Im Hintergrund hörten alle Naomis Schreie.
Harry initiierte sofort den Transport und Janeway und Chakotay sahen sich entsetzt an, dann machten sie sich im Laufschritt auf den Weg zur Krankenstation.

Tom starrte schockiert auf Naomi. Icheb hielt ihren Oberkörper fest umklammert damit sie sich nicht an den Geräten oder am Bett verletzte. Tom hatte ihr bereits ein schmerzstillendes Mittel verabreicht, doch das schien nicht zu wirken. Endlich erschien das MHN, schnappte sich den Tricorder und rief dann Tom zu: "Sechs Einheiten Anetrizin, ihre Organe versagen. Wir müssen operieren!"
Tom holte das gewünschte und das MHN verabreichte es Naomi. Sie erschlaffte in Ichebs Armen und er legte sie behutsam hin. "Was ist mit ihr?" fragte er ängstlich.
Das MHN sagte: "Ich weiß nicht was sie mit ihr da unten angestellt haben, aber irgendetwas frisst ihre Organe regelrecht auf. Wenn ich das nicht schnellstens stoppen kann ist sie in zehn Minuten tot! Und jetzt raus mit Dir, ich kann jetzt keine Störungen gebrauchen."
Icheb stolperte zur Tür. Das MHN hatte die OP-Seiten hochgefahren und nur noch Naomis Kopf war zu sehen. Der Doctor und Tom arbeiteten konzentriert und schnell. Icheb würde einfach hoffen müssen dass die beiden es schafften.
Als sich die Türen hinter ihm schlossen sah er den Captain und Commander zur Krankenstation laufen. Er fing sie ab und berichtete ihnen, was der Doctor gesagt hatte.
Janeway sah kreideweiß aus und Chakotay musste sie für einen Moment stützen.
Dann hatte sie ihre Fassung wieder gewonnen und machte sich auf den Weg, um Ensign Wildman zu informieren.

Nach endlosen Stunden des Wartens und der Ungewissheit meldete sich das MHN bei Icheb. Icheb wusste nur, dass er zur Krankenstation kommen sollte, über Naomis Zustand hatte der Doctor kein Wort gesagt.
Die Türen öffneten sich und Icheb trat ein. Er konnte Naomi nicht sehen, in einem Halbkreis standen der Captain, Chakotay, Tom, Ensign Wildman und das MHN vor dem Bett. Sam Wildman liefen Tränen über die Wangen und Janeway hatte einen Arm um ihre Schultern gelegt. Icheb wurde schwindlig, es MUSSTE Naomi einfach besser gehen. Das MHN sah ihn kommen und trat ihm schnell entgegen. Er hatte seinen Scanner bereits in der Hand und untersuchte nun Icheb. Er runzelte die Stirn, sagte aber erst mal nichts weiter und ließ Icheb an das Bett vortreten.
"Was ist mit ihr?" brachte er hervor. Naomi lag leichenblass auf der Liege, die OP-Seiten waren immer noch hochgefahren und sie war bewusstlos.
"Mr. Paris und ich konnten mit Mühe den Mikroorganismus neutralisieren, der ihre Organe gefressen hat, aber ... ob sie es wirklich schafft wissen wir erst in 24 Stunden. Sie hatte multiples Organversagen und alle Organe wurden beschädigt. Das Herz ist leider mit am schwersten betroffen. Wir haben ihr Nano-Sonden injiziert, die darauf programmiert sind das beschädigte Gewebe zu erneuern. Wir können nur hoffen. Eventuelle bleibende Schäden können wir erst feststellen, wenn sie stabil ist und die Organe wieder die Funktion selbständig übernehmen können. Bis dahin halten wir sie in einem künstlichen Koma."
Das MHN sah Ensign Wildman an, legte ihr eine Hand auf die Schulter und sagte: "Tut mir leid Sam, wir tun was wir können, das verspreche ich."
Sam nickte und meinte nur: "Das weiß ich doch." Dankbar drückte sie die Hand vom MHN. Janeway drückte sie auch noch einmal und meinte: "Sie schafft es, Samantha. Da bin ich mir ganz sicher."
Der Doctor ging zum Tisch und holte ein Hypospray. "Samantha, ich möchte dass Sie jetzt in ihr Quartier gehen und sich ausruhen. Ich gebe ihnen ein leichtes Sedativum damit sie etwas schlafen können. Ich verspreche Ihnen, sobald sich Naomis Zustand ändert informiere ich Sie umgehend. Es nützt mir nur nichts wenn Sie auch zusammenbrechen." Das MHN drückte ihr das Hypospray an die Halsschlagader und Janeway und Chakotay begleiteten Samantha in ihr Quartier.
Icheb wusste nicht so recht, oder er bleiben durfte oder auch lieber gehen sollte um nicht zu stören. Er entschied sich für letzteres, doch bevor er die Tür erreichte hielt ihn das MHN auf.
"Icheb, im ganzen Trubel um Naomi bist Du leider etwas zu kurz gekommen. Dich möchte ich auch gerne noch hier behalten. Immerhin bist du mit einem unbekannten Gift fast getötet worden und vorhin habe ich auch einige Werte bekommen, die mir nicht gefallen. Leg Dich bitte hin." Das MHN deutete auf ein Bett direkt neben Naomi.
Icheb legte sich hin und das MHN untersuchte ihn gründlich.
"Hm..." er zog eine Augenbraue hoch. "Ich kann noch Restbestände von einer unbekannten Substanz erkennen. Hast Du irgendwelche Schmerzen oder Probleme mit deinen Borgimplantaten?"
"Nein. Ich fühle mich normal. Naomi hatte mir das Gegengift besorgt, eventuell war die Dosis zu hoch. Aber geschadet hat es mir nicht."
"Wie dem auch sei, das gehört nicht in Deinen Körper und muss raus. Mach es Dir bequem, ich behalte dich zur Beobachtung hier. Mr. Paris, 4 Einheiten Improvolin, Icheb könnte etwas Schlaf gebrauchen." Damit verschwand das MHN in seinem Büro um die fremde Substanz zu analysieren.
Tom, der im hinteren Teil die medizinischen Geräte sterilisiert hatte, trat zu Icheb heran. "Ihr habt euch gut geschlagen", sagte er anerkennend.
"Danke", sagte Icheb. "Ohne Naomi wäre ich vermutlich tot", fügte er nachdenklich hinzu. Tom klopfte ihm auf die Schulter und injizierte ihm dann das Beruhigungsmittel.
Icheb fühlte eine angenehme Wärme und Müdigkeit in ihm aufsteigen. Seufzend schloss er die Augen und dämmerte in einen erholsamen Schlaf über.

Leise Stimmen weckten Icheb. Als er die Augen aufschlug war das Licht gedämmt und er sah den Captain im Büro des MHN stehen und leise mit ihm reden. Icheb drehte den Kopf nach rechts und sah, dass Naomi immer noch neben ihm lag und schlief. Die Stimmen drangen an Ichebs Ohr: "Wie stehen ihre Chancen Doctor?" fragte Janeway gerade.
"Um ehrlich zu sein Captain, ziemlich schlecht. 1:10 vielleicht. Wenn nur ein oder zwei Organe beschädigt wären, ....aber alle! Ohne die Nano-Sonden wäre sie schon tot", antwortete er. "Ich fürchte, in der Nacht wird es noch Komplikationen geben. Mr. Paris ist in Bereitschaft und kann im Notfall assistieren."
Janeway nickte bekümmert. "Halten Sie mich auf dem laufenden. Wie geht es Icheb?"
"Bei ihm wird es keinerlei Komplikationen geben, ich konnte die Substanz in seinem Körper analysieren und habe ihm bereits ein entsprechendes Neutalisierungsmittel verabreicht. In ein paar Stunden, wenn er sich nach den Strapazen genug erholt hat, kann er wieder die Krankenstation verlassen."
"Wenigstens eine gute Nachricht", sagte Janeway und verabschiedete sich dann vom MHN.
Als Janeway gegangen war ging der Doctor zu Icheb herüber. Er hatte anhand der Monitoranzeigen gesehen, dass sein Patient aufgewacht war.
"Wie fühlst du dich?" fragte er.
"Geht es Naomi wirklich so schlecht?" fragte Icheb ohne auf die Frage des MHN einzugehen.
Der Doctor seufzte. "Du hast es also gehört?" vergewisserte er sich. "Ich hatte gehoffte, du wärst erst später wieder erwacht."
Icheb sah zu Naomi. "Sie darf einfach nicht sterben, sie darf nicht!" Icheb spürte eine Verzweiflung in sich, die ihn fast zum Wahnsinn trieb. Das MHN bemerkte die anomalen Kortikalwerte und griff zu einem Hypospray. "Beruhige dich Icheb", sagte es und entlud den Inhalt in Ichebs Kreislauf. Es war nur ein mildes Sedativum und Icheb merkte eine Benommenheit, die ihn jedoch nicht einschlafen ließ. Das MHN stand noch immer bei ihm und sagte weiter: "Du brauchst Ruhe Icheb, wir können nur hoffen dass die Nano-Sonden das beschädigte Gewebe schnell genug reparieren können. Naomi wird dich brauchen, also ruh dich jetzt lieber aus und sammle deine Kräfte". Das MHN ging wieder ins Büro. Icheb schloss die Augen und versuchte zu schlafen. Nach ein paar Minuten gelang ihm dies auch.
Nur ein wenig später schreckte er wieder hoch - neben ihm biepten verschiedene Anzeigen in einem unheilvollen Ton. Das MHN war bereits an Naomis Seite und rief gerade Mr. Paris um Hilfe. Ichebs Körper wollte noch nicht gehorchen, daher musste er sich damit zufrieden geben zu Naomi herüberzusehen. Nur eine halbe Minute nachdem der Doctor Tom Paris verständigt hatte, kam dieser im Laufschritt in die Krankenstation geeilt. "Was ist passiert?" rief er außer Atem.
"Was ich befürchtet habe, erneutes Organversagen, es ist das Herz! Herzstimulator und sechs Einheiten Chloromydrid, sofort!" Tom legte den Stimulator auf Naomis Brust und injizierte ihr das Herzmittel. "Wegtreten", sagte das MHN und initiierte einen Schockimpuls. Naomis Körper bäumte sich auf, doch die Nulllinie blieb. Das MHN wiederholte die Prozedur sechs mal und endlich zeigte der Monitor wieder einen Sinusrhythmus.
"Ich gebe ihr noch vier Einheiten Adrenalin, das sollte sie stabilisieren", sagte er.
Icheb war vor Angst wie gelähmt. Er befahl seinen Körper in eine sitzende Position und wankte dann zu Naomi herüber. Er konnte sich kaum aufrecht halten, doch er schaffte es sich an ihrem Bett abzustützen. Das MHN bemerkte es, sagte jedoch nichts. Icheb streichelte Naomi über das Haar und flüsterte ihr zu: "Bitte Naomi, komm zu mir zurück, verlass mich nicht." Ein erneutes Alarmsignal ertönte. "Kammerflimmern! Herzstimulator!" rief das MHN. Tom packte Icheb und zog ihn weg von Naomi. "Nein! Naomi!" schrie er, doch er wusste dass er jetzt nur im Weg war.
"Weg!" das MHN betätigte einen Knopf und wieder bäumte sich Naomis Körper auf.
Der Doctor tat alles um Naomis Herz wieder zum schlagen zu bringen, doch nach dem 10. Versuch musste er sich der Tatsache stellen, dass die Verletzungen zu schwer waren. Geschockt zog er die Hand zurück und sagte dann leise: "Computer, medizinischer Logbucheintrag: Zeitpunkt des Todes: 03:22 Uhr. Herzversagen durch multiple Organschäden." Tom starrte auf Naomi, ebenso Icheb.
"Nein", flüsterte Icheb. "Nein, das darf nicht sein!" Er taumelte wieder zu Naomi und nahm sie in seine Arme. Tränen liefen ihm das Gesicht herunter. Tom kämpfte ebenfalls mit den Tränen und der Doctor legte eine Hand auf Ichebs Schulter. "Es tut mir leid, Icheb." Dann wandte er sich ab, ging ins Büro um sich zu sammeln und setzte sich vor den Computer um den Captain und Ensign Wildman zu kontaktieren und ihnen die traurige Mitteilung zu machen, dass Naomi ihren Verletzungen erlegen war.

Icheb hielt Naomis schlaffen Körper noch immer in seinen Armen und wiegte sie hin und her. Plötzlich fingen die Monitore wieder an zu leuchten und Icheb meinte ein leises Stöhnen zu hören. Völlig entgeistert sah er in Naomis halb geöffnete Augen. "Doctor!" rief er, "kommen sie schnell!"
Das MHN ließ alles stehen und liegen und eilte zu Naomi. Auch Tom war schon wieder an den Monitoren und seine Augen guckten ungläubig auf die Anzeigen.
"Ihr Herz schlägt wieder", sagte das MHN ungläubig. "Schnell, wir müssen sie stabilisieren, 5 Einheiten Metrazene!" das MHN konnte gar nicht fassen was hier geschah. Doch er schien nicht zu träumen. Naomis Lebenszeichen wurden kräftiger und die Organfunktionen verbesserten sich alle. Das MHN sah die Umstehenden an. "Das ist unglaublich", brachte er hervor. Er hielt seinen Tricorder über Naomi, die langsam zu sich kam. "Die Nano-Sonden haben die Herzmuskeln stimuliert und die Organe werden repariert! Sie wird es schaffen!"
Icheb umarmte Naomi wieder und sagte: "Willkommen zurück im Leben!"
Dann öffneten sich die Türen und Captain Janeway trat mit einer in Tränen aufgelösten Samantha ein. Janeway merkte zuerst was los war. Ein breites Lächeln erschien auf ihren Lippen und sie rief: "Samantha, sehen sie doch! Naomi lebt!"
Sam schaute ungläubig hoch und als sie Naomi mit geöffneten Augen sah stürzte sie auf sie zu und umarmte sie fest. Diesmal weinte sie vor Glück.
"Gott sein Dank mein Kind", Naomi hätte die Umarmung gerne erwidert, aber sie war noch zu schwach. Daher musste ein Flüstern reichen. "Ich liebe Dich Mum."
Das MHN wollte nur ungern die Stimmung auflösen, aber er musste an seine Patienten denken und dirigierte kurzerhand alle bis auf Icheb hinaus. Dann dämmte das MHN das Licht auf 40%, überprüfte noch einmal Naomis und Ichebs Werte und zog sich dann beruhigt in sein Büro zurück. In ein bis zwei Wochen würde Naomi wieder fit sein.

Icheb schaute noch einmal zu Naomi herüber und sagte dann: "Ich hätte nicht gewusst, was ich ohne Dich machen sollte", sagte er.
Naomi blickte mit einem Lächeln zurück. "Ich habe Dein Rufen gehört, ich musste einfach zurückkommen." Dann hauchte sie ihm einen Luftkuss zu und fiel kurz darauf in einen erholsamen Schlaf. Icheb lächelte glücklich und verwahrte den Luftkuss an seinem Herzen. Dann schlief auch er ein.

E N D E