"Möchten Sie noch etwas Wein, Chakotay?" fragte Kathryn ihren ersten Offizier. Es war Freitag Nacht und wie üblich saßen die beiden ranghöchsten Offiziere der Voyager in Kathryns Quartier und hatten gerade einen späten Mitternachtssnack beendet.
"Sehr gerne, danke." Chakotay hielt Kathryn sein Glas hin und sie schenkte ihm nach. Sich selbst füllte sie auch das Glas und dann nahm die neben Chakotay auf ihrer Couch platz.
"Waren Sie in letzter Zeit mal im hydroponischen Garten?" fragte Chakotay.
"Nein, schon lange nicht mehr. Das letzte mal hatte mich Neelix hinbestellt, raten Sie warum."
Chakotay grinste und meinte dann: "Ich nehme an, er wollte Ihnen ebenfalls seine neue Leolawurzelzucht zeigen?"
"Ich hatte die zweifelhafte Ehre seine erste gezüchtete Knolle ausgraben zu dürfen. Und dabei hatte ich 10 Minuten später mit B'Elanna einen Termin im Maschinenraum. Sie können sich gar nicht vorstellen wie ich ausgesehen habe als ich bei ihr ankam - die Uniform voller Erde, mein Gesicht voll Erde und natürlich meine Hände. Neelix hat nämlich den Behälter auf mich fallen lassen als ich seine Wurzel endlich ausgebuddelt hatte."
Chakotay brach in Gelächter aus und auch Kathryn mußte lachen als sie an die Misere zurückdachte.

Zur gleichen Zeit waren Naomi und Icheb im Holodeck gerade mit ihren Velocity Runden fertig geworden und beschlossen, zu einem gemeinsamen Imbiss das Casino aufzusuchen.
"Treffen wir uns in 20 Minuten im Casino Icheb, ich will nur schnell unter die Dusche und etwas anderes anziehen."
"Gute Idee, ich glaube nicht, dass wir so am Tisch auftauchen sollten. Bis gleich."

Lt. Ayala und Tom Paris waren ebenfalls noch einmal unterwegs, Tom konnte nicht schlafen und hoffte im Casino nach Gesellschaft zu finden, Ayala war mit dem Auftrag ins Casino unterwegs, dort die Leitungen in Neelix' Küche zu überprüfen. Der Talaxianer hatte seit einigen Tagen Probleme mit seinem Herd.

Chakotay hatte unterdessen Kathryn überredet mit ihm den hydroponischen Garten zu besuchen. Kathryn wusste, dass Chakotay ihr etwas zeigen wollte, daher ließ sie ihm den Spaß und begleitete ihn. Sie staunte nicht schlecht als sie beim Eintreten einen süßen Duft wahrnehmen konnte und kurz darauf hatte Chakotay sie um eine Ecke geleitet und Kathryn stand vor einem ganzen Bassin wunderschöner, blauer Blumen.
"Chakotay, das ist ja wundervoll!" rief sie entzückt aus. Sie beugte sich zu einer Pflanze herunter und atmete ihren Duft ein.
"Ausnahmsweise hat Neelix mal etwas wirklich wundervolles geschaffen, ich dachte mir schon, dass Ihnen das gefallen würde", sagte er lächelnd.
"Ich glaube, ich werde ab jetzt öfters mal hier vorbeikommen."
"Wie wäre es, wenn wir gleich nächste Woche wieder hierherkommen? Danach könnten wir einen Abstecher ins Casino machen."
Kathryn lächelte ihren ersten Offizier an. "Abgemacht. Lassen Sie uns dann heute gleich damit anfangen." Lachend hakte sie sich bei Chakotay unter und beide verließen den Garten und steuerten auf das Casino zu. Als sie dort ankamen sahen sie Naomi, Icheb und Tom an einem der hinteren Tische sitzen. Tom erblickte die beiden als erstes und winkte sie heran.
"Captain, Commander, Sie noch so spät unterwegs? Konnten Sie auch nicht schlafen?" fragte er.
Kathryn und Chakotay setzten sich zu den Dreien und bald unterhielten sie sich angeregt. Ein Klappern von der Küche ließ sie herumfahren und kurz darauf sahen sie Ayalas Kopf hinter der Theke auftauchen.
"Ayala!" rief Tom. "Was machen Sie denn hier?"
Der Lieutenant war etwas verlegen, er hatte die fünf nicht stören wollen.
"Mr. Neelix hat mich gebeten einmal seinen Herd zu überprüfen, er hatte wohl einige Probleme damit."
Tom hüstelte. "Ich sag Ihnen was Lt., lassen Sie den Herd einfach Herd sein und setzen Sie sich eine Runde zu uns. Wir können gern noch etwas auf Neelix' Leolawurzelgerichte verzichten." Dieser Kommentar hatte zur Folge dass Ayala breit grinsen mußte, Naomi, Icheb und Chakotay lachten laut und Kathryn bemühte sich krampfhaft als Captain Haltung zu bewahren.
"Setzen Sie sich Lt.", sagte Kathryn nun auch. Ayala folgte der Einladung und wurde ins Gespräch miteinbezogen.
Sie saßen ungefähr eine Stunde beieinander, als Chakotay auf einmal auffiel dass die Voyager gestoppt hatte. Da er mit dem Gesicht zu den Fenstern saß konnte er einen bunten Nebel sehen, der scheinbar direkt neben dem Schiff zu treiben schien.
"Was ist los Chakotay?" fragte Tom und drehte sich in die Richtung, in die der Commander schaute. "Oh", sagte er verblüfft. Die anderen drehten sich nun auch um und Kathryn tippte sofort auf ihr Combadge. "Janeway an Brücke, Bericht."
Tuvok, der Nachtschicht hatte antwortete: "Die Sensoren haben einen Klasse-K Nebel geortet, zu wissenschaftlichen Zwecken habe ich befohlen einige Proben zu sammeln."
"Sehr gut Mr. Tuvok, erstatten Sie mir morgen Bericht. Janeway Ende."
Während Kathryn das Gespräch mit der Brücke führte betrachteten die anderen fasziniert den Nebel, Blitze waren zu sehen und in seinem Inneren schien eine pulsierende Kugel zu sein.
"Sehen Sie das auch?" fragte Tom.
"Was meinen Sie?" fragte Chakotay ohne den Blick zu lösen. Auch Kathryn schaute nun wieder hinaus.
"Ich meine, diese Kugel rotiert immer schneller, oder bilde ich mir das nur ein?"
Alle schauten konzentriert hinaus, schließlich sagte Icheb: "Das bilden Sie sich nicht ein, die Kugel wird tatsächlich schneller."
"Die Blitze nehmen auch zu", sagte Ayala.
"Janeway an Brücke", konnte Kathryn noch sagen, dann raste ein heller Blitz direkt auf das Schiff zu und traf direkt auf die Seitenfront von Deck 2.
"Tuvok hier", ertönte es aus Janeway Combadge, doch der Vulkanier sollte keine Antwort mehr bekommen. Die Lichterscheinung hatte direkt ins Casino getroffen und dort Kontakt mit den späten Besuchern gehabt.
"Tuvok an Captain Janeway", versuchte er es noch einmal, doch wieder kam keine Antwort. Dann meldete sich Harry Kim zu Wort, der ebenfalls Nachtschicht hatte: "Das Schiff wurde von einem Energiestrahl getroffen, die Kommunikation ist ausgefallen und einige weiter Systeme haben leichten Schaden erlitten."
Tuvok nickte und wandte sich dann an den Computer: "Computer, lokalisiere Captain Janeway."
"Captain Janeway ist auf Deck 2, Sektion 13."
"Mr. Kim, sie haben die Brücke. Ich werde Captain Janeway persönlich informieren. Versuchen Sie die Kommunikation wieder zu reparieren. Und bringen Sie uns von dem Nebel weg."
"Ja Sir", erwiderte Harry und machte sich an die Arbeit.
Als Tuvok das Casino betrat wo der Computer den Captain lokalisiert hatte, war es stockdunkel.
"Captain?" fragte Tuvok in die Stille hinein. "Computer, Licht."
"Der Befehl kann nicht ausgeführt werden, die Systeme auf Deck 2 wurden beschädigt."
Tuvok trat hinter den Tresen und holte eine Lampe hervor und leuchtete den Raum ab. An den Tischen saß niemand und Tuvok fragte sich, ob Captain Janeway nicht vielleicht schon auf der Brücke war. Doch dann traf der Strahl den Boden und beleuchtete eine Gestalt. Tuvok lief sofort hin und erkannte Lt. Ayala. Neben ihm wurden nun auch noch andere Gestalten sichtbar, dort lag der Captain, Commander Chakotay, Tom Paris, Icheb und Naomi. Alle waren bewusstlos und Tuvok konnte bei allen Verbrennungen im Gesicht und den Händen sehen.
"Kim an Tuvok, ich konnte die Kommunikation wiederherstellen."
"Ihr Timing könnte nicht besser sein, Mr. Kim. Sind die Transporter einsatzbereit?"
"Ja Sir", antwortete Harry etwas verwirrt.
"Stand by Mr. Kim", sagte Tuvok und schloß die Kommunikation. "Tuvok an die Krankenstation."
"Ja Tuvok, was gibt es?" kam die Stimme vom MHN.
"Doctor, kommen Sie bitte umgehend ins Casino. Es gibt sechs Verletze. Beeilen Sie sich."
"Ich bin unterwegs." Das MHN hielt sich nicht lange mit Fragen auf sondern schnappte seinen mobilen Emitter und das Medkit und machte sich auf den Weg ins Casino.
"Mr. Kim", wandte sich Tuvok wieder an Harry, "erfassen Sie die die Signale der Combadges außer meins im Casino und bereiten sie sich darauf vor, sechs Personen in die Krankenstation zu beamen."
"Verstanden. Ich habe sechs Lebenszeichen. Bereit auf ihr Kommando."
Derweil glitten die Türen auf und der Doctor kam hereingelaufen. Tuvok leuchtete ihm den Weg und machte für ihn Platz. Das MHN hatte den Tricorder schon in der Hand und untersuchte zuerst den Captain.
"Wie sieht es aus, Doctor?" fragte Tuvok nach einer Weile.
"Alle haben leichte bis schwere Verbrennungen und ich empfange anormale Kortikalwerte von allen. Ich möchte sie gerne auf der Krankenstation haben. Ich denke, ein Transport ist ungefährlich." Das MHN klappte seinen Tricorder wieder zu und schaute dann Tuvok an.
"Tuvok an Kim, erfassen Sie außerdem noch das MHN und beamen sie alle in die Krankenstation."
"Transport initiiert", sagte Harry und neben Tuvok lösten sich die Gestalten in ein blaues Schimmern auf.

"MHN an Crewman Mitchell und Ensign Swift, melden Sie sich umgehend auf der Krankenstation."
"Verstanden Sir."
"Ja Sir."
Das MHN hob zuerst Naomi auf ein Biobett und fing an ihre Verbrennungen mit einem Dermalregenerator zu behandeln. Nach kurzer Zeit kamen dann Crewman Mitchell und Ensign Swift herein und hoben die anderen fünf Patienten auf Biobetten. Das MHN wies sie an ebenfalls mit einem Dermalregenerator die Verbrennungen zu behandeln.
Als bei allen Patienten die behandelbaren Verbrennungswunden verheilt waren kümmerte sich das MHN zunächst um die schweren Verbrennungen, wo der Dermalregenerator nichts mehr ausrichten konnte. Zum Glück musste er nur Tom und Icheb behandeln, die anderen hatten maximal Verbrennungen zweiten Grades erlitten. Als er schließlich auch damit fertig war, schickte er Mitchell und Swift wieder an ihre Arbeit und begann mit der Untersuchung der anomalen Kortikalwerte.
Tuvok meldete sich zwischendurch und wollte wissen, wie es dem Captain und den anderen ging, doch das MHN konnte nur berichten, dass die äußerlichen Wunden geheilt waren, er sich jedoch noch keinen Reim darauf machen konnte, was mit ihren Gehirnen passiert war. Er versprach, sich sofort bei Tuvok zu melden wenn er etwas neues erfahren würde.
Die nächsten zwei Stunden verbrachte der Doctor damit, mit einem Neural Scanner die Gehirnaktivitäten zu untersuchen. Tatsächlich war es so, dass keine Schädigungen vorlag, vielmehr schien es, als ob die Neuronen unter Dauerbeschuss gestanden hätten. Deshalb auch die Bewusstlosigkeit. Das Gehirn hatte sich zum Schutz abgeschaltet. Das MHN mußte jetzt nur die Neuronenaktivität senken, dann konnte er die sechs allmählich aufwecken. Diese Prozedur würde allerdings einige Zeit dauern. Er informierte Tuvok über sein Vorhaben.
"Die Prozedur wird ungefähr einen Tag dauern, danach müsste die Neuronenaktivität so weit gesunken sein, dass ich sie aufwecken kann", erklärte er.
"Verstanden. Informieren Sie mich, wenn es so weit ist. Tuvok Ende."

Fast genau 24 Stunden später betrat Tuvok die Krankenstation. Das MHN hatte es geschafft und wollte den Captain aufwecken. Er lud ein Hypospray mit einer Dosis Stokalin und presste es dann an Janeways Hals. Kurz darauf zuckten ihre Lider und sie schlug die Augen auf.
"Doctor?" fragte Janeway benommen. "Was ist passiert?"
"Bleiben Sie noch ruhig liegen, Sie sind in der Krankenstation. Eine Entladung hat Sie getroffen."
Janeway schaute das MHN verwirrt an. "Seit wann Siezen Sie mich Doctor?"
Jetzt waren das MHN und Tuvok an der Reihe, verwirrt den Captain anzusehen.
"Captain, ist alles mit Ihnen in Ordnung?" fragte Tuvok.
"Captain? Wieso Captain?" fragte Janeway.
Tuvok sah das MHN besorgt an, dieser holte einen Tricorder. Janeway wollte sich inzwischen aufsetzen doch das MHN drückte sie auf die Liege zurück. Janeway sah zu Tuvok. "Tuvok, wieso nennen Sie mich Captain?" Mit großen Augen schaute Janeway zu Tuvok. Tuvok zog eine Augenbraue hoch. "Sie sind Kathryn Janeway, Captain des Raumschiffs Voyager, erinnern Sie sich daran?"
Janeway schaute Tuvok verwirrt an. Das MHN scannte sie immer noch und Janeway setzte sich ein Stück auf und schaute an sich herunter. Völlig entgeistert starrte sie auf ihren Körper und ihre Augen weiteten sich.
"Bitte, bleiben Sie ruhig liegen Captain, ich finde schon heraus was mit Ihnen nicht stimmt", versuchte das MHN sie zu beruhigen.
"Aber... ich bin doch Naomi!" Ihre Stimme hatte nun einen panischen Unterton und das MHN und Tuvok starrten sie an.
"Wie bitte?" fragte Tuvok, der meinte sich verhört zu haben.
"Ich bin Naomi Wildman, Tuvok! Sehen Sie das nicht?"
Das MHN starrte sie mit offenem Mund an, Tuvok wusste ebenfalls nicht was er sagen sollte.
"Bitte, sagt doch etwas, was ist passiert?" flehte Kathryn.
"Naomi?" fragte das MHN noch einmal um sicherzugehen dass er sich nicht verhört hatte. Kathryns Kopf hatte unterdessen nach rechts geguckt und sah fassungslos auf Naomis Körper, der auf dem benachbarten Biobett lag.
"Das ist nicht möglich!" hauchte sie. "Da drüben liege ich!" Hilfesuchend sah sie das MHN an.
"Doctor", meldete sich Tuvok zu Wort, "eine Gedankenverschmelzung wäre anzuraten, vielleicht ist der Geist des Captains auch nur verwirrt und weiß nicht, wer sie ist."
Naomi blickte Tuvok mit zusammengekniffenen Augenbrauen an. "Natürlich weiß ich wer ich bin, ich bin nur ... nicht im richtigen Körper!"
"Captain, ich meine, Naomi, wenn Sie wirklich nicht der Captain sind, dann kann Tuvok das mit einer Gedankenverschmelzung aber ganz sicher feststellen", sagte das MHN einlenkend.
"Tut das weh?" fragte sie.
"Nein", sagte Tuvok, "wenn Sie ihren Geist offen lassen und mich gewähren, dann wird es nicht weh tun."
Kathryn seufzte. "Also gut, aber ich sage Euch gleich, ich bin wirklich Naomi!"
"Legen Sie sich zurück und versuchen Sie sich zu entspannen Captain", sagte Tuvok, dann suchte er in Kathryns Gesicht bestimmte Nervenpunkte und drang in ihren Geist ein.
Das MHN überwachte den Zustand der beiden, nach ein paar Minuten löste Tuvok die Verbindung und sagte: "Offenbar fand ein Körpertausch statt, in Captain Janeways Körper befindet sich tatsächlich der Geist von Naomi Wildman."
Das MHN war sprachlos. So etwas war ihm in seiner Datenbank noch nicht untergekommen. Sein Blick glitt zu den anderen Patienten. In ihm keimte ein furchtbarer Verdacht. "Wir sollten die anderen wecken. Wenn Naomis Geist in Captain Janeways Körper steckt, wer steckt dann in Naomis Körper?"
Tuvok hob eine Augenbraue. "Eine berechtigte Frage, Doctor. Es ist auch zu bedenken, dass der Tausch von Naomis Geist kein Einzelfall sein könnte. Eventuell sind alle anderen auch betroffen."
"Wir sollten Naomi aufwecken.... wer auch immer dann wach wird", meinte das MHN.
Tuvok blieb bei Kathryn und das MHN trat an das Bett wo der Körper von Naomi lag und injizierte ihr ebenfalls eine Dosis Stokalin. Kurz darauf öffnete Naomi die Augen und das MHN fragte vorsichtig: "Wissen Sie, wer ich bin?"
Naomi blickte ihn verwundert an und sagte dann: "Sie sind das MHN. Was ist passiert, Doctor?" Naomi wollte sich aufsetzen doch das MHN drückte sie auf das Bett zurück. "Und wissen Sie auch, wer Sie sind?" fragte er weiter.
Naomi schaute das MHN kritisch an. "Captain Kathryn Janeway. Sind Sie sicher dass mit ihrem Programm alles in Ordnung ist Doctor?" Naomi wollte aufstehen, doch das MHN hielt sie zurück. "Captain, da gibt es etwas, das ich Ihnen sagen muss", druckste das MHN herum. "Schauen Sie mich an und hören Sie erst einmal zu. Sie wurden im Casino von einer Energieentladung getroffen, Sie hatten Verbrennungen an der Haut und es ist leider noch etwas anderes passiert..." das MHN überlegte, wie er ihr die Nachricht möglichst schonend beibringen konnte.
"Doctor, so schlimm kann es nicht sein, ich fühle mich großartig", sagte Naomi und wollte sich wieder aufrichten. Das MHN drückte ihren Oberkörper wieder herunter bevor sie etwas sehen konnte. "Captain, ihr Bewusstsein wurde vertauscht. Sie... befinden sich in einem anderen Körper."
Naomi starrte ihn entgeistert an. Dann nahm das MHN seine Hand weg und gestattete ihr an sich herunterzugucken. Blonde, lange Haare lagen über ihren Schultern und die Kleidung war keine Uniform die sie anhatte.
"Captain?" hörte sie eine Stimme neben ihr. Als sie sich umdrehte weiteten sich ihre Augen. Dort drüben saß sie. Sie schaute noch einmal an sich herunter und dann in die Trennwand zum Büro des Doctors. Aus dem Spiegelbild blickte sie Naomi an.
"Aber... wie ist so was möglich?" fragte sie. Das MHN schaute sie nachdenklich an.
"Können Sie sich daran erinnern, was im Casino mit Ihnen passiert ist?" fragte er schließlich. Naomi dachte nach, dann sagte sie: "Wir waren zu sechst dort, Chakotay hatte uns darauf aufmerksam gemacht, dass das Schiff gestoppt hatte und wir sahen diesen bunten Nebel." Naomi runzelte die Stirn und dachte angestrengt nach. "Lt. Ayala bemerkte, dass diese Energiekugel im Inneren anfing schneller zu rotieren und als ich mich gerade mit der Brücke in Verbindung setzen wollte, da wurde auf einmal alles weiß ich das nächste, an das ich mich erinnern kann ist, dass ich hier aufgewacht bin und nun... in Naomis Körper stecke." Naomi machte eine kurze Pause. Gerade war ihr bewusst geworden, was das noch zu bedeuten hatte. "Doctor, haben... Sie die anderen schon geweckt?"
"Nein, wir haben zuerst Sie geweckt.. bzw. dachten wir das. Aber ich werde mich jetzt um die anderen kümmern." Damit ging das MHN zum Bett von Chakotay und injizierte ihm ebenfalls eine Dosis Stokalin. Wie bei Naomis Körper wandte er dieselbe Taktik an. Er hielt Chakotay, oder wer immer in seinem Körper steckte, die Hand auf die Brust, und fragte: "Wissen Sie, wer ich bin?"
Chakotay kniff ebenfalls erstaunt die Augen zusammen und antwortete: "Das MHN natürlich."
"Und wissen Sie auch, wer Sie sind?" fragte das MHN weiter und seine Gesichtszüge verrieten die Anspannung.
"Ich bin Icheb." Verwirrt schaute Chakotay ihn an. "Doctor?"
Das MHN schaute zu Naomi und zum Captain. Dann ließ er Chakotay alias Icheb los und erklärte ihm, dass eine Energieentladung das Schiff getroffen hatte und ihre Körper vertauscht wurden. Chakotay betrachtete seinen Körper und dann den von Icheb. "Ich verstehe", meinte er nur und sah dann zu Kathryn und Naomi.
"Hey Icheb", sagte Kathryn. "Ich bin's Naomi."
Chakotay lächelte. "Du wolltest ja schon immer Captain werden, Naomi." Er zwinkerte Kathryn zu, die rötlich anlief während Naomi ein Grinsen unterdrücken mußte.
Das MHN hatte derweil die anderen aufgeweckt. Keiner war in seinem Körper geblieben. In Toms Körper steckte Chakotay, Ayalas Geist war in Ichebs Körber gefangen und Tom steckte in Ayala fest.
"Bitte bleiben Sie alle, wo Sie gerade sind", sagte das MHN zu seinen Patienten und gab Tuvok durch einen Schlenker mit dem Kopf zu verstehen, dass er ihn gerne unter vier Augen im Büro sprechen wollte.
"Lieutenant, wäre es mit Hilfe von einer vulkanischen Technik möglich, ihre Seelen wieder zu tauschen?"
Tuvok verschränkte die Hände hinter dem Rücken, zog eine Augenbraue hoch und antwortete: "Es gibt gewisse... Praktiken die Vulkanier manchmal anwenden, wenn der Geist von jemandem verwirrt ist, tatsächlich gibt es in der vulkanischen Geschichte zwei Präzedenzfälle, in denen eine Seele von einem Humanoiden in den toten Köper eines anderen übertragen wurde."
"Warten Sie, das kommt mir bekannt vor irgendwie", meinte das MHN nachdenklich.
"Der jüngste Fall betraf die Personen Dr. Leonard McCoy und den ersten Offizier der USS Enterprise 1701, Mr. Spock. Er hatte, um die Enterprise zu retten, sein Leben geopfert zum Wohl der anderen. Seine sterblichen Überreste wurden in den gerade entstehenden Planeten Genesis gezogen und Spock erfuhr eine Regeneration des Körpers. Seine Seele hatte er zuvor aber an Dr. McCoy transferiert. Auf Vulkan wurde von der Hohepriesterin T'lar die Seele zurück an Spock übertragen. Die Vulkanier nennen dies Fal'tor Pan."
"Natürlich, Dr. McCoy, jetzt fällt es mir auch wieder ein. Meinen Sie, Sie könnten das wiederholen, was T'lar getan hat?"
Tuvok hob erneut eine Augenbraue und dachte nach. Dann sagte er: "Dieses Ritual ist außergewöhnlich schwierig und die Technik ist nur Hohepriestern vorbehalten."
"Oh", sagte das MHN enttäuscht.
"Jedoch", warf Tuvok ein, "ist dieses Ritual, da es zu einer Zeit stattfand, die nicht in Legenden zu suchen ist, aufgezeichnet worden. Ich bin sicher, in der Datenbank der Voyager gibt es einen Eintrag. Wenn ich das Ritual studieren kann, vorausgesetzt, es ist detailliert beschrieben, könnte es möglicherweise einen Versuch wert sein."
"Wunderbar, ich schlage vor, Sie fangen gleich mit der Suche an während ich an einer medizinischen Lösung dieses Problems arbeite."
Tuvok nickte. "Ich melde mich bei Ihnen, sollte ich etwas hilfreiches gefunden haben. Wenn Sie mich jetzt bitte entschuldigen würden, ich muß auf die Brücke und die Offiziere mit dem Vorfall vertraut machen." Tuvok ging schon zur Tür als er zögerte und stehenblieb. Dann drehte er sich erneut zum MHN um, das inzwischen wieder an das Bett von Naomi herangetreten war und fragte: "Doctor, geht es dem Captain und den anderen sonst so weit gut abgesehen davon, dass sie sich nicht ihren richtigen Körpern befinden?"
"Ja, allerdings. Die Verbrennungen konnte ich behandeln und theoretisch würde ich alle wieder entlassen, wenn da nicht diese Komplikation wäre."
"Dann spricht auch nichts dagegen, dass ich wieder auf die Brücke kann", sagte Naomi und schaute das MHN wartend an.
"Captain, ich denke nicht, dass das eine gute Idee wäre", meinte er nachdenklich.
"Warum nicht? Ich bin immer noch ich, nun ja, zumindest innerlich. Meine Fähigkeiten als Captain haben nicht gelitten. Und das Schiff braucht seine Führungsoffiziere."
"Captain", mischte sich Tuvok ein, "ich denke, Sie sollten lieber hier auf der Krankenstation bleiben, bis wir ihre Körper wieder tauschen können."
"Und was denken Sie, wie lange das dauern wird?" kam nun die Stimme von Tom ins Spiel.
Das MHN und der Vulkanier blickten sich betreten an.
"Das wissen wir noch nicht, Captain", sagte er leise. "Aber wir arbeiten dran. Es gibt eventuell ein vulkanisches Ritual, das uns hier helfen könnten. Mr. Tuvok wird sich darum kümmern."
"Das ist wunderbar Tuvok", strahlte ihn Naomi an, "aber das löst trotzdem jetzt noch nicht unser Problem hier. Und solange unsere geistigen Fähigkeiten nicht eingeschränkt sind oder wir keine anomalen Symptome aufweisen, würde ich gern meinen Dienst weiterführen." Der letzte Teil des Satzes klang ganz nach Janeway, wenn Sie Befehle erteilte. Höflich, aber bestimmt. Das MHN seufzte.
"Also gut, aber einer von Ihnen bleibt bei mir auf der Krankenstation, wie soll ich sonst herausfinden, wie ich sie wieder in ihre Körper bekomme", sagte das MHN unnachgiebig.
"Ich bleibe hier", sagte Icheb und das MHN nickte zufrieden.
"Außerdem erwarte ich jeden von Ihnen einmal alle 24 Stunden hier zu einem Check."
"Ja Doctor", sagte Naomi schnell und glitt von der Liege. Alle bis auf Icheb taten es ihr gleich und verließen dann die Krankenstation.
"Am besten, wir werden zuerst die restlichen Führungsoffiziere zusammenrufen und die Lage erklären. Janeway an Torres, Seven und Kim... und Neelix", fügte sie schnell hinzu. Der Talaxianer mußte auch informiert werden. "Melden Sie sich in 10 Minuten im Besprechungsraum."
"Stimmmuster von Kathryn Janeway konnte nicht erkannt werden", sagte die monotone Stimme des Computers.
Naomi sah Kathryn an. "Naomi, würdest du bitte?" fragte sie dann.
"Naomi... eh... nein." Sie tippte erneut auf ihr Combadge. "Janeway an Torres, Seven und Neelix, kommen Sie bitte in 10 Minuten in den Besprechungsraum."
Die drei bestätigten den Empfang und Naomi und der Rest machten sich wieder auf den Weg zur Brücke. Tuvok hatte vermutlich schon Kim informiert, also würde dieser nicht zu überrascht sein.
"Wir sollten den Computer auf meine neuen Stimmmuster umstellen", überlegte Naomi laut.
"Das wird B'Elanna schnell erledigt haben", meinte Tom.
Kurz darauf erreichten sie die Brücke. Gerade als sie die Turbolifttüren öffneten trat Tuvok aus dem Bereitschaftsraum ebenfalls herein.
"Captain", begrüßte er Naomi, "ich habe bis eben recherchiert und bin..." weiter kam er nicht und Harry rief: "Ein Schiff enttarnt sich vor uns und es feuert auf uns!"
Dann erschütterte eine Explosion die Brücke und das Schiff wurde durchgeschüttelt.
Tuvok wurde an die Schottwand geschleudert und seine Uniform wurde von grünen Flecken durchtränkt. Er rührte sich nicht mehr. Die anderen wurden von den Erschütterungen kreuz und quer über die Brücke befördert, die inzwischen in ein rotes Licht getaucht war. Harry zog sich gerade an seiner Konsole hoch und tippte einige Buttons. "Die Hauptenergie ist ausgefallen, Schilde sind unten. Waffen und Kommunikation offline!"
Bevor Naomi noch irgendetwas tun konnte bildeten sich die Gestalten von sechs Eindringlingen mit Waffen in den Händen und zielten auf die Brückencrew.
"Wir übernehmen von jetzt an dieses Schiff", sagte einer der Eindringlinge.
"Wer ist hier der Captain?"
Kathryn sah aus den Augenwinkeln, wie Naomi gerade eine entschlossene Mine aufsetze und vortreten wollte, doch sie war schneller. Resolut trat sie vor und sagte mit fester Stimme: "Ich bin Captain Kathryn Janeway. Wer sind Sie und was wollen Sie?"
Naomi starrte Kathryn entgeistert an, doch Tom machte eine fast unmerkliche Geste und Naomi verstand. Kathryn wollte Ihnen eine Chance verschaffen, die Eindringlinge zu überwältigen. Während der paar Sekunden, die Naomi gebraucht hatte um Kathryns Handlung zu begreifen, sprach der Eindringling weiter: "Wir sind Maklams, und was wir wollen: Waffen, Technologie, das Übliche. Betrachten Sie sich als unsere Gefangenen. Wenn wir haben was wir brauchen verschwinden wir wieder. Und wenn Sie keinen Ärger machen passiert auch nichts."
Kathryn blickte dem Piraten, denn nichts anderes waren sie, in die Augen. Innerlich zitterte sie bis ins Mark, sie war nicht der Captain und wenn der Typ das herausfinden würde, wäre sie vermutlich tot. Doch sie mußte jetzt weitermachen. Der echte Captain würde vielleicht eine Chance kriegen, wenn sie die Schiffskontrollen verschlüsselte und notfalls die Brücke zerstörte. "Sind Sie die Einzigen, die an Bord gebeamt sind?" fragte Kathryn.
"So läuft das. Wir nehmen die Anführer als Geiseln und der Rest spurt automatisch. Und da wir gerade beim Thema sind: Holen Sie ihre ganzen Anführer zusammen."
Um seiner Forderung noch mehr Nachdruck zu verleihen zielte der Pirat jetzt gezielt auf den Kopf von Harry Kim.
Kathryn überlegte fieberhaft. Was würde der Captain jetzt tun an ihrer Stelle. Möglichst unauffällig suchte sie den Blickkontakt zu Naomi und diese nickte nur unmerklich. Den Forderungen vorerst nachgeben, interpretierte Naomi die Geste. Sie tippte auf ihr Combadge. "Janeway an Torres, bitte kommen Sie auf die Brücke."
"Die internen Schiffskommunikatoren sind offline", erklärte der Computer.
Der Eindringling schaute Kathryn mit zusammengekniffenen Augen an. "Ist das alles? Nur eine Person? Sie da", er deutete auf Harry, "können Sie das reparieren?"
Harry nickte und kurz darauf gab er dem Captain ein Zeichen, diese rief erneut Lieutenant Torres und die war unterwegs. Dann antwortete Kathryn auf die Frage vom Maklam: "Ja, meine anderen Offiziere befinden sich bereits hier." Kathryn sah nun zu Tuvok hinüber, der immer noch bewusstlos an der Schottwand lag.
Wir ergeben uns unter zwei Bedingungen", wagte Kathryn das Spiel zu spielen. "Lassen Sie mich Tuvok auf die Krankenstation bringen und außerdem lassen Sie Naomi gehen." Kathryn deutete auf die Halb-Ktarianerin und fügte hinzu: "Sie ist noch ein Kind, ich möchte nicht, dass Sie das hier mitbekommt."
Der Maklam betrachtete kurz die beiden Angesprochenen, dann nickte er und meinte: "Einverstanden. Wir sind zwar Diebe, aber keine Ungeheuer. Bringen Sie ihr Crewmitglied auf die Krankenstation, und das Mädchen begleitet ihn." Er deutete auf Harry Kim. "Der da darf auch mitgehen, sein Gesicht gefällt mir eh nicht."
Harry schaute ihn wütend an, doch als Kathryn ihn bittend ansah sagte er nichts weiter sondern hievte Tuvok hoch, schlang seinen Arm um seinen Nacken und Naomi, die ebenfalls herbeigeeilt war, nahm seinen anderen. Naomi keuchte unter Tuvok, sie war halt doch noch nicht so stark wie ein Erwachsener, doch Harry trug das meiste Gewicht des Lieutenants. Ein Zischen der Turbolifttüren kündigte Besuch an. B'Elanna trat aus der Kabine und sah geradewegs in eine Waffenmündung.
"Was zum..." fing sie an, doch dann begriff sie.
"Das Schiff wurde geentert, Lieutenant, tut mir leid", sagte Kathryn.
B'Elanna schaute missmutig drein, wenn Sie so was nur geahnt hätte. Doch angesichts der Tatsache, dass die Eindringlinge mehrere Geiseln hatten, hätte B'Elanna auch nicht viel tun können. Seufzend gesellte sie sich zu Tom.
"Wenn die drei weg sind dann versiegeln sie die Brücke", befahl der Maklam.
Als sich die Turbolifttüren hinter Naomi, Kim und Tuvok geschlossen hatten, sagte Kathryn: "Computer, Brückenzugänge versiegeln."
"Brückenzugänge sind versiegelt", bestätigte der Computer. Der Maklam war zufrieden und meinte dann: "Setzen Sie sich, schön zusammenbleiben aber."

Unterdessen kam der Turbolift mit Naomi, Kim und Tuvok auf Deck 5 an und kurz darauf erreichten sie die Krankenstation. Das MHN war nicht minder überrascht, als er Tuvok sah, doch er kümmerte sich sofort um Tuvoks Verletzungen und Harry erzählte ihm derweil, was passiert war.
"Ich konnte die Brücke nicht erreichen als das Schiff durchgeschüttelt wurde!"
"Die Kommunikation war ausgefallen", erklärte Harry. "Wenigstens hat er Naomi gehen lassen. Was wolltest Du eigentlich auf der Brücke?" wandte er sich an sie.
Naomi musterte Kim und fragte dann: "Ich nehme an, Tuvok war nicht vor uns auf der Brücke?"
Kim schüttelte den Kopf. Dann sagte das MHN, immer noch mit Tuvok beschäftigt: "Captain, was sollen wir jetzt machen?"
Harry starrte das MHN verblüfft an. Captain? Sind seine optischen Sensoren defekt? fragte er sich und laut: "Ehm.. Doc, das ist Naomi hier. Der Captain befindet sich auf der Brücke!"
Das MHN sah Naomi an. "Er weiß es noch nicht?"
Naomi schüttelte den Kopf.
"Ich weiß was noch nicht?" fragte der Ensign nun ungeduldig.
"Harry, ich weiß, das muß jetzt merkwürdig für Sie klingen", sagte Naomi zu ihm, "aber ICH bin Kathryn Janeway. Durch einen kleinen ... Unfall wurden unsere Seelen oder Körper, je nachdem, vertauscht. Tatsächlich befindet sich Naomis Seele in meinem Körper, also den des Captain, was ich bin, und hat mir eine Möglichkeit verschafft das Schiff zurückzuerobern."
"Wie bitte? Du bist... ich meine, Sie sind der Captain? Und Naomi ist auch der Captain? Also physisch... "
"Ja Mr. Kim, und Icheb hier ist Ayala", bekräftigte das MHN. "Aber das ist jetzt nicht so wichtig, Captain, wir müssen etwas unternehmen. Naomi ist nicht als Captain ausgebildet und hat schon gar nicht Ihre Erfahrungen. So, Tuvok ist vorerst stabilisiert, in ein paar Tagen wird er wieder seinen Dienst verrichten können."
"Hm... die Brücke wurde versiegelt. Ich kann zwar mit den Stimmmustern nichts erreichen, aber meine Kommandocodes sind wohl noch gültig."
"Wie wäre es mit einem Betäubungsgas?" schlug das MHN vor.
"Wie schnell würde das wirken?"
"Nun, ich schätze in 5-8 Sekunden ist jeder ohnmächtig, der es einatmet."
Naomi grübelte. 5-8 Sekunden... wenn die Entführer etwas merken würden, dann hätten sie noch ca. 5 Sekunden Zeit um Geiseln zu erschießen. Das war zu riskant. Sie brauchten etwas, das alle umgehend außer Gefecht setzen würde.
"Wir könnten mit dem Warpkern eine Überlastung erzeugen, die eine Schockwelle aussendet und die gesamte Crew sofort außer Gefecht setzt", überlegte Naomi.
"Aber die Hauptenergie ist ausgefallen, wir wissen noch nicht wie schwer die Schäden sind", warf Harry ein.
"Dann sollten wir das wohl schleunigst herausfinden. Doctor, wenn wir Erfolg haben bekommen Sie viel zu tun. Schauen Sie, dass sie sich dann sofort auf die Brücke begeben, kurz bevor ich die Welle ausstoße, werde ich die Versieglung der Brücke aufheben und die Kontrollen sperren."
"Aye Captain", sagte das MHN und Naomi und Harry machten sich auf den Weg Richtung Maschinenraum.

Auf der Brücke bereiteten unterdessen die Maklam ihren Beutezug vor. Sie wollten ihrem Schema entsprechend einen ihrer Leute losschicken um die Gegenstände mit einem Peilsender zu versehen, die sie stehlen und mit ihrem Teleporter dann auf ihr Schiff holen wollten, mit dabei sollte immer eine Geisel sein. Der Captain sollte vorher eine Durchsage starten dass das Schiff Gäste aufgenommen hatte und diese durch das Schiff geführt würden. Bisher hatte das immer tadellos funktioniert. Die restlichen Maklam würden auf der gesicherten Brücke bleiben, in Kontakt mit ihrem Kameraden stehen und die Führungsoffiziere in Schach halten. Da das Schiff vorher kampfunfähig gemacht wurde, konnten die Piraten in aller Ruhe abräumen und dann das Schiff verlassen.
"Captain, wenn ich um eine schiffsweite Ansage bitten dürfte..." meinte der Anführer recht höflich und sah Kathryn erwartungsvoll an.
Kathryn überlegte fieberhaft. Der echte Captain müsste inzwischen genug Zeit gehabt haben um einen Plan zu entwickeln. Kathryn hielt es für das Beste, den Forderungen auch weiterhin nachzugeben. Doch was war, wenn der Captain damit rechnete, alle Piraten auf der Brücke zu haben? Kathryn musste ihr noch mehr Zeit verschaffen. Doch wie? Die Kommunikation. Sie würde einen Defekt vortäuschen müssen. Während ihr die Gedanken durch den Kopf schossen war sie langsam aufgestanden damit der Maklam keinen Verdacht schöpfte. Und dann kam ihr noch eine Idee. Wenn sie nicht verhindern konnte, dass einer der Piraten die Brücke verließ, dann mußte der Captain gewarnt werden. Die Antwort formte sich in einem Bild von Seven vor Kathryns innerem Auge. Wenn sie Icheb, der ja in Chakotays Körper steckte klarmachen konnte, dass er eine Nachricht über Sevens Interplex-Sender schicken sollte, dann könnte Seven den Captain informieren.
"Captain..." erklang die warnende Stimme des Maklam und seine Waffe richtete sich auf sie. "Die Durchsage. Jetzt."
Kathryn stand auf und ging zu ihrem Sessel. Ihr Herz klopfte bis zum Hals als sie möglichst unauffällig eine Kombination eingab, die das Comsystem wieder lahm legen würde. Zu ihrer grenzenlosen Erleichterung funktionierte der Teil des Plans reibungslos. Als sie einen Kanal öffnete, meldete die Computerstimme, dass eine schiffsweite Übertragung nicht möglich sei. "Commander, würden Sie bitte an Mr. Kims Station Zugriff auf unsere Interplex-Kommunikation nehmen und darüber einen Kanal freischalten?" Kathryn wusste, dass ihre Worte für die Offiziere völlig wirres Zeug war, die Voyager hatte natürlich keine Interplex-Kommunikation, aber irgendwie mußte sie Chakotay einen Wink geben, was er tun sollte. Sie bemerkte, wie verdutzt die anderen sie ansahen und sie schüttelte unmerklich den Kopf. Dann sah sie, wie sich Chakotays Gesichtszüge erhellten und er stand auf und nickte dann.
"Aye Captain, ich habe verstanden."
Der Maklam schaute erst misstrauisch auf Kathryn, dann auf Chakotay, doch er ließ ihn gewähren.
Chakotay konnte von der Station sehen, was Kathryn getan hatte, die Aktivierung würde mit zwei Buttons gemacht sein. Doch wenn er sie richtig verstanden hatte, sollte er eine Nachricht an Seven übermitteln. Doch welche? Sicher wusste der Captain was passiert war, sie war schließlich dabei gewesen, also was wollte die echte Naomi, das er übermittelte? Er überlegte, der Captain wusste, dass die Piraten auf der Brücke waren. Sie würde also etwas unternehmen, das zumindest die Brücke beinhaltete. Doch jetzt wollte ein Maklam mit einer Geisel die Brücke verlassen. Das musste es sein. Er sollte Seven informieren dass einer der Geiselnehmer nicht mehr bei den anderen sein würde. Schnell bereitete er eine entsprechende Nachricht vor, sandte sie an Sevens Interplex-Sender und aktivierte danach wieder die Kommunikation.
"Kanal freigeschaltet", sagte er und schaute Kathryn an.
Kathryn befeuchtet ihre Lippen, und drückte den Com-Button an ihrem Sessel und sagte: "Janeway an die Crew, wir haben soeben eine Delegation an Bord genommen. Ein Abgesandter wird das Schiff besichtigen. Janeway Ende."
Jetzt Captain, tun Sie es jetzt was immer sie tun wollen, flehte Kathryn in Gedanken. Ihr Wunsch sollte gleich darauf erfüllt werden, denn Schwärze umfing sie von einer Sekunde auf die andere und sie sackte in ihrem Sessel zusammen. Mit ihr ging die gesamte Crew der Voyager und auch die Piraten zu Boden.

Das MHN transportierte sich sofort auf die Brücke nachdem Naomi die Schockwelle initiiert hatte. Den Brückenoffizieren injizierte er allen eine Dosis Stokalin, und nach ein paar Minuten waren alle wieder auf den Beinen. Ayala und Tom sorgten dafür, dass die Piraten alle in einer Arrestzelle unterkamen und das MHN transportierte sich danach sofort in den Maschinenraum, wo Naomi und Harry lagen. Als Naomi wieder aufrecht stand erkundigte sie sich nach dem Status auf der Brücke. Tom antwortete ihr, dass sie die Situation unter Kontrolle hatten und das MHN machte sich daran, über die Umweltkontrollen ein Gas zu verteilen, das die bewusstlose Crew wieder aufwecken würde.
"Ich bin auf dem Weg zur Brücke Commander", sagte Naomi und lief los. "Schicken Sie Lt. Torres wieder in den Maschinenraum."
B'Elanna, die auf der Brücke die Anweisung mitgehört hatte, klappte der Unterkiefer herunter. Das war Naomis Stimme! Seit wann gab sie hier Befehle? Sie blickte zum Captain, die still in ihrem Sessel saß und dazu nicht das geringste zu sagen hatte scheinbar. Als dann Tom auch noch anfing sie zu Siezen glaubte sie, jetzt waren alle komplett durchgeknallt.
"Was zum... kann mir einer erklären was hier los ist? Seit wann gibt Naomi Befehle und seit wann SIEZT du mich Tom?"
"Ehm... Schatz", sagte Ayala zu B'Elanna, "ich erkläre Dir alles später. Versprochen."
Jetzt war B'Elanna komplett sprachlos. Sie starrte Ayala an, dann wieder den Captain und Tom... dann verließ sie die Brücke und Tom konnte noch ein "total durchgeknallt" und "Krankenstation" hören. Kaum hatte B'Elanna die Brücke verlassen trat Naomi herein, gefolgt von Ensign Kim. Kathryn stand auf und nahm unbewusst Haltung an.
"Das war ziemlich riskant Naomi, Seven eine Nachricht zu schicken", sagte der echte Captain zu Kathryn. "Sie war gerade im Maschinenraum mit uns, als Sie Deine Nachricht erhielt."
"Es tut mir leid Captain, hätte ich geahnt was Sie vorhatten, dann hätte ich doch niemals..."
Naomi hob ihre Hand um Kathryn zu unterbrechen. "Was Du getan hast, war sehr mutig und einfallsreich", lobte sie und lächelte dann. "Die Information war sehr hilfreich falls ich etwas anderes hätte versuchen müssen. Gut gemacht, Naomi."
Kathryn strahlte und Chakotay zwinkerte ihr zu.
"Vielen Dank, Captain."
Harry war an seine Station getreten und unterbrach das Gespräch: "Captain, ein weiteres Schiff enttarnt sich an Backbord."
"Wie ist unser Schildstatus?" fragte Naomi und steuerte auf den Captain Sessel zu.
"Schilde sind noch offline, ebenso die Hauptenergie. Captain, wir werden gerufen."
"Auf den Schirm."
Das Bild des Weltalls mit den beiden Schiffen wurde durch ein freundlich lächelndes Gesicht eines Maklam ersetzt. Das Lächeln wandelte sich in Staunen um, als er noch eine sehr junge Frau sah, die mit ernster Mine dreinblickte.
"Ehm... entschuldigen Sie bitte unser plötzliches Auftauchen, ich würde gerne mit dem Captain des Schiffes sprechen?"
Naomi stand auf. "Das bin ich. Captain Kathryn Janeway."
"Oh." Der Maklam schwieg kurz und versuchte, seine Überraschung zu verbergen, was ihm nur mäßig gelang. "Captain, erfreut Sie kennenzulernen, ehm, meine Name ist Captain Terns, wir kommen wegen des anderen Schiffes. Verzeihen Sie nochmals meine Impertinenz, aber wie verfolgen diese Leute schon seit Wochen. Wurden Sie... angegriffen?"
"Was wollen Sie von Ihnen?" konterte Naomi mit einer Gegenfrage.
"Natürlich, das habe ich vergessen. Wir sind eine Sondereinheit die von der Regierung beauftragt wurde, diese Strolche dingfest zu machen."
"Nun, in dem Falle... sie sitzen in unserer Arrestzelle."
Captain Terns bekam kugelrunde Augen. "Das ist ja unglaublich! Dürfen wir um die Auslieferung dieser Leute bitten? Auf sie wartet unsere Regierung schon lange. Es ist eine Schande, dass sie unser Volk mit ihren Raubzügen in Verruf gebracht haben. Captain Janeway, würden Sie mir die Gelegenheit geben, diesen Makel zu entfernen?" fragte er höflich.
Naomi schaute Tom an, und dieser nickte leicht. Auch Naomi war von der Ehrlichkeit des Captains überzeugt worden und sie lächelte ihn nun an.
"Gewiss Captain Terns. Um ehrlich zu sein, für Piraten waren sie sogar sehr nachsichtig."
"Wurde jemand bei Ihnen verletzt oder etwa getötet?" fragte Captain Terns nach.
"Unser Sicherheitsoffizier, aber der Doctor meint, er wird wieder gesund werden."
"Das tut mir sehr leid, falls wir Ihnen noch irgendwie helfen können..."
"Vielen Dank, aber unser Doctor hat alles im Griff."
Terns lächelte und sagte dann: "Dürfen wir Sie vielleicht auf unseren Heimatplaneten einladen? Er ist nur einen Tag entfernt. Wir würden uns freuen, Sie als Gäste zu begrüßen."
"Das klingt hervorragend. Wir nehmen gerne an, vielen Dank. Vielleicht möchten Sie unser Schiff einmal besichtigen?" lud Naomi den Maklam ein.
"Vielen Dank Captain, wir kommen sehr gerne. Zumal wir auch noch etwas abholen müssen." Beim letzten Teil des Satzes verdüsterte sich sein Gesicht.
"Dann beamen wir Sie gleich an Bord."
"Ich werde meinen ersten Offizier mitbringen wenn Sie nichts dagegen haben, ebenso zwei Sicherheitsbeamte, die das Gesindel abholen werden."
"Einverstanden. Janeway an Transporterraum, beamen Sie die Delegation von Captain Terns an Bord."
"Stimmmuster von Janeway konnten nicht bestätigt werden, bitte geben Sie ihren Sicherheitscode ein", sagte der Computer.
Naomi sah seufzend zu Kathryn und nickte kurz. Dann tippte Sie auf ihr Combadge und wiederholte den Befehl. Captain Terns, der alles mitbekommen hatte, runzelte erstaunt die Stirn, sagte vorerst jedoch nichts. Wenig später trafen die Gäste im Besprechungsraum ein. Die Brückenoffiziere hatten schon Platz genommen und Naomi bot den Gästen einen Sessel an.
"Captain", sagte Terns gleich zu Beginn, "bitte entschuldigen wenn ich so neugierig bin, aber sind sie vor kurzem an einem Nebel vorbeigekommen der ihr Schiff mit einem Blitz getroffen hat?"
Naomi blickte ihn überrascht an. "Allerdings", sagte sie dann.
"Und gehe ich vielleicht recht in der Annahme, entschuldigen Sie bitte, wenn ich das jetzt so direkt sage, aber dass in ihrem Körper eine andere Seele steckt? Sie sind gar nicht wirklich der Körper des Captains, nicht wahr?"
Stille trat ein und die Betroffenen schauten sich an. Dann sagte Naomi: "Das ist richtig. Ich bin zwar der Captain, aber mein Körper sitzt links von mir." Sie deutete auf Kathryn. Die Gesichtszüge des Maklam erhellten sich. "Das dachte ich mir schon, ich muß zugeben, ich war doch sehr überrascht so einen jungen Captain zu sehen."
"Sie kennen den Nebel?" fragte Tom.
"Ja, wir hatten auch schon einige Fälle von Körpertausch."
"Können Sie uns mehr darüber erzählen?" bat Naomi.
"Natürlich. Vor ein paar Jahren kam ein Forschungsschiff von uns an diesem Nebel vorbei. Es passierte vermutlich genau dasselbe, wie bei Ihnen, nämlich ein Blitz traf einen Teil des Schiffes und diejenigen, die sich unmittelbar in dieser Sektion aufhielten, hatten Verbrennungen und als sie aufwachten, waren sie in anderen Körpern. Unsere Ärzte haben alles mögliche versucht um die Seelen wieder zu tauschen, doch ohne Erfolg. Nach ein paar Tagen nahmen es die Betroffenen dann einfach hin, dass sie von jetzt an in einem anderen Körper lebten. Doch nach einer Woche bereits verschlimmerte sich ihr Zustand."
"Inwiefern?" fragte Tom dazwischen.
"Ihr Seelen gehörten einfach zu anderen Körpern, sie wurden langsam... verrückt."
Die Voyager-Offiziere starrten sich an. Der Maklam fuhr fort: "Natürlich verstärkten unsere Mediziner sofort ihr Bemühungen, die Seelen wieder in die richtigen Körper zu bekommen und als sie nicht mehr weiterwussten, gelang einer Expedition zu einem der Mini-Nachbarplaneten eine erstaunliche Entdeckung. Sie fanden ein Artefakt, das wir heute als "Totem-Ritus" kennen. Auf dem Artefakt waren Bilder eingraviert von Strichmännchen, die eindeutig einen Seelentausch erfuhren. Viel Zeit hatten wir nicht mehr um das Artefakt zu studieren. Unsere Leute waren fast schon dem Wahnsinn verfallen. Wir mussten etwas unternehmen. Also haben wir sie zu der Höhle mit dem Artefakt gebracht und als wir es aktivierten, konnten wir direkt den Wechsel der Seelen mit ansehen. Es war sagenhaft. Die Seelen wurden von dem Artefakt so lange getauscht, bis alle wieder in ihren eigenen Körpern steckten. Doch dann fanden wir noch etwas an dem Artefakt. Kurz nachdem der Seelentausch vollendet war, starb einer der Betroffenen. Das Artefakt braucht immer ein Opfer um zu funktionieren, so steht es eingraviert. Leider waren diese Bilder im Inneren verborgen, hätten wir das vorher gewusst... man hätte evt. Maßnahmen treffen können. Doch wenigstens waren die anderen wieder geheilt."
Die Offiziere schauten sich unbehaglich an. Dann fragte Naomi: "Würden Sie uns zu der Höhle mit dem Artefakt bringen?"
"Aber natürlich Captain. Ich werde sogar das Ärzteteam dorthin beordern, sie sollten sich mit ihren Ärzten austauschen."
"Vielen Dank. Tatsächlich haben wir nur einen Arzt an Bord, es ist ein Hologramm. Aber für einen Vorabbericht sind wir Ihnen sehr dankbar."
"Das ist das Mindeste was ich für Sie tun kann nachdem Sie solche Unannehmlichkeiten mit unseren Abtrünnigen hatten. Ihr Arzt könnte sogar schon sofort mit unsern Medizinern in Kontakt treten, unser Planet befindet sich noch in Kommunikationsreichweite."
"Janeway an..." Naomi unterbrach sich und seufzte. "Naomi Wildman an die Krankenstation, Doctor, wir öffnen einen Kanal für Sie mit der Heimatwelt der Maklam. Die dortigen Mediziner haben wichtige Informationen für sie."
"Verstanden Captain", antwortete das MHN. "Ich bin bereit."
Captain Terns setzte sich mit seinem Schiff in Verbindung und schon ein paar Minuten später meldete sich das MHN wieder, dass der Kontakt hergestellt sei und er Krankenberichte und Akteneinsicht bekommen habe und sie würden jetzt zusammen an einer Lösung arbeiten.
Naomi und Terns sahen zufrieden aus und nach einem kurzen Rundgang durch die Voyager ließen sich Captain Terns und sein erster Offizier wieder auf ihr eigenes Schiff beamen. Die Sicherheitsleite hatten bereits die Gefangenen überführt und diese schmorten nun in einer weniger gemütlichen Arrestzelle auf dem Maklam-Schiff. Captain Terns übermittelte der Voyager die Koordinaten des Planeten mit dem Artefakt und beide Schiffe setzten einen Kurs dorthin. Das Piratenschiff war von Captain Terns in Schlepptau genommen worden.

Nach einem Tag Flug erreichten sie den kleinen Planetoiden, wo das Artfakt stand. Das MHN hatte sich stundenlang mit den Maklam-Medizinern beraten und besonderes Augenmerk darauf gerichtet, woran der eine Maklam letztendlich gestorben war. Die Biochemie war von dem Artefakt geändert worden, die Ärzte waren aufgrund der Daten des Artefakts und der Betroffenen Personen zu der These gelangt, dass das Artefakt selber einen Katalysator darstellte, der nach erfolgreicher Reintegration der Seelen jedoch auch gereinigt werden mußte. So war ein zufälliger Transfer der "Reststoffe" in einen Körper erfolgt, die dessen Biochemie veränderten und schließlich zu einem multiplen Organversagen geführt hatten. Da er genug Daten über die genaue Art der Veränderung hatte, hatte das MHN gute Chancen dem Prozess entgegenzuwirken.
"Ich kann Ihnen nicht zu 100% versichern, dass es funktionieren wird, aber nach den Daten zu urteilen haben wir gute Chancen."
Naomi wiegte den Kopf nachdenklich. Ihr war eine absolute Zusage natürlich lieber, sie wollte keinen verlieren, aber sie wusste auch, dass der Tausch stattfinden MUSSTE, sonst würden sie alle sechs sterben. In dieser Angelegenheit blieb ihr gar nichts anderes übrig als ihr ganzes Vertrauen in die Fähigkeiten des Doctors zu setzen.
"Ich bin sicher, Sie schaffen das", meinte sie zu ihm und gab damit ihr Einverständnis. "Informieren Sie alle, dass es in einer Stunde losgeht. Ich bin in meinem Bereitschaftsraum... ich muß noch etwas erledigen", sagte sie leise und verließ die Krankenstation.
Auf dem Weg zu ihrem Raum tippte sie auf ihr Combadge: "Naomi Wildman an Mr. Paris, bitte kommen sie in meinen Raum."
"Ich bin unterwegs Captain", kam die prompte Antwort.
Wenig später warem Naomi und Tom im Raum des Captains. Naomi informierte ihren ersten Offizier über die Situation und erwähnte auch, dass der Doctor nicht absolut gewährleisten konnte, dass sie alle überlebten.
"So etwas wird niemals sicher sein", sagte Tom. "Und eine andere Wahl haben wir nicht. Sie haben richtig entschieden."
Naomi bedachte Tom mit einem ihrer seltenen privaten Lächeln, die nur für ihn bestimmt waren.
"Kathryn, bevor wir das durchziehen muss ich Dir noch etwas sagen", fing Tom verlegen an. Doch bevor er das aussprechen konnte, was er sagen wollte, hörte er Naomi sagen: "Ich liebe Dich, Chakotay."
Völlig verblüfft schaute er sie an und blickte in ein lächelndes Gesicht. Er konnte nicht glauben was er da gerade gehört hatte. "Dasselbe wollte ich Dir gerade sagen Kath", sagte er atemlos. Naomi legte ihm eine Hand an die Wange und strich über sein Gesicht. Tom wollte sie küssen, doch Naomi hielt ihn zurück. "Das sind nicht unsere Körper, Chakotay", meinte sie schmunzelnd. "Das wäre nicht richtig."
Tom strich ihr einfach nur über die Lippen. "Warum hast Du mir das nicht schon früher gesagt?"
Naomi senkte den Kopf und meinte dann: "Ach Chakotay, das ist nicht so einfach. Ich bin der Captain, die Vorschriften... und was würde die Crew denken?"
"Hey", Tom drückte ihr Kinn sanft nach oben, so dass sie ihn wieder ansah. "Meinst Du wirklich, dass Regeln, Vorschriften und ein Status Dir Liebe und Geborgenheit geben können?"
In Naomis Augen schimmerten Tränen. "Nein, aber ich kann auch nicht einfach den Captain vergessen. Die Crew und das Schiff braucht mich."
"Und das will Dir auch keiner wegnehmen. Aber was spricht dagegen, nach Dienstschluss den Captain auf der Brücke zu lassen? Meinst Du nicht, auch ein Captain verdient ein wenig Liebe?"
Naomi konnte ihn nur gerührt ansehen und dann nickte sie. "Ja, ich habe schon viel zu lange auf Dich gewartet. Und nun... könnte es vielleicht zu spät sein. Oh Chakotay!" rief sie und warf sich ihn um den Hals.
Tom nahm sie glücklich in den Arm und drückte sie fest. "Es wird alles gut werden Kath, das weiß ich. Unser MHN bekommt alles wieder hin."
Sie blieben noch eine ganze Weile einfach stehen, schmiegten sich aneinander bis Naomi sich von ihm löste, ihm noch einmal über die Wange strich und dann leise sagte: "Es ist Zeit."
Tom nickte und folgte ihr aus dem Bereitschaftsraum zum Transporterraum.

6 Decks weiter unten, im Holodeck, standen Kathryn und Chakotay in einem kleinen Pavillon in einem blühenden Garten.
"Ist es nicht wunderschön hier?" fragte Kathryn und strich mit den Fingern behutsam über eine große, lila Blüte.
"Wunderschön", pflichtete ihr Chakotay bei. Er stand hinter Kathryn und beobachtete sie. Er spürte, dass etwas nicht stimmte mit ihr. Sie wird Angst vor dem Ritual haben, Angst, dass sie stirbt, überlegte er. Auch ihm selber war es in der Magengegend etwas flau, was würde passieren, wenn Naomi oder er sterben würden? Er musste ihr doch noch etwas wichtiges sagen. In einer spontanen Eingebung umarmte er sie von hinten und war nicht wirklich überrascht, als er merkte, wie sie sich in seine Arme schmiegte. "Icheb, ich habe Angst, was ist wenn Du stirbst und das MHN kann Dich nicht retten? Ich glaube, das würde ich nicht verkraften."
Überrascht drehte sie Chakotay zu sich herum und sah ihr in die Augen. "Du hast Angst dass ich sterben könnte? Und ich habe mehr Angst davor, dass Du diejenige sein könntest. Naomi, ich liebe Dich und ich bedaure es zutiefst, dass ich erst jetzt den Mut gefunden habe Dir das zu sagen, aber... ich hatte Angst vor einer Zurückweisung."
Kathryn kamen die Tränen und dennoch mußte sie lachen. "Du Dummerle, hast Du gar nicht gemerkt dass ich immer nur deinetwegen in die Astrometrie gekommen bin? Oder warum ich so oft im Frachtraum angeblich etwas holen mußte? Nur, damit ich Dich sehen konnte Icheb."
Chakotays Gesichtszüge erhellten sich und er drückte Kathryn fest an sich. "Ich liebe Dich Naomi", sagte er nur noch einmal und hielt sie fest in seinen Armen.

Im Quartier von B'Elanna und Tom saß unterdessen eine sichtlich geschockte Halbklingonin auf dem Bett und versuchte zu begreifen, was Ayala ihr soeben enthüllt hatte.
"Und Du bist wirklich Tom?" fragte sie zum vierten Mal.
"B'Ela, ich weiß, es klingt total verrückt, aber unsere Seelen wurden getauscht. Aber keine Sorge, wenn das Totem-Ritus funktioniert, dann habe ich in ein paar Stunden meinen alten Körper wieder."
B'Elanna schaute Ayala an. "Und was ist, wenn etwas schief geht?" fragte sie.
Ayala lachte in einer typischen Tom Geste. "Es wird nichts schief gehen, glaub mir. Unser Doc ist auf alles vorbereitet, das Risiko ist minimal. Aber wenn wir es nicht tun, dann werden wir später über kurz oder lang sterben."
"Das ist doch verrückt!" rief B'Elanna ungläubig. Ayala kniete sich vor sie und sah ihr in die Augen. "Egal was passiert, ich will Dir einfach nur noch einmal sagen, wie sehr ich Dich liebe." Dann stand er wieder auf und ging zur Tür. Bevor sie sich schloß, drehte er sich noch einmal um und meinte: "Wir sehen uns nachher!" Dann war er weg. B'Elanna wäre liebend gerne mitgekommen, doch um Risiken zu vermeiden würden nur Kathryn, Chakotay, Tom, Ayala, Naomi, Icheb und das MHN runterbeamen. Ein Team der Maklam war schon vor Ort um das MHN im Notfall unterstützen zu können.
Die Gruppe traf sich vor dem Eingang der Höhle und dann gingen sie gemeinsam hinein. Nach etwas 100m kamen sie in eine große Kammer, in deren Mitte ein Steinaltar stand, darauf ein pyramidenförmiges Objekt, das ungefähr die Größe eines Padds hatte.
"Was müssen wir tun?" fragte Naomi. Captain Terns war ebenfalls anwesend und er antwortete: "Stellen Sie sich alle in einem Kreis um das Totem-Ritus herum hin. Wenn wir die Höhle verlassen haben, aktivieren sie es indem sie hier drauf drücken."
Er deutet auf ein kleines, eckiges Symbol an der oberen Spitze der Pyramide.
"Wenn sie alle ihre richtigen Körper wiederhaben, melden sie sich. Das Totem schließt sich außerdem noch automatisch. Bleiben sie alle so ruhig wie möglich stehen, es könnte etwas dauern."
"Ich bin auf alles vorbereitet Captain", sagte das MHN und deutete auf sein Medkit. "Die Voyager ist in stand-by, wir können umgehend einen Transport auf die Krankenstation initiieren."
"Danke Doctor", sagte Naomi. "Nun, sind alle so weit?" Naomi blickte dabei Tom an, dieser nickte. Kathryn berührte noch ein letztes mal sanft die Hand von Chakotay, dann positionierten sich alle sechs um das Artefakt.
"Viel Glück", meinte das MHN noch zum Abschied, und verließ dann mit Captain Terns und den Maklam-Ärzten die Höhle.
Naomi schaute ein letztes Mal in die Gesichter ihrer Crew, dann tippte sie auf ihr Combadge und sagte: "Naomi an den Doctor, wir sind bereit. Sind Sie alle draußen?"
"Aye Captain, Sie können anfangen."
"Verstanden. Naomi Ende."
"Dann mal los...", murmelte sie und aktivierte das Artefakt.
Ein Leuchten erschien in den Ecken und dann klappte das Artefakt langsam auseinander. Eine kleinere Pyramide, überhäuft mit den fremdartigsten Symbolen, wurde sichtbar. Die Gravuren fingen an nacheinander zu glühen und als alle Symbole aktiv waren, schossen sechs Strahlen aus dem Artefakt und hüllten die Crew in Lichttentakel ein. Alle blieben reglos stehen während das Artefakt anfing, Impulse über die Strahlen zu senden. Bald schon formten sich verschiedene Farben heraus und es wurde so hell, dass alle ihre Augen schließen mussten. Minutenlang pulsierten die Farben hin und her, schossen von einem Körper zum anderen, dann hörten die Impulse urplötzlich auf. Unmittelbar danach schossen sechs Farbstrahlen mit enormen Energiewellen auf die sechs zu und alle stöhnten auf, als sie einen sehr unangenehmen Druck im Kopf fühlten, der immer stärker wurde. Gerade als Naomi meinte, ihr Schädel müsse platzen zogen sich die Strahlen zurück und das Artefakt schloss sich wieder. Die Symbole wurden wieder dunkel und das Ritual war vorüber.
Vorsichtig öffneten alle die Augen und sahen dann an sich herab.
"Es hat geklappt!" rief Naomi, "ich bin wieder in meinem Körper!"
Bei allen hatte es funktioniert und seltsamerweise standen auch alle noch. Kathryn, endlich wieder in ihrem Körper, fühlte eine Erleichterung in sich aufsteigen als sie in die Runde blickte und meinte: "Vielleicht hat das Totem-Ritus dieses mal auf ein Opfer verzichtet!"
"Chakotay an den Doctor, Sie können wieder reinkommen. Alle sind wohlauf. Scheinbar sollte es heute keine Opfer geben."
"Ich hoffe es sehr Commander. Wir sind auf dem Weg zu Ihnen."
Chakotay drehte sich lächelnd zu Kathryn um. Sein Gesicht fror ein als Kathryn die Augen verdrehte und fiel. Blitzschnell fing Chakotay sie auf.
"Nein!" rief er entsetzt. "Bitte nicht. Doctor, beeilen Sie sich, es hat den Captain erwischt!"
Chakotay fühlte nach Kathryns Puls, doch da war nichts. Sie war tot. Sofort war Tom neben ihm und beide fingen mit Wiederbelebungsmaßnahmen an. Tom übernahm die Herzmassage, während Chakotay sich um Kathryns Atmung kümmerte. Eine kleine Ewigkeit schien vergangen zu sein, als sie endlich Stimmen hörten und das MHN sahen.
"Treten Sie bitte zur Seite", sagte das MHN und klappte sein Medkit auf. Der Tricorder verriet ihm, dass genau das passiert war, was auch in den Akten stand. Die Biochemie vom Captain war zerstört und die Organe versagten.
Chakotay und Tom waren einen Schritt nach hinten getreten und sahen dem MHN und den anderen Maklam-Ärzten bei ihrem Rettungsversuch zu.
Das MHN injizierte Kathryn Trianolin und legte sie mit Hilfe der Maklam auf eine Trage. Im Eilschritt trugen sie den Captain aus der Höhle hinaus und wurden, kaum dass die den Eingang verlassen hatten, sofort auf die Voyager gebeamt.
Chakotay und die anderen waren nach draußen gefolgt und obwohl er unbedingt zu Kathryn wollte, verabschiedete er sich noch formal von Captain Terns und seinen Leuten und dankte Ihnen noch einmal für Ihre Hilfe. Captain Terns hatte neue Einsatzbefehle bekommen und musste daher weg, doch er hatte natürlich angeboten, einen Comkanal zur Voyager offen zu halten, damit die Maklam-Ärzte das MHN noch notfalls unterstützen konnten.
Als Captain Terns weg war, ließen sich die restlichen drei Offiziere mit Naomi und Icheb wieder auf die Voyager beamen.
"Ich bin auf der Krankenstation", sagte Chakotay tonlos und verließ den Transporterraum. Die anderen sahen sich betreten an und während Tom ins sein und B'Elannas Quartier ging um ihr zu sagen, dass alles okay war, machte sich Ayala wieder auf den Weg zu seiner Station, Naomi und Icheb beschlossen, Naomis Quartier aufzusuchen.
Dort angekommen orderte Naomi Getränke für sie beide und dann setzen sie sich nebeneinander auf die Couch.
"Ich hoffe, sie schafft es", sagte Naomi leise. Sie hing sehr an Captain Janeway und eine der größten Ängste von ihr war schon immer, dass nach ihrer Mutter auch noch Captain Janeway sterben könnte. Icheb legte einen Arm um ihre Schultern und zog sie zu sich heran. Sanft küsste er sie auf die Stirn und sie legte ihren Kopf an seine Schulter. Jetzt konnten sie nur noch warten.

Chakotay hatte die Krankenstation erreicht und trat dann bangen Herzens ein. Auf dem hinteren Biobett lag Kathryn, die chirurgischen Rahmen waren hochgefahren und das MHN beugte sich gerade über sie.
"Doctor?" fragte Chakotay angsterfüllt. Ohne seine Arbeit zu unterbrechen sagte das MHN nur: "Ihr Herz schlägt wieder, allerdings nur durch den Kardiostimulator. Ich kann noch nicht sagen, ob sie durchkommt."
Chakotay war, als würde sämtliche Wärme aus seinem Körper entweichen. Kathryn tot? Das durfte nicht sein! Chakotay trat näher heran und sah auf das aschgraue Gesicht seines Captains und der Frau, die er liebte. Das MHN sah ihn kurz an und meinte dann: "Commander, bitte verlassen Sie jetzt die Krankenstation. Ich melde mich umgehen bei Ihnen, sobald ich hier fertig bin."
"Ja Doctor", kam es Chakotay leise über die Lippen. Dann drehte er sich um und ging auf die Brücke. Als er oben ankam schauten ihn die Brückenoffiziere fragend an. Sie wussten über die Situation bescheid und hofften nun, ihr Commander würde sagen "Alles in Ordnung", doch das tat er nicht. Er stand mit versteinerter Miene vor dem Turbolift, schaut sie alle an und schüttelte dann fast unmerklich den Kopf.
Kim wagte dann die Stille zu durchbrechen. "Commander? Ist der Captain... tot?"
Chakotay schaute ihn an und sagte dann gefasst: "Ja Harry, sie ist tot. Aber der Doctor versucht noch zu wiederzubeleben. Ihr Herz schlägt künstlich weiter, er weiß nicht, ob sie es schafft."
Harry stand die Fassungslosigkeit ins Gesicht geschrieben, ebenso den anderen.
"Ich bin im Bereitschaftsraum des Captains", sagte Chakotay plötzlich und verschwand. Die Offiziere wandten sich wieder ihren Stationen zu, aber alle waren bedrückt und keiner sagte mehr etwas.
Chakotay hatte sich in Kathryns Sessel gesetzt. Ihre Lieblingskaffeetasse stand immer noch an ihrem Platz und wartete auf ihren Besitzer. Chakotay nahm sie vorsichtig in die Hand und strich über ihren Rand. Wie oft war er in den Bereitschaftsraum gekommen und hatte Kathryn mit ihrer Tasse in der Hand vor ihm sitzen sehen? Und jetzt wurde es vielleicht eine einsame Tasse ohne Besitzer... nein, schalt sich Chakotay, sie wird es schaffen... sie MUSS einfach. Resolut stellte er die Tasse wieder auf ihren Platz und schaltet den Computer ein. Doch er konnte sich einfach nicht auf seine Arbeit konzentrieren. Seine Gedanken galten ausschließlich seinem Captain. Die nächsten Stunden wurden die längsten seines Lebens meinte er. Jede Sekunde erwartete er, die Stimme des MHN zu hören. Seine Nerven waren auf das äußerste gespannt. Mehrmals war er versucht selber auf sein Combadge zu drücken und nach Kathryn zu fragen, aber er wusste, dass er damit den Doctor nur von seiner Arbeit abhalten würde. Er musste warten. Und endlich, nach fast drei Stunden zuckte Chakotay regelrecht zusammen als er das MHN hörte.
"Krankenstation an Commander Chakotay, würden Sie bitte herkommen?"
"Ich bin gleich da Doctor", antwortete er, schloß den Kanal und erreichte Minuten später die Türen der Krankenstation. Sein Herz klopfte wie wild und in seinem Magen schienen 1000 Schmetterlinge zu fliegen. Die Türen glitten auf und er trat ein. Das Licht war gedämmt und das MHN stand beim Captain hinten, die immer noch unter den chirurgischen Rahmen lag. Als das MHN hörte, wie die Türen sich öffneten, drehte er sich um und gab Chakotay zu verstehen, er solle in sein Büro gehen. Kurz darauf saßen sich beiden gegenüber und Chakotay mußte sich arg überwinden um zu fragen: "Wie steht es um sie, Doctor?"
Das MHN blickte Chakotay ernst an, doch dann umspielte ein leichtes Lächeln seine Lippen. "Sie kommt durch, die Schäden waren auf den ersten Blick schlimmer, als sie es tatsächlich waren."
Chakotay war es, als würde er gerade selber von den Toten auferstehen, so erleichtert war er. "Gott sei dank", sagte er und schaute das MHN dankbar an. "Danke Doctor, ich weiß nicht was passiert wäre, wenn wir den Captain verloren hätten."
"Danken Sie nicht nur mir, danken Sie vor allem den Maklam. Hätten Sie mir nicht die medizinischen Unterlagen zur Verfügung gestellt und ich nicht gewußt hätte, was passieren kann, dann wäre es vermutlich zu spät gewesen."
Chakotay nickte. Er würde sich auf jeden Fall noch einmal bei Captain Terns melden.
"Darf ich zu ihr?" fragte er dann das MHN.
Der Doctor schmunzelte. "Na gut, aber nur für ein paar Minuten", meinte er und stand auf. Chakotay folgte ihm. Als er Kathryn sah, wurden seine Augen feucht. Sie war unglaublich blass und immer noch bewusstlos. Er strich ihr über die Haare und machte dann Platz für das MHN, das ein Hypospray in der Hand hatte. Er drückte es Kathryn an den Hals und zog sich dann ein paar Schritte zurück.
Chakotay hätte gerne ihre Hand gehalten, aber da sie unter den chirurgischen Rahmen lag war das nicht möglich. Also begnügte er sich damit, ihr ein strahlendes Lächeln zu schenken und seine Hand an ihre Wange zu legen als sie erwachte.
Kathryn brauchte einen Moment um zu realisieren, wo sie war. Dann sah sie Chakotay über sich und flüsterte: "Doch ein Opfer?"
Chakotay nickte. "Du warst tot, der Doctor hat dich aber reanimieren können, aber... er war nicht sicher ob du es schaffst. Du hast es schon wieder getan Kathryn, Du hättest mich fast allein gelassen!"
Zu Kathryns Bestürzung sah sie, dass in Chakotays Augen Tränen funkelten. Sie versuchte zu lächeln. "Hey, ich bin wieder da. Und ich lasse Dich nie mehr allein, das verspreche ich Dir."
Chakotay streichelte mit beiden Händen ihr Gesicht und ihre Haare, dann beugte er sich zu ihr herunter und küsste sie.
"Nie wieder Kathryn, lass mich nie wieder allein. Du hast es versprochen."
"Ich liebe Dich", hauchte sie nur zur Antwort.
"Ich Dich auch", erwiderte Chakotay und küsste sie noch einmal. Dann fühlte er die Hand des MHN auf seiner Schulter und drehte sich um.
"Ich muß Sie jetzt bitte zu gehen Commander, meine Patientin braucht noch viel Ruhe, aber Sie dürfen morgen noch einmal wiederkommen."
Chakotay nickte, sah noch einmal zu Kathryn herunter und meinte: "Du hast den Mann gehört Kath, aber ich komme morgen wieder. Erhol Dich gut." Er strich ihr noch einmal über die Wange, dann trat er beiseite bis Kathryn durch eine Dosis Melorazine wieder einschlief. Er war einfach glücklich in diesem Moment. Er hatte Kathryn nicht verloren und würde es nie wieder.

Einige Wochen später wurde der Captain wieder aus der Krankenstation entlassen. Chakotay holte sie natürlich ab und obwohl sie wieder hergestellt war, hatte das MHN ihr noch zwei Tage Ruhe in ihrem Quartier verordnet. Eine Überraschung wartete auf sie, als sie in ihr Quartier trat.
"Chakotay!" rief sie und war ganz überwältigt von den hunderten Rosenblättern, die überall in ihrem Quartier, besonders auf dem Bett, verstreut waren und den unzähligen Teelichtern, die überall brannten.
Chakotay zog sie ins Quartier herein und fragte dann: "Vertraust Du mir?"
Kathryn antwortete ohne zu zögern: "Haltlos."
"Gut", meinte er und zog ein schwarzes Seidentuch hervor, mit dem er Kathryn die Augen verband. Kathryn ließ es sich gefallen und mußte lachen. "Jetzt bin ich aber wirklich neugierig Chakotay", meinte sie, wartet aber gehorsam an der Stelle, wo sie war. Nach kurzer Zeit wurde sie von Chakotay an den Händen genommen und er führte sie langsam durch das Quartier und setzte sie dann auf einen Sessel.
Das Tuch wurde ihr abgenommen und dann kniete Chakotay vor ihr nieder und hielt ihr ein kleines, schwarzes Schmuckkästchen hin.
Kathryns Herz schlug schneller als sie es nahm und öffnete. Ungläubig schaute sie Chakotay an und eine grenzenlose Freude stand ihr ins Gesicht geschrieben.
"Chakotay! Ist es das, was ich denke?" rief sie und fiel ihn um den Hals.
"Ich denke schon", meinte er lachend und drückte sie dann von sich weg. "Möchtest Du wirklich?" fragte er.
"Tief in mir hatte ich es mir immer so gewünscht, aber Du weißt ja, der Captain und so weiter..."
"Jetzt ist es eh zu spät Kath, weil er schon hier ist." Dann langte Chakotay um den Sessel herum, auf dem Kathryn saß und hielt ihr einen Irish Setter Welpen hin.
"Oh, komm her mein Kleiner", sagte Kathryn schon unsterblich verliebt in den kleinen Hund und Chakotay holte das Hundehalsband aus der Schmuckkiste und band es ihm um.
"Den Namen darfst Du Dir natürlich aussuchen, deshalb habe ich auf dem Medaillon noch nichts eingraviert. Und es ist ein Mädchen", fügte er hinzu.
"Aber wie hast Du das gemacht?" fragte sie noch völlig fassungslos. Sie hatte den kleinen auf ihrem Arm und der Hund leckte ihr liebevoll das Gesicht ab.
"Sagen wir, ich hatte etwas Hilfe von einem Arzt, einem Verrückten namens Tom, einem Genetikexperten und einer Borg." Kathryn konnte ihr Glück noch gar nicht fassen. Die hatte fast ihre Mollie wieder und diesmal würde auf einem gemeinsamen Foto neben ihr auch der richtige Mann mit drauf sein. Kathryn hielt den Welpen etwas zur Seite, beugte sich zu Chakotay und sagte: "Ich liebe Dich mehr als alles im Universum Chakotay." Dann küssten sie sich hingebungsvoll, während der Hund nun beiden die Gesichter abschlabberte.

ENDE