Prolog

"Ob es diesmal endlich gelingt? Meint ihr, wir müssen zu so drastischen Maßnahmen greifen, daß es nötig ist, sie sogar hierher zu bringen?"
"Du hast doch gemerkt, daß sie es anders anscheinend nie kapieren."
"Ich muß ihr zustimmen. Wir haben schon alles versucht, das hier ist die letzte Möglichkeit."
"Also gut, wenn ihr meint... hat auch was gutes, dann kann ich endlich mal wieder...na, ihr wißt schon."
"Schon klar, muß ja auch mal wieder sein. Ihr wißt alle, was ihr zu tun habt? Gut. Ich kümmere mich dann um das Portal. Wir treffen uns hier wieder nach erfolgreichem Abschluß der Mission und denkt dran - weiht alle ein, damit es auch klappt."
"Hihihi.... na, die werden begeistert mitmachen, schließlich ist es schon so lange her, seit der guten, alten Zeit.... ähm, Tschuldigung, ich meine ja nur..."
"Schon gut, es war manchmal wirklich schön. Okay, legen wir los."

Kapitel 1

"Mr. Kim? Was sagen die Sensoren?" Kathryn drehte den Kopf zu dem jungen Fähnrich, der gerade eilig auf die Buttons tippte um dem Captain einige Fakten über den kleinen Klasse -M Planeten sagen zu können.
"Es scheint ein unbewohnter Planet zu sein Captain. Die Sensoren können nur Pflanzen und einige kleine Tiere orten, ansonsten ist dort nichts. Moment, das ist merkwürdig..." Kim unterbrach sich im Satz und seine Finger flogen erneut über die Schalttafel.
Kathryn war neugierig aufgestanden und näherte sich Kims Station. "Was ist los?" fragte sie und stand schon neben Harry um ihm über die Schulter zu blicken.
"Ich kann nur bis 500m unter der Erdoberfläche scannen, dann werden die Sensoren irgendwie abgelenkt und reflektiert. Ich kann nicht sagen, was sich tiefer befindet."
"Mr. Tuvok?" fragte Chakotay in die Richtung des taktischen Offiziers.
Tuvok hob eine Augenbraue und stellte dann fest: "Die gesamte Landmasse ist von einem Material untersetzt, das unsere Sensoren nicht durchdringen können."
Kathryn ging wieder auf ihren Platz und sagte im Laufen: "Das wäre ein schöner Planet um Landurlaub machen zu können. Wir schicken zuerst ein Außenteam runter und überprüfen, was es mit diesem Material auf sich hat. Chakotay, Tom, sie begleiten mich. Janeway an Torres - kommen Sie in Transporterraum 1."
"Bin unterwegs." antwortete B'Elanna.
"Captain, dürfte ich...." begann Tuvok, doch Janeway unterbrach ihn, indem sie eine Hand hob und lächelte. "Ich weiß schon Tuvok, Sie möchten nicht, daß ich das Außenteam begleite, aber bisher konnten die Sensoren nichts bedrohendes entdecken und ich nehme nicht an, daß uns von einer fremden Substanz unmittelbare Gefahr droht."
Tuvok zog beide Augenbrauen in die Höhe und meinte: "Dann lassen Sie sich wenigstens von zwei Sicherheitsleuten begeleiten."
Janeway überdachte den Vorschlag einen Moment, dann nickte sie. "In Ordnung, wenn Sie sich dadurch besser fühlen... schicken Sie zwei Ihrer Leute in den Transporterraum."
"Captain, Vulkanier 'fühlen' nicht, mein Vorschlag basiert auf einer logischen Überlegung."
Tom mußte sich ein Grinsen verkneifen, denn für ihn klang Tuvok schon fast beleidigt.
Auch Janeway und Chakotay mußten grinsen. "Natürlich Mr. Tuvok." sagte Janeway versöhnlich und gefolgt von Chakotay und Tom ging sie zum Turbolift. Bevor die Türen sich schlossen war noch ein "Sie haben die Brücke Tuvok." zu hören.
Tuvok stellte fest, daß er momentan keine Augenbraue mehr zum Hochziehen frei hatte und so entspannte er seine Gesichtszüge, tippte auf seinen Communicator und sagte: "Lt. Ayala und Mr. McKenzie, begeben sie sich in den Transporterraum 1."

5 Minuten später schimmerten 6 Lichtsäulen auf der Oberfläche des Planeten. Die Landegruppe war auf einer großen Wiese materialisiert.
Kathryn, B'Elanna, Chakotay und Tom klappten ihre Tricorder auf, während Ayala und McKenzie ihre Phaser schußbereit hielten und sich mit wachen Augen umsahen.
"Am besten wir trennen uns. Tom, B'Elanna - sie beide gehen in die Richtung und Chakotay und ich werden in diese Richtung gehen." Sie deutete dabei jeweils in die gemeinten Richtungen.
"Mr. McKenzie, Sie begleiten die Lieutenants Paris und Torres und Mr. Ayala wird uns begleiten. In zwei Stunden treffen wir uns hier wieder."
Alle nickten zur Bestätigung und liefen dann in zwei Gruppen in entgegengesetzte Richtungen. Ayala mißtraute diesem Planeten und er hatte eine böse Vorahnung, daß gleich etwas passieren würde. Er konnte es sich gar nicht erklären. Daher hielt er sich einige Schritte hinter dem Captain und dem ersten Offizier auf und suchte systematisch die Umgebung mit den Augen ab. Als er wieder nach vorne blickte, waren der Captain und der Commander verschwunden.
Überrascht riß er die Augen auf, blickte schnell in alle Richtungen, konnte in einiger Entfernung aber nur noch die andere Gruppe ausmachen. Sofort riß er seinen Phaser hoch, behielt die Umgebung im Auge und tippte auf seinen Communicator. "Ayala an Gruppe 2."
"Paris hier, was gibt's?"
"Lieutenant, der Captain und der Commander sind verschwunden."
"Was????" rief Tom und Ayala konnte sehen, wir die Gruppe kehrt machte und auf ihn zulief. Es dauerte nicht lange und die drei waren bei ihm. B'Elanna scannte schon die Umgebung nach zwei menschlichen Lebenszeichen, doch der Tricorder zeigte nichts an.
Ayala erklärte kurz, was geschehen war und Tom öffnete einen Kanal zur Voyager um einen Lagebericht zu geben. Doch auch vom Schiff aus konnte keiner etwas von den beiden vermißten Offizieren entdecken. Tuvok orderte das Außenteam wieder auf die Voyager um zu verhindern, daß diese vielleicht auch noch verschwinden würden.
Dann lief an Bord eine große Suchaktion an.

Kapitel 2

Chakotay und Kathryn staunten nicht schlecht, als sie für den Bruchteil einer Sekunde plötzlich eine Flackern umgab und sie dann nicht mehr die Wiese vor sich hatten, sondern sich in einer Höhle befanden. Beide drehten sich um und sahen ebenfalls nur Felswände. "Was ist passiert?" fragte Chakotay und versuchte über den Communicator jemanden zu erreichen. Doch es war nur statisches Rauschen zu hören.
Kathryn scannte derweil die Umgebung und meinte: "Es scheint, wir sind durch eine Art Portal gelaufen, daß uns an diesen Ort transportiert hat. Ich kann sowohl eine ähnliche Art unserer Transporteremissionen nachweisen als auch... hm..." Kathryn zog die Stirn kraus. Chakotay blickte sie besorgt an. "Was ist los Captain?"
Kathryn sah ihn nun entgeistert an: "...außerdem empfange ich noch Chronoton Partikel. Die Frage ist nicht nur, wo wir sind, sondern auch wann wir sind."
Beide schwiegen einen Moment, dann meinte Chakotay: "Vielleicht sollten wir es herausfinden gehen." und deutete in Richtung eines hellen Lichtes in einiger Entfernung.
Kathryn nickte ihm zu und beide gingen auf das Licht zu.

Sie waren ungefähr 20 Minuten unterwegs als sie merkten, daß sie sich dem Ausgang näherten. Sie traten in ein Waldgebiet und Kathryn öffnete abermals ihren Tricorder.
"Ich kann verschiedene Lebensformen scannen Chakotay!" stellte sie fest. Entweder wurden wir sowohl durch Zeit als auch Raum geschickt oder nur durch die Zeit und an einen anderen Ort auf dem Planeten."
"Captain!" flüsterte Chakotay auf einmal und deutet mit dem Finger in ein nahes Gebüsch. Etwas bewegte sich dort. Beide zogen ihre Phaser und richteten sie auf das Gebüsch. Aus ihm heraus trat ein Wolf. Als er die beiden Menschen sah, blieb er stehen und sah sie an. Chakotay ging in die Hocke und betrachtete das Tier. Kathryn hockte sich neben ihn und sagte leise: "Glauben Sie, er würde uns angreifen?"
Chakotay schüttelte den Kopf. "Nur, wenn wir ihn reizen würden. Aber ich denke gerade über etwa ganz anderes nach. Captain, das hier ist ein Wolf! Wölfe gibt es doch nur auf der Erde!"
Kathryn öffnete leicht den Mund. *Natürlich, Chakotay hat Recht. Wo zum Teufel sind wir?*
Der Wolf kam etwas näher und setzte sich ungefähr 3 m von den beiden entfernt hin. Seine Augen waren noch immer auf Chakotay fixiert. Dann räusperte er sich und sagte: "Verzeihen Sie bitte meine Herrschaften, aber haben sie vielleicht ein kleines Mädchen hier irgendwo gesehen?"
Chakotay und Kathryn fielen fast um vor Schreck. Kathryn sah Chakotay zweifelnd an: "Chakotay, haben... haben Sie den Wolf auch gerade sprechen gehört?"
Chakotay hatte die Augen aufgerissen und nickte nur. "Sie.. Sie haben es also auch gehört?"
Die beiden bekamen den Mund gar nicht mehr zu, während der Wolf noch einen Meter näher kam und erstaunt fragte: "Verzeihen Sie, aber haben Sie noch nie einen sprechenden Wolf getroffen?"
Kathryn und Chakotay schüttelten unisono die Köpfe. Der Wolf leckte sich verlegen an einer Pfote und meinte dann: "Oh, dann sind Sie wohl neu hier. Nichts für ungut. Sollten Sie ein kleines Mädchen mit einer roten Kappe treffen - Sie haben mich nicht gesehen, okay?" Damit drehte sich der Wolf um und verschwand wieder im Gebüsch.
Kathryn und Chakotay starrten ihm nach. Kathryn fand als erste die Sprache wieder: "Ich glaube, ich träume."
"Dann sind wir schon zwei." fügte Chakotay hinzu. "Vielleicht ein Zufall. Denken Sie an die Sivaoaner, das sind für uns große Katzen, die sprechen können. Vielleicht ist es hier etwas ähnliches, nur daß es statt Katzen Wölfe sind."
"Vielleicht. Lassen Sie uns weitergehen und nach mehr Anhaltspunkten für ihre Theorie suchen."
"Einverstanden. Kommen Sie, dort hinten ist es heller, vielleicht kommen wir dort aus dem Wald heraus."
Die beiden liefen in die von Chakotay angegebene Richtung und kamen tatsächlich wenig später auf einen Weg, der aus dem Wald heraus führte. Bis dahin war der Wolf das einzige Lebewesen, das sie getroffen hatten, doch an einer Wegkreuzung änderte sich dies. Etwas im lichten Wald verborgen konnte Chakotay ein kleines Häuschen ausmachen. Er machte Kathryn drauf aufmerksam und beide gingen näher. Von der anderen Seite sahen sie auf einmal, wie sich ein Reh näherte. Chakotay zog Kathryn hinter einen breiten Stamm um zu beobachten. Das Reh schien verletzt zu sein und humpelte bis zur Tür. Dort kratzte es und rief: "Mein Schwesterlein, laß mich herein!"
Chakotay und Kathryn fiel die Kinnlade herunter. Die Tür von dem Häuschen öffnete sich und das Reh trat ein. Nur Sekunden später, Kathryn und Chakotay wollten gerade hinter dem Baum hervortreten, hörten sie lautes Hufgeklapper und an ihnen vorbei jagten Sekunden später ein Trupp Reiter, die sich immer wieder umdrehten. In etwa 100m Entfernung konnten die beiden dann die Verfolger sehen. Es schienen eindeutig Menschen zu sein. Der Anführer der Verfolger rief einigen zu: "Gruppe 2 nach links, wir kreisen sie ein! Und vergeßt nicht, der Sheriff von Nottingham will die Rebellen lebend!"
Die Reiter verteilten sich und bald waren Kathryn und Chakotay nur noch von aufgewirbeltem Sand umgeben. Als sich der Sand etwas gelegt hatte, war von den Reitern nichts mehr zu sehen und die beiden Offiziere husteten und klopften sich die Unformen ab.
"Chakotay, kneifen Sie mich." sagte Kathryn kopfschüttelnd.
"Au, nicht so doll!" rief sie, nachdem Chakotay sie in den Arm gezwackt hatte.
"Entschuldigung, aber das beweist eindeutig, daß wir nicht träumen." meinte er.
"Ich glaub's nicht, wo sind wir denn um Himmel Willen? Ein sprechender Wolf, der nach einem Mädchen sucht, ein Reh, das an eine Tür kratzt und auch spricht, ein Sheriff von Nottingham, der jemanden lebend will - Chakotay, das hört sich an wie ein schlechter Traum!" sagte Kathryn entrüstet.
Chakotay antwortete nicht. Er rieb sich gerade mit der Hand am Kinn und sah sehr nachdenklich aus. "Chakotay?" fragte Kathryn.
"Hm... nicht wie ein Traum, eher wie ein Märchen!" sagte er auf einmal.
"Wie bitte?"
"Natürlich. Kathryn, denken Sie mal nach, ein sprechender Wolf, der ein Mädchen mit einer roten Kappe sucht, erinnert Sie das nicht an etwas?"
Kathryn überlegte einen Moment, doch dann erhellten sich ihre Gesichtszüge. "Natürlich! Rotkäppchen, die Gebrüder Grimm! Chakotay, denken Sie auch, was ich denke?"
"Allerdings. Wie scheinen in der Fabel- und Fantasywelt gelandet zu sein! Das Reh war das Reh aus "Brüderchen und Schwesterchen" und an uns vorbei ritten wohl gerade Robin Hood und sein Gefolge! Das würde alles erklären."
"Chakotay, das ist... das ist einfach unglaublich! Kommen Sie, ich möchte wissen, wie wir hierher kamen. Der Wolf fragte doch, ob wir 'neu' seien, anscheinend sind wir nicht die ersten Besucher. Irgend jemand muß wissen, wie wir wieder zurück kommen."
Das klang plausibel und so machten sich die beiden Offiziere auf den Weg.

Kapitel 3

Nach einem recht langen Fußmarsch, auf dem ihnen unterwegs noch das häßliche Entlein begegnet war, das sich jetzt bei einer Eule in Therapie befand, kamen sie an ein großes Stadttor. Am Eingang standen zwei Wachen mit Hellebarden in der Hand. Sie rührten sich nicht, doch gerade als Kathryn und Chakotay durch das Tor treten wollten, kreuzten die Wachen ihre Waffen vor den beiden und versperrten so den Durchgang.
"Halt! Wohin des Wegs!" rief der eine.
Kathryn wich einen Schritt zurück. "Verzeihung, wir wollten uns nur in der Stadt etwas umsehen."
Die Wachen musterte die beiden Fremden von oben bis unten. "Solche Leute wie Sie habe ich noch nie gesehen, vor allen Dingen tragen Sie solch merkwürdige Gewänder. Aber wenn Ihre Absichten friedlich sind..."
"Das sind sie." versicherte Chakotay.
Die Wachen sahen sich an und ließen die beiden dann aber passieren. Kathryn und Chakotay waren schon einige Schritte entfernt, als der eine Wachmann dem anderen zuflüsterte: "Hast Du schon mal eine Frau in Hosen gesehen? Widerlich...."
Der andere seufzte. "Tja, das ist wohl der Fortschritt. Paß nur auf, eines Tages gehen die Frauen auch noch arbeiten."

Kathryn und Chakotay hatten die letzten Sätze der beiden Wachmänner nicht mehr gehört, sie waren schon ein Stück die Straße hinunter gelaufen und konnten nur staunen. Die Stadt war in einem rosa Farbton gebaut und durch die Luft wirbelten ununterbrochen die herrlichsten Blüten.
"Sehen Sie nur Chakotay, die Bewohner schienen sich auf ein großes Fest vorzubereiten." sagte Kathryn und betrachtete die Leute, die emsig hin und her liefen und Girlanden an ihren Häusern anbrachten, die Wege fegten, prachtvolle Blumenkübel aufstellten und ihre Häuser auf Vordermann brachten. Chakotay nickte zustimmend. Plötzlich zog etwas von hinten an seiner Uniform und Chakotay drehte sich um. Vor ihm stand ein kleines Mädchen, das wie ein Engel aussah. Auf ihrem Rücken hatte sie zwei Flügel und auf dem Kopf einen goldenen Kranz. Ihr schneeweißes Kleid glitzerte als sei es aus Gold und um das Mädchen herum tanzten kleine goldene Funken. Kathryn, die bemerkt hatte, wie Chakotay sich umdrehte, blieb ebenfalls stehen.
"Willkommen in Kußstadt." wurden sie begrüßt. "Auf Euch wird ein Unglück zukommen, das sie später aber in großes Glück wandeln wird." Zu Kathryn gewandt sagte sie: "Achte auf spitze Gegenstände, sie können Dir zum Verhängnis werden." Zu Chakotay sagte sie: "Und Du sei fest im Glauben, sonst kannst Du sie nicht retten."
Kathryn und Chakotay sahen das Mädchen verwirrt an und bevor sie noch fragen konnten, was sie damit meinte, war der kleine Engel auch schon verschwunden.
"Was war das denn?" fragte Kathryn und sah dem Kind kopfschüttelnd hinterher.
"...sonst kannst Du sie nicht retten?" murmelte Chakotay vor sich hin. "Wen bloß? Und woher will sie das wissen?" Er war reichlich verwirrt. "Keine Ahnung, was das sollte. Kommen Sie, wir sollten weitergehen und herausfinden, was hier los ist."
"Einverstanden." stimmte Kathryn zu und beide liefen weiter.
Hinter ihnen hörten sie auf einmal Fanfarenstöße, die allerdings noch etwas weiter entfernt klangen. Die Menschen (und anderen Geschöpfe) um sie herum brachen auf einmal in freudiges Gejubel aus, stellten sich rechts und links an den Wegrand und bildeten somit ein breites Spalier. Kathryn und Chakotay gingen auch an den Wegrand und hielten sich etwas weiter hinten in der Menge. Nur wenige Minuten später kam ein Gefolge mit einer goldenen Kutsche vorbei. Aus dem Fenster der Kutsche winkte der Menge auf der einen Seite eine Frau zu, die königliche Gewänder trug, auf der anderen Seite saß ein ebenso angezogener Mann.
Die Menschenmenge schrie, warf mit Blumen und verbeugte sich ehrfürchtig.
Als die das Gefolge vorbei war, verteilten sich auch die Leute wieder und gingen wieder dem nach, was sie eigentlich tun wollten.
"Möchte wissen, wer das gewesen ist." wisperte Kathryn Chakotay zu.
"Ich wette, die Bewohner des Schlosses dort." sagte Chakotay ehrfürchtig und deutete in eine Richtung. Kathryn wandte ihren Kopf in die Richtung, in die Chakotay deutete und brachte nichts weiter als ein gehauchtes "ooh" heraus. Das Schloß war, gelinde gesagt, einfach ein Märchenschloß und die beiden Offiziere hatte es deshalb noch nicht gesehen, weil es bisher durch die Häuser verdeckt gewesen war. Doch die Menschenmenge hatte sie bei der Durchfahrt der Kutsche weiter um eine Ecke gedrängt und von hier hatte man einen herrlichen Blick auf die Landschaft und somit auch das Schloß, das auf einem Hügel gebaut war.
"Ich möchte ja nicht unhöflich erscheinen," ertönte plötzlich eine Stimme hinter ihnen, "aber wollen sie wirklich in diesen merkwürdigen Gewändern auf das Fest heute Abend gehen?" Kathryn und Chakotay wirbelten herum und sahen vor sich eine ältere Frau stehen, die sie etwas fragend musterte.
"Nichts für ungut, aber ich habe noch nie eine Frau gesehen, die Hosen trägt." redete die Alte weiter.
Chakotay und Kathryn sahen verlegen an sich herunter. *Wie wahr, unsere Uniformen passen nicht wirklich hierher.* dachte Chakotay.
"Wir haben leider nichts anderes zum anziehen." sagte Kathryn mit einem entschuldigenden Lächeln.
"Aber auf das Fest heute Abend werden sie so nicht eingelassen. Kommen Sie, ich kann ihnen helfen." und schon hatte die Frau sanft Kathryns Hand genommen und zog sie mit sich. "Ehm, das ist wirklich sehr nett gute Frau, aber das ist wirklich nicht nötig. Wir werden die Stadt bald wieder verlassen." sagte Kathryn.
"Ach Unsinn, Sie wollen mir doch nicht erzählen, daß sie die Feierlichkeiten zur Geburt unserer kleinen Prinzessin missen möchten. Das wäre ein ungeheurer Affront gegen den König und die Königin. Außerdem würden sie die Wachen am Tor vor dem morgigen Tag eh nicht mehr herauslassen. Alle Leute kommen hierher um der Feier beizuwohnen, niemand verläßt die Stadt! Also kommen Sie."
Kathryn sah ein wenig hilflos zu Chakotay, doch dieser hob zog nur die Augenbrauen hoch und lächelte entschuldigend. Anscheinend blieb ihnen keine andere Wahl, als dorthin zu gehen. Die Alte führte sie zu einem kleinen Häuschen etwas abseits der Hauptstraßen und bat sie herein. Sie bot den beiden einen Stuhl an und Kathryn und Chakotay setzten sich dankend. In der Hütte brannte ein kleines Feuer, auf dem Tisch lagen verschiedene Blumen, die offenbar noch nicht zur Dekoration umfunktioniert wurden und auf zwei Regalen stand etwas Geschirr. Die Frau war in einem hinteren Teil der Hütte verschwunden und kam nun mit einem Bündel Stoff zurück, das sie vor die beiden Offiziere auf den Tisch legte.
"Hier, das sind Sachen von meinen Kindern, ich denke, sie müßten eigentlich passen. Ich schenke sie Ihnen." Und dann wickelte sie einen dunkelroten Umhang für Chakotay aus, dazu ein dunkelblaues Hemd, das am Halsausschnitt mit Schnüren zusammengehalten wurde, eine schwarze Hose, die ihm bis zu den Waden reichte und passend dazu eine Strumpfhose und ein paar Schuhe.
Als Kathryn die Sachen sah, konnte sie sich ein Kichern nicht verkneifen. Sie erntete eine strengen Blick von Chakotay.
"Captain..." warnte er leise.
"Entschuldigung. Ich stelle mir nur gerade Sie in Strumpfhosen vor... hihi... das ist einfach... hahahaha... zu komisch!" Kathryn konnte nicht mehr und brach in Gelächter aus. Die alte Frau lächelte milde und meinte dann: "Wenigstens sieht ihr Begleiter dann angemessen aus, so, wie alle anderen auch. Das lustige sind noch Sie im Moment mit ihren Beinkleidern."
Nun war es an Chakotay zu lachen und bevor Kathryn handgreiflich werden würde, verschwand er nach hinten um sich umzuziehen.
Die alte Frau musterte Kathryn von oben bis unten, der das Lachen inzwischen vergangen war. "Hei...heißt das etwa, ich muß jetzt auch solche merkwürdigen Sachen wie Chakotay tragen?" fragte sie entsetzt. Auf dem Tisch lagen nämlich nur noch ein weiteres Paar Hosen, ein zerschlissenes Hemd und ein Gürtel.
Die Frau lachte. "Nein, nein, Kindchen, für Sie habe ich natürlich etwas anderes." Sie ging an einen Kleiderschrank, der in der Ecke des Raumes stand, öffnete die Türen und blieb einen Moment davor stehen. Dann holte sie ein Kleid heraus und reichte es Kathryn.
"Es ist zwar kein Prinzessinnenkleid, aber allemal besser als ihr merkwürdiges Gewand." erklärte sie.
Kathryn betrachtete das Kleid. Es bestand aus einem weißen Rock und einer weißen Bluse mit halblangen, weiten Ärmeln. Aufgenäht hatte es etwas, das wie eine rote Weste aussah und einen braunen Überrock. Während Kathryn sich umzog, suchte die Alte noch nach Stiefeln für sie.
Im hinteren Teil war Chakotay verzweifelt dabei, diese verdammt Strumpfhose anzuziehen. "Oh man, ich verstehe nicht, wie Frauen jemals so etwas anziehen können", stöhnte er. Doch schließlich schaffte er es, zog die Hose drüber, das Hemd an, schlüpfte in die Sschuhe und band sich dann den Umhang um. Als er fertig war, betrachtete er sich in einem Spiegel. *Gar nicht so schlecht!* dachte er und ging nach vorne, um sich den Damen zu präsentieren. Außerdem war er sehr darauf gespannt, was Kathryn anhaben würde.
"Hier bin ich. Und? Wie sehe ich aus?" fragte er, noch bevor er den Raum betrat.
Als er eintrat, sah er Kathryn in diesem Kleid. Sie lächelte schüchtern und zupfte noch hier und da etwas an dem Stoff zurecht. Sie hatte ihn natürlich gehört und als sie ihn sah, wurde ihr auf einmal etwas wärmer. Er sah einfach klasse aus. *Vielleicht sollten wir diese Art von Kleidung auf der Voyager einführen.* überlegte sie und sagte dann: "Steht Ihnen gut, Chakotay. Und was sagen Sie zu meinem Kleid?" Sie drehte sich einmal herum.
"Wunderschön sehen Sie aus Kathryn, wirklich." Verstohlen betrachtete er sie von oben bis unten.
"Ja, jetzt sehen Sie normal aus und so läßt man sie auch ins Schloß. Und nun kommen Sie, es geht bald los." Die Frau räumte die Sachen noch weg und wollte dann zur Tür gehen.
"Warten Sie, wir... wir wissen noch nicht einmal, wie Sie heißen!" rief Kathryn.
Die Frau drehte sich um zu ihr und meinte lächelnd: "Ach, eigentlich habe ich keinen richtigen Namen", sagte sie. "Manche in der Stadt rufen mich so, die anderen wieder so. Nennt mich, wie ihr wollt."
Kathryn warf Chakotay einen fragenden Blick zu und antwortete dann etwas unsicher: "Na gut Miss Doe, dann haben Sie vielen Dank für die Kleider."
"Gern geschehen. Doch nun kommen sie endlich." damit war Miss Doe auch schon zur Tür hinaus. Kathryn gab Chakotay noch ihren Phaser und Tricorder und er verstaute auch die beiden Geräte in einer seiner Taschen. Dann folgten die beiden der Frau aufs Schloß.

Kapitel 4

Im Ballsaal waren schon viele Leute versammelt und Musik erklang.
"Was passiert nun?" wandte sich Kathryn zu Miss Doe, die gerade noch neben ihr gewesen war. Doch als sie sich nun umsah, war die Alte verschwunden.
Sie warf Chakotay einen fragenden Blick zu und der zuckte mit den Achseln.
Die Lautstärke im Saal wurde urplötzlich von drei Schlägen übertönt. Es war der Prezeptor, der das königliche Paar ankündigte, in dem er mit seinem Zeremoniestab dreimal auf den Boden klopfte.
"Werte Gäste!" übertönte seine Stimme jegliches, noch verbleibendes Getuschel. "Seine Majestät, der König, ihre Majestät, die Königin mit Prinzessin Rosa!"
Das Königspaar trat ein und durch die Menge der Gäste ging ein bewunderndes "Ooooooohhhh..." als die Königin in einem wunderschönen Kleid eintrat und ihre Tochter zärtlich in ihren Armen hielt. Am Ende der langen Treppe, die sie herunterkamen, ließ sie die sich Verneigenden einen Blick auf die kleine Prinzessin werfen, die nicht älter als ein Monat sein konnte.
Kathryn und Chakotay standen weiter hinten, verneigten sich mit der Menge und versuchten, auch einen Blick auf die Hoheiten zu erhaschen. Die Prinzessin wurde schließlich in eine Wiege gelegt, die im Saal aufgebaut wurde und die Anwesenden zu Tisch gebeten. In der Mitte des Raumes stand noch mal ein extra Tisch, der mit acht goldenen Tellern gedeckt war. "Für wen der Tisch in der Mitte wohl gedacht ist?" murmelte Kathryn und setzte sich mit Chakotay an ein Tischende, gleich in der Nähe der Wiege.
"Captain, haben Sie denn noch nie Dornröschen gelesen?" fragte Chakotay etwas vorwurfsvoll. "Um ehrlich zu sein, nein, ich habe mich lieber mit Quantenmechanik und Mathematik befaßt, als mit alten Sagen." gab Kathryn zu.
Chakotay rollte die Augen. "Ich glaube, beim nächsten Abendessen werde ich Ihnen man ein Märchen vorlesen! Also, wenn das hier streng nach Märchen abläuft, dann müßte der Tisch in der Mitte für die Feen gedeckt sein und..." er kam nicht weiter, denn in diesem Moment schwebten sieben Feen herein. Sie hatten leuchtende Kleider und Flügel auf den Rücken. Jede hielt einen Stab in der Hand, dessen Spitze Funken sprühte. Kathryn und Chakotay blieben bei dem Anblick die Luft weg.
"Wunderschön." konnte Kathryn nur noch hauchen und ihr Blick klebte förmlich an den Gestalten, die nun anfingen, um die Wiege herumzutanzen.
Die Feen traten nacheinander während des Tanzes an die Wiege ran und segneten die kleine Prinzessin mit ihren Gaben. Im Aufgang erschien dann auch noch eine Nachzüglerin, die achte Fee. Sie reihte sich in den Tanz ihrer Schwestern ein und wollte Rosa gerade ihr Geschenk machen, als es auf der Treppe oben plötzlich einen lauten Knall gab und Nebelschwaden die Treppe einhüllten. Erschreckt zogen sich die Feen zurück, der König und die Königin waren aufgesprungen, ebenso die restlichen Gäste und warteten, was jetzt passieren würde. Eine Gestalt wurde immer deutlicher sichtbar in dem Rauch, der sich langsam verzog. Es war ebenfalls eine Fee, die nun die Treppe herabschritt.
"Und warum wurde ich nicht eingeladen zu diesem Fest?" herrschte sie das Königspaar an. "Es... es waren nicht genug goldene Teller da." stotterte der Prezeptor.
"Nicht genug goldene Teller?" fragte die Fee entgeistert. "Ich werde Euch Eure goldenen Teller... da... und da...." sie war an den Tisch der Feen herangetreten und hatte damit begonnen, jeden einzelnen goldenen Teller zu zerschlagen. Als sie fertig war, klopfte sie sich die Hände ab und sagte: "Das war der Anfang."
Dann schritt sie zur Wiege.
"Chakotay, geben Sie mir einen Phaser!" flüsterte Kathryn ihm zu.
"Captain, warten Sie... Sie wissen nicht..." wisperte er zurück, doch Kathryn unterbrach ihn. "Commander. Den Phaser. Sofort!"
Chakotay gab ihr einen Phaser, während die Fee gerade mit einem Zauberspruch beschäftigt war. Die Prinzessin fing an zu weinen.
Kathryn stellte den Phaser auf Betäubung und bevor Chakotay, der natürlich wußte, wie das Märchen weiterging sie aufhalten konnte, trat sie vor die Fee. "Entfernen Sie sich sofort von der Wiege!" sagte sie entschlossen und hatte ihre "Janeway-Maske" aufgesetzt. Die Fee hielt inne und schaute sie entgeistert an. "Sie wagen es, mich zu stören?" wütete sie. "Wenn Sie nicht augenblicklich das Baby in Ruhe lassen, müssen Sie die Konsequenzen tragen." setzte Kathryn nach.
Die Fee guckte auf Kathryns Phaser. "Was wollen Sie mit so einem merkwürdigen Ding gegen mich ausrichten?" Sie hob ihre Hand und der Phaser wurde aus Kathryns Hand gerissen und flog zur Fee. Dort leuchtete er kurz auf und war dann verschwunden.
Kathryn schaute verblüfft auf die Stelle, wo der Phaser gerade noch zu sehen war. *Sie muß ihn irgendwie desintegriert haben.* überlegte sie schnell und trat dann zwischen die Fee und die Wiege.
"Gehen Sie. Sie werden diesem Kind nichts antun." sagte Kathryn und machte sich kampfbereit. Chakotay wollte Kathryn zu Hilfe eilen, doch als die Fee seine Bewegung bemerkte, holte sie mit dem Arm aus und Chakotay, ebenso die anderen Gäste erstarrten. Nun wandte sie sich Kathryn zu.
"Ich verfluche Dich - bevor der Abend vorbei ist, wirst du Dich in den Finger stechen und tot umfallen!" Sie wedelte mit ihren Händen vor Kathryns Gesicht herum, die ihr natürlich kein Wort glaubte.
"Wenn Sie denken, Sie könnten mir mit solch albernen Dingen Angst machen, dann haben Sie sich aber gewaltig getäuscht. Und jetzt verschwinden Sie, bevor ich handgreiflich werde!" Die Fee sah sie verdattert an, brach dann aber in ein höhnisches Lachen aus.
"Genießen Sie die letzten Stunden ihres Lebens!" und damit ertönte ein neuerlicher Knall, neue Rauchschwaden erfüllten den Saal und als sich der Rauch verzogen hatte, war die Fee verschwunden.
Die achte Fee, die zu spät gekommen war, hatte die Szene mit Kathryn verschreckt beobachtet und trat nun an sie heran. "Sie sollten lieber daran glauben, was sie gerade gesehen haben. Ich kann den Fluch leider nicht rückgängig machen, aber mildern." Und bevor die verdutzte Kathryn noch etwas antworten konnte (die schienen hier ja alle wirklich einen Knall zu haben), hob die Fee ihren Zauberstab über Kathryn und sagte: "Wenn Sie sich in den Finger stechen, sollen sie nicht gleich tot sein, sie werden schlafen, bis Sie durch reine Liebe erlöst werden." Die Fee senkte ihren Zauberstab wieder und wandte sich nun den Gästen zu, die immer noch alle erstarrt waren. Mit einem Schwenk ihres Zauberstabes löste sie die Starre und war dann, mit den anderen Feen zusammen, verschwunden.
Chakotay kam angelaufen. "Kathryn! alles in Ordnung?" fragte er besorgt.
Kathryn nickte. "Ja, alles klar Chakotay."
Der König und die Königin kamen angelaufen und nahmen ihre Tochter aus der Wiege. "Gott sei Dank ist Dir nichts passiert Rosa!" sagte die Königin und streichelte ihrer Tochter über den Kopf. Der König wandte sich an Kathryn. "Was Sie da getan haben war sehr mutig und auch sehr gefährlich. Ich möchte Ihnen danken, daß sie meine Tochter vor dem Bösen bewahrt haben. Hat die Fee Ihnen etwas angetan?" fragte er besorgt.
Kathryn, die den Fluch immer noch nicht für bare Münze nahm, beschloß diesen Unsinn lieber zu verschweigen. "Vielen Dank Majestät, aber die Dame hat mir nichts getan."
Das Königspaar schien erleichtert. "Wie beruhigend. Habt nochmals vielen Dank für den Mut! Wenn ich mich irgendwie erkenntlich zeigen kann..." bot der König an.
"Vielen Dank Hoheit, aber das habe ich gern gemacht. Wenn Sie uns nur gestatten würden, und schon von ihrem Hofe zu entfernen, mein Begleiter und ich sind ziemlich müde, denn wir sind den ganze Tag unterwegs gewesen..."
"Ich würde mich zwar freuen, wenn Sie noch mit uns tafeln würden, aber ihre Bitte sei gewährt."
"Vielen Dank, Euer Majestät." Kathryn verneigte sich und ging dann Richtung Ausgang.
Chakotay, völlig überrumpelt von der Aktion gerade, verneigte sich auch und lief schnell hinter Kathryn her.
Als die beiden den Saal verlassen hatten und die Tür hinter ihnen geschlossen wurde, grinsten alle Anwesenden zufrieden. Die Feen erschienen erneut und die Gesellschaft feierte weiter.

Vor dem Schloßtor schnappte sich Chakotay Kathryns Arm, weil diese schnurstracks, ohne ein Wort zu verlieren, regelrecht aus dem Schloß gerannt war und trotz mehrmaliger Aufforderung von Chakotay nicht stehengeblieben war. "Kathryn! Warten Sie. Was ist denn los mit Ihnen?" fragte Chakotay und hielt sie fest.
Kathryn drehte sich zu ihm. "Tut mir leid, aber ich mußte einfach aus dieser Irrenanstalt! Das ist doch komplett krank! Ich werde jetzt wieder zur Höhle zurückgehen und herausfinden, wie man das Portal, durch das wir herkamen, wieder aktiviert."
"Das werden Sie nicht. Kathryn, wir müssen uns beide einen Schlafplatz suchen, wir können unmöglich in dieser Dunkelheit zurück zur Höhle finden und außerdem will ich erst einmal genau wissen, was wirklich da drin passiert ist. Keine böse Fee verschwindet so einfach, wenn Sie ihr es befehlen!" sagte er bestimmt und schaute sie wartend an.
Kathryn seufzte. "Sie können wohl hellsehen, was Chakotay? Na gut, sie hat irgend etwas von einem Fluch erzählt, daß ich mich heute noch in den Finger stechen würde und dann tot umfallen, was die andere Fee dann aber irgendwie umgewandelt hat und... Chakotay? Alles in Ordnung?"
Chakotay war blaß geworden, als er Kathryns Worte gehört hatte. "Oh mein Gott! Sie hat Sie verflucht... Kathryn, ich will ganz genau wissen, was sie gesagt hat, okay?"
Kathryn sah ihn schief an. "Chakotay, Sie glauben doch nicht an so was oder? Ich meine, sprechende Wölfe, Reiter, Fabelwesen, okay, aber Sie glauben doch nicht ernsthaft an... Zauberei, oder?"
"Sie wissen, daß es Dinge zwischen Himmel und Erde gibt.... selbst mein Volk glaubt an das Übernatürliche und es gibt sehr viele Dinge, die ich mir anders auch nicht erklären kann. Daher: Ja, ich halte so etwas für möglich und besonders dann, wenn wir in einer Welt sind, wo die Phantasien real werden. Also, was hat sie genau gesagt?"
Kathryn seufzte. "Na schön, warten Sie..." Sie schloß die Augen um sich das Szenario noch einmal vor Augen zu holen. "Die böse Fee, wie Sie sie nennen würden, sagte, daß ich mich vor Ende dieser Nacht noch in den Finger stechen würde und tot umfallen. Dann verschwand sie. Dann kam die Fee, die zu spät dran war zu mir und meinte, sie könne den Fluch nicht zurücknehmen aber mildern und hat etwas gesagt, was ich nicht ganz verstanden habe...." Kathryn versuchte angestrengt, sich diesen merkwürdigen Satz noch einmal ins Gedächtnis zu rufen.
Chakotay wurde immer unruhiger. "Kommen Sie Kathryn, denken Sie nach, dieser Satz war wahrscheinlich das Wichtigste, was wir wissen müssen."
"Schon gut, schon gut... sie sagte etwas wie: Ich werde nicht tot sein, sondern nur einschlafen und ... hm... tut mir leid Chakotay, der Rest war einfach nicht verständlich, ich hab's vergessen." Sie öffnete ihre Augen wieder und sah Chakotay an.
"Oh nein. Ich denke, ich sollte Ihnen wohl die Geschichte von Dornröschen erzählen... sie hätten sich nicht einmischen dürfen Kathryn, dann wäre das alles nicht passiert."
"Chakotay, ich glaube, ich höre nicht recht! Das Kind war in Gefahr! Ich habe es nur geschützt!" sagte Kathryn nun entrüstet.
"Aber es wäre alles gut ausgegangen. Ja, die Fee hätte die Prinzessin zwar verflucht, aber sie hätte sich an ihrem 16. Geburtstag nur in den Finger gestochen, hätte 100 Jahre geschlafen und wäre dann von einem Prinzen erlöst worden! Märchen gehen immer gut aus und jetzt... jetzt sind Sie in Gefahr und wissen nicht mal, wie lange Sie schlafen werden oder wie man Sie erlösen könnte!" Chakotay klang verzweifelt.
Kathryn nahm ihm sanft an den Armen. "Commander! Ich werde überhaupt gar nicht einschlafen und wenn doch, dann stehe ich in spätestens 6 Stunden wieder auf, weil wir zur Voyager zurück finden müssen. Ich habe einfach gar keine Zeit, 100 Jahre zu schlafen. Und außerdem glaube ich nicht an Flüche. Machen Sie sich also keine Sorgen um mich, okay?" Als Chakotay sie immer noch zweifelnd anblickte, schickte Kathryn noch ein: "Das ist ein Befehl, Commander!" hinterher.
Chakotay seufzte und rang sich ein kleines Lächeln ab. "Na gut, wie Sie befehlen Captain." sagte er und wußte bereits, daß er diesem Befehl nicht eine Sekunde lang folge leisten konnte. Während Kathryn wieder zurück Richtung Stadt ging, dachte Chakotay noch einmal über jedes einzelne Wort nach, was Kathryn ihm gesagt hatte.
*Vor Ende dieser Nacht, es bleiben also noch 2 Stunden. Wenn sie die übersteht, ohne sich zu stechen, dann müßte der Fluch aufgehoben sein.* überlegte er, betete, daß Kathryn sich in den nächsten zwei Stunden nicht stechen würde und beschloß ganz genau auf sie aufzupassen. Kurz bevor sie die Stadt erreichten, sahen sie auf einmal auf einer großen Brücke parallel zu ihrer, die über den breiten Fluß führten, Lichtblitze und merkwürdige andere Lichterscheinungen verbunden mit seltsamen Sätzen wie: "Venus - Macht der Herzen siegt!" oder "Merkur - Macht des Wassers sieg!"
"Was ist denn da los?" wunderte sich Kathryn und ging auf die andere Brücke zu. Chakotay wollte sie aufhalten. "Nein Kathryn, gehen Sie nicht da hin, wer weiß, welche verrückten Figuren das schon wieder sind."
Doch Kathryn hörte nicht auf ihn. Als ob sie magisch angezogen würde von dem Geschehen, ging sie schnellen Schrittes auf den Schauplatz zu. Chakotay konnte nichts tun, außer ihr zu folgen. Als sie an der Brücke ankamen, bot sich ihnen ein seltsames Bild. Dort standen 5 Mädchen, alle mit sehr knappen Kostümen bekleidet, ein Mann im schwarzen Smoking und mit einer Maske vor dem Gesicht, der Chakotay an Zorro erinnerte, 2 Katzen, die auch noch sprachen und alle kämpften gegen eine Frau, die einfach unnatürlich lange Haare hatte, drei schwarze Halbmonde auf der Stirn und aus deren Händen Blitze zuckten.
Der maskierte Mann warf mit Rosen, während sich bei den Mädchen Energien in den Händen bildete und ein Mädchen, dessen Kostüm sich auch von den anderen auffällig unterschied, ein Zepter in der Hand hatte, mit dem sie herumwirbelte. Eine Rose traf die Frau mit den schwarzen Halbmonden auf der Stirn, wurde jedoch abgelenkt und die Rose landete direkt vor Kathryns Füßen. Sie bückte sich, um sie aufzuheben, denn merkwürdigerweise war sie trotz des Wurfes in wunderschöner Blüte und das verwunderte Kathryn doch sehr.
Chakotay bemerkte, daß Kathryn sich bückte und sah dann die Rose liegen.
Ihre Hand war nur noch Zentimeter von dem Stiel entfernt und Chakotay schrie warnend: "Kathryn! Nein!!!!!"
Doch in dem Moment hatte Kathryn die Rose in der Hand und erschreckte sich über Chakotay. Ein Dorn stach ihr in den Finger und sie ließ die Blume vor Schreck fallen.
"Autsch, was... Chakotay, warum erschrecken Sie mich so?"
Doch nicht nur Kathryn war über Chakotays Schrei erschrocken, die Kämpferinnen sahen erstaunt zu den ungebetenen Zuschauern und ihr Blick blieb an der Frau hängen, die auf einmal in die Arme des Mannes sackte und sich dann nicht mehr rührte.
Den Moment der Ablenkung nutze die Gegnerin der 5 Kämpferinnen, schoß eine Ladung gewaltige Energie auf sie herab, wodurch alle zu Boden gingen und erschien im nächsten Augenblick vor Chakotay, der verzweifelt versuchte, Kathryn aufzuwecken.
"Kathryn, bitte nicht! Wachen Sie auf!" rief er und bemerkte nicht mal, daß die Frau über ihm schwebte. Die grinste hämisch und Chakotay beobachtete entsetzt, wie sich Kathryns Körper in seinen Armen auflöste. Er blickte hoch und sah Kathryn in den Armen dieser merkwürdigen Frau liegen. Wütend stand er auf. "Lassen Sie sie los!" rief er, doch die Frau verschwand vor seinen Augen, samt Kathryn. "Neiiiiiiin!!!!!" schrie er noch und holte geistesgegenwärtig seinen Tricorder heraus um nach Kathryns Lebenszeichen zu scannen, doch er fand sie nicht.
Inzwischen waren die 5 Mädchen und der maskierte Mann angelaufen gekommen.
Das Mädchen mit dem weißen Kostüm trat langsam an ihn heran und legte seine Hand auf seinen Arm. "Keine Sorge, wir werden sie schon finden." sagte sie.
Seltsamerweise spendeten diese einfachen Worte Chakotay etwas Trost und neue Hoffnung. Irgend etwas war an diesem Mädchen, das ihn glauben ließ es würde wahr werden, was sie sagte.
"Vielen Dank. Das hoffe ich und ich werde Euch helfen. Ähm, wer seid ihr übrigens?" fragte er verwirrt.
"Wir sind die Sailor Kriegerinnen und kämpfen für Liebe und Gerechtigkeit und das ist Tuxedo Mask." stellte das Mädchen ihre Freunde und sich vor.
"Aha. Und wer war die Dame, die meinen Captain entführt hat?"
Das Mädchen seufzte. "Das war Königin Nehelenia, wir wissen aber auch nicht, warum sie ihre...ihre...." das Mädchen sah ihn etwas hilflos an. Chakotay half ihr: "... Kollegin...." "Ah, danke... also ihre Kollegin mitgenommen hat."
"Na toll, erst wird sie verflucht, dann entführt und ich habe weder eine Ahnung, wo sie ist und wie man sie überhaupt erlösen kann!" faßte Chakotay für sich noch einmal zusammen. "Wir wissen, wo ihr Versteck ist." sagte Tuxedo Mask. "Eigentlich waren wir gerade auf dem Weg dorthin um sie endgültig zu besiegen, doch irgendwie hat sie den Braten gerochen und uns hier aufgelauert."
"Wir werden jetzt dorthin gehen und es beenden." warf ein Mädchen mit langen, schwarzen Haaren und einem roten Kostüm ein.
"Ich komme mit." sagte Chakotay bestimmt. "Wohin müssen wir?"
Die Sailor Kriegerinnen sahen sich an und die Anführerin nickte den anderen zu. "Ist gut, Sie können uns begleiten, aber halten Sie sich im Hintergrund. Wenn die Gelegenheit günstig erscheint, dann bringen Sie ihre Freundin... äh, Kollegin raus, verstanden? Nehelenia überlassen Sie uns."
Chakotay nickte. "Danke... ähm, wie heißt ihr eigentlich?"
"Ich bin Sailor Moon." stellte sich das Mädchen mit den langen, blonden Haaren, die sie rechts und links mit einem Haarknoten am Kopf auseinanderhielt, vor.
"Sailor Merkur." kam von dem Mädchen mit dem blauen Kostüm und den kurzen, schwarz-blauen Haaren.
"Ich bin Sailor Mars." stellte sich das Mädchen im roten Kostüm, mit den langen schwarzen Haaren vor.
"Mein Name ist Sailor Jupiter." antwortete die vierte Sailor Kriegerin, in dem grünen Kostüm und den langen braunen Haaren, die sie zu einem Pferdeschwanz hochgesteckt hatte. "Und ich bin Sailor Venus." beendete die 5. Sailor Kriegerin mit dem gelben Kostüm und den langen blonden Haaren die Vorstellung.
"Und wer sind Sie?" fragte Tuxedo Mask.
"Chakotay." sagte Chakotay einfach.
"Folgen Sie uns. Ich hoffe, Sie sind gut zu Fuß?" rief Sailor Mars und schon rannte sie los. Die anderen folgten, nur Sailor Moon blieb noch einen Moment bei Chakotay stehen.
"Sie... Sie lieben sie, oder?" Es war eher eine Feststellung.
Chakotay schaute das Mädchen verblüfft an - konnte sie Gedanken lesen? Schließlich sagte er: "Ja, woher weißt Du das?"
Sailor Moon lächelte. "Instinkt und außerdem sind Sie geradezu krank vor Sorgen um sie. Aber ich verspreche Ihnen, daß wir sie retten werden. Und nun kommen Sie."
Damit rannte sie hinter den anderen her, Chakotay blieb ihr dicht auf den Versen.

Kapitel 5

Nehelenia hatte inzwischen ihr Versteck erreicht und Kathryn versteckt. Als sie diese Frau das erste Mal erblickt hatte, war sie von ihr völlig angetan, sie mußte sie einfach besitzen. Außerdem war sie eine nette Geisel. Bevor sie in ihrem Thronsaal auf die Sailor Kriegerinnen wartete, um sie ein für allemal zu vernichten, hatte sie Kathryn noch andere Kleidung gezaubert, die ihrer Meinung nach ihr als zukünftiger "Prinzessin der Dunkelheit" würdiger erschien. Um das Aufwachen würde sie sich später kümmern, wahrscheinlich war es einer der üblichen Flüche und sie kannte die feuerrote Fee sehr gut, die das vermutlich verursacht hatte. Nun ja, nach dem Kampf würden Sie einen Kaffe trinken und dann den Fluch aufheben. Doch jetzt wartete sie erst einmal auf die Sailor Kriegerinnen und sie mußte gar nicht so lange warten.
"Nehelenia! Ergib Dich und laß Kathryn frei!" rief Sailor Moon. Sie hatte sich unterwegs von Chakotay noch die Geschichte, wie sie hierherkamen kurz erzählen lassen und wußte deshalb Bescheid. "Sie hat mit unserem Kampf nichts zu tun, halt Sie da raus."
Nehelenia lachte nur höhnisch. "Mir gefällt die Frau und ich habe Sie dazu auserkoren, die Prinzessin der Dunkelheit zu werden. Ich wollte schon immer eine Nachfolgerin haben, die meiner Schönheit so nahe kommt. Wenn ihr sie haben wollt - dann müßt ihr erst mich besiegen."
"Was haben Sie mit ihr gemacht?" rief Chakotay nun wütend.
Nehelenia wandte sich ihm zu. "Bisher noch gar nichts, sie schläft irgendwo in diesem Schloß, such sie doch."
Sailor Moon nickte unmerklich erst Chakotay, dann den anderen zu und zugleich schickten die Kriegerinnen ihre Kräfte Nehelenia entgegen, die nach hinten geschleudert wurde und für ein paar Sekunden außer Gefecht gesetzt war. "Schnell, gehen Sie!" rief Tuxedo Mask Chakotay zu und der reagierte prompt und rannte durch eine Tür tiefer in das Schloß, um nach Kathryn zu suchen.
Er hörte die Explosionen der Energien der Kriegerinnen und auch Nehelenias, doch darum kümmerte er sich jetzt nicht. Ihm war nur Kathryn wichtig. Er mußte sie unbedingt finden. Die Kampfgeräusche wurden leiser, je weiter er sich entfernte und er hoffte nur, daß die Sailor Kriegerinnen Nehelenia besiegen würden.
Er durchsuchte sämtliche Zimmer, doch nirgendwo konnte er Kathryn finden. Schließlich blieb ihm als letzte Option ein verfallener Burgturm und so stieg er vorsichtig die alte Wendeltreppe hinauf.

In dem Thronsaal saßen die Sailor Kriegerinnen inzwischen an einem Tisch und schossen hin und wieder etwas Energie umher, um den Kampf wenigstens noch vom Klang her echt wirken zu lassen. Nehelenia hatte sich schon verabschiedet und ihnen einen Spiegel aufgestellt, in dem die sechs Chakotay sehen konnten, der nun kurz vor seinem Ziel zu sein schien. Sailor Moon hatte sich an Tuxedo gelehnt und meinte: "Wenn das jetzt nichts mit den beiden wird, dann werde ich sie im Namen des Mondes persönlich bestrafen."
Die anderen lachten und warteten gespannt, was er nun machen würde.

Chakotay öffnete langsam die vermoderte, alte Tür und trat in kleine Kammer ein. Als er Kathryn saß, verschlug es ihm die Sprache. Das Bett, auf dem sie lag war mit schneeweißen Laken bedeckt und mit Gold verziert. Unzählige Rosen lagen vor und auf dem Bett und durch das einzige Fenster hier wurde alles von einem Sonnenstrahl erleuchtet. Doch noch schöner war der Anblick Kathryns, die nun nicht mehr das Kleid anhatte, das die alte Frau ihr gegeben hatte, sondern nun ein hellblaues, langes Kleid trug, das mit unzähligen glitzernden Steinchen besetzt war, lange Ärmel aus feinem Chiffonstoff hatte, und am tiefen Ausschnitt mit einer dunkelblauen Borte besetzt war.
Passend hatte sie dunkelblaue Schuhe an, ein weißes Diadem in den Haaren und eine Halskette um, deren Steine unmöglich echt sein konnten. Ihre Hände waren über ihrem Bauch gefaltet, eine Rose, die noch nicht aufgeblüht was, lag in ihren Händen und hätte sie Flügel gehabt, hätte Chakotay sie für eine Fee gehalten.
*Sie ist so wunderschön.* dachte er nur und betrachtete sie lange.
Doch irgendwann wurde ihm bewußt, daß er etwas tun mußte, um sie irgendwie wieder zur Voyager bringen zu können.
Verzweifelt rief er sich Kathryns Worte über den Fluch noch einmal in Erinnerung und er hoffte nur, daß sie nicht 100 Jahre lang schlafen mußte. Was er nicht bemerkt hatte war, daß die alte Frau, die ihnen die Kleidung gegeben hatte und in Wirklichkeit die gute Fee von Cinderella war, sich in dem Raum befand und ihren Zauberstab schwang. Vor Chakotay begannen auf einmal Sterne zu erscheinen, die sich auf einen Punkt konzentrierten und dann ein kleines Mädchen mit Engelsflügeln bildeten.
Chakotay erkannt das kleine Mädchen aus Kußstadt verblüfft, das ihnen diese merkwürdige Prophezeiung gemacht hatte.
"Sei fest im Glauben, dann kannst Du Sie retten..." Das Mädchen veränderte sich in die achte Fee und diese sagte dann: "Nur wahre Liebe kann sie erwecken..." und dann war die Erscheinung auch schon verschwunden.
*Wahre Liebe? Heißt das, ich kann sie erlösen?* überlegte er und dann hörte er noch mal den kleinen Engel flüstern: *Sei fest im Glauben..*
Chakotay hatte plötzlich ein absolut sicheres Gefühl in sich. Er war derjenige, der Kathryn über alles liebte und nur er würde sie erwecken können. Langsam beugte er sich zu ihr herunter. Die Fee atmete erleichtert auf, ließ den Spiegel im Thronsaal verschwinden und zauberte sich dann selbst dorthin. Das hier war eine Privatsache und niemand hatte das recht, zuzusehen.

Chakotay schloß die Augen und küßte Kathryn. Im gleichen Moment blühte die Rose in Kathryns Händen auf und sie selbst öffnete langsam die Augen.
"Hm... Chakotay?" fragte sie noch etwas verschlafen und sah sich langsam um. "Wo bin ich? Was ist passiert?"
"Du wurdest verflucht, hast geschlafen, wurdest entführt und ich habe Dich gerade wieder aufgeweckt." faßte Chakotay zusammen.
"Was? Aber die Fee sagte, ich könnte nur durch reine... Liebe.... erlöst werden." den letzten Teil des Satzes sprach sie nur sehr langsam aus, als ihr klar wurde, was er bedeutete. "Heißt das, Du..." Sie sprach nicht weiter, sah Chakotay nur mit großen Augen an. Dieser nickte. "Ich glaube schon. Kathryn, wir sind einfach füreinander bestimmt, das ist mir jetzt klar geworden."
Kathryn lächelte. "Ich glaube, gegen diesen Beweis kann niemand etwas einwenden. dann würde es Dir doch nichts ausmachen, mich... noch einmal zu erlösen?" fragte sie schelmisch und schloß wieder die Augen. Chakotay grinste und küßte sie abermals. Diesmal wurde der Kuß jedoch erwidert.

Im Thronsaal hatte die gute Fee inzwischen alles wieder hergerichtet, die Sailor Kriegerinnen hatten sich wieder zurückverwandelt und das Schloß inzwischen verlassen. Nun blieb der Fee nur noch eins zu tun...
Sie murmelte eine Zauberformel und im nächsten Augenblick standen Kathryn und Chakotay vor ihr.
"Huch! Was... Miss Doe! Aber... aber Sie sind ja..." stotterte Kathryn.
"Genau, die gute Fee von Cinderella, für den Augenblick ihre gute Fee. Sie möchten doch bestimmt zurück, oder?"
Chakotay und Kathryn nickten und sahen nur noch, wie die Fee ihnen zuwinkte, um sie herum alles weiß wurde und im nächsten Moment standen sie wieder auf der Planetenoberfläche in ihren Uniformen und neben ihnen rematerialisierten Tom, B'Elanna, Ayala und McKenzie. Verblüfft schauten sich Kathryn und Chakotay an, während die anderen ihre Tricorder und Phaser zogen und die Umgebung sondierten.
"Komisch, von hier kann ich die Materie durchdringen, es befindet sich nichts weiter als Erde und Stein unter uns. Warum konnten die Sensoren der Voyager das nicht feststellen? Torres an Voyager." sagte B'Elanna.
"Voyager hier." kam Tuvoks Stimme.
"sagen Sie bitte im Maschinenraum Bescheid, daß jemand die Sensoren überprüft, ich kann sogar mit dem Tricorder alles scannen."
Tuvok warf Kim einen Blick zu und Kim scannte erneut. "Merkwürdig, jetzt kann ich auch alles durchdringen." fragend blickte er zu Tuvok, der die Augenbraue hob und an das Landeteam gerichtet sagte: "Mr. Kim hat gerade einen weiteren Scan vorgenommen, es schient als hatten die Sensoren vorhin nur eine kurze.. Fehlfunktion."
"Verstanden. Torres Ende."
"Captain, Commander? alles in Ordnung mit Ihnen?" fragte Tom, als die beiden kommandierenden Offiziere sich die ganze Zeit über nur angestarrt hatten.
Beide wurden durch Toms Frage aus den Gedanken gerissen. "Wie? Ja... alles in Ordnung, ich habe nur über etwas ... nachgedacht." beim letzten Wort sah Kathryn Chakotay na. Tom runzelte zwar die Stirn, doch ließ er es dabei bewenden und machte sich an die Arbeit.

Kapitel 6

Als sie eine Stunde später wieder auf die Brücke zurückkehrten, ging Kathryn sofort in ihren Bereitschaftsraum und bedeutete Commander Chakotay, ihr zu folgen.
Als sie die Tür hinter ihnen geschlossen hatte, sah sie ihn fragend an.
"Chakotay, haben... ich meine, ich hatte.... Sie... sagen Sie mir bitte, was passiert ist, als wir das erst Mal auf diesen Planeten gebeamt sind." sagte Kathryn nun verwirrt.
"Sie... Sie erinnern sich auch daran? An die Fabelwelt, die Märchenfiguren, Kußstadt, den Ball?" fragte Chakotay.
Kathryn nickte. "Dann haben wir uns das doch nicht nur eingebildet?"
Chakotay schüttelte den Kopf. "Sie wurden verflucht und ich habe... Dich... geküßt." sagte er langsam.
Kathryn näherte sich ihm. "Dasselbe habe ich auch erlebt. Vielleicht... träume ich ja immer noch? Küssen Sie mich Commander, damit ich merke, daß das kein Traum ist."
"Mit dem größten Vergnügen, Captain." Und Chakotay gab ihr einen sanften Kuß auf die Lippen. Kathryn meinte danach: "Ich bin wach, also war es kein Traum." Sie lächelte. "Chakotay.... ich liebe Dich." gestand sie ihm und erntete dafür ein glückliches Lächeln.

Als die beiden viel später in Kathryns Quartier gingen, lag auf dem Bett eine rote Rose, die genauso aussah wie jene, die Kathryn in der Hand gehabt hatte, als Chakotay sie wachgeküßt hatte.
Lächelnd sahen die beiden es und Kathryn stellte die Rose in eine Vase, wo sie, zum Erstaunen aller, in ewiger Blüte stand.
"Ich denke mal, das ist der Beweis, daß das alles wirklich passiert ist." sagte Kathryn. "Schade, daß Du das Kleid nicht mehr hast, das Du zum Schluß anhattest - ich habe noch nie etwas schöneres gesehen." sagte Chakotay seufzend und riß überrascht die Augen auf, als Kathryn auf einmal das Kleid samt Zubehör anhatte.
Verblüfft schaute Kathryn an sich herunter und dann zu Chakotay. Der trug wieder seine Kleidung, die die gute Fee ihm gegeben hatte.
"Chakotay, von heute an glaube ich an Feen, Flüche und Magie." sagte Kathryn tonlos und beide machten in diesem Aufzug einen Ausflug aufs Holodeck.

Epilog

Im Schloß des Königs saßen derweil die vier Verschwörerinnen wieder zusammen und lachten herzlich über das erlebte.
"Haha... wie ich sie verflucht habe, ihr hättet mal ihren Gesichtsausdruck sehen müssen", sagte die feuerrote Fee.
"Und unser Kampf, der eigentlich ganz schön echt aussah." warf Sailor Moon ein.
Nehelenia nickte zustimmend. "War schon toll, wieder mal alte Zeiten zu erleben."
"Wie fandet ihr das Kleid, daß ich Kathryn gezaubert habe? Eigentlich war es sogar noch schöner als das von Cinderella damals." überlegte die gute Fee.
An der Tür klopfte es und der kleine Engel trat ein. "Kommt ihr? Das Fest beginnt." sagte sie und die vier Frauen folgten ihr in den Ballsaal, wo sie für ihre Idee und die erfolgreiche Umsetzung ihres Planes einen tosenden Beifall erhielten und an dem Abend als Ehrengäste angesehen wurden.
Doch bevor die ganze Gesellschaft anfing, so richtig zu feiern, bedankten sich die vier bei allen, die mitgeholfen hatten dieses kleine Theaterstück aufzuführen und die feuerrote Fee sagte zum Abschluß: "Feiern wir heute die Lösung dieses hartnäckigen Falles, einen Captain und ihren ersten Offizier zusammen zu bringen." Ein Beifall unterbrach sie. "Und morgen meine Lieben, machen wir uns Gedanken, wie wir das Hologramm und die Borg verkuppeln können! Auf die Liebe!"
"Auf die Liebe!" erklangen die Stimmen der Anwesenden und alle stießen an.

E N D E